Martin Compart


DEUTSCHER TV-KRIMI-SCHROTT – WIE KANN ICH MITMACHEN by Martin Compart

2005 forderte mich der deutsche Drehbuchautorenverband auf, einen bösen Artikel aus Sicht der Autoren zu schreiben, Da der Verband ein Haufen von zeternden Opportunisten ist, die es sich ja nicht mit verantwortlichen Redakteuren verderben wollten, sollte ich aussprechen, was sie selbst nur bei bewusstseinserweiternden Rotweingelagen dem Nachbarn ins Ohr flüsterten.

Tat ich gerne. Und es wurde voller Freude und gegen das Honorar von ein paar Flaschen Wein (wohl eine durchaus übliche Währung unter Drehbuchautoren, die Plündrerei als affirmatives Einkaufen begreifen) in ihrer Hauspostille gedruckt, Dieser Verband schafft es bis heute nicht, Buy-outs vor Gericht als sittenwidrig einzuklagen. Erzählt mal britischen oder amerikanischen Autoren was von buy-outs; die würden das genau so wenig verstehen, wie durch Redakteursmühlen gejagte Drehbücher. Hier also, leicht bearbeitet, mein Elaborat (viel hat sich seitdem nicht geändert – eher zum schlechteren):

Das deutsche Fernsehen ist was Wunderbares: Jedes mal, wenn ich Hoffnung für den evolutionären Fortschritt der Menschheit empfinde, muss ich nur den Apparat anschalten und werde umgehend wieder zum Misanthropen, der Thomas Bernhard nachtrauert. Diese widerwärtige BRITT mit ihrer letzten übrig gebliebenen Nachmittagstalkshow (die unter Denkmalschutz gehört) führt täglich vor, was wir Kohl und Proll-Gert mit ihrer Parole MACHT KINDER IN DEUTSCHLAND zu verdanken haben. Gehirnamputiertes Lumpenproletariat, das sich in Talk-Shows setzt und beklagt, dass soziale Ämter ihre Videothekenrechnungen nicht übernehmen. Aber die Wirtschafts- Hämorrhoiden Birne+Gert wussten sehr wohl was sie taten, als sie bei zunehmender Arbeitslosigkeit zur Vermehrung aufriefen. Bei technologiebedingten Rückgang der Erwerbsarbeit kann zunehmende Bevölkerung nur zum Systemumbau führen. Ich überlasse Gore Vidal das Wort: „Obwohl junge Männer ermutigt werden, früh zu heiraten und viele Kinder in die Welt zu setzen, damit mehr Menschen leiden müssen, wenn sie wegen Ungehorsams gefeuert würden…“ Die Einführung des kommerziellen Fernsehens war ein wichtiger Schritt für die Verblödung und die Entsolidarisierung der Gesellschaft. Aber das ist ein anderes Thema, das man ausführlicher behandeln muss. Hier geht es jetzt mal um Inhalte. Wachstum bedeutet bekanntlich die ständig steigende Produktion unnützer Dinge. Und da war (dank der Krise ist nicht mehr soviel Geld da)und ist die deutsche Fernsehserie (ein eigenes Genre) ein tolles Produkt. Von LINDENSTRASSE bis SOKO – hat man je größere Scheiße gesehen? Es muss einen Grund dafür geben, das deutsche TV-Serien so erbärmlich sind.

Stellen wir uns folgende, fantastische Szenen vor: Joel Surnow bietet die Konzepte von 24 oder LA FEMME NIKITA deutschen Sendern an, oder: Brian Clemens das Konzept zu MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE, oder: RoyHuggins das Konzept zu AUF DER FLUCHT, oder: Jimmy McGovern das Drehbuch zu CRACKER (FÜR ALLE FÄLLE FITZ), oder: Stephen J.Cannell das Konzept zu WISEGUY. ( Heute müsste man Serien nennen wie SPOOKS, MAD MEN, DEADWOOD, RIPPER STREET, BREAKING BAD(die soll gerade für das ZDF vom haarprächtigen Nico H., dem Verweser deutschen Halbwissens, kopiert werden – mit einem GELDFÄLSCHER statt eines Amphetamin-Kochs!), SHIELD, THE WIRE, AMERICANS , HOMELAND, JUSTIFIED, TRUE DETECTIVE, PENNY DREADFUL usw.).

