Martin Compart


EINE ART JAHRESRÜCKBLICK 1 by Martin Compart
16. Dezember 2015, 10:13 am
Filed under: Bücher, NEWS, Rezensionen, TV-Serien | Schlagwörter: , , , ,

 

Auch mein Blog schreckt vor einer Art Jahresrückblick nicht zurück. Deshalb habe ich ein paar prominente Experten befragt, was sie 2015 besonders beeindruckt hat. Hier die ersten Ergebnisse für die Kategorien:

1.Fiction/Crime Fiction

2.Non-Fiction

3.TV-Serie und/oder Film

4.Enttäuschung des Jahres.

 

01b-1121x12801[1]PETER HIESS:

Fiction:

James Carlos Blake – Pistolero (Liebeskind)

  1. Die schönste Outlaw-Geschichte seit langem. Und ein Auftrag, wieder mehr gute Western zu lesen.
  2. Non-Fiction:
  3. Jeff Archer – Uncle Sam’s erster Kolonialkrieg in der Alten Welt (Ahriman). Weil es gut ist, eine Alternative zu den geschichtsverfälschenden Kriegshetzer-Stories der Lügenpresse zu lesen. Ja, es war ein Überfall – ja, die Gründe waren billige Vorwände – ja, es war ein Angriffskrieg der Monopol-Imperialmacht der Gegenwart.

Serie:

Penny Dreadful, Season 2

Frankenstein, Dracula, Werwölfe, Dorian Gray, Hexen, viktorianisches London … und in Staffel 3 sollen auch Dr. Jekyll und sein Alter ego eine wichtige Rolle spielen. Man muß kein Goth sein, um diese Serie zu lieben.

ENTTÄUSCHUNG DES JAHRES:

„True Detective 2“: War schon die (von den postmodernen Ironiedeppen) zu Tode gehypete erste Staffel im Endeffekt eine Enttäuschung – Was war denn jetzt mit dem „King in Yellow“? Warum mußten wieder irgendwelche inzüchtlerischen Rednecks die Mörder sein? Und können zwei Schauspieler noch selbstverliebter agieren? -, so brachte Season 2 selbst Fans spätestens bei der dritten Episode zum Abschalten. Eine schlecht konstruierte Story, durchwegs unsympathische und noch dazu von unsympatischen Schauspielern dargestellte Figuren und eine tödlich langweilige Inszenierung … thanks, but no thanks. Da schauen wir uns lieber „Justified“ oder „The Shield“ noch einmal an.

 

MiC:

1.Fiction/Crime Fiction nichts, was 2015 erschienen ist.

2.Non-Fiction nichts, was 2015 erschienen ist.

A tie:  Xenophon, The Persian Expedition, Penguin Vintage – großes Abenteuer und große Selbstdarstellung, das vielleicht längste Bewerbungsschreiben der Welt, und, The Peregrine, J.A. Baker, NYRB-classics – perfekte Naturbeobachtung, ein Mann wird eins mit einem vom Aussterben bedrohten Falken Essential for a writer: Shakespeare, Peter Ackroyd – was für ein Buch, Shakespeare und seine Zeit, aus Sicht seiner Zeit, riesig – Collected Letters of John Steinbeck, Penguin – Steinbecks unbeabsichtigte Autobiografie, Briefe von den 1920er Jahren bis 1968.

3. TV-Serie und/oder Film 2015 Reality-Series:

Hunted 2015, Channel 4 – der Überwachungsstaat führt sich und uns alle vor…   Docu-Serie: Jinx, HBO – ein Mörder entlarvt sich selbst oder auch nicht, True Crime at ist best Drama-Serie: Mr. Robot, USA-Channel – die mit Abstand originellste Serie in diesem Jahr… Storylines, Charaktere, visuelle Umsetzung, Maßstäbe setzend Dieses Jahr erst gesehen… A tie, Drama-Serie: Happy Valley, BBC; Silk, BBC; Boss, Starz – großartige Charaktere, grandiose Schauspieler, phantastische Scripte Beste Folge einer Drama-Serie seit Deadwood: Boss, Season 1, Episode 7 – elliptisch, gigantisch, Mayor Tom Kane’s Charakter völlig entlarvt. Docu-Film: Seduced & Abandoned, James Toback – beste Innensicht auf Kino, Liebe, Leidenschaft und die leidige Sache mit dem Geld.

