Martin Compart


HAWAI 5:0 by Martin Compart
21. Mai 2016, 11:05 am
Filed under: Deutsches Feuilleton, Stammtischgegröle, TV-Serien | Schlagwörter: ,

Wie man mit einem Satz den Subtext einer Serie seziert:

Es ist die letzte (?) Bastion verlogener US-amerikanischer Sentimentalität.



DEUTSCHER SPITZEN-JOURNALISMUS by Martin Compart
15. April 2016, 11:39 am
Filed under: Deutsches Feuilleton, Rolling Stones | Schlagwörter:

Immer wieder schön!

„Mick Jagger kramt in seinen Erfahrungen mit jungen Mädchen – es fallen die ersten Hemmungen…“

„…dem Regen hätte man ja etwas nachhelfen können.“

 



MICs Tagebuch 1 – 2016 by Martin Compart
18. Februar 2016, 11:00 am
Filed under: Deutsches Feuilleton, Film, MiCs Tagebuch | Schlagwörter: ,

Aus Anlass der alljährlichen deutschen Filmbeschwörung

In Berlin darf Grinsebacke Kosslick wieder einmal die US-Prominenz einfliegen lassen, damit Feuilleton und Sendeanstalten laut „Hail” rufen und die internationale Bedeutung des gleichnamigen Filmfestes für die weite Welt in die deutschen Haushalte tragen können. (Falls es denn noch irgendjemanden außerhalb der inzestuösen Subventionsbranche interessieren sollte.)

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Koslick – das Musical

Der Zustand des Deutschen Kinos lässt sich seit Jahren so zusammenfassen: Ja, es gibt sie, die Kinofilme mit großem Publikumszuspruch. Diese fallen in zwei Kategorien: 1) Komödien von und mit Schweiger, hirnlos, sentimental und häufig mit Nennung von Körperteilen im Titel; und 2) Komödien ohne Schweiger, dafür mit Blondschopf Schweighöfer, oft in sexuellen Nöten, oder mit Deutschtürken, die auf Goethe fucken – oder der Dichterfürst, den die meisten Zuschauer nur als gleichnamigen Platz oder Straße kennen, fuckt auf sie. Andere Genres – von anderen Fressen ganz zu schweigen – finden hierzulande nicht statt. N.B. andere Genres: „Deutschen Actionhelden” auf der großen Leinwand hilft auch kein Fernsehvorverkauf, sogar wenn sie knallhart drohen, garantiert nicht im Dienst und damit noch viel hemmungsloser als Sonntags um 20.15 Uhr zur Sache zu gehen.

Der deutsche Film ist das Ergebnis seiner Finanzierung – namentlich des dafür verantwortlichen Systems, in dem die mächtigen Sachverwalter des Elends, die Sendeanstalten, das Sagen haben. In unserer merkantilistischen Republik gilt: wer zahlt, bestimmt.

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US-Kritiker Richard Brody findet am 16.02. im „The New Yorker” die richtigen Worte. Hier ein paar Auszüge, mal schnell frei übersetzt:

Im deutschen Film dominieren banale, unterscheidungslose historische Dramen, sie handeln hauptsächlich vom Holocaust, aber auch vom Kalten Krieg (einer der neusten Filme ist „Labyrinth der Lügen”). Bei diesen Filmen geht es weniger um eine kritische Neubetrachtung der Geschichte, als um eine Neuverpackung bereits vorprogrammierter Antworten. Sie mögen dabei, das sei der Natur des Dramas geschuldet, auf historischen Fakten beruhen, durch ihre unkritische naturalistische Darstellung jener historischen Fakten jedoch, entkoppeln sie die Geschichte von der Gegenwart. Die standardisierten Handlungsbögen dieser skrupellos-professionellen Dramen reduzieren historische Details auf vertraute und leere Reuebekundungen. Das zeitgenössische deutsche Kino ist wie das Holocaust-Mahnmal (unweit des Potsdamer Platzes), es isoliert die Gegenwart von der Vergangenheit. Was dem deutschen Film heute fehlt, ist die Kraft in der ersten Person zu filmen, die Verbrechen der Vergangenheit in der Gegenwart zu sehen, zuzugeben, dass sie unvermeidlich, die eigenen sind, oder, in dieser Sache das Gegenteil zu deklarieren, dass sie es nicht sind. Aber es ist nicht nur eine Frage des guten Willens, der Bereitschaft, moralische Risiken zu übernehmen, es ist eine Frage des künstlerischen Mutes. Die deutsche Filmindustrie beweist zu oft einen grundlegenden Mangel an ästhetischem Wagemut… Es herrscht ein Herstellungssystem aus Finanzierung und Produktion, das sich jeden einzelnen Regisseur und sein Projekt einverleibt, und damit ein Mangel an Unabhängigkeit erzeugt, sowohl wirtschaftlich als auch künstlerisch.”

Woraufhin der deutsche Film trotzig den Kopf aus dem Arsch der Förderanstalten zieht und ausruft: „Und in Hollywood? Was herrscht denn da? Na?”

 



NOIR-FRAGEN AN OLIVER NÖDING by Martin Compart
4. Dezember 2015, 11:56 am
Filed under: Deutsches Feuilleton, Film, Fragebogen | Schlagwörter: , , , ,

Ich hatte immer gedacht, die beiden Deutschen, die sich in den abseitigsten Regionen der 7.Kunst auskennen, seien Ulrich von Berg und Rolf Giesen, alias Dr.Horror. Dann stieß ich vor einigen Jahren auf den Blog REMEMBER IT FOR LATER https://funkhundd.wordpress.com/- und war völlig baff! Betreiber und Autor Oliver Nöding kannte nicht nur Subgenres, die mir völlig entgangen waren, sondern zeigte – quatsch: zeigt bis heute – ein Fachwissen, das seinesgleichen sucht. Nenne die obskurste Videofirma aus den 80er Jahren, die auf cross-over zwischen italienischen Gialli und Zombies spezialisiert war, Oliver kann dir nicht nur die entscheidenden Leute runterbeten, er beschreibt auch die Unternehmensgeschichte. Egal welches Vehikel er bespricht, er berichtet so spannend und unterhaltsam, dass ich häufig vergesse, dass mich der Film einen Dreck interessiert. Neben Artikeln über Genre-Filme schreibt er auch über Klassiker, denen er oft neue Aspekte und eine originelle Perspektive abgewinnt.