Man könnte das endlos weiter deklinieren. Was würde passieren? Wenn Sie nicht den Hauptwohnsitz im Darm des Programmchefs haben, würde dies passieren:

NICHTS.


Was für Tempo! Was für Dialoge! Welch ein suspense!

Mit etwas Glück bekämen oben genannte Herren Monate später eine Absage. Meist in schlichten Worten, die ausdrücken, dass der Zeichnende nichts begriffen hat und für den Rest seines Lebens in diesem problemlosen Zustand verharren wird. „Natürlich suchen wir immer gute Stoffe, aber momentan will der Zuschauer das von Ihnen Vorgeschlagene nicht akzeptieren.“

Großartige Logik!

Bevor es oben genannte Serien gab, wusste der Zuschauer bekanntlich nicht, dass er sie sehen will. Und: Wenn diese Quotenbüttel so genau wüssten, wonach der Zuschauer lechzt, warum reden sie sich dann die erbärmlichen Einschaltquoten schön?
Es ist kaum zu fassen, dass das großdeutsche Fernsehreich so gut wie nichts innovatives im Krimiserienbereich auf die Beine gestellt hat. Immer wurden nur die Konzepte aus anderen Ländern übernommen und teutonisch trivialisiert.

Angefangen beim legendären STAHLNETZ, das bis zur Titelmusik adaptiert wurde. Das trifft sich natürlich mit den literarischen Leistungen: Die deutsche Populärliteratur hat bekanntlich im Crime-Bereich ihre Hochleistung erbracht, als sie in den 1950-ern einen amerikanischen Helden zum Synonym für Krimi-Unterhaltung machte: Jerry Cotton (geschrieben von Autoren, die New York nur vom Globus her kannten).

Originär war die deutsche Pop-Kultur nur in der Erfindung eines Genres, nämlich des Heimatromans (abgesehen vom schwulen Abenteuerroman durch Karl May). In diesem Genre waren dann auch die TV-Leistungen befriedigend.
Die Familienserie, letztlich ein Subgenre des Heimatromans, hat bis heute unerreichte Maßstäbe gesetzt in den UNVERBESSERLICHEN. Strombergers Serie konnte durchaus mit britischen Kitchensink-Produktionen mithalten.
Dieter Wedel war großartig in diesem Genre (SEMMELINGS). Aber versuchte er es im CRIME-Genre (V-MANN, DER KÖNIG VON ST.PAULI), scheiterte er kläglich.

http://www.amazon.de/Crime-Lexikon-Krimi-Serien-Martin-Compart/dp/3929470179/ref=sr_1_14?s=books&ie=UTF8&qid=1411487444&sr=1-14&keywords=martin+compart

Großes Unheil richtete natürlich Herbert Reinecker an, der nach unausgegorener Simenon-Lektüre mit dem KOMMISSAR das Fernsehbild der deutschen Krimi-Serie für lange Zeit prägte. Alle heutigen Kommissarinnen oder Schimanskis sind krampfhafte Versuche einen Gegen-Reinecker zu produzieren. Originalität ist nur zulässig, wenn sie der Charakterisierung der Detektivfigur dient: „Er könnte ein
lustiges Hütchen tragen“, oder: „Machen wir ihn doch zum allein erziehenden Vater“. Dass die Konzepte immer dieselben sind, liegt an einer simplen Tatsache, die von der Pisa-Studie unterstrichen wird: Redakteure und Produzenten kennen das Crime-Genre mit seinen zahlreichen Facetten nicht. Das ist so, als würde man einen Analphabeten auf einen Lehrstuhl für Literaturwissenschaft berufen.

Halt! Der Gerechtigkeit halber darf eine echte deutsche Innovation nicht verschwiegen werden: der TATORT. Innovativ war ein Reihenkonzept, in dem Serien mit regionaler Identität gezeigt werden. Das war besonders zu Beginn faszinierend (als man etwa mit Zollfahnder Kressin einen hedonistischen Helden zuließ).
Heute ist die meist miese Qualität der einzelnen Folgen kaum noch auszuhalten. Wahrscheinlich liegt es nicht mal an den Autoren. Einige mir bekannte Redakteure sind so dämlich, dass sie jeden stringenten Plot zerstören oder aufweichen bis nur noch Schwachsinn übrig ist.

