Martin Compart


STAMMTISCHGEGRÖLE: THOR KUNKEL HAUT IHNEN EINE REIN – ENDLICH! by Martin Compart
6. Dezember 2011, 11:44 am
Filed under: Bücher, Deutsches Feuilleton, Stammtischgegröle, Thor Kunkel | Schlagwörter: , ,

Das deutsche Literaturfeuilleton – Quell ewiger Belustigung! Ähnlich wie der deutsche Fernsehkrimi lebt es in ewiger kultureller Verspätung. Und ihre Protagonisten sind von ähnlich intellektueller Potenz wie TATORT-Redakteure. Geistige Tiefflieger, mit denen man maximal ein halbes Bier am Tresen verbringt. Schlimm ist nur, dass sie sich trotz ihres grässlichen Äußeren auch noch im Fernsehen zeigen. Beim Anblick einer Iris Radisch würde sich sogar ein ausgehungerter Graf Dracula mit Entsetzen abwenden. Die Stimme von Thea Dorn ist für jeden Brillenträger selbst beim zappen eine Gefahr.
Das Print-Feuilleton der einstmals Auflagen starken Bildungsbürgerpresse haben diese längst in die Bedeutungslosigkeit ruiniert. Schreiberlinge, die ohne nennenswerte Kenntnisse in ihrem Material herumstochern; emsige, aber geistlose Geschöpfe. Wie die Marketingexperten der Großverlage handeln sie nach dem Motto: werben, wo es ohnehin schon läuft.
Das kommt dann sogar einem Frank Schwätzing (peinlichst von Thea Dorn in ihrer Schmierensendung angehimmelt) zu gute, dessen LIMIT in der Science Fiction-Szene nur mitleidiges Gelächter auslöste. Aber von Genre-Literatur haben sie ja keinen Schimmer (Lieblingssatz seit Jahrzehnten: Mehr als ein Kriminalroman). Die entscheidende Literaturkritik ist längst in Spartenmagazine und ins Netz abgewandert. Diese Falange, verharrend in ungebildeter Stammesdumpfheit, bedient nur noch die geistigen Krüppel des Prosecco-Prekariats, in der vergeblichen Spekulation, dass die Literaturgeschichte sie registriert. Den Heloten der Bestsellerlisten hat nun Thor Kunkel ordentlich einen reingewürgt (und die wütend reagierende Feuilleton-Kamarilla wird mit hämischen Leserbriefen bedacht – siehe WELT: http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13746535/Z-wie-Ziege.html). Und Kunkel (immerhin einer der wenigen deutschen Lieblingsautoren des hoch gebildeten und geschätzten Kollegen Ulrich von Berg) hat als gebranntes Kind jedes Recht dazu. Diesen Buchbranchenkulis gelang es doch tatsächlich, Kunkel einen potentiellen Bestseller zu versauen: Unter Auslassen der Lebensgefahr haben die investigativ ermittelnden Schreibtischmähren ihm nachgewiesen, dass irgendwelche Recherchen für seinen Roman ENDSTUFE (für dankbare Nerds: da geht es um Nazi-Pornos!!!) nicht stimmten. Fürwahr: ein tolles Argument gegen ein fiktionales Werk! Was ließe sich da wohl alles im Schleim einer Charlotte Roche recherchieren! Oder bei einem ihrer Lieblinge, dem Ostküsten-Klugscheisser Paul Auster. Hätte Kunkel das Buch unter Pseudonym als französische Übersetzung veröffentlicht und wäre er bei Interviews als bretonisch-lesbische Neo-Nazi-Aussteigerin aufgetreten, hätten sie ihm einen der vielen unbedeutenden deutschen Literaturpreise und hohe Auflagen besorgt. Vielleicht wäre es auch ausreichend gewesen, wenn er sich diesen Schaumschlägern von recht erbärmlichem Geschmack, in devoter Pflegeleichtigkeit genähert hätte.

Aber hier nun ein paar wunderbar formulierte O-Töne aus Kunkels Essay. Mir gefällt besonders der Vergleich mit Bankern und anderen Sozialschmarotzern, die längst ihre Existenzberechtigung verwirkt haben (ich kann auch nicht begreifen, warum man nicht die SAS – sie nimmt nie Gefangene – oder Navy Seals zu Standard & Poor´s oder Moody´s schickt um dies Eco-Terroristen zu neutralisieren. Wenn es um die nationale Sichereheit geht…):

„ Die mangelnde Urteilskraft derer, die gewissermaßen den kulturellen Mainstream lenken, tritt hier einmal mehr deutlich zutage. Es ist eine wahre Aprés-Garde, die jetzt kritisiert, und dem Hype in einem geistlosen Labyrinth hinterherhinkt…
Viele der tonangebenden »Kulturkaffern« scheinen zudem dem Zeitgeist verfallen zu sein, der – indem er reale Werte verkennt und die ideelle Falschmünzerei protegiert – in einem ethischen Dilemma verharrt. Sie verhalten sich nicht anders als gewisse Finanz-Manager, die ihren Kunden Junk Bonds und marode Anleihen andrehen. Was momentan geschieht, ist de facto eine kulturelle Obszönität, und somit das exakte Gegenteil dessen, was genuine Kultur ausmachen sollte. Die Vielzahl und Kontinuität der ästhetischen Fehlurteile ist deplorabel…

In der Welt der veröffentlichten Meinung ist es inzwischen nicht anders. Die Posten- und Pöstchenmelange geht Hand in Hand mit tendenziösen oder werblichen Texten. Da lobt beispielsweise Elke Heidenreich den in ihrer Edition erschienenen Hans Neuenfels (Das Bastardbuch) und glaubt ernsthaft, dass niemand den parfümierten Kuhhandel riecht. Nichts gegen Neuenfels, aber was unterscheidet Heidenreichs Rezension von product placement, inklusive PR-Journalismus…

… so wie die Literatur-Glucke Auffermann, deren »gefährlich kreatives« Patenkind 2010 als ziemlich dreiste Abschreiberin demaskiert wurde. Da war die Copy-Paste-Bastelarbeit schon zum Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Die politisch korrekte Tränentrine Iris Radisch verglich das aufgeflogene Wunderkind damals übrigens ohne Zögern mit Heiner Müller, und niemand, wirklich niemand, auch kein versprengter, halbverhungerter Bewohner irgendeines Kulturreservats rückte Frau Radisch für diesen Spruch den schwarzgefärbten Fransenpony zurecht! Zeugte der Vergleich mit Müller, immerhin einem der größten Dramaturgen der Neuzeit, nicht geradezu von Verachtung für Literatur? Und von einer schier unglaublichen Inkompetenz?
Den vielen verhaltensauffälligen Frauen, die heute für die Feuilletons schreiben, geht es wahrscheinlich eher um ihren Lifestyle als um Literatur. Man gehört ja zum juste milieu, hat eine Klassengrenze zwischen sich und die brotlosen, wahren Poeten gebracht, und diese Tatsache verdient es, einmal täglich mit einem Prosecco oder Veuve Cliquot am Szene-Tresen begossen zu werden. Und damit das möglichst lange so bleibt, spielt man auch gerne mal den Steigbügelhalter von Charlotte Roche, deren unsäglicher Textbrei das letzte Sommerloch füllte. Nicht das Buch war der Skandal, sondern die Kritik, die sich querbeet durch den Blätterwald nie zu schade war, kunstlosen Quatsch hochzuschreiben. …“

Wunderbar! Ganz wundeerbar! Diesen schönen Text darf man komplett genießen auf:

http://www.titel-magazin.de/artikel/3/10192/den-%C2%BBhausheiligen%C2%AB-der-feuilletons-fehlt-es-stets-mehr-an-selbstverpflichtung-zur-wahrheit.html

Dank an die KRIMI-DEPESCHEN, dass sie mich auf Kunkels Text aufmerksam gemacht hat.


Schönheit, Geist, ein gut sitzender Damenblazer und Rebellentum – was will die verwelkte Thalia-Kundin mehr? Ein Rollenmodel für ZEIT-Abonnentinnen.


Unbekannte Feuilletonistin beim tanken. (Soso, schade – da muss ich mich gelegentlich nach adäquaten Ersatz umschauen).


…dann hat ja wohl alles nicht so richtig Sinn. Oder was?


Begabte, aber ebenfalls unbekannte, Feuilletonistin beim Aufräumen des Schreibtisches.


1 Kommentar so far
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Dieser Beitrag war längst überfällig. Eine kleine Handvoll Kulturpäpste merkt offenbar gar nicht, wie sehr sie nichts weiter sind als ein Rad im Getriebe der Massenvermarktung. Zum Ausgleich wirft Dennis Scheck dann schon mal ein Buch in die Tonne, das durchaus lesenswert wäre. Man mag diesen Schwachsinn nicht mehr lesen und sehen, es sei denn, man sieht es als (wenn auch ungewollte) Satire an.

Kommentar von Helmut Exner




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