Martin Compart


OSSENDOWSKI – DER MYSTERIÖSE PROFESSOR 1/ by Martin Compart

Ferdinand Ossendowski war eine mysteriöse Figur. Nicht unbedingt sympathisch, wie schon Sven Hedin kritisierte, der besonders die brutale Art monierte, mit der Ossendowski Tiere behandelte. Er hatte seine Finger in einigen schmutzigen Affären, politischen Intrigen und geheimdienstlichen Operationen. Bei näherer Beschäftigung stößt man auch immer wieder auf den Verdacht oder das Gerücht, dass er ermordet wurde. In den 20er Jahren gehörte er zu den erfolgreichsten Autoren der Zeit. Mit dem Buch TIERE, MENSCHEN, GÖTTER (Strange Vlg.)hatte er einen Weltbestseller, und bis heute gilt es als Klassiker der Okkultismus-Literatur.

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In bestimmten Kreisen ist es zu einem Mythos geworden. Seine Fluchtreise und seine Beschreibung lamaistischer Mysterien schlagen noch heute hartgesottene Reporter und Old Asiahands in Bann. Ein so renommierter Journalist und Reiseschriftsteller wie Terziano Terzani widmete ihm gar ein ganzes Kapitel in seinem Asienbuch FLIEGEN OHNE FLÜGEL; nämlich über seinen Besuch in Urga, bzw.Ulan Bator. Trotz aller seit den 20er Jahren zu Recht erklungenen Kritik an Ossendowski ist Terzani ihm geradezu jüngerhaft zugetan:

„Als ich mit Ossendowskis Buch unterm Arm, das ich soeben wieder und wieder gelesen hatte, in Ulan Bator aus dem Zug stieg, hatte ich das Gefühl, mit einem Gespenst auf sehr vertrautem Fuß zu stehen: Das Buch war er selbst, Ossendowski. Ich blieb eine ganze Woche in Ulan Bator, und während dieser Zeit trennten wir uns nicht einen Augenblick. Er beschrieb die Orte von einst, die wir dann gemeinsamaufsuchten. Er erzählte von bestimmten Riten, und gemeinsam sahen wir uns nach jemanden um, der sie noch praktizierte.“ Richtig rührend wird es, nachdem Terzani unter einigen Mühen endlich die alte Tempel-und Klosteranlage Gandan gefunden hat: „Einer plötzlichen Regung folgend, legte ich Ossendowski auf den Boden, setzte mich mit überkreuzten Beinen vor den Thron und wandte mich an ihn: `Ich habe mein Versprechen gehalten, wir sind da.’Kein Hauch war zu spüren, doch dann strich ein leichter Luftzug durch die bunten Seidenbänder, die seitlich von einem Tanka herabhingen, und sie ließen eine andere Zeit zum Leben erwachen. Ich spürte die Anwesenheit Hutuktus auf dem Thron, die Anwesenheit Ungerns neben Ossendowski und anderer hinter ihnen… Gern hätte ich, und sei es für wenige Augenblicke, in dieser anderen Zeit gelebt, der ich mich häufig weitaus enger verbunden fühlte als der meinigen. Aber ich dachte an den Wärter, der bald kommen und nachsehen würde, was ich tat… und die Vision verschwand. Nur Ossendowski blieb bei mir, der mich bis hierher begleitet hatte und nun wieder lebendig geworden war. Indem ich dieses Buch wiederentdeckt hatte, hatte ich seine Existenz verlängert… Unleugbar war, daß ich durch meine Neugier dieses Buch aus seinem Todesschlaf erweckt, daß ich es lebendig gemacht hatte, daß es nun etwas anderes geworden war als einfach nur ein Gegenstand, ein Buch unter vielen. Aber nahmen denn die malaiischen kris nicht auf dieselbe Weise eine Seele in Besitz?“

Zweiffellos gibt es nicht allzu viele Bücher, die Jahrzehnte nach ihrer Veröffentlichung eine derartige Magie ausstrahlen können. Wenige Bücher – von den Klassikern abgesehen – berühren noch die Menschen nächster Generationen. Das sollte man bei all den berechtigten Einwänden und Vorwürfen gegen Ossendowski bedenken.

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