Martin Compart


MiCs TAGEBUCH by Martin Compart
22. Januar 2017, 7:54 pm
Filed under: Allgemein

MiCs Tagebuch spezial

Anlässlich des 20. Januar

ALL THE PRESIDENT‘S CON-MEN

Mit 2,49 Millionen Stimmen hinten liegen und trotzdem 45. US-Präsident werden. Freunde, bedarf es eines deutlicheren Beweises für die Lächerlichkeit der 20 Monate währenden Multimedia-Farce, die sich US-Wahl nannte? Bush der Dümmere hatte im Jahre 2000 nur 550.000 Stimmen weniger als Gegenkandidat Gore. Seine Präsidentenkür musste damals der Oberste Gerichtshof noch per Dekret anweisen, in dem er eine Neuauszählung der abgegebenen Stimmen in Florida untersagte.

17 Jahre später ist soviel Demokratiezinnober nicht mehr erforderlich. Das freundliche Gesicht des Systems tritt ab (BO, der Friedensnobelpreisträger und Dronenkrieger, Whistleblowerjäger und Bankerfreisprecher) und die ungeschminkte Fratze des Großkapitals, DJT, tritt an. Heute braucht der Spät-Kapitalismus keine strahlenden Verkäufer mehr. Alle Welt hat längst kapiert, dass er „alternativlos” ist. Wer anderer Meinung sein sollte, den bestrafen die Massenvernichtungswaffen des Systems: IMF und Weltbank. Bei ganz und gar Renitenten eilt die militärische Schutzmacht zur Rettung herbei. Der systematisch verblödete Populus in den USA – und nicht nur dort, wie der Blick auf die erstarkende Rechte in Frankreich, Polen, Ungarn, England und hierzulande lehrt – liegt derart danieder, dass er in Gestalten wie dem heute inthronisierten das Heil sucht.

Im 21. Jahrhundert gilt mehr als zuvor: Jedes Volk wählt sich die Regierung, die es verdient. Diese Wahrheit ist auch bei einem Sieger mit 2,49 Millionen Stimmen weniger als seine Gegenkandidatin HRC gültig. (Mir sträubt sich alles, die Namen dieser Subjekte länger auszuschreiben.) Bei der Alternative zwischen Kandidat Pest oder Kandidat Cholera, haben sich die Wahlroboter für die leichter auszusprechende Krankheit entschieden. Tödlich verlaufen bekanntlich beide, wenn die Patienten nicht richtig behandelt werden. Wer sich die Regierungsmannschaft des Grauens anschaut, die ausnahmslos aus Milliardären und Millionären, Abtreibungsgegnern, Evangelisten, Klimawandelverneinern, Kreationisten, Militaristen, Rassisten, Steuerbetrügern, Subventionsschwindlern, und natürlich Goldman Sachs Mitarbeitern besteht, der weiß was geschieht. Nämlich nichts. Jedenfalls nichts von dem, weshalb DJT von seinen zahnlosen White-Trash Fans gewählt wurde. Wer die Amtsantrittsrede von DJT liest und sich dazu eine Sitcomtonspur mit Gelächter vorstellt, der bekommt richtig Spaß. Wer sich das nicht antun will, bekommt trotzdem Spaß, denn ausbaden müssen den Mist bekanntlich alle, auch diejenigen, die nicht für den Schwachmaten und seine Kotztruppe gestimmt haben.

Reichtum korrumpiert. Großer Reichtum macht größenwahnsinnig. Es besteht kein Unterschied, ob DJT mit allen Mitteln versucht, Anlieger seines Golfplatz-Ressort in Schottland zum Verkauf ihrer Grundstücke zu nötigen, damit er seinen Immobilienbesitz vergrößern kann, oder ob Facebook-Zuckerberg auf Hawaii Ureinwohner per Klage zwingen will, ihre Strandgrundstücke an ihn zu veräußern, damit er seinen Immobilienbesitz vergrößern kann. Egal wie nett „Zucki” daherkommt.

Die Ursache für die Unruhe in der Welt liegt im Finanzmarkt und Corporation getriebenen Spät-Kapitalismus, dem alles dominierenden Wirtschaftssystem, welchem sich mittlerweile sämtliche Nationen verschrieben haben (müssen) – auch Nukleartyrann Kims Nordkorea. Die daraus resultierenden Probleme und Krisen, wie eskalierende Ressourcenausbeutung, globale Klimaerwärmung, großflächige Umweltzerstörung, Vergiftung der Meere und massives Artensterben, die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen reicher Minderheit und armer Mehrheit, kann, vor allem aber will dieses System nicht lösen. Es sind nicht die Folgen, sondern die Voraussetzungen des allein auf Wachstum und Profit beruhenden Wirtschaftssystems. (Corporations, börsennotierte Großkonzerne, können nur eines, „extract capital”, Geld rausziehen und in die Taschen der Shareholder pumpen.) Die unmittelbaren Folgen, wie Kriege und Migration, dauern nicht nur an, sie werden drastisch zunehmen. Die „Globalisierung“, die nie etwas anderes war, als der Versuch der USA, ihre Weltvormachtstellung nach Ende des Kalten Krieges zu festigen und auszubauen, ist in ihrer jetzigen Form der Turbobeschleuniger des Niedergangs.

In unserer ahistorischen Gegenwart wird leicht vergessen, dass ein gewisser Hitler 1933 auch per demokratischer Wahl an die Regierung kam. In Zeiten wirtschaftlicher Not, gestützt von Großkapital und Bürgertum, die naiverweise glaubten, den Schreihals kontrollieren und entsorgen zu können, wenn er ihnen lästig würde. Die Nummer ging anders aus als erwartet. Geschichte wiederholt sich nie gleich, es gibt aber Parallelen zu den unruhigen Jahrzehnten des frühen 20. Jahrhunderts. Eine der Lehren aus Weltwirtschaftskrise 1929 und Depression der 1930er Jahre war eine Zügelung der Kräfte des freien Marktes. Diese Zügelung wurde 1999 abgeschafft. (Stichwort De-Regulierung.) Seitdem herrschen Krisen, Unruhe und Terror, dominieren Angst und Zynismus die Gefühlswallungen des Populus – und Wut. Aus den Millionen „kleiner Männer”, die nichts machen können, sind Heerscharen Stimmzettel mächtiger „Wutwichtel” geworden.

Ein Symptom von Krisenzeiten ist es, dass Typen wie DJT, narzisstisch, vulgär, sexistisch, rassistisch, pubertär, egozentrisch, nationalistisch und verlogen, als Retter betrachtet werden. Die Rachephantasien der Arschgefisteten entzünden sich an der Vorstellung, denen da oben selbst einmal richtig in den Arsch zu fisten. Und dafür suchen sich die Wutwichtel ausgerechnet einen selbstverliebten, größenwahnsinnigen Superreichen, der in einem goldüberladenen Penthouse lebt und Gucci-Schuhe trägt? Klar doch, ein Wutwichtel erkennt eben den anderen.

Schau mir in die Augen, Kleiner.

MiC, 20.01.17

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3 Kommentare so far
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Empfehle Michele Ganser,bin auf den Nachdenkseiten auf den Mann aufmerksam geworden.

Kommentar von Martin Däniken

Ist nicht unbekannt. Aber danke für die Erinnerung. Sein Gladio-Buch ist inzwischen unverschämt teuer und wird wohl auch nicht mehr neu aufgelegt.

Kommentar von Martin Compart

Guckstu Medimops Deutsch 22€ ok und Englisch 146€!!!

Kommentar von Martin Däniken




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