Martin Compart


neues e-Book: MONEYSHOT by Martin Compart
12. April 2012, 1:09 nachmittags
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Eddie gehörte mal zu den wenigen männlichen Pornodarstellern, die es zu Starruhm gebracht haben. Aber die Halbwertzeit für Pornostars ist gering und jetzt ist er auf dem Weg nach unten. Zu viele Drogen, zu viele miese Geschäftchen nebenbei. Aber noch hält Schark, der Big Boss aller schmierigen Geschäfte, seine Hand über ihn. Gegen den Rat seiner rechten Hand, dem Killer Samba, der Eddie nicht über den Weg traut.
Vor Samba haben alle Angst. Voll gepumpt mit Testosteron und einem Taipan im Wohnzimmer, übernimmt er gerne und hoch motiviert jede Drecksarbeit. Samba hat Eddie schon länger auf dem Kieker.
Zu recht, wie sich zeigt. Denn der ahnt oder weiß, dass Eddie auch für die Brüder Kremp arbeitet: Als Drogendealer, der sein bester Kunde ist und das Kolumbianische Rohrfrei auch noch streckt.
Das gefällt weder den Kunden noch den Kremps.
Und die meinen, sie könnten es mit auch mit Schark aufnehmen und Kalifen anstelle des Kalif werden. Ausgerechnet mit Schark, der doch Politik, Verwaltung und Polizei in der Tasche hat – oder?

Drogenkonsum, Größenwahn und Schulden veranlassen Eddie zu einem gefährlichen Doppelspiel. Er versucht die psychopathischen Kremps gegen den Mogul Schark zu auszuspielen.

Jede Menge bizarre Typen, zynische Dialoge und lakonische, brutale, sentimentale und lustige Szenen, die dem Teufel gefallen. Die richtige Lektüre für einen Urlaub in der Hölle.

Vorsicht: Dieser Roman aus dem Porno-Milieu ist nicht geeignet für Leute unter achtzehn Jahren

bei Kindle unter: <a href="<a href="<a href="<a href="http://www.amazon.de/MONEYSHOT-ebook/dp/B007T8W99Q/ref=sr_1_28

Rezensionsexemplare können bei mir als pdf (lesbar auf eBook-Reader in etwas geringerer Qualität) abgerufen werden.



EVOLVER BOOKS – Ein neuer Verlag by Martin Compart
8. Mai 2010, 3:03 nachmittags
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Innovationslos dümpeln die Großverlage vor sich hin (schenken uns aber neben dem schlimmsten Mist, der je Papier vergewaltigt hat, auch gelegentliche Highlights von der Spitze des Eisbergs). Das ist die Chance für kleine Verlage (die aber leider auch interessante Segmente nicht besetzen oder nutzen). Jetzt gibt es einen neuen Verlag, der zu den schönsten Hoffnungen verführt: EVOLVER BOOKS. Nicht von Ungefähr nach dem ältesten deutschsprachigen Internet-Magazin für Populärkultur benannt. Hinter dem Buchverlag stehen die beiden Männer, die auch das Magazin erfolgreich gemacht haben: PETER HIESS und ROBERT DRAXLER. Inhaltlich kann also nichts schief gehen. Trotzdem gilt für die Branche der unsterbliche Satz von BUCHMARKT-Erfinder Christian von Zittwitz: Wie macht man mit Büchern ein kleines Vermögen? Indem man vorher ein großes hatte.
Wie sind die Vorstellungen von Herrn Hiess und Herrn Draxler? Da musste ich doch mal nachfragen.

Wieso noch ein Verlag? Es gibt im deutschsprachigen Raum jetzt schon mehr Verlage als Buchhandlungen. Wieso also EVOLVER BOOKS?

