Martin Compart


MICK HERRON – DER ABDECKER DES SECRET SERVICE 1/ by Martin Compart

River Cartwright ist ein ausgemusterter MI5-Agent, und er ist es leid, nur noch Müllsäcke zu durchsuchen und abgehörte Telefonate zu transkribieren. Er wittert seine Chance, als ein pakistanischer Jugendlicher entführt wird und live im Netz enthauptet werden soll. Doch ist das Opfer der, der er zu sein vorgibt? Und wer steckt hinter den Entführern? Die Uhr tickt, und jeder der Beteiligten hat seine eigene Agenda. Auch Rivers Chef Jackson Lamb, ein Falstaff des Thrillers.
Slough House, das ist der Ort, an den Agenten des Geheimdiensts MI5 in London verdammt werden, deren Karrieren frühzeitig gescheitert sind. Hier soll man in Verzweiflung, freiwillige Kündigung, hysterischen Niedergang und Selbstaufgabe getrieben werden (welch grandiose Paraphrase für das 21.Jahrhundert!).

Ein Ort, der nur von einem genossen und geliebt wird: Jackson Lamb.

Vielleicht haben diese ›Slow Horses‹ einen Auftrag komplett vermasselt, kamen einem ehrgeizigen Kollegen ins Gehege, oder sie hingen einfach zu sehr an der Flasche, was in diesem Gewerbe nicht unüblich ist. Außer dass sie Einzelgänger sind, haben sie noch eins gemeinsam: Sie alle wollen wieder zurück in den aktiven Dienst in Regent’s Park, raus aus Lambs Abdeckerei.


Slow Horses
Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer
Hardcover Leinen
480 Seiten
ISBN 978-3-257-07018-7
€ (D) 24.00 / sFr 32.00* / € (A) 24.70

Der Diogenes Verlag liefert einmal mehr Grundnahrungsmittel für den anspruchsvollen Thriller-Fan: Mick Herron, einer der fünf besten britischen Polit-Thriller-Autoren der Gegenwart. In Großbritannien und jetzt auch in den USA wird er bereits als Klassiker gehandelt.

Und das mit vollem Recht: Er ist nicht nur ein eindrucksvoller Stilist, er bringt auch Innovationen in ein Genre, dass seit zwanzig Jahren stagniert oder in dümmlichen Anti-Terroristen-Agenten-Thrillern verharrt. Herron bestätigt Eric Amblers Postulat des „Thrillers als letzte Zuflucht für Moralisten“ und zeigt unsere heutige Moral als Anpassung an Sozialsysteme.

Sein zynischer allwissender Erzähler kriecht jeder Figur so tief unter die Haut, dass denn Leser selbst die scheinbar uninteressanteste Figur interessiert. Nur bei der Hauptperson Jackson Lamb ist er weniger allwissend; sie scheint er selber noch zu erforschen. Ihr gelingt es, diesen so dominanten Erzähler zu überraschen. Überraschungen gehören zu den großen Stärken von Herron: Die Plots nehmen überraschende Wendungen, die Charaktere verhalten sich überraschend und die Dialoge sind es auch – immer gespickt mit witzigen Zynismen.

Herron überrascht den abgebrühtesten Thriller-Fan immer wieder.

Ein Grund sich etwas ausführlicher mit ihm zu beschäftigen.

Denn seine überfällige Veröffentlichung auf dem deutschen Markt ist ein absolutes Highlight. Auch wenn er es nicht auf die Jauchegrube unserer Bestsellerlisten schafft (dazu sind seine Romane zu intelligent und anspruchsvoll), sollte er doch eine große Gemeinde finden, für die in hoffentlich kurzen Abständen die bisherigen sechs Bände der SLOUGH HOUSE-Serie von Diogenes veröffentlicht werden. 1)

Mit diesen Romanen hat Herron sich als einer der besten Stilisten und intelligentesten Autoren seiner Generation etabliert; nicht nur im Spy-Genre. Seinem traumwandlerisch sicheres Sprachgefühl merkt man die frühe und langjährige Leidenschaft für Lyrik an. Sie fließt völlig unangestrengt in seine Epik.

Herron wurde 1963 in Newcastle upon Tyne geboren und studierte in Oxford am Balliol College, wo er seinen Abschluss in englischer Literatur machte. Schon als Teenager begann er Gedichte zu schreiben. „Erst später begann ich mit Romanen. Aber seit meiner Jugend schreibe ich jeden Tag.“

Nach dem Studium arbeitete er mehr als 15 Jahre lang als Textredakteur in London. Er wohnte in Oxford und fuhr jeden Tag zum Job in die Metropole. „Der Job lehrte mich eine Menge über das Schreiben. Besonders über das Weglassen von Worten. Nebenher schrieb ich nachts täglich 350 Worte an Romanen.“

Es dauerte zwei Jahre, bis er einen Verleger für seinen ersten Roman fand: DOWN CEMETERY ROAD, 2003, war der erste Band in seiner Oxford Serie über Sarah Tucker und Zoe Boehm. Er hatte 18 Monate an dem Roman gearbeitet. Ein Jahr später folgte der zweite Band der Serie. Insgesamt schrieb er bis 2009 vier Romane über seine weiblichen Protagonisten.

“The two women are very different, I hope, so shuttling between them allows me to indulge opposing viewpoints. Sarah is the more feeling of the pair, and I sometimes claim that I’m getting in touch with my feminine side when writing about her. The more likely truth is that, when writing about Zoë, I’m trying to bolster my masculine nature.”

Bedingt durch seinen Fulltimejob arbeitete Herron sehr langsam. Besonders viel Zeit nahm und nimmt das Lektorieren in Anspruch: „Das Ausmerzen der verdammten Semikolons!“

2006 verfasste er mit LOST LUGGAGE seine erste Kurzgeschichte für „Ellery Queen´s Mystery Magazine“. 2009 wurde er von dem Magazin für seine Story DOLPHIN JUNCTION mit dem „Ellery Queen Readers Award“ ausgezeichnet.

2010 gelang ihm mit SLOW HORSES der große Wurf, der erste Roman über die „Abdeckerei“-Abteilung des MI 5.

Obwohl er gleich für den „Ian Fleming Steel Dagger Award“ nominiert wurde, stand er plötzlich ohne Folgevertrag bei Soho Crime da. Soho Crime hatte den Roman zuerst erfolglos in den USA veröffentlicht und die Resonanz in England war auch nicht besonders. Deshalb dauerte es drei Jahre, bis der Verlag sich durchrang den zweiten Roman, DEAD LIONS, zu veröffentlichen. Es dauerte zwei weitere Jahre, bis Herron und sein Agent einen neuen Verlag fanden. Als dann John Murray die Serie übernahm, erkannten die dortigen Mitarbeiter das Potential und bedienten es entsprechend. Ein britischer Kritiker nannte das Verhalten von Soho Crime das „literarische Äquivalent zur Ablehnung der Beatles durch Decca“.

Warum der Wechsel von düsteren Psychothrillern zum Spionage-Roman?

„Ich wollte über größere Themen schreiben. Der Spionageroman bietet diese Möglichkeiten. Als Kind war ich ein großer Fan der frühen Romane von Alistair MacLean. Ich begann früh Bücher für Erwachsene zu lesen. Das war sofort Kriminalliteratur. Angefangen mit Agatha Christie. Alistair MacLean. Der wunderbare Dick Francis. Dann entdeckte ich die amerikanische Literatur: Hemingway, Fitzgerald, Steinbeck. Ich las sehr früh Nabokov, da wir ein Buch von ihm zu Hause hatten. Vor allem war ich ein Bibliotheks-Gänger – das bin ich immer noch. Ich greife mir, was mich anspringt. Heute vergessene Autoren wie John O´Hara oder Victor Canning.“

Ein Autor, der noch Victor Canning kennt und liest, kennt das Genre in all seinen Verästelungen.

Und selbstverständlich kennt er die Klassiker wie Ian Fleming (sein Lieblings-Bond-Roman ist MOONRAKER) oder Len Deighton („Ich hatte einen Goldfisch namens Harry Palmer.“).

Welcher Autor hat ihn am stärksten beeinflusst?

GORKY PARK von Martin Cruz-Smith ist meine Messlatte. Aber ich kaufe jedes Buch von ihm, sobald es veröffentlicht wird. Dialoge waren für mich anfangs das schwierigste zu schreiben. Inzwischen fällt es mir leicht. Ich habe die großen Dialog-Schreiber intensiv studiert – Elmore Leonard zum Beispiel.

Und welche aktuellen Spionageautoren bewundert er?

Ich mag eine Reihe von Büchern von Alan Judd und John Lawton. Es gibt noch einige andere Autoren, die ich sehr mag, aber die beiden fallen mir zuerst ein.

Große TV-Serien wie THE SANDBAGGERS oder SPOOKS sind unter seinen Einflüssen vermutbar: Sie dürften die Ensemble-Struktur der SLOUGH HOUSE-Serie angeregt haben.
“There are some good thriller writers working today in the spy genre but they’re thin on the ground. Many of the good ones tend to write within a historical context. Modern espionage fiction is not what it once was. Maybe the fact that the real spy world is now a team game with secret services conducting wars more with technology than field operatives, has contributed to rendering some of the traditional tropes of the contemporary spy thriller redundant. Lone agents fighting to save the world have simply lost their relevance.”

Das ihn Kritiker für seinen „neuen Realismus“ loben, amüsiert Herron: „Because I’m a thriller writer that narrows the choices. My stuff could have been police officers but then I would have had to do actual research. And you’d have to get the procedure right because if you don’t, if you just make stuff up and you write about the police, you’re going to get into trouble. But if you make stuff up about the Secret Service, people say, ‘you seem to know an awful lot about that’ and then they assume you have some sort of experience.”

Bei Herrons Qualität wird natürlich der gottgleiche Langweiler als Vorbild, Vergleich oder Pate herbei gequält. “I won’t say that le Carré cast a shadow, rather he cast a light over the spy genre that will continue for a long, long time.”

Wenige Autoren schreiben so eindrucksvoll über London. Sicherlich werden seine Romane künftig auch im Genre „London Novel“ verzeichnet sein, als Bücher, die das Zeitgefühl der Stadt im frühen 21.Jahrhundert unter der Terrordrohung ähnlich überzeugend wiedergeben wie etwa Joseph Conrads THE SECRET AGENT es für den Anfang des 20.Jahrhunderts tat.

“I worked in London for fifteen years, without ever living there. And yes, I think love/hate sums it up. As a locale for fiction, it fulfils all my needs: it’s bright and dazzly, grubby and creepy; it’s got all the history one could want, and still offers huge scope for making up more when required. But it’s noisy and crowded, and doesn’t always work properly, and you have to travel annoying distances to get anywhere. And the reputation it’s developed as the world’s money-laundering capital, which goes hand-in-hand with all manner of other corruption, fills me with unease.”

1) Ein Problem dabei könnte sein, dass 90% der deutschen Kritiker (nicht nur sogen. Genre-Kritiker) mit ihren bescheidenen Maßstäben Stil weder erkennen, einordnen noch würdigen kann. Man muss sich nur bisherige Besprechungen der deutschen Ausgabe ansehen, ohne durch Fremdschämen betroffen zu werden. Aber Stil ist ein intelligentes Vergnügen, dem man folgen können muss. Ich tu mich daran selber schwer, bin dann aber über die nicht allzu schwere Erkenntnis höchst erfreut.

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CHARLES DEWISME WIRD 100 UND BOB MORANE 65 JAHRE ALT 5/ by Martin Compart
7. September 2018, 2:20 pm
Filed under: Bob Morane, Comics, Heftroman, henri vernes, Porträt, Pulp | Schlagwörter: , , ,

DER „NEUE“ BOB MORANE?

Henri Vernes hat sich in den letzten Jahrzehnten von Co-Autoren unterstützen lassen. Angesichts des Alters und des wahnwitzigen Ausstoßes nicht verwunderlich.

„Das war nicht die Regel, aber es geschah einige Male. Ich entwickelte die ganze Handlung des Romans und ich hatte jemanden, der mir einen ersten Entwurf schrieb. Ein bisschen wie beim Comic. Erst der Bleistiftentwurf und dann das inken mitt Tinte. Ich, habe den ganzen Roman inszeniert. Es passierte ein paar Mal, aber nicht immer. Manchmal musste ich alles komplett umschreiben. Irgendwann wird ein Anderer BM schreiben, weil ich nicht mehr da bin.“

Zu den Co-Autoren zählte auch Christophe Corthouts.

„Es muss 2001 gewesen sein. Ich hatte in den späten 90ern zwei Romane bei Editions Lefrancq veröffentlicht, und zu dieser Zeit wurde natürlich auch Henri Vernes herausgegeben. Anscheinend gefiel ihm meine Arbeit, mein Stift, meine Ideen. Also kontaktierte er mich, um zu wissen, ob ich an der Idee interessiert wäre, einen Bob Morane zu schreiben… Auf den er dann natürlich seine Finger legen könnte. Nach ein paar Versuchen akzeptierte er meine Idee für LA PORTRAIT SE LA WALKYRIE , der 2002 veröffentlicht wurde, wenn ich mich recht erinnere. Ab dann schrieb ich für ihn im Durchschnitt ein oder zwei Bob Morane pro Jahr. Im Allgemeinen schrieb ich den gesamten Roman. Wenn ich Fragen hatte, nahm ich einfach mein Telefon, um Henri zu fragen. Anschließend wurde das Manuskript von Henri überprüft.“

Nicht nur Vernes schwindende Energie wurde zum Problem für BM, auch die sich verändernden Zeiten und die neue Unterhaltungskultur knabbert seit langem an seiner Popularität. Die Leserschaft schmilzt dahin was auch im Verlag Ananke immer bewusster wurde.

„Wie verteilen sich die Leser heute? Achtzig Prozent sind zwischen 40 und 70 Jahre alt. Die restlichen zwanzig Prozent sind jünger, diejenigen, die Bob Morane durch Indochins Song The Adventurer, durch Comics oder durch die Zeichentrickserie entdeckt haben. Wir brauchen einen Neuanfang.“

Ananke begann mit der Digitalisierung der Serie als e-Books (was wohl aus Unverständnis von Vernes kritisiert wurde. Jährlich erscheinen sechs bis acht Bücher, davon die Hälfte als Nachdrucke.

„Wir wollen alle Zielgruppen versöhnen. Auf der einen Seite können Fans der ersten Stunde alle Abenteuer ihrer Helden bequem digital- oder als Book-on-demand kaufen. Auf der anderen Seite finden sich sowohl Leser, die einen modernen Bob Morane erwarten, als auch solche, die den gewohnten Vintage-Helden weiterhin bevorzugen.
Auf dieser Grundlage entwickelt Car Gilles die Grundlagen des Neustarts : ein moderner Bob Morane, der in der Gegenwart spielt, und ein Vintage-BM, der nach dem Kloning in den 1950er- und 1960er Jahren spielt.“

Wie letzteres aussieht, wurde im Roman DUPLICATION von Gilles, Divindilis 2013, konzipiert:

Als Bob Morane an diesem Morgen in seiner Wohnung am Quai Voltaire in Paris aufwacht, erfährt er aus dem Mund von Tania Orloff, der Nichte von Mr. Ming, eine schreckliche Nachricht: Sie und er wurden verdoppelt. In jeder Hinsicht identisch mit den Originalen, leben Bob Morane und Tania Orloff nicht mehr im einundzwanzigsten Jahrhundert sondern im zwanzigsten Jahrhundert in einer Parallelwelt, die der ursprünglichen sehr nahe kommt. Das Datum des Tages ist der 16. Dezember 1953. Bob Morane ist das Opfer eines unvorstellbaren Plans, den sich der Gelbe Schatten ausgedacht hat. Und als er erfährt, dass seine engsten Freunde Bill Ballantine, Aristide Clairembart, Sophia Paramount und Frank Reeves das gleiche Schicksal erleiden mussten, ist es höchste Priorität, sie zu finden.

Divindilis ist ein alter BM-Fan. „Auf Anregung eines Freundes im BM-Club schrieb ich Ende 2011 mit L´OR GRIS DE BOLIVE meinen ersten BM-Roman. Er fand seinen Weg in die Hände von Henri Vernes und seines Verlegers. Ein paar Tage später hatte ich eine positive Antwort. Anschließend hatte ich Henri Vernes am Telefon, und er erzählte mir das Gute, was er von meiner Arbeit dachte. Ich habe meinen Ohren nicht getraut. Es war fantastisch!“

Der Neustart erfüllte die Erwartungen nicht. Als der Comic Verlag „Lombard“ dann auch noch ein Relaunch von BM im Comic 2015 auf den Markt brachte, war man bei „Aninke“ nicht begeistert, besonders dass der Comic von Luc Brunschwig und Aurélien Ducoudray unter aller Sau war.

Devindilis: „Brunschwig informierte sich nicht über die Bob Morane-Romane. Lombard gab ihm einen Freibrief für den Neustart. Er kannte die Welt von Bob Morane nicht. Er kontaktierte einfach Henri Vernes, um Bob Moranes Grundpsychologie zu erfahren,“ Zugehört hat er wohl nicht, denn der Morane von BM RELOADED hat nichts mehr mit der ursprünglichen Figur zu tun, ist nur peinlich und die politischen Aussagen eher naiv. Das Artwork ist der inzwischen übliche franco-belgische Durchschnitt, den man hinter jedem Kiosk findet und so inspiriert wie eine ZDF-Vorabendserie.

Enttäuscht meldete sich dann 2014 auch Vernes wieder zu Worte: „Christophe Corthouts schreibt sehr gut, er hatte gute Ideen, als er beschloss, Bob Morane zu schreiben. Meiner Meinung nach schreibt Gilles Devindilis sehr schlecht, macht Stilfehler (oder historische) und findet nie das richtige Wort. Außerdem sehe ich keinen Sinn darin, Bob Morane zu duplizieren und ihn nach 1953 zurückzuschicken. Morane hatte bereits Zeitreisen gemacht, der Gelbe Schatten sich bereits dupliziert… Ich bin nicht sehr glücklich mit all dem und dem Konzept von Ananké.
Ich bin skeptisch. Wir reden viel darüber, aber wenn ich den Zustand der Romane sehe (dubiose Texte, schlechte Cover, kleine Drucke und teure Preise), bleibe ich mehr als skeptisch.“

Dem entgegnete Verleger Lefranq: „Bedenken Sie, dass Gilles Devindilis von Herrn Vernes persönlich als potenzieller Nachfolger benannt wurde.“

Alte Männer können störrisch sein und bleiben ungern allein zu Hause: 2015 ging Henri Vernes vor Gericht um seine Rechte wiederzuerlangen. Mit der Begründung, die der Kritik folgt, die der Autor bereits gegen die Bob Morane Inc. ausgesprochen hatte.
Auf den Vorwurf der geringen Präsenz im Buchhandel, hatte der zuständige Redakteur bereits darauf hingewiesen, dass man die Bände ja bei Amazon findet.