 

frank_nowatzki[1]FRANK NOWATZKI:

Fiction:

Sven Heuchert, Asche. Stories. Bernstein Verlag.

Der Sound der Suburbs mal auf deutsch: Hier erzählt einer über Loser, Malocher, Kriminelle und Säufer in der Provinz und er hat seinen eigenen Sound bereits gefunden. Die Vorbilder Bukowski und Algren schimmern durch, so gar ein wenig Carver. Das kommt nicht oft so unprätentios aus deutscher Feder. Den Kerl sollte man auf dem Radar behalten.

Non-Fiction:

Fabian Scheidler, Das Ende der Megamaschine – Geschichte einer scheiternden Zivilisation, Promedia Verlag, Wien.

Wieso unser System trotz Makel so makellos funktioniert wie es funktioniert und warum es letztendlich scheitern muss, das hat Fabian Scheidler – angesichts des komplexen Themas – gut strukturiert und leicht verständlich zusammengetragen. Eine Bereicherung. Ein Muss. Eine Offenbarung.

Serie:

Ray Donovan (3.Staffel)

Während Ray (Liev Schreiber) für megareiche L.A. Celebrities bei ihren Entgleisungen die Kohlen aus dem Feuer holt und ihnen Presse und Polizei vom Leib hält, wühlt Vater Mickey (Jon Voight), ein Krimineller alter Schule, weiter im Bodensatz nach schnellen Dollars. Grandios gespielt, perfekt inszeniert, abwechselnd komisch, brutal, sexy, nie oberflächlich. Hier gehen vor und hinter der Kamera Vollprofis zur Sache.

 

Ambros WAMBROS WAIBEL:

 

Fiction:

Und mir fällt leider wirklich keine Belletristik ein, die spuren hinterlassen hätte.

 

Non Fiction Robert Kisch: Möbelhaus http://www.droemer-knaur.de/buch/7985703/moebelhaus

Das ist kein wirklich gutes buch. aber mehr realität gibt es halt nicht in deutschland. wenn der autor nicht diese story des einst berühmten journalisten hätte, wäre es wahrscheinlich auch nicht durch die großverlagszensur gegangen.

 

Serie/Film: Sense8

sense8 ist ein spektakel. und versucht zumindest unsere tatsächliche zeit abzubilden. macht spass.

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LUCIFER CONNECTION – PRESSETEXT by Martin Compart
6. Oktober 2011, 4:41 pm
Filed under: Dutroux, LUCIFER CONNECTION, Noir, Söldner, thriller | Schlagwörter: , , ,

Eitelkeit und Rührung befällt einen Autor, wenn er von seinem Verlag den Pressetext zum eigenem Buch erhält. Es ist ja die erste Reaktion auf das gedruckte Buch und manchmal fühlt man sich als Autor vom eigenen Verlag nicht immer richtig verstanden. Und manchmal sind diese sogenannten „Waschzettel“ nur die Verlängerung des Klappentextes. Im Falle von LUCIFER CONNECTION wurde ich von EVOLVER BOOKS extrem gut behandelt. Deshalb hier ein Auszug aus dem Pressetext mit Dank an Peter und Robi.

Peter Hiess, MC, Robert Draxler. Das enttarnende Foto danke ich Peter Hiess´ hinreissender Frau Heidelinde Moser

„Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr zur Hand geht.“
Papst Gregor der Große

Die Zeit des Regionalkrimis ist abgelaufen – auch wenn der deutsche Buchmarkt das noch nicht bemerkt hat. Mittlerweile hat ja jedes Kaff seinen Kriminalisten, jedes Dorf seine Detektei, jeder Weiler seine Wirtschaftspolizei. Und sie alle ermitteln in provinziellen Angelegenheiten, von Vergewaltigungen auf der Alm über den x-ten Serienmörder in einer abgelegenen Hinterwäldlergemeinde bis hin zu den üblichen „Niemals vergessen“-Relikten aus der Vergangenheit.

Martin Comparts Roman Die Lucifer-Connection – der zweite Thriller mit seinem Protagonisten Gill, einem Ex-Stasi-Agenten und -Söldner, der heute als privater Sicherheitsberater arbeitet – handelt zwar auch im deutschen Irgendwo, zwischen Dortmund und Witten, verlässt aber bald die vertrauten
heimatlichen Geflde. Das heißt, vertraut sind sie ja nur scheinbar, hinter der Kulisse der Gehirnwäschemedien und der aus Brüssel gesteuerten Wir-haben-ja-noch-sowas-wie-Demokratie.

Was die Hartz-IV-Idylle verbirgt, ist ein korruptes Land, ja, ein korrupter Kontinent, auf dem maföse Machenschaften längst zur Tagesordnung geworden sind, seit organisierte Kriminalität und
globalisierte Konzerne (zwei Bezeichnungen für dieselbe Sache) schamlos und ungehindert regieren.
In diesem Europa sieht man nicht nur gnädig über Finanzskandale hinweg, sondern lässt auch mörderische Kinderschänder wie die Bande um Marc Dutroux relativ ungeschoren davonkommen, weil zu viele Mächtige in die Affäre verwickelt sind.

Gill ist kein Moralist, aber so etwas macht ihn zornig – genau wie seinen Autor Martin Compart. Was mit der Entführung eines kleinen schwarzen Katers beginnt, bringt den Protagonisten auf die Spur einer international agierenden Satanistenbande, in der Angehörige höchster Kreise verkehren. Auch die Dortmunder Polizei ist hinter den Teufelsanbetern her, seit sie ein Massengrab voller getöteter schwarzer Kinder entdeckt hat. Die Spur der Opfer und der kriminellen Hintermänner führt Gill, seinen besten Freund „Karibik-Klaus“ und Kriminaldirektorin Alexa Bloch ins schwarze Herz Afrikas, zu völlig pervertierten Kindersoldaten und Kannibalen. Im Lauf der Handlung verschlägt es den Ermittler dann auch noch nach London, Wien und in eine Burgruine an der Donau, wo das blutige Treiben seinem Höhepunkt entgegenrast. Gill ist wütend, und er macht keine Gefangenen. Das wird auch den Leser freuen, weil schon die bloße Lektüre von Die Lucifer-Connection seinen Zorn gegen die herrschenden Verhältnisse, die Lügen und die Grausamkeiten weckt, weil die Bösen hier noch wirklich böse sind (wie im wirklichen Leben!) und die Guten, wie sich das für einen tiefschwarzen Noir-Roman gehört, zwar desillusioniert und vom Leben gezeichnet, aber doch mit einem fest verankerten Sinn für das Richtige ausgestattet.
So wünscht man sich einen modernen europäischen Thriller. Und plötzlich sehen all die Regionalkrimis noch ein bisschen altmodischer aus.

