Martin Compart


DR.HORROR ERKLÄRT DIE WELT by Martin Compart
27. Juni 2016, 7:03 am
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AKIMs TOD – FLUGHAFEN BER – BREXIT: EIN TRILEMMA —

ABER DEUTSCHLAND SIEGT!

Seitlich steht der Fernseher. Es läuft das Spiel eines laut AfD-Höcke 1000-jährigen Reiches, Deutschland, gegen die Slowakei. Eine einfache Sache, sollte man meinen. Nationalhymnen – und dann ran!

Gestern rief Martin Compart an. Wir lästerten über uns und andere, Scheiße, ich musste kurzfristig einen Singapur-Flug absagen und überhaupt. Überhaupt, berichtete Martin, sei der größte Fan von Hansrudi gestorben, ein gewisser Dietmar Stricker. Karl May starb an Bleivergiftung, Stricker im Alter von 66 Jahren. Den Namen dieses Fans – angeblich ein Urgestein der Szene, das keine Familie kannte, nur um sich ungestört dem Sammeln von Comic-Heften widmen zu können und, wie Peter Pan, niemals erwachsen werden zu müssen – hatte ich noch nie gehört. Ich googelte und fand trotzdem gleich ein Foto des mir nicht bekannten Stricker-Fans. Im Internet scheint mittlerweile jeder herumzulungern, selbst Leute wie du und ich. Stricker trug keine Strickweste, sondern ein kariertes Hemd, so wie wir alle vor vierzig Jahren. Das war Ost und West gemeinsam. Entweder hatte er es seit vier Jahrzehnten nicht abgelegt oder wenigstens zwanzig gleiche Motive gesammelt und zur Auswahl im Kleiderschrank aufgehängt, zwischen Comic-Alben und Mottenkugeln. (Nein, mütterliche Skelette heben diese Leute nicht auf, entgegen dem, was uns Alfred Hitchcock und der Autor der Vorlage, Robert Bloch, in Psycho weismachen wollten. Grund genug hätten sie allerdings, denn meist waren es strenge Mütter, die die Schmutz & Schund-Hefte, die ihre lieben Jungs anhäuften, im Ofen verbrannten: das Kindheitstrauma jedes echten Sammlers.)

Tor. Boateng. Der Mann, den die AfD nicht zum Nachbarn haben will. Draußen böllern die Nachbarn und stoßen auf das Tor an. „Ein guter Neger“, möchte man mit Joachim Herrmann rufen. Im Fußball kann es gar nicht genug Ausländer geben.

Aber zurück zu Stricker. Der Mann ist nun schon ein gutes oder schlechtes halbes Jahr tot: verstorben am 22. Oktober 2015. Dieser Blog ist halt nicht auf dem Laufenden. Lieber tot als unfähig! lese ich im SPIEGEL. Das macht Stricker jetzt aber auch nicht mehr lebendig. Stricker war von Beruf Nostalgiker. Er betrieb seit einiger Zeit einen Verlag gleichen Namens, den Nostalgiker-Verlag, in dem er Comic-Serien fortführte, die nur den wahren Nostalgikern unter uns etwas bedeuten. Leuten, die noch heute am muffigen Geruch ihrer Heftchen hängen. Zum Beispiel Akim. Akim der Dschungelheld.

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Frage in einem Internet-Forum: Wie bekommt man aus alten Comic-Heften den „Müffel“geruch heraus? Für ein Archiv wurden sehr viele Softcover Ausgaben aufgekauft, die fast alle stark müffeln und die anderen „anstecken“. Was ratet Ihr mir?

Wegwerfen!

Ich muss doch sehr bitten. Auf eine seriöse Frage gehört eine seriöse Antwort.

Bei Schimmelgeruch, mit kleinen farbigen Pickeln, so ein Rat, ist schon Vorsicht geboten! Da besteht bei einigen Sorten schon akute Gesundheitsgefährdung beim Einatmen der Sporen.

Im Wetterbericht hoffen sie, dass die durch den Klimawandel mitverursachten Unwetter mal eine Pause einlegen.

Gegen muffigen Geruch helfe folgendes:

Comic in einen verschließbaren Behälter (Plastikbox etc.) geben, dazu reichlich Kaffeepulver. Nach ca. 14 Tagen ist der Geruch verschwunden.

14 Tagen, maximal Wochen. Die Hefte sind gerettet, aber auch das macht Stricker, den König der Nostalgiker, nicht lebendig. Während ich mit Martin telefoniere, suche ich im Internet nach Fotos dieser Comic-Nostalgiker: sie sind ergraut, schauen müde, einem scheinen die Vorderzähne zu fehlen, zwei haben Bierbäuche. Prost. Eine offensichtlich vom Aussterben bedrohte Spezies.

Wann kommt eigentlich das nächste Tor?

Die Briten haben immerhin schon wenige Tage zuvor ein Eigentor geschossen, das geschichtlich und ökonomisch noch viel Spaß machen dürfte, wenn es stimmt, dass unser kapitalistisches Finanzsystem im Grunde nur auf Gottglauben gebaut ist. Wahrscheinlich der starke Regen, die Unwetter, überhaupt der Klimawandel. Das alles steigt gehörig in die Birne. In der Zeitung lese ich, nun bedrohe ein Trilemma die Weltwirtschaft. Das klingt unheimlich. Eine Phase der Unsicherheiten stehe bevor, heißt es da, denn London – das war mir neu – ist einer der wichtigsten internationalen Finanzplätze und die Notenbanker hätten, anders als die Fußballer, die Munition schon verschossen, was wohl heißt, dass ihnen zwar nicht die Boni, wohl aber die Bälle ausgegangen sind. Jede Staatspleite – aha! also nicht nur die Griechen! – könnte sich jetzt sofort zu einer globalen Finanzkrise ausweiten. Global, von China bis zum Nordpol. Die Pole sollen ja auch schmelzen.

Im Fernseher feuert das germanische Publikum seine Spieler an. Erst mal saufen, dann dieses Trigema, die Sache mit dem Affen, der nur in Deutschland arbeitet und garantiert („ein echter Edgar Wallace!“ – denn haben sie in Spandau gedreht und nicht in London) kein Outsourcing betreibt.

2:0 durch Mario Gomez. Na also.

Von wegen Tripendo!

Die Renten, hat Blüm gesagt, sollen auch nicht mehr sicher sein.

VW – die Versicherer – die Deutsche Bank … der Flughafen BER … die Berliner Staatsoper … Erdogan und Böhmermann …

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Alles geht den Bach runter, seit Helmut Mehdorn mit seiner Sense von einer Baustelle zur anderen zieht und Ronald Pofalla aus Weeze, wo mein Vater begraben ist, nicht mehr Bundesminister für besonders schwere Aufgaben, sondern Generalbevollmächtigter für politische und internationale Beziehungen der Deutschen Bahn ist. Welche politischen Beziehungen unterhalten übrigens ICEs, außer dass unsere Politiker umsonst darin fahren? Dafür haben wir jetzt Peter Altmaier, die Allzweckwaffe aus Ensdorf, Saar.

Pofallas Rente dürfte aber auf jeden Fall gesichert sein. Und Altmaiers sowieso.

Dietmar Stricker ist also tot. Aber Hansrudi… Ich suche weiter, und Martin bekommt den Mund nicht zu, denn diese Nachricht ist erst ein paar Monate alt und noch nicht bei ihm angekommen, womit dieser Blog wieder halbwegs auf dem neuesten Stand ist: Hansrudi ist auch tot. Seit dem 7. Januar. Unser aller Wäscher. Hansrudi, der Zeichner der Akim-Piccolos aus dem ehemaligen Walter Lehning Verlag, der vor einem halben Jahrhundert nahe dem Hannoveraner Hauptbahnhof residierte. Der Zeichner von – sitzen Sie gut? – Sigurd, Falk, Tibor, Nick der Weltraumfahrer. Der Zeichner, der uns Kindern die Anatomie menschlicher Körper austrieb. (Kein Wunder nach dem verlorenen Krieg, möchte man mit Wolfgang Neuss rufen, aber der hat ja nicht mal die Wende überlebt.)

3:0. Julian Draxler.

Später zeichnete Wäscher für Lübbe, dann für einen der Erfinder der Comic-Nostalgie, den jungen Norbert Hethke, den „Schatzgräber der Comic-Kultur“, der schon seit 2007 tot ist.

Wäscher war da schon zäher als seine Fans. Er wurde 87.

Jetzt warte ich noch auf ein weiteres Tor. Lukas Podolski, das Superhirn der Mannschaft, macht sich fertig. Hauptsache, er hält seinen Mund:

Fußball ist wie Schach – nur ohne Würfel!

Lukas Podolski, sagt der Kommentator, werde deswegen schon jetzt mit Sprechchören gefeiert.

O-Ton Podolski: Fußball ist einfach: Rein das Ding – und ab nach Hause.

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3:0. Jetzt noch ein Ding rein, ob mit oder ohne Verstand. Auf den Verstand kommt es nicht an, sondern darauf, ob man pfiffig. Martin erzählt mir von einer Agentur, die ihre Bewerberinnern und Bewerber fragte, wann der Zweite Weltkrieg gewesen sei. Sie nahmen nicht die, die es wussten, sondern eine Pfiffige, die sagte: Nach dem Ersten! Denn die Pfiffige ist natürlich auch geschäftstüchtig. Um wie Maschmeyer, also in Hannover wie Gott zu werden, muss man kein Intellektueller sein, sondern gewitzt und pfiffig und Veronika Ferres, die Tochter eines Kohlen- sowie Kartoffelhändlers, als „Superweib“ an der Seite haben. Und Freunde wie Schröder und Wulff, den einzig legitimen Nachfolger von Heinrich Lübke. (Lübke? Wer war denn das? Kam der vor oder nach dem Ersten Weltkrieg? Oder dem Zweiten?)

Die nächsten Generationen werden schon richten, was wir in unserer Ignoranz momentan so alles versaubeuteln.

Aber der Flughafen wird vermutlich fertig werden. Berlin wählt am 18. September. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Nach der Wahl ist vor der Wahl. Die deutschen Fans singen noch vor Spielende die Nationalhymne.

Rein das Ding – und ab nach Hause!

Bei Anne Will sagt jemand: Gegen China, gegen Indien sind wir alle klein.

Aber nicht im Fußball, bitteschön.

Im Teletext von Kabeleins lese ich:

DFB-Team überrennt Slowakei.

Im Comic-Fandom ist ein Akim-Messer aufgetaucht, das Anfang der 1950er-Jahre in limitierter Stückzahl von Lehning auf Jahrmärkten unters Volk gebracht worden sein soll. Bevor es für 3000 Euro an einen Dummen versteigert wurde, entlarvte es ein beherzter Comic-Kenner übrigens als Fälschung.

Jetzt schwätzt Ursula von der Leyen bei Will übrigens von einem Europa der Zukunft: Es ist Ihre und meine Aufgabe, gut über Europa zu sprechen.

Rolf Giesen


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Der Flughafen ist doch fertig! Nur nicht benutzbar, du Arsch, der alles an deutscher Inschenjörskunst schlecht macht, Und der Mehdorn ist ein feiner Mann, war er schon immer. Weil er nie was hingekriegt hat… Könnte das nicht am Wetter gelegen haben? Der Hartmut hat jedenfalls mehr Rente, als alle Bahnangestellten zusammen. Aber in Deutschland ist man immer nur neidisch. Statt anzuerkennen was Rhein-Metal, Maschmexeyer, Himmler und Mehdorn in ihrer kurzen, oder zu verkürzenden, Lebenszeit erreicht haben. Ich kann das Gejammer nicht mehr hören. Jeder kann doch Millionär werden, wenn er mag. Wir leben in einer gefreiten Gesellschaft. Und wenn das Dr.Horror nicht passt, dann kann er ja nach drüben gehen.
Ich will mal so sagen: Jeder hat ha seine Meinung,

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