Martin Compart


TV NEWS MORDKOMMISSION BERLIN 1 by Martin Compart
2. Dezember 2015, 9:27 am
Filed under: NEWS, Rezensionen, TV | Schlagwörter: ,

Gut, es hatte nicht die Tiefe von RIPPER STREET und DEADWOOD, nicht die politischen Implikationen von PEAKY BLINDERS, aber MORDKOMMISSION BERLIN 1 war locker auf internationalem Niveau. Die Ausstattung war beeindruckend und nicht nur Fassade, da sie ganz natürlich und fast als Handlungsträger integriert wurde. Die Story war vielleicht ein wenig konventionell und hätte ein paar Plot-Twists mehr verdient, aber spannend und – was heute selten ist – von Regisseur Marvin Kren effektiv in Szene gesetzt.

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Kurzum; Der TV-Film hielt, was DEUTSCHLAND 83 versprach: Deutsches TV, dass sich hinter angelsächsischen Produktionen nicht verstecken muss. Ich rede nicht von der Weltspitze wie SILK, HAPPY VALLEY oder SPOOKS (dazu reichte es nicht in der Originalität der Charakterisierungen und Handlungsführung – aber diese Serien sind auch in England keine Durchschnittsproduktionen), aber im Vergleich mit HAT SQUAD oder COPPERS konnte der Film leicht mithalten, hatte sogar bessere Momente. Wunderbar und überhaupt nicht aufgesetzt waren die Zitate und Einstellgen aus alten deutschen Filmen, die Kren unaufdringlich einsetzte um die Atmosphäre zu intensivieren.  Der junge Regisseur verfügt über ein erstaunliches Filmwissen und bemerkenswerte handwerkliche Fähigkeiten. Die Schauspieler (Kann Moretti einen schlechten Film machen? Gelegentlich.) waren ebenfalls überraschend gut, da sie nicht exaltiert in Szene gesetzt wurden. Nur das gelegentliche Berliner Genuschel hätte man tontechnisch vielleicht etwas deutlicher ziehen können (oder mit Untertiteln !!! auslegen). Ohne die Beteiligung des ehemaligen SAT 1-Redakteurs Thomas Teubner, der schon früher vielversprechende Produktionen in den Sand gesetzt oder verhindert hat, wäre das Niveau wahrscheinlich noch einige Punkte höher. Aber um so erstaunlicher das Ergebnis: Die beste deutsche TV-Krimi-Produktion seit Jahren (jenseits von Lars Becker), deren internationale Vermarktung aus zwei Gründen problemlos sein dürfte:

1) Qualität,

2) ein Thema, dass in der deutschen „Mythologie“ (Weimar, Berlin Alexanderplatz, goldene 20er usw.) so verwurzelt ist, dass man es nicht beliebig transponieren kann.

P.S.: Die schlechte Quote kann den Machern egal sein, da sie diesen (ersten?) Film noch in Jahrzehnten weltweit vermarkten können. Da wegen der Quoten SAT 1 dieses Projekt wahrscheinlich nicht fortsetzen wird, sollten die Macher sich an AMAZON wenden; die haben immerhin auch RIPPER STREET „gerettet“.

 


1 Kommentar so far
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Ich habe den Großteil im TV leider verpasst, werde mir aber wohl die BluRay gönnen, da mich die Geschichte von Ernst Gennat (der ja ziemlich eindeutig Pate stand) ziemlich interessiert. Von der zeitlichen Epoche ganz abgesehen. – Sehr gespannt bin ich auch auf „Babylon Berlin“, die Verfilmung von Kutscher Romanen, für die Tom Tykwer verantwortlich zeichnen wird. Da diese Serie in Kooperation mit ARD und Sky entsteht, dürfte auch genügend Budget zur Verfügung stehen, um mal etwas auf den Markt zu bringen, dass sich mit „Boardwalk Empire“, „Peaky Blinders“ und Co. messen kann.

Kommentar von crimealley




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