Martin Compart


NACHLESE 2015 von Andreas Winterer by Martin Compart
14. Januar 2016, 12:11 pm
Filed under: Andreas Winterer, Nachlese 2015, Rezensionen | Schlagwörter: ,

61pp5I3G+CL._UX250_[1]1. Fiction:

Da war nichts interessantes dabei.
2. Non-Fiction.
Auch nicht.
3. Filme
Bond? Nö, keinen Bock mehr. Mit großem Genuss schaute ich mir lieber Liam Neesons dritten Taken-Film an: ein Aufguss zwar, und leider versöhnlicher als die schön schamlos brutalen Teile 1 und 2, aber immer noch prima dümmlicher Action-Quark ohne jeglichen Sinn und Verstand. „Star Wars“ war gerade noch okay, aber halt nur ein mutloser Aufguss – Angst und Furcht führten hier zu innovationslosesten Seite der Macht und zu „noch einem Todesstern“; jenseits des armseligen Drehbuchs fiel noch auf, dass die beiden Bösewichter sich an grottenpeinlich inszenierter Lächerlichkeit übertrafen. Dass nun aber auch der „neue Darth Vader“ vor Gefühlsduseligkeit greint, ist irgendwo auch zeitgemäß, ebenso die eklige Anbiederung an alte und neue Zuschauer. Hassen sollte man Star Wars 7 dennoch: Weil der Film ohne echten Grund Han Solo auf völlig unwürdige Weise gekillt hat. Immerhin bietet die enttäuschte Reaktion der SW-Fans auf den Umstand, dass die nunmehr knapp 60jährige Prinzessin Leia im Bikini nicht mehr als Primärwichsvorlage für Spät- und Nachpubertierende taugt, eine gute Gelegenheit, sich von diesem ganzen Flucht-in-die-Fantasy-Fandom und Hollywoods allgemeinem Peter-Pan-Syndrom zu distanzieren.
https://www.youtube.com/watch?v=-fblra78zdg
3b. Serien
Das einzige Kulturgut, dass man derzeit konsumieren kann. „Hemlock Grove“ ist das interessanteste, was je im Umfeld ‚Was mit Vampiren & Werwölfen‘ gemacht wurde. „Penny Dreadful“ entwickelte sich in Staffel zwei zu einem echten Knaller. Aber der wirkliche Sensation ist „Jessica Jones“, die man sich sogar dann ansehen kann, wenn einem die Superhelden-Gülle eigentlich schon zum Hals raushängt. Mutig in zahlreichen Entscheidungen ist das eine Serie, die man sich nicht einfach rein-bingen kann wie die üblichen Stream-Burger, sondern jede nächste Folge lieber aufhebt, damit man sie noch vor sich hat. Gerne würde ich sowas über die allenthalben gehypte Dick-Verfilmung „The Man in the High Castle“ sagen, aber leider hab ich mir da beim Gähnen den Kiefer ausgerenkt. Dann doch lieber „Fallout 4“ spielen…
https://www.youtube.com/watch?v=s3UYWK2jeX0
https://www.youtube.com/watch?v=ZLDFVVCNNG8
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NACHLESE 2015 by Martin Compart
4. Januar 2016, 6:21 pm
Filed under: Nachlese 2015, Rezensionen | Schlagwörter: ,

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OLIVER NÖDING:

Buch 2015

Für Romane fehlt mir meist die Muße und ich verfolge den Markt auch nicht mehr genau genug, um auf dem neuesten Stand zu sein. Das Buch, das mir 2015 am meisten Freude bereitet hat, ist daher schon etwas älter: „Hellraisers: The Life and inebriated times of Richard Burton, Richard Harris, Peter O’Toole and Oliver Reed“ von Robert Sellers ist eine locker-flockige Anekdotensammlung, die sich mit den Exzessen der genannten Legenden beschäftigt. Es wird gesoffen, geprahlt, geprügelt und abgestürzt auf den wie im Flug vorüberziehenden Seiten, dass es eine wahre Freude ist. Da bedauert man einmal mehr, dass heutige Stars von einem ganzen Beraterstab überwacht werden und nach den selten gewordenen Fehltritten so sicher wie das Amen in der Kirche der wohlfeil formulierte Entschuldigungstweet folgt. Die vier Helden des Buches hingegen wussten immer, was sie taten, selbst, wenn sie es nicht mehr wussten – und haben auf die Meinung des Publikums und der Kritiker stets einen großen, respektlosen Haufen geschissen. Schönste Episode: Harris entdeckt nach der Entgiftung im fortgeschrittenen Alter, dass er seit Jahrzehnten Parkplatzgebühren für einen Rolls Royce bezahlt, den er irgendwann mal gekauft und gleich wieder vergessen hatte.

