Martin Compart


Klassiker Des Noir-Romans: DEATH WISH von Brian Garfield by Martin Compart

Es gibt wohl wenige literarische Werke, die unter dem überragenden Erfolg einer Verfilmung so zu leiden haben wie DEATH WISH von Brian Garfield. Der wahnwitzige Erfolg, der Charles Bronson endgültig zur Ikone machte, versaute das Image eines Meisterwerks des psychologischen Noir-Thrillers auf breiter Front. Fans der Filme enttäuscht die Lektüre der Vorlage. Verächter der Filme kommen gar nicht auf die Idee, den Roman mit spitzen Fingern in die Hand zu nehmen.

Das hat schon ein bisschen was Tragisches.

Ende der 1960er begann der Vigilantismus zu einem erfolgreichen Topos in der Pop-Kultur zu werden, der seinen Höhepunkt in den 1970er Jahren erreichte. Einer der Ersten, der das Thema kontroverser als die Standard-Rächer-Romane in den Pulps und Paperback Originals behandelte, war Joe Gores mit A TIME FOR PREDATORS, 1969, für den er zu Recht den „Edgar-Allan-Poe-Award“, der damals noch etwas bedeutete, erhielt. Den literarischen (und dann filmischen) Höhepunkt erreichte das Motiv ausgerechnet mit dem Anti-Vigilanten-Roman DEATH WISH, aus dem Hollywood den Inbegriff des Vigilanten als Superhelden machte.

Aber hier geht es nicht um das Remake von Bruce Willis, hier geht es um einen der besten Noir-und anderes-Autoren des 20. Jahrhunderts.

Garfield schrieb DEATH WISH in zwei Wochen!

Im Roman ist Paul Benjamin (für Film und deutsche Übersetzung hat man den Nachnamen in Kersey geändert) Steuerberater, und am Anfang des Romans wird man in die schmutzigen Tricks der Aktiengeschäfte eingeführt, die heute geradezu niedlich anmuten, aber die kriminelle Progression schon erahnen lassen.
Er ist der typische Liberale, der an die gesellschaftlichen Regeln glaubt, tolerant und sanftmütig.

Eines Tages erfährt er telefonisch (anders als im Film wird der Überfall im Roman nicht ausgeführt), dass seine Frau und Tochter im Krankenhaus liegen. Sie wurden Opfer eines Überfalls in ihrer Wohnung. Pauls Frau stirbt an den Folgen, seine Tochter fällt in eine anhaltende Gemütsstarre und wird zum Pflegefall.

Langsam entwickelt sich der brave Angestellte zu einem Monster. Das eigentliche Thema des Romans. Paul ist weder Held noch Anti-Held, eher ein Opfer urbaner Schizophrenie mit der typischen gehobenen Redneck-Mentalität: “Those who commit crimes should be killed. If they didn’t want to face the consequences, then they shouldn’t have broken the law.”

Die Idee zum Roman kam Garfield durch eine unangenehme Erfahrung:

„I was the victim of a minor crime of violence; it all followed from there. I’d been at my publisher’s apartment — a penthouse overlooking the Hudson River (the area where Paul stalks muggers in the film). When I came out to get my car and drive home to the Delaware River, I found the top of my 10-year-old convertible slashed to ribbons. Must’ve been some vandal having his fun with a knife. For me the „rage“ element was that it was snowing pretty hard and it was cold. I had a two or three hour drive home. It wasn’t exactly a comfortable ride. I got pretty mad, [and thought] „I’ll kill the son of a bitch. Of course by the time I got home and thawed out, I realized the vandal must have had a strong sharp knife (convertible-top canvas is a very tough fabric to cut) and in reality I didn’t want to be anywhere near him. But then came the thought: What if a person had that kind of experience and got mad and never came out of it? I thought at the time that the impetus needed to be something stronger, more personal, than the slashing of an impersonal canvas car-top, but later I’ve become aware that the very triviality of the crime would have made much clearer the point of the story. Anyhow that was its provocation. The hero, or anti-hero, set himself up to clean up the town. I felt a sort of sympathy for him, but right from the outset it seemed clear enough to me that he was a nut who kept becoming nuttier.”

Der komplexe Roman ist auch das Portrait einer Stadt im Niedergang, eines Manhattans, bevor es von Walt Disney umgebaut wurde, und die Kriminalität noch vornehmlich auf den Straßen stattfand. Es ist die Zeit kurz vor der kulturellen Erosion New Yorks.

Bereits 1972 reflektiert Garfield die zunehmende Umweltverschmutzung Manhattans. Das klingt heute fast so wie bei Diskussionen über Dieselfahrverbote: „Normalerweise konnte man nicht sehen, wie die vergiftete Luft die Lungen angriff, also achtete man nicht darauf… Es kommt noch so weit, dass man sich nichts mehr einzuatmen traut, was nicht durch eine Zigarette gefiltert ist.“

Eines der Hauptthemen, das sich durch Garfields Werk zieht, ist der plötzliche Einbruch unerwarteter Gewalt und wie sie Leben und Verhalten der betroffenen Menschen verändert.


In DEATH WISH dekliniert Garfield an dem Protagonisten, der vom Opfer zum Täter wird, psychologisch, politisch und philosophisch diese Erfahrung durch. Im Roman geht es nicht darum, einen body-count zu illustrieren, sondern um diese Transformation. Dieser Prozess ist in der Verfilmung kaum realisiert. „Wenn Bronson in einem Film auftaucht, weiß man, dass er bald ein paar Typen wegblasen wird. Ich habe das als Kritikpunkt gegenüber Michael Winner erwähnt. Er nannte mich einen Idioten.“

Im inneren Monolog werden Pauls Entwicklungen hin zur Paranoia so glaubhaft wie nachvollziehbar gezeigt. Große schriftstellerische Kunst! Garfield braucht (in diesem Roman) so gut wie keine Action. In einem anderen Kontext als dem um den Film-Hype hätte man ihn als meisterhaften Psychothriller eingeordnet, der einer Patricia Highsmith würdig gewesen wäre.

Wenn Paul gen Schluss des Buches durch die Stadt streift und Drogensüchtige als potenzielle Angreifer erhofft, wertet er ihre Harmlosigkeit als Enttäuschung. Alles andere als ein Rächer-Held, muss er seine Veränderung erkennen:
„Er hatte sein Gleichgewicht nur deshalb bewahrt, weil ihn dasselbe Leiden erfaßt hatte, das auch (seine den Überfall und die Vergewaltigung überlebende Tochter) Carol infiziert hatte – die Unfähigkeit, irgend etwas zu fühlen… als wäre sein Empfindungszentrum gelähmt worden.“


Der Leser folgt einer Entwicklung, die der eines Serienkillers nicht unähnlich ist. Bis hin zum typischen Selbstmitleid:

„Niemand hatte Zuspruch für ihn – er war elendiglich einsam; er wollte die Nacht nicht mit einer Frau verbringen – er wollte die Nacht überhaupt nicht verbringen.“

Während der Film nur mäßig spannend ist (wer fürchtet schon um Charles Bronson?), liest sich der Roman atemlos, auch noch Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung. Brian Garfield ist außerstande, einen langweiligen Satz zu schreiben. Ein weit unterschätzter Autor, vielen vom Feuilleton gepriesenen Highbrow- Schreibern überlegen, mit scharfer Beobachtungsgabe, die er literarisch umzusetzen versteht. Das Wartezimmer eines Krankenhauses: „Es war die Art von Raum, wo man die Dinge nicht ansah; man vermied es hinzusehen.“

Und das grandiose Finale hat eine intelligentere und bessere Pointe als der Film.
Existenzialistisch  veranschaulicht der Roman Penn-Warrens These: „Es gibt nur ein paar Monate, die das Leben bestimmen. Manchmal nur einen. Dann ist es vorbei.

Garfields Stil ist trotz innerer Monologe sehr visuell, was für einen Autor, der ca. zwanzig Filme geschrieben und/oder produziert hat, nicht verwunderlich ist. Er schrieb von 1960 bis 69 34 Romane (fast alles Western), danach 28 weitere, zwei Story-Collections und drei Sachbücher (darunter ein inzwischen sehr gesuchtes Buch über Western-Filme, „Western Films: A Complete Guide“, 1982 ). Sein vielseitiges Werk umfasst Western, Abenteuer, Comedy, eine Biographie, Polit-Thriller, historische Thriller, Noir- und Crime-Fiction; 17 Bücher dienten als Vorlage für Film- oder TV-Produktionen. Sein Sachbuch „The Thousand-Mile War: World War II in Alaska and the Aleutians“, war Finalist beim Pulitzer-Preis, und sein Roman „Hopscotch“ gewann 1976 den Edgar; 1980 co-produzierte er die Verfilmung mit Walter Matthau. Weltweit verkauften seine Bücher bisher 20 Millionen Exemplare.

In den 1950ern war er Musiker und hatte mit seiner Band „The Palisades“ sogar einen Top-40-Hit mit dem charmanten Doowop-Song I CAN´T QUIT.

Er begann das professionelle Schreiben 1960,zur selben Zeit wie seine Freunde Donald Westlake und Larry Block, mit denen ihn nicht nur die hohe Produktionszahl in den 1960ern verbindet. Ab 1965 lebte er in New York und gehörte zu der legendären Poker-Runde mit Westlake, Block, Justin Scott, Robert Ludlum (und wenn er in der Stadt war: Ross Thomas), Henry Morrison (Agent der meisten und Entdecker von Ludlum, dessen Bourne-Verfilmungen er produziert) u.a.

Michael Winners DEATH WISH folgten weitere Vigilanten-Filme. Der künstlerisch gelungenste war wohl TAXI DRIVER. Charles Bronson wurde durch vier Fortsetzungen und viele Variationen gejagt.

“I hated the four sequels. They were nothing more than vanity showcases for the very limited talents of Charles Bronson. The screenplay for the original Death Wish movie was quite good, I thought. It was written by Wendell Mayes — look him up; he was a great guy and a splendid screenwriter; but his Death Wish script was designed to be directed by Sidney Lumet, with Jack Lemmon to star as Paul. The last-minute changes in director and star were imposed by a new producer to whom the project was sold, rather under protest, by the original producers Hal Landers and Bobby Roberts. The point of the novel Death Wish is that vigilantism is an attractive fantasy but it only makes things worse in reality.”

Da Garfield zur Zeit der Premiere des Films in Afrika zu Recherchen weilte, bekam er den Rummel um den Film nicht mit. Nach seiner Rückkehr sah er sich ihn zusammen mit Donald Westlake an. Beide mochten den Film nicht und teilten dies auch Michael Winner mit. Das Dumme daran war, dass Garfield und Westlake ein weiteres Projekt mit Bronson und Winner entwickelten: Die Verfilmung von Westlakes Parker-Roman BUTCHER´S MOON:

“Charles Bronson had an estate across the Hudson River from Albany, and he’d agreed to do Butcher’s Moon if it could be filmed in and around Albany so he could commute to work. Michael Winner had said he’d direct Butcher’s Moon as his next project. These elements were all in place when Don recommended that Fox hire me to write the script;
I’d just written the introduction for the book of Butcher’s Moon, and my Death Wish was just then being filmed in New York with Bronson, directed by Michael Winner.
The producers had cooled, Bronson had cooled, and Winner had finished filming Death Wish—a movie that both Don and I, having seen it in screenings, disliked. It became a huge hit in the summer of ’74, at a time when I was in Africa researching something else. I sort of understand the appeal of the movie—it had an excellent screenplay by Wendell Mayes—but I thought it was a hasty and indifferent job of filmmaking. I suppose Don and I both failed to hide our disappointment with the movie, so it’s not too surprising that both Bronson and Winner walked away. Without them, I gather Fox had very little interest in pursuing the project.”

Für angehende Thriller-Autoren hat Garfield generös Tipps bereit:
http://thrillerwriters.org/library/Brian%20Garfield%20-%20Ten%20Rules%20for%20Suspense%20Fiction.pdf

Garfield schrieb mit DEATH SENTENCE (ebenfalls verfilmt) einen weiteren Roman um Paul Benjamin – aber das ist eine andere Geschichte.




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JEAN-CHRISTOPHE GRANGÉ: ARCHÄOLOGE DES BÖSEN 4/ by Martin Compart
6. August 2018, 10:44 am
Filed under: Crime Fiction, Jean-Christophe Grangé, Noir, NOIR-KLASSIKER, Porträt | Schlagwörter: , ,


Zu seinen vielen Reisereportagen entstanden Journalist Tausende von Notizen. „Mein persönliches Archiv.“ Darin befinden sich nicht nur Anmerkungen für realisierte Reportagen, auch Ideen und Materialien, die nicht verwendet wurden. „Ich habe das Glück, Ideen zu haben, die von selbst keimen, und die Hintergründe stammen aus meinem Berufsleben als Reporter. Zehn Jahre war ich das.

Die ersten großen Reportagen erscheinen 1990:

Calcutta, Capitale de l’enfer. Kalkutta, Hauptstadt der Hölle. Portrait einer Stadt und Nomades, les passagers de la terre. Nomaden: Ein Jahr mit den letzten Nomadenvölkern der Welt.
In der Mongolei, nahe der Grenze zu Sibirien, verbrachte Jean-Christophe Grangé Zeit mit einem kleinen Stamm, dem auch Schamanen angehörten. Der entscheidende Impuls für seinen Roman DER STEINERNE KREIS.

Für seine nächste Reportage Péril en la forêt, über die Abholzung des Regenwaldes, wurde er mit dem Prix Reuter 1991 ausgezeichnet.

Es folgten La migration des cigognes suivie par satellite über die Wanderung der Störche, die ihn bekanntlich zu seinem ersten Roman DER FLUG DER STÖRCHE anregte.
Und er bekam einen weiteren Preis: Für La ballade du cormoran . Die Ballade des Kormorans, erhielt er Prix World Press. Darin beschreibt er die Pai-Fischer in Yunnan, die ihre Kormorane zum Fischfang ausbilden. Es folgte eine Reportage über das Leben am Mississippi und über die Schmetterlingsjagd und ihren Handel in Thailand: Einiges aus Les ailes de la forêt . Die Flügel des Waldes, floss dann in DAS SCHWARZE BLUT ein.

1993 schrieb er über den Gebrauch von Kindern durch die Mafia. in Sizilien; Le bunker des souris über das größte Labor für Tierversuche in Deutschland; Le piège de cristal , Die Kristallfalle, über eine Grönlandexpedition, die 170 Meter unter das Eis führte (die Gletscherszenen in PURPURNE FLÜSSE verdanken dieser Erfahrung einiges); Les géants de la bravoure . Die Riesen der Tapferkeit über kleinwüchsige Toreros in Spanien und Le voyage fantastique über den menschlichen Körper als 3D-Simulation.

Mit Pierre Perrin

Angeregt durch die Reportage über die Storchenwanderung für „Paris Match“ begann er 1991 seinen ersten Roman zu schreiben.

Misslungener TV-Zweiteiler

„Wir hatten die Vögel mit Satellitensignalgebern ausgestattet, wir waren ihnen überall hin gefolgt, von Europa über Israel bis nach Afrika und ich sagte mir auf dem Rückweg, wenn ich einen Thriller mit Störchen schreiben könnte, wäre das wirklich originell. Die Reise war eine gute Struktur für einen Quest orientierten Thriller. Ich nutzte meine Reisen, um einen Roman zu füttern. “

Zwei Jahre lang schrieb Grangé frühmorgens vor der Arbeit an dem Roman. Und kurz nachdem er sein Manuskript an die Verlage schickte, schlug der renommierte Verlag Albin Michel zu.

Das war 1993 und Grangé war 32 Jahre alt.

Das Buch wurde ein Jahr später veröffentlicht und verkaufte „lediglich“ 8000 Exemplare. Grangé war noch nicht der französische Bestsellerautor, der „die Amerikaner blass machte“, hatte aber einen Achtungserfolg und das Interesse der Filmbranche geweckt.

Vorerst blieb er Reisejournalist für besondere Themen. 1994 arbeitete er über die ersten weiblichen Priesterinnen Englands (Les suffragettes de Dieu. Die Suffragetten Gottes), Michael Schumacher (Michaël Schumacher, 24 heures d’un champion. Michael Schumacher, 24 Stunden eines Champions), unveröffentlichten Bilder des japanischen Yokkhoh-Satelliten über Sonneneruptionen (Pleins feux sur le soleil. Spotlight auf die Sonne), alternative Medizin (Les médecines du mystère. Die Medizin der Geheimnisse), Milliardärs Inseln (Les seigneurs des îles. Die Herren der Inseln) und paranormale Phänomene (SOS paranormal).

1995 schrieb er über einen verborgenen Nazischatz in einem polnischen Kloster, der Originalnotenblätter von Bach und Mozart beinhaltete (Le trésor caché de Prusse . Der verborgene Schatz Preußens), zum hundertsten Jahrestag der Röntgenstrahlen (Le monde selon X), ein Porträt des Filmemachers Norodom Sihanouk (Le roi cinéaste), die Rekonstruktion Angkors am Computer (La renaissance d’Angkor), die Wildpferde auf Sable Island (Les chevaux de sable), Gehirnforschung (Voyage au centre du cerveau), die Möglichkeiten von in den menschlichen Körper integrierte elektronische Systeme (Cap sur l’Homme bionique) und Pyramiden (Pharaons noirs, retour vers le passé . Schwarze Pharaonen, zurück in die Vergangenheit).

Die Reportagen zeigen Themengebiete, die Grangé in seinen Romanen verarbeitete und bis heute faszinieren, etwa Hirnforschung, Umwelt, Spiritualität, Nazismus, Lateinamerika, isolierte Gemeinschaften, Natur und Gewalt – und Afrika. „Ich habe unglaubliche Länder kennengelernt, aber Afrika fasziniert mich immer mehr.

Einige der erfolgreichsten Autoren der letzten Jahrzehnte, wie Michael Crichton und Dan Brown, haben ihre Ware mit zusätzlichem Gebrauchswert ausgestattet. Diese besteht im komprimierten Spezialwissen zu Themen spekulativer Wissenschaftstheorien. Grangé nutzt diese Formel erfolgreich, indem häufig auf das Material zurückgreift, das er als Journalist einst recherchiert hat und dieses vertieft.

Außerdem vermitteln seine Romane den erkennbaren und unterschwelligen Wahnsinn, der unserer Epoche immer stärker prägt. Diese mehr oder weniger irrationalen Aspekte, die schon die Ränder unserer Zivilisation zerkauen, durchdringen seine Romane wie bei keinem anderen mir bekannten Autor. Damit steigert er die Atmosphäre der Angst und der Verstörtheit beim Leser. Auch nach der letzten Seite entlässt er ihn mit dem Gefühl, in einer immer unheimlicheren Welt zu leben. Das gelingt den wenigsten Weird Fiction-Autoren.

Wie schon erwähnt, ist Grangé einer der erfolgreichsten Schriftsteller der Gegenwart.
Der materielle Erfolg lässt sich schön bei Ehescheidungen festmachen. Bei der Scheidung von seiner zweiten Frau verpasste ihm ein offenbar nicht wohlgesonnener Richter ein atemberaubendes Urteil: Ein Teil des Vermögens als einmalige Zahlung ging an die Ex, so wie monatliche Unterhaltszahlungen von 10.000€. Zu diesem Zeitpunkt zahlte ihm der Verlag Albin Michel, der auch für Grangés Steuern aufkommt, 30.000 € im Monat. Diese Scheidungserfahrung inspirierte wohl seinen schlechtesten Roman, DIE WAHRHEIT DES BLUTES (der in der Mitte auseinanderfällt und nach der Serienkillerhandlung eine völlig neue Geschichte beginnt, die Grangé nur nutzte, um sich über japanischer Kultur auszulassen).

Sein Vermögen ist schwer zu schätzen. Bereits für die Filmrechte von DAS IMPERIUM DER WÖLFE bezahlte Chris Nahon eine Million Euro. Aber – wie schon erfahren – war und ist Geld nicht sein Antrieb. Das beweist sein literarischer Ausstoß, der ihn als einen besessenen Schriftsteller beweist.

Marc Thiébault, ein Freund seit der Kindheit: „Wir lebten in zwei benachbarten Städten und haben nie den Kontakt verloren. Seitdem ist der Erfolg gekommen, aber der Mann hat sich nicht viel verändert, mehr oder weniger die gleiche Kleidung, gleiches Auto, keine Prahlerei. Sein Geld nutzt er, um seine Freunde ins Restaurant oder in einen Urlaub einzuladen.“ Er ist eben ein netter Bursche!

In meinem ersten Buch machte mich jedes geschriebene Wort krank vor Selbstzweifel. Es war noch schlimmer brim zweiten. Ich begann mich erst beim vierten zu entspannen. Dann entdeckte mich das Kino, und ich wurde reich.

Die O-Töne in diesem Text stammen hauptsächlich aus Portraits und Interviews in französischen Zeitschriften.

Eine deutsche Bibliographie findet sich in der KRIMI-COUCH unter:
https://www.krimi-couch.de/krimis/jean-christophe-grange.html

Grangés Homepage: https://www.facebook.com/JeanChristopheGrange.Officiel

Filmographie: https://www.imdb.com/name/nm0335096/



KLASSIKER DES NOIR-ROMANS: DER SEEMANN, DER DIE SEE VERRIET von YUKIO MISHIMA by Martin Compart


„Zu meinen unabänderlichen Überzeugungen gehört der Glaube, daß das Alter unendlich häßlich und die Jugend unendlich schön ist. Die Weisheit der Alten ist unendlich trübe, die Taten der Jungen unendlich durchsichtig.“

Yukio Mishima im Nachwort zur Aufstand-Trilogie (Ni Ni Roku)

Diese barbarische Haltung verdeutlicht Mishima u.a. in dem höchst verstörenden Noir-Roman DER SEEMANN, DER DIE SEE VERRIET (GOGO NO EIKO, 1963).

Die schöne junge Witwe Fusako aus Yokohama verliebt sich in den Seemann Ryuyi. Ihr dreizehnjähriger Sohn Noburu, der unter dem intensiven Einfluss des Bösen-Buben-Bosses der sechsköpfigen Kinderbande und dessen pubertären Nihilismus steht, bewundert Ryuyi zunächst als Helden des Meeres. Nachdem dieser jedoch der „See abschwört“ und zum neuen Vater zu werden, droht, beschließt die Bande ihn zu töten.


https://www.amazon.de/Seemann-die-See-verriet-Roman/dp/349915823X/ref=sr_1_6?ie=UTF8&qid=1523360115&sr=8-6&keywords=yukio+mishima

Es war einer der Lieblingsromane von David Bowie und Hans Werner Henze vertonte ihn2003 zu seiner Oper DAS VERRATENE MEER. Lewis John Carlino (Autor von THE MECHANIC) verfilmte ihn 1976 mit Sarah Miles und Kris Kristofferson.

In den USA würde man den Roman vielleicht sogar dem Genre der juvenile deliquents- novel zuordnen (das sich in den 1950er Jahren entwickelte und auch noch 1963, als Mishimas Roman erschien, einer gewissen Beliebtheit erfreute.

Andererseits wurde dem Buch unterstellt, es erzähle eine Geschichte, die sich aus kulturellen Traditionen speise, die dem westlichen Leser unzugänglich seien:

„Diese ‚Fallgeschichte‘ Aus Japan thematisiert die Mechanismen der Anpassung, die Triebregungen und Wünsche, das Realitätsprinzip einer mittelständischen Kleinfamilie. Ich begann darüber nachzudenken, ob ihr Drama, die Tat des kleinen Jungen, der seinem Vater den Verrat an den traditionellen, männlich-heroischen Idealen nicht verzeihen kann, auch in unserer Gesellschaft vor stellbar wäre. Ich bin der Überzeugung, daß Mishimas Geschichte sich nach eigenen Gesetzen vollzieht, die außerhalb der für uns geltenden Normen liegen. Sie wurzeln in einer rauschhaften Heldenkultur, wie wir sie so in Europa nicht kennen. Die Geschichte vom ‚Seemann, der die See verriet‘ bleibt gebunden an eine Dimension des Unfaßbaren und bereit eine Skala uns unbekannter, von uns nicht gelebter Gefühlsmuster aus“ (Gisela von Wysocki).

Demgegenüber lässt sich einwenden, dass die widerwärtigen Kinder (die in der furchtbarsten Szene des Buches eine kleine Katze töten und sezieren um ihr eigenes Mitleid auszurotten) generell (und nicht nur in japanischer Tradition) kulturelle Entwicklungen symbolisieren, die Empathie und Solidarität bewusst auslöschen (auch darin ist dieser Roman wieder hochaktuell).

Oder wie es DER SPIEGEL bei dem Erscheinen der deutschen Erstausgabe formulierte: „Der Japaner Mishima, 44, wiederholt als ein Anwärter auf den Nobelpreis genannt, hat schon manches Sujet der europäischen Literatur in japanische Hintergründe verarbeitet. In seinem für Deutschland neuen Roman, einem ästhetizistisch arrangierten Thriller von Liebe und Tod, behandelt er ein Thema, von dem traditionsbewußte Japaner sagen, es sei ebenfalls aus dem Westen importiert: den Generationskonflikt.“

Ein Thema ist auch die Aufgabe pubertärer Allmachtphantasien in Form von Heldenträumen um ein kleinbürgerliches Leben zu führen. Dies ist die See, die der Seemann verrät. Deshalb verurteilen die Kinder ihn zum Tode, denn er hat die Ideale der Kindheit verraten, deren Nihilismus erschreckende Ähnlichkeiten mit der Ideologie des fanatisierten Jungvolks im 3.Reich aufweist.

Durch den Text schwingt auch Mishimas Zorn auf die Väter-Generation, die den Krieg verloren hatte und sich statt „ehrenvoll“ zu opfern, sich einer ehrlosen Kapitulation hingab, die das japanische Reich für den barbarischen Coca Cola-Kapitalismus unterwarf.

„…Einen gerechten Vater kann es gar nicht geben, weil schon die Rolle des Vaters eine Form des Bösen ist. Strenge Väter, nachsichtige Väter, nette, gemäßigte Väter – einer ist so schlecht wie der andere. Sie stehen uns im Weg und versuchen, uns mit ihren Komplexen zu belasten, mit ihren unerfüllten Wünschen, ihrem Groll, ihren Idealen, ihren Minderwertigkeitskomplexen, die sie nie jemanden anvertrauen konnten, mit ihren Sünden, ihren kitschigen Träumen, ihren Geboten, an die sie sich niemals gehalten haben, weil ihnen der Mut dazu fehlte…. Die Väter sind die Schmeißfliegen dieser Welt. Sie liegen auf der Lauer, bis sie an uns etwas Faules entdecken, auf das sie sich stürzen können. Dreckige Fliegen sind sie, die überall ausposaunen, dass sie mit unseren Müttern geschlafen haben. Wenn es darum geht, unsere absolute Freiheit und unser Können zunichte zu machen, schrecken die Kerle vor nichts zurück. Sie denken nur daran, die schmutzige Stadt zu beschützen, die sie sich erbaut haben.“

Mishima veröffentlichte den Roman zu einer Zeit, als er von westlichen Lesern zögernd entdeckt wurde (die ihn aber schnell zum Kandidaten für den Literaturnobelpreis erkoren), in Japan aber sehr viele Leser verlor. Damals wurde er nicht als das atemberaubende Meisterwerk bewertet, als das es heute gilt:

„Mishima’s greatest novel, and one of the greatest of the past century“ (The Times)

„Explores the viciousness that lies beneath what we imagine to be innocence“ (Independent)

„Told with Mishima’s fierce attention to naturalistic detail, the grisly tale becomes painfully convincing and yields a richness of psychological and mythic truth“ (Sunday Times)

„Coolly exact with his characters and their honourable motives. His aim is to make the destruction of the sailor by his love seem as inevitable as the ocean“ (Guardian)

„Mishima’s imagery is as artful as a Japanese flower arrangement“ (New York Times)

Erstaunlich und verblüffend, dass weder Marguerite Yourcenar noch Hans Eppendorfer oder Henry Scott Stokes in ihren Büchern über Mishima auf diesen Roman eingehen, der in seinem komplexen Gesamtwerk eine besondere Stelle einnimmt. In seiner dystopischen Seelenbeschreibung geht er weit über Noir-Autoren wie Jim Thompson oder Tim Willocks hinaus. Gesehen als Noir-Roman, ist er verstörender und erschreckender als jeder andere Noir-Roman, den ich kenne. Literarisch kann ihm sowieso kaum einer das Wasser reichen.

Es gibt Passagen und Momente, da könnte man glauben, sie seien von Patricia Highsmith im Sake-Rausch geschrieben sein.

