Martin Compart


SCHWULE SADISTEN: Ernst Röhm und die SA 8.Teil von Martin Compart by Martin Compart
23. April 2009, 11:02 vormittags
Filed under: Nazi, Politik & Geschichte, SA | Schlagwörter: , , , , , , ,

FUSSNOTEN

1 Max Gallo: Die nacht der langen Messer, S.18
2 Longerich, S.18
3 Hamann, S.214
4 Machtan S.133
5 Höhne: Mordsache, S.80
6 Symposion 179 a.b.
7 Machtan, S.132
8 Shirer, S.118
9 Jones, S.135
10 Waite, S.193
11 Heiden, S.295
12 Waite, S.209
13 Bronnen: Protokoll, S.213
14 Bronnen: Protokoll, S.214
15 Bernhard Sauer: Gerhard Roßbach, S.8
16 Bronnen: Protokoll, S.219
17 S.71
18 Höhne, S.69
19 Bullock, S.135
20 Gallo, S.71
21 Igra, S.73
22 Heiden: Der Fuehrer, S.746
23 Gallo, S.51
24 Höhne: Mordsache, S.160
Longerich, S.176
Longerich, S.172
S.253
Hoegner, S.355f
Höhne: Mordsache, S.161f.
Höhne: Mordsache, S.283
Höhne: SS, S.82
32 Gallo S.69
Hans-Günter Richard: Hitler u. seine Hintermänner. Neue Fakten zur Frühgeschichte der NSDAP, München 1991, S.384
Zitate und Informationen nach Rosenbaum, S.152ff.
Zitat nach Machtan, S.213
Fest; Staatsstreich, S.54f.
Zeugenvernehmung von Graf Moulin-Eckart am 23.3.1948 am Amtsgericht Neuburg/Donau, Akte Kuchler-Prozeß; GT 01.02.
Zitat nach Machtan, S.246f.
Machtan, S.238
Hans-Günter Richardi u. Klaus Schumann: Geheimakte Gerlich/Bell, München, 1993; S.214ff.
Hoegner: Die verratene Republik, München 1958, S.255
Zitat nach Machtan, S.241
Theweleit 2, S.332f.

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SCHWULE SADISTEN: ERNST RÖHM UND DIE SA 3.Teil by Martin Compart
12. März 2009, 12:07 nachmittags
Filed under: Politik & Geschichte, Porträt, SA | Schlagwörter: , , ,

KARL ERNST
Nicht weniger widerwärtig war der SA-Führer Karl Ernst. „Sein mächtiges und gewöhnliches Gesicht verrät den Tunichtgut, sein Mund Genusssucht, und auf dem Kopf sitzt etwas nachlässig die Kappe des Obergruppenführers. Er fasziniert die Söhne der guten Berliner Familien. Man sagt, auch er sei homosexuell. Wenn er die verlassenen Lagerhäuser oder die Keller besucht, in denen die SA die widerspenstigen Deutschen züchtigt, dann leuchten die Augen und er lacht voll Zynismus. Seine Männer genießen Straffreiheit. Diebstahl, Mord, Vergewaltigung, all das wird zum Politikum, und Ernst deckt seine SA. Dennoch wird er in der guten Gesellschaft empfangen, und man sieht ihn stets in Begleitung von August Wilhelm von Preußen, dem vierten Sohn des Kaisers.“ 23 Der französische Militärattaché General Renondeau bezeichnete ihn als einen „der hitzigsten Männer“ der SA. Er wurde als dreister, wortgewandter, stets elegant gekleideter Zyniker geschildert, um dessen Nacken ein Orden des Großfürsten von Coburg baumelte. Prinz August Wilhelm von Hohenzollern, genannt Auwi, war ein Bewunderer von Ernst und dem SA-Schlächter Willi Schmidt, genannt Schweinebacke, die er gerne bei Empfängen in seiner Villa Liegnitz auf dem Schlossgelände von Sanssouci bewirtete, wenn Kaisers Geburtstag oder der Sieg von Sedan zu feiern war.

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Karl Ernst

Karl Ernst wurde am 1. September 1904 als Sohn eines Hausmeisters in Wilmersdorf geboren. Ein zwielichtiger Bursche, der sich als Hotelportier, Liftboy und Kellner im Schwulenmilieu durchschlug. 1923 trat er in die NSDAP ein. Ende der 20er Jahre hatte er im Berliner Homosexuellenlokal ELDORADO Hauptmann Paul Röhrbein kennen gelernt, den ersten Berliner SA-Führer. Röhrbein hatte Röhm schon zu Zeiten des Frontbanns unterstützt, indem er die Frontbanngruppen in Berlin aus alten Freikorpskämpfern organisierte. Bald nach der Bekanntschaft war Ernst in die SA eingetreten und wurde nur noch „Frau Röhrbein“ genannt. Er musste sich sofort einer SA-internen Untersuchung stellen, die diese Beziehung zu Röhrbein „aufdeckte“. „Gestandene SA-Männer hielten ihn für einen einfachen Ganoven, der unwürdig sei das braune Hemd zu tragen.“24 Protektion kam von entscheidender Seite: 1931 stellte ihn Röhrbein seinem Freund Röhm vor, der ihn sofort förderte.

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Röhm mit Karl Erns

Seit April 1931 galt Ernst im inneren Zirkel als Röhms Liebling, denn der machte ihn umgehend zum SA-Führer von Berlin und 1932 zum Mitglied des Reichstages. Nachdem Graf von Helldorf 1932 die von ihm kommissarisch mitverwalteten Berlin-Brandenburger SA abgab, wollte Hitler Gruppenführer Kasche zum SA-Obergruppenführer machen. Als der inzwischen als Stabsleiter von Berlin agierende Ernst davon erfuhr, alarmierte er Röhm, der ihn als Obergruppenführer durchsetzte. Nach der Pressehatz gegen schwule SA-Führer, konnte auch Ernst, der zusammen mit Röhm und Heines prominenteste Zielscheibe war, auf Hitlers (vorläufige) Unterstützung rechnen. Göring machte auch ihn zum Preußischen Staatsrat. In einer unveröffentlichten Erinnerung (1956) von „Putzi“ Hanfstaengl heißt es: „Ernst deutete in den dreißiger Jahren an, es genügten ein paar Worte, um Hitler zum Schweigen zu bringen, wenn er sich über Röhms Verhalten beklagte.“

Für die Berliner SA-Schwulenorgien, an denen Röhm natürlich gerne teilnahm, gab Ernst monatlich 30 000 Reichsmark aus, dreißig mal mehr als er Gehalt bezog…

