Martin Compart


Noir Fragen an Andreas Winterer by Martin Compart
4. Oktober 2011, 7:44 am
Filed under: Andreas Winterer, Fragebogen, Science Fiction | Schlagwörter: ,

Diesmal hat Andreas Winterer den Bünnagelschen Noir-Fragebogen ausgefüllt. Und da bleibt kein Auge trocken. Sein goldiger Humor hat mir schon in SCOTT BRADLEY das Herz erwärmt. Beispiel gefällig?
Aber gern:

„Der Kobalt-Torpedo zischte vorbei, schrammte die Heckflosse und verlor sich dann in der Ferne des Alls (wo er dann Lichtjahre später aus Versehen eine hochstehende und gottesfürchtige Zivilisation auslöschen würde: die Supernova hatte jedoch auch ihr Gutes, da sie auf einer fernen Welt drei Typen aus dem Morgenland den Weg wies, was zahllose weitere Kriege, Folterungen und Steuern nach sich zog, aber das ist eine andere Geschichte).“

Andreas Winterer, ’68 in Köln, freiberuflicher Autor und Journalist im Umfeld Informationstechnologien, Wissenschaft, Kultur. Söldner des Wortes und Ghostwriter für alle, die bezahlen. Coach für Kreativität. Satiriker bei ZYN!. Kolumnist bei evolver.at. Herausgeber des ältesten europäischen digitalen Literaturmagazins Zarathustras miese Kaschemme http://kaschemme.de. Autor anspruchsvoller Lyrik und Prosa (unter unbekannten Pseudonymen). Autor der Sci-Fi-Satire ‚Cosmo Pollite‘ (zweifach nominiert als bester SF-Roman des Jahres 2000). Hauptautor der Military-Sci-Fi-Anthologie ‚Scott Bradley‘ (2011), in deren Mittelpunkt der Weltraum-Haudegen und Space-Söldner Commander Bradley samt eingeschränkter Fähigkeit zu politisch korrektem Verhalten steht. Autor der Sachbücher „Viren, Würmer und Trojaner“ und „Windows 7 Sicherheit“ über den großen Cyberwar und die ganz kleinen alltäglichen Sicherheitsprobleme am PC; Sicherheitsblog auf http://scareware.de.

Berufungen neben dem Schreiben?
Obergescheit daherreden.

Film in Deinem Geburtsjahr?
Leichen pflastern seinen Weg

Was steht im Bücherschrank?
Zu viel Ungelesenes. Noir-mäßig eher Spillane als Hammett.

Was war Deine Noir-Initiation (welcher Film, welches Buch)?
Sidney Toler in „Charly Chan“, falls das als Noir durchgeht.

Welches Noir-Klischee ist Dir das liebste?
Der tragische Schuss am Ende.
(Etwa: „How could you“ „It was easy“ in „I, the Jury“)

Ein paar Film noir-Favoriten?
Blade Runner, Lichter der Vorstadt, Der dünne Mann, Fahr zur Hölle Liebling, Gangster in Key Largo, Sunset Boulevard, Chinatown. Außerdem hege ich eine schuldbewusste, aber tiefe Liebe zur TV-Serie „Mike Hammer- Private Eye“, die allenthalben als schlecht betrachtet wird, die ich aber für genialisch halte.

Und abgesehen von Noirs?
Aktion Mutante, The Long Kiss Goodnight, Dirty Harry, Der eiskalte Engel, Das verlorene Wochenende, Barton Fink, Pi, Videodrome, Perdita Durango. Sowie fast alles mit Aliens, Killerrobotern, Raumschiffen und anderen Dimensionen sowie Banküberfällen, Betrügereien, Piraten, Revolverhelden-Schießereien und knapp bekleideten schönen Frauen. Am besten alles in einem.

Welche Film- oder Romanfigur würdest Du mit eigenen Händen umbringen?
Captain Quinlan in „Touch of evil“

Noir-Fragen – Dein Leben als Film noir

1. Im fiktiven Film noir Deines Lebens – welche Rolle wäre es für Dich?
Ich spiele Piano in einem Nachtclub, in dem sich die Unterwelt die Klinke in die Hand gibt. Ich lasse mich auf einen krummen Deal ein, um endlich aus der ärmlichen Scheiße rauszukommen. Wir wollen das Syndikat abzocken, aber natürlich werden wir alle zu gierig, sind zu dämlich und gehen deswegen drauf. Am Ende krepiert auch die femme fatale, weil sie sich die Kugel einfängt, die eigentlich für mich bestimmt war – ihre erste und einzige selbstlose Tat, aber der Beweis, dass ich doch recht hatte, dass auch in dieser Schlampe ein goldenes Herz schlummerte, dass nur keine Gelegenheit, kein Licht in seiner Nähe hatte, in dem es glänzen könnte. Danach niete ich den Drecksack um, als die Bullen schon groß aufgefahren sind – sie sehen grinsend zu, wie sechs Mal Blei die Staatskosten senkt.
Im Knast spiele ich Piano, für sie. Kameraschwenk aus den Gittern heraus hoch in die Wolken, Abblende.

2. Und der Spitzname dazu?
Bernie „Blue Note“ Niffles

3. Welcher lebende (oder bereits abgetretene) Schriftsteller sollte das Drehbuch dazu schreiben?
Joe R. Lansdale und Barry Gifford

4. Berühmtestes Zitat aus dem Streifen?
Mahoney: „Diese Frau bringt Dir kein Glück!“
Niffles: „Ich will kein Glück, ich will diese Frau.“

5. Schwarzweiß- oder Farbfilm?
Schmutzige Farbe, 70er/80er-TV-Look.

6. Wer liefert den Soundtrack zum Film?
Themen von Earle Harry Hagen, Stimmungen von Bernard Herrmann

7. Welche Femme fatale dürfte Dich in den Untergang führen?
Lauren Bacall und sonst keine.

8. In welchem Fluchtwagen wärst Du unterwegs?
Citroën DS

9. Und mit welcher Bewaffnung?
Colt Detective Special .38

10. Buch für den Knast?
Die Bibel.

11. Und am Ende: Welche Inschrift würde auf dem Grabstein stehen?
Gott hat ihn zu sich genommen. Er wird seine Gründe gehabt haben.

Hier die erste Lesung von Andreas und mir auf unserer Wien-Tour:

Dank an Chris Haderer, der uns auf der ganzen Tour begleitet hat. Während wir vor und nachglühten, durfte er die Technik auf- und ab bauen. So war er leider immer als letzter beim Heurigen.


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[…] einen Noir-Roman im Porno-Milieu von Krimi-Legende Martin Compart, der mich schon in seinem Noir-Fragebogen verewigte, und finde in seinem übrigens ganz köstlich dreckigen Buch diese […]

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