Martin Compart


Fritz Dusquene 1: Kindheit und Jugend by Martin Compart
10. März 2017, 2:23 pm
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Er war ein Held des Burenkriegs, verbarg angeblich Oom Krugers Schatz und arbeitete als Geheimagent für die Deutschen in zwei Weltkriegen. Er war ein begnadeter Selbstdarsteller, Aufschneider und leitete den größten Spionagering. der je auf amerikanischen Boden ausgehoben wurde. Angeblich war er für den Tod von Lord Kitchner verantwortlich und wurde von den Deutschen im 1.Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Sein Leben wurde bestimmt durch den brennenden Hass auf die Briten, die seine Familie und sein Land vernichteten.
Sein Name war Fritz Dusquene und heute kennt ihn kaum jemand mehr. Weder in Deutschland, noch in Südafrika. Bis 1941 führte er ein Leben wie in einem Abenteuerroman. Dann musste er hart dafür bezahlen: Der einstige Ausbrecher.König durchlitt eine langjährige Haftstrafe. bevor er 1956 in einem Armenkrankenhaus starb.

Frederick „Fritz“ L’Huguenot Joubert Duquenne (er änderte die Schreibweise zu Duquesne 1912 in Amerika) wurde am 21.Dezember 1877 in East London in der britischen Kap Kolonie in eine Burenfamilie geboren. Seine Eltern, Abraham Duquesne und Minna Joubert, waren Nachfahren der Hugenotten, die 1687 aus Frankreich vor der katholischen Verfolgung geflohen waren. Fritz bekam bald ein jüngere Geschwister: Elsbet und Pedro.
Die Kinder waren noch sehr jung, als die Familie die Kap Kolonie verließ, um in die unabhängige südafrikanische Buren-Republik zu übersiedeln. Sie zog hoch in den Norden nach Nylstroom, dem heutigen Modimolle, um eine Farm zu betreiben.

Um zusätzliches Einkommen für die Familie zu schaffen, ging Vater Abraham regelmäßig auf die Jagd und reiste herum, um die Felle zu verkaufen. Dadurch war er häufig von der Familie entfernt und überließ den Farmbetrieb seiner Frau und seinem alten und blinden Onkel Jan Dusquenne.
Die Farmarbeit war hart, die Jagd oft gefährlich und das Überleben im südafrikanischen Veld voller Gefahren. Jeder Tag konnte ein Kampf ums Überleben sein. Tierangriffe waren ebenso möglich wie die Überfälle von marodierenden Stämmen oder Banden. Dieses Dasein hatte die Buren seit Jahrhunderten geprägt und zu harten Menschen geformt, die diesen Überlebenskampf bedingungslos annahmen.
Bereits in jungen Jahren nahm Abraham seinen Ältesten mit ins Veld und brachte ihm das Jagen bei. Fritz erwies sich schnell als begeisterter und fähiger Jäger. Das Töten gehörte von nun an zu seinem Leben. Auf einem dieser frühen Jagden entdeckte Fritz seine lebenslange Faszination für Panther: Er beobachtete eine Raubkatze bei der Jagd, wie sie regungslos und geduldig im hohen Gras lauerte und auf den perfekten Zeitpunkt wartete, um einen Büffel zu schlagen, der an einem Wasserloch trank. Der Panther war für ihn der perfekte Jäger und er wurde zu seinem Toten, übertrug den Jagdstil auf sein eigenes Verhalten. Im zweiten Burenkrieg wurde er als der „schwarze Panther“ bekannt. Als Spion in den 1930ern unterzeichnete er seine Nachrichten an die Deutschen mit dem Bild einer aggressiven Katze, die ihren angriffslustigen Buckel macht.

Mit zwölf Jahren tötete Fritz seinen ersten Menschen.
Auf der Farm gab es einen großen Raum, der als Handelsposten diente. Sein Vater war unterwegs und Fritz war dabei, als seine Mutter mit einem Zulu handelte. Als der Zulu seine Preisvorstellungen nicht durchsetzen konnte, griff er die Mutter an. Fritz griff den Assegai, den Kurzspeer der Zulu, des Mannes und rammte ihn in den Bauch.

Kurz darauf begann ein Bantu-Stamm einen Kriegszug in dem Gebiet um Nylstroom und attackierten die Farmen. Als die Nachricht von den Überfällen die Dusquene-Familie erreichte, machte sie sich mit sechs weiteren Familien mit ihren Ochsenkarren zum nächstgelegenen Ort am Sand River auf. Unterwegs wurden sie von einem Impi (Kompanie) angegriffen und es kam zu einem lang anhaltenden Kampf. Die Farmer konnten die Eingeborenen nicht dauerhaft durch ihre Schusswaffen auf Distanz halten und es gab häufige Nahkämpfe. Fritz erwies sich als einer der besten Schützen und tötete mehrere Krieger. Nach Ende der Kampfhandlungen war unter den Toten auch Fritz´ Onkel Koos, dessen Frau und ihr Baby.

Die Familie hatte gute Beziehungen: Fritz war ein Neffe des Helden aus dem ersten Burenkrieg, Piet Joubert, der bis 1900 Generalkommandant der Südafrikanischen Republik war. Deswegen war es wohl auch möglich, dass man ihn mit 13 Jahren zur schulischen Erziehung nach England schickte. Hier bekam er seinen urbanen Schliff und wohl auch seine Kenntnisse mehrerer europäischer Sprachen vermittelt. Er gewöhnte sich den Sprachduktus der britischen Oberschicht an und war zu diesem Zeitpunkt bei allen burischen Ressentiments noch nicht der Feind aller Briten, zu dem er werden sollte.

Diese Zeit ist Legenden umwittert und basiert vor allem auf späteren Aussagen von Dusquesne: Angeblich ging er nach dem Abschluss für ein Jahr nach Oxford, dann will er in die damals hoch angesehene Académie Militaire Royale in Brüssel eingetreten sein. Auch ein kurzer Zwischenstopp in der französischen Militärakademie St. Cyr wird erwähnt. Sein höchst unkritischer Biograph Wood behauptet, Fritz hätte mit dem damals berühmten Fechtmeister Julian Mercks trainiert und wäre zum besten Fechter Europas geworden. Angeblich trug er acht Duelle ausm von denen drei tödlich für den Gegner endeten. Sein seriöserer Biograph Ronnie sagt, dass es zwar keine Belege für die Duelle gibt, Dusquene aber als exzellenter Fechter galt und dies häufig im New Yorker Adventurers Club unter Beweis stellte.

Ronnie zitiert auch einen Brief von Dusquene aus dem Jahre 1913 an einen Stephen Allen Reynolds, in dem Fritz eine ganz andere Geschichte erzählt: Demnach sollte er nach seinem vierjährigen Aufenthalt in England auf dem Kontinent Ingenieurswissenschaften studieren. Auf der Fähre traf er einen zwielichtigen Mann namens Christian de Vries (der wohl wegen begangener Unterschlagungen verschwinden wollte) und beschloss mit ihm eine Weltreise anzutreten. Vater Abraham soll ihn sechs Monate später in Singapur aufgespürt und ihm eine ordentliche Tracht Prügel verpasst haben. Vermutlich trieb sich Fritz anschließend in der Welt herum, besuchte gelegentlich sein Heimatland und ging auf Jagd.

Im Sommer 1899 rief Abraham seinen nun 21jährigen Sohn heim. Der Ausbruch des 2.Burenkrieges kündigte sich an.

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