Martin Compart


UNBEDINGT VORMERKEN! by Martin Compart
4. Juni 2018, 9:15 am
Filed under: MICK HERRON, NEWS | Schlagwörter: , , , ,

Seit Jahren warte ich darauf, dass ein deutscher Verlag endlich Mick Herron entdeckt und übersetzt. Seine Slough House-Serie ist wohl das aufregendste, was der jüngere Polit-Thriller zu bieten hat.

Nun hat sich Diogenes Herrons angenommen. Und damit besteht auch eine Chance, dass sie den Autor nicht nach schlechten Erstverkaufszahlen (damit muss man ein Qualitätsprodukt heute regelrecht kalkulieren) abservieren. Diogenes hat ja die Tradition, einem Autor treu zu bleiben, wenn sich der Verlag erstmal für ihn entschieden hat.

Der erste Mick Herron erscheint im August. Unbedingt vormerken!

Ebenfalls bei Diogenes erscheint im September die Noir-Road-Novel DODGERS, das Debut von Bill Beverly, von dem ich mir noch einiges erwarte.

Ein tolles Buch, das zu den Jahreshöhepunkten gehört. Stilistisch ein Genuss. Dazu ein schweißtreibender Drive.

Wer nur ein Buch im Monat liest, sollte im August und September durch diese Diogenes-Titel ausgebucht sein.

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FAUSER BEI DIOGENES by Martin Compart
14. Oktober 2017, 3:59 pm
Filed under: JÖRG FAUSER | Schlagwörter: ,

Der Zürcher Verlag Diogenes hat die Weltrechte am Werk von Jörg Fauser erworben. Der einstmals renommierte Verlag (Ambler, Highsmith usw.) ist in den letzten Jahren unangenehm aufgefallen durch eine kastrierte TB-Ausgabe der Gesamtausgabe des Alexander-Verlages. Dabei hatte dieser Provinzverlag eine sehr ordentliche Edition des Gesamtwerkes von Jörg vorgelegt. Aber ein Weltverlag wie Diogenes, der zeitweilig die Weltrechte von Simenon vertrieben hat, verfügt im internationalen Lizenzmarkt natürlich über  ganz andere Kontakte und Möglichkeiten.

Ich erinnere mich daran, dass es zwischen Jörg und Diogenes mal Mitte der 1980er einen kurzen Kontakt gab: Als klar war, dass man wegen der Fusion mit der Fleissner-Gruppe den Ullstein Verlag verlassen würde, ging auch Jörg auf die Suche nach einer neuen literarischen Heimat. Unter anderen Verlagen positionierte sich der damals hoch angesehene Diogenes Verlag, der einige von Jörgs Idolen im Programm hatte.

Nach einem Treffen in Zürich war Jörg recht begeistert von der Zuwendung und dem versprochenen Engagement des damaligen Verlegers Daniel Keel. Jörg fühlte sich gut umschmeichelt. Aber eine Zusammenarbeit scheiterte dann an den Honorarvorstellungen, und Fauser schloss stattdessen mit Hoffmann & Campe ab.

Diogenes will eine neue Gesamtausgabe von Fauser (dann die dritte) machen. Ob sie die des Alexander-Verlages übertreffen kann, wird zu beweisen sein.

Immer wieder schön: Zeigt es doch, dass Feuilleton-Depp in Deutschland ein Lernberuf mit Tradition ist:


Schwer vorstellbar, dass sich deutsche Leser Jahrzehnte lang an Lektüretipps dieses begrenzten Zausels orientierten. Und im Vergleich zu den heutigen Kasperln (man schaue nur mal den 3-SAT-Literaturklub mit vier Psychopathen aus drei Ländern) war Reich-Ranicki unfreiwillig unterhaltsam in seiner belesenen Dämlichkeit (was nicht für die blassen Kritikasteln der Gegenwart gilt, deren Persönlichkeit der Tiefe eines Schutzumschlags gleicht).