Martin Compart


DR.HORROR: DER MANN VON FRÜHER by Martin Compart
25. September 2014, 8:01 am
Filed under: Dr. Horror, Film | Schlagwörter: , , ,

Es hatte ihn voll aus der Bahn geschleudert, aber jetzt hat sich Dr.Horror wieder gefaßt. Denn ein Held seiner schmachvollen Kindheit ist von uns gegangen. Darauf kann er nur in üblicher Geschmacklosigkeit nachrufen…

Rolf 2

Der Mann von früher ist von uns gegangen.

Nie wieder wird er vor unserer Tür stehen. Nie wieder werden wir rufen: „Mutti, da ist wieder der Mann von früher.“ Damals gab es wenigstens noch ein Früher. Heute ist früher Schnee von gestern und irgendwie uncool. Noch sind seine alten Filme gelegentlich auf dem Bildschirm: die einzigen deutschen Filme, viele noch in Schwarzweiß (was ist denn das?), die überhaupt noch bei den Privaten laufen.

Er ist viel herumgekommen, der Mann von früher, der Hitlerjunge aus Zuffenhausen: Reichsarbeitsdienst, Flakhelfer, Ostfront, amerikanische, dann britische Gefangenschaft, dann hat er das Lied der Hohen Tannen gesungen, eine Symphonie in Gold gespielt – und ins Manöver zog er nur noch mit Poldi.

Er war unser aller A(r)sch, der Gefreite aus 08/15. Er ging mit U47 und Kapitänleutnant Prien auf Tauchfahrt und lehrte uns alle das Gruseln im kinematographischen Fronttheater. Nicht das Gruseln vor dem Krieg, sondern das Gruseln vor maskierten Schurken, wie wir sie aus unseren Comic-Heften kannten. Der schwarze Abt. Der Hexer. Der Mönch mit der Peitsche. Im Banne des Unheimlichen (in Farbe).

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Edgar Wallace made in Spandau: Interieurs und Exterieurs, in Nebel getaucht. Nur ein paar Minuten jeweils an „authentisch“ englischen Schauplätzen. Er klopfte den Teppich des Grauens, blickte in die Toten Augen von London, lüftete das Geheimnis der gelben Narzissen. Das waren noch Fälle, die nicht über unseren Verstand gingen. Das italienische Giallo-Genre wäre ohne Blacky ebenso wenig möglich gewesen wie der Italo-Western ohne Karl May. Fast hätten Blacky und sein ständiger Begleiter Eddie Arent ja noch in Winnetou und Kapitän Kaiman gespielt, aber durch diese Rechnung machten die 68er, die Kunzelmann, Teufel und Baader-Meinhof, die den eitlen Schönling Pierre Brice nicht mochten, einen kräftigen Strich – und von da an gab’s nur noch Viva Maria, Melville, Alain Delon, Jean-Luc Godard, solche Sachen eben.

Schluss war’s mit den erwachsen gewordenen Hitlerjungen, die sich im Wirtshaus im Spessart oder im Gasthaus an der Themse einquartierten.

Nachdem nur noch moderne Filme liefen, sogar die ersten Tatorte so etwas wie Qualität zeigten (als Til Schweiger sieben, acht Jahre alt war – wäre er doch nur nicht älter geworden) und Fassbinder nicht im entferntesten auf die Idee kam, Fuchsberger zu besetzen, wanderte der ins Fernsehen ab. Zum Beispiel moderierte er Heut‘ abend, eine Talkshow, die so reizend war, dass selbst ein Talk-Gast wie Hitler, wäre er noch am Leben gewesen, wie ein lieber Onkel herausgekommen wäre.

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In einem völlig unbekannten Bändchen Fernsehen, wie es jeder hasst haben wir einen bösen Scherz gemacht und Fuchsberger mit dem wiederauferstandenen Führer konfrontiert:

Fuchsberger: Sie … Sie können sich gar nicht vorstellen, Herr Hitler – darf ich ADOLF sagen?

Hitler: Bitte. BLÄCKY darf ich sagen.

Fuchsberger (erleichtert): Du kannst Dir gar nicht vorstellen, Adolf, wie sehnlich ich mir immer gewünscht habe, Dich in eine Live-Sendung zu kriegen. Es gibt zwar irrsinnig viele Filme und Aufzeichnungen von Dir, aber Du selbst hast Dich ja in den letzten Jahrzehnten, kann man sagen, etwas rar gemacht.

Ruf aus dem Publikum: Leider!

Fuchsberger: Und doch hast Du, wie wir hören, immer noch zahlreiche Fäns. […] Du warst der Begründer der deutschen Volksgemeinschaft, die wir dann leider aufgrund widriger Umstände aufgeben mussten.

Hitler: Die Volksgemeinschaft – Du siehst es richtig, Bläcky – war die größte Errungenschaft des Nationalsozialismus. Alles, was die Schichten unseres Volkes einigte und verband, habe ich hervorgeholt, gepflegt, gefördert – und alles, was sie trennte, was die alten Voreingenommenheiten wieder wach werden ließ, habe ich vermieden, bekämpft, beseitigt. Wie Christus habe ich gepredigt: Ihr seid allesamt Brüder! Liebet Euch untereinander!

[Make Love, Not War!]

Fuchsberger (überlegt): Nun steckt ja im Nationalsozialismus auch das teuflische Wörtchen Sozialismus drin. Aber ein Sozialist warst Du dennoch nie, wie die Sozialdemokraten…

Hitler: Mein Sozialismus war anders. Mein Sozialismus war nicht Klassenkampf, sondern Ordnung!

Ruf aus dem Publikum: Geh doch rüber, wenn es dir hier nicht passt!

Und so weiter und so fort. Ein böswilliges, zynisches Geschreibsel, niederträchtig und gemein gegenüber einem, der lange vor Martin Walser stets ohne Auschwitz-Keule auftrat: ein befreiend ehrlicher Deutscher.

http://www.amazon.de/Fernsehen-wie-jeder-hasst-Auflage/dp/B003CPYY02

Am 11. September 2014 traf der Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes, der Pfeifenraucher des Jahres 1983 in den Ewigen Jagdgründen auf die selige Gemeinschaft der Männer von früher: Heinz Drache (der ihn wohl überhaupt nicht mochte, weil der Bläcky wenigstens etwas Humor hatte), Eddie Arent, Horst Wendlandt, Klaus Kinski und möglicherweise auch Herrn H.

Die nächsten, die an der Reihe sind, sind wir. Dann wird uns das Lachen schon vergehen. Das ist dann auch weniger lustig.

fl-1810-15-BM-Bayern-Berlin[1]

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1 Kommentar so far
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….besser nicht.
Und woher willst Du überhaupt wissen, ob Führer Hitler damals nicht doch in Brasilien gelebt hat?

Kommentar von Martin Compart




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