Martin Compart


KLASSIKER DES POLIT-THRILLERS: NENA SAHIB von Sir John Retcliffe by Martin Compart

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Nena Sahib mit Eskorte

Der indische Aufstand war ein Medienereignis, über das 1857 weltweit berichtet wurde. Ähnlich kritisch wie heute über die USA, wurde damals über das britische Imperium reflektiert. Außerhalb des britischen Einflussbereich waren die Mainstream-Medien eher kritisch – eine weitere Parallele.

Über die Situation in Deutschland schrieb Thomas Schwarz in einer Rezension zu Shaswati Mazumdar (Hg.): Insurgent Sepoys. Europe Views the Revolt of 1857. New Delhi 2011, für „Das Argument“ höchst anschaulich:

„Als erster (weltweit)hatte dies Karl Marx in seinen Artikeln für die New York Daily Tribune getan, in denen er beispielsweise auch einen Zusammenhang mit der Finanzkrise desselben Jahres herstellte… Zum Auftakt (des Buches) geht Claudia Reichel auf Theodor Fontane ein, der sich 1855-58 als Korrespondent der preußischen Kreuzzeitung in London aufhielt. sepoy_sm11Fontane machte britische Ignoranz und Arroganz gegenüber einer angeblich niedrig stehenden indischen Kultur für den Aufstand verantwortlich. Die Vorstellung, dass Europa eine mission civilisatrice haben könnte, war Fontane fremd. Ähnlich wie Marx betonte er, dass Hindus und Moslems sich verbündet hatten, um das Prinzip der britischen Kolonialherrschaft, divide et impera, erfolgreich zu unterlaufen. Er betonte die Grausamkeit der britischen Kriegsführung und geriet so zunehmend in einen Gegensatz zur redaktionellen Position der Kreuzzeitung. Um die Ansichten Fontanes zu relativieren, kommentierte die Redaktion einen seiner Artikel mit dem Hinweis, dass die Rebellen nicht vor mörderischen Aktionen gegen Frauen und Kinder zurückschrecken würden…“

Später geht er auf Fontanes Redaktionskollegen Hermann Goedsche ein, der unter dem Pseudonym Sir John Retcliffe zeitgleich die „Mutiny Novel“ NENA SAHIB formulierte und Gegenstand dieses Artikels ist.

Schwarz: “ Anil Bhatti analysiert den Roman Nena Sahib oder die Empörung in Indien von Sir John Retcliffe, der in den Jahren 1858/59 unter dem unmittelbaren Eindruck der Ereignisse entstanden ist. Indien wird einerseits als tropisches Paradies, andererseits als ein höllischer Ort blutrünstiger Menschenopfer dargestellt. Die ostindische Kompanie transformiert das Land in ein Spekulationsobjekt. Der Roman schließt sich der im deutschen kolonialen Diskurs etablierten Auffassung an, dass die Deutschen im Vergleich mit den Briten die besseren Kolonisatoren seien. Bei Retcliffe sind letztere außerstande, ihre historische ›Aufgabe‹ der Kulturmission zu erfüllen. In Nena Sahib erwächst ihnen ein Gegner, dessen Barbarentum durch die Liebe seiner irischen Ehefrau zunächst gezähmt wird – ein literarischer Kunstgriff, der die koloniale Situation Irlands und Indiens parallelisiert. Zum Rückfall Nena Sahibs kommt es, als ein britischer Major seine Frau vergewaltigt. Er wird der Agent der Vergeltung, indem er eine Mörderbande in den Kampf gegen die Kolonialherren führt. Retcliffes Roman orientalisiert die Rebellen zu unbeherrschten Gewalttätern, deren angeblich essenziell rachsüchtige und sadistische Natur in der Revolte durchbricht. Nena Sahib mutiert zum radikalen Terroristen, der antikoloniale Aufstand wird auf einen Ausbruch der wilden Natur gegen die Zivilisation reduziert.“ (1)

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DIE MUTINY NOVEL:

Erstaunlich, dass einer der Begründer dieses äußerst britischen Sub-Genres des Kolonialromans der deutsche Kolportage-Autor Hermann Goedsche, alias Sir John Retcliffe, war. ret21>Heute wenig bekannt, sind seine „Historisch-politischen Romane aus der Gegenwart“ nichts weniger als die ersten Polit-Thriller in deutscher Sprache.

Bis in die 1930er Jahre war Goedsche ein vielgelesener Autor in den unterschiedlichsten Bearbeitungen. Berüchtigt – bis heute – ist er durch ein Kapitel aus seinem Roman BIARRITZ: „Der Judenfriedhof von Prag“ wurde als Grundlage der Fälschung „Protokolle der Weisen von Zion“ benutzt und belegt die Theorien des Antisemitismus als Fiktion.

Der Indien-Roman NENA SAHIB (der, wie immer bei Goedsche, auch Schauplätze auf mehren Kontinenten aufweist) nimmt in Goedsches Werk eine besondere Stellung ein. Er spiegelt zeitgleich das aktuelle Geschehen auf dem Sub-Kontinent während des Sepoy-Aufstandes. Um die Wirkung seiner Darstellung authentisch zu erhöhen, steht im Impressum der Erstausgabe: Englische und deutsche Originalausgabe. Der Roman ist bis heute nicht ins Englische übersetzt worden. Sein Pseudonym Sir John Retcliffe wählte er bekanntlich, um die Glaubwürdigkeit seines Informationsstand zu suggerieren (und um seine Anglophobie noch perfider zu gestalten).

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Kim Wagner hat in seinem Essay über den Roman nachgewiesen, wie sich Retcliffe bei englischen Quellen (etwa den aktuellen Zeitungen und Magazinen) bedient hat, um zeitnahe in seinen Lieferungsromane die Vorgänge in Indien einzuarbeiten. (2) Er hatte keine Probleme damit, auf Werke der von ihm bekämpften Kommunisten zurück zu greifen: In NENA SAHIB nutzte er als Quellmaterial sogar Karl Marx´ Artikel „Über die Folterungen in Indien“ (‘Investigation of Torture in India’, New-York Daily Tribune , 16 Sept. 1857) (3)

Über den alten Reaktionär und preußischen Geheimagenten Goedsche selbst wurde an anderer Stelle schon berichtet: https://martincompart.wordpress.com/category/sir-john-retcliffe/

Natürlich setzte Goedsche die Korrespondentenberichte und Reportagen im Sinne seiner anti-britischen Haltung ein. Dabei blieb er aber nicht einseitig, sondern schilderte auch minutiös die sadistischen Grausamkeiten der Gegenseite. Wagner zitiert Patrick Brantlinger aus Rule of Darkness: British Literature and Imperialism, 1830-1900 (Cornell UP, 1988) : „Goedsche `dehumanizes both the dominated and the imperialist dominators´ but he does so in a markedly different manner from that of his contemporary British writers.“

Interessant ist an dem Roman auch, dass er einen des kontinentalen Blick auf die Vorgänge wirft und z.Bsp. französische Interessen an der Schwächung des Empires formuliert. In bester Conspiracy-Thriller-Manier lässt er Agenten von Napoleon III, (der unvermeidbare Grimaldi) die Meuterei mit anfachen, um die britischen Kräfte in Fernost zu binden.
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Der Roman beginnt 1853 und endet 1857, führt über den ganzen Planeten und hat das für Retcliffe übliche überbordende Personal, das in ausufernden Plots und Subplots verwickelt ist. Strukturell kann man – wie schon in SEBASTOPOL und den späteren Werken – kaum den Überblick behalten. Die Handlung gerät schnell außer Kontrolle und wird nur durch die Meuterei notdürftig zusammen gehalten. Trotzdem bleibt er faszinierend wegen der politischen Hintergründe, die Goedsche auf seine paranoide Art zusammen hält.nena-sahib-oder-die-emporung-in-indien-die-zentrale-figur-des-indischen-aufstands-von-1857-vollst1

Unter den vielen Charakteren ist der deutsche Dr. Friederich Walding als alter ego des Autors wohl der eigentliche Held (neben Nena Sahib). Ein ritterlicher Gentleman, der trotz seiner Vorbehalte gegenüber den Briten dafür sorgt, dass die Sikhs gegenüber ihren englischen Herren loyal bleiben. Auch er hat natürlich ein tragisches Schicksal: seine große Liebe ist ausgerechnet eine Britin. Und diese wird von einem monströsen Neger in sein Haus verschleppt und vergewaltigt (hier bedient Goedsche, indem er sie von einem Schwarzen und nicht von einem Inder missbrauchen lässt, die „Angst vorm schwarzen Mann“).
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Auch in diesem Roman zeigt sich seine Faszination an Gräuel und Gewalttaten, die er vor dem Leser allzu gern ausbreitet. Es gibt wohl wenige Kolportageroman dieser Zeit, die in dieser Hinsicht so weit gehen (das Meiste wurde dann in späteren Ausgaben getilgt oder bearbeitet). Die geschilderten Brutalitäten können mit modernen Slasher-Szenen durchaus mithalten. 180px-lt_wa_kerr_earning_the_victoria_cross_during_the_indian_mutiny1Er versteht es, den Leser auf die schönste voyeuristische Weise zu schockieren. Gewalt gegen Frauen mochte er besonders gern; angeblich galt Goedsche unter seinen Zeitgenossen als frivoler und vulgärer Plauderer. Die Augenzeugenberichte über die Massaker (etwa von Cawnpore), arbeitete er detailverliebt in den Roman ein. In einem späteren Werk zwingen Assassinen Frauen dazu, sich mit Affen zu paaren, Für den Erfolg (und spätere Bearbeitungen) von Goedsches Büchern dürften seine überhitzten pornographischen Phantasien mitverantwortlich sein.

„There was no shortage of sensationalist accounts of the brutalities of 1857 in England at the time, and James Grant’s First Love and Last Love: A Tale of the Indian Mutiny of 1868, for instance, bears many similarities to Nena Sahib ; yet few writers managed toreach the heights of hysteria and depths of abasement that Goedsche does with such obvious relish.“ (Wagner)

Während die meisten „Mutiny Novels“ mit der Wiederherstellung der kolonialen Ordnung enden, endet die Originalfassung vom NENA SAHIB mit dem Massaker von Cawnpore (das Flashy mitgemacht hat). Zwei Drittel von Goedsches Roman befassen sich mit der Planung der Revolte, eingebettet in zahlreichen Subplots.

Seiner Anglophobie lässt er freien Lauf: “ The British are repeatedly referred to as evil merchants who worship gold and who are incapable of producing anything of value themselves; they are seen to be the cause behind industrialisation, capitalism, rationalism and liberalism – in short, everything that Goedsche hated.“ (Wagner)

Die Briten sind für die Meuterei selbst verantwortlich durch ihre unstillbare Gier und die brutale Unterdrückung der Inder. Dabei lässt er aus, wie auch viele spätere Autoren, dass dieser Aufstand, so monströs er in seiner Gewaltexplosion auch war, eine rein regionaler war, der sich auf Nordindien beschränkte und sich auf einem Zehntel des Subkontinents abspielte.

Seine Kolonialismuskritik hat keine Tiefe und geht nie über seine Anglophobie hinaus. Seine Sympathie für die Inder hält sich in Grenzen, trägt auch rassistische Züge. Darin ist er ganz Kind seiner Zeit.

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Die Thugs

Natürlich kann der große Verkünder der Geheimgesellschaften auch nicht auf die Thugs verzichten.

Die Thugs gehören zu Indien wie Curry und Fakire – so scheint es jedenfalls, wenn man der Abenteuerliteratur glaubt. Diese Mördersekte im Dienst ihrer Herrin Kali regt bis heute die Phantasie von Thriller-Autoren an. Dabei war dieser weit verbreitete Geheimbund bereits in den 1830er Jahren so gut wie ausgerottet, dank der Aktivitäten des britischen Offiziers William Sleeman. Dies ist nicht der Ort, um über Fiktion und Realität der Thugs zu reflektieren. Hier soll es um ihre Wirkung auf die Literatur gehen, insbesondere im Zusammenhang mit Retcliffe und dem Sepoy-Aufstand.

thuggees1In der westlichen Literaturgeschichte tauchen die Thugs erstmals 1839 auf in dem damaligen Blockbuster MEMOIRS OF A THUG von Philip Meadows Taylor. Seitdem sind sie aus der Thriller- und Abenteuer-Literatur nicht mehr wegzudenken und tauchen in unterschiedlicher Gestalt immer wieder auf.

