Martin Compart


FREEZE – MIAMI VICE by Martin Compart
15. Juli 2016, 8:43 am
Filed under: Film, Miami Vice, Porträt, TV-Serien | Schlagwörter: , , , , , ,

Momentan wird MIAMI VICE auf irgendeinem Kabelkanalsender wiederholt. Das ist gut so. Zum Glück wird die Serie ja häufiger wiederholt und ist auch als DVD-Box erhältlich.  Beim reinzappen bin ich wieder hängen geblieben und habe mir dann die Boxen rausgesucht um gezielt einige Episoden anzusehen. Der Tag war gelaufen. Der alte Serien-Klassiker, der mit HILL STREET BLUES zu Beginn der 1980er ein neues TV-Serien-Bewusstseins einläutete, funktioniert für mich noch immer. Grund genug, ihn hier mal zu würdigen. Von MIAMI VICE führt eine direkte Entwicklung zu THE WIRE,  SOPRANOS, GOMORRHA oder THE AMERICANS usw., ja sogar zu GAME OF THRONES. Diese Serie wurde 1984 gestartet – fast zeitgleich mit LINDENSTRASSE; von der LINDENSTRASSE führt eine direkte Entwicklung über den immer schlechteren TATORT zu MORD MIT AUSSICHT. Angesichts der Bildungskrüppel in den deutschen Sendern wird ein MIAMI VICE nie möglich sein. Oh, Gott! Wenn mal irgendein intelligenter Mensch für Werbeetats zuständig sein wird, können die deutschen Privatsender einpacken. Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen sich keine Sorgen machen, solange die Korruption des Parteiensystems  aufrecht erhalten bleiben. Aber auch da bröckelt es an Zustimmung.

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Keine andere TV-Serie prägte und reflektierte die 80er Jahre stärker als MIAMI VICE, die eine Hysterie auslöste, wie man ihn seit SOLO FÜR ONCEL nicht mehr gesehen hatte. Ästhetisch war sie ebenfalls die einflußreichste Serie des Jahrzehnts.

Sonny Crockett ist ein Undercover-Cop, der auf einem Segelboot namens St.Vitus Dance mit dem Alligator Elvis lebt. Zusammen mit den Mitgliedern der Vice-Squad geht er Verbrechen nach, die nicht immer mit Rauschgift zu tun haben. Anstoß zur Serie gab der damalige NBC-Programmdirektor Brandon Tartikoff, der nach einer Serie mit „MTV-Cops“ verlangte. Michael Mann bearbeitete das Skript GOLD COAST von Anthony Yerkovich und formte daraus die Serie MIAMI VICE. Neonfarben und der ungewöhnliche Einsatz von Musik und aktuellen Hits (einen Großteil des Millionenbudgets pro Folge verbrauchte Jan Hemmer als Verantwortlicher für den Soundtrack für Lizenzgebühren). Die ohnehin nicht gerade optimistische Serie wurde ab der dritten Staffel auch farbästhetisch düsterer. Der weltweite Erfolg ließ in der Serie mehr prominente Gaststars (darunter auffallend viele Musiker) auftreten, als man dies zuvor bei einer TV-Serie erlebt hatte. Darunter: Ed O’Neill, Burt Young, Glenn Frey, Martin Balsam, Miles Davis, Ted Nugent, Leonard Cohen, G.Gordon Liddy, Willie Nelson, Wesley Snipes, Liam Neeson, Meg Foster, Brian Dennehy, Issac Hayes, Sheena Easton, Frank Zappa, Iman, James Brown, Lisa Marie Presley, Julia Roberts, Bruce Willis, John Turturro, Little Richard, Eartha Kitt, Don King, Robert Duran, Lee Iacocca, Phil Collins, John Heard, Lisa Eichhorn, Bianca Jagger, Helena Bonham Carter, Melanie Griffith u.v.m.

