Martin Compart


DER SCHLÄCHTER VOM USSURI – ATAMAN KALMYKOW 2/ by Martin Compart
16. Oktober 2010, 9:36 am
Filed under: Politik & Geschichte, Porträt, Russischer Bürgerkrieg, Ungern-Sternberg | Schlagwörter:

Seinen Leuten verkündete er: „Schneidet allen Bolschewisten die Kehle durch, oder sie werden eure durchschneiden.“ Das tat er in den folgenden Jahren mit großer Hingabe. Die Einwohner von Chaborowsk lebten während seiner eineinhalbjährigen Terrorherrschaft in ständiger Todesangst. „Sein weißgestrichener Panzerzug, der zuweilen bis nach Wladiwostok hinunter Besuche machte, war für die Bevölkerung ein Bote des Schreckens.“ (Essen, S.159)
Die Ussuri-Front brach am 24.August 1918 zu Gunsten der Konterrevolution zusammen. Tschechen und Japaner drangen von Spassk aus nördlich vor, während Kalmykows Kavallerie die östliche Flanke deckte. Diese Offensive fegte die Sowjetherrschaft am Amur hinweg.
Am 5.September eroberte er mit den Japanern und den Tschechen Chaborowsk. Die Stadt war aus zweierlei Gründen strategisch wichtig: Als Knotenpunkt der Transsibirischen Eisenbahn und mit dem Amur als Grenze zur Manchurai, also zu China.

Voller Freude ließen die Popen sämtliche Kirchenglocken der Stadt läuten. Zum Klang des Kirchenspiels begann Kalmykow umgehend, die Bolschewiken nieder zu metzeln. Die meisten waren jedoch rechtzeitig geflohen.
Nicht retten konnte sich Alexandra Kim, die erste Kommunistin Koreas. Sie hatte Chaborowsk an Bord der „Baron Korf“ verlassen, Das Schiff wurde stromaufwärts von Kosaken abgefangen und Alexandra wurde an Kalmykow ausgeliefert und am 16.September hingerichtet.
Dass dieser Schlächter auch den eigenen Leuten unheimlich war und mit seiner unberechenbaren Grausamkeit ängstigte, zeigen die vielen Desertationen in seiner Truppe. Beliebt war er aber sicherlich bei seinem treuesten Gefolgsmann, einem Tschechen namens Julinek. Der hasste alle Deutschen, Ungaren und natürlich die Kommunisten. Er war für Kalmykow ein wertvoller Mitarbeiter, da er sich darauf spezialisiert hatte ausländische Hilfsorganisationen und das Rote Kreuz rücksichtslos auszurauben und den Großteil der Beute an seinen Herrn und Meister weiter zu geben.

Zwei Tage später zog das 27. Infanterie Bataillon der US-Armee, die „Wolfhounds“, unter Lieutnant-Colonel Charles Morrow in die Stadt ein. Neben der aufgehenden Sonne, wurden Stars und Stripes am Bahnhof hochgezogen. Es kam schnell zu Spannungen zwischen den Amerikanern und Kalmykow. Er verbot sogar Eheschließungen zwischen Russinnen und Amerikanern. Nach einem Zwischenfall der dazu führte, dass Kalmykow amerikanische Soldaten auspeitschen ließ, gab Colonel Morrow folgenden Befehl aus: „Jeder Hurensohn, der von einem Kosaken gepeitscht wurde und diesen nicht sofort erschießt, bekommt sechs Monate Bau.“ Morrows Antipathie ging so weit, dass er 1919 die Inhaftierung von Bolschewisten verhinderte. Viele Amerikaner unterstützten angesichts der weißen Terrorherrschaft die Bolschewiken mit Essen, Zelten, Colt Revolvern und sogar Maschinengewehren. Einmal beobachteten die Amerikaner folgende Szene: Kalmykow ließ Bolschewiken mit ihren Frauen und Kindern an den Stadtrand treiben.. Dort mussten sie sich auf den Boden legen. Dann schritt der Ataman über sie hinweg und wählte Männer, Frauen und Kinder aus, die aufstehen und wegrennen mussten. Kosaken folgten ihnen schreiend, ritten sie nieder und zerstückelten sie mit ihren Säbeln.
Außerdem hatten die Amerikaner Probleme mit den Japanern, die in ihrem Sektor brutale Übergriffe und Morde begingen. Wenn die japanischen Soldaten nicht selber angebliche Bolschewiken niedermetzelten, ließen sie Kalmykow durch Telegramme von Semjonow aufstacheln, den Amerikanern Schaden zuzufügen. Oft wurden die Gis aus den ein und zweistöckigen Holzhäusern beschossen, wenn sie durch die Strassen gingen.

Kalmykow (x); rechts daneben: Semjonow

Am 8.November 1919 raste er mit seinem Panzerzug nach Wladiwostok um an der Niederschlagung des Coups von General Gaida teilzunehmen. Der ehemalige tschechoslowakische Feldscheer Gaida hatte es bis zum Oberkommanmdeure der Tschechischen Legion gebracht und in Wladiwostok einen Coup angezettelt, der ihn zu einer Art Diktator machen sollte. Japanische Torpedoboote griffen Gaidars Stellungen vom Hafen aus an, während sich Kalmykows Panzerzüge zu Lande näherten. Die kurze Schlacht fand in einem unheimlichen Regen statt, der Wladiwostok in einen grauen Mantel hüllte. Gaida wurde leicht am Fuß verwundet und versprach nach seiner Niederlage, Russland für immer zu verlassen. Er begab sich umgehend an Bord eines Schiffes um abzureisen. Zum selben Zeitpunkt führte Kalmykow unter Gaidars Mitkämpfern Massenexekutionen durch.
Nach dem sich abzeichnenden Sieg der Roten, wartete Kalmykow nicht ab, dass die Partisanen bis Chaborowsk vordrangen. Mit seinem persönlichen Goldschatz, einem Dutzend Kosaken und achtzig Kadetten des Kalmykow-Korps überquerte er am 12. Februar 1920 den gefrorenen Amur nach China. Am 8.März entwaffneten Chinesen den Trupp, nahmen den Schatz an sich und setzten ihn in Jilin gefangen. Kalmykow hatte dummer Weise während seiner Terrorherrschaft auf chinesische Kanonenboote feuern lassen, die Chabarowsk zu nahe gekommen waren. Kalmykow gelang es zu fliehen und er versteckte sich auf dem Gelände des alten russischen Konsulats. Nachdem man ihn wieder eingefangen hatte, erschoss man ihn im Juli während seines Transports nach Peking.


1 Kommentar so far
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Interessante und auch ziemlich brutale Fakten aus einem,zumindest für mich, recht unbekanntem Kapitel des russischen Bürgerkriegs. Die Ratte Kalmykow hat ja schlußendlich auch das bekommen,was er verdient.

Kommentar von Alexander




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