http://www.evolver-books.at/buchshop.php



NOIR-FRAGEN AN R.EVOLVER by Martin Compart
10. August 2010, 4:49 pm
Filed under: Bücher, Fragebogen, Interview, Noir | Schlagwörter: , , ,

r.evolver ist Autor – sein Debüt „The Nazi Island Mystery“ wurde als erster
deutschsprachiger Internet-Fortsetzungsroman überhaupt ab 1999 in der
Netzzeitschrift EVOLVER (http://www.evolver.at) veröffentlicht. Für den
EVOLVER kuratierte der Experte für historische Abseitiigkeiten auch das
legendäre „Trash-Museum“, das aus Mangel an öffentlichen Subventionen leider
geschlossen werden mußte.
„The Nazi Island Mystery“ (Untertitel: „Ein Fall für Kay Blanchard“) lebt
jedoch weiter – als erstes Buch des neugegründeten Independent-Verlags
EVOLVER BOOKS (http://www.evolver-books.at), der den Pulp wieder in die
Fiction zurückbringen will. Fans der britischen Sex & Drugs &
Rock¹n’Roll-Superagentin Kay dürfen in den kommenden Jahren mit Sequels und
Prequels ihrer lasziv-brutalen Abenteuer rechnen.

r.evolvers Astralzwilling in der realen Welt heißt übrigens Robert Draxler.
Er ist gelernter Schauspieler, gewesener Rock´n´Roll-Musiker, fürsorglicher
Familienvater, geprüfter Lehrlingsausbildner, Mitgründer des Verlags EVOLVER
BOOKS und ein liebenwerter Mensch. Mehr kann man nicht verlangen.
– Peter Hiess

Es ist doch erstaunlich, was junge Menschen heute so alles können“, muss sich der junge Robert gesagt haben, als er den ersten deutschen Netzroman verfasste, der nun endlich auch in überarbeiteter Form in einer von Peter Hiess liebevoll edierten Ausgabe vorliegt. THE NAZI ISLAND MYSTERY ist ein gutes Gegengift, falls man versehentlich einen Skandinavier-Krimi in den Händen hatte. Wahrscheinlich das konsequenteste Stück Anarcho-Thriller in diesem Jahr. Als hätten sich Hunter S.Thompson, Carter Brown und William S.Burroughs ein Drehbuch für Roger Corman ausgedacht. Höchste Zeit, dem Urheber dieser Geschmacklosigkeiten den Bünnagelschen Fragenkatalog (das Noir-Äquivalent zum Proustschen) vorzulegen. Feuer frei für R.EVOLVER:

Berufungen neben dem Schreiben?
Mediendesigner, Rock ’n‘ Roll-Musiker, Verleger, Taxifahrer, Schauspieler …

Film in Deinem Geburtsjahr?
Jerry Cotton: Dynamit in grüner Seide

Was steht im Bücherschrank?
Sämtliche EC-Comic-Serien von „Vault of Horror“ über „Weird Science“ bis „Tales from the Crypt“, Fummeti Neri von Dylan Dog bis Diabolik, Hard-Case-Crime, Mr. Dynamit- und Modesty Blaise-Paperbacks, unzählige Ullstein-Taschenbücher mit dem roten „K“, Hardboiled-Autoren von Chandler bis Hammett, Spionage-Zeug von Ambler bis Carré …

Was war Deine Noir-Initiation (welcher Film, welches Buch)?
Cornell Woolrich: „Die Braut trug Schwarz“

Welches Noir-Klischee ist Dir das liebste?
Femme Fatale bläst kunstvoll-sinnlich Rauchringe in Luft und wirft dabei dem männlichen Helden einen Blick zu, als wäre er eine Mischung aus Clown und Straßenköter …

Ein paar Film noir-Favoriten?
„Die Narbenhand“, „Im Zeichen des Bösen“, „Rattennest“, „Fahrstuhl zum Schafott“ …

Und abgesehen von Noirs?
„The Last Man on Earth“, „Dirty Harry“ (I bis III), Hitchcocks „Psycho“, die TV-Serien „The Prisoner“, „Ufo – Weltraumkommando S.H.A.D.O.“, „The Avangers“, dann: „The German Wallace Wave“, nahezu alles von Mario Bava (vor allem „Terrore nello spazio“), die Hammer-Filme und ausgewählte Werke von: Russ Meyer, Sergio Corbucci, Don Siegel, Roger Corman, John Carpenter … und natürlich Ed Wood …