Zu den Regisseuren gehörten: Abel Ferrara, Rob Iscove, Michelle Manning,Paul Krasny, Don Johnson, John Nicolella, Leon Ichaso, Rob Cohen, David Anspaugh, Richard Colla.

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Als 1986 bei uns die ersten Folgen MIAMI VICE ausgestrahlt wurden, jaulte die bundesdeutsche Kulturschickeria vor Wut auf. „Video-Clip-Ästhetik“, „Unrealistisch“ und „Machogehabe“ waren einige der zahlreichen Vorwürfe gegen die Serie, die wie wenige andere neue Maßstäbe setzte. Die Verantwortlichen der ARD taten noch ein übriges, um ihren potentiellen Hit kaputt zu machen: sie schnippelten in den aggressiven Kamerafahrten herum, hielten sich nicht an die Chronologie und verbannten die Serie auf dem Höhepunkt ihrer Popularität erst mal ein paar Jahre aus dem Programm. Man fragte sich, was wohl in den Köpfen der ARD-Programmplaner vor sich ging: nicht viel, wahrscheinlich.

MIAMI VICE revolutionierte mit seinen filmischen Qualitäten, seiner ausgefuchsten Farbdramaturgie und dem raffinierten Einsatz von Rock-Musik das Medium Fernsehserie formal und bisher unübertroffen. Inhaltlich war die Serie ebenfalls radikal: als direkte Opposition der Reagan-Ära ging sie von der Prämisse aus, daß das Verbrechen längst gewonnen hat und das die Grenzen zwischen illegalem und legalem Kapital, zwischen Wall Street und Medellin-Kartell fließend sind – soweit sie überhaupt existieren. In einer Welt, die dank des völlig befreiten Raubtierkapitalismus am Abgrund wandelt, konnten selbst die moralisch gefestigten Vice-Heroen nur noch Symptome bekämpfen. Sonny Crockett, der Kleinstädter mit den down-to-earth-Tugenden und der intellektuelle Ostküstengroßstädter Ricardo Tubbs erlebten immer aufs neue ihre Frustrationen mit staatlichen Organisationen, von FBI bis CIA, die aus paranoider Machtgier ganz im Sinne der politischen Führung Drogenhändler deckten oder demokratische Strukturen demontierten.

1989 war in den USA die letzte Klappe gefallen. Das Ende kam auf dem künstlerischen Höhepunkt der Serie, die wie keine andere zeigte, wie erbärmlich doch der American Way of Life sein kann. Michael Mann, der ständig Ärger wegen der Budgetüberziehungen hatte, beschloß, daß die 5.Staffel die letzte sein sollte.

Die Metamorphosen der Serie lassen sich besonders gut an den beiden Hauptrollen festmachen: 1984, am Anfang der Serie, war Sonny Crockett noch gut drauf. Er war glücklich verheiratet und liebte seinen Sohn – auch wenn es wegen seines Jobs erheblich in der Ehe kriselte. Aber das Verbrechen schien nicht unüberwindbar, und Crockett und Tubbs strahlten Optimismus aus. Dann wurde ihr Chef erschossen und Sonny geschieden. Die Welt erschien nicht mehr ganz so rosig, aber man schaffte es, einem Supergangster wie Calderone das Handwerk zu legen. Aber statt einzelner Supergangster, tauchten immer mehr unkontrollierbare Kleingangster in Miami auf, die proportional zum Anstieg des Drogenkonsums das Geschäft brutalisierten. Einen ernsthaften Schlag gegen ihren Optimismus erhielten die Beiden zu Beginn der 2.Season in der Doppelfolge PRODIGAL SON: Eine blutige Drogenspur führte von Bolivien bis in die Wall Street, wo sich ein anerkannter Banker als unangreifbarer Drahtzieher entpuppte. Drogengeschäfte waren in Ordnung, wenn sie auf höchster Ebene im großen Stil abgezogen wurden; die Quintessenz der Reagenomics. Von nun an wurde es immer düsterer in der Serie und auch im Team der Vice Squad, das so etwas wie eine moralische Insel innerhalb einer tobsüchtigen, gierigen Welt darstellte. Erst scheiterte Sonnys Beziehung mit Kollegin Gina, dann wurde Polizist Zito von Gangstern umgelegt. In der 4.Season schien für Crockett das Glück zu lachen: Er verliebte sich in den Pop-Star Katelin (Sheenah Easton) und heiratete. Der Versuch, Sonnys schmutzige Welt der Straße und den Glamour des Showbizz harmonisch zu vereinbaren, mußte scheitern. Man sah es Sonny manchmal an, daß er ahnte, daß das nicht gutgehen würde. Das Glück konnte nur von kurzer Dauer sein. Es gab die erwarteten Spannungen, wenn Sonny von einem Einsatz kam und den Schmutz der Straße in die wohlige Glamourhöhle seiner Frau schleppte. Aber bevor sie sich endgültig trennen konnten, ermordeten Gangster Mrs.Crockett – um damit Sonny zu treffen. Davon erholte sich der Junge nie mehr. Zu allem Überfluß verlor er bei einer Explosion auch noch das Gedächtnis. Nun brach der ganze Wahnsinn seiner Doppelexistenz als Polizist und Undercoveragent durch: Crockett hielt sich für Burnett, sein Alter Ego als Drogenhändler. Mit Blitzgeschwindigkeit stieg er in der Hierachie der Drogenhändler auf. Er ging über Leichen und sah sich selbst als harter Geschäftsmann, der in einem harten Business genau das lieferte, was große Teile der Gesellschaft verlangten. Ironie des Schicksals: Als Gangboß schien Sonny viel effektiver in der konkurrierenden Unterwelt aufzuräumen. Einmal versuchte er sogar Tubbs zu töten; das  sollte ihre Freundschaft für immer belasten.

Auch nach Sonnys Heilung war keine Besserung der allgemeinen Situation festzustellen. Miami als Mikrokosmos der Gesellschaft sah immer mehr wie der Vorhof zur Hölle aus, in der brave Bürger ohne Unrechtsbewußtsein kriminelle Deals durchzogen, Psychopathen Amok liefen, Mütter ihre Töchter für Drogen verkauften  und sich machtgeile Politiker nur ihrer Wiederwahl verpflichtet fühlten. Jeder Zuschauer wußte es: Das Verbrechen hat gewonnen. Und die immer depressiver werdenden Vice-Cops wußten auch, daß sie sich gegen eine Flut stemmten, die längst über das Land hereingebrochen war. Um sie herum die totale Korruption: Politik, FBI oder CIA – die Unterschiede zu den Straßengangstern  verwischten. Auch das Dezernat blieb davon nicht verschont: Die Spielsucht des Kollegen Switek brachte ihn in die Kriminalität, und nur Sonnys Einsatz und Deckung bewahrte Switek vor der Entlassung aus dem Polizeidienst. Wie ein blonder Gerechtigkeitszombie raste Crockett durch Glitzerfassaden und blutbesudelte Slumstraßen, ohne noch an die Wirkung seiner Arbeit zu glauben. Und auch der kultivierte Tubbs brach langsam zusammen. Sein früher so offenes Lachen wirkte immer gequälter. Der Versuch, durch eine Bindung an die alte Liebe Valerie Stabilität und saubere Emotionen ins Leben zu bringen, scheiterten; der düstere Sonny hatte es ihm prophezeit. Am Ende der Serie schien es nur noch eine Frage von Wochen, wann beide endgültig durchdrehen würden. Ihr Traum von einer besseren Welt war ausgeträumt. Der Ausstieg aus dem Sittendezernat – und damit aus der Gesellschaft – sollte ihnen vielleicht ihr Seelenheil zurückbringen. Sie kämpfen nicht länger gegen einen kollabierenden Planeten, der in den Abgrund torkelt. Konsequenterweise trennten sich ihre Wege am Ende der letzten Folge: Während Tubbs zurück in den Hexenkessel New York ging, machte sich Sonny als neuer Easy Rider gen Süden auf. Aber nicht um Amerika zu finden, sondern um es zu vergessen. Die Fans der Serie bedauern das Ende, denn nach MIAMI VICE ist im Fernsehen nichts mehr so, wie es mal war.

$Roman:$ Stephen Grave arbeitete verschiedene Drehbücher zu Romanen um, die auch bei uns erschienen sind: Heißes Pflaster Florida; Knaur 1475, 1987, auch in 1696, 1988. Spiel um Rache; Knaur 1476, 1987, auch in 1696, 1988. Die Klinge; Knaur 1477, 1987, auch in 1696,1988. Schnee aus China; Knaur 1478, 1987. Der Drogenhändler; Knaur 1658, 1988. Im Höllenfeuer; Knaur 1693, 1988.

Literatur: Trish Janeshutz u.Rob MacGregor: Hinter den Kulissen von Miami Vice; Knaur 1596, 1988. (Vorsicht! Die miese Übersetzung läßt so manches Mißverständnis zu. Zum Beispiel kann die Übersetzerin nicht unterscheiden zwischen Pilot-Film, Einzelepisode oder Kinofilm.)

Thomas Jeier: Der Miami-Vice-Report; Bastei 60178, 1987 (ein Blick hinter die Kulissen des wahren Sittendezernats.)

MIAMI VICE-TV-Extra-Serie Nr.2; Bastei 1987. (Großformatiges, nichtssagendes Album mit netten Fotos.).

Angelica Ferkic u. Claudius von Zolkov: Das große Buch über Superstar Don Johnson; Bild am Sonntag Buch, Hamburg 1989. (schlampig, fehlerhaft, aber mit guten Fotos. Keine Filmographie).

David Hershkovits: Don Johnson; Bastei 61112, 1987. (Oberflächlicher Schnellschuss ohne Filmographie).

KULTSTAR: DON JOHNSON (Artikel aus CTIME TV, Stand 2000)

Don Johnson ist ein richtiger Pechvogel: Vor MIAMI VICE galt er als absoluter Flop-König mit mehr Pilotfilmen für nicht realisierte Serien auf dem Buckel, als Glenn Corbett. Nach MIAMI VICE drehte er einige tolle Filme (darunter etwa DEAD BANG oder HOT SPOT), die kein großes Publikum fanden – warum, ist fast nicht zu verstehen. Momentan steht er für eine neue Krimi-Serie vor der Kamera: OFF DUTY, bei der kein geringerer als Hunter S.Thompson konzeptionell mitgearbeitet haben soll. Die Gerüchte besagen, dass sich Johnson und Thompson mit einer Wagenladung Alkohol und anderer Freizeitpharmazeutika eine Weile zurückgezogen hatten, um ein Konzept für eine Krimiserie auszubaldovern.

Als Sonny Crockett war Johnson nicht mehr und nicht weniger als ein authentischer Byronscher Held der Industriegesellschaft. Einsamkeit und Melancholie, eingekeilt zwischen emotionsfreiem Chrom und den „mean streets“ des nächtlichen Großstadtdschungels, drückte er aus, wenn er – wie Chandler sagen würde – mit „Augen, die zuviel gesehen haben und zuwenig vergessen konnten“ als Undercover-Cop auf Dealerjagd ging. Etwas von der psychopathischen Qualität des jungen Richard Widmark ängstigte und verblüffte den Zuschauer, wenn der Ex-Drogensüchtige explodierte. Und er explodierte oft. Nicht nur in der Rolle, sondern auch am Set, wenn es nicht so lief, wie es der Perfektionist wollte.

Donald  Wayne Johnson wurde am 15.Dezember 1949 als Enkel eines Predigers und ältester Sohn eines Farmers in Crane, Flat Creek, Missouri geboren. Seine sechzehnjährige Mutter hatte unter ihren Vorfahren Indianer vom Stamme der Cherokee. Don wuchs mit einer Schwester, einer Stiefschwester und zwei jüngeren Brüdern die ersten zehn Jahre auf dem Land auf. „Das war kein schlechtes Leben. Es war gesund und geregelt – richtig Mittelschicht. Aber irgendwie fühlte ich mich schon damals als Außenseiter – von Anfang an war ich ein Außenseiter. Das gesunde Leben war nicht das Richtige für mich.“ Jedenfalls entdeckte er damals seine Liebe zur Musik, indem er lautstark im Kirchenchor der Gemeinde mitschmetterte. Als Don elf war, ließ sich die Mutter, der Johnson ebenfalls Rebellenblut bescheinigte, scheiden und zog mit den fünf Kindern nach Kansas. „Die Scheidung verkraftete ich nicht. Ich wurde verrückt. Ich ließ mir nichts mehr sagen. Ich wurde unkontrolierbar.“ Der Außenseiter wurde zum Rebellen. Das materielle Leben wurde schwierig durch den Alkoholismus der Mutter. In dieser Zeit trank der kleine Don auch schon mal einen Schluck Tequilla. Alkohol und andere Drogen sollten später sein Leben bestimmen – nicht nur im Sittendezernat von Dade County. Nach dem Tod der Mutter 1978 sagte Johnson: „Die Ärzte erzählten mir, sie sei an Krebs gestorben. Aber ich glaube, sie hatte sich totgesoffen. Sie war eine ähnlich harte Trinkerin wie ich.“ Als nächstes war der Sex dran. Seine erste Erfahrung machte er als Zwölfjähriger mit der 17jährigen Babysitterin der Familie. „Meine Mutter wusste, was da lief. Sie wusste irgendwie immer, was ich fühlte oder dachte. Aber sie machte mir keine Vorwürfe. Sex war okay. Ich entwickelte nie Schuldgefühle wegen meiner Sexualität, und deshalb gibt es auch keine Probleme für mich.“ Probleme bekam Klein Donny erstmal wegen Autodiebstahls. Die Unrast des Zwölfjährigen trieb ihn dazu, Autos zu klauen und auf selbstmörderischen Spritztouren die Tanks leer zu fahren. Ein bis heute beliebter Zeitvertreib Heranwachsender. Mit 16 zog Don mit einer 26jährigen Bardame zusammen, die ihm sexuell den letzten Schliff gab. Dann landete er wieder in Kansas, und seine Lehrerin Karen Slater entdeckte sein Schauspieltalent. Sie gab ihm die Hauptrolle in einer Schülerinszenierung von „West-Side-Story“, und Don erhielt ein Theaterstipendium an der Universität von Kansas. Dort verliebte er sich in eine seiner Professorinnen, eine geschiedene Frau mit drei Kindern. Sie mußten ihr Verhältnis geheim halten, aber als sie nach San Francisco zum American Conservatory Theatre ging, schmiss Don alles hin und reiste ihr nach. Doch als die Angebetete nach Kansas zurückkehrte, blieb Don in Kalifornien, um einer größeren Liebe nachzulaufen: der Schauspielerei. 1968 erhielt er sein erstes Engagement in einem Musical in San Francisco. In seiner Freizeit trieb er sich mit den Mitgliedern der Doors und Frank Zappa in den einschlägigen Kneipen herum. Der Kultstar und selbsternannte Drogenweltmeister Jim Morrison tat ein übriges, um Johnson zu zeigen, wie man Tequilla mit LSD mixt. Johnson ging voll in der Szene auf: Sex and Drugs and Rock’n Roll.

1971, während der Dreharbeiten zu dem Western-Musical „Zachariah“ in Hollywood, kaufte er sich für 20 Dollar seine erste Gitarre. Er war bisher ein begeisterter Sänger gewesen, konnte aber kein Instrument spielen. Im Selbststudium brachte er sich Gitarrespielen bei und begann zu komponieren. 1979 schrieb er sogar zwei Stücke für eine LP der Allman Brothers, mit denen er befreundet war. Seine Bekanntschaften mit Rock-Musikern kam später MIAMI VICE zugute; etwa durch Gastauftritte Prominente, wie Glenn Frey oder Frank Zappa als Dealer. Als Johnson 1986 sein erstes höhrenswertes Soloalbum aufnahm, war es nicht der TV-Star Johnson, der Leute wie Stevie Ray Vaughan, Tom Petty, Willie Nelson oder Ron Wood ins Studio lockte, sondern der alte Musikfreak und Suffkumpel. Mit der 1986 veröffentlichten LP „Heartbeat“ bewies Johnson deutlich sein musikalisches Talent und seine Wurzeln im Rhythm and Blues.

Johnson drehte und drehte. Darunter Kultfilme wie A MAN AND HIS DOG und Gastauftritte in TV-Serien wie STREETS OF SAN FRANCISCO und immer wieder mal einen Pilotfilm, der in die Hose ging. In der Industrie galt er als Kassengift, als er 1984 für MIAMI VICE vorsprach. Es spricht für Produzent Michael Mann, dass er sich dadurch nicht einschüchtern ließ und das Potential von Johnson erkannte. Besonders der Sender NBC hatte Bedenken, denn Johnson hing das Image des labilen Drogenfreaks nach. „Ich nahm nie etwas, wenn ich drehte. Aber, Mann, kaum hatten sie Das-wars-für-heute gerufen, sprintete ich im D-Zugtempo zur nächsten Drogenparty.“ Während der Dreharbeiten zu MIAMI VICE hatte Don eine 90-Stunden-Woche. Da blieb nicht viel Zeit, um sich vollaufen zu lassen. Johnsons Einfluss auf die Serie war sehr stark. Die Entwicklung des Crockett war vor allem seine Arbeit. Selbst der berühmte Dreitagebart, der ausgehend von der Serie seinen modischen Siegeszug um die Welt antrat, stammte von ihm. „Das war nach einem durchgesoffenen Wachende. Ich hatte mich nicht rasiert und war ein paar Tage im Bett geblieben. Als ich in den Spiegel sah, fand ich es ganz attraktiv. Außerdem hasse ich es, mich zu rasieren. Als wir mit VICE anfingen, fiel mir das wieder ein.“ Zusammen mit Michael Mann und Kostümdesignerin Jodie Tillen entwickelte er den typischen Sonny-Crockett-Stil: helle Sakkos über pastellfarbenen T-Shirts oder dreiknöpfige Long-John-Tops. Außerdem trug Sonny nie Socken in seinen weichen Slippern. „Es ist mehr eine Attitüde als ein Modestil. Es soll der Figur etwas kaltes, kompromissloses geben.“

Sein Ruf, schwierig zu sein, vertiefte sich. Seine Anfälle am Set waren berüchtigt. Er sah das so: „Wenn man Profi und Perfektionist ist, macht das die Leute verrückt. Aber nach einer Weile gefällt es ihnen, wenn man alles aus ihnen rausholt. Sie arbeiten härter und fühlen sich wohler. Mich interessiert einzig und allein die Qualität der ganzen Serie. Nicht, ob ich mehr Großaufnahmen kriege. Schlamperei? Ohne mich.“

 

JOHNSONS PILOTFILM-FLOPS:

THE DEPUTIES(auch LAW OF THE LAND)

NBC 1976; Produzent: Quinn Martin; Regie: Virgil W.Vogel; Buch: John Wilder und Sam Rolfe; Darsteller: Jim Davis, DJ, Cal Bellini, Nicholas Hammond u.a. Genre: Mischung aus Western und Krimi.

COVER GIRLS

NBC 1977; Pr: David Gerber; R: Jerry London; B: Mark Rodgers; D: Cornelia Sharp, Jayne Kennedy, Don Galloway, George Lazenby, Vince Edwards, DJ. Genre: Zwei Models arbeiten in Wirklichkeit für den Geheimdienst. Schluck.

THE CITY

NBC 1977; PR: Quinn Martin; R: Harvey Hart; B: John Wilder; D: DJ, Mark Harmill, Robert Foster u.a. Genre: Buddy-Cop-Show.

THE TWO-FIVE

ABC 1978; Pr: R.A.Cinader; R: Bruce Kessler; B: Joseph Polizzi u.Cinader; D: DJ, Joe Benett, George Murdock u.a. Genre: Abenteuer zweier Undercover-Agenten!!!

THE TWO-FIVE (Pilot 2)

ABC 1979; R: Jules Irving.

THE REBELS

1979; R: Russ Mayberry; B: Fortsetzung von John Jakes THE BASTARD; D: Andrew Stevens, DJ, Doug McClure, Anne Francis u.a.

AMATEUR NIGHT AT THE DIXIE BAR AND GRILL

1979; R & B: Joel Schumacher; D: Victor French; Candy Clark; DJ u.a.

FROM HERE TO ETERNITY

NBC 1980; Nach der erfolgreichen Mini-Serie mit Natalie Wood entstand diese kurzlebige Serie mit DJ als Jefferson Davis Prewitt, dem Bruder von Private Prewitt und Kim Basinger als Nutte Lorene Rogers.

BEUHLA LAND

NBC 1980; PR: David Gerber; R: Virgil Vogel; B:Jacques Meunir nach d.Roman von Lonnie Colman; D: Lesley Ann Warren, Merdith Baxter Birney, Eddie Albert, DJ.

ELVIS AND THE BEAUTY QUEEN

NBC 1981; PR: David Gerber; R: Thomas DelRuth; B: Julia Cameron; D: Stepanie Zimbalist, DJ, Ann Dusenberry u.a.

SIX PACK (auch BREWSTER’S BROOD)

NBC 1983; Pr: Rod Amateau u.James Heinz; R: Amateau; B: Gy Waldron. D: DJ, Markie Post, Jennifer Runyon. Genre: Basiert auf den Kenny Rogers_film SIX PACK.

FLIPSIDE

NBC 1989; Pr: Don Johnson; R: Jeff Melman; B: Ron Zimmerman; D: Trevor Eve, Dennis Berkeley, Traci Lin u.a. Genre: DJ spielt nicht selbst mit in dieser Sitcom über einen Ex-Rock-Star, der nach Jahren on the Road nun seine Kinder erziehen soll. Ursprünglich sollte Ringo Starr die Hauptrolle spielen.

 

Anfang der 1990er drehte Johnson drei Klassiker des Neo-Noir-Films; THE HOT SPOT (nach Charles Williams) von Dennis Hopper, DEAD BANG von John Frankenheimer und GUILTY AS SIN von Sidney Lumet. In diesen drei Filmen zeigt er ein unglaubliches Spektrum an Noir-Charakteren und man denkt nicht einmal an Sonny Crockett. Dann produzierte er mit sich in der Titelrolle von 1996 bis 2001 die ziemlich durchgeknallte Cop-serie NASH BRIDGES und spielte weiterhin in Filmen mit – sagen wir – begrenztem Erfolg. Er war nie weg und das misslungene 90er-Lifting hat sich zum Glück inzwischen aus dem Gesicht gewaschen. Seit Tarantinos DJANGO UNCHAINED ist das Interesse an dem Kult-Star wieder gewachsen. Mit der Lansdale-Verfilmung COLD IN JULY zeigte er auch wieder Präsenz in einem Noir-Film (dessen Regie leider mäßig war). In der TV-Serie FROM DUSK TILL DAWN ist er als alternder Texas Ranger in der ersten Folge das Beste, was Rodruigez Serien-Langweiler zu bieten hat. Und 2015 war er in einer neuen TV-Serie, BLOOD & OIL, wieder in einer Hauptrolle zu sehen. Er altert verdammt gut und erklärt sich nach wie vor als „hungriger Schauspieler“.

 

 

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