In gewisser Hinsicht war auch ALARM FÜR COBRA 11 innovativ, da die Serie deutsche Stunt- Arbeit auf internationales Niveau katapultierte. Frei nach dem Motto amerikanischer Action-Serien: 15 Stuntmen und kein Drehbuchautor in Sicht.
Das ist vielleicht ungerecht: Im Rahmen ihres Konzepts lässt das COBRA-Team gelegentlich nette Geschichten zu, so lange sie dem Verschrotten von Fahrzeugen nicht im Wege stehen. Wie die Produktion  es schafft diese dann an den Hirnentkerten von RTL vorbei zu schmuggeln, ist eines der großen ungelösten Rätseln des Universums (ein Fall für GALILEO).

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ZWISCHENSPIEL: WER IST DIESER MANN?
stv1[1]
Er nennt sich Klaus Bassiner und ist Programmchef beim Quality-Sender SERVUS TV, einem virtuellen Ableger von Red Bull – und nur anzusehen, wenn man ganz viel Vodka mit ganz wenig Red Bull getrunken hat. Zuvor trieb er Jahrzehnte sein Unwesen als Serien-Redakteur und Serien-Chef beim ZDF als eine der Speerspitzen der Inkompetenz. Er versuchte dies geschickt zu tarnen, indem er ein damals in Deutschland noch unausgereiftes Produktionsmodell kultivierte, das von den schrecklichen Eigenproduktionen, die er zu verantworten hatte, ablenken sollte: Er nahm Gebührengelder des ZDF und beteiligte sich an internationalen Produktionen, bei denen er nicht mitreden durfte. Zum Glück!
Dadurch hat dieser Geistesriese auf seiner schmierigen Tanzkarte heute Credits als Co-Producer von:
JACK TAYLOR, DIE BRÜCKE, WALLANDER, KOMMISSAR BECK, DAS VERBRECHEN, TITANIC, DIE BRÜCKE, JAN FALK, FRANK RIVA, COLLECTION FRED VARGAS, AURELIO ZEN usw.
An international Player! Donnerwetter!
Das nennt man wohl Scheckbuch-Produktion. Interessant wäre es zu wissen, ob er für diese credits, die er sich als Festangestellter des ZDF verschafft hat, Royalties erhält (als Prozente bei Wiederholungen oder Verkäufen).

Während seiner ZDF-Zeit hat er in Interviews Erkenntnisse von sich gegeben, die ihn heute noch als Guru der Serientheorie aufleuchten lassen:

„Man muss zwischen Serien im Format 45 Minuten und 90 Minuten unterscheiden.

Bei den 45-minütigen Serien sind wir allerdings sicherlich etwas genreorientierter und etwas typisierter.

Ich hab gerade eine Ko-Produktion mit der BBC gemacht, „Aurelio Zen“, da sind wir relativ spät eingestiegen, aber wir haben natürlich trotzdem unseren kreativen Input eingebracht. Man merkt auch, wie der Respekt in der Zusammenarbeit wächst, weil die merken: Die Leute reden keinen Unsinn. Die können ihr Handwerk.

Serie ist ein Kontinuitätsgeschäft.

Der Sendeplatz am Mittwoch ist schwierig, wegen der vielen Sportausfälle.“
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Okay also, mit innovativen Crime-Serien-Konzepten hat man bei deutschen Sendern keine Chance. Was sollte man berücksichtigen, wenn man ihnen trotzdem ein Serienkonzept aufs Auge drücken will? Nach meinen Erfahrungen folgendes:

1. Man sollte Verwandter eines Produzenten sein, der bereits viele erfolgreiche Serien für die Sender realisiert hat.

2. Man sollte bereit sein, möglichst alle Rechte an der eigenen Kreation abzutreten – bis hin zur Sittenwidrigkeit.

3. Man sollte darauf achten, dass sich das eigene Konzept nicht zu sehr von anderen Krimi-Serien des Senders unterscheidet. Statt einer 40-jährigen Kommissarin mit Menstruationsproblemen als Hauptfigur zu nehmen, sollte man andererseits mutig genug sein, eine 45-jährige Kommissarin mit Menstruationsprobleme ins Zentrum der atemberaubenden Handlung zu stellen.
Die dreidimensionale Charakterisierung sollte folgende Tiefen nicht unterlaufen: In seiner Freizeit geht unser Held gerne zum Fußball. Oder: Ihre Arbeit als Kriminalistin belastet schon mal den Ehealltag.

4. Man sollte einen Namen haben als viel beschäftigter Drehbuchautor, der pflegeleicht jeden noch so idiotischen Änderungsvorschlag eines Redakteurs begeistert aufgreift. Überhaupt ist eine Grundvoraussetzung – um einen mir bekannten Drehbuchautor zu zitieren – „so geschmeidig zu sein wie ein in Olivenöl eingelegtes Zäpfchen“.

5. Man sollte Geburtstage, Namenstage (auch des Hundes), Hochzeitstage, Jubiläen aller Entscheidungsträger kennen und über Jahre hin materiell pflegen (manchmal tut es schon ein 40 Jahre alter Malt).

6. Nie nachfragen. Auch nicht nach 20 Jahren. So erhält man sich die Option mit seinen unaufgeforderten Werken in Vergessenheit zu geraten und mal was Neues hinterher zu schieben.

7. Nicht wundern oder ärgern, wenn sich Elemente des eigenen Konzepts in einer anderen nagelneuen Serie 1:1 wieder finden. Auf Nachfrage erfährt man höchstens, dass sich das realisierte Konzept lange vor dem eigenen in der Entwicklung befand – schon zu einer Zeit, als Deutschland noch Kolonialmacht war.

8. Die Plots sollten nicht logisch sein. Das würde nur verwirren. Die intelligenteren Zuschauer sind ja eh längst zur DVD abgewandert.

9. Bei momentan angesagten Gerichtsmediziner- Serien sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass der Autopsieraum an einen Schrebergartenschuppen erinnert, der mit CSI-Ästhetik abfotografiert wird.

10. Angelsächsische Vorbilder nehmen und auf rechts drehen. Man nimmt das Konzept von BREAKING BAD und verharmlost einen Drogenkoch zum Geldfälscher. Aber zuvor muss man den Subtext entfernen! Der war bei BREAKING BAD: Das amerikanische Krankensystem erzeugt zwangsläufig Kriminelle. Bitte NIE Subtext. Daran scheitert jeder Redakteur. Denn der hält die farbenfrohe Kleidung von Thomas Gottschalck für dessen Subtext. Und der ist viel zu grell.

Mit diesen Tipps könnte es klappen. Aber eine
Garantie übernehme ich dafür nicht.
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3-Tatort-Kopfgeld[1]

Micky Maus Schweiger, der momentan lustigste TATORT-Ermittler. Wunderbar die Schusshände, wie bei NAVY CIS. Dahinter der liebevoll schützende Kommissar, den Arm um den Lustknaben. Schlecht zu erkennen, da wiedermal Kontrast fehlt. Eine Szene, die Action und Homoerotik gleichzeitig erfüllt. Geh nach Hause, Jack Bauer! Bei uns wird der Zuschauer gefoltert, nicht der Verdächtige. Weshalb Redakteure auch Zuschauer-Folterer genannt werden.
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Nachtrag:

Hinzu kommen grottenschlechte Regisseure ohne Inspiration, die immer dasselbe Licht setzen lassen und die oft unglaublich schlechten Schauspieler nicht führen können. Die Schere zwischen angelsächsischen, französischen (BRAQUO), dänischen und sogar belgischen (VERMIST) TV-Produktionen klafft nicht mehr weit auseinander, deutsche Produktionen existieren kaum am internationalen Markt. Man könnte sie höchstens für ein Bündel Bananen nach Sierra Leone exportieren. Und diese unfähigen Redakteure stehlen oder stahlen sich aus ihrer Inkompetenz, indem sie Dänen, Franzosen, Schweden oder Engländern Gebührengelder in den Rachen werfen um einen nicht verdienten credit als Mitproduzent einzuheimsen.

Schlimm ist auch, das z.Bsp. der heutige TATORT viel schlechter ist als die Reihe  in den 1970ern war. Damals war TATORT international auf ähnlichem Niveau wie die meisten angelsächsischen Serien, da (bis auf Serien wie SWEENY oder PROFESSIONALS) die Erzählweise langsamer war, ohne betulich zu sein. Außerdem waren die Drehbücher kohärent, da damalige Redakteure noch logisch denken konnten. Die angelsächsische Qualitätsrevolution, die bereits Anfang der 1980er mit Serien wie HILL STREET BLUES oder MIAMI VICE eingeläutet wurde, nahm man bei uns gar nicht zur Kenntnis.