Als die SA 1931 Amok lief, beteiligte sich Ernst gerne persönlich an der Misshandlung der Opfer. In dem antinazistischen BRAUNBUCH GEGEN REICHTAGSBRAND UND NAZITERROR von 1933 wurde ein Zusammenhang zwischen den auffallend perversen Folterungen durch SA-Männer und der speziellen Homosexualität in der SA hergestellt. Besonders herausgestrichen wurde der homosexuelle Berliner SA-Führer Graf Helldorf, der sofort nach … die unterirdischen Gefängnisse der Festung Wuppertal: „Hieronymus Bosch und Pieter Breughel haben nie solches Entsetzen erblickt. Die Gefangenen waren lebende Skelette … mit eiternden Wunden … Es gab keinen, dessen Körper nicht vom Kopf bis zu den Füßen die blauen, gelben und grünen Male der unmenschlichen Prügel an sich trugen.“ Als sich Diels um einen Gefangenen näher kümmern will, erschienen „in tadelloser Uniform, an Hals und Brust alte und neue Dekorationen, Ernst, einer der Berliner SA-Führer, und sein Gefolge … Lachend und plaudernd betraten sie das Verließ. ,Was bilden Sie sich ein! Lassen Sie sich nicht einfallen, uns in den Arm zu fallen‘, brüllte Ernst.“ Über das berüchtigte Wuppertaler KZ schreibt auch Longerich: „In Wuppertal wurde durch den zum Polizeipräsidenten ernannten örtlichen SA-Führer ein KZ in der ehemaligen Putzwollfabrik Kemna eingerichtet. In dem dreistöckigen Gebäude wurden zeitweise mehr als 1000 Gefangene untergebracht. Häftlingsberichte schildern spezielle Mißhandlungsmethoden, die sich die dort stationierte SA einfallen ließ: Die Gefangenen …“25
In Berlin eröffnete Ernst seine eigenen KZs. 1933 besetzte die SA-Standarte 12 das Pankower Gefängnis in der Borkumstraße, das von da an als „Karl-Ernst-Haus“ bezeichnet wurde und in dessen Zellen Ernst und seine Leute die übelsten Folterungen betrieben. Die Berlin-Brandenburger SA zählte bei Hitlers Machtübernahme 60 000 Mann; im Herbst 1933 war sie auf 220 000 angewachsen. Ab Februar ließ Ernst brutale SA-Greifkommandos Berlin durchpflügen. Sie jagten Kommunisten, SPDler und ihnen nicht genehme Bürger, die sie in ihre wilden KZs verschleppten. Die Zahl dieser Folterstätten in Berlin wird zwischen fünfzig und hundert angenommen. „Schätzungen gehen davon aus, dass über 100 000 Menschen von der SA inhaftiert wurden und mindestens 1000 ermordet wurden.“ 26 Über die Schließung eines Berliner Lagers berichtete Diels: „Die Opfer, die wir vorfanden, waren dem Hungertod nahe. Sie waren tagelang stehend in enge Schränke gesperrt worden, um ihnen Geständnisse zu erpressen. Die ,Vernehmungen‘ hatten mit Prügel begonnen und geendet; dabei hatten ein Dutzend Kerle in Abständen von Stunden mit Eisenstäben, Gummiknüppeln und Peitschen auf die Opfer eingedroschen. Als wir eintraten, lagen diese lebenden Skelette reihenweise mit eiternden Wunden auf dem faulen Stroh.“27 Höhnisch kommentierte Ernst seine Folterkeller: …
…Menschen blieben auf dem Pflaster zurück, verreckten in Durchfahrten oder zwischen Sträuchern, wenn dieser menschliche Abschaum krakeelend wieder aufsaß, um den nächsten Stadtteil mit Terror zu überziehen. „Mit Salzwasser wurden die Wunden der Opfer überschüttet, mit Stiefelwichse verschmiert. Bald lagen die Krankenhäuser voll Menschen mit zerbrochenen Gliedmaßen, halb irrsinnig von den ausgestandenen Martern, blutende, zerfetzte menschliche Klumpen. Vergebens flehte der stellvertretende Vorsitzende der Deutschnationalen Partei, Dr. von Winterfeldt, den Reichskanzler Hitler an, den Rechtsstaat nicht zerstören zu lassen… In Spandau holte die SA den Führer der sozialdemokratischen Arbeiterjugend, Erich Meyer, aus einer Laubenkolonie heraus, am nächsten Morgen wurde sein verstümmelter Leichnam gefunden… In Köln wurde der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Sollmann von SA bewusstlos geschlagen, durch die Straßen geschleift und nach fürchterlichen Misshandlungen in einen Kohlenkeller geworfen. In Köpenick wurde die 46 Jahre alte Sozialdemokratin Frau Jankowski in den Morgenstunden des 21. März aus ihrer Wohnung in eine nationalsozialistische Kaserne verschleppt, nackt ausgezogen und ausgepeitscht.“28 Seit dem 30jährigen Krieg war Deutschland nicht mehr mit einer solch brutalen Terrorwelle überzogen worden. Dieser primitive Gewaltkult existierte außerhalb jedes gesellschaftlichen Moralcodes. „Es waren diese Untaten, die in der Bevölkerung auf lange Zeit das Bild der SA bestimmten und später den Mördern des 30. Juni 1934 öffentliche Zustimmung sicherten.“29
Aus welchen Gründen auch immer: Hitler mochte weder Karl Ernst noch Edmund Heines – im Gegensatz zu Röhm, dem er noch in der Nacht der langen Messer das Leben schenken wollte. Sie gehörten zweifellos zu den Leuten, die zuviel wussten und dies auch noch wie eine Monstranz vor sich her trugen, um den Führer an ihr Mitwissen zu erinnern. Ernsts Beteiligung …

Nicht nur aus politischen Gründen rekrutierten Röhm und seine SA-Führer junge Männer aus der Arbeiterjugend: Der schwule Hofstaat hatte ein unstillbares Verlangen nach „Frischfleisch“. Dafür stellte Röhm den zwielichtigen Peter Granninger ein. Für einen Monatslohn von 200 Reichsmark suchte dieser unter den jungen SA-Männern nach homosexuellen Partnern für Röhms Orgien. Granninger hatte die Qual der Wahl: Die meisten SA-Männer waren 18 bis 25 Jahre alt. In Karl Ernsts Berliner SA waren 70% unter 26- und fast 90% unter 30 Jahre alt. Granninger konnte ausreichend Frischfleisch heranschaffen. Aber das genügte nicht: In München … nach dem Ende der Unterredung erfuhr Himmler am nächsten Tag, „dass während der ganzen Nacht im SA-Stabsquartier die tollste Orgie stattgefunden habe, die Himmlers Vertrauensleute jemals gesehen hätten. Flaschen flogen aus den Fenstern und zerbrachen klirrend auf dem Pflaster, das Lachen hörte man bis auf die Straße. Röhm hat die ganze Nacht mit seinen Lustknaben an der Orgie teilgenommen. Himmler tobt.“ 32 Granninger entkam zwar dem 34er Massaker, wurde aber im selben Jahr mit anderen angeklagt und vor Gericht gestellt. Über sein Schicksal ist bisher nichts weiter bekannt, wahrscheinlich endete er in einem KZ.

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SCHWULE SADISTEN-Ernst Röhm und die SA by Martin Compart
6. März 2009, 6:10 nachmittags
Filed under: Politik & Geschichte, SA | Schlagwörter: , , , , , ,

1.TEIL
Das Massaker an der SA-Führung, die sogenannte „Nacht der langen Messer“ oder auch „Röhm-Putsch“ dient einigen Historikern als Beleg für die Verfolgung und Vernichtung von Homosexuellen im 3.Reich. Homophobie war kein Grund für Hitlers Liquidierung von SA-Führer Röhm und seinem schwulen Hofstaat. Sie diente danach lediglich als aufgesetzte Rechtfertigung für Tötungen aus machtstrategischem Kalkül. Die sexuellen Präferenzen seiner Parteigenossen interessierten Hitler nur, wenn er sie nutzen oder gegen sie verwenden konnte. Anders einige höhere Parteifunktionäre: Sie störte Röhms schwuler Macho-Kult erheblich. Röhm war sich seines Einflusses und seiner Position so sicher, dass er sich nicht darum scherte, wie sein schwuler Kult auf andere Funktionsträger wirkte. Er sah sich als überlegener Homosexueller, der ein antikes Kriegerideal fortsetzte.

Max Gallo beschrieb diesen Erzmilitaristen wenig schmeichelhaft: „Seine Häßlichkeit ist unbeschreiblich. Der Schädel ist immer rasiert, das Gesicht, das durch eine Narbe von der Nase bis zum Kinn verunstaltet wird, ist fett, aufgebläht, gewöhnlich. Die Nase ist als Folge einer Gesichtsoperation verstümmelt, eine Karikatur. Dennoch ist etwas Geschniegeltes in diesem wilden und kräftigen Gesicht… Röhm mit seinem schwer zu ertragenden Gesicht, seinem tierischen Gesicht, mit seinem Bauch, der sich nur widerwillig vom SA-Koppel zusammenpressen läßt… Röhm umgibt sich mit jungen Adeligen, einem strahlenden Hofstaat mit den Gesichtern perverser Engel: Baron von Falkenhausen, Graf von Spreti, Prinz Waldeck, sie alle sind Adjudanten des Hauptmanns Röhm…“1

Ernst Röhm war für Adolf Hitler ein gefährlicher Mann. Nicht nur politisch als SA-Führer, der die zweite Revolution einklagte, sondern auch persönlich als Mitwisser privater Geheimnisse. Röhm war eng mit Hitler verbunden, einer seiner wenigen Duzfreunde. Ab März 1919 förderte er ihn, wo es nur möglich war. Hitlers erste öffentliche Rede im Oktober 1919, gehalten im Hofbräukeller, beeindruckte ihn so stark, dass er in die Partei eintrat. Man darf wohl annehmen, dass Röhm alle schmutzigen politischen und persönlichen Details aus der Frühzeit der Bewegung kannte. Später ließen er und sein Adlatus Heines gelegentlich verlauten, sie könnten Adolf erledigen, wenn sie auspacken würden. Letztlich schätzte Röhm seine Macht und die Loyalität seines Duzfreundes falsch ein. Ende Juni 1934 beendete die „Nacht der langen Messer“ sein Leben und das von einigen hundert anderen, die sich als Mächtige im 3. Reich sicher eingerichtet zu haben glaubten und nicht erkannt hatten, dass das Regime sie nicht mehr brauchte, ja, als störend und gefährlich empfand. 1933, auf dem Höhepunkt seiner Macht und die der SA, zeigte sich Röhms Arroganz gegenüber aller Staatlichkeit immer offener. Als Reichsminister Frick androhte, auf allen Ebenen gegen den Straßenterror der Sturmabteilungen vorzugehen, verkündete Röhm, dass er mit zwei Brigaden vor dem Ministerium in der Voßstrasse aufmarschieren würde, um den Minister öffentlich auszupeitschen.
Röhm war zeitweilig nur ein nützlicher Idiot Hitlers. Der erfahrene Soldat und Stabsoffizier formte aus dem rabaukenhaften Saalschutz die Mörderbanden der SA. Dann wurde er verstoßen. Als Hitlers Einfluss auf die Sturmabteilungen zu schwinden begann, holte der Führer den verstoßenen aus Bolivien zurück, um die Organisation in seinem Sinne umzugestalten. Und nicht zuletzt nutzte Hitler die Pöbelmacht von Röhms SA als Druckmittel gegen die Wehrmacht. Als die schließlich Unterordnung signalisierte, ließ er die alten Mitkämpfer über die Klinge springen.
Im öffentlichen Bild war Röhm vor allem ein militanter Homosexueller, dessen Ausschweifungen und Exzesse Zeitungen füllten und Stammtische erregten. Wie ein Kondotiere organisierte er einen schwulen Hofstaat, der ihm das hemmungslose Ausleben seiner Neigungen ermöglichte.

DER HOMOSEXUELLE ERZMILITARIST
Ernst Julius Röhm wurde am 28. November 1887 als Sohn eines bayrischen Eisenbahn-Oberinspektors in München geboren. Er hatte eine starke Mutterbindung und ein gestörtes Verhältnis zum autoritären Vater. Schon als Gymnasiast träumte er von einer militärischen Karriere. In seinen Memoiren GESCHICHTE EINES HOCHVERRÄTERS erinnerte er sich an das Soldatenspielen im Umfeld Münchener Kasernen und an die Erzählungen eines Onkels über den Krieg 1870/71. Er idolisierte militärische Leitbilder schon früh, was einherging mit Verachtung für Zivilisten. Nach dem Abitur am Münchener Maximilians-Gymnasium trat er 1906 in das 10. bayerische Infantrieregiment PRINZ LUDWIG ein, wurde Fahnenjunker und 1908, nach Besuch der Kriegsschule, zum Leutnant ernannt. Vor dem Krieg soll Röhm angeblich verlobt gewesen sein. Später sagte er, „alle Frauen seien ihm zuwider“. Erst die Welt der Soldaten ermöglichte ihm ein Leben wie in einer homosexuellen spartanischen Kriegerkaste.

 

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Zu Beginn des 1. Weltkriegs war er Kompanieführer in seinem Regiment. Seine hässlichen Narben verdankte er drei schweren Verwundungen. Max Gallo: „1914 befindet er sich als Frontoffizier in Lothringen, der seine Soldaten im Schlamm, in der Kälte schindet. Am 2. Juni 1916 nimmt er als Hauptmann am Sturm auf Thiaumont, einem Fort im Befestigungsgürtel um Verdun, teil.“ Ein Granatsplitter lädierte sein Gesicht – ein Teil der Nase wurde weggefetzt – bei den Kämpfen auf den Maashöhen im Herbst 1914; 1916 verwundeten ihn vierzehn Granatsplitter vor Verdun und beendeten „das schönste Jahr meines soldatischen Lebens“. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Nach der letzten Verwundung versetzte man ihn als Stabsoffizier in das 12. Bayrische Infantrieregiment. Der Tatmensch musste sich nun mit planerischen und organisatorischen Aufgaben abgeben, was ihm später bei der Strukturierung der SA zu Nutze kam. „Das Kriegserlebnis sollte Röhm wie viele aus seiner Generation der jüngeren Frontoffiziere entscheidend prägen. Die Leutnants und Hauptmänner waren im Prinzip den gleichen Bedingungen ausgesetzt gewesen wie ihre Untergebenen. Sie hatten die primitiven Existenzbedingungen in den Schützengräben und Unterständen, die fast permanente Bedrohung des eigenen Lebens erfahren. Diese über Jahre extremen äußeren Lebensumstände ließen auch bei Röhm Aversionen entstehen: gegen die unfähige und satte Etappe, gegen die betriebsblinde Militärbürokratie, gegen die Drückeberger und Kriegsgewinnler in der Heimat, gegen die unfähigen Politiker und Diplomaten. Wie viele andere sah Röhm sich nach dem Ausbleiben eines schnellen Sieges als Frontschwein missbraucht und betrogen.“2 Einem britischen Diplomaten erzählte er, dass er sich eher mit einem feindlichen Soldaten verständigen könne, als mit einem deutschen Zivilisten, der ein Schwein sei, dessen Sprache er nicht verstehe.
Nach dem Krieg diente Röhm als Stabsoffizier im Freikorps Epp, mit dem er im Mai 1919 an der Vernichtung der Münchener Räterepublik teilnahm. War zwischen dem eingefleischten Junggesellen Epp und Röhm auch eine sexuelle Beziehung? Laut Brigitte Hamann berichtete Wolfgang Wagner, dass Röhm, dessen Homosexualität bekannt war, ein alter Freund des Hauses Wagner gewesen war, häufiger Festspielgast, der das Privileg hatte, mit seinem Freund Epp im Siegfriedhaus übernachten zu dürfen.3 Nach Röhms eigenen Äußerungen, will er erst 1924 seine sexuellen Präferenzen entdeckt haben. Anderen Aussagen zufolge soll der Freikorpsführer Gerhard Rossbach ihn in die Homosexualität „eingewiesen“ haben. Es ist wohl wahrscheinlicher, dass Röhm schon in jungen Jahren seine Neigungen erkannt hatte, aber erst nach und nach alle Praktiken entdeckte. Der Historiker Flood meint, Röhm wurde vom latenten Homosexuellen zum bekennenden, nachdem er 1924 von Gerhard Roßbach verführt worden war. In einem der Briefe von 1929 an den Vertrauten und ebenfals homosexuellen Dr. Heimsoth schrieb Röhm: „Ich bilde mir ein, gleichgeschlechtlich zu sein, habe dies aber richtig erst 1924 ,entdeckt‘. Ich kann mich vorher an eine Reihe auch gleichgeschlechtlicher Gefühle und Akte bis in meine Kindheit erinnern, habe aber auch mit vielen Frauen verkehrt. Allerdings nie mit besonderem Genuss. Auch drei Tripper habe ich mir erworben, was ich später als Strafe der Natur für widernatürlichen Verkehr ansah. Heute sind mir alle Frauen ein Greuel; insbesondere die, die mich mit ihrer Liebe verfolgen; und das sind leider eine ganze Anzahl. Dagegen hänge ich mit meinem ganzen Herzen an meiner Mutter und an meiner Schwester… Ich bin über meine Veranlagung absolut nicht unglücklich…, im Inneren vielleicht sogar stolz darauf.“
Laut Machtan gibt es „Hinweise darauf, dass er schon zu Beginn der zwanziger Jahre eine längere sexuelle Beziehung zu seinem Liebling und Freikorpskameraden Edmund Heines hatte“.4 Nach anderen Quellen wurde er sich während der Haftmonate in Stadlheim 1923 seiner Veranlagung voll bewusst. Hitler selbst soll behauptet haben, dass er bereits 1920 von Röhms Homosexualität erfahren hätte. Also zu einem Zeitpunkt, zu dem ihre Bekanntschaft etwa ein Jahr alt war und Röhm ihn mit allen Kräften protegierte.
Nachdem von Epp zum Stadtkommandanten ernannt worden war, wurde Röhm sein Stabschef und Waffenreferent. Im Juli 1919 gliederte man ihn mit seiner Freikorpseinheit in die 7. Bayrische Division ein. Nach dem Frieden von Versailles war konspirative Arbeit angesagt: Röhm besorgte Waffenbestände, die vor den Alliierten verheimlicht werden mussten, arbeitete im militärischen Nachrichtendienst und engagierte sich als Gründungsmitglied der rechtsradikalen Geheimorganisation EISERNE FAUST, deren Ziel der Zusammenschluss der verschiedenen paramilitärischen Organisationen war. So kam er in Kontakt mit Hitler, der noch V-Mann der Reichswehr war. Fasziniert von seinem späteren Führer, nahm er ihn in die EISERNE FAUST auf. Nachdem Hitler in die Deutsche Arbeiterpartei eingetreten war, folgte ihm Röhm. Durch ihn bekam Hitler die ersten Verbindungen zu bayrischen Politikern und Militärs. Röhm wurde Verbindungsmann zwischen der NSDAP und der Reichswehr bis zu seiner Entlassung nach dem Novemberputsch, an dem er mit seinem eigenen Wehrverband REICHSKRIEGSFLAGGE teilgenommen hatte.

SA UND SCHWULE DIASPORA

Am 3. August 1921 gründete Röhm aus ehemaligen Freikorpskämpfern die militärisch trainierte SA als Saalschutz für die Partei. Nach dem Novemberputsch 1923 wurde auch Röhm verhaftet und verbrachte fünf Monate in Untersuchungshaft (bis zum 1. April 1924). Danach – während Hitler noch in Landshut einsaß – organisierte er den Wehrsportverein FRONTBANN, um das zeitweilige Verbot der SA aufzufangen, der eine Stärke von 30 000 Mann erreichte. Bei den Reichstagswahlen vom 4. Mai wurde er als Abgeordneter der Deutsch-Völkischen Freiheitspartei ins Parlament gewählt. Ihn unterstützten die Männer, die später den Kern seines schwulen Hofstaates bildeten: Edmund Heines und Karl Ernst u.a. „Mit seiner SA-Gruppe ehemaliger Rossbach-Soldaten, die sich als Reitsport-Club getarnt hatte, gehörte Heines zu den ersten Mitarbeitern des Frontbanns, zumal ihn auch sexuelle Gründe an den Chef banden… Ein dritter Homosexueller half Röhm weiter: der ehemalige Hauptmann Paul Röhrbein, der in Berlin die ersten Frontbanngruppen aus Überbleibseln der Freikorps schuf. Röhrbein sammelte ehemalige Soldaten…, wobei ihm ein Kellner namens Karl Ernst, sein Liebhaber seit geraumer Zeit, eifrig assistierte. Röhm, Heines, Röhrbein, Ernst – es formierte sich die spätere Homosexuellenriege, die am 30. Juni 1934 ihr furchtbares Ende finden sollte.“5

Als Hitler im Dezember 1924 aus der Haft entlassen wurde, kam es zwischen ihm und Röhm zu ersten Spannungen: Röhm sollte den Frontbann auflösen und die SA bedingungslos Hitler und der Partei unterstellen. Röhm, dem mit der SA eine Art „modernes Volksheer“ vorschwebte, beharrte auf seiner Befehlsgewalt und der Autonomie der SA. Gleichzeitig tauchten die ersten Gerüchte und Informationen über Röhms Homosexualität in der Öffentlichkeit auf. Aber deswegen trat Röhm am 1. Mai 1925 aus all seinen Ämtern sicher nicht zurück. Denn in der „Kampfzeit“ war aggressive und martialische Homosexualität kein Makel: Der Hitleranhänger Franz Kirschtaler wurde am 27. Februar 1923 wegen widernatürlicher Unzucht zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte sich wiederholt hauptsächlich an arbeitslosen Jugendlichen vergriffen. Er war früher Mitglied der EISERNEN DIVISION, dann Vizefeldwebel der BRIGADE EHRHARDT und hatte im Ruhrgebiet und in Oberschlesien gekämpft. Wegen Diebstahls war er bereits vorbestraft.
Vor Röhms Rücktritt hatte Hitler den Münchener SA-Chef Edmund Heines durch Emil Maurice ersetzen lassen. Heines war degradiert worden, und Eingeweihte vermuteten sogar, dass Röhms Rücktritt auch mit der Verärgerung über Heines’ Absetzung zusammenhing.

Nachdem er sich aus Politik und Parteiarbeit zurückgezogen hatte, frönte er um so heftiger seinem Triebleben. Er trat offen für die Abschaffung des Paragraphen 175 ein. Über diesbezügliche Passagen in seiner Autobiographie schrieb er am 3.12. 1928 an seinen Freund Dr. Heimsoth: „Meinen Handschlag zuvor! Sie haben mich voll verstanden! Natürlich kämpfe ich mit dem Absatz über Moral vor allem gegen den Paragraphen 175. Sie meinen aber, nicht deutlich genug? Ich hatte in dem ersten Entwurf eine nähere Ausführung über dieses Thema; habe es aber auf den Rat von Freunden, die sich von dieser Art zu schreiben, mehr Wirkung versprechen, in die jetzige Fassung geändert.“

Nach der Verbannung durch Hitler musste er sich mit Gelegenheitsarbeiten durchschlagen. Zuvor hatte er dafür gesorgt, dass seine Homosexualität aktenkundig wurde. Im Januar 1925 machte er sich an den siebzehnjährigen Stricher Hermann Siegesmund heran, lud ihn erst auf Bier ein und dann in sein Hotelzimmer. Als Röhm ihm „einen mir widerlichen Geschlechtsverkehr abverlangte, auf den ich nicht eingehen konnte“ – wie die MÜNCHENER POST aus dem folgenden Gerichtsverfahren zitierte –, verdrückte sich Hermann. Dabei steckte er „ganz zufällig“ einen Gepäckschein ein, mit dem er einen Koffer Röhms einlöste. In diesem Koffer befanden sich kompromittierende Dokumente, und Röhm erhob Anklage. Unter dem Aktenzeichen 197/D 18/25 wurde dann aber auch gegen Röhm verhandelt. Angesichts der Beweislage bekannte dieser sich zu seiner Veranlagung, blieb aber durch eine Gesetzeslücke straffrei: Damals waren im Paragraphen 175 lediglich „beischlafähnliche Handlungen“ unter Strafe gestellt. Röhm behauptete nur andere Praktiken zu vollziehen, was nicht zu widerlegen war.

Röhms Weg ging bergab, als ihn 1928 das Angebot der Bolivianischen Armee erreichte, als Militärberater nach Südamerika zu gehen. Im selben Jahr erschien sein autobiographischer Bericht GESCHICHTE EINES HOCHVERRÄTERS, der – wie seine Briefe – eine gewisse literarische Ausdrucksfähigkeit belegt. Überhaupt hatte der brutal aussehende Mann musische Seiten: Er liebte Musik und spielte auf dem Flügel gerne Partien aus Wagner-Opern. Als demagogischer Redner war er überzeugend. Und im privaten Umgang konnte er zärtlich und sentimental sein, was in einem merkwürdigen Kontrast zu seiner üblichen Verrohung stand.
Jedenfalls kam ihm der erneute Ruf zu den Waffen gerade recht. Trotz des angenehmen Lebens als Oberstleutnant im bolivianischen Generalstab litt Röhm. Probleme bereitete ihm sein sexueller Notstand, wie er Dr. Heimsoth am 25. Februar 1929 schrieb: „Nach allen bisher sorgfältig angestellten Ermittlungen scheint die von mir bevorzugte Art der Betätigung hierorts unbekannt zu sein. Wenn man jemanden fixiert, kann er sich gar nicht vorstellen, was man will. Eine absolute Verständnislosigkeit herrscht hier, so daß ich gar nicht weiß, was ich machen soll. Dabei glaubt man, wenn man auf die Straße geht, daß alles schwul sein müsste. Die – im übrigen teilweise sehr hübschen Jungen – gehen nach der hiesigen Sitte alle eng eingehängt, umarmen sich zur Begrüßung auf der Straße, was mich natürlich doppelt ärgert. Auch meinen spanischen Lehrer habe ich vorsichtig ausgeforscht; er meint auch, daß es dies in La Paz nicht gäbe. In Buenos Aires schon, aber dorthin dauert die Hin- und Herfahrt mindestens 10 Tage und kostet über 1000 Mark… Ich werde ja meine Versuche fortsetzen, hier einige Kultur zu verbreiten; obs aber glücken wird, muß ich allmählich bezweifeln. Puffs gibt’s natürlich hier in Menge, und alles rennt hin. Aber davon habe ich leider nichts… abends mache ich stets meine bis jetzt leider erfolglosen Streifzüge durch alle Viertel von La Paz. Es ist wahrhaftig zum Weinen…“
…Der hartnäckige Oberstleutnant ließ sich nicht entmutigen, um „einige Kultur“ zu verbreiten. In einem weiteren Brief an Heimsoth aus dem August desselben Jahres klang Röhm ein bisschen weniger frustriert: …

Sein sexuelles „Märtyrium“ endete 1930. Die SA begann Hitler Probleme zu machen, wurde immer rebellischer gegen Führer und Partei, forderte mehr Autonomie. Hitler kannte den richtigen Mann, um die Palastwache des Faschismus wieder auf Kurs zu bringen: Er rief Röhm zurück, der sich gleich ans Werk machte, um die verwahrlosten Horden umzustrukturieren. Darin war er wieder so erfolgreich, daß ihn Hitler 1933 sogar als Minister in die Regierung berief – nur ein Jahr, bevor Röhm liquidiert wurde.




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