Yukio Mishima (1925-70), der wie kein anderer für die Traditionen des Kaiserreichs und der Samurai-Kultur steht, galt auch als der westlichste unter den japanischen Schriftstellern. Sicherlich, weil er durch die leicht wahnsinnige Großmutter isoliert von Gleichaltrigen aufwuchs und seine Zeit vor allem mit der Lektüre westlicher Autoren verbrachte (Rilke. D´Annunzio, Radiguet, Gide, Oscar Wilde und Thomas Mann). Aus dem weichlichen Knaben formte Mishima bewusst einen homosexuellen Samurai mit dem Körper und den Fähigkeiten eines Kriegers. 1970 beging er öffentlich Seppuku, nachdem er mit Getreuen seiner Schildgemeinschaft vor Soldaten eine Rede zur Rettung der japanischen Seele gehalten und zum Putsch gegen die Verfassung, die eine offizielle Armee verbot, aufgerufen hatte.

Nach Arnold Toynbee hatte Asien im 19. Jahrhundert nur zwei Möglichkeiten: durch Verwestlichung zu überleben oder im Widerstand dagegen unterzugehen. In der Meiji-Ära (1868 bis 1912) wählte Japan den ersten Weg, industrialisierte das Land, wechselte vom Feudalsystem zu einer zentralistisch organisierten Regierung und schuf eine nationale Armee. Leidtragende dieser Entwicklung waren die Samurai. Etwa 40 000 von ihnen rebellierten 1877 gegen die Regierung. Erst nach achtmonatigem Kampf wurden sie von der Armee besiegt.

Eine Hundertschaft nationalistischer Samurai griff während dieser Rebellion eine Militärkaserne nur mit Schwertern und Speeren bewaffnet an. Die Soldaten schossen sie mit vom Westen importierten Gewehren nieder, die Überlebenden begingen Harakiri. Diese Tragödie spielte in Mishimas geschichtspolitischem Verständnis eine zentrale Rolle. Der rasend schnelle Umbruch vom Mittelalter ins Industriealter war wohl auch mitverantwortlich für die hohe Selbstmordquote unter japanischen Schriftstellern des 20.Jahrhunderts.

P.S.: Mishima war ein großer Katzen-Fan, der seinen Katzen auf Reisen Postkarten schickte und im Postskriptum seinen Vater eindringlich ermahnte, freundlich zu ihnen zu sein. Der Vater berichtete später: „Manchmal arbeitete er stundenlang mit einer Katze auf den Knien. Mich hätte das verrückt gemacht.“ Mishima: „Du musst einen Hundeverstand haben, Vater. Du hast eben keine Ahnung von der zarten Psyche einer Katze.“





NOIR-ABENTEURER: PIERRE MAC ORLAN by Martin Compart

Das Lied ist fast so alt wie die Filmkunst selbst: seitdem Regisseure literarische Vorlagen verfilmen, klagen Autoren über die cineastischen Umsetzungen ihrer Bücher. Inzwischen ist es in Hollywood üblich Autoren den Zutritt zum Set während der Dreharbeiten vertraglich zu verbieten.
Als James Malahan Cain („The Postman Always Rings Twice“, „Double Indemnity“ usw.) einmal von einem ehrgeizigen jungen Reporter gefragt wurde, ob er nicht darunter leide, was Hollywood seinen Büchern angetan hat, deutete Cain mit dem Daumen auf das Buchregal hinter sich und knurrte: „Niemand hat meinen Büchern etwas angetan. Dort stehen sie genau so, wie ich sie geschrieben habe.“

Wie reagiert ein Autor, der bei einer Adaption seines Romans feststellen muss, dass der Regisseur weder Personen, Zeit noch Handlungsort beibehalten hat? Pierre Mac Orlan, bei der Premiere zu QUAI DES BRUMES, nach dem von ihm 1927 veröffentlichten Roman, zu Regisseur Marcel Carné und Drehbuchautor Jacques Prévert: „Großartig! Sie haben nichts beibehalten. Doch seltsamerweise findet sich der Geist meines Buches vollkommen in ihrem Film.“ Prévert revanchierte sich für die freundlichen Worte: „ Mac Orlan ist mehr als ein Meister des Abenteuers. Andere haben auch Geschichten von Korsaren und fahrendem Volk, von leichten Mädchen und schweren Jungen geschrieben… Er tut mehr, er umgibt seine Figuren mit einem Hauch von Tragik, Träumerei und Poesie. Er schildert Gefahr und Gewalt nicht um ihrer selbst willen, sondern um dem Schicksal auf die Spur zu kommen… Ein komischer Kauz, dieser Mac Orlan. Mir gefällt er.“

Der Film, der wohl einen Höhepunkt der französischen Filmkunst darstellt und neben Disneys SCHNEEWITTCHEN der erfolgreichste Film des Jahres 1938 in Frankreich war, tat Mac Orlan noch mehr gutes: er weckte neues Interesse an dem Autor, der zum ersten Mal in Vergessenheit zu versinken drohte.

Im deutschen Sprachraum sind bis in die 50er Jahre immer mal wieder einige Bücher von Mac Orlan erschienen, ohne das man ihn zur Kenntnis nahm.
Zu „französisch“ waren wohl seine poetischen Abenteuerromane, in denen melancholisch Geschichten von desertierten Fremdenlegionären, Versagern, den düsteren Bars von Montmartre und den Schänken mythischer Hafenstädte erzählt wurden. Der Klett-Cotta Verlag legte Ender der 1980er in der gewohnt sorgfältigen Aufmachung zwei Romane neu auf: den Klassiker HAFEN IM NEBEL, der ganz anders als der Film auch ein Sittenbild Montmartres in den 2oer Jahren ist, und den romantischen Spionageroman MADEMOISELLE BAMBù, der anders ist als alle Spionageromane.

Was Mac Orlan in Carnés Verfilmung wieder gefunden hat, ist der gleiche mitleidlose Umgang mit den Hauptpersonen in ihren schicksalhaften Verstrickungen und dieselbe unwirklich und doch realistisch anmutende, mythische Atmosphäre.

Diese Synthese aus realistischen Figuren aus einem wirklichen Milieu und die poetisch verklärende Betrachtung kennzeichnen eine der fruchtbarsten Epochen des französischen Kinos, die als „poetischer Realismus“ ruhmvoll in die Filmgeschichte eingegangen ist. Und die Tradition – in den 5oer Jahren als „Tradition der Qualität“ bezeichnet – wirkt bis heute im französischen Kino fort. Die Gangsterepen von Jean-Pierre Melville haben mehr mit dieser Tradition gemeinsam, als etwa mit den Gangsterfilmen Hollywoods.

Pierre Mac Orlan wurde am 26.2.1883 als Pierre Demarchais in Peronne an der Somme geboren. Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen und musste sie Schule vor einem höheren Abschluss abbrechen, da die Familie ihn nicht länger durchfüttern konnte. Ruhelose Wanderjahre und bizarre Jobs kennzeichneten seine Jugend. Schließlich landete er im Mekka der Rumtreiber: in Paris. Damals das kulturelle Zentrum der Welt. Picasso, Apollinaire, Max Jacob, Utrillo, Matisse, Picabia, Modigliani, Andre Salmon, Gris, Derain, Cendrars, Van Dongen, Braque, Reverdy, Dorgeles, Carco trieben sich in den billigen Bars und Unterkünften herum. Später auf diese „große Zeit in Paris“ angesprochen: „An Hunger ist nichts romantisch.“

Er schloss sich diesen Künstlerkreisen an und fröhnte auf Montmartre einem fröhlichen Bohémienleben. Er war mit Apollinaire gut befreundet, arbeitete als Sänger, Chansonschreiber (später auch für Yves Montand) und Radrennfahrer, bevor er durch die Vermittlung seiner Freunde eine Chance als Journalist erhielt. Regionaler Ruhm kam bald durch seine humoristischen und satirischen Reportagen und Cartoons. Schließlich versuchte er sich auch als Romancier mit phantastischen und abenteuerlichen Sujets.

1913 heiratete er Marguerite Luc, mit der er bis zu ihrem Tod eine glückliche Ehe führte.

In seinem HANDBUCH FÜR ABENTEURER, 1920, führte er noch unter dem Eindruck des Weltkriegs aus, dass es zwei Arten von Abenteurern gibt: Die aktiven (Soldaten, Matrosen, Kriminelle etc.) und passive wie die Schriftsteller, die sich irgendwann entscheiden müssen zwischen leben und schreiben. Mit knapp über 60 Seiten gehört es zu den kürzesten Büchern von Mac Orlan, dessen Romane auch kurz gehalten waren (nie über 250 Seiten). Von seiner Einkehr in den Inner Space (um diese Kategorie aus der Science Fiction zu strapazieren) zeugt auch sein berühmtes Zitat: „Auf einem Schachbrett erlebt man mehr Abenteuer als auf allen Weltmeeren.“

Besonders Piratenromane hatten es ihm angetan und beeinflusst von Stevenson und Conrad schrieb er mehrere, in die er auch übernatürliche Elemente einbrachte und mit seinem Sinn fürs absurde die Genrekonventionen unterlief. http://weirdfictionreview.com/2012/02/story-to-comic-pierre-mac-orlans-roi-rose/

Nach dem 1.Weltkrieg, an dem er aktiv teilnahm, verwundet und ausgezeichnet wurde, konzentrierte er sich auf Malerei. 1918 reiste er als Korrespondent durch Deutschland, das er bereits in seiner Jugend besucht hatte. Als Romancier war er zu Beginn der 20er Jahre recht erfolgreich und verdiente genug, um seine Reiselust zu finanzieren. Er durchquerte England, Deutschland und Nordafrika, bevor er sich 1924 in Saint-Cyr-sur Morin niederließ. Dort lebte er bis zu seinem Tod 1970.

Er arbeitete gelegentlich als Journalist, interviewte Mussolini und war 1933 in Berlin während der Machtübernahme.

1950 schrieb er den letzten seiner 22 Romane (ohne seine sado-masochistische Erotika mitzuzählen). Er starb 1970.

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Neben seinen poetisch realistischen Abenteuer- und Kriminalromanen hinterließ Mac Orlan auch bleibende Spuren in der französischen Phantastik. So etwa mit dem 1926 erschienen Roman MARGUERITE DE LA NUIT, der das Liebesthema des „Faust“ aufgreift und deprimierend pessimistisch behandelt. Der Roman wurde 1955 von Claude Autant-Lara mit Yves Montand in der Mephisto-Rolle, Michele Morgan als Gretchen und Terrence Hill, der damals noch Mario Girotti hieß, verfilmt. „Es gelang dem Autor eine realistische Geschichte mit Hilfe eines poetischen, fast übernatürlichen Stils umzusetzen“, sagte der Regisseur über die literarische Vorlage.

Auf eine ganz eigenartige Weise wirken Mac Orlans Geschichten um nächtliche Begegnungen gescheiterter Existenzen sehr zeitnah. Der zu früh verstorbene Schriftsteller Jörg Fauser, der mit ALLES WIRD GUT ein atmosphärisch ähnliches Buch geschrieben hat, hätte in Mac Orlan einen verwandten Geist gefunden. Vielleicht ist es das lähmende Gefühl in einer Sackgasse zu leben, was Mac Orlan so aktuell erscheinen lässt. Angesichts der ökologischen, ökonomischen und politischen zeitgleichen Katastrophen treffen Balladen von der „Unausweichbarkeit des Schicksals“ wieder einen Nerv. Seine Charaktere stehen in existentialistischer Tradition, in dem sie sich erfolglos aus der Vergangenheit lösen wollen um ein besseres Leben in der Gegenwart führen zu können.

Für den französischen Noir-Roman war er eine ganz zentrale Figur (bis hin zu Großmeister Francis Ryck) – aber das ist eine andere Geschichte. Zu seinen größten Fans gehörten der Begründer der situationistischen Internationale, Guy Debord, und Boris Vian.

HAFEN IM NEBEL. 111 Seiten. 1988.
MADEMOISELLE BAMBù., 200 Seiten, 1990.
Beide im Verlag Klett-Cotta, Stuttgart.
Beide übersetzt von Jü<rgen Ritte.
Die Bücher haben sich sogar damals so peinlich schlecht verkauft, das der Verlag weitere Werke Mac Orlans nicht mehr kalkulieren wollte oder konnte.



DIE DUNKLE WELT DES BOSTON TERAN by Martin Compart

God Is A Bullet, holy shit that book is like a brick through the window„,
schrieb chowyunfacts bei reddit.com über „the most disturbing books“.

1999 erschien bei Knopf (der Verlag von Hammett und Chandler u.a.) der erste Roman von Boston Teran: GOD IS A BULLET. Beim Noir-Publikum schlug er ein wie eine Bombe (und selbst die Mystery Writers of America kamen nicht um eine Edgar-Nominierung herum). Wie ein Charon nimmt er den Leser mit auf eine Reise über den Styx. Der Verlag war von dem Manuskript so beeindruckt, dass er eine halbe Million Dollar als Vorschuss hinlegte.

Sprachgewaltig und düster erzählt er die Quest eines Deputy Sheriffs und einer Ex-Junkie durch die Wüsten Südkaliforniens auf der Suche nach einem Satans-Kult, der die Tochter des Deputys entführt hatte. Als ob Hunter S.- und Jim Thompson ein Update von John Fords SEARCHERS gemacht hätten.

Case Hardin, die ehemalige Junkie, war einst Mitglied des Kultes und weiß besser um die Gefahren, die sie erwarten, als Bob, der Cop. Schmerzhafte Erfahrungen und Entwicklungen machen sie zu einer Kriegerin, die es so in der Literatur noch nicht gegeben hat.

Auch der eingerostete Bulle muss sich ändern, wenn sie ihr Ziel erreichen wollen. Er muss zur Bestie werden, wenn sie überleben wollen. Mit ihrer Hilfe geht Bob undercover, um den Kult und den von ihnen kontrollierten Drogenhandel auszuräuchern. Eine Reise durch die Hölle und zurück. Bob und Case werden dazu gezwungen, für Cyrus, dem Manson des Kultes, jemanden umzubringen, bevor es zu einem nie zuvor gelesenen Showdown in der Wüste kommt. Selten wurde im Präsenz so überzeugend und kraftvoll erzählt.

Teran teilt das Buch in drei Phasen, die er anscheinend von Arnold VanGenneps 1909 veröffentlichter anthropologischer Studie RITES OF PASSAGES übernommen hat:
The rite of seperation, the rite of transition und the rite of incorporation.
Van Gennep problematisierte rituelle Entwicklungen, die einen Menschen sein altes Ich überwinden lassen, um eine neue Persönlichkeit zu erreichen mit einer neuen gesellschaftlichen Position.