„Ich habe immer schon gern geschrieben, allerdings fehlte mir immer der konkrete Anlass, um am Ball zu bleiben. Ich bin nicht unbedingt ein Geschichtenerfinder und wenn ich mich hinsetzte, um etwas zu schreiben, verlor ich schnell das Interesse und den Glauben, dass das, was ich da zu Papier bringen wollte, wirklich gut war. 2004 stieß ich dann auf das mittlerweile inaktive Forum namens „filmforen.de“, das seinen Usern erlaubte, ein Filmtagebuch zu führen. Jeder User hatte seinen eigenen Forenthread, in dem er Filmtexte nach eigenem Gusto, ohne jegliche stilistische Vorgabe, schreiben konnte. Da habe ich dann, mit Ausnahme einer kurzen Pause Anfang 2005, bis zur Eröffnung meines Blogs 2008 also mein Filmtagebuch geführt. Der damalige Foren-Administrator Stefan Höltgen war gleichzeitig für die (mittlerweile ebenfalls nicht mehr aktive) Filmseite „F.LM – Texte zum Film“ verantwortlich und wurde über meine Forentätigkeit auf mich aufmerksam. Ich schrieb dann für F.LM also „richtige“ Filmrezensionen, besuchte Pressevorführungen, reviewte DVDs und dergleichen. Über Stefan entstand auch der Kontakt zur Splatting Image, einer unter deutschen Cineasten und Freunden des abseitigen Films sehr renommierte Zeitschrift (die vor zwei Jahren leider auch den Dienst einstellte) und über die Mitarbeit an der Splatting Image zu weiteren deutschen „Filmschreibern“. “

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 Das Foto zeigt Oliver anlässlich einer Themenparty verkleidet als City Cobra.

 

Unter Freunden des ungewöhnlichen Films hat sich Oliver mit seinen Texten in den letzten Jahren einen Namen gemacht. Für mich gehört er zu der Garde jüngerer Kritiker, die das Genre Filmkritik im Windschatten von SPLATTING IMAGE und STEADYCAM in den letzten zehnJahren entstaubt haben und wieder spannend machen. Manchmal sehe ich durchaus Orientierung an Hunter S.Thompsons Gonzo-Journalismus. Aber „Gonzo-Filmkritik“ ginge etwas zu weit.

„Mittlerweile bewege ich mich in einem Kreis von ca. 50 bis 100 Leuten, die als freie Journalisten über Filme schreiben, Kinoreihen betreiben, Bücher, DVDs und Blu-rays herausgeben oder selbst Filme drehen und sich so gewissermaßen gegenseitig „befruchten“. Das ist sehr anregend und macht natürlich viel Spaß. Viele dieser Menschen zähle ich heute zu meinen Freunden. Ich darf Booklets verfassen, Essays für Fachbücher schreiben, Audiokommentare einsprechen oder Kurzvorträge vor Kinovorführungen halten. Bald erscheint die Buchausgabe der Blogtexte, die ich damals auf „Sauft Benzin, ihr Himmelhunde“ zusammen mit Marcos Ewert veröffentlicht habe. Das ist alles sehr toll, auch wenn ich damit keinen Pfennig Geld verdiene. Vielleicht irgendwann mal. Mein Blog habe ich 2008 eröffnet und zunächst parallel zu meinem Filmtagebuch auf Filmforen geführt. Meine privaten Texte wurden also am Anfang für eine Übergangsphase auf zwei Plattformen veröffentlicht. Die Abspaltung von Filmforen war für mich damals ein logischer Schnitt. Zum einen, weil sich das Forum verändert hatte, zum anderen, weil ich wusste, dass ich mittlerweile für mich selbst stehen konnte. Ich kann, was Zugriffszahlen angeht, mit den wirklich großen deutschen Blogs natürlich nicht annähernd mithalten, komme aber mittlerweile pro Tag auf rund 400-500 Zugriffe, was nicht so schlecht ist, dafür dass ich keinen Empfehlungsjournalismus mache oder News veröffentliche.“

 

Und was mich immer wieder umhaut, ist sein irrsinniger Ausstoß. „Die Gesamtzahl meiner Filmtexte: Blog: 2.543 Beiträge Filmforum: 1.486 Beiträge Macht also rund 4.000 Filmtexte seit 17.11.2004.“

Das wäre ein Buch, das ich mir von TASCHEN wünschen würde.

Man fragt sich, wann der Familienvater lebt, isst, trinkt, sozialen Kontakten nachgeht, Themenpartys besucht – und vor allem: Wann sieht er das ganze Zeugs? Dabei erscheint er geistig und körperlich so gesund, dass es kaum für einen Gastauftritt in THE BIG BANG THEORY reicht.

 Hier also der Bünnagelsche Noir-Fragebogen mit Oliver Nöding (dazu ein Soundtrack):

 

Name?

Oliver Nöding

Berufungen neben dem Kritikerdasein?

Familienvater sein und möglichst viele Filme schauen.

Film in deinem Geburtsjahr?

Rocky, Taxi Driver, Carrie, Die Unbestechlichen, Assault – Anschlag bei Nacht, Der Scharfschütze, Keoma, Eiskalte Typen auf heißen Öfen, San Babila ore 20: un delitto inutile, Der Strohmann, Schwarzer Engel und wahrscheinlich noch einige mehr.

Was steht im Bücherschrank?

Der Anteil an Sachbüchern über Film oder (Auto-)Biografien zum Thema wächst gegenüber den Romanen stetig an. Trotzdem: U. a. die Brenner-Reihe von Wolf Haas und außerdem zwei verschiedene Nietzsche-Gesamtausgaben.

Was war deine Noir-Initiation?

An den ersten gesehenen Noir erinnere ich mich nicht mehr. Aber der erste, der mich wirklich beeindruckt hat, war Mark Robsons The Seventh Victim.

Welches Noir-Klischee ist dir das liebste?

Die nicht enden wollende Nacht.

Ein paar Film noir-Favoriten?

Ich kenne ehrlich gesagt noch viel zu wenige klassische Noirs. Eine Bildungslücke, die ich im kommenden Jahr zu schließen gedenke. Folgende mag ich sehr: Um Haaresbreite, The Seventh Victim, Gefahr in Frisco, Das Rattennest, Im Zeichen des Bösen, Wenn es Nacht wird in Paris, Drei Uhr nachts, Der Chef.

Und abgesehen von Noirs?

Habe ich natürlich eine große Vorliebe für sogenanntes Männerkino, also Western, Kriegsfilme, Polizeifilme und die Actionfilme der Achtzigerjahre. Außerdem Horror, Horror, Horror. Aber auch sonst viel zu viel.

Welche Roman- und Filmfigur würdest du mit eigenen Händen umbringen?

Den Mengele-haften Molloch aus Der Liquidator. Sonst immer gern rassistische Cops.

Internet?

http://funkhundd.wordpress.com

 

Noir-Fragen: Dein Leben als Film Noir

 

Im fiktiven Film noir Deines Lebens – welche Rolle wäre es für Dich?

Der Mann, der einem Phantom nachjagt, das sich als er selbst herausstellt.

Und der Spitzname dazu?

Chase

Welcher lebende (oder bereits abgetretene) Schriftsteller sollte das Drehbuch dazu schreiben?

Elmore Leonard

Berühmtestes Zitat aus dem Streifen? (Beispiel: Scarface = The World Is Yours, White Heat = Made It Ma, Top Of The World)

„Es gibt Tage, da verliert man, und Tage, da gewinnen die anderen.“

Schwarzweiß- oder Farbfilm?

