Martin Compart


Vom Meat- zum Moneyshot – zur Geschichte des Pornos 1/ by Martin Compart
20. Juli 2009, 10:31 am
Filed under: Bücher, Film, Politik & Geschichte, Porno | Schlagwörter:

Die Zeiten, als sich Männer mit hochgeschlagenem Kragen ihren Schmuddelkram noch in schmierigen Läden in den schmutzigen Straßen der Slums besorgten, sind längst vorbei. In den vergangenen paar Jahrzehnten haben sich Pornographen und Konsumenten immer mehr emanzipiert und das Genre zu einem Großteil aus der Anstößigkeit befreit.
Die Jahrhunderte währende christliche Repression von Sexualität und ihrer medialen Aufbereitung ist weitgehend beendet. Eine Pornodarstellerin wie Jenna Jameson ist heute nicht nur Popstar und das meistphotographierte Covergirl aller Zeiten, sondern auch ihre eigene Produzentin und Multimillionärin. Hollywood-Stars sonnen sich in der Begleitung von Hardcore-Queens, und für das Image echter Rock´n´Roller ist ein Verhältnis mit Sexakteurinnen immer ein Gewinn.
Ein alter Pornofreund wie Don Johnson besetzte Jenna Jameson in den 90er Jahren in zwei Folgen seiner Erfolgsserie „Nash Bridges“; The „Italion Stallon“ Rocco Siffredi brachte es zu einer vielbeachteten Darstellung in einem französischen Kinofilm. Selbst die wenig erfreulichen deutschen Porno-Aktricen wie etwa Gina Wild alias Michaela Schaffrat (oder so ähnlich) dürfen jetzt kleine Rollen in Fernsehserien spielen. Insgesamt ist in Deutschland aber auch die Pornographie – wie jedes populärkulturelle Genre – ohne Glamour und provinziell.
Der Weg der modernen Pornographie, wie wir sie heute kennen und schätzen, war lang, steinig und oft gefährlich. Er begann mit der Photographie: „Fünf Minuten, nachdem 1827 die Photographie und 1894 der Film erfunden wurde, stand eine nackte Frau vor der Kamera“, sagt der Pornoproduzent David Friedman. Und damit hat er recht. Man darf wohl vermuten, daß auch spätestens fünf Tage, nachdem Gutenberg die Druckkunst erfunden hatte, die ersten Pornos gesetzt wurden …

Bereits während des amerikanischen Bürgerkriegs erfreuten sich die Soldaten an den Photos nackter Frauen, die über einen Mailorder-Versand vertrieben wurden. Und noch vor der Jahrhundertwende zeigten Franzosen und der deutsche Produzent Oskar Meester sich entkleidende oder badende Frauen auf der Leinwand.
Die Geschichte der Pornographie ist wie kaum ein anderes Genre mit der Entwicklungsgeschichte der Massenmedien verbunden. Porno spielte immer eine führende Rolle bei der Durchsetzung neuer Technologien wie Film, Video, DVD oder Internet. Oft trieb er diese Entwicklung auch so stark voran, daß Medien wie Video oder Internet in kürzester Zeit zum Mainstream wurden.
Wie groß der mediale Einfluß der Pornoindustrie seit etwa 30 Jahren ist, zeigte der Kampf um die Durchsetzung des allgemein gebräuchlichen Videosystems: Anfang der 80er Jahre verlor Sonys Betamax-Technik gegen VHS, weil sich die Pornoindustrie für letztere als gängiges Format entschieden hatte. Auch bei der DVD hat sie ein entscheidendes Wort mitzureden – so wird sie wahrscheinlich auch dafür verantwortlich sein, ob sich Blu-ray oder HD-DVD durchsetzen -, da sie 2005 etwa 11.000 Titel auf DVD veröffentlichte und mit dieser Quantität den Markt beeinflußt.
1997 wurden in den USA geschätzte vier Milliarden Dollar mit Pornovideos umgesetzt, was einem Viertel des gesamten Videomarkts entsprach. 1998 setzte die gesamte Industrie, inklusive Magazine, Lizenzen, Softcore-Versionen für den Fernsehmarkt usw., in den Staaten acht Milliarden Dollar um, soviel wie Hollywood und die Musikbranche zusammen. Der „Economist“ taxierte 2004 den weltweiten Umsatz der Branche auf rund 20 Milliarden Dollar.

Der komplette Aufsatz befindet sich im Anhang von MONEYSHOT, einem Noir-Roman aus dem Porno-Milieu:

http://www.amazon.de/MONEYSHOT-ebook/dp/B007T8W99Q/ref=sr_1_8?ie=UTF8&qid=1345189478&sr=8-8


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