Martin Compart


GESCHICHTE DER SÖLDNER by Martin Compart
3. Juli 2011, 12:27 pm
Filed under: Bücher, Politik & Geschichte, Rezensionen, Söldner | Schlagwörter: ,

Söldner sind böse!
So lernt man das auf der Klippschule und aus Postillen wie BILD, ZEIT oder SPIEGEL. Dummerweise stimmt das genauso wenig wie die meisten Verallgemeinerungen (von Bankern, Spekulanten und Politikern einmal abgesehen). Söldner sind Instrumente, wie etwa ein Hammer: Man kann ihn gebrauchen um Nägel in die Wände zu hauen, oder um mit ihm den Schädel eines Mitmenschen zu zertrümmern. „Es sind nicht die privaten Sichherheitsfirmen (Private Military Companies), die die Demokratie zerstören, wie manchmal gerne verkündet wird, sondern bestehende staatliche Institutionen, die mit der Beschäftigung solcher Firmen parlamentarische Kontrollinstanzen umgehen“, schreibt Frank Westenfelder im besten deutschsprachigen Buch zum Thema Söldnerwesen. Die „kleine Geschichte“ ist ein großer Wurf!


Frank Westenfelder: EINE KLEINE GESCHICHTE DER SÖLDNER. Adatia Verlag, 2011.

Da es kaum Kriege gab und gibt, in denen Söldner keine Rolle spielen, scheint das Thema kaum zu bewältigen zu sein – auch wenn Westenfelder erst kurz vor der Neuzeit 1000 n.Chr. einsetzt. Aber ihm gelingt es blendend, zu jeder Epoche einen großen Überblick zu geben und dann an exemplarischen Einzelfällen die jeweiligen Spezifika heraus zu arbeiten. So geht er zum Beispiel in Folge des Russischen Bürgerkriegs genauer der Masse an weißrussischen Militärs nach, die als Söldner die Geschicke in China und Zentralasien zwei Jahrzehnte mitbestimmt haben. Ob politischer Überblick, militärische Taktiken, Strategien oder Waffentechnologie – das Buch strotzt vor interdisziplinärem Fachwissen. Und Westerfelder beschreibt die komplexesten Themen so eingängig, dass sich das Buch wie ein Thriller liest. Ein Page-Turner, den man schwer aus der Hand legen kann und politisch von keinerlei Naivität getrübt: „Die CIA soll Resultate bringen, aber die Menschenrechte beachten. Also lässt man Häftlinge zum Verhör nach Pakistan oder Ägypten bringen, wo Folter zwar auch verboten ist, sich aber niemand darum kümmert… Man schafft mit voller Absicht rechtsfreie Zonen… Bei PMCs wie Blackwater, Dyncorp oder MPRI handelt es sich um keine Söldnerfirmen, sondern um inoffizielle Dienststellen von Pentagon und CIA, von denen sie vollkommen abhängig sind, was einem Söldnerstatus eindeutig widerspricht. Sie dienen dazu, demokratische Kontrollinstanzen wie Senat und Kongress zu umgehen, mindern den Druck der Öffentlichkeit.“

Dr.Frank Westerfelder studierte in Karlsruhe Literaturwissenschaft und Geschichte. Er promovierte zum Thema nationalsozialistische Ideologie im historischen Roman – eine Arbeit, man auch gerne liest: http://www.westfr.de/ns-literatur/. Heute lebt er als freischaffender Programmierer in Barcelona. Von dort aus betreibt er die wohl beste Netz- Seite über das Söldnertum, der auch international nichts Vergleichbares entgegen gesetzt werden kann. Und genau an dieser Schnittstelle ergänzen sich zwei Medien vorzüglich: Man findet auf der Page http://www.kriegsreisende.de zu jedem im Buch angesprochenen Thema Ergänzungen und Vertiefungen. Ein Paradebeispiel dafür, wie hervorragend sich das älteste- und modernste Massenmedium ergänzen können. Die Page macht das Buch auch keineswegs überflüssig, da es dem Interessierten erst einmal einen generellen Einblick ermöglicht, das Rüstzeug liefert an Hand dessen man weiter gehende Informationen einordnen kann. So sollte heute mit Geschichte umgegangen werden.

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