Martin Compart


Nur Roboter brauchen keine Schutzmasken! von Dr.Horror by Martin Compart

Was für eine Zeit für Science-Fiction-Autoren!

Man kann die Zukunft mit Händen greifen. Die aktuelle Pandemie beschleunigt letztlich die Zeitenwende.

Aber wo sind diese Autoren in Deutschland?

Wo sind Schriftsteller wie George Orwell, der Neusprech beschrieben hat, wohinter wir heute mit Leichtigkeit die Computersprache der neuen digitalen „Übermenschen“ (frei nach Nietzsche) erkennen: komplett mit USB-Sticks, Android-App, WhatsApp, Clouds, ALGOL, BASIC, Backup, Base Memory, Excel, Scan und Drive, influencing und monitoring (Überwachung, aha!), Slash. Für sie, die diese Sprache sprechen, existiert kein Problem, alles wird zur Challenge und ist sofort online. Wenn die Digitalen die neuen „Übermenschen“ sind, was lässt sich dann über die Analogen sagen?

Stanisław Lem sah Nanotechnologie, künstliche Intelligenz und Virtuelle Realität voraus, die er Phantomatik nannte: künstlich und medial erzeugte Bewusstseinstäuschung. Während Wernher von Braun (I Aim at the Stars – but sometimes I hit London) in Peenemünde an Hitlers sogenannten Vergeltungswaffen arbeiteten, kämpfte der in Lemberg (Lwów) geborene Lem im besetzten Polen um sein Leben. Der Medizinstudent verschleierte mit gefälschten Papieren seine jüdische Herkunft und überlebte, im Gegensatz zu Familie und Verwandten, den Holocaust. In seinen utopischen Büchern finden sich die Spuren einer traumatischen Vergangenheit als Holocaust-Überlebender.

Daniel Francis Galouye, der in seinem Roman Simulacron-3 (im deutschen Fernsehen bekannt als Fassbinders Welt am Draht) das Höhlengleichnis Platons weiterspann und schon 1964 eine virtuelle Parallelgesellschaft erfand, die nichts von ihrer Scheinhaftigkeit ahnt. Eine schöne neue Welt – wie Aldous Huxley sie nannte.

Philip K. Dick, Paranoiker und Visionär: „Ich habe mal eine Geschichte geschrieben, in der es um einen Mann geht, der einen Unfall hat und ins Krankenhaus gebracht wird. Als er auf dem Operationstisch liegt, zeigt sich, dass er kein Mensch, sondern ein Android ist, was er selbst aber nicht weiß. Man muss ihm die Neuigkeit schonend beibringen.

Der Bedeutendste unter diesen aber ist der vergessene, verdrängte Tscheche Karel Čapek, denn ohne sein 1920 erschienenes Drama R.U.R. (Rossumovi Universálni Roboti) würden wir heute gar nicht von Robotern sprechen. 1937 wurde sein Stück Bílá nemoc von und mit Hugo Haas verfilmt: Die weiße Krankheit.
Čapek musste noch erleben, wie kurz vor seinem Tod Hitler in die Prager Burg marschierte und die Staatsbank um ihr Gold erleichterte. In der Weißen Krankheit beschrieb er einen Autokraten wie Hitler (und – mit diesem nicht zu vergleichen, doch traut man auch ihm mittlerweile einen Staatsstreich zu: Donald T., die Karikatur eines Präsidenten, die Carl Barks nicht besser hätte zeichnen können). Diesem Diktator sind die Jungen wichtiger, denn sie braucht er zum Kriegführen. Menschen im fortgeschrittenen Alter werden derweil von einem Virus hinweggerafft, das sich durchs Händeschütteln verbreitet und, weil zuerst in einem chinesischen Krankenhaus nachgewiesen, das chinesische (!) heißt.

Leider haben wir in Deutschland keinen Čapek, nicht mal ein schnelles Internet (da hinkt es dann auch mit der Intelligenz, zumal der künstlichen): nur noch die traurigen Reste von Perry Rhodan, dem einstigen Star der sogenannten Raketenhefte, wir haben Andreas Eschbach, der immerhin ein Perry-Rhodan-Prequel schrieb, wir haben Wolfgang Hohlbein, der in Goethes Weimar geboren wurde, aber an diesen trotz seiner Auflagenrekorde nicht heranreicht, Andreas Brandhorst mit seinem ersten Roman Die Unterirdischen im Zauberkreis-Verlag, sie alle nicht die „Erben des Universums“, sondern Epigonen von Kurd Laßwitz, Hans Dominik & Co. Es mag Ausnahmen geben: Timo Leibig (vielleicht mit Nanos), aber der setzt inzwischen auch nur auf seine Serienfigur Leonore Goldmann, Tom Hillenbrand, nein, nicht Frank Schätzing, bitte nicht: „Wir haben die Chance, die Welt nach Corona besser zu machen.

Rolf Giesen



DER SCHLÄCHTER VOM USSURI – ATAMAN KALMYKOW 2/ by Martin Compart
16. Oktober 2010, 9:36 am
Filed under: Ataman Kalmykow, Politik & Geschichte, Porträt, RUSSISCHER BÜRGERKRIEG, Ungern-Sternberg | Schlagwörter:

Seinen Leuten verkündete er: „Schneidet allen Bolschewisten die Kehle durch, oder sie werden eure durchschneiden.“ Das tat er in den folgenden Jahren mit großer Hingabe. Die Einwohner von Chaborowsk lebten während seiner eineinhalbjährigen Terrorherrschaft in ständiger Todesangst. „Sein weißgestrichener Panzerzug, der zuweilen bis nach Wladiwostok hinunter Besuche machte, war für die Bevölkerung ein Bote des Schreckens.“ (Essen, S.159)
Die Ussuri-Front brach am 24.August 1918 zu Gunsten der Konterrevolution zusammen. Tschechen und Japaner drangen von Spassk aus nördlich vor, während Kalmykows Kavallerie die östliche Flanke deckte. Diese Offensive fegte die Sowjetherrschaft am Amur hinweg.
Am 5.September eroberte er mit den Japanern und den Tschechen Chaborowsk. Die Stadt war aus zweierlei Gründen strategisch wichtig: Als Knotenpunkt der Transsibirischen Eisenbahn und mit dem Amur als Grenze zur Manchurai, also zu China.

Voller Freude ließen die Popen sämtliche Kirchenglocken der Stadt läuten. Zum Klang des Kirchenspiels begann Kalmykow umgehend, die Bolschewiken nieder zu metzeln. Die meisten waren jedoch rechtzeitig geflohen.
Nicht retten konnte sich Alexandra Kim, die erste Kommunistin Koreas. Sie hatte Chaborowsk an Bord der „Baron Korf“ verlassen, Das Schiff wurde stromaufwärts von Kosaken abgefangen und Alexandra wurde an Kalmykow ausgeliefert und am 16.September hingerichtet.
Dass dieser Schlächter auch den eigenen Leuten unheimlich war und mit seiner unberechenbaren Grausamkeit ängstigte, zeigen die vielen Desertationen in seiner Truppe. Beliebt war er aber sicherlich bei seinem treuesten Gefolgsmann, einem Tschechen namens Julinek. Der hasste alle Deutschen, Ungaren und natürlich die Kommunisten. Er war für Kalmykow ein wertvoller Mitarbeiter, da er sich darauf spezialisiert hatte ausländische Hilfsorganisationen und das Rote Kreuz rücksichtslos auszurauben und den Großteil der Beute an seinen Herrn und Meister weiter zu geben.

Zwei Tage später zog das 27. Infanterie Bataillon der US-Armee, die „Wolfhounds“, unter Lieutnant-Colonel Charles Morrow in die Stadt ein. Neben der aufgehenden Sonne, wurden Stars und Stripes am Bahnhof hochgezogen. Es kam schnell zu Spannungen zwischen den Amerikanern und Kalmykow. Er verbot sogar Eheschließungen zwischen Russinnen und Amerikanern. Nach einem Zwischenfall der dazu führte, dass Kalmykow amerikanische Soldaten auspeitschen ließ, gab Colonel Morrow folgenden Befehl aus: „Jeder Hurensohn, der von einem Kosaken gepeitscht wurde und diesen nicht sofort erschießt, bekommt sechs Monate Bau.“ Morrows Antipathie ging so weit, dass er 1919 die Inhaftierung von Bolschewisten verhinderte. Viele Amerikaner unterstützten angesichts der weißen Terrorherrschaft die Bolschewiken mit Essen, Zelten, Colt Revolvern und sogar Maschinengewehren. Einmal beobachteten die Amerikaner folgende Szene: Kalmykow ließ Bolschewiken mit ihren Frauen und Kindern an den Stadtrand treiben.. Dort mussten sie sich auf den Boden legen. Dann schritt der Ataman über sie hinweg und wählte Männer, Frauen und Kinder aus, die aufstehen und wegrennen mussten. Kosaken folgten ihnen schreiend, ritten sie nieder und zerstückelten sie mit ihren Säbeln.
Außerdem hatten die Amerikaner Probleme mit den Japanern, die in ihrem Sektor brutale Übergriffe und Morde begingen. Wenn die japanischen Soldaten nicht selber angebliche Bolschewiken niedermetzelten, ließen sie Kalmykow durch Telegramme von Semjonow aufstacheln, den Amerikanern Schaden zuzufügen. Oft wurden die Gis aus den ein und zweistöckigen Holzhäusern beschossen, wenn sie durch die Strassen gingen.

Kalmykow (x); rechts daneben: Semjonow

Am 8.November 1919 raste er mit seinem Panzerzug nach Wladiwostok um an der Niederschlagung des Coups von General Gaida teilzunehmen. Der ehemalige tschechoslowakische Feldscheer Gaida hatte es bis zum Oberkommanmdeure der Tschechischen Legion gebracht und in Wladiwostok einen Coup angezettelt, der ihn zu einer Art Diktator machen sollte. Japanische Torpedoboote griffen Gaidars Stellungen vom Hafen aus an, während sich Kalmykows Panzerzüge zu Lande näherten. Die kurze Schlacht fand in einem unheimlichen Regen statt, der Wladiwostok in einen grauen Mantel hüllte. Gaida wurde leicht am Fuß verwundet und versprach nach seiner Niederlage, Russland für immer zu verlassen. Er begab sich umgehend an Bord eines Schiffes um abzureisen. Zum selben Zeitpunkt führte Kalmykow unter Gaidars Mitkämpfern Massenexekutionen durch.
Nach dem sich abzeichnenden Sieg der Roten, wartete Kalmykow nicht ab, dass die Partisanen bis Chaborowsk vordrangen. Mit seinem persönlichen Goldschatz, einem Dutzend Kosaken und achtzig Kadetten des Kalmykow-Korps überquerte er am 12. Februar 1920 den gefrorenen Amur nach China. Am 8.März entwaffneten Chinesen den Trupp, nahmen den Schatz an sich und setzten ihn in Jilin gefangen. Kalmykow hatte dummer Weise während seiner Terrorherrschaft auf chinesische Kanonenboote feuern lassen, die Chabarowsk zu nahe gekommen waren. Kalmykow gelang es zu fliehen und er versteckte sich auf dem Gelände des alten russischen Konsulats. Nachdem man ihn wieder eingefangen hatte, erschoss man ihn im Juli während seines Transports nach Peking.



DER SCHLÄCHTER VOM USSURI – ATAMAN KALMYKOW /1 by Martin Compart

Seit einigen Jahren arbeite ich an einem Buch über den „blutigen Baron“ Ungern-Sternberg. Wer glaubt, dass dieser Massenmörder eine Ausnahme war, wird bei näherer Betrachtung des Russischen Bürgerkriegs schnell eines besseren belehrt. Einer dieser üblen weißrussischen Führer war Iwan Kalmykow. Hier einige Auszüge aus meinem Kapitel über Ataman Kalmykow:

Iwan Kalmykow „Äußerlich war Kalmykow klein und schmächtig. Mit seinen verschleierten Augen und dem gaminartigen Lächeln, das ihm eine gewisse Ähnlichkeit mit dem bekannten Typ des Pariser Apachen gegeben haben soll, war er eine auffallende Erscheinung. Persönlich war er vollkommen furchtlos, er konnte auch, wie einige Ausländer versicherten, die in Berührung mit ihm gekommen sind, eine große Liebenswürdigkeit entwickeln, wenn er wollte.“ So schilderte ihn der schwedische Diplomat Rütger Essen.
Iwan Kalmykow war ein noch üblerer Schurke als Semjonow Er war mit sechsundzwanzig Jahren, als seine politische Laufbahn in Ostsibirien begann, jünger als Semjonow. Aber es gab wohl auch einige andere Unterschiede: „Während Semjonow ein Mann mit politischen Zielen und Sinn für Regierungsaufgaben war, kann Kalmykow kaum anders als ein reiner Bandit angesprochen werden, der sich nie vor Morden, Plünderungen und Gräueltaten scheute und dem es vor allem an jedem höheren Ziel fehlte.“ (Essen, S.159) Und General Graves beschrieb den Unterschied zwischen Semjonow und Kalmykow so: „Ersterer befiehlt anderen zu morden, letzterer tut es mit seinen eigenen Händen.“

Iwan Pawlowitsch Kalmykow wurde in der Armurprovinz als Sohn eines Offiziers der Ussuri-Kosaken geboren. Die Ussurikosaken galten als die Wildesten aller Kosaken und ihre Stärke betrug um 1918 etwa 40000 Menschen. Er wuchs in Grodekovo auf, ein Ort an der Eisenbahnlinie, 100 Kilometer vor Wladiwostock und 10 Kilometer östlich der chinesischen Grenze.
Im Weltkrieg diente er in einem Kosakenregiment und zeichnete sich durch Tapferkeit aus. Einmal gelang ihm die Flucht aus deutscher Gefangenschaft.
Im Sommer 1917 kehrte er als Rittmeister nach Grodekovo zurück. Er begann in der Politik mitzumischen und gruppierte unzufriedene Elemente aus Kosaken und Konterrevolutionären um sich.

Kosakenrudel

Vier Monate später ließ er sich zum Ataman wählen. Seine Wahl war nicht unumstritten und teilte die Kosakengemeinde. Eine Minderheit folgte Kalmykow, die anderen schlossen sich Grigori Schevchenko an. Dieser, ebenfalls Kriegsveteran, wollte mit seinen Männern den Soviet von Wladiwostok verteidigen.
Gehasst vom Direktor der chinesischen Transsibirenbahn, Dimitri Horvath, toleriert vom machurischen Warlord Tschang Zulin und unterstützt von den Japanern, richtete er im Februar 1918 seine Operationsbasis in Pogranichnaya, einem manchurischen Ort an der chinesischen Bahnlinie ein.
Im März 1918(?) überquerte er mit hundert Mann die Grenze nach Russland und ritt auf Grodekovo. Der Sowjet von Wladiwostok schickte Rotgardisten und ein Bataillon Internationalisten an die Grodekovo-Front. Die Kämpfe zogen sich über drei Monate.
Nach diesen Aktionen gegen die bolschewistische Regierung erweckte er das Interesse der Japaner, die ihn von da an mit Waffen und Geld unterstützten. Auf die Ärmel seiner Soldaten war eine gelbe Route mit einem großen schwarzen K genäht. Ein japanischer Offizier erzählte folgende Anekdote, die ein bezeichnendes Licht auf Kalmykow wirft: Kalmykow ritt an der Spitze einer kleinen Abteilung neben einem japanischen Offizier, der zu Besuch im Lager weilte. Plötzlich stürzte das Pferd des Japaners und verletzte sich am Knie. „Ich werde Ihnen gleich ein anderes Pferd besorgen“, sagte Kalmykow, drehte sich im Sattel, überblickte seine Leute, suchte einen Mann aus, der ein geeignetes Pferd ritt, und schoss ihn mit dem Revolver nieder. „Bitte, hier haben Sie ein anderes Pferd.“ Es ist leicht vorstellbar, was er mit Bolschewisten und der Bevölkerung anstellte, wenn er schon mit den eigenen Männern so verfuhr. Eines Tages brachte man einen Chaborowsker Bürger, der auf seinen Befehl hin verhaftet worden war, in seine Wohnung. „Wir bringen ihn hierher, weil es keinen Platz mehr im Gefängnis gibt“, sagte ein Kosak. Kalmykow antwortete: „Schön, aber ich will ihn nicht hier haben. Tötet ihn.“ Daraufhin wurde der Mann ins Badezimmer geschleppt und erwürgt. Einmal erschoss Kalmykow eigenhändig zwei Ausbilder des Chabarowsker Kadettenkorps weil sie zu wenig Enthusiasmus gezeigt hatten, als er die Kadettenschule nach sich selbst umbenannte. Ein anderesmal ließ er eine ganze Musikkapelle töten, weil sie in einem Café die Internationale gespielt haben soll. Auch zwei schwedische Rotkreuzhelfer ermorden, die angeblich Bolschewiken zur Flucht verholfen haben sollen. Einige des Mordens und Plünderns müde gewordene Offiziere meuterten. Aber sie fanden in Kalmykows Soldateska keine Unterstützung, da der Ataman bei der Truppe äußerst beliebt war. Ermutigte er sie doch zu Massakern und Vergewaltigungen. Die Meuterei misslang vollkommen. Einigen Offizieren gelang die Flucht nach Wladiwostok, die anderen wurden bestialisch umgebracht.

FORTSETZUNG FOLGT
<img src=“http://vg08.met.vgwort.de/na/805adec6c6b54d0a9d1436455c8183e1&#8243; width=“1″ height=“1″ alt=““>