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Film des Jahres 2015

Kind und Kegel haben es nicht zugelassen, das aktuelle Filmgeschehen im Kino zu verfolgen, den besten Film des Jahres zu benennen traue ich mich aber trotzdem: MAD MAX: FURY ROAD hat mir die Hoffnung zurückgegeben, dass man das großbudgetierte Mainstreamkino doch noch nicht komplett abschreiben muss. Der mittlerweile auch schon 70-jährige George Miller hat einen energiegeladen, bildgewaltigen Film hingelegt, aus dem die Power, Lust und die Leck-mich-am-Arsch-Haltung spricht, die sonst das Privileg der Jugend ist. Kino als 120-minütige Bilderflut, der Kinosessel vibriert unter dem Arsch wie eine röhrende Höllenmaschine. Ein großes „Fuck you!“ an dieser Stelle an die Leute, die angesichts dieses Wunderwerks die Chuzpe hatten, einen Mangel an Story (?) zu unterstellen. Der finale Coup, Max und seine weiblichen Kameraden nach vergeblicher Flucht einfach umdrehen und dem Feind entgegenfahren zu lassen, ist ein Meisterstück des Actionkinos und jetzt schon Filmgeschichte.

Filmische Wiederentdeckung des Jahres

SCHLEPPZUG M17, die einzige Regiearbeit von Götz Georges Vater Heinrich (zu deren Gelingen Werner Hochbaum entscheidend beitrug) aus dem Jahre 1933, ist ein komplett freidrehendes Melodram um den fleischigen Kutterfahrer Henner (George), der mit Frau und Kind in Berlin einschippert, sich dort Hals über Kopf in eine junge Hochstaplerin verliebt und seine Familie kurzerhand im Trubel der Großstadt stehenlässt, um einen Traum zu verfolgen, der für alle außer ihn selbst als zum Scheitern verurteilt erkennbar ist. George singt, George schmollt, George wirft seine gesamten drei Zentner Körpermasse in diesen Film und füllt jedes dramaturgische Loch aus, das er im Überschwang der schöpferischen Euphorie übersehen hat. Wenn er abends wie ein geprügelter Hund mit hängendem Kopf zu seiner wissenden Ehefrau zurückkriecht, sie anschweigt und noch nicht einmal einer Ausrede für würdig befindet, sich nicht anders zu helfen weiß, als mit dem Satz „Morgen gibt’s wieder Arbeit.“ zur Tagesordnung überzugehen, versinkt man vor Scham im Kinosessel. Film als totale Entblößung.

DVD/Blu-ray-Veröffentlichung des Jahres

Aus persönlicher Sicht tendiere ich zur Veröffentlichung von Jürgen Rolands lange Zeit nicht mehr verfügbarem Gangsterfilm DIE ENGEL VON ST. PAULI (Subkultur), für den ich meinen ersten Audiokommentar einsprechen durfte. Große Würfe sind auch die VÖ von Argentos OPERA (Koch Media), den deutsche Zuschauer zum ersten Mal ungeschnitten erleben (und dazu mein Booklet lesen) dürfen, sowie die makellose Heimkino-Umsetzung von Aleksei Germans monströsem Schwanengesang ES IST SCHWER EIN GOTT ZU SEIN (Bildstörung). Aus filmhistorischer Sicht muss meine Wahl aber auf die Veröffentlichung von Roger Fritz‘ MÄDCHEN MIT GEWALT (Subkultur) fallen, die einen zu Unrecht bis heute marginalisierten Filmemacher zurück ins Licht der Öffentlichkeit holt.

 

https://funkhundd.wordpress.com/

Olivers unverzichtbares Buch für schwer erziehbare Cineasten gibt es hier:

http://www.bod.de/buch/oliver-noeding/sauft-benzin–ihr-himmelhunde/9783960340065.

Zum Buch sagt Oliver fairerweise:

„Leider haben sich in die Erstauflage bei der Übergabe vom Satz an den Druck ein paar für uns ärgerliche Fehler eingeschlichen, die wir schnellstmöglich beheben wollen. Ich bitte die Leute, die das Buch bereits gekauft haben, um Verständnis. Es sind eher kosmetische Dinge, die schiefgelaufen sind, am Inhalt der Texte ändern sie nichts. Aber natürlich möchten wir trotzdem ein möglichst fehlerfreies Buch auf den Markt bringen. Ich werde einen Beitrag veröffentlichen, sobald die neue Fassung fertig ist.“

http://www.amazon.de/Sauft-Benzin-Ihr-Himmelhunde-Actionfilm/dp/3960340060