Martin Compart


DIE GESCHICHTE DER MUSIK-INDUSTRIE ALS THRILLER by Martin Compart
30. September 2015, 2:45 pm
Filed under: MUSIK, Rezensionen | Schlagwörter: ,

Lang, lang ist´s her, da kaufte man sich Film-Bücher oder Pop-Musik-Bücher nur deshalb, weil es Bücher über Filme oder Pop-Musik waren. Die großen Verlage hatten damals maximal zwei. drei Titel im Programm. Das hat sich seit den 1980er Jahren (in denen eine Reihe wie Ullsteins „Populäre Kultur“ wie eine Kulturrevolution erscheinen konnte) wahrlich verändert. Inzwischen gibt es eigene Verlage, die sich diesen Genres widmen. Und die Flut der Veröffentlichungen, natürlich extrem im angelsächsischen Raum, ist dermaßen stark, dass hauptberufliche Experten kaum noch die Übersicht behalten.

Während ich früher jedes Pop-Buch (als es kaum welche gab) las, picke ich mir heute nur noch die heraus, deren Sujets mich interessieren (von Stones, Doors, Dylan über Highschool bis australische Garage) oder die neue Aspekte bearbeiten, die zum kargen Allgemeinwissen beitragen.

Meistens finde ich die bei der von mir immer wieder euphorisch abgefeierten Edition Tiamat, der ich inzwischen blind vertraue. Selbst wenn ich vorher nicht weiß, dass mich ein Thema interessiert, gehe ich davon aus, dass es mich interessieren könnte, weil Klaus Bittermann ein Buch dazu macht.

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http://www.amazon.de/Cowboys-Indies-abenteuerliche-Reise-Musikindustrie/dp/3893202013/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1443624113&sr=1-1&keywords=cowboys+%26+indies

 

COWBOYS & INDIES von Gareth Murphy ist mal wieder ein Musikbuch, dessen Thema mich interessiert und das auch noch erstklassig arrangiert und geschrieben ist. Es erzählt die Geschichte der Popmusik vom 19.Jahrhundert bis ins 21. aus der Perspektive der Musikindustrie – die Betonung liegt auf Industrie. Perspektivisch werden die Macher, Produzenten und Gier-Tycoons dabei mit netten Anekdoten über unser aller geliebten und gehassten Stars und Musiker untermalt. Nur liegt eben nicht der hoch interessante Standpunkt bei Bandentwicklungen oder genialen Alben, sondern bei der Industrie. Und dabei löst Murphy für mich so manches bisheriges Rätsel auf. Etwa, warum THEIR SATANIC MAJESTIES REQUEST ein so enttäuschendes Album wurde (weil Jagger die Studiokosten bewusst in die Höhe trieb um Andrew Loog Oldham loszuwerden).

Die Idioten, Psychos und Genies in den Management-Etagen der Industrie erscheinen ebenso farbig wie die Rampensäue. Im Mittelpunkt steht natürlich die englische und amerikanische Musikindustrie, die ja auch aus einer verschnarchten Nische ein Milliardenunternehmen schuf. Die Strategien, mit denen sie Bands oder Trends durchsetzte, lesen sich so spannend wie Polit-Thriller (und sie könnten manchem Alt-Hippie den Summer of Love verregnen).

Murphys Schreibe ist so geschmeidig, elegant und schnell wie bei einem Pageturner für Erwachsene. Und wie er sein gigantisches Material zusammenfasst und komponiert, ist äußerst beeindruckend. Er verliert, so weit ich das beurteilen kann, nie das Wesentliche seines Themas aus dem Auge.

Die Geschichte der Musik-Industrie als Thriller!

 

 

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2 Kommentare so far
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IrgendwannAnfang-Mitte der 80er hat,laut meinem Gedächtnis,
der gute Frank Laufenberg auf Swf3 die Sache mit Payola erklärt-seitdem gibt es bei mir Skepsis eher tiefstes Misstrauen in Bezug auf Qualität und Erfolg im Medienbusiness allgemein.
Muss ich Dieter Bohlen erwähnen ;-)!
Wenn irgendjemand abgefeiert wird und herzallerliebste Anekdoten erzählt werden,habe ich fast immer dieses Jucken am Rücken an die Stelle wo man soschlecht dran kommt
(kaum D.B. erwähnt hautz mein Deutsch zamma)-Dann ich sehe das „freundliche“ Delphinlächeln und denke an die das Ende von dieser Carl Hiassen Story mit dem sexualgestörten Tümmler🙂

Kommentar von Martin Däniken

Keine Sorge: Die Anekdoten sind erhellend und „dienen der Wahrheitsfindung“. Gute Ergänzung zu William Knoedelseders STIFFED (Hits und Hintermänner) .

Kommentar von Martin Compart




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