Welche Film- oder Romanfigur würdest Du mit eigenen Händen umbringen?
Lisbeth Salander, stellvertretend für alle vielschichtig-krisengebeutelten Charaktäre des nordischen Kriminalromans …

Noir-Fragen – Dein Leben als Film noir

1. Im fiktiven Film noir Deines Lebens – welche Rolle wäre es für Dich?
Keine Frage, die Rolle des glücklosen, zynischen Private Eyes, das sich plötzlich mit einem Fall konfrontiert sieht, der eine Nummer zu groß ist.

2. Und der Spitzname dazu?
„Revolver“ natürlich

3. Welcher lebende (oder bereits abgetretene) Schriftsteller sollte das
Drehbuch dazu schreiben?
James Ellroy

4. Berühmtestes Zitat aus dem Streifen?
Klar hab ich Feuer – Moment, es steckt in der Hose …

5. Schwarzweiß- oder Farbfilm?
Technicolor Process No. 5, was sonst?

6. Wer liefert den Soundtrack zum Film?
Link Wray

7. Welche Femme fatale dürfte Dich in den Untergang führen?
Honor Blackman

8. In welchem Fluchtwagen wärst Du unterwegs?
Dodge Viper

9. Und mit welcher Bewaffnung?
Smith & Wesson .38

10. Buch für den Knast?
Die Bibel

11. Und am Ende: Welche Inschrift würde auf dem Grabstein stehen?
Er war gut … aber sie war fies.



PETER HIESS: Vorwort zu NAZI ISLAND MYSTERY 1/ by Martin Compart
27. Mai 2010, 9:03 am
Filed under: Bücher, Crime Fiction, Krimis, Nazi | Schlagwörter: , ,

Ich habe das große Vergnügen, in meinem Blog Peter Hiess´ Vorwort zu NAZI ISLAND MYSTERY in mehreren Teilen zu veröffentlichen. Wer danach nicht Lust auf erfrischenden Schmutz & Schund hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Neben erfreulichen Bemerkungen zur zeitgenössischen Kriminalliteratur erfährt der Leser im Interview im Anhang des Romans auch eine Menge zur Entwicklungsgeschichte der Okkupation des Internets durch deutschsprachige Pop-Pioniere . In unserer Ära reduzierter Erwartungen kann ein retrospektiver Blick zur Ursachenerkenntnis führen.

Terror, Trips & tote Tiger
von Peter Hiess

Haben Sie in letzter Zeit einen Krimi gelesen? Na grüß Gott …
Es muß ja nicht einmal einer von diesen skandinavischen Kriminalromanen sein, die aus unerfindlichen Gründen immer noch angesagt sind – diese unwahrscheinlich öden Berichte aus der Psyche des Nordmenschen, in der noch dazu die gesamte Umgebung des Ermittlers, ob urban oder ländlich, bis in die kleinste Einzelheit beschrieben wird. Und auch keine Donna Leon, deren behäbiger Commissario Brunetti nur mehr ein Held für alternde Grüne und Sozialdemokraten ist, die zum Sterben in die Toskana gehen.
Es genügt schon der durchschnittliche europäische Kriminalroman, der sich gern als Literatur verkleidet und unseres angeblichen Alltags annimmt, zumindest so, wie das AutorIn ihn sieht. Besagter Alltag hat aber im Regelfall leider gar nichts mit der potentiell spannenden Korruption und endlosen Perversion der Mächtigen in Brüssel zu tun, auch nicht mit echter Wirtschaftskriminalität, der Ostmafia oder der von oben verordneten Hilflosigkeit der Polizei – und schon gar nicht mit dem realen Kleinkrieg in den Städten unseres alten Kontinents, der mit Gewalt zu einem neuen umgeformt werden soll.
Nein, nein, das wäre ja alles politisch unkorrekt, käme nie in den Genuß einer staatlichen Förderung und würde vom Feuilleton bestenfalls ignoriert werden. Da befaßt man sich als hoffnungsvoller Kriminalautor doch lieber mit dem, was man aus dem Fernsehen kennt. Soll heißen: In jedem Heuschober werden Kinder geschändet und traumatisiert, in großbürgerlichen Villen mißhandelt immer irgendeiner Frauen und traumatisiert sie noch schwerer, sogar die Serienkiller haben alle ihr Psycho-Packerl zu tragen – und hinter jedem Strauch lauert irgendein alter Nazi, oder auch ein neuer, oder gar eine ultrarechte Verschwörung, die unbedingt das zwölfjährige Reich wieder zurückbringen will.
Und das, meine Damen und Herren, war schon am Anfang ein bißchen öd, wird aber in der x-ten Wiederholung mehr als langweilig.
Die Amerikaner haben es da viel leichter: sie müssen sich nicht ewig mit demselben winzigen Ausschnitt der Geschichte herumschlagen, sondern dürfen sich im Krimi mehr erlauben. Deshalb kommen aus den USA – neben Schema-F-Schnitzeljagden à la Dan Brown – auch realistische Großstadtschilderungen, packende Agententhriller, großartige Serien über einsame Ex-Militärpolizisten und exzentrische FBI-Agenten, herrlich ungute Geschichten aus dem Hinterland und ebenso schnell wie glaubwürdig geschriebene Romane über versoffene Privatdetektive, knallharte Bullen und romantische kleine Gauner.
Warum das so ist? Weil man sich in den Vereinigten Staaten nicht für seine Pulp-Vergangenheit geniert – im Gegensatz zu unsereinem, der durch allerlei „Schmutz & Schund“-Kampagnen und die abfällige massenmediale Betrachtung der „Trivialliteratur“ geschädigt ist. Die Amis sind mit Comics und absurden Fernsehserien aufgewachsen. Sie haben billige Taschenbücher verschlungen, auf deren Cover immer ein harter Hund mit Hut und Pistole sowie eine leichtbekleidete Femme fatale zu sehen sein mußten. Und wenn in ihrer Popkultur Nazis vorkamen, dann nur in der Hogan’s Heroes-Variante: böse und doch irgendwie saublöde Deutsche in schwarzen Uniformen, die dauernd „Jawoll, mein Führer!“ oder „Schneller, Shveinhundt“ sagen und bei ihren Welteroberungsplänen gern mit verrückten Wissenschaftlern zusammenarbeiten. Wie im wirklichen Leben halt …
Genauso geht es auch in r.evolvers Roman The Nazi Island Mystery zu. Natürlich gibt’s darin jede Menge Nazis, das kündigt ja schon der Titel an, und die haben – zehn Minuten in der Zukunft – auch ihr Viertes Reich, aber das ist eigentlich nicht mehr als eine Dauerwerbe-Show mit blutigen „pseudohistorischen“ Spektakeln, Doppelgängern längst verstorbener Prominenter und schmierigen Typen, die sich am liebsten zu noch schmierigeren Exploitation-Pornos selbst befriedigen. Hitlerland, sozusagen; ein direkter Abkömmling unserer gegenwärtigen Entertainment-Industrie, das überzogenste Reality-TV seit Caligula. Daß diese üblen Charaktere auf ihrer streng geheimen Insel was besonders Hinterhältiges aushecken, ist klar und gehört auch in so einen Roman; daß die Leiterin des dort ansässigen Labors eindeutig nach dem Muster der legendären Ilsa (She Wolf of the SS) geschnitten ist, freut wiederum den Fan trashiger Spezialitäten.



NOIR-FRAGEN AN PETER HIESS by Martin Compart

Peter Hiess dürfte vielen auch als Dr.Trash bekannt sein. Als solcher gilt er als bedeutendster Hypochonder der Gegenwart.

Peter Hiess; Journalist, Autor und Übersetzer; Lektor, Lehrender und Lernender; Redakteur und Korrektor („I could have been a contender.“)
Zu seinen Büchern zählen:
Der Kokainkrieg Die Kolumbien-Miami-Connection (1989), Die Mordschwestern. Österreichische Mörderinnen von Peter Hiess und Christian Lunzer (Broschiert – 1992)Kurt Ostbahn, Peep-Show oder Das Geheimnis der toten Tänzerin (2000) von Günter Brödl und Peter Hiess,Kurt Ostbahn, Peepshow(2002) mit Günter Brödl , Mord-Express (2000, True Crime) mit Christian LunzerDie zarte Hand des Todes (2002, True Crime) mit Christian Lunzer, Kurt Ostbahn: Sad’s vuasichtig und losst’s eich nix gfoin! (2004) mit Lukas Beck

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Photo – Copyright: Eva Kern

Berufungen neben dem Schreiben?
EVOLVER (http://www.evolver.at)

Film in Deinem Geburtsjahr?
„Anatomy of a Murder“

Was steht im Bücherschrank?
Viel zuviel. Genreliteratur fast aller Art. Bei den Krimis: 40er-Jahre-Pulp-Reprints, James Ellroy, Joe Lansdale, Hard-Case-Crime-Reihe usw. usf. Und der beste Noir der jüngeren Vergangenheit: die Comic-Serie „100 Bullets“

Was war Deine Noir-Initiation (welcher Film, welches Buch)?
„Gilda“

Welches Noir-Klischee ist Dir das liebste?
Wenn der verkaterte Detektiv morgens erwacht – und beschreibt, wie sich das Elend in seinem Kopf anfühlt.

Ein paar Film noir-Favoriten?
„Night of the Hunter“, „Der Tod kennt keine Wiederkehr“, „L. A. Confidential“, „Blade Runner“

Und abgesehen von Noirs?
Cronenberg (das Gesamtwerk), David Fincher (fast das gesamte Werk), „Natural Born Killers“, die „Alien“-Filme, Kinski-Italowestern, die TV-Serie „The Shield“, „Requiem For A Dream“

Welche Film- oder Romanfigur würdest Du mit eigenen Händen umbringen?
alle aus Tarantino- oder Coen-Brothers-Filmen

Noir-Fragen – Dein Leben als Film noir

1. Im fiktiven Film noir Deines Lebens – welche Rolle wäre es für Dich?
Der multitoxikomane Junkie-Arzt auf Abwegen; der Typ, der davon lebt, Gangster zusammenzuflicken – und einmal selbst einen großen Coup landen möchte. Oder wenigstens mit einem großen Knall abtreten.

2. Und der Spitzname dazu?
Dr. Trash (what else?)

3. Welcher lebende (oder bereits abgetretene) Schriftsteller sollte das Drehbuch dazu schreiben?
Hunter S. Thompson

4. Berühmtestes Zitat aus dem Streifen? (Beispiel: Scarface = The World Is Yours, White Heat = Made It Ma, Top Of The World)
„Doc – ich hab’ geglaubt, die Spritze ist für mich …“

5. Schwarzweiß- oder Farbfilm?
In Glorious Bloody Colour!!!

6. Wer liefert den Soundtrack zum Film?
Eddie Harris („Bad Luck Is All I Have“)

7. Welche Femme fatale dürfte Dich in den Untergang führen?
Rita Hayworth, Krankenschwester

8. In welchem Fluchtwagen wärst Du unterwegs?
Taxi

9. Und mit welcher Bewaffnung?
Dynamit um den Körper geschnallt, tödliche Bakterien, Giftgaskapseln – jedenfalls Massenvernichtungswaffen

10. Buch für den Knast?
John Kennedy Toole – Ignaz oder Die Verschwörung der Idioten.

11. Und am Ende: Welche Inschrift würde auf dem Grabstein stehen?
He was a dead man … all his life.