Die Privaten kann man inzwischen vergessen, denn die müssen sich kaputt sparen und kriegen eh nichts mehr auf die Reihe (sie beschäftigen aus Kostengründen Freigänger von Irrenanstalten als Redakteure, die das entsprechende Publikum bedienen). Aber ARD und ZDF haben mehr Geld zur Verfügung als das Bruttosozialprodukt manches afrikanischen Staates (alleine die ARD-Anstalt WDR beschäftigt mehr Festangestellte als die gesamte BBC!). Was die abliefern ist trotzdem so was von grottig. Das oft beklagte geringere Budget gegenüber Amerikanern und Briten ist eine ihrer üblichen Lügen (die Abteilungen für das Formularwesen können doch nicht den ganzen Serien-Etat auffressen – oder etwa doch?).

Aber vielleicht helfen die Erklärungen des ehemaligen LINDENSTRASSEN-Redakteurs (da kann keiner unbeschadet rauskommen) und jetzigen TATORT-Koordinators („..der mächtigste Mann im „Tatort“-Reich…“, SPIEGEL ONLINE)Gebhard Henke, warum die öffentlich-rechtlichen Crime-Serien so unglaublich schlecht sind.
henkeGebhard102_v-TeaserAufmacher[1]

Aus einem SPIEGEL ONLINE-Interwiew:
Henke:„Als „Tatort“-Verantwortlicher treibt man quasi die ganze Zeit im Säurebad der politischen Korrektheit.“

„…Was Sie als Eintönigkeit kritisieren, nenne ich Sti.“ Bemängelt wurden die ewig selben Regisseure und dämlichen Plots.

„Sie unterschätzen, wie schwierig es ist, einen „Tatort“ mit Brisanz anzufüllen, ohne ständig das Publikum zu überfordern.“ Mein Gott! Hätte David Simon so gedacht, hätte es THE WIRE nie gegeben. Und keine der anderen oben aufgeführten internationalen Serien. Wie sagte schon David Chase, Erfinder der SOPRANOS: „Nicht jeder Zuschauer muss alles verstehen.“

„Ich sehe mich eher als Markenschützer. Und ohne die gewissen Erneuerungen würde die Marke „Tatort“ an Relevanz verlieren.“ Genau darum geht es: Das waschmittel muss im Regal verfügbar bleiben, auch wenn es verfault.

Für das deutsche Crime-TV gilt Rolf Giesens unsterblicher Satz über den deutschen Film:

„Wir wissen zwar wie es geht, aber wir können es nicht.“

http://www.amazon.de/Von-Alf-U-N-C-L-E-Anglo-amerikanisches-Kult-/dp/3884745107/ref=sr_1_12?s=books&ie=UTF8&qid=1411397919&sr=1-12&keywords=martin+compart

 

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6 Kommentare so far
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[…] Wie man Scheiss-Fernseh-Krimis macht: grandioser Text von Martin Compart. […]

Pingback von In Kürze (11.8. bis 15.8.) | MyStory Verlagsservice Chris Kurbjuhn

Du hast ja Recht. Auch wenn der Tatort zuweilen gar nicht soo
schlecht ist. Da entdeckt man schon ab und zu mal ein kleines
Juwel. Franziska von Dror Zahavi fand ich z.b. recht gut.
Aber was anderes, du zitierst das zweite mal in kurzer Zeit
Gore Vidal hier im Blog. Ich muss gestehen, dass ich noch nichts von dem Mann gelesen habe.
Womit sollte man anfangen ?

Kommentar von Ghijath Naddaf

Ich habe ihn in den 1970ern mit MYRA BRECKENRIDGE entdeckt und dann ganz begeistert JULIAN und WASHINGTON D.C. und BURR gelesen. So blöde es klingt, aber ich würde mit seiner Autobiographie PALIMPSEST anfangen.

Kommentar von Martin Compart

Besten Dank.

Kommentar von Ghijath Naddaf

Also, in Puncto bloßstellen missliebiger Personen könnte ja selbst die Leipziger Antifa noch etwas von Herrn Compart lernen. Der Mann teilt ja verbal aus, wie Mike Hammer mit den Fäusten.
Das Schlimme aber ist, dass er ja größtenteils Recht hat.
Doch ich finde, den zweiten Tatort mit Hrn. Schweiger macht er zu Unrecht schlecht. Im Gegensatz zu dem ersten mit unserem Til war der ganz gut und er hat mit seinen Buddy Fahrdi Yardim einen guten Sidekick. Die Schauspielerin, die mit auf dem Bild in dem obigen Beitrag ist, finde ich auch ganz gut
Weitere sehenswerte Tatort-Teams sind die Dortmunder, die Kölner, die Bremer, die Altgedienten aus der bayrischen Landeshauptstadt und die Wiener.
Nicht gut dagegen sind die aus Erfurt und aus Leipzig. Das Leipziger Team stellt ja seine Ermittlungen nach dem zu Recht quotenmäßig unerfolgreichen „Türkischen Honig“ ja bald ein. Wir können nur hoffen, dass das neue Team aus Dresden einen besseren Job macht, obwohl Martin Wuttke ein guter Schauspieler ist und es auch gute Tatorte aus der Messestadt gab
Deswegen ist auch beim Tatort noch viel Luft nach oben. So müssten irgendwie die neu auftauchenden Nebenfiguren besser in die Handlung integriert werden und nicht nach einer Folge verschwinden, in der nächsten nicht mitmachen und in der übernächsten dann doch wieder auftauchen wie bei den Kölnern.
Sie müssten auch eine klar definierte Rolle spielen und nicht so wie der Sibel Kekilli erst eine Ökobauerin und dann doch eine Kriminalistin.
Gut wäre auch, wenn die Drehbuchautoren mal etwas intensiver recherchieren würden. Dadurch könnte so ein Scheiß wie der oben von mir schon genannte „Türkische Honig“, der ein total unrealistisches Bild der Ausländer-Szene in Leipzig zeigte, vermieden werden. Selbst Fr. Thomalla, die als Kommissarin eine absolute Fehlbesetzung ist, hatte die Qualität der Drehbücher zu Recht kritisiert.
Ebenfalls gut wäre auch, wenn mal die Organisationsstruktur einer Polizeibehörde und die damit verbundenen Konflikte erstens realistisch dargestellt werden und zweitens auch mal thematisiert würden, so wie z. Bsp. in „The Wire“. Dominik Graf hatte ja mit „Im Angesicht des Verbrechens“ schon mal einen Anfang gemacht
Doch um nicht ganz so hoffnungslos zu enden, will ich noch ein paar Worte zu den Krimischreibern aus der Messestadt loswer-den: In diesem Bereich hat sich ja glücklicherweise etwas in den letzten Jahren getan. So sind viele lesenswerte Krimis in der und über die Stadt geschrieben worden. Meine perönlichen Lieblinge sind Henner Kotte, Jan Flieger, Stefan B. Meyer und Sofie Sumburane.

Kommentar von Alexander

Das Niveau der Verantwortlichen und ihre wahre Geisteshaltung offenbart sich immer dann, wenn Redakteure und Macher ständig auf den Respekt, den sie im Ausland genießen verweisen oder bedeutungsschwanger das „internationale Format“ ihrer Werke herausstellen.
Das deutsche Fernsehen, insbesondere die deutsche Fiktion, leidet vor allem unter den strukturellen Machtverhältnissen: a) dem Senderoligopol, es gibt nur vier „Player im Markt“; b) dem Einfluss der politischen Parteien bei ARD und ZDF; c) der kommerziellen Strategie der Privatsender, die allein dem Shareholder-Value, dem Profit, verpflichtet sind, was intelligente Inhalte und ansprechende Qualität von vornherein ausschließt.

(N.B. Dass „Liberalisierung“ einzig der Machtkonzentration und Aufteilung des Marktes unter einer Handvoll Anbietern, die sich gegenseitig nur einen geringen bis gar keinen Wettbewerb bereiten, dient, hat hierzulande nicht zuletzt die Deregulierung des Stromanbietermarktes bewiesen. Dort herrscht ebenfalls ein Oligopol aus vier Anbietern in genau abgegrenzten Gebieten – und damit ganz ohne Wettbewerb.)

