Martin Compart


Dr.HORROR: Vor dem Spiel ist nach dem Spiel by Martin Compart

Heute geht Dr.Horror einem der vielen Bluffer und Versager nach, die früher als Wirtschaftskapitäne bezeichnet wurden.
Heute ist „Niete im Nadelstreifen“ ein anerkannter Lehrberuf und die Absolventen ermöglichen dem Kapitalismus so manche zusätzliche Krise. Damit haben sie im Umverteilungsprozess von unten nach oben eine nicht unbedeutende Aufgabe.
Erinnern wir uns nur kurz an die wunderbare Bankenkrise, die ohne Gier und Inkompetenz der Nieten im Nadelstreifen nicht möglich gewesen wäre. Aber Dank ihrer zielgerichteten Dämlichkeit wurden immense Verluste erwirtschaftet, die dann sozialisiert und von den unteren 80% der Bevölkerungen bezahlt wurden.
Solche gelungenen Umverteilungen verlangen natürlich ihre Boni!

Helmut Mehldorf pinkelte im Stehen. Nur mühsam reichte sein Pullermann an den Beckenrand des Klosetts.

Mehlstadt überließ sich seinen Gedanken, während das Wasser floss. Immerhin war er gerade Aufsichtsratsvorsitzender der Airlines of Russia geworden und überlegte schon, wie er mit viel Gebraus über den russischen Schlendrian fegen würde, da vernahm er eine Stimme.

Vor Schreck pinkelte er daneben.

Verdutzt sah er sich um. Da war niemand. Dafür war die Kabine zu eng.
Irgendwie kam ihm die Stimme bekannt vor.
Mehduft öffnete die Tür und wankte zurück auf seinen Sitz in der First Class auf dem Flug nach Moskau.

„Mehlwurm! Mehlwurm!“, rief ihm die Stimme aus dem Klosett nach.
Mehlohr schüttelte den Kopf: Werde ich verrückt – oder bin ich es schon?
Er kramte in seinem Namensgedächtnis und ließ Namen Revue passieren, die zu der Stimme passen könnten: Dr. Oetker? Meister Proper? Beide Marken hatte er saniert. Ronald Pofalla? Pofallas Ziehmutter Merkel? Nein, unmöglich, dafür klang die Stimme zu – wie soll man sagen: männlich.

„Mehlwurm!“

Der Ruf klang wie eine Anklage.
War es die Stimme Gottes? Hatte seine letzte Stunde geschlagen? Wurde über ihn gerichtet?

„Nein!“, schrie er. „Ich habe die Bahn nicht kaputtgespart. Ich habe sie saniert.“
Die anderen Fluggäste guckten betroffen.
Mehlschwitz war die Situation, in die ihn die Stimme gebracht hatte, sichtlich peinlich.
„Ich habe die Logistik der Bahn gepäppelt, klar, das war auch bitter nötig, denn die Politik wollte, dass ich mehr Verkehr auf die Schiene bekomme. Vor meinem Amtsantritt hat die Bahn rote Zahlen geschrieben. Als ich fertig war mit Sanieren, waren es 2,4 Milliarden Euro Gewinn.“

„Aber die Berliner S-Bahn“, keifte eine Frauenstimme aus der zweiten Reihe, die keine Geisterstimme war.

„In keine andere S-Bahn wurde mehr investiert, gnädige Frau“, keifte Mehlsaft zurück. „Wenn es da Probleme gibt, haben sie die Zulieferer zu verantworten.“
Er machte ein griesgrämiges Gesicht, das Ähnlichkeit mit einer rohen Kartoffel hatte. Die in der Nähe saßen, schwiegen betroffen.

Nur die Geisterstimme schwieg nicht: „Ganz recht, Volksgenosse Mehlbier. Räder müssen rollen für den Sieg. Darum auch ist meine Wahl auf dich gefallen.“
Pardauz, die Stimme, die aus ihm oder besser: die zu ihm sprach, gehörte dem Geist von Adolf Hitler! Für einen Augenblick war Mehlohr sprachlos. Als er seine Sprache wiederfand, flüsterte er, dass er sich sehr geehrt fühle für das Privileg, aber er habe jetzt einen Vertrag mit den Russen, auch da gebe es einiges zu sanieren und so weiter und so fort…

„Einen Vertrag … mit den Russen?“ Die Geisterstimme des ehemaligen Führers überschlug sich. „Mit Stalin etwa?!“

„Nicht ganz so“, redete Mehwert um den heißen Brei herum. „Mit Putin!“

„Putin? Wer ist Putin? Ist das ein Geflügel? Du, ein Stalingrad-Kind, du arbeitest für die Bolschewiken?! Du, der Sohn eines Stalingrad-Kämpfers?!“

Der VW-Manager, der uns verloren ging.