Für jemanden, der in den Achtzigerjahren aufgewachsen ist, muss es wohl Farbe sei.

Wer liefert den Soundtrack zum Film?

Jay Chattaway.

Welche Femme fatale dürfte Dich in den Untergang führen? (Alternativ: Welcher hartgesottene Noir-Held?)

Klassisch: Barbara Stanwyck. Modern: Kathleen Turner ca. 1983.

In welchem Fluchtwagen wärst Du unterwegs?

Ford Mustang

Und mit welcher Bewaffnung?

Smith & Wesson Modell 29 – die Schusswaffe von Dirty Harry.

Buch für den Knast?

Was dickes. Die Enden der Parabel von Thomas Pynchon?

Und am Ende: Welche Inschrift würde auf dem Grabstein stehen?

„He desperately tried to not give a fuck and failed miserably.“ (Auf Deutsch klingt’s einfach nicht so gut.)

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AUS MiCs TAGEBUCH – Heute: BOSS… die Serie, nicht der ehemalige Uniformschneider oder der Typ mit der E-Street-Kombo by Martin Compart
26. November 2015, 5:32 pm
Filed under: DEUTSCHER-TV-SCHROTT, Deutsches Feuilleton, Drehbuch, THE BOSS (TV), TV, TV-Serien | Schlagwörter: , ,

Jetzt sehe ich die dritte Folge der 1. Staffel von BOSS mit Kelsey Grammar und ich bin geplättet. Was ist das denn für eine gigantische Serie? Fraser als Bürgermeister von Chikago. Und was für einer. Natürlich ist der Hook für den Mayor Tom Kane – nice name by the way – von Breaking Bad geklaut, aber wie die auf allen Ebenen die Register ziehen und uns amerikanische Politik vorführen, ist sehr beeindruckend.

(N.B. BOSS-Creator Farhad Safinia ist Engländer iranischer Abstammung und hat davor nur bei Mel Gibson „hospitiert”, dessen Italowestern-Jesusfilm produktionstechnisch begleitet und das Script Apocalypto co-geschrieben.) Wirklich interessant, wie multiple Storylines, persönliches Schicksal, politische Intrigen, Korruption, etc., so intelligent miteinander verwoben werden und dabei ein Erzählspektrum entsteht, das mehr ist als die Summe seiner Bestandteile. Wie soll man eine solche Serie nur nennen? Der große amerikanische Roman? Oder Gore Vidal erklärt die Politistory einer US-Stadt? Weil außer Frauen und Rentnern kein Schwein mehr liest, findet Literatur heute im TV statt. Überall, nur nicht in dem Land, zu dessen Fernsehen ich nichts mehr sagen wollte.

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(Doch dies noch: Seit Tagen belästigen die „Werbe-Redakteure” von Spiegel-online Leser mit Tiraden, warum man diese eine bestimmte, „jetzt schon für das deutsche Erzählfernsehen Maßstäbe setzende Serie”, absolut sehen muss. – Ne, lasst mal stecken, mir sind Originale einfach lieber. Unter der PR-Artikelflut sticht dann noch die harte Headline einer Fotostrecke hervor: „RTL goes Kapitalismuskritik.” Alle Achtung.)

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BOSS muss übrigens in Chicago spielen, diese Slaughterhouse-cum-Businessmetropole, Hochburg des organisierten Verbrechens zu Zeiten der Prohibition, diese korrupteste aller US-Städte – zumindest in der Fiktion – mit dem größten Flughafen der USA, wenn nicht der Welt, O’Hare, als beispielhafter Handlungsort für die Mechanismen einer kapitalistischen Gesellschaft, nicht allein der US-Gesellschaft. Klar werden gezielt Klischees bedient und benutzt, natürlich ist das Spektrum der Charaktere bewusst gewählt, das Konstrukt für den geübten Zuschauer durchschaubar, aber alles kommt so reif und so souverän daher, wie die neuen, frischen HBO-Serien vor zehn, fünfzehn Jahren. Ich denke hier wegen des Politkontexts an DEADWOOD und THE WIRE.

Interessanterweise ist Ex-HBO-Chef Chris Albrecht, weil er eine Frau nachts auf einem Parkplatz in Las Vegas ohrfeigte, einst von HBO geschasst, der Chef von Starz, der Sender, der BOSS beauftragte. Albrecht hat seinerzeit David Milch, David Simon bei HBO herausgebracht, bzw. gefördert. Ein Entscheider mit Weitblick.

Ein Bekannter von mir hatte 2013 bei RTL die Idee einer Politserie gepitcht und wurde vom obersten Chef mit den Worten abgelehnt, Politik ist ein No-Go, Lokalpolitik erst recht. O-Ton: „Ich war selbst mal Journalist, für Lokalpolitik zuständig. Das interessiert niemanden.” Da kannte hierzulande noch keiner HOUSE of CARDS – und BOSS schon gar nicht. Diesem Entscheider verhilft kein noch so starkes Fernglas zu Weitblick.

Nach nur zwei Staffel war Schluss mit BOSS. Schade. Ich habe noch 15 Folgen vor mir.



MAN KANN ES NICHT OFT GENUG SAGEN… by Martin Compart



50 SHADES OF GREY by Martin Compart

Gibt es über 50 SHADES OF GREY noch irgendwas zu sagen?
Wahrscheinlich nicht allzu viel. Aber Alexander Martin Pfleger untersucht mal genauer, wer was zu sagen hatte, betrachtet die deutsche Rezeptionsgeschichte, benennt Qualitäten der Autorin und sieht Zusammenhänge mit dem viktorianischen Roman.

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Selig in Lust und Leid

Persönliche Überlegungen zu „Fifty Shades of Grey“

Alexander Martin Pfleger

Betrachtet man sich die bisherigen feuilletonistischen Einlassungen zur Romantrilogie „Fifty Shades of Grey“ der britischen Autorin E. L. James etwas genauer, kommt man nicht umhin, die Vermutung auszusprechen, hier werde wieder einmal allzu selbstgefällig der vermeintlich bessere Geschmack einiger Vertreterinnen und Vertreter der kritisierenden Zunft gegenüber dem Kaufverhalten einer als ungebildet vorausgesetzten Leserschaft, die es zu belehren gelte, ausgespielt.

Manchmal muß man einfach etwas persönlicher werden – also: Ich interessiere mich für Erotik und Sexualität in der Literatur ebensowenig wie weiland Marcel Reich-Ranicki für die Probleme der Eskimos. Erotik und Sexualität mögen in bestimmten Zusammenhängen ihre Funktion inne haben, wogegen nichts einzuwenden ist, werden aber weiterhin allzu häufig um ihrer selbst willen allem möglichen aufgepfropft, um das jeweils behandelte Thema interessanter erscheinen zu lassen. Und das braucht man nun wirklich, um eine Formulierung des verstorbenen Fuldaer Erzbischofs Johannes Dyba aus einem anderen Zusammenhang aufzugreifen, ebenso sehr wie einen Kropf im Nacken.

Es gereichte der großen europäischen Romanliteratur des 19. Jahrhunderts keineswegs zum Nachteil, daß beide Bereiche bestimmten Formen der Tabuisierung unterworfen waren, wie umgekehrt in der Libertinage des 20. Jahrhunderts kein genereller Vorteil zu erblicken sein sollte – die „Sexszenen“, welche vielfach allein Leser nach den Mach- wie Meisterwerken der Moderne greifen ließen, stellten selten künstlerische Höhepunkte dar.

„Fifty Shades of Grey“ hat mich nur bedingt interessiert. Durch die Medien seit 2012 leidlich informiert, wurde mir rasch klar, daß die Geschichte der jungfräulichen Literaturstudentin Anastasia Steele, die sich in den exzentrischen Multimilliardär und Jungunternehmer Christian „Ich bin in fünfzig Facetten abgefuckt“ Grey verliebt, einen ins Positive gewendeten Hannibal Lecter, der nicht mit Frauen schläft, sondern diese hart zu ficken pflegt (Seltsam? Aber – so steht es geschrieben!), danach gerne mit entblößtem Oberkörper Bach, Chopin oder einen der Virginalisten auf dem Klavier zu spielen beliebt und überdies noch Hubschrauber und Segelflugzeuge zu steuern vermag, nicht unbedingt das ist, was meine Neugierde zu wecken vermöchte. Da lese ich lieber Eskimomärchen.

Die Begeisterung einiger Menschen für „Fifty Shades of Grey“, deren Urteil mir sehr wichtig ist, sowie die überzogen heftig wirkende Ablehnung des „Phänomens“ „Fifty Shades of Grey“ von feuilletonistischer Seite aus, ließen mich die Angelegenheit denn doch etwas näher in Augenschein nehmen.

Phänomen? Wenn mich während der vergangenen 10 Jahre zwischenzeitlich das Gefühl beschlichen haben sollte, die Zeit, da man sich im Feuilleton über bestimmte populärkulturelle „Phänomene“ ereiferte, wären glücklicherweise vorbei, und man frage endlich nur noch nach tatsächlich vorhandener Qualität und tatsächlich angelegtem Potential oder konstatiere unleugbare Schwächen, dann muß mich dieses mein Gefühl gründlich getrogen haben.

Tatsächlich scheint man „Fifty Shades of Grey“ als willkommenen Anlaß genommen zu haben, sich endlich wieder einmal der eigenen „Exklusivität“ zu versichern – und dabei stillschweigend unter den Tisch fallen zu lassen, daß man einerseits doch selber tagein, tagaus literarisch wesentlich dürftigere, erzähltechnisch dilettantischere und überdies offen pornographische Bücher hochjubelt, man andererseits in der Auseinandersetzung mit „Fifty Shades of Grey“ aber stellenweise das Grundinstrumentarium literaturwissenschaftlicher Erschließung eines fiktionalen Textes außer Acht lassen zu dürfen vermeint.

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Ina Hartwig wird es in der SZ nicht müde, zu betonen, welch ein schlechter Porno doch „Fifty Shades of Grey“ sei und wie untalentiert deren Autorin – ohne jede metaphorische Begabung, laienhaft im Aufbau, zur unfreiwilligen Komik neigend, dabei stets Schleichwerbung betreibend. Das Ganze verletze einerseits die Regeln der Pornographie, erhebe andererseits keinerlei Kunstanspruch. Merkwürdig, welche Bedeutung hier plötzlich wieder dem Regelwerk beigemessen wird. Nun denn: Merker am Ort – fahren wir fort!

Etwas mehr in die Tiefe geht da schon Nina Pauer, die sich in der ZEIT der Frage widmet, wie der Erfolg dieses für sie todlangweiligen Sadomaso-Softpornos zu erklären sei, und dabei durchaus erwägenswerte Überlegungen anstellt – Sex sei wieder zu einer Utopie geworden, und das Erlebnis des Moments, das Gefühl der Hingabe und Zweisamkeit realisiere sich für das Protagonistenpaar erst in einem „Kosmos aus Codes und Regeln“, innerhalb eines ausgefeilten Vertragswerks, welches das Verkehren miteinander auf geschlechtlicher Grundlage regle.

Also so ähnlich wie in Richard Wagners „Tristan und Isolde“ erst durch den Liebestrank die Titelhelden sich einander zu offenbaren vermögen, nur eben hier mit Paragraphen und Handschellen?

„Wie sich die Herzen
wogend erheben,
wie alle Sinne
wonnig erbeben!
Sehnender Minne
schwellendes Blühen,
schmachtender Liebe
seliges Glühen!
Jach in der Brust
jauchzende Lust!
Isolde! Tristan!
Welten-entronnen,
du mir gewonnen!
Du mir einzig bewußt,
höchste Liebeslust!“

Eine Entgrenzung der Sinne und der Ich-Erfahrung, das Verschmelzen zu einer höheren Einheit, aber ohne Preisgabe der Individualität im negativen Sinne?

„Ohne Nennen,
ohne Trennen,
neu Erkennen,
neu Entbrennen;
endlos ewig
ein-bewußt:
heiß erglühter Brust,
höchste Liebeslust!“

Am Ende gar das Aufgehen im Weltganzen, welches das Unbewußte als Form neuer, niegekannter Bewußtheit definiert?

„In dem wogenden Schwall,
in dem tönenden Schall,
in des Welt-Atems
wehendem All –,
ertrinken,
versinken –,
unbewußt –,
höchste Lust!“

O Wonne voller Tücke! O truggeweihtes Glücke! Rette Dich, Tristan – nichts von all´ dem ist hier der Fall! Das Ganze erweist sich, so Nina Pauer, letztlich als literarischer Müll – in „einem unerträglich mädchenhaften Tagebuchstil à la Bridget Jones“ verfaßt.

Zumindest Julika Griem in der FAZ bemüht sich, bei aller Distanziertheit, die sich in ihrer Feststellung bezüglich des kommerziellen Erfolges von „Fifty Shades of Grey“ ausdrückt, mit „Englishness“ lasse sich eben im auch von den Fan-Imperien der Jane-Austen-Anhängerinnen sowie der Leserinnen von Vampirgeschichten durchzogenen transatlantischen Kräftefeld weiterhin so mancher Lust- und Distinktionsgewinn erzielen, hier und da durchschimmern zu lassen, daß man den intertextuellen Aspekten der Trilogie vielleicht doch etwas mehr Aufmerksamkeit schenken sollte, und daß sich, rekurrierend auf Eva Illouz, die Geschichte von Ana und Christian nicht allein als Symptom, sondern auch als Analyse eines solchen – soziologischer Natur! – lesen lasse.

129_31349_132933_xxl[1]Ich habe „Fifty Shades of Grey“ bis heute nicht gelesen – will sagen: Ich habe es noch keiner buchstabengenauen Lektüre unterzogen. Ob ich mir eine solche jemals vornehmen werde, ist fraglich – eine detaillierte Studie zur Trilogie plane ich derzeit nicht zu schreiben. Um aber einen kleinen Zwischenruf zu tun wider die vorschnelle Aburteilung dieser drei Bände als, wie es der ansonsten von mir sehr geschätzte Denis Scheck tat, Schrottprosa zwischen zwei oder besser sechs Buchdeckeln, schien mir ein kursorischer Durchgang, ein allgemeines Abklopfen hin auf Rhythmus, Stil, leitmotivisch wiederkehrende Begriffe sowie literarische und musikalische Anspielungen durchaus gerechtfertigt – wenn man den Daumen, zumal angesichts eines Übermaßes von negativer Kritik, eher zu heben denn zu senken geneigt ist, dann scheint mir dies durchaus erlaubt. Ich habe mich dabei vor allem auf den ersten Band konzentriert, da er mir in literarischer Hinsicht mit am ergiebigsten erschien.

Freilich: Verrisse schreiben sich leichter – bedürfen meines Erachtens aber auch sorgfältigerer Abwägung. Als Marcel Reich-Ranicki „Ein weites Feld“ von Günter Grass in die Tonne trat, konnte man zumindest sicher sein, daß er seinen Grass und seinen Fontane wirklich intus hatte, auch wenn man selber zu einer anders gearteten Wertung zu tendieren geneigt sich erwies.

Womöglich fehlt mir aber doch eine wichtige Voraussetzung? Anders als Denis Scheck verfüge ich über keinerlei Kenntnisse italienischer Pornohefte – somit dürfte ich gewiss nicht hundertprozentig kompetent sein, um den Sachverhalt beurteilen zu können, ob sich in denselben tatsächlich mehr Prosa fände denn in der „Steinzeit-Prosa“ von E. L. James – aber andererseits ist doch „Steinzeit-Prosa“ auch eine Form von Prosa? Es gibt aber offenbar nicht nur einhändige Lektüren (diese Anspielung verstehe ich übrigens nicht!) – es gibt auch Formen einhändiger Literaturkritik, auch bei den besten Leuten (diese Anspielung sei mir gestattet, wiewohl es mir am Verständnis für die Grundanspielung eingestandenermaßen mangelte!)!
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Ich jedenfalls habe mich lieber mit der Versdramatik Gerhart Hauptmanns befaßt – und dessen „Kaiser Karls Geisel“ sowie dessen „Veland“, den der Dichter der „Weber“ in einem noch unveröffentlichten Brief an Heinrich George anläßlich der Berliner Aufführung dieser altnordischen Rachetragödie im Jahre 1942 als sein dramatisches Hauptwerk bezeichnete, beinhalten mehr SM, Bondage, Unterwerfung und Abgründe als alles, was im Zusammenhang mit „Fifty Shades of Grey“ angeführt wurde und werden letztlich nur von Kleist übertroffen.

Das Hauptproblem, welches gewisse Leute mit E. L. James haben, scheint mir – und ich scheue mich nicht, diese banale, aber leider wahre Feststellung laut und deutlich und weithin hallend vernehmbar auszusprechen! – ihr Erfolg zu sein. Jemand, der sein Werk als Twilight-Fan-Fiction begonnen und bei einem australischen Kleinverleger drucken lassen hat und dann binnen kürzester Zeit weltweit über 30 Millionen Exemplare verkaufte: So jemand darf einfach kein Niveau haben!

Die Autorin gebe Sadomaso- und Bondage-Praktiken fehlerhaft wieder? Schön zu sehen, wie viele Experten hierfür in den Redaktionen sitzen – aber andererseits liegt Böhmen bei Shakespeare bekanntlich auch am Meer!

Ihr mangele es an metaphorischer Begabung? Daß sie eine solche unter Beweis zu stellen beabsichtigte, ist mir nicht aufgefallen – interessanterweise wird zumindest in Kreisen nichtprofessioneller Literaturkritik (Amazonkundenbewertungen, youtube-Kommentare) meines Erachtens zurecht betont, daß gerade ihr Verzicht auf metaphorische Umschreibungen sexueller Aktionen, welche die Lektüre anderer Werke aus diesem Bereich so unangenehm machten, einer ihrer nicht unerheblichen Vorzüge sei; und dies auch von Leserinnen und Lesern, die dem Ganzen auch eher skeptisch gegenüberstehen. Beim Durchblättern stellte sich bei mir ein vergleichbarer Eindruck ein.

Ein Vorzug ist zudem darin zu sehen, daß E. L. James auf im eigentlichen Sinne obszöne und pornographische Begriffe und Formulierungen verzichtet – einigen Quellen zufolge soll hier die deutsche Übersetzung etwas direkter ausgefallen sein; aufgefallen ist mir das nicht.

Die Prosa von E. L. James verfügt nicht über das ästhetische Reflexionsniveau Marcel Prousts oder Thomas Manns – gut, aber das hat meines Wissens auch niemand behauptet, weder ernstlich, noch im Scherz. Niemand hat die Absicht, ihr den Literaturnobelpreis zu verleihen, und besonderes sprachliches Niveau ist in unserer möglichst degetokompatiblen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, wie sie insbesondere von den Vertretern des Dilettantenstadls vom Wörthersee produziert wird, überdies ohnehin nur selten zu erwarten – erinnert sei an die Feststellung von Michael Lentz, bei der Lektüre Thomas Manns verspüre man wieder einmal die Verpflichtung, wirklich hart an der Sprache zu arbeiten: Also nicht „hart ficken“, sondern „hart an der Sprache arbeiten“ – kein kleiner, wohl aber ein feiner Unterschied!

Hinter Bret Easton Ellis, Nicholson Baker oder Michel Houellebecq braucht sich E. L. James kaum zu verstecken – diese Autoren treten intellektueller auf, erweisen sich aber aufgrund ihres von ihnen selten eingehaltenen hohen Anspruchs als der etwas zurückhaltender auftretenden Kollegin ästhetisch nur geringfügig überlegen.

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„Fifty Shades of Grey“ strahlt womöglich nicht jene gefährliche Faszination aus, jene „Wollust der Hölle“, welche für Friedrich Nietzsche in „Ecce homo“ das Besondere des „Tristan“ ausmachte; eine gleichermaßen schauerliche wie süße Unendlichkeit von „fünfzig Welten fremder Entzückungen“ – oder vielleicht doch?

Welche Bilder ein Werk der Literatur, welchen Ranges auch immer, in der jeweiligen Leserin oder im jeweiligen Leser entstehen läßt, welche Emotionen es hervorruft und welche Gedanken es in Gang setzt, läßt sich kaum ermitteln – das ist der Bereich des gemeinhin Subjektiven. Ein paar objektivierbare Aspekte der „Fifty Shades of Grey“ wollen wir uns aber im Folgenden vor Augen führen.

Gemäß dem Ausspruch von Karl Kraus, ein Feuilleton zu schreiben bedeute, auf einer Glatze Locken zu drehen, ist das Gebiet der Intertextualität ein bevorzugtes Feld für Feuilletonisten zum Ondulieren, also wenn es darum geht, auch noch die erbärmlichsten Produkte den selbsternannten und selbstverliebten „happy few“ schmackhaft zu machen. Warum dann diese merkwürdige Ungleichbehandlung im Bezug auf „Fifty Shades of Grey“? Pardon – die Frage war naturgemäß (ich könnte natürlich auch einfach nur „natürlich“ schreiben, aber ich will ja zeigen, daß ich Thomas Bernhard gelesen habe – deswegen schreibe ich „naturgemäß“!) rein rhetorischer Natur.

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Einer der wichtigsten intertextuellen Bezugspunkte ist Thomas Hardys „Tess of the D’Urbervilles“ – von Ina Hartwig auf einen „Klassiker der sexuellen Unterwerfung“ reduziert, von Julika Griem hingegen etwas genauer ins Visier genommen. Eine adäquate Auseinandersetzung mit „Fifty Shades of Grey“, fernab aller Pauschalverdammungen à la „Softporno“ (Nebenbei: Wäre es denn besser, wenn es sich hierbei um einen „Hardcoreporno“ handelte? Ich mag jedenfalls beides nicht – ich mag lieber Texte voller subtiler intertextueller Anspielungen!), müßte diesem Beziehungsgeflecht, wie es ja auch in einigen Gesprächen zwischen Ana und ihrer Freundin Kate sowie Ana und Christian thematisiert wird, konsequent nachspüren. In den späteren Bänden scheint Charlotte Brontë mit ihrer „Jane Eyre“ stärker ihr Recht zu fordern; hier gilt ein gleiches.

Das lesefaule deutschsprachige Feuilleton sucht bis heute seine vorgebliche Souveränität immer wieder durch Bezugnahme auf den „Blade Runner“ unter Beweis zu stellen, scheint aber immer noch nicht allzu viel von „Do Androids dream of electric Sheep?“ zu wissen: E. L. James hingegen ist kein Vorwurf zu machen, wenn sie es bei filmischen Anspielungen beläßt – neben dem Androidenjäger wird auch auf „Stepford-Blondinen“ rekurriert, um die Emotionslosigkeit und Gefühlskälte unserer Gegenwart anzudeuten.

Ein weiterer Aspekt, den es zu bedenken gäbe, wäre in der Problematik der Rollenprosa zu sehen. „Fifty Shades of Grey“ ist aus der Perspektive der Anastasia Steele geschrieben, größtenteils im Präsens. Wie es aussieht, scheint die Autorin durchaus ein Konzept mit der offenkundigen Diskrepanz zwischen der außergewöhnlichen Belesenheit ihrer Heldin (von Shakespeare über Jane Austen und alle großen Viktorianer bis hin zu Henry James und F. Scott Fitzgerald!) und ihrer Rolle als Naivchen verfolgt zu haben – durchaus korrespondierend mit ihrer einfachen, bisweilen saloppen, nie aber primitiven oder gar vulgären Ausdrucksweise. Inwiefern dieses Konzept über drei dicke Bände hinweg tragfähig ist und auch durchgehalten wird, oder auch Schwachstellen und Leerläufe aufweist, müßte herausgearbeitet werden.

Das gilt auch für die Lieblingsallegorien der Ich-Erzählerin – ihr „Unterbewußtsein“ (so etwas wie ihre Ratio) und ihre „innere Göttin“ (so etwas wie ihr Gefühlsleben). Beide provozierten heftige Kritik – „Pseudo-Esoterik“ sei die letztere, wohingegen ersteres von einem Unverständnis der Freudschen Terminologie zeuge. Ich weiß nicht recht – können beide nicht einfach für sich selbst stehen, ohne auf einen wie auch immer gearteten Überbau zu verweisen? Ein Manierismus – nichts mehr, nichts weniger, vielleicht aber durchaus originell? Auf jeden Fall zählen die Stellen, da wir über beider jüngste Machenschaften informiert werden – und was die beiden so mit- oder besser gesagt: Gegeneinander treiben, das hat es wirklich in sich! – , für mich zu den witzigsten der Trilogie: Unfreiwillig komisch ist das keineswegs. Im übrigen war mancher Kritiker auch nicht gerade glücklich über die Personalisationen „ER-Halm“ und „ICH-Halm“ in Martin Walsers „Brandung“.

Fifty-Shades-Of-Grey---Gsp---2015[1]

Wie schon gesagt, scheint mir der erste Band der literarisch ergiebigste zu sein. Das Thema der vertraglich geregelten sexuellen Unterwerfung, dabei das der sich vertiefenden Liebe Anas zu Christian, ihrer Bemühungen, die eigene Unabhängigkeit zu bewahren, und schließlich ihrer Trennung von Christian, den sie gleichwohl weiterhin liebt – dies alles wird geradlinig und konsequent entwickelt. Umschweife gibt es nicht, wohl aber so manche Andeutungen und dunkle Ecken: Die Mutmaßungen über Christians Vergangenheit und die Frage, warum er sich einerseits zum Kämpfer gegen den Hunger in der Welt, andererseits zum Kontrollfreak entwickelte.

Das alles wird von der Autorin durchaus kunstvoll in der Schwebe gehalten und weist einiges an Potential zu einer wirklich großen Liebesgeschichte auf – leider fasert das in den Folgebänden immer stärker auf. Nebenhandlungen, die mit der Kernproblematik nichts zu tun haben, strecken die Geschichte unnötig, und mit der Aufklärung von Christians Vergangenheit wird einiges vom möglichen atmosphärischen Zauber des ersten Teils zunichte gemacht. Ein paar Rückblenden und Perspektivwechsel lassen die Geradlinigkeit des ersten Teils zugunsten einer gemäßigten Form von Modernität hinter sich, die heute schon zum Standardrepertoir eines jeden Serienkiller-Thrillerautors sowie Stephen Kings zählt, den das Feuilleton in deutschen Landen heutzutage hofiert, früher aber – wie auch anders? – ignorierte, und die gegenüber traditionelleren Ansätzen mittlerweile merkwürdig abgestanden und reizlos wirkt.

Ferner sollte dem Motiv des Ikarus mehr Beachtung geschenkt werden – zumindest im ersten Band stellt er vielleicht die wichtigste mythologische Identifikationsfigur für Ana dar. Sie sieht sich quasi als weiblichen Ikarus, dessen Sonne Christian ist. Er zieht sie an, aber sie versucht gleichwohl, darauf zu achten, daß er das Wachs ihrer Flügel nicht zum Schmelzen bringe. Dies erfahren wir aus ihren Reflexionen, und einmal erwähnt sie es auch im Gespräch mit ihm. Ihr ist es darum zu tun, am Leben zu bleiben, und nicht, wie es Herbert Hinterleithner in seinem „Ikarus“ aus den „südlichen Terzinen“ formuliert, der Schwere singend vergessen „mit entzündetem Gefieder“ von den Höhen ihrer Seligkeit als „Fackel in kristallne Meere“ niederzustürzen.

Auch fällt der Begriff der Erlösung im Zusammenhang mit Beschreibungen des Geschlechtsaktes auf; so, als sollte hier über die Darstellung des Strebens nach bloß sexueller Erfüllung hinaus der Bereich der Transzendenz mitangesprochen werden – blind tastet der Mensch im Sinnentaumel nach dem Göttlichen.

Letztlich erweist sich „Fifty Shades of Grey“, und das ist keine negative Kritik, als eine insgesamt eher viktorianische Angelegenheit – mehr noch: Als Transposition eines dreibändigen viktorianischen Romans ins frühe 21. Jahrhundert, in die Welt der iPods, BlackBerrys und Smartphones; in eine Welt fast ohne sexuelle Tabus, deren Bewohner durch ihr gleichermaßen verzweifeltes wie hemmungsloses Streben nach immer ausgefalleneren Formen sexueller Ekstase letztlich auch nur das Streben nach Erlösung von irdischen Zwängen offenbaren. Jenseits von Helikoptern, Penthäusern, Kabelbindern, Kreppbändern, Floggern und Safewords schimmert nicht allein das Ideal der bürgerlichen Ehe hindurch, die Ana und Christian am Ende zuteil wird, sondern zugleich auch die Idee der reinen, wahren, ewigen Liebe – und das ist wahrlich ein guter Gedanke und eine erfreuliche Botschaft! Wie drückt es Brünnhilde in einer verworfenen Fassung des Schlusses der „Götterdämmerung“ aus?

„Nicht Gut, nicht Gold,
noch göttliche Pracht;
nicht Haus, nicht Hof
noch herrlicher Prunk:
nicht trüber Verträge
trügender Bund,
noch heuchelnder Sitte
hartes Gesetz:
selig in Lust und Leid
läßt – die L i e b e nur sein.“

Ein handwerklicher Einwand aber sei mir zum Schluß noch gestattet: Auf den ersten ein- , zweihundert Seiten schreibt Ana sinngemäß, ihre innere Göttin habe an sich Cheerleader-Qualitäten entdeckt. An wesentlich späterer Stelle wird der Begriff des Cheerleaders im Zusammenhang mit Anas innerer Göttin noch einmal aufgegriffen. Für meinen Geschmack hätte hier etwas deutlicher werden sollen, daß der Begriff schon einmal gefallen ist und hier quasi bestätigt oder vertieft wird. Aber auch dies ist zunächst nur eine rein subjektive Position – eine allererste persönliche Stellungnahme.

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Deutschsprachige Ausgaben:

Shades of Grey 01 – Geheimes Verlangen, Übersetzung: Andrea Brandl und Sonja Hauser, Goldmann Verlag, München 2012, ISBN 978-3-442-47895-8

Shades of Grey 02 – Gefährliche Liebe, Übersetzung: Andrea Brandl und Sonja Hauser, Goldmann Verlag, München 2012, ISBN 978-3-442-47896-5

Shades of Grey 03 – Befreite Lust, Übersetzung: Andrea Brandl und Sonja Hauser, Goldmann Verlag, München 2012, ISBN 978-3-442-47897-2



THRILLER, DIE MAN GELESEN HABEN SOLLTE: BLUTHUNDE von Don DeLillo by Martin Compart

Don DeLillo ist einer der großen Verschwörungstheoretiker. Aber ihm nimmt es das Feuilleton nicht übel, denn DeLillo hat mehr Literaturpreise gewonnen als die meisten Mainstream-Zeitungen noch Abonnenten haben.

06/00/1991. American Author Don Delillo

DeLilo wird von den Medienkellnern der Literaturseiten gerne mit dem Begriff „postmodern“ belegt. Bei SIEBEN SEKUNDEN begründet das Der Spiegel mit der Beobachtung, dass in dem Roman fiktive Figuren auf historische stoßen. Oha, dann ist wohl Charles Dickens (A TALE OF TWO CITIES) ebenfalls ein „postmoderner“ Autor. „Postmodern“ ist lediglich ein völlig hirnverbrannter Begriff aus den vollgekotzten Schubladen des Marketings, der impliziert, dass es irgendwann mal eine ästhetische Wetterscheide gegeben habe, nach deren Grenzüberschreitung anders als zuvor geschrieben werde.

Tatsächlich gibt es aber seit den 1980er Jahren (in denen manche dieser verzweifelt um Schubladenoriginalität bemühten Hirnakrobaten, überwältigt von ihrer eigenen Wortgewalt, diese „Postmoderne“ verorten) stilistisch nichts epochal Neues. Auch nicht unter der trüben Sonne Klagenfurts.
Kerouac, Burroughs, Vian, Mailer, Robbe-Grillet, Manchette, Pynchon und ein paar weitere füllten bereits in den 1950er- bis 1970ern die literarischen Werkzeugkästen, aus denen man sich bis heute bedient.

runningdog_first_ed[1]Um die Kultur nicht in den öden Festungen subventionierter Kritiker zu isolieren, sollte man sie, wie es ihre Existenz ausdrücklich verlangt, eher an der Realität anmessen. Dann könnte man zumindest seit 2001 von einer Kultur, bzw. Literatur, der „Postdemokratie“ sprechen, was sie ja häufig thematisiert.

Seit der Bankrottrüstung der Sowjetunion und spätestens seit 9/11 rechtfertigen die Lebensgrundlagenzerstörer (Neo-Con ist ein ebenso falscher Begriff wie „postmodern“, denn er beleidigt all das, wofür ein aufrechter Konservativer steht) ihre globalen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Umwelt mit der Marktwirtschaftsphrase. Dank Banker, Konzernlenker und ihren eingekauften politischen Heloten hat die Vernichtung unseres Planeten eine nie gekannte Virtuosität erreicht.

Ich habe schon häufig darauf hingewiesen, dass sogenannte E-Literaten immer häufiger Ausflüge in sogenannte U-Genres machen (wahrscheinlich um ihrem Biedermeier zu entkommen), besonders gerne in die Noir-Literatur.

Hemingway, Mailer, McCarthy, Pynchon taten dies bereits vor Jahrzehnten aus edleren Gründen.

Don DeLillo tat dies ganz unmissverständlich 1978 mit RUNNING DOG. Pop-Kultur war immer bedeutsam für seine Bücher und Weltsicht, aber in diesem Roman nutzte er ganz bewusst die  Strukturen des Thrillers. Oder wie es Joachim Kalka 1999 in der FAZ in einer der brillantesten Besprechungen von BLUTHUNDE ausdrückte: kreist die Handlung „in einem Dekor von verschwenderischer Noir-Ausstattung“ um „ein leeres Zentrum: Es gibt etwas, das alle haben wollen, von dem man aber nicht genau weiß, was es ist, wer es hat, ob es existiert“.

Dies ist DeLillos Jagd nach dem MALTESER FALKEN, der bei ihm ein Pornofilm aus den letzten Tagen im Führerbunker ist und dessen Schale am Ende des Romans ähnlich aufgekratzt wird wie bei Hammett. Und wie bei Hammett ist es auch für DeLilo lediglich ein McGuffin – einer der aberwitzigsten der Noir-Literatur (der Begriff „McGuffin stammte von Alfred Hitchcock und benannte das zugleich sinnlose oder sinnvolle Motiv, das „die Handlung zum laufen bringt oder am laufen hält“). Dem Zeitgeist entsprechend, gibt es in BLUTHUNDE keine integre Figur wie Sam Spade. Mordende wie Ermordete sind schuldhaft in die Intrigen des Systems verwickelt.

Im Echo von Kennedy-Attentat, Vietnam, Watergate, Sixties-Revolte und Church-Ausschuss hat DeLillo BLUTHUNDE mit ebenso unterhaltsamem wie symbolisiertem Personal bestückt: einen Geheimagenten, zwei Journalistinnen des ehemals radikalen Magazins „Bluthunde“, einen Senator (der in einem dem Church-Ausschuss nachempfundenen Komitees mitmischt), den Boss des militärisch-industriellen Komplexes, einen Mafia-Don, einen alternden Erotika-Händler und andere illustre Gestalten. bluthunde-9783442446025_xxl[1]

Der Agent Selvy arbeitet, von Steuergeldern bezahlt, für Senator Lloyd Percy als eine Art Referent. Seine wirkliche Aufgabe ist es, belastendes Material gegen den Senator zu sammeln, dass Geheimdienste und der militärisch-industrielle Komplex gegen ihn verwenden kann. „Er fühlte sich vom Dreck seines Berufs nicht beschmutzt.“ Selvy ist der Strohmann für eine vor der Öffentlichkeit verborgenen Neigung des Senators: seine millionenschwere Erotika-Sammlung, der auch der Nazi-Porno einverleibt werden soll. „Es gefällt dem Herrn, dass nur wenige von uns über das nötige Kleingeld verfügen, um solchen Neigungen nachzugehen.“

Zynisch betrachtet DeLillo die perverse Nazi-Faszination durch den Zwischenhändler Lightborne: „Film spielte eine ganz wesentliche Rolle in der Nazi-Ära. Mythos, Traum. Erinnerung… faszinierend: Die ganze Nazi-Ära. Die Leute können nicht genug davon kriegen. Wenn´s um Nazis geht, kommt automatisch Erotik ins Spiel. Die Gewalt, die Rituale, das Leder, die Schaftstiefel. Die ganze Begeisterung für Uniformen und das ganze Brimborium. Hitler hat seine Nichte ausgepeitscht, haben Sie das gewußt? Verhilft derlei Material den Leuten dazu, ihren Orgasmus aufzuwerten?“

Der Roman steht ganz in der Tradition der amerikanischen Conspiracy-Romane und Paranoia-Filme der 1970er. Geschockt von den Reformen der 196oer Jahre, die aus dem Ruder gelaufen waren, begann die Reaktion vehement aufzurüsten und setzte zu Beginn der 1980er gar mit Reagen den ersten Soldaten-Präsidenten ins Weiße Haus. DeLilos schwarzer Polit-Thriller verdeutlicht diese Zeit, die soviel mit unserer Gegenwart zu tun hat.

Aus einem Dialog zwischen Selvy und der Bluthund-Journalistin Robbins:

„BLUTHUND war einstmals ein Organ der Unzufriedenen.“
„Ja, wir waren ziemlich radikal.“
„Heute völlig etabliert.“
„Völlig würde ich nicht gerade sagen.“
„Teil der ständig expandierenden Mitte.“

Kein Thriller für Leser, die zur Genügsamkeit bei geistiger Nahrung neigen.

 



Komickatapion von Noahr-Autor Joan Marie Mahnnkett in der ZDF-Kulturzeit by Martin Compart
20. Januar 2015, 7:19 pm
Filed under: Deutsches Feuilleton, MANCHETTE, TV | Schlagwörter: ,

Wer bisher geglaubt hat, die Deppen vom Lerchenberg sitzen vornehmlich in den Unterhaltungs- und Serien-Redaktionen, wurde eines Besseren belehrt:

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=48828
1:45, die man gesehen haben muss, um es zu glauben.



WEISE WORTE by Martin Compart

„Politiker und Journalisten gleichermaßen sollten die Bedürfnisse ihrer Leser und Wähler n i c h t d a u e r h a f t außer Acht lassen.«

Außenminister Steinmeier, der noch nie eine Wahl außerhalb der Parteigremien gewonnen hat, vor den Medienkellnern bei ihrer Selbstbeweihräucherung am 14.11.2014 („Lead“ -hahaha -Awards).
http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/peter-harth/-voll-auf-die-presse-journalismus-in-der-glaubwuerdigkeitskrise.html

Zu den Mainstream-Medien, zwei Lesetipps:

Zu den wenigen kritischen Intellektuellen in diesem unseren Lande, die diesen Namen verdienen, gehört seit Jahrzehnten Georg Seeßlen. Als Kulturanalytiker hat er sich seit den 1970ern einen Ruf wie Donnerhall erworben, da er Filme und insbesondere Genre ideologiekritisch bis auf die Knochen abgenagt hat und mit seiner Grundlagenarbeit das Bewusstsein veränderte. Zusammen mit Markus Metz hat er ein Folgebändchen zu BLÖDMASCHINEN. DIE FABRIKATION DER STUPIDITÄT (Suhrkamp) geschrieben, in dem sehr schön zusammengefasst wird, wie die Mainstream-Medien, im Verbund mit Politik und Wirtschaft, uns daran hindern, die eigenen Interessen zu erkennen, und mit welchen Strategien die Verblödung der Bevölkerung weiter voran getrieben wird:
http://www.amazon.de/Kapitalismus-als-Spektakel-Bl%C3%B6dmaschinen-Econotainment/dp/3518062565/ref=sr_1_3?s=books&ie=UTF8&qid=1417353129&sr=1-3&keywords=georg+see%C3%9Flen

Der Politologe Hans-Peter Siebenhaar (vom HANDELSBLATT) beleuchtet Skandale und skandalöse Strukturen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in:

http://www.amazon.de/Die-Nimmersatten-Wahrheit-%C3%BCber-System/dp/384790518X/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1417353400&sr=1-2&keywords=hans+peter+siebenhaar
Über Christine Strobl, der Chefin der ARD-Tochter Degeto (die zwischen 2013 und 2016 über eine Milliarde Gebühren-Euro für die Produktion der üblichen Drecksserien und Fernsehfilme ausgeben darf) schreibt Siebenhaar: „Christine Strobl, die älteste Tochter von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Ehefrau des baden-würtembergischen CDU-Vorsitzenden Thomas Strobl… hatte sich im Sender SWR angeblich als Modernisierung des Tigerenten Clubs zuvor einen Namen gemacht.“
Es ist doch beruhigend, das unsere Gebühren für Vetternwirtschaft und Korruption genutzt werden, statt etwa für subversives oder aufklärerisches Qualitätsfernsehen.