Eine Änderung der Machtstrukturen der deutschen TV-Landsschaft und damit das Ende der leidigen, so eitlen wie sinnlosen Qualitätsdiskussion ist nicht in Sicht.

Da aktuell viel über Rettungsmaßnahmen im Irak polemisiert wird und alle Demokraten zum Handeln gegen ISIS aufgefordert werden – Waffen liefern – , ohne die Ursachen und Zusammenhänge der Lage wirklich zu durchschauen, fiel mir dieser Kommentar von dem Hill Street Blues-, NYPD Blue- und Deadwood-Macher DAVID MILCH wieder ein, der anlässlich der „MIT – Television‘s Great Writers Series“ 2006, zu dem Krieg im Irak sagte:

„Ich denke, der Krieg im Irak hat mehr mit der Verabschiedung der Medien von ihrer Verantwortung zu tun, als den Mängeln unseres Präsidenten. Durch das Fehlen einer journalistischen Vision, haben die Medien das Publikum infantilisiert.
Die virtuelle Realität des Fernsehens hat das emotionale Leben der Bevölkerung ersetzt. Ich habe damit aufgehört, Serien in der Gegenwart spielen zu lassen, weil der Angriff am 11. September im kollektiven Empfinden der Bevölkerung so viel Angst produziert hat, dass diese nur mit einer Drei-Wochen-Miniserie beruhigt werden konnten, die allein darauf abzielte, die Bevölkerung zu besänftigen: Ihr braucht euch nicht zu fürchten, wir bringen den Krieg zu ihnen (den Terroristen).
Die Motive für diesen Krieg haben nichts mit Massenvernichtungswaffen zu tun, aber alles, mit der Gewöhnung der Zuschauer an verzerrten Formen menschlicher Erfahrungen, für die die Medien verantwortlich sind.
In den ersten drei Wochen, erhielt die Irak-Miniserie eine enorme öffentliche Zustimmung, denn es war ja die Serie, die wir sehen wollten. Sie hatte einen Anfang, eine Mitte und ein Ende.
Die gegenwärtige Unzufriedenheit hat nichts mit dem irakischen Volk zu tun, sondern mit der Tatsache, dass die Serie zu Ende ist, und wir sie nicht mehr sehen wollen. Es war ein Krieg, der aus den falschen Gründen unternommen wurde und auf den aus Gründen, die die Öffentlichkeit nicht versteht, reagiert wurde.
Die Diskussion über Bush, hat nichts mit Bush zu tun, sondern mit der Tatsache, dass er die Hauptfigur in einem „falschen Drama” ist. Egal, wer auch im Amt wäre, er würde von der so genannten Intelligenz kritisiert. Damit sage ich nicht, dass Bush kein Vollidiot ist. Ich kenne ihn, wir gehörten der selben Studentenbruderschaft an.
Aber das ist nicht, was geschieht. Die größte politische Lüge, wurde nicht von George Bush geäußert, sondern von Franklin Delano Roosevelt, als er zuließ, dass Pearl Harbor angegriffen wurden, um die öffentliche Meinung für einen Krieg zu gewinnen. Ich kritisiere Roosevelt ebenso wenig, wie ich George Bush verteidige. Ich sage nur, die Frage dreht sich um die notwendige Kenntnisnahme der moralischen und imaginativen Qualität dessen, was zu einer völlig virtuellen Existenz geworden ist.
Die Menschen verbringen mehr als die Hälfte ihrer aktiven Zeit vor dem Fernseher. Das muss doch die Nervenbahnen formen. Es schafft eine Ungeduld gegenüber langwierigen, komplizierten Lösungen.
Ich versuche Geschichten zu erzählen, die diese Themen behandeln. Ich mache keine Gegenwartsdramen mehr, weil diese zu tief in der amerikanischen Psyche verwurzelt sind. Wenn es einen weiteren Angriff wie am 11. September gäbe, glaube ich, würde die amerikanische Öffentlichkeit für die Vernichtung aller Menschen muslimischen Glaubens stimmen.”

Wenn der Satz gilt, „Stories sind Metaphern für unser Leben“, stellt sich mir die Frage, wie viel Gedanken machen sich deutsche Fernsehschaffende? Die Antworten kann jeder jeden Tag auf dem Flatscreen seines Vertrauens selbst ansehen.

Ich habe vor Jahren damit aufgehört.

Kommentar von Harry




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