Martin Compart


STAMMTISCHGEGRÖLE: ACHTET AUF KATZENFÄNGER UND ANDERE TIERQUÄLER by Martin Compart

Es ist wirklich zum kotzen: Immer wieder sehe ich an einer meiner Laufstrecken (laufen, joggen=bei mir ein Euphemismus für zügiges voran schleppen) Mitteilungen an Pfählen oder Zäunen über verschwundene Katzen. Das erlebe ich nun seit Jahren. Es gibt immer noch genügend Siedlungen oder Vororte, wo diese verfluchten Katzenfänger zuschlagen können, ohne erwischt und getötet zu werden. In Niedersachsen treibt wieder ein Ripper sein Unwesen und metzelt Schafe so bestialisch nieder, dass selbst die hart gesottenen Bauern kotzen. Dieser Abschaum darf sich nicht auf Rechtsstaatlichkeit beziehen, da das Bürgerliche Strafrecht lediglich Verbrechen gegen Menschen oder Sachen ahndet. In meiner kleinen primitiven Welt gehören Tierquäler und Katzenfänger aus dem Universum annulliert. Meinetwegen dürfte man auch bei Tier-KZ-Firmen wie WIESENHOF die Betreiber, Mitarbeiter und Kunden final zur Rechenschaft ziehen. Von Pharma- und Kosmetikfirmen (deren Kundinnen sich die Schmiere als Hohlraumversieglung auf die hässlichen Schädel schmieren) gar nicht abgesehen.
Es war diese hilflose Wut, gerade auf diese widerwärtigen Katzenfänger, die mich u.a. dazu trieb, DIE LUCIFER CONNECTION zu schreiben um da auch ein paar Hintergründe zu recherchieren. Viele ehrenhafte Menschen in unserer Kleptokratie bemühen sich um Tierschutz, setzen viel Zeit, Geld und Energie ein. Und sie betreiben Aufklärung. Auch hier im Internet. Aber es scheint nie zu reichen, denn diese Woche habe ich wieder einen an Zäunen angebrachten Hilferuf gesehen, auf dem verzweifelte Zweibeiner den Abgang ihres kätzischen Mitbewohners beklagen und um Suchhilfe bitten. Es wird ausgehen, wie fast immer: Juli bleibt verschwunden, weil sie Katzenfängern in die schmutzigen zum Abhacken frei gegebenen Hände gefallen ist. Trotz all der Warnungen und Beobachtungen im Internet. Also gebe ich auch hier meinen Sermon dazu und veröffentliche die Passagen aus LUCIFER, die sich mit dem Vorgehen durch Katzenfänger beschäftigen. Wenn nur EINER etwas daraus dazu lernt, für die dreckigen Tricks sensibilisiert wird und diesen Ausgeburten der Hölle dadurch EINE Katze weniger ins Netz geht, bin ich schon zufrieden.


Aus dem 3.Kapitel:

Kurz vor dem beginnenden Wald stand links ein einsames kleines Haus, von einer hohen Hecke umgeben. Der Zielort. Gill parkte den 190er halb im Feld, stieg aus und ging hundert Meter auf dem Feldweg zum Haus. Im Schutz der Hecke saß vor der Tür ein junger Mann in der Sonne, einen kleinen Welpen auf dem Schoß. Das Gesicht war offen, wirkte flach. Der Körper drahtig und durchtrainiert. Zwei riesige Labradors kamen böse knurrend auf Gill zu. Dominik rief ihnen etwas zu. Sie stellten das Knurren ein und schnüffelten an Gill.
„Ich bin Gill. Wir haben telefoniert.“
„Denk´ ich mir.“
„Wieso geht der eine so komisch?“
„Heinrich hat Probleme mit der Hüfte. Genetisch bedingt. Ein Zuchthund. Man sollte alle Züchter erschießen. Es gibt genügend Kreaturen in den Tierheimen.“
„Man sollte die Käufer von Zuchttieren erschießen.“
„Heinrich ist ein typisches Scheidungskind. Er sollte an Kindes statt die Ehe retten. Hat nicht funktioniert. Tut es nie. Auch nicht durch Kinder.“
„Was erwartest du von Idioten, die bei Züchter kaufen?“
Ein Grinsen ging über Dominiks offenes Gesicht. Gill musterte ihn. Er hatte Sommersprossen, wirres rotblondes Haar und intelligente Augen. Trotz der Wärme trug er eine paramilitärische Kampfjacke. Gill sah das von einem metallenen Pferdekopf gekrönte Lappenmesser aus der Innenseite hervorgucken. Lappenmesser können verdammt scharf und gefährlich sein. Um Tiere abzustechen trug es Dominik sicherlich nicht bei sich.
„Nora hat gesagt, du bist okay. Das reicht mir. Womit kann ich helfen?“
„Ich brauche eine Art Lagebericht. Ich suche nach einer verschwundenen Katze.“
„Dein Ernst?“
„Bei einem Auftrag mache ich keine Scherze. Ich weiß selber, dass das schwierig ist.“
„Jeden Tag verschwinden Katzen. Freiwillig oder unfreiwillig.“
„Freiwillig scheidet aus. Noch ein ganz junges Tier. Geringer Radius. Alle Suchaktionen in der direkten Umgebung waren erfolglos.“
Dominik seufzte. „Gehen wir rein.“
Etwas stupste Gill in den Hintern. Er drehte sich herum. Ein Labrador sah ihn treuherzig an. Im Maul hatte er einen abgesabberten Turnschuh.
„Heinrich will spielen. Du sollst versuchen ihm den Turnschuh wegzunehmen.“
Gill griff den Turnschuh und zerrte daran. Knurrend stemmte sich der große Hund dagegen. Gill ließ los und Heinrich tobte begeistert davon. Einen weiteren Sieg über die Zweibeiner verbuchend.
An einer Seite des Flurs standen großzügige Käfige mit Kleinnagern. Rechts ging die Küche ab. Gill warf einen Blick hinein und war überrascht: Sie war hochmodern und mit allen Extras ausgestattet. „Vegetarisch zu kochen ist nicht einfach – wenn es richtig gut schmecken soll. Ich bin ein Gourmet oder sowas.“
Sie betraten das Arbeitszimmer. Hier herrschte kreatives Chaos. Mehrere Computer, voll gestopfte Buchregale, verstreute Papiere. An einer Pinnwand hingen Karikaturen und TITANIC-Cover. Darunter das berühmte, indizierte TITANIC-Cover mit der Großaufnahme von Kurt Beck: „Problembär außer Rand und Band. Knallt die Bestie ab“.
„Katzenfang ist ein hochkriminelles Geschäft. Von Banden organisiert, die zum Organisierten Verbrechen gehören. Die Felle werden in der Bekleidungsindustrie als Pelzkragen und so was verarbeitet. In Polen und Holland hat man sich darauf spezialisiert aus Katzenfellen Rheumadecken herzustellen, die richtig teuer auf Kaffeefahrten verscherbelt werden. Aber die richtige Kohle steckt in der pharmazeutischen Industrie…“

„Wie immer“, sagte Gill. Sein Blick fiel auf ein weiteres Bild von Schäuble. In der dazu gehörigen Sprechblase: „Ich galt als körperbehindert, dabei bin ich geistig behindert. Mit Hilfe der Pharmaforschung habe ich die Tour de France gewonnen. Auf zwei Rädern.“
„Was wenige wissen. Die Pharmaforschung darf jedes Jahr 600 Versuchskatzen quälen und umbringen. Für Hautcremes für hässliche alte Weiber und so was. Aber natürlich braucht sie viel mehr Versuchstiere. 2000 wurden in Deutschland 1108 Katzen für Tierversuche gequält. Insgesamt werden jedes Jahr an die zwei Millionen Tiere in den Laboren umgebracht. Da schaut keiner genau hin. Auch nicht die Grünen.“
„Die sollte man als Versuchstiere nehmen.“
„Eignen sich nicht. Genetisch zu degeneriert.“
„Wie alle Politiker.“
„Jedenfalls bezahlt die Pharmaindustrie mehrere hundert Euro für ein Versuchstier. Und wir kommen über Steuern auch noch dafür auf.“
„Jetzt sehe ich klar. Ein Millionengeschäft. Aber wie gehen die Banden vor? Kann man sich nicht effektiv schützen?“
„Wir betreiben eine Menge Aufklärung. Durch Handzettel und so was. Meistens gehen Bandenmitglieder in einer Siedlung rum und tarnen sich als Spendensammler, Mitglieder einer Meinungsumfrage oder, besonders beliebt da gut vernetzt, Zeitschriftendrücker. Sie fragen nach Haustieren und so was. Wenn sie alles ausbaldowert haben, stellen sie gern Mülltonnen für Altkleidersammlungen auf. Die darauf angegebene Organisation existiert nicht. Entweder ist die Telefonnummer falsch oder eine Handynummer. Du erkennst die Tonnen daran, dass sie Luftlöcher haben. Sie haben zuschnappende Fallen als Eingang und innen sind Lockstoffe ausgelegt. Am nächsten Tag werden sie eingesammelt. Sie hängen sich auch gerne an Sperrmüll. Da fällt es nicht weiter auf, wenn Kleintransporter langsam durch die Gegend fahren und die Straßen absuchen. Oder die Fänger kommen nachts mit Fallen mit Lockstoffen und fischen ab, was sie kriegen können.“
„Auch gechipte Tiere?“
„Unverhältnismäßig viele registrierte Katzen verschwinden. Für einen EDV-Hacker ist es ein Leichtes, die erfassten Halteradressen auszuspionieren. Die Tiere sind fast ausnahmslos gepflegt, kastriert und geimpft. Die Versuchslabore bekommen also ein perfektes Tier auf Bestellung, in das man bis zum Versuch keinen Cent stecken muss. Alter nach Wunsch, wie praktisch! Da wird man doch nicht jahrelang selbst welche züchten, das kostet unnötig viel Geld, Platz und Personal.“
„Perfide Nummer.“
„Du sagst es.“
„Ich muss telefonieren.“ Gill rief seinen Mandanten an und beauftragte ihn, seiner Mutter ein paar Fragen zu stellen.
„Ich bekomme einen Rückruf.“
Sie gingen wieder ins Freie. Heinrich tobte mit seinem Schuh durch die Botanik und verteidigte ihn gegen den anderen Labrador.
„Willst du einen Tee.“
„Nicht unbedingt.“
„Ein Bier?“
„Zu früh. Wasser. Gib mir bitte einfach Wasser aus dem Hahn.“
„Kein Problem. Was essen?“
„Deine Küche beeindruckt mich zwar schwer – aber nein. Nicht bei dieser Hitze. Da esse ich nur abends.“ Gill zog den Hunderter seines Klienten heraus. „Nimm das und setz es so ein, dass möglichst viele Arschlöcher zu schaden kommen.“
„Geld brauchen wir immer. Ich gebe dir keine Quittung. Kannst du nicht von der Steuer absetzen oder so was. Wir sind nicht eingetragen.“
„Das will ich doch schwer hoffen.“
Dominik brachte ihm ein Glas Wasser. Gill zündete sich eine Reval an. „Ich besorge euch die Einsatzpläne der Drückerkolonnen in NRW. Ich habe da eine Quelle.“
„Das wäre cool. Da könnten wir dann präventiv was machen oder so was.“
„Aber passt auf. Wenn das organisierte Banden sind, dann habt ihr es mit harten, brutalen Leuten zu tun. Da nützt kein Finnendolch.“
„Mann, wir sind nicht erst seit gestern in dem Genre. Wir haben schon ein paar Schlachten geschlagen.“
„Ich gebe dir meine Telefonnummer. Aber nur, wenn mal was ganz Hartes am Start ist, okay?“
„Cool.“
„Oder so was.“
Gills Handy klingelte. Michael berichtete, dass ein Zeitungswerber, am Tag bevor Henry verschwunden war, seine Mutter belästigt hatte. Er wollte ihr ein Katzenmagazin aufschwatzen. Michael konnte sich auch daran erinnern, dass merkwürdige Container aufgestellt worden waren, die aber inzwischen wieder verschwunden waren. Alles passte.
„Würdest du mir eine Katze anvertrauen, mit der ich eine Falle stellen kann?“
Dominik sah ihn skeptisch an.
„Es passiert ihr nichts. Ich garantiere dafür.“
„Ungern.“
„Ich mache das auch ungern. Aber wenn es klappt, ziehe ich eine ganze Gruppe aus dem Verkehr. Deswegen gehe ich das Risiko ein.“


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