Der wahrscheinlich erste deutsche Thug-Roman erschien 1845: Carl Gottfried Rössler: Die Thugs, oder Indischer Fanatismus. Historischer Roman(Altenburg: Schnuphase’sche Buchhandlung, 1845).

In Kontinentaleuropa wurden sie besonders populär durch Eugène Sue, dem damals erfolgreichsten Bestsellerautor. In seinem Roman DER EWIGE JUDE (1844/45) flieht der Thug Feringheea aus britischer Gefangenschaft bis nach Europa und tritt in Frankreich den geheimen Jesuiten bei! Goedsche dürfte den Roman gekannt haben. Aber ähnlich wie heute, hatten in den damaligen Krisenzeiten Geheimgesellschaften, die hinter den Kulissen die Strippen ziehen, Hochkonjunktur.

Die Vernichtung oder Unterdrückung der Thugs, die von den Briten durchgeführt wurde, machten Überlebende des Kults sicherlich nicht zu Freunden der Briten und ihres Kolonialsystems. Insofern könnten sie während des Aufstandes durchaus eine aktive Rolle gespielt haben.human-sacrifice-by-thugs-or-thuggee-in-india-1901-emfj5k1

Goedsche machte aus dem engen Verbündeten Nena Sahibs, Tantya Tope, den Rebellenführer Tukallah, der gleichzeitig Herrscher über die Thugs ist. Der einstige Diener eines Engländers ist somit Gebieter über eine dritte Kraft, das geheime Thug-Reich mit einem unterirdischen Tempel, in dem unglückliche Gefangene auf die brutalste Weise der Göttin Kali geopfert werden. Mehr kann der sensationslüsterne Leser (oder Indiana Jones) wirklich nicht verlangen. Goedsche bezeichnet die Thugs als die „Jesuiten des Orients“, womit sich ihre Gräuel fast von selbst erklären. Wie die europäische „Geheimgesellschaft“ verfügen sie über ein weitreichendes Netz, mächtige Verbündete, Loyalität und gruselige Rituale um ihre fanatischen Ziele zu erreichen.

„If the thugs become the tools of Nena Sahib in Goedsche’s novel, he is himself also a slave to his Eastern passions and unruly temper. Educated and civilised, Nena Sahib is only transformed into the infamous ‘Demon of Cawnpore’, when the British, as represented by the evil Lieutenant Rivers, abduct his wife… Typically of the romantic novel of the nineteenth century, epic historical events are caused by personal motives, as the themes of love, hate and revenge become the primal forces determining the course of history. In that sense the uprising of 1857 is the direct result of Rivers’ violation of Nena Sahib’s white bride, given for the cruelty of Nena Sahib, beyond his inherent Oriental bloodlust and though Goedsche’s portrayal of the Indian prince can hardly be said to be sympathetic, the author does provide some kind of explanatory context for the acts and motives of Nena Sahib.Interestingly, the cruelty of Nena Sahib and the rebelling Indians, which is a central feature of any fictional account of 1857, also introduces an element of ambiguity in Goedsche’s novel.Moral Ambivalence and the Spectacle of Torture.“ (Wagner)

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Die Thugs wurden so populär, weil sie geradezu Sinnbild britischer Kolonial-Paranoia waren: Sie verhielten sich freundlich gegenüber Reisenden, taten so, als könnten sie kein Wässerchen trüben, um dann ein geheimes Zeichen zu geben und mit Erbarmungslosigkeit über den oder die zuvor Getäuschten (THE DECEIVERS ist auch der Titel des Thug-Romans von John Masters, verfilmt mit Pierce Brosnan) herzufallen. Der Sepoy-Aufstand muss die Briten fatal an das unheilvolle Treiben der Mördersekte erinnert haben. Waren die liebenswürdigen Kolonialherren nicht auch durch Freundlichkeit und Unterwürfigkeit eingelullt worden, um dann auf das Ungeheuerlichste überfallen zu werden, als man so gar nicht damit gerechnet hat? Very thuggee.

NENA SAHIB war ein Riesenerfolg. Der erste Band des Romans war ausverkauft und ging in die zweite Auflage, bevor der zweite Band überhaupt erschienen war.sir-john-retcliffe-nena-sahib-iii-retcliffe-verlag1

Der Roman endet abrupt, ohne alle Handlungsstränge zu Ende geführt zu haben. Ursache dafür war Goedsches Streit mit seinem Verleger Carl Nöhring. Erst 20 Jahre später griff er die losen Stränge von NENA SAHIB wieder auf und führte sie in seinem Zyklus UM DIE WELTHERRSCHAFT zu Ende.

Das Werk inspirierte andere deutsche Autoren zu ähnlichen. Berühmtestes Beispiel ist wohl Karl Mays DIE JUWELENINSEL (in „Für alle Welt“ , 1880-82).

mutiny-india_1Für die Briten gehörte der Aufstand mit seinen Massakern zu den traumatischsten Ereignisse der Geschichte des Empires und da verwundert es nicht, das es bis heute literarisch und historisch behandelt wird. Die Briten machten daraus es ein direktes Sub-Genre des Kolonialromans namens „Mutiny Novel“. Es erreichte den Höhepunkt 1890. Alleine in diesem Jahr erschienen 19 Romane über die Meuterei. Pamela Lothspeich zählt bis zum 1.Weltkrieg über 80 Romane, Theaterstücke, Gedichte und Jugendbücher zum Sujet. (4)

mutiny-india_1Retcliffe antizipierte die britische „Mutiny Novel.“, indem der erste Band von NENA SAHIB ein Jahr vor Edward Money’s THE WIFE AND THE WARD (1859) veröffentlicht wurde, der in England (nicht unumstritten) als Begründer des Genres gilt.

Zu den Gründen der Popularität dieses Subgenres zählt u,a., das dieser Aufstand als erster großer Befreiungskrieg der kolonialisierten Völker zu werten ist. Für die Unterhaltungsindustrie ist attraktiv, dass hier alle exotischen Klischees zum Tragen kommen: Von steinreichen Radschahs über geheimnisvolle Paläste bis hin zu asiatischer Grausamkeit und furchtbaren Geheimgesellschaften (das die Thugs wohl keine Rolle mehr gespielt haben, interessiert Autoren wie Goedsche herzlich wenig; auf so einen gruseligen Topos verzichtet man ungern).

Eine Bibliographie über deutsche Publizistik zum Sepoy-Aufstand unter:

https://1857revolt.wordpress.com/2009/03/08/titles-in-german/

In der deutschen Unterhaltungsliteratur findet man sowohl Beispiele, die Retcliffes anti-britischer Haltung folgen, wie auch pro-britische. Hier ein paar ausgewählte Werke:

Nana Sahib, der Dämon Indiens. Roman nach Pierre Zaccone, von Paul Gut. 1858 [In: Der Humorist. Eine Zeitschrift. Hrsg. von Moritz Gottlieb Saphir

Egon Fels (1830-1909): Die Rose von Delhi. Roman aus der Zeit des indischen Aufstandes unter Nena Sahib. 4 Bde. Jena und Leipzig, Naumburg, 1866.

Hans Brunner: Anarkalli, die indische Bajadere, oder der Sepoy- Aufstand in Indien. Reutlingen: Enßlin und Laiblin [ca. 1880] 64 S. (7)

Otto Berger: Schlangenkönig Singhal. Eine Geschichte aus Indien für die Jugend. Reutlingen: Enßlin und Laiblin [1890] (eine Bearbeitung von Sir John Retcliffes „Nena Sahib“)

Wilhelm Oertel von Horn: Der Lohn einer guten That : eine Geschichte aus Indiens neuesten Ereignissen, dem Volk und der Jugend erzählt. Wiesbaden: Kreidel und Niedner, [1858].

Karl Müller (1819-1889): Der junge Rajah. Lebensbilder und Abenteuer aus Indien. Zu Lust und Lehre für die reifere Jugend erzählt. Leipzig: Verlag von R. F. Albrecht. 1880 .stacks_image_102471

Robert Kraft(1869-1916): “Ein stummes Opfer” Erzählung aus dem indischen Aufstande. 1898.

“Um die indische Kaiserkrone” Erlebnisse eines Deutschen im Lande der Wunder. Bde I-IV. Dresden: H.G. Münchmeyer 1905/06.

Otto Robert Walthari, Aus Indiens gärender Zeit! : eine Erinnerung an den Sipahi-Aufstand des Jahres 1857, Berlin: Walter Müller, 1905

Siking, Franz: Die Bajadere. Historischer Roman. Leipzig: Schulze & Co., 1912,

Christoph Erik Ganter (1884-1959); Pseudonym of Curt Elwenspoek: Die roten Lotosblüten: Roman d. indischen Aufstandes unter Nana Sahib, Stuttgart ; Berlin : Rowohlt 1941.clure-mazeppa1

Sogar noch in den 1950er Jahren bewegte der indische Aufstand und Nana Sahib noch die Kreativität deutscher Unterhaltungsautoren:

So etwa Oscar Herbert Breucker (1908-90), der unter dem englischen Pseudonym (auch darin Retcliffe folgend) Clifford Clure, ein zweibäändiges Werk vorlegte: Mazeppa, die Tochter des Nena Sahib. Skorpion-Verlag: Kaiserslautern, ca. 1955; Brandfackel über Indien. Skorpion-Verlag: Kaiserslautern, ca. 1960.

(1) (http://www.raumnachrichten.de/rezensionen/1703-insurgent-sepoys

(2) Kim Wagner: The Protocols of Nena Sahib: the 1857-fantasy of Hermann Goedsche http://www.csas.ed.ac.uk/mutiny/confpapers/Wagner-paper.pdf

(3) Karl Marx: Der indische Aufstand http://www.mlwerke.de/me/me12/me12_285.htm

(4) Pamela Lothspeich: Unspeakable Outrages and Unbearable Defilements:Rape Narratives in the Literature of Colonial India; Michigan State University.

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PS:

„Zu einem wahrhaft großen Freiheitssang gegen die Politik in der Downing Street wuchs unter seinen Händen das dreibändige Werk NENA SAHIB , obgleich von manchem anderen seiner Romane noch übertroffen, zeigt sich die Meisterhand des künstlerisch Schaffenden, die Klaue des Löwen. Ein Hundertmillionenschicksal entrollt er vor unseren Augen mit erschütternder Wucht. Wie kein Zweiter verschmäht er es, weichlich zu mildern und an den bittersten Folgerungen vorüberzugehen; schonungslos reißt er die Hüllen von den furchtbarsten Dingen… Gewiss, es ist keine Lektüre für Kinder und solche, die es bleiben wollen. Aber jeder, der Geschichte erleben will, wie sie war, wie sie ist und wie sie sein wird, solange auf der Erdkugel die stärkste Faust den Schwächeren brutalisiert, der wird bei Sir John Retcliffe das finden, was er sucht.“

Lisa Barthel-Winkler , Vorwort zu NENA SAHIB, März 1926.

Mehr Schwulst geht kaum noch. Die Bearbeitungen von Barthel-Winkler gehören zu den umstrittenen Retcliffe-Ausgaben- Siehe:

http://www.ablitverlag.de/autoreninfo-sir-john-retcliffe.html

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3 Kommentare so far
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Ob man die Retcliffe umstricken könnte/sollte oder als Inspirationsquelle nutzen kann um richtig gute Geschichten zuerzählen..
Stichwort:Kannibalisieren d.h.
Das Gute aus den Stories ziehen und mit dem eigenen Besten vermengen…

Kommentar von Martin Däniken

Deine Tipps über Abenteuerromane machen mich neugierig ohne Ende.
Habe ich mir sofort auf den Kindle geladen.
Genauso wie den ersten Flashman. Bin gespannt.

Kommentar von Gunther Feist

Vom Unterhaltungswert (und andere Meriten) würde ich Flashman vorziehen. Beneidenswert, dass Du das noch vor Dir hast!

Kommentar von Martin Compart




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