Vor dem französischsprachigen Handelsgericht von Brüssel stehen sich Autor und Verleger auch wegen der Nichteinhaltung der finanziellen Absprachen gegenüber. Am Ende der Vereinbarung musste der Verlag 100.000 € für die Rechte zahlen – mit einer ersten Zahlung von 25.000 € und dann monatlich 1.500 €.
Ein Blick auf die Bezahlung hatte ersten Ärger verursacht. Der Autor hatte bereits versucht, den Vertrag zu kündigen, da der Verlag ihm noch 43.000 € schulde.

Es scheint sich eine endliche Geschichte (durch das Lebensalter von Dewisme) zu entwickeln, die wohl zum unrühmlichen Ende einer franco-belgischen Pop-Ikone führen wird. Es ist wohl kaum anzunehmen, dass in den neuen lesefeindlichen Generationen genügend Nachwuchs für ein wirtschaftlich interessantes Weiterführen von BM zu finden ist. Wer mit filmischen DC- oder Marvel-Idiotien sozialisiert wird, wird den intellektuellen Ansprüchen einer Jugendbuchserie aus den 1950er Jahren nicht folgen können.

BIBLIOGRAPHIE SEKUNDÄRLITERATUR:

Stéphane Caulwaerts et Yann : Henri Vernes : à propos de 50 ans d’aventures. Les Éditions À Propos. 2003.

Jacques Dieu : Bob Morane et Henri Vernes. Glénat, 1990.

Daniel Fano : Henri Vernes & Bob Morane, une double vie d’aventures. éditions Le Castor Astral. coll. Escale des lettres. 2007.

Bernard Marle : Bob Morane et Henri Vernes : un double phénomène. IDE. 1995.

Francis Valéry : Bob Morane. Éditions… Car rien n’a d’importance, 1994.

Rémy Gallart & Francis Saint-Martin : Bob Morane, profession aventurier. Editions Encrage. 2007
 
Henri VERNES : Mémoires. Editions Jourdan. Parution 14 janvier 2012. 496 pages.

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CHARLES DEWISME WIRD 100 UND BOB MORANE 65 JAHRE ALT 4/ by Martin Compart

In Frankreich und Belgien haben Heftromane oder Dime Novels seit dem Ende des 2.Weltkriegs keine Bedeutung mehr.
Mit dem Aufkommen des Taschenbuches als Massenphänomen wanderte auch das serielle Erzählen in billige Broschüren, die als „Roman-de-Gare“ bezeichnet werden (dieser Terminus wird allerdings auch auf erfolgreiche Einzeltitel bezogen, die der Unterhaltungsliteratur zugeordnet werden). Die Taschenbuch-Serien, den amerikanischen Paperback Original-Serien verwandt, konnten phänomenale Erfolge verbuchen. Angefangen bei Reaktionären wie OSS 117 über SAS MALKO bis hin zum Linksaußen LE POULPE (der von namenhaften Noir-Autoren geschrieben wurde).

Dieser Literatur begegnete die bourgeoise Literaturkritik in Frankreich ähnlich borniert wie die unbedarfte deutsche.

Der Ausstoß von 6 bis 12 Titeln im Jahr sorgt für Arbeitsbedingungen, die denen des deutschen Heftroman ähneln. Eine Arbeitsweise, die viel Selbstdisziplin und eine besondere Art von Professionalität der Autoren verlangt.

Diese Bedingungen galten auch für Henri Vernes, als er 1953 mit BOB MORANE begann. Fünf BM-Romane erschienen 1954, sechs im Jahr 1955, sieben 1956 und 1957. Das Standardformat dieser kurzen Romane waren vierzehn oder fünfzehn Kapitel mit einer Gesamtlänge von ca.150 Seiten.

Bis 1976 hielt Vernes die Produktion von durchschnittlich fünf BM pro Jahr.

„Ich hatte eine gute journalistische Schule, und das Schreiben ging mir leicht von der Hand. Mit Kunst hatte das nichts zu tun, das war ein Job, ein Beruf. Ich schrieb Bücher, wie ein Tischler Möbel herstellt. Mein Lieblingsbuch war immer das, was ich gerade fertig hatte. Wenn ich die letzte Seite beendet habe, lege ich es auf die Seite und vergesse es. Es ist vorbei.“

Von dickleibigen Bestsellern hält Vernes gar nichts: „Diese Art und Weise, in der die heutigen Romanautoren ihre Handlung zu einem Wirrwarr nutzloser Sätze und Wörter verdicken. Stephen King etwa… Ich konnte nie eines der Bücher über das erste Kapitel hinaus lesen.“

Bei BM ging Vernes von einem Titel und einer Ausgangssituation aus um dann zum großen Teil zu improvisieren. Die Einführung des Sidekicks Bill Ballantine hatte einfache dramaturgische Gründe: „Ich brauchte ihn, um Dialoge zu führen. Denn der Dialog zwischen Bill und Bob bringt Leben in die Geschichte.“

Auffällig in den ersten zwanzig Jahren sind die vielen Romane, deren Handlung sich um Revolutionen oder Behauptung gegen Staatsstreiche drehen. Das ist wohl dem „Wind of Change“ gedankt und den Unabhängigkeitsbestrebungen in belgischen und französischen Kolonien. In diesen Romanen steht Morane entweder auf Seiten der Verschwörer oder Revoluzzer (wenn es im westlichen Sinne gegen brutale Diktatoren geht) oder auf Seiten „gerechter Herren“, die von Verschwörern bedroht sind. Vernes verklärt den Westen als den Machtblock, der auf Seiten der Gerechtigkeit und Menschlichkeit eingreift, wie damals in fast allen Medien üblich. Die Schweinereien der Kolonialmächte bis hin zum Einsetzen von Gruselmarionetten wie Mobutu oder Bokassa, thematisiert er nicht.

Für mich war und ist Gerald Forton der beste BM-Zeichner (bei dem auch Milton Caniff „durchschimmert“).

Ich habe meine Reisen als Basis benutzt. Ich war nicht immer sehr ehrlich, aber wenn man über ein Land schreibt, wie es wirklich ist, funktioniert es nicht, es muss träumerisch beschrieben werden. Zu Beginn von Bob Morane war das eine gute Zeit, mit diesen noch unbekannten Gebieten auf den Karten, in die noch kein Europäer einen Fuß hingesetzt hatte.

Ich mochte einige Gegenden besonders gerne, also ging ich regelmäßig dorthin. Heutzutage ist es extrem schwer, versteckte Städte oder Dinosaurier im Dschungel zu entdecken. Dies ist wahrscheinlich der Grund, warum Bob Morane mehr Abenteuer in der Zeit oder in parallelen Welten erlebt.“

Mitte der 1960er Jahre dürfte Henri Vernes auf dem Höhepunkt des Erfolges mit BM gewesen sein. Angeblich verkaufte er damals nur in Quebec von jedem Roman um die 100.000 Exemplare. Und zu seinen berühmten Fans gehörten Bernard Henri Lévy, Christophe Gans und Claude Allègre.

Vieles wirkt heute extrem antiquiert. „Nicht in der Aktion – da kommt er nicht aus der Mode, sondern in den Details. Meine ökologischen Ideen habe ich zum Beispiel auf Bob Morane übertragen. Die Idee von Gut und Böse ist relativiert, weil gut und böse nicht existieren. Das Gute von heute wird zum Bösen von morgen und umgekehrt.

In der Tat ist Bob Morane der am wenigsten wichtige Charakter in den Romanen. Ein sehr manichäischer Charakter, der die Qualität oder den Mangel aller Charaktere dieser Art darstellt.
Aus meiner Sicht überlebt kein fiktiver Charakter hundertzwanzig Jahre. Tintin zum Beispiel ist altmodisch, lebt nur von seinem Ruf. Im Gegensatz zu Hergé möchte ich, dass Bob Morane mich überlebt, um neue Abenteuer zu erleben, und Bob Morane ist nicht wie Tintin ein Nazi und Antisemit.“

Autoren, außer den Klassikern der Pop-Literatur, die er bewundert?

„Es gibt einen zeitgenössischen Autor, den ich am meisten bewundere: Blaise Cendrars. Er ist übrigens Schweizer: Blaise Cendrars. Was für ein erstaunlicher Geschichtenerzähler!“ Cendrars, bewundert von Henry Miller, war ebenfalls ein Weltenbummler wie Vernes, der inzwischen über fünfzig Jahre in Brüssel lebt. „Es ist eine angenehme Stadt, in der ich meinen Gewohnheiten nachgehen kann. Über die Märkte gehen und in Antiquariaten stöbern. Außerdem sind hier viele Freunde, die leider nach und nach wegsterben.“

„Ja, ich bin sehr pessimistisch. Viele Probleme in der Welt sind auf Überfluss zurückzuführen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es nur zwei Milliarden, jetzt sind es bereits sieben Milliarden, wenn das so weitergeht, werden wir in eine unmögliche Situation geraten. Wir wollen alles beherrschen, die Welt, die anderen Arten. Und aus moralischen und religiösen Gründen wird diesem Unsinn nichts entgegengesetzt.“

Wahrscheinlich hängt es mit dem Alter zusammen, dass Vernes´ Einstellung zum Leben immer pessimistischer geworden ist.

„Ich glaube weder an Götter, noch an Gerechtigkeit, denn das Leben selbst ist ungerecht, eine ungeheure Lüge, eine Falle, ohne Gerechtigkeit und Hoffnung. „

Die Welt besteht aus Lügen?

„Ja, das glaube ich.“

Politik?

„Regierungen sind die schlimmsten Lügner. Und die schlechtesten. Alles auch noch schlecht gemacht.“

Für einen selbst gibt es in dieser Welt der Unterdrücker nur zwei Überlebensstrategien, meint Vernes: Unterwerfung oder Anarchismus.

„Sicher, es ist schrecklich, dass Bomben nichts mehr bewirken. Im 19. Jahrhundert revolutionierten Anarchisten die Gesellschaft, indem sie Bomben warfen, denn das trieb den Sozialismus voran. Ich würde manchmal gerne Bomben werfen, aber ich habe nicht den Mut.“

1970 waren von BM über 15 Millionen Exemplare verkauft worden.

Zum 20.Jubiläum fand in einem Einkaufszentrum am Stadtrand von Brüssel die erste Ausstellung über BM statt. Im Oktober 1985 wurde ihm in Durbuy, Belgien, eine zweite Ausstellung gewidmet. Im November 1986 folgte in Mons eine dritte mit dem Titel “ 33 Jahre Bob Morane“. Während dieser Ausstellung wurde auch der „Bob Morane Club“ gegründet. Zum 40-jährigen Jubiläum fand im Dezember 1993 in Paris eine vierte Ausstellung mit dem Titel „Bob Morane, 40 Jahre Abenteuer“ statt. 1997 wurde ein Dokumentarfilm produziert „Henri Vernes, un aventurier de l’imaginaire“ und 1999 wurde Henri Vernes von der französischen Kultusministerin Catherine Trautmann als „Officier dans l’Ordre des Arts et des Lettres“ ausgezeichnet.

1977 geriet Marabout in finanzielle Schwierigkeiten. Vernes verließ den Verlag, nachdem er 142 BM-Abenteuer dort veröffentlicht hatte. Von 1978 bis 1980 publizierte er zehn weitere BM-Titel bei „Librairie des Champs-Elysées“. Dann wechselte er für zwei Titel zu „Bibliothèque Verte“.

Von 1982 bis 88 erschien kein neuer Bob Morane-Titel.

Aber der Autor drehte nicht nur Daumen: Patrick Séry, der Verleger von „Fleuve Noir“, schlug Vernes vor: „Warum machst du nicht irgendwas wie SAS MALKO?“

Unter dem Pseudonym Jacques Colombo schuf Vernes die mit reichlich Sex gespickte Crime Serie DON. Der gleichnamige Charakter war das absolute Gegenteil von Bob Morane, trotz der Tatsache, dass beide Charaktere einige körperliche Merkmale teilen. Die von Bob Morane übermittelten Werte sind das Gegenteil von Don. Bob Morane hasst es zu töten, Don tut es ohne Skrupel. Aber der Hauptunterschied liegt im Sex: Während Henri Vernes in seinen früheren Romanen jeden Sex ausblendet, ist er bei DON allgegenwärtig. Deswegen auch das Pseudonym. „Ich wollte nicht, dass es irgendjemand weiß. Bob Morane ist für die Jugend und Dons Abenteuer sind für Erwachsene. Jetzt ist es ein offenes Geheimnis. Jeder weiß, dass ich die 11 DON-Romane geschrieben habe.“

Aber „Fleuve Noir“ bot ihm anschließend bis 1991 ein neues Heim für BM.

Dann wechselte er zum Verlag „Lefranq“. Der von Claude Lefranq 1989 gegründete Verlag hatte zuvor schon begonnen, die BM-Comic-Alben heraus zu bringen. Ab 1992 bezogen sich 90% der Verlagsaktivitäten auf BM.

Im Jahr 2000 gründete Lefranq mit Teilhabe von Vernes den Verlag „Ananké“ und 2010 die „Bob Morane Inc.“, der Vernes alle BM-Rechte verkaufte – mit Ausnahme der audiovisuellen Rechte. Die Idylle dauerte gerade mal zwei Jahre. Vernes war längst zu einem unberechenbaren alten Mann geworden, dessen Gemütsschwankungen gruselig sind: Mal ist er von derselben Sache begeistert, die er eine Woche später als unerträglich beschimpft. Mal will er seine Ruhe haben, dann regt er sich auf, weil er nicht gefragt wurde.

„Ich wurde nicht konsultiert, weil ich die Rechte von Bob Morane nach dem Tod meiner Frau verkauft hatte!“

Inzwischen trifft man sich sogar vor Gericht.

FORTSETZUNG FOLGT!




CHARLES DEWISME WIRD 100 und BOB MORANE 65 JAHRE ALT /3 by Martin Compart

 

PLÜNDERN ODER ZITIEREN -. SF UND WISSENSCHAFT IN BOB MORANE

Ich kenne – wie schon gesagt -keinen anderen Autor, der sich intertextuell so intensiv im Kanon der Genre-Literatur so intensiv bedient hat wie Henri Vernes. Verschiedene Journalisten und Autoren von Büchern über Vernes und BM berichteten, wie dünnhäutig Vernes reagiert, wenn er darauf angesprochen wird. Seine größte Angst ist es wohl, als großer Plagiator in die Literaturgeschichte einzugehen.

Eigentlich eine unbegründete Furcht, denn bekanntlich bauen alle Literaturen mehr oder weniger auf vorgefundene Topoi. Doch ist die Serie BOB MORANE durch ihre Langlebigkeit natürlich ein besonderer Fall, denn bei über 200 Romanen hat Vernes so oft wie kein anderer aus literarischen oder filmischen Vorbildern geschöpft.

BM entstand zu einem Zeitpunkt, als die romanische, speziell die französische, Populärkultur sich extrem mit der angelsächsischen zu vermischen begann: Nach Ende des 2.Weltkriegs überfluteten amerikanische Filme, Comics und Romane den französischen Markt (was dann zu einem von den Kommunisten eingebrachten Gesetz führte, dass den ausländische Anteil – besonders in Comic-Magazinen – begrenzte). Der Durst nach amerikanischer Pop-Kultur war fast so groß wie in Deutschland, stieß aber auf reichere Traditionen.

BM steht, wie sonst vielleicht noch MAIGRET oder FANTOMAS, für den Übergang von der französischen populären Literatur zur amerikanisierten Medienkultur.
Das geistige Universum des Autors strukturiert sich durch literarische und kinematografische Referenzen mehr, als dass es eine Darstellung der Realität ist, wie früher oft und gerne behauptet.

Man kann das aber auch positiv statt nur entschuldigend, erklärend werten: Vernes hat aus dem Recycling à la BOB MORANE eine wahre Kunstform gemacht, in der ein traditionsbewusster Leser als Sekundärvergnügen die Romane nach Vorbilder und Inspiration absuchen kann.
So erkennt ein Fan in KROUIC, 1972, eine Variation von UBIK, 1969, von Philip K. Dick.

Im ANANKÉ-Zyklus sehen manche eine Abwandlung der RIVER WORLD-Saga von Philip José Farmer (im 2. Band des Zyklus, LES PÉRILS D´ANANKÉ, 1975, treffen BM und seine Freunde gar auf Vlad Tepes, alias Dracula).

Vor allem verdankt die fantastische Atmosphäre, die so viele von Moranes Abenteuern durchdringt, Jean Ray, dem Autor von MALPERTIUS und HARRY DICKINSON, der wohl den nachhaltigsten Einfluss auf den jungen Charles Dewisme ausübte.

Die phantastische Literatur kennt Vernes mindestens so gut wie den kolonialen Abenteuerroman.

Besonders bei H.G.Wells bediente sich Vernes – wie viele SF-Autoren – häufig und gerne: Die Aliens in LES MONSTRES DE L´ESPACE, 1956, sind deutlich von WAR OF THE WORLDS „inspiriert“. In LES BULLES DE L´OMBRE JAUNE, 1970, findet man eindeutige Bezüge zu THE TIME MACHINE: Die schrecklichen Khops sind die Morlocks und die Kinder der Rose sind die Eloi.
In LE RÉVEIL DE KUKULKAN, 1994, bezieht er sich direkt auf THE ISLAND OF DR.MOREAU. THE INVISIBLE MAN übernahm Vernes für FORMULE X33, 1962.

Auch von Sir Arthur Conan Doyle übernahm Vernes vieles: Er gibt sogar zu, dass LE DRAGON DES FENSTONES, 1961, direkt vom HOUND OF BASKERVILLE „inspiriert“ wurde. Die unzugängliche Hochebene, auf der die letzten Maya leben (in LE SECRET DES MAYAS, 1955), geht direkt auf die Hochebene in THE LOST WORLD zurück (wie die vielen Saurier in verschiedenen BM-Romanen). Assoziationen zu Sherlock Holmes ergeben sich in LA MALLE À MALICE, 1976, und DES LOUPS SUR LA PISTE, 1980, und an Gaston Leroux´ Rouletabille in POISON BLANC , 1972.

Die versunkenen Welten, auf die BM immer wieder stößt, haben ihre Wurzeln bei Rider Haggard und Edgar Rice Burroughs.

Auch H.P. Lovecraft hat Spuren hinterlassen: Dagon in der gigantischen Kreatur, halb Mensch, halb Fisch, in LES SPECTRES D´ATLANTIS. Rudyard Kipling hinterlässt Spuren in LA MARQUE DE KALI. John Buchans Prophet aus GREENMANTLE findet sich wieder in MASQUE DE JADE, 1957.

Sogar Georges Arnauds Klassiker LA SALAIRE DE LA PEUR plünderte er für einige Szenen in LE CAMION INFERNAL, 1964.
Richard Mathesons THE SHRINKIN MAN, 1956, stand Pate bei L´ENNEMI INVISIBLE, 1959.

Dank der „Zeit-Patrouille“, die Vernes direkt von Poul Anderson übernommen hatte, muss Morane keine Lost Valleys mehr in Dschungeln entdecken. Er kann sich von da an direkt in vergangenen Epochen oder auf fremden Planeten austoben.

Vernes, der ja immer große Angst hat, als Plagiator bezeichnet zu werden (was er – zum Teufel – ja ist), behauptete dreist, Anderson in den USA und er selbst in Europa, hätten zur selben Zeit die jeweiligen Zeitpatrouillen entwickelt. Dies hätte nur geschehen können, wenn Vernes zwei Jahre in die Vergangenheit gereist wäre. Andersons erste Zeitpatrouille-Geschichte wurde in Frankreich im März 1956 veröffentlicht; LES CHASSEURS DE DINOSAURUS erst 1957. Eine Jagd auf Dinosaurier thematisierte zuvor schon Ray Bradbury in der Story A SOUND OF THUNDER, 1952, die in Frankreich ebenfalls 1956 veröffentlicht wurde.

Wenn Henri Vernes SF schreibt, dann ist es auf naive Weise die klassische SF mit ihren klassischen Topoi, wie Außerirdische, Weltraum- oder Zeitreisen, Genmanipulation, Atomkraft, verschwundene Zivilisationen und Große Alte. Die SF von Bob Morane kleidet sich in Konfektion; es sind Transformationen des Abenteuerromans in die SF. Vernes kreuzt sie in einer Patchwork-Welt mit dem kolonialen Abenteuerroman (der letztlich Pate der Space Opera war).

Vernes umgeht in seinen Zeitreise-Geschichten alle Probleme des Zeitparadoxons.
Was in der Zukunft passiert, findet gleichzeitig und in der Vergangenheit statt:
Wenn Morane zu einem Zeitpunkt A im Mittelalter in Schwierigkeiten ist, muss ihm die Zeitpatrouille im 23. Jahrhundert rechtzeitig ein Objekt schicken, das genau zum Zeitpunkt A ankommen muss, denn zum Zeitpunkt B könnte der Held bereits tot sein. Vernes Raum-Zeit-Verständnis suggeriert die immerwährende Gegenwart, in der alle drei Zeitinstanzen, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, gleichzeitig stattfinden.

Die Science Fiction ist mehr noch als der Abenteuerroman eine „kollektive Literatur“, in der allen Autoren alle Themen gehören und jeder an jeden anknüpfen kann um das Grundmaterial ständig zu überarbeiten. Peinlich nur, dass Vernes nur assimiliert, ohne einen neuen Aspekt bei zu bringen. Für ihn ist die SF eine reine Dekoration, die den Abenteuerroman  erneuern soll.

Aber Vernes beschäftigte sich auch ernsthaft mit der Wissenschaft (jedenfalls während der klassischen Marabout-Phase). Als Kind seiner Zeit sog er nach dem Krieg die Wissenschaftsgläubigkeit auf und sah sie auch als Möglichkeit, die BM-Serie zusätzlich zu bereichern und von anderen Jugendbuchserien abzugrenzen. Morane war schließlich ein moderner Held, voller Ingenieurswissen.

Durch seine stete Lektüre wissenschaftlicher Fachmagazine (der Chef von Marabout schickte ihm zahlreiche Artikel über die neuesten wissenschaftlichen Entdeckungen) konnte Vernes einiges antizipieren.

In der April-Ausgabe 2004 würdigte das kanadische „Quebec Science“-Magazine“ BM als die Serie, die eine ganze Generation Jugendlicher an die Naturwissenschaften herangeführt hat. Einige Beispiele dafür, wie Henri Vernes einige Entwicklungen extrapolierte und attraktiv aufbereiten konnte:

1958, in LES GÉANTS DE LA TAIGA, beschrieb er einen Wissenschaftler, der das Mammut wiederbelebte, indem er Fortpflanzungszellen von einem gefrorenen Kadaver nahm, so wie es ein japanischer Forscher 1999 tun wollte.

Die Duplikator-Maschine von Mr.Ming in LE RETOUR DE L’OMBRE JAUNE, 1960, mit der er biologische Kopien von sich selbst erstellt, hat viele Gemeinsamkeiten mit dem Klonen.

In PANIQUE DANS LE CIEL, 1954, beschrieb Vernes einen Senkrechtstarter vor dem ersten Flug der Convair XFY-1 (um Opium zu transportieren; das hätte sicherlich auch Pablo Escobar inspirieren können).

In MISSION POUR THULÉ hilft Morane den Amerikanern beim Start eines Satelliten, der der Förderung von Wissenschaft und Frieden gewidmet ist (in der Zeit mit und nach Reagen muss man das wohl unter Fantasy einordnen).

In LES MANGEURS D’ATOMES, 1961, „entwickelt“ ein Biologe einen prähistorischen Krebs, der atomare Abfallstrahlung absorbiert. Die Veränderung der Biosphäre behandelt Vernes bereits 1955 in LES FAISEURS DE DÉSERT.

Ab den 1990er Jahren beschäftigte sich Vernes zunehmend mit Ökologie. In LA TERREUR VERTE, 1969, hatte er bereits eine „Revolte der Natur“ beschrieben. In LES DÉSERT. D’AMAZONIE, 1993, thematisiert er die Abholzung des Regenwaldes. Natürlich gab es auch (dem jeweiligen Wissensstand entsprechend) einigen Unsinn zu lesen: In LES MONSTRES DE L’ESPACE beschreibt Vernes die Existenz einer Mondvegetation.

In der klassischen Phase spiegelt die Serie die Fortschrittsgläubigkeit der 1950er- und 60er Jahre in all ihrer Naivität wider. Nach 1969 – nach der Mondlandung – steigert Vernes die phantastischen Momente und verlässt die wissenschaftlichen Grundlagen zu Gunsten der Fantasy-Elemente. Mit der zunehmenden Hinwendung zu simplen Zeitreise-Geschichten, konzentrierte sich Vernes auf das am wenigsten wissenschaftliche Thema der Science Fiction.

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BOB MORANE WIRD 65 /2 by Martin Compart
25. August 2018, 12:46 pm
Filed under: Bob Morane, henri vernes, OSS 117, Porträt, Pulp | Schlagwörter: , , ,

Bevor ich mich weiterhin der hochinteressanten Entwicklungsgeschichte des Produkts BOB MORANE zuwende, möchte ich einige ideologische und intertextuelle Zusammenhänge klären. BOBMORANE ist trotz seiner vielen Häutungen ein Produkt, dass extrem die Zeit wiederspiegelt und behauptet, die man wohl als Nachkriegszeit bezeichnen kann. Trotz aller Genre- Crossover-Techniken, die die Figur und das hinter ihr stehende Konzept marktkonform aktualisierten, blieb BM immer in seinem „Geburtsjahrzehnt“ stecken – was vielleicht auch ihren anhaltenden Charme erklärt.


KOLONIALISMUS

In der klassischen Phase der Serie im Marabout-Verlag wurden bereits alle Topoi verwendet, die in den späteren Werken ausgebaut und exzessiver verwendet wurden.
Ausgangspunkt der Serie war der koloniale Abenteuerroman, der noch bis in die 1960er Jahre ein beliebtes Genre war. In ihm wird meist hoch ideologisch der Gegensatz zwischen Zivilisation und Wildheit thematisiert und die imperialen Motive der Kolonialmächte gerechtfertigt.

BOB MORANE schlägt eine zeitgenössische Brücke zum exotischen Reiseroman, da es in den 1950er Jahren nicht mehr darum geht Kolonien zu erobern, sondern diese bestenfalls zu verteidigen. Die beginnende Entkolonialisierung zeichnet sich in manchen Romanen latent ab und wird als schmerzvoll empfunden. Henri Vernes selber sagte einmal, dass Afrika in seinen späteren Büchern kaum noch präsent sei, weil es das Afrika, das er liebte, nicht mehr existiere und das heutige ihn nicht interessiere.

BM folgt der klassischen Quest, in dem er ausrückt, um die Wildheit aufzusuchen, aber immer wieder zu einem abgesicherten, abenteuerlosen Ort zurückkehrt. In seinem Fall ist es die Wohnung am Quai des Orfèvres, vollgestopft mit Reiseandenken, in der er sich vor allem der Lektüre hingibt. Die vielen fremden Orte, die BM im Laufe seiner Abenteuer besuchte, gaben den in den 1950er- bis 1960er Jahren extrem ortsgebundenen Jugendlichen auch ein erstes Raumgefühl für den Planeten, das durchaus ihr egozentrisches Weltbild ankratzen konnte.

Diese Reisen BMs von einem Bedeutungsraum zu einem anderen nimmt oft die Form einer symbolischen Eroberung an, die häufig durch einen zu suchenden Schatz oder durch die Entdeckung einer unbekannten Kultur (Lost Valley-Motiv) koloniale Neigungen nährt. Dieser Triumph des Helden wird begleitet von einem Paternalismus, der charakteristisch ist für die Endphase der Kolonialzeit, als es darum ging, den Kolonialismus als humane Hilfe und Unterstützung für die unterworfenen Völker zu legitimieren.

BM reiht sich da in die Tradition des kolonialen Abenteuerromans ein, indem die exotischen Länder für ihn Gefahren- und Machtversprechen sind.

Schleichend entfernte sich in den 1950ern der exotische Abenteuerroman von der immer widersprüchlicher werdenden Realität. Noch ist die koloniale Imagination die Basis der Serie, da der exotische Raum geprägt ist von kolonialer Geschichte oder noch existierenden Kolonien: Djibuti in LA CITÉ DE SABLES, 1956, Zentralafrika in LA GRIFFE DE FEU, 1954, Neuguinea in LA VALLÉE INFERNALE, 1953, Aden in PANIQUE DANS LE CIEL, 1954 u.v.m.

Aber die geopolitische Realität, die das Versprechen der Serie ist, wird mehr und mehr erschüttert. Seit dem Ende des 2.Weltkrieges verdeutlichen die nationalistischen Bewegungen in Algerien, Indochina und Madagaskar die Fragilität der französischen Positionen in den Kolonien. Als Henri Vernes die ersten Romane der Serie verfasste, befand sich Frankreich mitten im Indochinakrieg, und Belgien wurde sich der Notwendigkeit bewusst, der Dekolonisierungsbewegung zu folgen. 1955, zwei Jahre nach Serienstart, veröffentlicht Antoine Van Bilsen den berüchtigten „Dreißigjahresplan Plan für die politische Emanzipation Belgisch Afrikas“.

Auch der intertextuelle Dschungel kann der Transformation der geopolitischen Realität nicht ewig widerstehen. Die Unabhängigkeit Vietnams im Jahr 1954, die von Tunesien und Marokko im Jahr 1956, die von Schwarzafrika, beginnend im selben Jahr, was zur Unabhängigkeit Guineas im Jahr 1958 führte, führt zu einer neuen Exotik, weit entfernt von dem imaginären Erbe der Zwischenkriegszeit. Dies zeichnet sich 1957 in LES DÉMONS DES CATARACTES ab, in dem die „Krokodilmänner“ gegen die Siedler der Kataraktdämonen kämpfen. Der Unabhängigkeitskampf der Kolonialvölker symbolisiert sich auch im L´EMPEREUR DE MACAO, 1958, wenn die Piratenbande des Kaisers von Macao westliche Schiffe angreift und die kolonialen Autoritäten erschüttert.

Die ideologische Verteidigungsstrategie kolonialer Interessen, für die letztlich auch BM steht, besteht darin, dies zu entpolitisieren und zu Zusammenstößen mit exotischen Kriminellen zu reduzieren.
Durch den Sieg Maos und die Gründung der Volksrepublik China (der wohl entscheidendste Faktor für die Freiheitsbewegungen in der 3.Welt) war in der Unterhaltungsindustrie der böse asiatische Superschurke à la FU-MANCHU aktualisiert.

Henri Vernes. sah sich früh mit dem Prozess der Dekolonisierung konfrontiert, der letztlich die Konventionen verurteilte, auf denen Henri Vernes Konzept beruht
Bei dem hohen Ausstoß von sechs Titeln im Jahr konnte der koloniale- oder post-koloniale Abenteuerroman als Themenpool für BM nicht genügen.
Henri Vernes gelang es innerhalb seiner Serie andere Genres, wie Western, Spionage, Science Fiction, Fantasy zu BM-spezifische Geschichten zu transformieren um diese nach dem Grundmodell des seriellen Abenteuerromans neu anzuordnen.

Die meisten dieser Motive waren schon in den 1950er Jahren präsent: Die erste Zeitreise in LES CHASSEURS DE DINOSAURES, 1957, die gelbe Gefahr in Form des Superverbrechers, der Raum und Zeit überwinden kann, Monsieur Ming, der gelbe Schatten, taucht erstmals 1959 in LA COURONNE DE GOLCONDE auf. Schon früh wird BM mit geheimdienstlichen Aufgaben betreut (sogar der Chef der CIA gehört zu seinen Bekannten) und Geheimagenten wie George Lester in PANIQUE DANS LE CIEL tauchen bereits 1954 auf (weitere Male in LA CITÉ DES SABLES, 1956, und in LA FLEUR DU SOMMEIL, 1957).

Man muss berücksichtigen, dass 1953 auch das Geburtsjahr von James Bond war (der aber erst 1957 überregionale Popularität erlangte) und dass der heldenhafte Spion, dank der OSS 117-Serie (seit 1949) von Jean Bruce und seiner Epigonen (https://martincompart.wordpress.com/category/oss-117/ ), zum Kanon der Unterhaltungsindustrie gehörte. Besonders in Frankreich, wo die Filme über den FBI-Agenten LEMMY CAUTION (nach Peter Cheyney) mit Eddie Constantine ungeheuer populär waren. Vernes nutzt die Themen des Spionageromans sehr früh: In LES FAISEURS DE DÉSERT, 1955, droht ein krimineller Verrückter, den Planeten in Wüsten zu verwandeln. Ein echter 007-Plot!
Zum geopolitischen Universum von BM kommt verstärkt der Kalte Krieg hinzu, der von ihm gerne als Krieg gegen ehemalige Kolonien und deren kriminelle Vertreter dargestellt wird. Insbesondere die Notwendigkeit, Energie und natürliche Ressourcen zu kontrollieren, findet bei BM Beachtung, denn damit versuchen beiden Blöcke ihr Gebiet zu erweitern.
Das verändert in einigen Romanen schon früh die Darstellung der Welt grundlegend. Der Westen und die exotischen Länder sind jetzt durch ein ganzes System internationaler Spannungen miteinander verbunden.

Diese Form der Erzählungen geht oft von Versuch der Zerstörung des Westens durch die exotische Welt Asiens aus. Bei BM spielen Russen eine weitaus geringere Rolle als die Asiaten (worin sich wieder das Trauma der Entkolonialisierung ausdrückt).

FORTSETZUNG FOLGT

 



CHARLES DEWISME WIRD 100! – UND BOB MORANE 65 /1 by Martin Compart
23. August 2018, 5:57 pm
Filed under: Bob Morane, Comics, Heftroman, henri vernes, Porträt, Pulp, TV-Serien | Schlagwörter: , , , , ,

Er schrieb um die 250 Romane, mehrere Comic-Szenarien und verkaufte bisher weltweit an die 50 Millionen Bücher: Charles Dewisme, alias Henri Vernes, ist nach Georges Simenon (Gesamtauflage über 500 Millionen) der erfolgreichste Schriftsteller Belgiens. Erfolg und Bekanntheit verdankt er vor allem seinem Serienhelden BOB MORANE, der außerhalb des englischsprachigen (und des deutschsprachigen) Raumes ungeheuer populär ist). Seit 1953 wurden seine Abenteuer in über 200 Romanen, 85 Comic-Alben, einer Real-TV-Serie und in einer Zeichentrickserie verbreitet. Trotz mehrerer Anläufe und Versuche schaffte er es bisher nur ein einziges Mal auf die große Leinwand (die einzige Kopie des Films ist bei der Premiere verbrannt).

Henri Vernes schuf mit BOB MORANE das dichteste, komplexeste und schamloseste Werk an Intertextualität in der gesamten Pop-Literatur.

Während BOB MORANE seinen 65.Geburtstag feiert (und von neuen Autoren weitergeführt wird), erlebt Charles-Henri-Jean Dewisme am 16. Oktober seinen 100.Geburtstag und blickt auf ein erfülltes und erfolgreiches Leben.
„Ich hatte viel Glück und ein gutes Leben. Aber wenn ich Amerikaner wäre, wäre ich heute auch Multimilliardär.“

Der 1999 als Offizier der belgischen Ehrenlegion ausgezeichnete Autor, ist ein Pionier des Crossover Thrillers. Seine langlebige Figur, deren Erfolg längst nicht mehr so groß ist wie in den ersten vierzig Jahren, durchlebte die Metamorphose vom Jugendbuchhelden zum Synonym für Abenteuerliteratur und ist heute museal:

Seit 1986 gibt es einen eigenen BOB MORANE-FAN CLUB, 1991 fand eine ihm gewidmete Ausstellung im Kulturhaus der Stadt Tournai statt; sie ist inzwischen auch Hort des Henri Vernes-Archivs. Und in der Brüsseler Rum- Bar La Canne à Sucre steht seit 2008 eine lebensgroße Bronzestatue des Weltenbummlers.

1982 hatte die Band INDOCHINE in Frankreich einen Riesenhit mit einem Song über BOB MORANE: L´AVENTURIER (über 10 Millionen Klicks auf YouTube). Mit MISS PARAMOUNT und anderen Songs würdigte die Band immer wieder den Moranschen Kosmos.

Charles-Henri-Jean Dewisme wurde am 16. Oktober 1918 in Ath geboren.
Bald ließen sich die Eltern scheiden, und Charles wurde von seinen Großeltern in einem Haus in Tournai in der Rue Duwez im Viertel Saint-Piat aufgezogen. Heute ist eine Gedenktafel an der Vorderseite des Hauses zu sehen.

Bereits als Kind entwickelte er einen ausgeprägten Geschmack für Abenteuerromane, wie zum Beispiel Harry Dickson von seinem zukünftigen Freund Jean Ray.

Mit 16 verließ er die Schule und arbeitete in der Fleischerei seines Vaters, was ihm aber so missfiel, dass er zurück zur Schule ging. Seiner eigenen Legende nach, verliebte er sich 1937 in die Chinesin „Madame Lou“. Mit einem gefälschten Pass begleitete er sie nach Kanton ins Rotlichtmilieu. Nach zwei Monaten soll er nach Belgien zurückgekehrt sein. „1940 heiratete ich Gilberte, die Tochter eines Antwerpener Diamantenschleifers. Antwerpen war damals eine aufregende Stadt mit dem alten Hafen. Trotzdem hielt ich es nur ein Jahr aus.“
Die Ehe mit Gilberte wurde 1941 geschieden.

Nach der Kapitulation Belgiens, trat er im Mai 1940 in ein Spionagenetzwerk ein, das von den Briten geführt wurde. Während dieser Zeit las und schrieb er viel: Einen ersten Roman, ein Thriller, der keinen Verleger findet: Er hatte das Manuskript an die Krimi-Reihe geschickt, die von dem namenhaften Autor Stanilas-André Steeman herausgegeben wurde. Steeman war bis in die 1960er Jahre ein Starautor, dessen Bücher auch verfilmt wurden. Angeblich akzeptierte er Dewismes Manuskript nicht, weil es gerollt und nicht flach – wie bis heute üblich – bei ihm einging.

Im Jahr 1943 traf er den Großmeister der belgischen Populärliteratur, Jean Ray, den Autor des phantastischen Klassikers MALPERTIUS und der Harry Dickson-Geschichten, die Dewisme in seiner Kindheit verschlungen hatte. Die Freundschaft hielt bis zum Tode Jean Rays 1964. Ray-Spezialisten werden seinen Einfluss auf das Werk von Henri Vernes erkennen.

Ende 1944 erschien dann sein erster Roman, LA PORTE OUVERTE. Damals schrieb Henri Vernes noch unter seinem richtigen Namen: Charles-Henri Dewisme. Dieser phantastische Roman (der Einfluss von Jean Ray) war nicht besonders erfolgreich und verkaufte lediglich 700 Exemplare.

1946 ging er nach Paris um als Journalist zu arbeiten. Er schrieb für zwei belgische Zeitungen und für die amerikanische Nachrichtenagentur Overseas News.
Er verfasste auch Geschichten und Romane in unterschiedlichen Genres unter den Pseudonymen Cal.W. Bogard, Pat Richmond, Lew Shannon, Jacques Colombo, Robert Davids, Duchess Holiday, C. Reynes, Jacques Seyr u.a. 1949 folgte unter seinem Geburtsnamen ein dritter Roman, der düstere Kriminalroman LA BELLE NUIT POUR UN HOMME MORT.

„Das war eine schöne Zeit und Paris ist einfach prächtig. Ich schloss viele Freundschaften. Aber ich begann Belgien und giung Anfang der 1950 zurück und ließ mich in Brüssel nieder. Warum Brüssel? Weil es wichtig war, in der Hauptstadt zu sein, wo die wichtigen und einflussreichen Leute sind. Hier gibt es immer was zu tun.“

Einer der wichtigen Leute, die er dort traf, war Bernard Heuvelmans, der Vater der Kryptozoologie, mit dem er sich anfreundete.

In dieser Zeit begann seine Arbeit für Jugendblätter und Comic-Magazine, die neben Bildgeschichten auch pseudowissenschaftliche Artikel und Stories veröffentlichten. So schrieb er zwischen 1949 and 1953 für Heroïc Albums, Tintin und Mickey Magazine unter Pseudonym.

Ein damals hart umkämpfter Markt der Verlage war das Buchsegment für Kinder und Jugendliche. Traditionelle Verlage, die häufig konfessionelle Bindungen hatten und in der Zwischenkriegszeit den Markt beherrschten, und Newcomer (oft aus Druckereien hervorgegangen), umwarben mit relativ kostengünstigen Produkten die Nachkriegsgeneration.

Der Verlag Veviers hatte 1953 seine Taschenbuchreihe „Marabout Junior“ mit geographischen und historischen Sachbüchern etabliert. Der Chefredakteur Jean-Jacques Schellens hatte die Idee, die Reihe mit einer Abenteuer-Serie zu bereichern, die in das Geographie lastige Gesamtkonzept passen sollte. Außerdem war der koloniale Abenteuerroman noch immer das dominierende Genre in der männlichen Jugendliteratur.

Die Serie sollte in kurzen Abständen erscheinen und die Leserbindung erhöhen. Als Autor versuchte er Bernard Heuvelman zu gewinnen, Der „Vater der Kryptozoologie“ lehnte ab, da er zu beschäftigt war, die Existenz von mythologischen- oder Fabeltieren zu erforschen.

Heuvelman schlug ihm seinen Freund Dewisme vor: „Er ist ein guter Journalist, der leicht schreibt, er liebt Abenteuer und er ist viel gereist.“

Schellens setzte sich mit Dewisme in Verbindung und ließ in als Test in kurzer Zeit ein populäres Sachbuch schreiben: CONQUÉRANTS DE L´EVEREST. Obwohl der Autor keine Ahnung vom Bergsteigen hatte, lieferte er ein akzeptables Ergebnis ab (Schellens hatte wohl ebenfalls keine Ahnung). Dewisme hatte den Test bestanden: Er konnte innerhalb eines engen Zeitrahmens ein akzeptables Produkt liefern. Ein Produkt, ganz ähnlich dem früheren Feuilletonroman bis hin zu FANTOMAS, den Hero-Pulps à la DOC SAVAGE oder dem Heftroman.

Schellens und Dewisme überlegten. BOB MORANE wurde als romantische Variation dieser dokumentarischen Formen konzipiert.

Dewisme, der sich von nun an Henri Vernes nennen sollte, feilte ein genaues Profil aus.

Er kannte die amerikanischen Dime Novels und Pulps und er kannte W.E. Johns langlebige Jugendserie über den Kampfpiloten BIGGLES, der rund um den Erdball seine Abenteuer erlebte. Und er kannte Abenteuer-Filme und Comics. Außerdem hatte er in seiner Kindheit die Abenteuer-Klassiker von Jules Vernes über Rider Haggard bis Edgar Rice Burroughs aufgesogen.

Und er war jung genug, diese Genre spezifischen interkulturellen Dependenzen zu aktualisieren und den antiquierten europäischen Ansatz zu amerikanisieren.

Die Figur des BOB MORANE hat einige Gemeinsamkeiten mit seinem geistigen Vater: Dunkles kurzes Haar, graue Augen in einem kantigen Gesicht, athletischer Körper.

Aber er ist Franzose, ein Waise, der von seiner alten Tante Brittany aufgezogen wurde.

Im 2.Weltkrieg war er Spitfire-Pilot in der RAF und mit 42 Abschüssen ein Held der Schlacht um England und Frankreichs höchstdekorierter Kampfflieger.

Er hat eine Ingenieursausbildung, arbeitet aber gelegentlich als Fotograf und Reporter für das Magazin „Reflets“ (so nennt sich auch das Fanzine des Fan-Klubs).

Er spricht fast so viele Sprachen wie Karl May und beherrscht Kampfsportarten, darunter Judo, Karate, Kickboxen und Juijitsu. Seine angeborene Neugier und sein extremer Sinn für Gerechtigkeit treiben ihn um den Globus (und darüber hinaus).

„Frankreich ist größer, bietet mehr Möglichkeiten. Und zu dieser Zeit gab es noch Kolonien, um das Setting zu erweitern. Ich komme aus Tournai, sehr nah an der Grenze und sie ist sowohl eine französische wie eine belgische Stadt. Zu meiner frühen Lektüre gehörten natürlich französische Autoren: Louis-Henri Boussenard, Jean de la Hire… Es ist also für mich ganz natürlich, dass ich Bob Morane zu einem Franzosen gemacht habe.“

Und woher der Name?

„Wenn ein Massai seinen ersten Löwen tötet, wird er zu Morane. Für den Vornamen wählte ich Bob, weil es nach dem Zweiten Weltkrieg die Mode war, die Vornamen zu amerikanisieren.“

Vernes erhielt einen Vertrag über sechs Bücher pro Jahr und ging ans Werk, um den ersten von 142 Titeln für Marabout zu schreiben.

„Ich habe das Glück, überall schreiben zu können solange ich atme. Das stammt sicherlich aus meiner langjährigen journalistischen Praxis. Ich kann, wenn es sein muss, dreißig Seiten in einer Nacht schreiben. Das habe ich schon mehrfach.“

Am 16. Dezember 1953 erschien BOB MORANE Nr. 1: LA VALLÉE INFERNAL, das erste Abenteuer schilderte Moranes erste Heldentaten in Neuguinea.

Fünf BOB MORANEs erschienen 1954, sechs im Jahr 1955, sieben im Jahr 1956, sieben im Jahr 1957 – und so sollte es bei Marabout bis 1977 weitergehen.

Während der Premiere war Vernes auf Reisen.

„Ich hatte keine Wahl! Während ich auf dem Schiff nach Kolumbien unterwegs zum Amazonas war, erhielt ich bei den Westindischen Inseln ein Telegramm von meinem Herausgeber, der mich aufforderte, den zweiten Roman zu schicken. Ich habe ihn beendet, als ich in Martinique ankam. Der dritte wurde in Haiti und Kolumbien gestartet und ich habe ihn auf dem Rückweg beendet. Als ich ankomme, bemerkte ich, dass Bob Morane in aller Munde ist. Von diesem Moment an schrieb ich alle zwei Monate ein Buch.“

Zum Glück beruhte das Konzept auf relativ kurzen Romanen mit etwa 150 Druckseiten.

„Ich hatte bei Marabout völlige Freiheit. Im Verlag lasen sie nie, was ich geschrieben habe: Oft kam das Manuskript so spät, dass sie es am nächsten Tag drucken mussten. Ich hatte nie Vorgaben, abgesehen von einigen Treffen mit dem Herausgeber, bei denen es darum ging, was wir als nächstes mit Bob anstellen wollten. Wenig Regen, viel Sonnenschein. Obwohl sie mich bei meinen Abrechnungen belogen haben – hunderttausend Exemplare statt zweihunderttausend. Aber als ich gut davon leben konnte, war es vorbei.“

FORTSETZUNG FOLGT



JEAN-CHRISTOPHE GRANGÉ: ARCHÄOLOGE DES BÖSEN 4/ by Martin Compart
6. August 2018, 10:44 am
Filed under: Crime Fiction, Jean-Christophe Grangé, Noir, Porträt | Schlagwörter: , ,


Zu seinen vielen Reisereportagen entstanden Journalist Tausende von Notizen. „Mein persönliches Archiv.“ Darin befinden sich nicht nur Anmerkungen für realisierte Reportagen, auch Ideen und Materialien, die nicht verwendet wurden. „Ich habe das Glück, Ideen zu haben, die von selbst keimen, und die Hintergründe stammen aus meinem Berufsleben als Reporter. Zehn Jahre war ich das.

Die ersten großen Reportagen erscheinen 1990:

Calcutta, Capitale de l’enfer. Kalkutta, Hauptstadt der Hölle. Portrait einer Stadt und Nomades, les passagers de la terre. Nomaden: Ein Jahr mit den letzten Nomadenvölkern der Welt.
In der Mongolei, nahe der Grenze zu Sibirien, verbrachte Jean-Christophe Grangé Zeit mit einem kleinen Stamm, dem auch Schamanen angehörten. Der entscheidende Impuls für seinen Roman DER STEINERNE KREIS.

Für seine nächste Reportage Péril en la forêt, über die Abholzung des Regenwaldes, wurde er mit dem Prix Reuter 1991 ausgezeichnet.

Es folgten La migration des cigognes suivie par satellite über die Wanderung der Störche, die ihn bekanntlich zu seinem ersten Roman DER FLUG DER STÖRCHE anregte.
Und er bekam einen weiteren Preis: Für La ballade du cormoran . Die Ballade des Kormorans, erhielt er Prix World Press. Darin beschreibt er die Pai-Fischer in Yunnan, die ihre Kormorane zum Fischfang ausbilden. Es folgte eine Reportage über das Leben am Mississippi und über die Schmetterlingsjagd und ihren Handel in Thailand: Einiges aus Les ailes de la forêt . Die Flügel des Waldes, floss dann in DAS SCHWARZE BLUT ein.

1993 schrieb er über den Gebrauch von Kindern durch die Mafia. in Sizilien; Le bunker des souris über das größte Labor für Tierversuche in Deutschland; Le piège de cristal , Die Kristallfalle, über eine Grönlandexpedition, die 170 Meter unter das Eis führte (die Gletscherszenen in PURPURNE FLÜSSE verdanken dieser Erfahrung einiges); Les géants de la bravoure . Die Riesen der Tapferkeit über kleinwüchsige Toreros in Spanien und Le voyage fantastique über den menschlichen Körper als 3D-Simulation.

Mit Pierre Perrin

Angeregt durch die Reportage über die Storchenwanderung für „Paris Match“ begann er 1991 seinen ersten Roman zu schreiben.

Misslungener TV-Zweiteiler

„Wir hatten die Vögel mit Satellitensignalgebern ausgestattet, wir waren ihnen überall hin gefolgt, von Europa über Israel bis nach Afrika und ich sagte mir auf dem Rückweg, wenn ich einen Thriller mit Störchen schreiben könnte, wäre das wirklich originell. Die Reise war eine gute Struktur für einen Quest orientierten Thriller. Ich nutzte meine Reisen, um einen Roman zu füttern. “

Zwei Jahre lang schrieb Grangé frühmorgens vor der Arbeit an dem Roman. Und kurz nachdem er sein Manuskript an die Verlage schickte, schlug der renommierte Verlag Albin Michel zu.

Das war 1993 und Grangé war 32 Jahre alt.

Das Buch wurde ein Jahr später veröffentlicht und verkaufte „lediglich“ 8000 Exemplare. Grangé war noch nicht der französische Bestsellerautor, der „die Amerikaner blass machte“, hatte aber einen Achtungserfolg und das Interesse der Filmbranche geweckt.

Vorerst blieb er Reisejournalist für besondere Themen. 1994 arbeitete er über die ersten weiblichen Priesterinnen Englands (Les suffragettes de Dieu. Die Suffragetten Gottes), Michael Schumacher (Michaël Schumacher, 24 heures d’un champion. Michael Schumacher, 24 Stunden eines Champions), unveröffentlichten Bilder des japanischen Yokkhoh-Satelliten über Sonneneruptionen (Pleins feux sur le soleil. Spotlight auf die Sonne), alternative Medizin (Les médecines du mystère. Die Medizin der Geheimnisse), Milliardärs Inseln (Les seigneurs des îles. Die Herren der Inseln) und paranormale Phänomene (SOS paranormal).

1995 schrieb er über einen verborgenen Nazischatz in einem polnischen Kloster, der Originalnotenblätter von Bach und Mozart beinhaltete (Le trésor caché de Prusse . Der verborgene Schatz Preußens), zum hundertsten Jahrestag der Röntgenstrahlen (Le monde selon X), ein Porträt des Filmemachers Norodom Sihanouk (Le roi cinéaste), die Rekonstruktion Angkors am Computer (La renaissance d’Angkor), die Wildpferde auf Sable Island (Les chevaux de sable), Gehirnforschung (Voyage au centre du cerveau), die Möglichkeiten von in den menschlichen Körper integrierte elektronische Systeme (Cap sur l’Homme bionique) und Pyramiden (Pharaons noirs, retour vers le passé . Schwarze Pharaonen, zurück in die Vergangenheit).

Die Reportagen zeigen Themengebiete, die Grangé in seinen Romanen verarbeitete und bis heute faszinieren, etwa Hirnforschung, Umwelt, Spiritualität, Nazismus, Lateinamerika, isolierte Gemeinschaften, Natur und Gewalt – und Afrika. „Ich habe unglaubliche Länder kennengelernt, aber Afrika fasziniert mich immer mehr.

Einige der erfolgreichsten Autoren der letzten Jahrzehnte, wie Michael Crichton und Dan Brown, haben ihre Ware mit zusätzlichem Gebrauchswert ausgestattet. Diese besteht im komprimierten Spezialwissen zu Themen spekulativer Wissenschaftstheorien. Grangé nutzt diese Formel erfolgreich, indem häufig auf das Material zurückgreift, das er als Journalist einst recherchiert hat und dieses vertieft.

Außerdem vermitteln seine Romane den erkennbaren und unterschwelligen Wahnsinn, der unserer Epoche immer stärker prägt. Diese mehr oder weniger irrationalen Aspekte, die schon die Ränder unserer Zivilisation zerkauen, durchdringen seine Romane wie bei keinem anderen mir bekannten Autor. Damit steigert er die Atmosphäre der Angst und der Verstörtheit beim Leser. Auch nach der letzten Seite entlässt er ihn mit dem Gefühl, in einer immer unheimlicheren Welt zu leben. Das gelingt den wenigsten Weird Fiction-Autoren.

Wie schon erwähnt, ist Grangé einer der erfolgreichsten Schriftsteller der Gegenwart.
Der materielle Erfolg lässt sich schön bei Ehescheidungen festmachen. Bei der Scheidung von seiner zweiten Frau verpasste ihm ein offenbar nicht wohlgesonnener Richter ein atemberaubendes Urteil: Ein Teil des Vermögens als einmalige Zahlung ging an die Ex, so wie monatliche Unterhaltszahlungen von 10.000€. Zu diesem Zeitpunkt zahlte ihm der Verlag Albin Michel, der auch für Grangés Steuern aufkommt, 30.000 € im Monat. Diese Scheidungserfahrung inspirierte wohl seinen schlechtesten Roman, DIE WAHRHEIT DES BLUTES (der in der Mitte auseinanderfällt und nach der Serienkillerhandlung eine völlig neue Geschichte beginnt, die Grangé nur nutzte, um sich über japanischer Kultur auszulassen).

Sein Vermögen ist schwer zu schätzen. Bereits für die Filmrechte von DAS IMPERIUM DER WÖLFE bezahlte Chris Nahon eine Million Euro. Aber – wie schon erfahren – war und ist Geld nicht sein Antrieb. Das beweist sein literarischer Ausstoß, der ihn als einen besessenen Schriftsteller beweist.

Marc Thiébault, ein Freund seit der Kindheit: „Wir lebten in zwei benachbarten Städten und haben nie den Kontakt verloren. Seitdem ist der Erfolg gekommen, aber der Mann hat sich nicht viel verändert, mehr oder weniger die gleiche Kleidung, gleiches Auto, keine Prahlerei. Sein Geld nutzt er, um seine Freunde ins Restaurant oder in einen Urlaub einzuladen.“ Er ist eben ein netter Bursche!

In meinem ersten Buch machte mich jedes geschriebene Wort krank vor Selbstzweifel. Es war noch schlimmer brim zweiten. Ich begann mich erst beim vierten zu entspannen. Dann entdeckte mich das Kino, und ich wurde reich.

Die O-Töne in diesem Text stammen hauptsächlich aus Portraits und Interviews in französischen Zeitschriften.

Eine deutsche Bibliographie findet sich in der KRIMI-COUCH unter:
https://www.krimi-couch.de/krimis/jean-christophe-grange.html

Grangés Homepage: https://www.facebook.com/JeanChristopheGrange.Officiel

Filmographie: https://www.imdb.com/name/nm0335096/