Bobs und Cases Quest beinhaltet auch diesen psychischen Prozess. Durch Case und die gewählte Aufgabe wandelt sich Bob in schmerzhaften ritualisierten Prozessen von einem passiven, nur den Regeln verpflichteten Menschen zu einem aktiven Mann mit Einblick in die Natur des Bösen.

Wie Sartre scheint Teran der Meinung anzuhängen, dass nur in der reinen Aktion Hoffnung liegt. Teran bietet auch keine der üblichen psychologischen Erklärungsmodelle als Verallgemeinerung. Er differenziert: Cases Hingabe ins Böse (als früheres Mitglied des Kultes) und Drogensucht wird erklärt durch Misshandlungen und Missbrauch in ihrer Kindheit. Sie gab die Drogen auf, damit sie Cyrus aufgeben konnte. Dagegen sagt die Ziehmutter über Cyrus, er habe nichts erlebt, was seine abgrundtiefe Schlechtigkeit erklären könne.

Sprachlich und thematisch hat Terans Roman mehr gemein mit Cormac McCarthys BLOOD MERIDIAN als mit den zeitgenössischen Genrekollegen. Teran erspart einem nichts. Seine Noir-Welt ist brutal und erbarmungslos. Dagegen ist Ellroy nur ein verängstigt kläffender Köter. Publishers Weekly befand den Roman „Cynical and DeLillo-like in its observations“. Allison Chopin bestätigte Boston Teran nach weiteren Romanen in der New York Daily News als  „a cult sensation“.

Teran brennt Sätze ab wie:

„At least all things must be equal in their nothingness.“

„The first time she´s been part of a sentence that is not fundamentally a condemnation.“

„Case notices that she has the crinkled look of a decade more of laydowns and she listens to her friends high-pitched clutter as if she knows that plans are just a disappointment in the making.“

„…the redneck border country where grease and beer and Jesus were specialities of the house.“

„They pass silently, but they eye Case through their own brand of family values.“

“Even with their teased hair and faces powdered they look to be all of seventeen, full of long hopes and short budgets.“

“They all laugh and huddle up close, clucking away till there´s barely enough room for sunlight between them.“

“You´re a desk boy at the door of the real world.”

 

Es ist ein Trip des Grauens, John Steinbecks Version von HEART OF DARKNESS. Der Leser begegnet Charakteren (jede Nebenfigur ist voller Leben), denen er außerhalb des Buches nicht begegnen möchte.

Cyrus, der Kult-Führer, ist beängstigender als Dr.Lecter und Charles Manson zusammen. „He is the scream from a silent razor across your throat.” Der Leser hält eine gezündete Granate in den Händen, die ihm jederzeit um die Ohren zu fliegen droht.

In einem seiner seltenen Interviews antwortete Teran auf den Gewaltvorwurf zu GOD IS A BULLET: „Das Buch ist so brutal wie die Welt, in der die Charaktere leben. Ich arbeite an einem neuen Roman. Vielleicht was für eine freundlichere und sanftere Gesellschaft, falls es so was gibt.“
Fiona Walker schrieb über den Roman: „The writing style is addictive, and shoots into the veins like a drug you cannot get enough of. Boston Teran has a beautifully dark way with words and his use of metaphor raises the device to an art form.“

Unter den zahlreichen Preisen und Nominierungen (siehe unten), die der Roman erhielt, war auch der „John-Cresey-Award“ der britischen CWA für den besten Erstling.

Das Buch war anfangs kein großer Erfolg, aber Hollywood sicherte sich umgehend die Rechte. Zuerst verkündete Nick Cassavetes, er würde das Buch verfilmen. “Boston Teran’s writing is incredible…Sometimes we can forget how powerful good writing can be… Boston may be the best writer working today…” – Nick Cassavetes.

Seitdem geistert es herum, wird herum gereicht und Adaptionen erstellt. Zuletzt war Ehren Kruger (Scream 3 u.a.) damit betraut. 2011 verkündete Todd Field die Vorbereitung der Verfilmung von Terans Roman, THE CREED OF VIOLENCE.

Die Filmrechte waren für 2,5 Millionen Dollar noch vor den Buchrechten verkauft. Ein Thriller, der während der Mexikanischen Revolution spielt, und der erste Roman um John Lourdes, den Teran in seinem Thriller, GARDENS OF GRIEF (der den Völkermord an den Armeniern behandelt), wieder aufgriff („He had agreed to become part of the larger enterprise known as war.“). Auch die Filmrechte an GARDENS wurden umgehend von Hollywood erworben.

Boston Teran über die Arbeit mit Hollywood: „It’s like getting drunk and trying to climb Mount Everest wearing swimming trunks and snowshoes while you carry a three-hundred-pound schizophrenic on your back who means to do you harm… other than that, the process is a cinch.“

Nach fast 10 Jahren in der Entwicklung, scheint die Verfilmung von CREED nun tatsächlich bevor zu stehen: Im Februar 2019 verkündete man den Beginn der Dreharbeiten für das Frühjahr 2020 an. Denn dann habe Daniel Craig alle nötigen Bond-Aktivitäten hinter sich. Und Craig spiele die Rolle von Rawbone. Produziert werden soll der Film von Brian Oliver (New Republic Pictures) und Johnny Lin (Filmula Productions).

„Boston Teran has no profile. And that doesn’t just happen. We had to work damn hard to achieve it. And it’s meant facing a lot of negativity along the way and promises of failure.“

Bis auf seinen Freund, den Piloten und Vietnamveteran Donald Allen, scheint niemand zu wissen, wer Boston Teran ist. Allan managte für die Demokraten zwei Wahlkämpfe mit und arbeitet mit Al Gore in dessen „Jefferson Trust“ (bei dem man für 100 000 Dollar Mitglied werden kann). Allen stellt sich vor auf der Boston Teran-Homepage:
„My name is Donald Allen. I have been a close friend and business advisor to the author. I was a pilot in Vietnam, a member of law enforcement and successful entrepreneur. I have worked with members of the Intelligence community, for the DNC, and two presidential candidates. I am also the gentleman who introduced the author to an ex-pat known as “the Ferryman,” and in part was responsible for a journey the author took into Mexico to find a girl who had escaped a violent cult. That journey, which put the author’s life at risk, became the background for his award-winning novel GOD IS A BULLET.”

Es gab bereits Vermutungen, es sei mehr als nur ein Autor (Bücher wie TROIS FEMMES, 2006) – nur im Noir-Country Frankreich veröffentlicht – und GIV – THE STORY OF A DOG AND AMERICA (2009) unterscheiden sich sehr von seinen drei ersten Noir-Thrillern.

Aber das gilt auch für seine weiteren Romane, die so etwas wie historische Noir-Thriller sind. Allen gemein ist Terans Erkunden der dunklen Seiten. Inzwischen machen historische Stoffe in seinen Romanen den Großteil seines Oeuvre aus. Im neuesten, HOW BEAUTIFUL THEY WERE, nimmt er das New Yorker Theater der 1850er unter sein Brennglas – mit schaurigen Erkenntnissen.

Mit seiner wahrscheinlich fünfbändigen „Defiant Americans“-Serie (der letzte Band ist soeben erschienen) wurde er zum wahren literarischen Chronisten Amerikas, der aber mehr gemein hat mit Cormac McCarthy als mit Gore Vidal.

