Martin Compart


Vom Meat- zum Moneyshot – zur Geschichte des Pornos 5/ by Martin Compart
21. Juli 2009, 11:41 am
Filed under: Film, Politik & Geschichte, Porno | Schlagwörter:

Die meisten Stag-Filme wurden in den USA hergestellt, gefolgt von Frankreich, wo das Genre so verbreitet war, daß erst de Gaulle dagegen mit härtester Repression vorgehen ließ. In den 20er Jahren wurden in Frankreich mehr Filme als in den USA gedreht. Eine liberale Sexmoral und Gesetzgebung ermöglichten sogar, daß Produzenten wie Bernard Natan und Dominique ihre Pornos in Anzeigen in Blättern wie „Paris Plaisir“ oder „La Vie“ bewerben konnten. Später aber verbot der französische Kultusminister in den Seventies den Export französischer Pornofilme – aus Angst um das Image Frankreichs!

Ein berühmter deutscher Stag-Film war „Am Abend“ (1910): Nachdem ein Mann durch ein Schlüsselloch beobachtet hat, wie eine Frau masturbiert, betritt er das Zimmer und treibt es mit ihr vaginal, oral und anal. Im Chaos nach dem Ersten Weltkrieg blühte in der Weimarer Republik jede Form von Pornographie. 1920 verabschiedete der Reichstag einen Zensurparagraphen für die Filmindustrie, der diese Freizügigkeit einschränkte. Aber erst 1926 wurde jede Form von Pornographie verboten.
Den Höhepunkte der Anti-Sexualität erlebte Deutschland 1933 mit der Machtergreifung der Nazis. Sie vernichteten das Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld in Berlin und damit auch die größte systematische Sammlung deutscher Pornographie. Einen Monat vor dem Überfall durch die SA hatte Hirschfeld mehrere Kisten mit wissenschaftlichem Material und Pornographie nach Argentinien verschickt. Von dort aus gelangte es später unter Umwegen zum Kinsey-Institut, wo es heute noch eingesehen werden kann.

Viele Stags kamen aus Lateinamerika, wo die Staatsmacht weniger präsent war. Vor allem in Tijuana und Havanna wurden üble Filme hergestellt, in denen Frauenhaß sowie die Verachtung der katholischen Kirche ihren Ausdruck fanden. Verstärkt wurden in Lateinamerika auch sodomistische Filme (Bestiality) hergestellt. Heute gilt vor allem Mexiko als großer Lieferant für Snuff-Filme (Filme, in denen reale Morde gezeigt werden; aber Snuff ist ein Thema für sich – und hat nichts mit „normaler“ Pornographie zu tun).
Während der Depression in den 30er Jahren wurden die Produktion und der Vertrieb integraler Bestandteil der Untergrundwirtschaft, die von den bekannten Gangsterbossen der jeweiligen Regionen kontrolliert wurde. Erst in den Fünfzigern, als sich die 16-mm-Schmalfilmtechnik durchsetzte, fanden Pornofilme Einlaß in die privaten Haushalte der Mittelschicht.

Die gesamte Geschichte des Pornofilms kann man unter dem Aspekt betrachten, daß technische Entwicklungen und ihre Nutzung durch die Pornographen zunehmend darauf abzielten, im privaten Bereich konsumierbar zu werden. Der vorläufige Endpunkt ist dank dem Internet erreicht, das dem Konsumenten sogar den Gang in die Videothek erspart.

FORTSETZUNG FOLGT


Schreibe einen Kommentar so far
Hinterlasse einen Kommentar



Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: