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Im Netzmagazin TELEPOLIS hat Dominik Irtenkauf ein interessantes Interview mit dem besten deutschen Kenner der Söldner-Thematik geführt.
http://www.heise.de/tp/artikel/38/38425/1.html
Dr.Frank Westenfelder ist seit Jahren auch international bekannt und anerkannt für seine Page http://kriegsreisende.de/
die wohl umfangreichste und beste Informationsquelle zum Thema Söldner in allen Aspekten. Außerdem hat der studierte Historiker 2011 im Adatia Verlag eines der besten Bücher über das Södnerwesen veröffentlicht.
![9783940461148_s[1]](http://martincompart.files.wordpress.com/2013/02/9783940461148_s1.png?w=420)
http://www.amazon.de/Eine-kleine-Geschichte-S%C3%B6ldner-Historische/dp/3940461121/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1360079493&sr=1-2
Einsortiert unter: Comics, Conspiracy, LOSERS, Rezensionen, Spythriller | Tags: Andy Diggles, CIA, Colin Wilson, Comic, Jack Kirby, Jock, Joel Surnow, Losers, Söldner, Thriller
Ein intelligenter Geist schrieb über diesen Polit-Thriller: “der Comic, den nicht mal Hollywood kaputtmachen konnte”. Und fürwahr – Sylvain Whites Verfilmung aus dem Jahre 2010 bescherte uns nette Unterhaltung für Sonntagnachmittage. Ich halte mich jedoch lieber an Andy Diggles gezeichnete Vorlage und ihren düsteren Zynismus.
Er wolle einen Comic für Leute machen, die sonst keine Comics lesen, verkündete Autor Andy Diggle zum Start der Serie 2003. Das ist ihm wohl gelungen; dieser Comic wird auch Conspiracy-Thriller- und Robert-Ludlum-Leser in den Bann schlagen. Vielleicht habe ich in den letzten paar Jahren so wenige Comics gelesen, weil die Story selten hielt, was das Artwork versprach. Und mit Superhelden in lächerlichen Karnevalsklamotten kann ich sowieso nicht mehr viel anfangen.
Polit-Thriller im Comic sind relativ selten. Auf Anhieb fallen mir lediglich “XIII”, “Largo Winch”, “Black Op” (dazu demnächst mehr) und Greg Ruckas “Queen & Country”-Comics (die er auch zur Romanserie verarbeitete) ein. Diggles Comic scheint mir auch von TV-Serien wie “La Femme Nikita” oder “24″ beeinflußt – jedenfalls mehr als vom manichäischen Dualismus eines J. J. Abrams (“Alias”), der uns den Kampf einer guten CIA gegen eine böse CIA verkaufen will. Tempo und Komplexität der Nebenhandlungen sind mit modernen Polit-Thrillern wie den Werken von Vince Flynn, Gayle Lynds, Tom Cain oder Daniel Silva vergleichbar. Auch kann man Diggle nicht jene politische Naivität vorwerfen, die das Medium zu noch oft kennzeichnet. Der Autor hat jedenfalls seine Hausaufgaben bezüglich des Themas CIA gemacht. Durch die Recherche hat sich sein ganzes Weltbild verändert:
“Very much for the worse, I´m sorry to say. The CIA running drugs pales into insignificance next to some of the stuff that´s going on out there. I can almost see why people would rather just bury their heads in the sand and pretend it isn´t happening. It´s just too depressing for words. I´ve discovered a lot of stuff that made my hair stand on end, frankly. People think I just invented stuff like the ‘Proactive Pre-emptive Operations Group – the top-secret Defense Department operation specifically designed to provoke terrorism. And because it´s run out of the Pentagon, it´s not accountable either to Congress or to the American people. Don´t believe me? Google it. The ‘Policy Analysis Market’ is another one. Seriously, you can´t make this shit up.”
Der Zynismus amerikanischer Politiker schockierte ihn zusätzlich:
“Over half a million children died as a direct result of our sanctions on Iraq, and when U.S. Secretary of State Madeleine Albright was asked whether this price was worth it, she replied, ‘I think this is a very hard choice, but the price … we think the price is worth it.’ That gave me a moment of pause. So half a million dead children is a price these people gladly pay to get one over on their old buddy Saddam – a monster who was still being subsidized by British and American taxpayers even after he started gassing his own people. Nice.”
Natürlich ist Diggle Engländer. Seit Alan Moore, Garth Ennis und Neil Gaiman heißt es ja, daß die besten US-Comics von Briten gemacht werden (die oft aus dem Umfeld des Magazins “2000 AD” stammen, dessen Redakteur Diggle war).
Ursprünglich wollten Diggle und Zeichner Jock irgendeine alte Serie wiederbeleben. Beim Durchforsten der DC-Welt stießen sie auf die Zweite-Weltkriegs-Reihe “The Losers”. Die von Robert Kanigher erfundene Commando-Serie, die zeitweilig von Jack Kirby gestaltet und geschrieben wurde, lief von 1970 (Nr. 123) bis 1978 (Nr. 181) in “Our Fighting Forces”. Am Ende der Serie gehen dann alle drauf, inklusive Sergeant Clay, der wohl der Großvater – dies eine Reverenz von Diggle an die ursprüngliche Serie – des neuen Loser-Chefs Franklin Clays ist.
Kollege Florian Lieb charakterisierte zum Filmstart 2010 die Serie recht treffend im EVOLVER: Der Comic “handelt vom Black-Ops-Teams der Loser, einer Einheit rund um Lieutenant Colonel Franklin Clay und dessen vier Untergebene. Nach einer verdeckten Mission von ihrem Kommandeur abgeschossen und für tot gehalten, haben sie es sich zum Ziel gesetzt, ihr Leben zurückzuholen und jenen Vorgesetzten, den mysteriösen Max, zu liquidieren.
Dabei stoßen sie auf eine Verschwörung weltweiten Ausmaßes, in die neben dem Königreich Katar anscheinend auch das Verteidigungsministerium der USA verwickelt ist. Schnell verwischen die Grenzen zwischen Freund und Feind, und immer wieder fragen sich die Losers, ob sie nicht bloß Spielball und Mittel zum Zweck sind. Mit jedem Band vergrößert sich das Komplott, wird die Verschwörung immer komplexer. …
Jocks Zeichenstil variiert von Ausgabe zu Ausgabe, wodurch die Bilder manchmal mehr, manchmal weniger gelungen sind. Mehr Konstanz und Realismus (wie etwa bei Pia Guerra in Brian K. Vaughans ‘Y: The Last Man’) wären wünschenswert gewesen. So wirken die Figuren vereinzelt wie aus einem Samstag-Morgen-Cartoon – ein ziemlich störender Wechsel.”
Jocks kantiger, grobflächiger, an Storyboards erinnernder Stil ist auch nicht immer nach meinem Geschmack. Trotzdem muß ich zugeben, daß er die Geschichte dynamisch und effektiv vorantreibt. Die kinematischen Seitenaufteilungen und Perspektiven saugen den Leser mitten ins Geschehen. Die weiteren Zeichner – Nick Dragotta, Alé Garza und Ben Oliver – paßten sich dem vorgegebenen Stil von Jock an, behielten aber ihre Eigenheiten bei. Als alten Colin-Wilson-Fan freute es mich besonders, daß der Neuseeländer in den Heften 26 bis 28 zum Zuge kam.
“The Losers” ist vor allem die Serie des Szenaristen, und alle Zeichner stellten sich in den Dienst der Story. Diggle liefert auch gerne einmal bestens zitierfähige Zeilen ab, wie zum Beispiel: “Der Weg ins Verderben wird ständig instandgehalten.” Oder: “So eine beschissene Operation habe ich seit Michael Jacksons letztem Facelifting nicht mehr gesehen.” Und schließlich: “Wir sind in ein billiges Lagerhaus umgezogen. Washington bezahlt weiter für das Büro, und wir kassieren die Differenz. Clever, was? Alle anderen macht der Krieg gegen den Terror reich. Warum sollen wir nicht auch ein Stück vom Kuchen abkriegen?”
“The Losers” war von Anfang an als Serie mit begrenztem Umfang geplant. Zuerst waren nur vier Hefte projektiert, dann baute Diggle die Story auf 32 Hefte aus. Der Erfolg hielt sich in Grenzen. In den 20er-Nummern sank die Auflage auf 7000 Exemplare – das übliche Schicksal eines Kult-Comics. Mit der Veröffentlichung der Sammelbände als Trade-Paperbacks setzte dann der Profit ein. Das hatte sogar Vertigos Vertrieb geahnt: Bei einer ängstlichen Nachfrage von Diggle, ob die Serie abgesetzt würde, versicherte ihm die Vertriebschefin, daß man sie bis zum geplanten Ende durchziehen würde. Nun liegen auch bei uns die kompletten “The Losers” in fünf Paperbacks vor, in der gewohnten Panini-Qualität und der sauberen Übersetzung des alten Comic-Cracks Bernd Kronsbein.
“The Losers” wird gern mit der TV-Serie “The A-Team” verglichen (wohl auch, weil beide Filmversionen fast gleichzeitig in die Kinos kamen). Der Vergleich stimmt jedoch nur sehr oberflächlich. In beiden Serien geht es um ein Ex-Special-Force-Team, das betrogen wurde und dann auf der offiziellen Abschußliste landet. Aber Stephen J. Cannels (den ich ansonsten sehr geschätzt habe, schon wegen “Wiseguy”) Schrott-TV ist naiver Kinderkram, während Diggles Comic politische Dimensionen hat, deren zynische Weltsicht in der Realität verankert ist. Während Jean Van Hamme für “XIII” schamlos Ludlum geplündert hat (und “Largo Winch” einiges dem inzwischen vergessenen Bestsellerautor Paul-Loup Sulitzer verdankt), ließ sich Diggle von den modernen Commando-Thriller-Autoren (Andy McNab oder Chris Ryan) inspirieren. Er langweilt nicht und beleidigt auch nicht (trotz des umstrittenen Endes) die Intelligenz der Leser.
Und deshalb kann man als Polit-Thriller-Fan guten Gewissens zur Abwechslung auch einmal Comics lesen …
DIGGLE VORTRAG PART.2
Einsortiert unter: Ekelige Politiker, ORGANISIERTE KRIMINALITÄT, Politik & Geschichte, Rezensionen, Waffenhandel | Tags: Andrew Feinstein, LUCIFER CONNECTION, Söldner, Waffenhandel

Viel zu selten erreichen den deutschen Markt brisante Bücher, die unsere vermeintlich komplexe Welt durchschaubarer machen. Andre Feinsteins WAFFENHANDEL ist so ein Buch. Es dürfte zu diesem Thema für die nächsten Jahre das Standardwerk sein. Der Südafrikaner hat ausführlich recherchiert und Fakten über das bösartigste Geschäft des Planeten zusammen getragen, die einen übel werden lassen. Etwa, dass der Waffenhandel für über 40% der Korruption im Welthandel verantwortlich ist. Er zeigt auf, wie korrupt und gnadenlos die Regierungen auch vermeintlich demokratischer Staaten – ganz oben dabei natürlich Deutschland – ihre Waffenhändler protektionieren. Wenn jemand so zynisch den Profit aus dem Waffenhandel ermöglicht wie die Regierungen von Schröder und Merkel, hat er kaum das Recht, beim Mitkonkurrenten China Menschenrechte einzufordern.

Andrew Feinstein:
WAFFENHANDEL
Hoffmann & Campe, 2012. 848 Seiten.
Die Angstwirtschaft in Folge von 9/11 und den behaupteten Krieg gegen den Terrorismus hat der Branche noch mal einen Schub gegeben und sorgt dafür, dass die Verteidigungsausgaben in vermeintlich bedrohten Ländern auf Kosten sozialer- und wirtschaftlicher Ausgaben nach oben schießen: „Die weltweiten Rüstungsausgaben werden für 2010 auf 1, 62 Billionen Dollar geschätzt, was 2,6 % des weltweiten Bruttoinlandsprodukts und 235 Dollar pro Kopf der Weltbevölkerung entspricht – eine Steigerung um 53 % gegenüber dem Jahr 2000.“ Dazu sollte man gegen rechnen, das der Anteil der Einkommensarmen weltweit (mit weniger als 3470 US$/Jahr) 79 % beträgt. 1 % der Weltbevölkerung hält etwa 40 % des weltweiten Vermögens. Die reichsten 2 % der Weltbevölkerung besitzen mehr als 51 % des weltweiten Vermögens. Auf die reichsten 10 % entfallen etwa 85 % des weltweiten Vermögens. Es wundert wohl kaum, dass die führenden Waffenproduzenten zu diesen reichsten Völkern gehören: Die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Schweden, die Niederlande, Italien, Israel und China. Darunter also die bekannten Staaten, die immer nach Einhaltung der Menschenrechte jaulen, und deren Waffenfabrikanten, die alle in Krisengebiete liefern, dazu beitragen, dass sich durch sie die Konflikte verlängern und eskalieren.
Feinstein schreibt wie ein Thriller-Autor und erspart auch nicht gruselige Details (wie etwa die Einnahme Freetowns 1999 durch die Kindersoldaten der RUF, nachdem sie zuvor auf dem Mount Aureol Waffennachschub empfangen hatten) darüber, wie und wofür die Waffen eingesetzt werden, die fleißige, zum Teil gewerkschaftlich organisierte, Arbeiter in den westlichen Staaten herstellen um wichtige Arbeitsplätze zu sichern. Ähnlich bigott ist bei uns fast nur noch der Umgang mit Tabak: Man darf Zigaretten herstellen, Steuern kassieren, nur konsumieren sollte man sie nicht. Wobei die rauchfreien Zonen sicherlich besser überwacht sind, als die Endabnehmerzertifikate.
Und damit die Gruselfraktion unter meinen Lesern auch motiviert wird, dieses Buch zu lesen, hier noch ein schönes Beispiel für die Horrorszenen, die man dort findet: „Tausende bewaffnete Kindersoldaten fielen über die Stadt her. Die meisten von ihnen hatten bandagierte Köpfe, weil man ihnen die Haut aufgeschnitten und Kokain hineingerieben hatte…“
Aber natürlich haben nicht nur die Deutschen Dreck am Stecken. Feinstein dröselt genau auf, wie die Franzosen bei den Vorbereitungen zum Völkermord in Ruanda involviert waren. Während uns die Medien verkaufen wollten, das es sich um eine explosive Entwicklung sich hassender Ethnien gehandelt habe, weist er eiskalte Planung nach: “Zwischen 1990 und 1994 wurden tonnenweise Waffen und Munition ins Land geschafft und verteilt. Der Einkaufsrausch machte Ruanda… zu Afrikas drittgrößtem Waffenimporteur…Von 1990 an gab Ruanda 70% seines Jahresbudgets für Rüstungsimporte aus und erhöhte dabei seine Staatsverschuldung um über 100%… Schließlich trat Frankreich auch noch aktiv in den Krieg (gegen die von Uganda vorrückende Tutsi-Armee) ein, Man schickte Truppen zur Unterstützung sowie zur Ausbildung… 1994 waren Handgranaten so verbreitet, dass sie für drei Dollar auf dem örtlichen Gemüsemarkt zu kaufen waren.” Wir erinnern uns vornehmlich an das Abschlachten der Tutsis mit Pangas. Tatsächlich wäre dieser organisierte und vorbereitete Genozid ohne moderne Waffen nie so effektiv durchführbar gewesen.
Außerdem werden natürlich von Feinstein neben den Konzernen alle Stars des internationalen Waffenhandels ausführlich gewürdigt. Alle Kalaschnikow-Poster-Boys sind dabei: Von Leonid Minin über Charles Taylor bis hin zu Viktor Bout.
Der Mediziner Dr.Hans Germani gehörte zu den Figuren, wie es sie in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik reichlich gab: Abenteuerlustig und hysterisch anti-kommunistisch. Letzteres gibt es heute noch en masse – ersteres kaum. Er gehörte zu den Journalisten, die dahin gingen, wo es wirklich weh tut. Er trieb es nicht so wild wie Scholl-Latour – aber er kam auch rum und wurde 1956 in seiner SPIEGEL-Zeit während des Ungarn-Aufstandes gar verwundet. Seine große Liebe war Afrika. Er arbeitete in Kairo, war einer von Peter von Zahns „Reporter der Windrose“ in Nairobi und ab 1976 Südafrikakorrespondent der Springer-Presse, die er mit Pamphleten zur Rechtfertigung des Apartheidstaates versorgte. Dort starb der 1927 in Triest geborene im August 1983 in Johannesburg.
![Congo%20article%203[1]](http://martincompart.files.wordpress.com/2011/07/congo20article2031.jpg?w=420&h=256)
Er war u.a. Afrikakorrespondent der WELT und nahm als Feldarzt 1961 und 1963 bis 1965 an den Kongo-Kriegen teil. Diese Erfahrungen hat das schlichte Gemüt zu einem faszinierenden, weil authentisch, Bericht verarbeitet. Der erschien 1966 als Ullstein-Taschenbuch unter dem romantischen Titel WEISSE SÖLDNER IM SCHWARZEN LAND. Germani ist kein Scholl-Latour, der – hoch gebildet – aktuelle Ereignisse in historische Zusammenhänge zu stellen weiß. Germani ist ein Tagesreporter, vollgemüllt mit nach Bestätigung heischenden Vorurteilen, und kann nicht mal zwischen Kommunismus, Staatskapitalismus, real-existierenden Sozialismus oder Maoismus unterscheiden. Dies alles bedenkend bleibt ein faszinierender Einblick in die Situation im Kongo nach der Unabhängigkeit unter dem besonderen Blickwinkel eines Deutschen, der die Söldner in Aktion erlebte und an ihren Feldzügen teilnahm.
Seine naiven Portraits einiger dieser Gestalten werden fast ungefiltert vermittelt. Ohne die Grausamkeiten zu verheimlichen, entlarvt er die Dämonisierung von Mad Mike Hoare und seinem 5.Kommando, die man bis heute rezipiert und die an Executive Outcomes erinnert, als Ideologie einer vermeintlich liberalen Presse. Seine Einlassungen über die UNO-Truppen (unfähige Vergewaltiger, Mörder und Diebe), weltfremde Karrierepolitiker und Kindersoldaten („Die Jugendgruppen waren die Schlimmsten.“) lesen sich hoch aktuell und wären Zierden aktueller Postillen. Hinterfragungen der Ursachen für diese brutalen Auseinandersetzungen werden mit den damalig vorherrschenden Ideologien beantwortet, die Germani zum großen Teil den O-Tönen von Zeitzeugen entnimmt. Er benennt auch Psychopathen unter den Söldner, aber dank Mike Hoarses gnadenloser Disziplin unterscheidet sich die Mehrzahl wohltuend vom medialen Bild der Schreibtischhängste. Unterschwellig belegt er, dass bereits damals eine Ursache der Kriege das ist, was sich als eines der größten Probleme des 21.Jahrhunderts erweist: Die Arbeitslosigkeit und der gesellschaftliche Ausschluss der jungten Männer und die daraus folgende Aggression und Barbarei. Das können wir inzwischen, dank Kohl, Schröder und Merkel, auch in deutschen Städten beobachten (dank unseres verlotterten Bildungssystem und der Atomisierung der Gesellschaft durch die Volksempfänger sind die Präkariatskinder noch nicht dazu in der Lage, effektive Barbarenverbände wie die Simbas oder die RUF zu organisieren).
Nach einigen Gegenchecks bestätigten sich Germanis Schilderungen.
Neben dämonisierende Portraits der Protagonisten (etwa Lumumba), die er persönlich kennen gelernt hatte, erfährt man eine Menge über die Taktik im Dschungelkrieg, die Grausamkeit der Beteiligten und die Auflösung des Kollonialismus. WEISSE SÖLDNER ist ein Zeitdokument ersten Ranges, dass es wieder zu entdecken und kritisch zu würdigen gilt. Die emotionalen Momente berühren auch nach über fünfzig Jahren. Dank des effektiveren Neo-Kolonialismus der Konzerne kann man nach der Lektüre Germanis frustriert sagen: Im Kongo nichts neues.
Hans Germani:
WEISSE SÖLDNER IM SCHWARZEN LAND
Ullstein TB 622, 1966. 177 Seiten, 6 Fotos des Autors u.5 Lageskizzen.
P.S.: Schön auch, wie er die großen Heldentaten à la OPERATION DRAGON ROUGE relativiert:
“Die operation Stanleyville, so genial sie Vandewalle auch geplant hatte, hat die Rebellion nicht beendet. Nicht er war daran schuld, sondern die ewige Halbheit des Westens. Nur wenige hundert Fallschirmjäger sprangen in Stanleyville ab, und nur am rechten Ufer, am linken konnten die Rebellen in aller Ruhe die Geiseln massakrieren. Fallschirmjäger sprangen über der zweitgrößten Stadt des Ostens, Paulis, ab, um sie am nächsten Tag mit den befreiten Geiseln per Luft zu evakuieren. Die Armee mußte Zeit und Kräfte vergeuden, um Paulis wieder zu erobern. Erfahrene Offiziere sagten mir in Stanleyville: >Hätte Belgien nicht fünfhundert, sondern tausendfünfhundert Fallschirmjäger eingesetzt, und zwar zu gleicher Zeit am rechten und am linken Ufer, in Paulis, aber auch in Bunia und Faradje, wo es Flugplätze gibt, und diese Städte bis zum Eintreffen der Armee gehalten, wären noch einige hundert weitere Geiseln gerettet worden, außerdem hätte im Anschluß an die Eroberung Stanleyvilles die Armee die wesentlichen Zentren des Nordostens besetzen und die sudanesische und ugandische Grenze abriegeln können.< Damit wäre der beginnende Waffenzustrom unterbunden gewesen…”
Naja, ersterem ist sicher zuzustimmen. Aber Germani lässt auch keine Möglichkeit aus, den erbärmlichen Zustand der Kongolesischen Armee zu beschreiben. Die hat sich von den Simbas aus jedem Ort vertreiben lassen. Manchmal genügte ein Funkspruch oder Telefonanruf, in dem die Simbas ihr Kommen ankündigten – schon entsetzten die Soldaten den Ort in Rekordgeschwindigkeit.
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Söldner sind böse!
So lernt man das auf der Klippschule und aus Postillen wie BILD, ZEIT oder SPIEGEL. Dummerweise stimmt das genauso wenig wie die meisten Verallgemeinerungen (von Bankern, Spekulanten und Politikern einmal abgesehen). Söldner sind Instrumente, wie etwa ein Hammer: Man kann ihn gebrauchen um Nägel in die Wände zu hauen, oder um mit ihm den Schädel eines Mitmenschen zu zertrümmern. „Es sind nicht die privaten Sichherheitsfirmen (Private Military Companies), die die Demokratie zerstören, wie manchmal gerne verkündet wird, sondern bestehende staatliche Institutionen, die mit der Beschäftigung solcher Firmen parlamentarische Kontrollinstanzen umgehen“, schreibt Frank Westenfelder im besten deutschsprachigen Buch zum Thema Söldnerwesen. Die „kleine Geschichte“ ist ein großer Wurf!

Frank Westenfelder: EINE KLEINE GESCHICHTE DER SÖLDNER. Adatia Verlag, 2011.
Da es kaum Kriege gab und gibt, in denen Söldner keine Rolle spielen, scheint das Thema kaum zu bewältigen zu sein – auch wenn Westenfelder erst kurz vor der Neuzeit 1000 n.Chr. einsetzt. Aber ihm gelingt es blendend, zu jeder Epoche einen großen Überblick zu geben und dann an exemplarischen Einzelfällen die jeweiligen Spezifika heraus zu arbeiten. So geht er zum Beispiel in Folge des Russischen Bürgerkriegs genauer der Masse an weißrussischen Militärs nach, die als Söldner die Geschicke in China und Zentralasien zwei Jahrzehnte mitbestimmt haben. Ob politischer Überblick, militärische Taktiken, Strategien oder Waffentechnologie – das Buch strotzt vor interdisziplinärem Fachwissen. Und Westerfelder beschreibt die komplexesten Themen so eingängig, dass sich das Buch wie ein Thriller liest. Ein Page-Turner, den man schwer aus der Hand legen kann und politisch von keinerlei Naivität getrübt: „Die CIA soll Resultate bringen, aber die Menschenrechte beachten. Also lässt man Häftlinge zum Verhör nach Pakistan oder Ägypten bringen, wo Folter zwar auch verboten ist, sich aber niemand darum kümmert… Man schafft mit voller Absicht rechtsfreie Zonen… Bei PMCs wie Blackwater, Dyncorp oder MPRI handelt es sich um keine Söldnerfirmen, sondern um inoffizielle Dienststellen von Pentagon und CIA, von denen sie vollkommen abhängig sind, was einem Söldnerstatus eindeutig widerspricht. Sie dienen dazu, demokratische Kontrollinstanzen wie Senat und Kongress zu umgehen, mindern den Druck der Öffentlichkeit.“
Dr.Frank Westerfelder studierte in Karlsruhe Literaturwissenschaft und Geschichte. Er promovierte zum Thema nationalsozialistische Ideologie im historischen Roman – eine Arbeit, man auch gerne liest: http://www.westfr.de/ns-literatur/. Heute lebt er als freischaffender Programmierer in Barcelona.
Von dort aus betreibt er die wohl beste Netz- Seite über das Söldnertum, der auch international nichts Vergleichbares entgegen gesetzt werden kann. Und genau an dieser Schnittstelle ergänzen sich zwei Medien vorzüglich: Man findet auf der Page http://www.kriegsreisende.de zu jedem im Buch angesprochenen Thema Ergänzungen und Vertiefungen. Ein Paradebeispiel dafür, wie hervorragend sich das älteste- und modernste Massenmedium ergänzen können. Die Page macht das Buch auch keineswegs überflüssig, da es dem Interessierten erst einmal einen generellen Einblick ermöglicht, das Rüstzeug liefert an Hand dessen man weiter gehende Informationen einordnen kann. So sollte heute mit Geschichte umgegangen werden.
![FW[1]](http://martincompart.files.wordpress.com/2013/02/fw1.jpg?w=234&h=300)











