Martin Compart


MiCs Tagebuch… Zum Mayday – Sternzeit 01052016 by Martin Compart
5. Mai 2016, 10:09 am
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Endlich mal wieder auf die 1. Sitze reihern

Impulskommentar zu Line of Duty: Schaue gerade Line of Duty Season 3 und da wird es wird immer besser… die ziehen ein Register nach dem anderen. Ich schmeiss mich in Deckung hinters Sofa und schalte zur Ernüchterung zum millionenfachen Sonntagsritual der Bevölkerung um. Sonntagabend im Ersten. Zum Glück ist heute dort, wo man gerne auf die 1. Sitze reihert, wieder das Bratwurst-Team vom Kölner Tatort (20. Jahr, wunderbar) in Sachen “Morden im Ostkongo” unterwegs. Ein weiteres Betroffenheitsermittlerdrama von dem haarigen Doppelpack, das schon in Sachen Blutdiamanten vor 10 Jahren für des Dummdeutschen Aufklärung gesorgt hat. Und natürlich geschieht das schreckliche kongolesische Morden in Deutz, Nippes und Weidenpesch oder war’s Marienburg? Denn wenn der kriegsverbrecherische Afrikaner sich nicht gerade einen Wolf schnackselt und alle mit AIDS verseucht, dann metzelt er, kaum im Asyl von deutscher Gastfreundschaft und AfD herzlich willkommen geheißen, in der Hauptstadt des organisierten Frohsinns alle möglichen Lands- und andere Leute danieder. Das Trauma macht’s möglich. Und diesmal sollen Maulaff und Schunkel sogar keine Sprüche verzählen und auch sonst nix weltrettend Erklärendes von sich geben. Potztausend. Na… letzte Woche noch Kierkegaard in Weimar, heute schon Kabila in Klettenberg. Da geht doch Einiges im deutschen Ermittlerwald. Wir müssen dankbar sein und demütig. Nur wem und warum? Kann ich bitte meine Gebühren in Currywurst statt Programm ausgezahlt bekommen?

"Da hinten ist der Kongo!" "Hinter Ehrenfeld?"

„Da hinten ist der Kongo!“
„Hinter Ehrenfeld?“

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NEWS in Tateinheit mit STAMMTISCHGEGRÖLE: DA ISSER WIEDER: TIL SCHWEIGER GEGEN IS? by Martin Compart
17. November 2015, 4:22 pm
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Ein Tatort-Zweiteiler (Oh, Mann! Wiedermal kurz vor dem seriellen Erzählen? ) mit Micky Maus Schweiger wird leider (oder auch nicht leider) verschoben. Begründung von Programmdirektor Frank Beckmann: „Es passt einfach nicht in diese Wochen, eine Krimireihe zu zeigen, in der es auch um einen terroristischen Angriff geht.“

Heißt das etwa: Es ist nicht alles schlecht, was der Islamische Staat anrichtet? Der (leider nur vorläufige) Verzicht auf die Ausstrahlung erhöht den IQ auf beiden Seiten – bei der ARD und dem hilflos im Altersheim ohne Fernbedienung ächzenden Zuschauer, der vom Pfleger den Sender eingestellt bekommt.

Diese unsäglichen Schweiger-Tatorte kommen daher wie eine überlange COBRA 11-Folge. Äktschn, äktschn, äktschn. Aber COBRA hatte immerhin vor ein paar Jahren sogar intelligente Drehbücher, die politisch in die Tiefe gingen. ich denke da vor allem an die Skripte von Michael Krause. Der große Erfolg von Schweiger in Film und TV spricht weniger gegen ihn, als für den Erfolg der Verblödungsoffensive seit der geistig-moralischen Wende. Er ist ein ideale Vertreter für eine geisteschütteren Zeit. Von der LINDENSTRASSE bis zum TATORT ist so ziemlich alles, an dem Schweiger beteiligt war, lästig und ekelig.

Man muss sich nur das obige Foto anschauen: Aufgebrezelt bis zum Anschlag versucht Micky Maus martialisch daher zu kommen. Aber der Subtext ist: Til, pass upp beim Rückstoss. Eine unglaubliche Demonstration des Versagens. Das ist nicht der deutsche Bruce Willis, sondern der Heinz Rühmann des Spätkapitalismus, Hypoxie im Blick. Dieses Foto erinnert an ein Chuck Norris-Poster, das von Designern der Tschibo-Filialen nachgebaut wurde. Aber der TATORT im Allgemeinen ist längst zu einem Komposthaufen aus Birkenstockschuhen vergoren, der keine Osmose mit Populärkultur auf internationalem Niveau ermöglicht. Er ist das Spießigste vom Spießigen. Sozialdemokratischer Biedermeier.

BLOCHIN

DIE CHEFIN

KOMMISSARIN WINNIE HELLER
HELDT
HELEN DORN
EIN STARKES TEAM

SCHWARZBACH 23

MORD MIT AUSSICHT

Das sind vielleicht Titel für Krimi-Serien! Da bläst die Provinz durch jede Pore. Verzweifelte Originalitätssuche, aber den Schrebergarten immer im Blick.

Und dann immer diese unsäglichen Namen der Krimi-Figuren (da ist das ZDF ganz weit vorne). Immer haarscharf am authentischen vorbei und voll ins Peinliche. Til, der Junge von nebenan, heißt im TATORT „Nick Tschiller“. Das assoziiere ich doch sofort mit einer schlechten Groschenheftserie aus den 1950ern oder einen nicht realisierten Lehning-Comic (Arbeitstitel für Roy Stark?). Vielleicht könnte auch der Drummer von REVOLVERHELD so heißen…

War das schon immer so? Da fällt mir der Eintrag zu PRIVATDETEKTIV CLIFF DEXTER aus meinem Buch CRIME TV ein:

Produzent Lockau erzählte auch, wieviel Mühe man sich im Vorfeld mit der Serie gemacht hatte: „Der Name Cliff stand von Anfang an fest. Und der Nachname? Rund 800 Fernsehzuschauer wurden vom ZDF befragt Morris? Carter? Oder Dexter? Die große Mehrheit – zumeist Frauen – entschieden sich für Dexter. Der Knacklaut X haftet im Ohr, bietet graphisch ein gutes Bild und ruft offenbar männliche Assoziationen hervor.“

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Was das Riesenbudget für diese Machwerke angeht in Relation zur Kreativität, bleibt nur die alte Weisheit:

„Wenn Schweine Trüffel fressen, wächst ihnen nicht die Trüffel, sondern Schweinespeck.“

Schweiger zu BILD: „Ich persönlich bin völlig entsetzt darüber, was in Paris passiert ist. Es ist so furchtbar. Aber wir sollten uns nicht von Terroristen diktieren lassen, was wir im Fernsehen zeigen sollten. Dann können wir ja bald nur noch ein Testbild senden.“

Und? Was spricht dagegen? Wenn ARD und ZDF die Eigenproduktionen im Unterhaltungssektor auf Null runterfahren (und die Kopfsteuer auf 5 Euro sinkt), ist gegen ein gepflegtes Testbild nichts einzuwenden. Auch das würde den IQ auf beiden Seiten erhöhen.

P.S.: Und auch die Altersschwachen vom Lerchenberg melden sich zur Betroffenheitsdebatte über TV-Krimis:

„Die Redaktion soll sich für eine Verlegung des Sendetermins eingesetzt haben. Hintergrund: In dem Krimi geht es auch um eine Geiselnahme und brutale Gangster, die morden.

Keine Terroristen zwar, dennoch…“

Für sowas braucht man einfach die BILD:http://www.bild.de/unterhaltung/tv/tatort/darf-der-terror-unser-tv-programm-bestimmen-43437572.bild.html

 



Micky Maus am TATORT u. THE AMERICANS by Martin Compart

Nach Jahren der wohl verdienten Abstinenz, habe ich mir mal wieder einen TATORT angetan. Klar, ich wollt das peinliche Scheitern von Micky Maus als Bruce Willis auch sehen. Schließlich hatten 12 Mio. eines 80 Mio.-Volkes ebenfalls zugeschaut als Til Schweiger (hart wie ein Bahlsen Keks) zum Schwanzvergleich auflief. Die Micky-Maus-Synchronstimme nuschelte sich einmal mehr durch ein Schwachsinnsdrehbuch,das nie die Realität des Handlungshintergrundes mit der fiktionalen Geschichte spannend oder nur glaubhaft vernetzt. Eine langweilige Nummernrevue, aufgemotzt durch eine Action, die sich am US-Kino der 1980er Jahre zu orientieren versucht. Aber Schweiger (würde er sich doch nur seinen Namen zum Lebensmotto erheben) scheiterte nicht alleine. Dabei wurde er von einem grottigen Drehbuch voller erbärmlicher Dialoge (der Herrenwitz vom Schwanzvergleich durfte natürlich nicht fehlen und würde sogar von Fips Asmussen aus dem Programm geworfen) und einer Regie, die bei Schießereien nicht das geringste Gefühl für den Raum (und damit Bedrohlichkeit) entstehen ließ. Immer nach dem Grundsatz der deutschen TV-Serienmacher: „Wir wissen zwar wie es geht, aber wir können es nicht.“
Nur gut, das Leonardo da Vinci die Vorlauftaste erfunden hat.


Was heisst Parodie? Diese ultra brutalen Szenen sind rausgeschnitten worden, da man den TATORT sonst erst nach 23.00 Uhr hätte ausstrahlen dürfen.


Ein Intelleller erzählt worums geht.In Amerika gibt es auch keine Steuergelder für das Debilenfernsehen. Das wird logischer Weise durch die Werbung finanziert.

War das noch ein TATORT? Fragten verwirrte Postillenschmierer. Aber gewiss. Er hat sich nahtlos in das übliche Niveau eingefügt. Prekariatsfernsehen mit einem Budget, wie es nur die öffentlich-rechtlichen stemmen können.

Und dann wieder die Angelsachsen. Ein Schock nach dem nächsten. Dank ARTE (der wohl beste Seriensender im Free-TV) durfte man gerade INJUSTICE und THE HOUR bewundern. Im Internet hat man HOMELAND sehen können (wer will diese tolle Serie denn zerstückelt bei SAT 1 sehen?). Und jetzt nehmen die Amis den McCarthy-Knaller I WAS A COMMUNIST FOR THE FBI, drehen ihn um 180° und machen daraus eine der aufregendsten und intelligentesten Serien überhaupt. Die Prämisse hätte eine schöne deutsch-deutsche Problematik für eine originelle Eigenproduktion hergeben können. Aber die dumpfen Redakteure mit ihrem a-historischen Bewusstsein hätten das Potential sowieso nicht erkannt („Das ist doch eher was für Guido Knopp.“).

Aber ich will nicht lange rumlabern. Hier THE AMERICANS; in der Hoffnung, dass es bald die DVD-Box gibt.