Sein Credo:

„The real America will ultimately be built by those who confront an America mired in hatred and human corruption, who face injustice and ingratitude, racism and inequality, exploitation by the mighty, even the government itself. This new America will be built on the backs of the outcast and the outlaw, the robbed and the wounded and the rousing outsider forgotten in the pages of our history books. These are the people of insurrection, who live on the dark frontiers of their era… For every life is a parable. Some for the better, many for the worse, but all are truth.“

Als einigermaßen sicher gilt, dass Boston Teran in der Süd-Bronx aufgewachsen ist und seine ersten Romane auf authentischen Stoffen beruhen. Bevor er Schriftsteller wurde, habe er viele verschiedene Leben geführt, sagt er. Tatsächlich finden sich in allen Romanen Metamorphosen der Personen in eine andere Existenz, die es unmöglich macht, in das vorangegangene Leben wieder zurück zu kehren.

Weiterhin sagt er, dass er aus einer Familie mit italienischen Wurzeln stamme und zu seinen Vorfahren gehörten Spieler, Betrüger, Ganoven und Diebe. Seine Reisen um die Welt zu den übelsten Orten seien ein wichtiger Teil seiner Inspiration.

Die kompromisslose Anonymität des Autors führte auch zu der Spekulation, hinter dem geschlechtslosen Pseudonym verberge sich eine Frau. Diese Vermutung fußt wohl auf den vielen starken weiblichen Charakteren (häufig in Hauptrollen) in seinen Büchern. Teran zeigt immer wieder eindringlich, welchen Qualen und Ungerechtigkeiten Frauen in unterschiedlichen Epochen und Kulturen ausgesetzt waren und sind.

In seinen historischen Thrillern beschäftigt er sich mit wenig bekannten Fakten: In THE CLOUD AND THE FIRE etwa mit dem Vorläufer des Ku-Klux-Klans, den „Knights of the Golden Circle“, einer Vereinigung reicher weißer Männer, die am Ende des Goldfiebers und mitten im Bürgerkrieg aus Kalifornien einen Apartheidstaat machen wollten. Oder eine kaum bekannte Verschwörung von 1955 der US-Regierung in THE COUNTRY I LIVED IN, die üblen Machenschaften der Ölindustrie in Mexiko in THE CREED OF VIOLENCE. Öl, das heilige Wasser des Kommenden!

Der Soundtrack zu seinen Romanen können nur die Doors sein. Oder von Scott Walker zusammen mit Stan Ridgeway…

Seine Kombination – oder Mix – unterschiedlicher Genres oder deren Elemente verwirrt und irritiert einige Kritiker. In einem seiner seltenen Interviews erklärt sich Teran und zeigt auch als Theoretiker seine Brillanz:

Your work blends historical fiction, mystery, crime and more. What draws you to write in these genres, and what advice would you offer to other writers looking to blend genres in their work?

I think we might approach this question from a different perspective.
Let me use Huckleberry Finn, as an example. It’s historical fiction in that it looked back upon slavery, that had been outlawed for over twenty years. It was in that respect a reflection upon a time. It certainly had elements of a mystery. After all Huck does fake his own death, he overhears two thieves talking about the murder of third, and he discovers an unrecognizable corpse in a floating house. All plot points that were resolved in the course of the novel.

It certainly has elements of a crime novel. He is kidnapped by his own father. It also has aspects of a thriller or action/adventure. He helps his friend, a runaway slave, escape on a dangerous river journey to freedom.
Huckleberry Finn is one example of a book that encompasses and embraces a number of what people define as ‘genres’ to become what we now regard simply as—fiction.

In den USA mehren sich die Stimmen, die Boston Teran für einen der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftsteller halten.

Welcher Autor beschreibt das Gemälde einer geschändeten Kirche poerischer: „Time had phantomed the paints, leeching their shine, condemning their glory to everyday dust. yet never stealing the artist´s soul… And as in the west of John Loundres, the poorer the town, the richer the church.“ (aus GARDENS OF GRIEF)

Wie jeder wirklich große Schriftsteller schreibt Boston Teran Szenen, die man zuvor nie gelesen hat.

Dumme Wertigkeitsvergleiche mit Don DeLilo, Cormac McCarthy oder gar Pynchon sind seit Jahren im kulturellen Kreislauf.

Aber in einer Americana mit Donald Dumb wird ein Autor wie Boston Teran um so wichtiger, um nicht völlig den Glauben zu verlieren.

Um so erschreckender, dass dieser Autor bisher nicht ins Deutsche übersetzt wurde.

Aber vielleicht ändert sich auch das, falls CREED OF VIOLENCE in die Kinos kommt. Dann hätte man vielleicht Aussicht auf „das Buch zum Film“.

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BIBLIOGRAPHIE:

God Is A Bullet (1999)[1]

Never Count Out The Dead (2001)

The Prince of Deadly Weapons (2002)

Trois Femmes (2006)

Giv – The Story of a Dog and America (2009)

The Creed of Violence (2010)

Gardens of Grief (2011)

The World Eve Left Us (2012)

The Cloud and the Fire (2013)

The Country I Lived In (2013)

By Your Deeds (2016)

A Child Went Forth (2018)

How Beautiful They Were (2019)
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LITERARISCHE AUSZEICHNUNGEN:

Winner of the 1999 Stephen Crane Literary First Fiction Award
Winner of the 2000 CWA John Creasey Award for best first novel: God is a Bullet
Finalist for the 2000 Mystery Writers of America Edgar Award for Best First Novel: God is a Bullet
Finalist for the 2001 International IMPAC Dublin Literary Award: God is a Bullet
Winner of the 2001 Japan Adventure Fiction Association Prize: God is a Bullet
Winner of the 2002 Best Translated Crime Fiction of the Year in Japan, Kono Mystery ga Sugoi! 2002: God is a Bullet
Winner of the 2004 GRAND PRIX CALIBRE 38: God is a Bullet

Finalist for the 2009 International IMPAC Dublin Literary Award: Giv – The Story of a Dog and America

Winner of the 2011 Eric Hoffer Award – da Vinci Eye: The World Eve Left Us
Winner of the 2012 ForeWord Review’s Book of the Year (Silver) for Adult Fiction: The World Eve Left Us

Finalist for the 2012 ForeWord Review’s Book of the Year for Historical Fiction: Gardens of Grief

Finalist for the 2018 Foreword Review’s Book of the Year for Historical Fiction: A Child Went Forth
Winner of the Silver 2019 Independent Publisher Book Awards for Historical Fiction: A Child Went Forth
Silver Medal Winner – Historical Fiction for the 2019 Independent Publisher Book Awards: A Child Went Forth

„When I write a book I approach it as if it were the last. So I’m working with finality on my shoulder.“

P.S.:

Nach der weiblichen Heldin in GOD IS A BULLET benannte sich die Londoner Country-Rock-Band „CASE HARDIN“:

Case Hardin took their name from Boston Teran’s noir thriller ‚God Is A Bullet‘ (Pan 2000). In the finest tradition of naming groups, it came about by virtue of being little more than a character name in the book songwriter Pete Gow was reading when the call came through that they had secured their first gig; necessity was, as is so often the way, the mother of invention on that day.

Und dann gibt es noch einen Case Hardin aus San Antonio: