Martin Compart


BOND? DAS ICH NICHT LACHE! by Martin Compart
9. März 2009, 5:51 pm
Filed under: James Bond, Rezensionen

Rezension von 1989:

John Gardner: Scorpius
(Scorpius,1988).
Deutsch von Hartmut Huff; Heyne o1/8033; 317 Seiten; DM 7,80.

Es ist der Geldgier der Fleming-Erben zu verdanken, dass John Gardner nun schon zum siebenten Mal den Versuch unternehmen kann, einen der großen Mythen das 2o.Jahrhunderts und Flemings Unsterblichkeit in den Dreck zu treten. Wer 007 lediglich durch die unerträglichen Moore-Filme oder die an der Schmerzgrenze des anspruchsvollen Thriller-Fans angesiedelten Gardner-Bonds kennt, wird nie verstehen können, warum der Hector der westlichen Beamtenschaft zum Welterfolg werden konnte.
Man muss Fleming und Bond mögen um zu erkennen, was ihnen durch diese rip-offs angetan wird. Wer Flemings überragendes literarisches Talent nicht erkennt und sich über die Pop-Ikone 007 ideologisch ereifert, dem dürfte eh wurscht sein, was Gardner anstellt. Aber für diejenigen, die Fleming und sein Werk schätzen, ist es ein echtes Ärgernis. Und immerhin gehörte der vielleicht schärfste aller Krimi-Kritiker zu Flemings härtesten Fans und Bewunderern: Raymond Chandler rezensierte sogar enthusiastisch die Bond-Romane LIVE AND LET DIE, MOONRAKER und DR.No.
Gardner hat kaum Ahnung von seinem Helden. Zwar hat sich das im Laufe seiner bisher geschriebenen Romane da ein bisschen was getan, aber wirklich begriffen hat er weder die Figur noch deren Schöpfer. So lässt er den hundertprozentigen Briten etwa französische Anzüge tragen oder macht den von Kingsley Amis als Kulturbanausen richtig erkannten Bond plötzlich zum Jazz-Fan. Statt cooler Arroganz ist dem Gardner-Bond debiles Menscheln eigen. Und M, von Fleming als Inbegriff des effektiven emotionslosen Apparatschik charakterisiert, lässt er kaum motivierte Wutausbrüche hinlegen. Und „sein“ Bond behauptet gar – und da bleibt wohl jedem Fleming-Kenner die Spucke weg -:“Mein Vorgesetzter ist von einem hübschen Gesicht und einer noch hübscheren Figur leicht herumzukriegen.“ Gardner degradiert einen Pop-Mythos mit ähnlichen Steherqualitäten wie die Rolling Stones zu einem langweiligen Halbidioten der sich mühsam durch ungemein langweilige Bücher schleppt, die offensichtlich von einem Schwachsinnigen geschrieben wurden. Gardner ist völlig unfähig, so etwas wie Spannung zu erzeugen. Peinlich wird er besonders dann, wenn er krampfhaft versucht Flemings eigenwillig harten Szenenanreißer zu kopieren; das klingt dann eher nach Parodie (und die Bond-Parodien um Boysie Oakes, mit denen der Gute vor vielen Jahren mal ins Geschäft kam, waren schon schwer erträglich). Ein paar Stümpereien gefällig? Bitte sehr:
„Das Summen des Radioweckers schnitt wie das Messer eines Vandalen in den tiefen Kokon des Schlafes.“
„`Nein! Nein!Nein!`’Ja‘, sagte Bond scharf und herrisch. ‘ Ja!Ja! Und Ja!'“
Der Plot? Irgendein Schwachsinn über die xte Sekte mit einem diabolischen Führer der die Welt beherrschen will. Ein Plot, für den sich Fleming geschämt hätte. Es gibt nicht ein positives Moment für dieses stinklangweilige Buch festzuhalten. Warum durfte Bond nicht friedlich entschlummern? Und wenn schon nicht, dann hätte man wenigstens Kingsley Amis alias Robert Markham die Bond-Saga fortschreiben lassen sollen. Denn der kannte Fleming wie kein anderer und sein Bond-Roman COLONEL SUN ist immerhin besser als Flemings MAN WITH THE GOLDEN GUN. John Gardner gehört offensichtlich zu einem Komplott von SPECTRE um Bond endgültig auszuschalten.
Diese Rezension ist von 1989


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