Martin Compart


KLASSIKER DES NOIR-ROMANS: DER SEEMANN, DER DIE SEE VERRIET von YUKIO MISHIMA by Martin Compart


„Zu meinen unabänderlichen Überzeugungen gehört der Glaube, daß das Alter unendlich häßlich und die Jugend unendlich schön ist. Die Weisheit der Alten ist unendlich trübe, die Taten der Jungen unendlich durchsichtig.“

Yukio Mishima im Nachwort zur Aufstand-Trilogie (Ni Ni Roku)

Diese barbarische Haltung verdeutlicht Mishima u.a. in dem höchst verstörenden Noir-Roman DER SEEMANN, DER DIE SEE VERRIET (GOGO NO EIKO, 1963).

Die schöne junge Witwe Fusako aus Yokohama verliebt sich in den Seemann Ryuyi. Ihr dreizehnjähriger Sohn Noburu, der unter dem intensiven Einfluss des Bösen-Buben-Bosses der sechsköpfigen Kinderbande und dessen pubertären Nihilismus steht, bewundert Ryuyi zunächst als Helden des Meeres. Nachdem dieser jedoch der „See abschwört“ und zum neuen Vater zu werden, droht, beschließt die Bande ihn zu töten.


https://www.amazon.de/Seemann-die-See-verriet-Roman/dp/349915823X/ref=sr_1_6?ie=UTF8&qid=1523360115&sr=8-6&keywords=yukio+mishima

Es war einer der Lieblingsromane von David Bowie und Hans Werner Henze vertonte ihn2003 zu seiner Oper DAS VERRATENE MEER. Lewis John Carlino (Autor von THE MECHANIC) verfilmte ihn 1976 mit Sarah Miles und Kris Kristofferson.

In den USA würde man den Roman vielleicht sogar dem Genre der juvenile deliquents- novel zuordnen (das sich in den 1950er Jahren entwickelte und auch noch 1963, als Mishimas Roman erschien, einer gewissen Beliebtheit erfreute.

Andererseits wurde dem Buch unterstellt, es erzähle eine Geschichte, die sich aus kulturellen Traditionen speise, die dem westlichen Leser unzugänglich seien:

„Diese ‚Fallgeschichte‘ Aus Japan thematisiert die Mechanismen der Anpassung, die Triebregungen und Wünsche, das Realitätsprinzip einer mittelständischen Kleinfamilie. Ich begann darüber nachzudenken, ob ihr Drama, die Tat des kleinen Jungen, der seinem Vater den Verrat an den traditionellen, männlich-heroischen Idealen nicht verzeihen kann, auch in unserer Gesellschaft vor stellbar wäre. Ich bin der Überzeugung, daß Mishimas Geschichte sich nach eigenen Gesetzen vollzieht, die außerhalb der für uns geltenden Normen liegen. Sie wurzeln in einer rauschhaften Heldenkultur, wie wir sie so in Europa nicht kennen. Die Geschichte vom ‚Seemann, der die See verriet‘ bleibt gebunden an eine Dimension des Unfaßbaren und bereit eine Skala uns unbekannter, von uns nicht gelebter Gefühlsmuster aus“ (Gisela von Wysocki).

Demgegenüber lässt sich einwenden, dass die widerwärtigen Kinder (die in der furchtbarsten Szene des Buches eine kleine Katze töten und sezieren um ihr eigenes Mitleid auszurotten) generell (und nicht nur in japanischer Tradition) kulturelle Entwicklungen symbolisieren, die Empathie und Solidarität bewusst auslöschen (auch darin ist dieser Roman wieder hochaktuell).

Oder wie es DER SPIEGEL bei dem Erscheinen der deutschen Erstausgabe formulierte: „Der Japaner Mishima, 44, wiederholt als ein Anwärter auf den Nobelpreis genannt, hat schon manches Sujet der europäischen Literatur in japanische Hintergründe verarbeitet. In seinem für Deutschland neuen Roman, einem ästhetizistisch arrangierten Thriller von Liebe und Tod, behandelt er ein Thema, von dem traditionsbewußte Japaner sagen, es sei ebenfalls aus dem Westen importiert: den Generationskonflikt.“

Ein Thema ist auch die Aufgabe pubertärer Allmachtphantasien in Form von Heldenträumen um ein kleinbürgerliches Leben zu führen. Dies ist die See, die der Seemann verrät. Deshalb verurteilen die Kinder ihn zum Tode, denn er hat die Ideale der Kindheit verraten, deren Nihilismus erschreckende Ähnlichkeiten mit der Ideologie des fanatisierten Jungvolks im 3.Reich aufweist.

Durch den Text schwingt auch Mishimas Zorn auf die Väter-Generation, die den Krieg verloren hatte und sich statt „ehrenvoll“ zu opfern, sich einer ehrlosen Kapitulation hingab, die das japanische Reich für den barbarischen Coca Cola-Kapitalismus unterwarf.

„…Einen gerechten Vater kann es gar nicht geben, weil schon die Rolle des Vaters eine Form des Bösen ist. Strenge Väter, nachsichtige Väter, nette, gemäßigte Väter – einer ist so schlecht wie der andere. Sie stehen uns im Weg und versuchen, uns mit ihren Komplexen zu belasten, mit ihren unerfüllten Wünschen, ihrem Groll, ihren Idealen, ihren Minderwertigkeitskomplexen, die sie nie jemanden anvertrauen konnten, mit ihren Sünden, ihren kitschigen Träumen, ihren Geboten, an die sie sich niemals gehalten haben, weil ihnen der Mut dazu fehlte…. Die Väter sind die Schmeißfliegen dieser Welt. Sie liegen auf der Lauer, bis sie an uns etwas Faules entdecken, auf das sie sich stürzen können. Dreckige Fliegen sind sie, die überall ausposaunen, dass sie mit unseren Müttern geschlafen haben. Wenn es darum geht, unsere absolute Freiheit und unser Können zunichte zu machen, schrecken die Kerle vor nichts zurück. Sie denken nur daran, die schmutzige Stadt zu beschützen, die sie sich erbaut haben.“

Mishima veröffentlichte den Roman zu einer Zeit, als er von westlichen Lesern zögernd entdeckt wurde (die ihn aber schnell zum Kandidaten für den Literaturnobelpreis erkoren), in Japan aber sehr viele Leser verlor. Damals wurde er nicht als das atemberaubende Meisterwerk bewertet, als das es heute gilt:

„Mishima’s greatest novel, and one of the greatest of the past century“ (The Times)

„Explores the viciousness that lies beneath what we imagine to be innocence“ (Independent)

„Told with Mishima’s fierce attention to naturalistic detail, the grisly tale becomes painfully convincing and yields a richness of psychological and mythic truth“ (Sunday Times)

„Coolly exact with his characters and their honourable motives. His aim is to make the destruction of the sailor by his love seem as inevitable as the ocean“ (Guardian)

„Mishima’s imagery is as artful as a Japanese flower arrangement“ (New York Times)

Erstaunlich und verblüffend, dass weder Marguerite Yourcenar noch Hans Eppendorfer oder Henry Scott Stokes in ihren Büchern über Mishima auf diesen Roman eingehen, der in seinem komplexen Gesamtwerk eine besondere Stelle einnimmt. In seiner dystopischen Seelenbeschreibung geht er weit über Noir-Autoren wie Jim Thompson oder Tim Willocks hinaus. Gesehen als Noir-Roman, ist er verstörender und erschreckender als jeder andere Noir-Roman, den ich kenne. Literarisch kann ihm sowieso kaum einer das Wasser reichen.

Es gibt Passagen und Momente, da könnte man glauben, sie seien von Patricia Highsmith im Sake-Rausch geschrieben sein.

Yukio Mishima (1925-70), der wie kein anderer für die Traditionen des Kaiserreichs und der Samurai-Kultur steht, galt auch als der westlichste unter den japanischen Schriftstellern. Sicherlich, weil er durch die leicht wahnsinnige Großmutter isoliert von Gleichaltrigen aufwuchs und seine Zeit vor allem mit der Lektüre westlicher Autoren verbrachte (Rilke. D´Annunzio, Radiguet, Gide, Oscar Wilde und Thomas Mann). Aus dem weichlichen Knaben formte Mishima bewusst einen homosexuellen Samurai mit dem Körper und den Fähigkeiten eines Kriegers. 1970 beging er öffentlich Seppuku, nachdem er mit Getreuen seiner Schildgemeinschaft vor Soldaten eine Rede zur Rettung der japanischen Seele gehalten und zum Putsch gegen die Verfassung, die eine offizielle Armee verbot, aufgerufen hatte.

Nach Arnold Toynbee hatte Asien im 19. Jahrhundert nur zwei Möglichkeiten: durch Verwestlichung zu überleben oder im Widerstand dagegen unterzugehen. In der Meiji-Ära (1868 bis 1912) wählte Japan den ersten Weg, industrialisierte das Land, wechselte vom Feudalsystem zu einer zentralistisch organisierten Regierung und schuf eine nationale Armee. Leidtragende dieser Entwicklung waren die Samurai. Etwa 40 000 von ihnen rebellierten 1877 gegen die Regierung. Erst nach achtmonatigem Kampf wurden sie von der Armee besiegt.

Eine Hundertschaft nationalistischer Samurai griff während dieser Rebellion eine Militärkaserne nur mit Schwertern und Speeren bewaffnet an. Die Soldaten schossen sie mit vom Westen importierten Gewehren nieder, die Überlebenden begingen Harakiri. Diese Tragödie spielte in Mishimas geschichtspolitischem Verständnis eine zentrale Rolle. Der rasend schnelle Umbruch vom Mittelalter ins Industriealter war wohl auch mitverantwortlich für die hohe Selbstmordquote unter japanischen Schriftstellern des 20.Jahrhunderts.

P.S.: Mishima war ein großer Katzen-Fan, der seinen Katzen auf Reisen Postkarten schickte und im Postskriptum seinen Vater eindringlich ermahnte, freundlich zu ihnen zu sein. Der Vater berichtete später: „Manchmal arbeitete er stundenlang mit einer Katze auf den Knien. Mich hätte das verrückt gemacht.“ Mishima: „Du musst einen Hundeverstand haben, Vater. Du hast eben keine Ahnung von der zarten Psyche einer Katze.“



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NOIR-ABENTEURER: PIERRE MAC ORLAN by Martin Compart

Das Lied ist fast so alt wie die Filmkunst selbst: seitdem Regisseure literarische Vorlagen verfilmen, klagen Autoren über die cineastischen Umsetzungen ihrer Bücher. Inzwischen ist es in Hollywood üblich Autoren den Zutritt zum Set während der Dreharbeiten vertraglich zu verbieten.
Als James Malahan Cain („The Postman Always Rings Twice“, „Double Indemnity“ usw.) einmal von einem ehrgeizigen jungen Reporter gefragt wurde, ob er nicht darunter leide, was Hollywood seinen Büchern angetan hat, deutete Cain mit dem Daumen auf das Buchregal hinter sich und knurrte: „Niemand hat meinen Büchern etwas angetan. Dort stehen sie genau so, wie ich sie geschrieben habe.“

Wie reagiert ein Autor, der bei einer Adaption seines Romans feststellen muss, dass der Regisseur weder Personen, Zeit noch Handlungsort beibehalten hat? Pierre Mac Orlan, bei der Premiere zu QUAI DES BRUMES, nach dem von ihm 1927 veröffentlichten Roman, zu Regisseur Marcel Carné und Drehbuchautor Jacques Prévert: „Großartig! Sie haben nichts beibehalten. Doch seltsamerweise findet sich der Geist meines Buches vollkommen in ihrem Film.“ Prévert revanchierte sich für die freundlichen Worte: „ Mac Orlan ist mehr als ein Meister des Abenteuers. Andere haben auch Geschichten von Korsaren und fahrendem Volk, von leichten Mädchen und schweren Jungen geschrieben… Er tut mehr, er umgibt seine Figuren mit einem Hauch von Tragik, Träumerei und Poesie. Er schildert Gefahr und Gewalt nicht um ihrer selbst willen, sondern um dem Schicksal auf die Spur zu kommen… Ein komischer Kauz, dieser Mac Orlan. Mir gefällt er.“

Der Film, der wohl einen Höhepunkt der französischen Filmkunst darstellt und neben Disneys SCHNEEWITTCHEN der erfolgreichste Film des Jahres 1938 in Frankreich war, tat Mac Orlan noch mehr gutes: er weckte neues Interesse an dem Autor, der zum ersten Mal in Vergessenheit zu versinken drohte.

Im deutschen Sprachraum sind bis in die 50er Jahre immer mal wieder einige Bücher von Mac Orlan erschienen, ohne das man ihn zur Kenntnis nahm.
Zu „französisch“ waren wohl seine poetischen Abenteuerromane, in denen melancholisch Geschichten von desertierten Fremdenlegionären, Versagern, den düsteren Bars von Montmartre und den Schänken mythischer Hafenstädte erzählt wurden. Der Klett-Cotta Verlag legte Ender der 1980er in der gewohnt sorgfältigen Aufmachung zwei Romane neu auf: den Klassiker HAFEN IM NEBEL, der ganz anders als der Film auch ein Sittenbild Montmartres in den 2oer Jahren ist, und den romantischen Spionageroman MADEMOISELLE BAMBù, der anders ist als alle Spionageromane.

Was Mac Orlan in Carnés Verfilmung wieder gefunden hat, ist der gleiche mitleidlose Umgang mit den Hauptpersonen in ihren schicksalhaften Verstrickungen und dieselbe unwirklich und doch realistisch anmutende, mythische Atmosphäre.

Diese Synthese aus realistischen Figuren aus einem wirklichen Milieu und die poetisch verklärende Betrachtung kennzeichnen eine der fruchtbarsten Epochen des französischen Kinos, die als „poetischer Realismus“ ruhmvoll in die Filmgeschichte eingegangen ist. Und die Tradition – in den 5oer Jahren als „Tradition der Qualität“ bezeichnet – wirkt bis heute im französischen Kino fort. Die Gangsterepen von Jean-Pierre Melville haben mehr mit dieser Tradition gemeinsam, als etwa mit den Gangsterfilmen Hollywoods.

Pierre Mac Orlan wurde am 26.2.1883 als Pierre Demarchais in Peronne an der Somme geboren. Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen und musste sie Schule vor einem höheren Abschluss abbrechen, da die Familie ihn nicht länger durchfüttern konnte. Ruhelose Wanderjahre und bizarre Jobs kennzeichneten seine Jugend. Schließlich landete er im Mekka der Rumtreiber: in Paris. Damals das kulturelle Zentrum der Welt. Picasso, Apollinaire, Max Jacob, Utrillo, Matisse, Picabia, Modigliani, Andre Salmon, Gris, Derain, Cendrars, Van Dongen, Braque, Reverdy, Dorgeles, Carco trieben sich in den billigen Bars und Unterkünften herum. Später auf diese „große Zeit in Paris“ angesprochen: „An Hunger ist nichts romantisch.“

Er schloss sich diesen Künstlerkreisen an und fröhnte auf Montmartre einem fröhlichen Bohémienleben. Er war mit Apollinaire gut befreundet, arbeitete als Sänger, Chansonschreiber (später auch für Yves Montand) und Radrennfahrer, bevor er durch die Vermittlung seiner Freunde eine Chance als Journalist erhielt. Regionaler Ruhm kam bald durch seine humoristischen und satirischen Reportagen und Cartoons. Schließlich versuchte er sich auch als Romancier mit phantastischen und abenteuerlichen Sujets.

1913 heiratete er Marguerite Luc, mit der er bis zu ihrem Tod eine glückliche Ehe führte.

In seinem HANDBUCH FÜR ABENTEURER, 1920, führte er noch unter dem Eindruck des Weltkriegs aus, dass es zwei Arten von Abenteurern gibt: Die aktiven (Soldaten, Matrosen, Kriminelle etc.) und passive wie die Schriftsteller, die sich irgendwann entscheiden müssen zwischen leben und schreiben. Mit knapp über 60 Seiten gehört es zu den kürzesten Büchern von Mac Orlan, dessen Romane auch kurz gehalten waren (nie über 250 Seiten). Von seiner Einkehr in den Inner Space (um diese Kategorie aus der Science Fiction zu strapazieren) zeugt auch sein berühmtes Zitat: „Auf einem Schachbrett erlebt man mehr Abenteuer als auf allen Weltmeeren.“

Besonders Piratenromane hatten es ihm angetan und beeinflusst von Stevenson und Conrad schrieb er mehrere, in die er auch übernatürliche Elemente einbrachte und mit seinem Sinn fürs absurde die Genrekonventionen unterlief. http://weirdfictionreview.com/2012/02/story-to-comic-pierre-mac-orlans-roi-rose/

Nach dem 1.Weltkrieg, an dem er aktiv teilnahm, verwundet und ausgezeichnet wurde, konzentrierte er sich auf Malerei. 1918 reiste er als Korrespondent durch Deutschland, das er bereits in seiner Jugend besucht hatte. Als Romancier war er zu Beginn der 20er Jahre recht erfolgreich und verdiente genug, um seine Reiselust zu finanzieren. Er durchquerte England, Deutschland und Nordafrika, bevor er sich 1924 in Saint-Cyr-sur Morin niederließ. Dort lebte er bis zu seinem Tod 1970.

Er arbeitete gelegentlich als Journalist, interviewte Mussolini und war 1933 in Berlin während der Machtübernahme.

1950 schrieb er den letzten seiner 22 Romane (ohne seine sado-masochistische Erotika mitzuzählen). Er starb 1970.

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Neben seinen poetisch realistischen Abenteuer- und Kriminalromanen hinterließ Mac Orlan auch bleibende Spuren in der französischen Phantastik. So etwa mit dem 1926 erschienen Roman MARGUERITE DE LA NUIT, der das Liebesthema des „Faust“ aufgreift und deprimierend pessimistisch behandelt. Der Roman wurde 1955 von Claude Autant-Lara mit Yves Montand in der Mephisto-Rolle, Michele Morgan als Gretchen und Terrence Hill, der damals noch Mario Girotti hieß, verfilmt. „Es gelang dem Autor eine realistische Geschichte mit Hilfe eines poetischen, fast übernatürlichen Stils umzusetzen“, sagte der Regisseur über die literarische Vorlage.

Auf eine ganz eigenartige Weise wirken Mac Orlans Geschichten um nächtliche Begegnungen gescheiterter Existenzen sehr zeitnah. Der zu früh verstorbene Schriftsteller Jörg Fauser, der mit ALLES WIRD GUT ein atmosphärisch ähnliches Buch geschrieben hat, hätte in Mac Orlan einen verwandten Geist gefunden. Vielleicht ist es das lähmende Gefühl in einer Sackgasse zu leben, was Mac Orlan so aktuell erscheinen lässt. Angesichts der ökologischen, ökonomischen und politischen zeitgleichen Katastrophen treffen Balladen von der „Unausweichbarkeit des Schicksals“ wieder einen Nerv. Seine Charaktere stehen in existentialistischer Tradition, in dem sie sich erfolglos aus der Vergangenheit lösen wollen um ein besseres Leben in der Gegenwart führen zu können.

Für den französischen Noir-Roman war er eine ganz zentrale Figur (bis hin zu Großmeister Francis Ryck) – aber das ist eine andere Geschichte. Zu seinen größten Fans gehörten der Begründer der situationistischen Internationale, Guy Debord, und Boris Vian.

HAFEN IM NEBEL. 111 Seiten. 1988.
MADEMOISELLE BAMBù., 200 Seiten, 1990.
Beide im Verlag Klett-Cotta, Stuttgart.
Beide übersetzt von Jü<rgen Ritte.
Die Bücher haben sich sogar damals so peinlich schlecht verkauft, das der Verlag weitere Werke Mac Orlans nicht mehr kalkulieren wollte oder konnte.