Jetzt hatte ihn der Führer bei seiner Herkunft gepackt.
Mehlort war in der schlimmsten Phase der Schlacht um Stalingrad zur Welt gekommen, während seine Mutter um das Leben des heldenhaften Vaters bangte, der zum Stab von Paulus gehört hatte. Er fasste sich an den Kopf.

Eine Stewardess wollte wissen, ob sie dem Fluggast ein Glas Wasser und ein Aspirin reichen dürfe.
„Verschwinde!“, blaffte Mehlmann und widmete sich wieder seinen Gedanken und seinem neuen Auftraggeber.

„Du, Mehlspitz, sollst meine Wehrmacht sanieren!“, verlangte der.

„Aber, mein Führer, die ist doch schon kaputtgespart“, warf Mehlmilch ein.
Die Fluggäste wurden gebeten, sich anzuschnallen. Es würden einige Turbulenzen erwartet.

„Du sollst nicht sparen! Privatisieren sollst du sie und an die Börse bringen!!!“

„Die Bundeswehr? Einen Teilbetrieb oder alles zusammen?“

Die Geisterstimme Hitlers gurgelte unverständlich. Mehlwut hörte sie über diesen „jämmerlichen Haufen“ schimpfen: „Nicht Bundeswehr! Wehr-macht-Aktiengesellschaft. Alles komplett.“

Die Ideen des Führers waren wie immer verblüffend. Ja, dachte Mehdom, der Plan könnte funktionieren. Zwar funktionierte nur noch wenig in Deutschland: Straßen barsten in der Gluthitze, die Elbphilharmonie war ein Labyrinth, Flughäfen wurden angefangen und nicht fertig gebaut, Politiker trugen Dackelkrawatten statt Uniform-Braun, ein CSU-Innenminister hatte den in Tunis geborenen Migranten Roberto Blanco einen „wunderbaren Neger“ genannt, deutsche Fußballer steckten gegen die Nachkommen des Rebellen Pancho Villa eine Niederlage ein. Ja, wo sind wir denn? Gegen Mexiko!!! Aber der Glaube an die deutschen Waffen war schließlich ungebrochen. Selbst im Zeitalter des Cyberkriegs. Dafür hatte der Führer gesorgt. Auf die Führung kam es an.

Mehlsupp stellte sich vor, wie der Führer grinste und die Hand zum deutschen Gruß erhob. Auch Mehltank hob jetzt die Rechte.
Die Stewardess sah ihn fragend an.
Mehlmark starrte entgeistert zurück. Die Stewardess sah Eva zum Verwechseln ähnlich: Eva Braun.
Nicht die Außerirdischen, die Nazis waren wieder gelandet, alte Bekannte aus grauen Tagen.

„Selbstverständlich müssen einige der älteren Generäle liquidiert werden!“, verlangte die Stimme.

„Selbstverständlich!“ Mehlmuts Zeigefinger strich über den hässlichen Schmiss, den er sich als Burschenschafter geholt hatte. Außerdem war er ja Hauptmann der Reserve. Er hatte gedient und nicht verweigert. Vielleicht, nein, bestimmt war die Wahl des Führers auf den Richtigen gefallen. Liquidieren, das sollte kein Problem sein. Wofür gab es die Russen-Mafia? Er würde da nach der Landung in Moskau gleich mal einen Wink mit dem Zaunpfahl geben. Und dann, ja, dann müsste er Ronald Pofalla im Bahnvorstand anrufen. Der hatte immer noch eine direkte Leitung zur Kanzlerin und würde ihr eine entsprechende SMS schreiben.

Hitler hatte recht. Die Wehrmacht-Aktien werden uns alle reich machen. Es müsste nur einen Dritten Weltkrieg geben. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Mehlwurst überlegte schon, in welches Land sie am besten einfallen könnten. Da kamen ja einige infrage.

Die Maschine setzte zur Landung an. Mehlwahn schreckte aus seinem Schlummer. Es war alles nur ein Traum. Wie konnte er, ein aufrechter Demokrat, nur solchen Blödsinn träumen? Und doch, irgendwie fühlte er sich geehrt, dass Hitler ausgerechnet ihn angesprochen hatte. Er schnallte sich an. In seinem Hirn arbeitete es fieberhaft.

Rolf Giesen

Werbeanzeigen

2 Kommentare so far
Hinterlasse einen Kommentar

https://quillette.com/2018/06/20/notes-from-an-academic-paper-mill/
lässt tief blicken wie akademische Grade erlangt werden!

Kommentar von Martin Däniken

Der Zusammenhang mit Guttenberg ist mir nicht klar.

Kommentar von Martin Compart




Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: