Martin Compart


TV: Unter Zombies – das deutsche Drama by Martin Compart
20. November 2015, 11:19 am
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Versuch der Annäherung einer Betrachtung

von MiC

Jetzt läuft gerade eine deutsche Serien bei RTL an, „von der die Welt spricht”, O-Ton RTL Werbung. Warum eigentlich sollte die Welt von „Deutschland 83” sprechen? Die Miniserie, acht Folgen à 42 Minuten, ist nichts anderes als eine schamlose Kopie der US-Serie „The Americans“, nur dass hier der Kalte Krieg als deutsch-deutscher Konflikt ausgetragen wird: BRD gegen DDR im Kampf der Systeme. Produziert von Echthaarträger Niko Hofmann (der dem deutschen Zuschauer wieder einmal deutsche Geschichte verdreht, bis sie seiner eigenen ideologischen Gesinnung zupass kommt) könnte sie auch heißen: Die Leiden des jungen Doppelagenten.

(So schnell haben sie bisher noch nie reagiert. Sie sind selbst für PR-Arbeit zu blöde.)

Nehmen wir stattdessen eine wirklich originelle Idee. Da gibt es eine britische Miniserie mit dem Titel „Injustice” von 2011, mit James Purefoy in der Hauptrolle.

Die Prämisse: Protagonist Will Travers ist ein Strafverteidiger, der nur dann Leute verteidigen kann, wenn er  von ihrer Unschuld überzeugt ist.

Die Handlung: Travers, mit der Familie nach einer persönlichen Krise von London in die Provinz nach Ipswich gezogen, übernimmt die Verteidigung eines alten Studienkollegen in London, nach dem er sich von dessen Unschuld überzeugt hat. Während er sich bemüht, die Unschuld seines Mandanten vor Gericht zu beweisen, erfahren wir den Grund seines Wechsels in die Provinz.

Die Backstory: Als bei einem Bombenattentat ein achtjähriger Junge starb, übernahm Travers die Verteidigung des Beschuldigten und bewirkte einen Freispruch. Anschließend gestand der Beschuldigte unter vier Augen, dass er die Bombe tatsächlich gelegt hatte und schuldig ist. Travers rastete aus.

Und so geht es weiter:  Zwei Jahre später trifft er den Bombenleger zufällig wieder und tötet ihn. Er hat damit die „Gerechtigkeit” wieder hergestellt. Parallel zu dem Prozess in London sucht die Polizei in Ipswich den Mörder des Bombenlegers und kommt Travers auf die Spur…

Diese Story würde in Deutschland, wenn überhaupt, als Krimikomödie gedreht werden, in der alte Damen böse Menschen mit Kamillentee vergiften. Von den „Injustice” Sublines, wie Vergiftung der Dritten Welt durch Giftmüll eines europäischen Ölkonzerns, der Pädophilie des alten Studienkollegen (das wahre Tatmotiv für seinen Mord) einmal ganz abgesehen, so etwas würde hier keine Redaktion abnicken.

Beim Betrachten dieser Miniserie, die nicht an die Brillianz der BBC-Anwaltserie „Silk” heranreicht aber recht gut ist, wurde mir erneut klar, wo die Ursachen für die „Qualität“ des deutschen Fernsehen liegen. In den Machtverhältnissen und im Urheberrecht. Die deutschen Sender finanzieren Auftragsproduktionen und erwerben damit sämtliche Rechte – nur Brainpool und Sony behalten teilweise Verwertungsrechte – und so hängen letztlich alle Produktionen am Finanztropf der Sender. Die Möglichkeit Rechte zu behalten, zu verwerten und damit Geld zu Erwirtschaften, haben deutsche Produktionsfirmen nicht. Während das Urheberrecht in Groß Britannien den Total-Buy-out untersagt, hat die Novellierung des Urheberrechts in Deutschland das Gegenteil bewirkt, die Machtverhältnisse und den Total-Buy-out branchenweit zementiert.

Damit ist auch klar, wer für das deutsche Fernsehen arbeitet, wird niemals auf das Niveau der Briten, Amis, Franzosen, Italiener und sogar der Norweger kommen. Die ganze Diskussion um die Qualität des deutschen Fernsehens ist absolut lächerlich. Da kann der Tatort sich noch so sehr als Institution gerieren und seine Macher hemmungslos bei Briten und Amerikaner usw. abkupfern, um sich anschließend für ihre Innovation, ihren Mut und ihr internationales Niveau zu beglückwünschen. Dabei sind genau sie die Zombies des deutschen Fernsehens. Die Entwicklung eines eigenständigen deutschen Dramas wurde spätestens mit Einführung des Privatfernsehens vor 30 Jahren endgültig vertan. (N.B. Selbst die ruhmreiche WDR-Serie „Ein Herz und eine Seele” war ebenso die Kopie einer englischen Serie, wie das Pro 7 Erfolgsformat „Stromberg”). Falls es eines Beweises aus jüngster Zeit bedarf: „Weinberg”, die angeblich erste horizontal erzählte Serie im deutschen TV, ist an Spießigkeit und dümmlicher Provinzialität nicht zu überbieten. Wer böswillig ist, kann auch behaupten, sie können nicht einmal richtig nachmachen.

Womit wir wieder bei „Deutschland 83” wären. Aber die werden es der Welt schon zeigen, wie RTL groß posaunt. Nur was zeigen? Dass sie besser kopieren können? Für das deutsche Fernsehen gilt letztlich, was ein französischer Literaturstudent zu einem Roman des Krimiautor Sebastian Fitzeck in seinem Blog anmerkte. „Der Autor ist der deutsche Patterson, für eine Kritik ist das Buch einfach zu schlecht.”

https://bookaroundthecorner.wordpress.com/2011/11/10/german-lit-month-my-entry-for-crime-fiction-week/

Poetischer formuliert: (German drama)… is a tale told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing.

Das deutsche Fernsehen ist für eine Kritik einfach zu schlecht. Aus und vorbei.

 

Schaut die Anfangssequenz an und wie unglaublich die mit TUSK von Fleetwood Mac unterlegt (und geschnitten) ist. Das erinnert an die besten Momente von MIAMI VICE und dem bis heute Standards setzenden Einsatz von Musik.



Micky Maus am TATORT u. THE AMERICANS by Martin Compart

Nach Jahren der wohl verdienten Abstinenz, habe ich mir mal wieder einen TATORT angetan. Klar, ich wollt das peinliche Scheitern von Micky Maus als Bruce Willis auch sehen. Schließlich hatten 12 Mio. eines 80 Mio.-Volkes ebenfalls zugeschaut als Til Schweiger (hart wie ein Bahlsen Keks) zum Schwanzvergleich auflief. Die Micky-Maus-Synchronstimme nuschelte sich einmal mehr durch ein Schwachsinnsdrehbuch,das nie die Realität des Handlungshintergrundes mit der fiktionalen Geschichte spannend oder nur glaubhaft vernetzt. Eine langweilige Nummernrevue, aufgemotzt durch eine Action, die sich am US-Kino der 1980er Jahre zu orientieren versucht. Aber Schweiger (würde er sich doch nur seinen Namen zum Lebensmotto erheben) scheiterte nicht alleine. Dabei wurde er von einem grottigen Drehbuch voller erbärmlicher Dialoge (der Herrenwitz vom Schwanzvergleich durfte natürlich nicht fehlen und würde sogar von Fips Asmussen aus dem Programm geworfen) und einer Regie, die bei Schießereien nicht das geringste Gefühl für den Raum (und damit Bedrohlichkeit) entstehen ließ. Immer nach dem Grundsatz der deutschen TV-Serienmacher: „Wir wissen zwar wie es geht, aber wir können es nicht.“
Nur gut, das Leonardo da Vinci die Vorlauftaste erfunden hat.


Was heisst Parodie? Diese ultra brutalen Szenen sind rausgeschnitten worden, da man den TATORT sonst erst nach 23.00 Uhr hätte ausstrahlen dürfen.


Ein Intelleller erzählt worums geht.In Amerika gibt es auch keine Steuergelder für das Debilenfernsehen. Das wird logischer Weise durch die Werbung finanziert.

War das noch ein TATORT? Fragten verwirrte Postillenschmierer. Aber gewiss. Er hat sich nahtlos in das übliche Niveau eingefügt. Prekariatsfernsehen mit einem Budget, wie es nur die öffentlich-rechtlichen stemmen können.

Und dann wieder die Angelsachsen. Ein Schock nach dem nächsten. Dank ARTE (der wohl beste Seriensender im Free-TV) durfte man gerade INJUSTICE und THE HOUR bewundern. Im Internet hat man HOMELAND sehen können (wer will diese tolle Serie denn zerstückelt bei SAT 1 sehen?). Und jetzt nehmen die Amis den McCarthy-Knaller I WAS A COMMUNIST FOR THE FBI, drehen ihn um 180° und machen daraus eine der aufregendsten und intelligentesten Serien überhaupt. Die Prämisse hätte eine schöne deutsch-deutsche Problematik für eine originelle Eigenproduktion hergeben können. Aber die dumpfen Redakteure mit ihrem a-historischen Bewusstsein hätten das Potential sowieso nicht erkannt („Das ist doch eher was für Guido Knopp.“).

Aber ich will nicht lange rumlabern. Hier THE AMERICANS; in der Hoffnung, dass es bald die DVD-Box gibt.