PETER HIESS (PH): Da kann ich nur die Antwort geben, die wahrscheinlich jeder idealistische Kleinverleger geben würde: weil’s wichtig ist. Weil wir glauben, dass wir der Welt was zu sagen haben. Weil wir lieber Bücher in der Hand halten, als immer nur auf Bildschirme zu starren und uns auf moderne Weise die Augen zu ruinieren. Und bei mir spielt natürlich auch ein zutiefst egoistischer Grund mit: Ich wollte sowas immer schon machen – und seit ich bei anderen Verlagen veröffentlicht habe, noch viel mehr. Ich will wissen, wie das geht mit dem Bücherverlegen – und ob es bei uns funktioniert.
ROBERT DRAXLER (RD): Und vielleicht wollen wir ja gerade wegen dieser Inflation an Kleinverlagen zeigen, dass es auch anders geht, dass man das Interesse der Leser und -innen trotz täglicher Papierflut sehr wohl wecken und binden kann, wenn die Stoffe und die Aufmachung stimmen. Unser größter Vorteil ist, daß wir uns trauen, wovor andere zurückschrecken, daß wir nicht lange fackeln. Das haben wir uns selbst mit dem Release unseres ersten Paperbacks – „The Nazi Island Mystery“ – bewiesen. Der Roman ist trashig, phasenweise radikal-pornographisch und vor allem politisch total unkorrekt. Machen wir uns also nichts vor: Da wird es sicher auch Verrisse setzen. Aber wir führen unseren Guerillakampf eben konsequent mit allen zu Gebote stehenden Mitteln. Und notfalls werden wir auch Geiseln nehmen …

Welche Philosophie steckt dahinter? Gibt es vielleicht ein Vorbild im angelsächsischen Raum?

PH: Also, ehrlich gesagt, bei mir ist es immer noch die alte Fanzine/Eigenverlags-Philosophie, die mich schon vor 30 Jahren dazu trieb, Sachen selbst zu veröffentlichen, zu kopieren oder billig drucken zu lassen, den Vertrieb und die Korrespondenz selbst zu machen, die Kommunikation selbst zu kontrollieren. Dazwischen war der EVOLVER, bei dem wir das alles auf elektronische Weise ausprobiert haben. Und jetzt schließt sich der Kreis eben.
Vorbilder? Hmmm … das alte RE/SEARCH vielleicht. Und unter den neuen US-Verlagen beziehungsweise Buchreihen auf jeden Fall HARD CASE CRIME – nicht, weil wir jetzt auch auf Noir und Pulp machen wollten, aber wegen der genialen Idee, der durchgehaltenen Ästhetik, vom Cover bis zum Papier, und der zu 95 Prozent großartigen Bücher. Da kann man sich schon ein Beispiel nehmen.
R.D. Dem schließe ich mich als graphisch-technischer Teil des Unternehmens gleich einmal an. Unser Logo – das E mit dem signifikanten Punkt – betrachten wir als den neuen „Jolly Roger“ auf dem ewigen Ozean aus Papier, Zeichen und Zeilen. Und so wie schon die alten Freibeuter haben auch wir nichts zu verlieren.

Was hat der Verlag mit dem Ezine EVOLVER zu tun – falls er das hat?

RD: EVOLVER BOOKS darf man im derzeitigen Stadium durchaus als Tochterunternehmen der EVOLVER-Mutter betrachten. Aber so wie Töchter nun einmal sind, nabeln sie sich irgendwann einmal ab, werden selbständig und lassen sich von der Frau Mama nichts mehr anschaffen. So ähnlich ist das auch in unserem Fall. Nach einjähriger intensiver Vorbereitungsphase agieren wir jetzt völlig frei, haben unseren eigenen Plan, unsere eigene Disposition, die sich nur hin und wieder mit jener der EVOLVER-Redaktion deckt. Wenn wir ein Buch herausbringen, zum Beispiel. Dann kriegen wir von der „Mama“ natürlich das Cover – Blut ist halt doch dicker als Wasser.
PH: Das mit dem EVOLVER ist eine heikle Frage, wenn ich mir unsere alte Mutter heute so anschaue. Gehen wir’s also diplomatisch an: Die erste Gemeinsamkeit ist der Mitgründer, nämlich jeweils ich. Die zweite Gemeinsamkeit ist der Name, der sich ja in den vergangenen dreizehneinhalb Jahren einen guten Ruf verschafft hat, wenigstens fast bis zum Schluss. Die dritte Gemeinsamkeit ist der Herr Draxler alias r.evolver, der auch schon ewig beim EVOLVER dabei war, mit dem ich vor zehn Jahren schon Buchpläne wälzte und der genau jetzt bereit war und sich viel notwendiges Wissen erarbeitet hat, als ich beschloss, beim EVOLVER auszusteigen.

Was unterscheidet euer Programm von den Programmen anderer Verlage?

PH: Nach einem Buch kann man noch nicht wirklich von Programm sprechen, nur von den paar wenigen relativ sicheren und aktuellen Vorhaben. Wir haben uns noch nicht auf eine Linie geeinigt, weil da noch viel zu viele aufregende Ideen um uns herumschwirren, als dass wir unseren Fokus schon einengen wollten. Anfangs wird EVOLVER BOOKS sich natürlich sehr an dem orientieren, was es in der EVOLVER-Geschichte gab – sowohl, was Autoren und Texte betrifft, als auch die dahinter stehende Philosophie: gut geschrieben, goschert und politisch unkorrekt. Dem Leser etwas bieten, von dem er profitiert und auf das man als Autor oder Herausgeber stolz sein kann – aber sich keinen Augenblick lang was von ihm bieten lassen. Ich fand ja schon traditionelle Leserbriefschreiber extrem lästig; was sich ein großer Teil dieser soziopathischen Kommentatoren und Forenteilnehmer aber im Internet leistet, dieses hirnlose Nörgeln, natürlich meist hinter dem Schleier der Anonymität, geht mir unglaublich auf die Nerven. Daher, ihr Gscheitlinge: Ab heute wird zurückgeschossen. Wir wollen als der Verlag bekannt werden, der mit jedem anhängt, wenn’s notwendig ist, ob real oder im Web 2.0.
Kennt man den Begriff „anhängen“ übrigens in Deutschland? Das ist so was wie „Wickel anfangen“, also: „streitert werden“. Hallo?! Versteht mich jemand?
R:D. Also, wenn Sie gestatten, werde ich das übersetzen. Was der Herr Hiess sagen will, ist: wir machen keine Gefangenen. Es gibt nicht den geringsten Kompromiss, in keiner Hinsicht, es wird auch nicht da und dort inhaltlich ein bisschen die Handbremse gezogen, um vielleicht einen bestimmten Personenkreis nicht zu kompromittieren. Genau hier liegt nämlich das Problem vieler kleiner Verlage: Statt die Chancen, die der unabhängige Status bietet, zu nützen, trauen sie sich nichts und haben genau deshalb kein scharfes Profil. Zu allem Übel sind sie auch noch irgendwo zwischen den Stühlen positioniert, weil sie versuchen, Stoffe, Sujets und Aufmachung der großen Verlage zu imitieren. Das Ergebnis ist natürlich weder aufregend noch sexy, sondern schreckt potentielle Leser schon ab, bevor sie noch die Druckerschwärze des Buches gerochen haben. Wir sagen schon von Anfang an: Wir sind klein, na und. Dafür schauen wir gut aus und haben scharfe Munition im Keller … die wir jetzt abfeuern. Und wer die Nase rümpft oder gar in Ohnmacht fällt, dem schenken wir ein Yoga-Buch aus der Wühlkiste.

Ein paar Worte zu den nächsten Büchern.

PH: Also, das definitiv nächste Buch, dessen Titel allerdings noch ein Arbeitstitel und dessen Cover noch nicht definitiv ist, ist unsere Zombie-Anthologie. Da haben wir uns ja was eingetreten – viel, viel Arbeit. Die Idee eines Literaturwettbewerbs im EVOLVER (als der noch funktioniert hat) kam uns Anfang 2009, dann haben wir die geneigte Leserschaft gebeten, Zombie-Stories einzuschicken und abgewartet. Und bald haben wir uns auch geschreckt, weil bis zum Einsendeschluss, also faktisch bis zur letzten Sekunde vor Mitternacht, sagenhafte 249 Beiträge bei uns eintrudelten. Wir hatten doch tatsächlich zehn Leute davon überzeugt, freiwillig als Juroren tätig zu werden … weil ja keiner damit gerechnet hat, dass das soviel wird. Um es kurz zu machen: Ein paar Juroren sind tatsächlich fertig geworden, ein paar andere sind nervlich fertig, zwei melden sich nicht mehr und sind vielleicht verstorben – und einer hat sich in eine Art Geisteskrankheit geflüchtet. Trotzdem wird es den Herausgebern der Anthologie, also Thomas Fröhlich und mir, in den kommenden Wochen gelingen, die Jury-Bewertungen auseinanderzudividieren, den oder die Sieger zu ermitteln und 20 bis 25 Beiträge für das Buch auszuwählen.
Was sich heuer dann noch ausgehen könnte, ist ein schmaler Ausstellungskatalog, über den wir noch nicht allzuviel verraten wollen und dürfen, der aber thematisch durchaus zu den ersten beiden Veröffentlichungen passt …
RD: Dem schließe ich mich an und dem ist auch nichts mehr hinzuzufügen …

Zombie-Romane oder Stories können doch eigentlich nur behavioristisch geschrieben sein. Oder geben sie auch Einblicke in ihr Innenleben?

RD: „Behavioristisch“ … was ist denn das für ein Wort? Himmel, muß man als Indie-Verleger jetzt auch am wissenschaftstheoretischen Parkett den Tanzschuh wetzen? Ich tät’ sagen: Unsere Zombies fressen, weil sie hungrig sind. Und wer weiß, vielleicht suchen sie ja auch – nachdem sie sich die Wampe vollgeschlagen haben – den Lokus auf, um dort ein paar grundsatzphilosophische Phrasen zu dreschen. Nachzulesen ist das alles jedenfalls im Herbst 2010. Man darf gespannt sein.
PH: Bei 249 Stories ist alles dabei. Und einige der Kurzgeschichten, von denen ich jetzt schon weiß, dass sie gute Chancen haben, betrachten definitiv das Innenleben der Zombies; aber nicht auf die blöde klischeehafte Art: “Na, hallo, was ist denn da los, ich bin plötzlich eiskalt und rieche so streng, die Finger fallen mir ab und ich will bitte lieber frisches Menschenfleisch statt Fischstäbchen?!“ Solche Einsendungen haben wir zwar auch haufenweise gekriegt, aber über die hüllen wir gnädig den Mantel des Schweigens. Trotzdem: Es sind gute und teilweise wirklich neue Ideen und Ansätze dabei – und keine Angst: Die Anthologie wird nicht zu literarisch sein, sondern ordentlich in Blut und Beuschel waten! Man weiß ja, was man dem Zombiefreund schuldig ist.

Das Problem, ich weiß es aus eigener Erfahrung, ist immer Vertrieb und Marketing. Wie geht ihr das an?

PH: Vorsichtig. Erstens haben wir kein Geld. Zweitens verlassen wir uns auf Ezzes aus dem Bekanntenkreis, weil wir noch kaum Verlagserfahrung haben. Und drittens klammern wir uns so lang an die Wir-sind-unabhängig-Ideologie, bis uns irgendwer um viel Geld kaufen will. Beim Vertrieb machen wir – und ein unsichtbarer Dritter – alles selber, weil wir keine Lust haben, uns von einem „richtigen“ Vertrieb oder Grossisten bis zu 50 Prozent abluchsen zu lassen. Und Marketing? Wer mag schon Marketing-Menschen? Wir versuchen halt alles, was geht, übers Internet und spezialisierte Fan-Gemeinden.
R.D. Und abends überfallen wir dann noch ein paar Leute im Park. Irgendwie müssen wir das alles ja finanzieren.

Ich nehme an, Ihr habt das knallhart durchkalkuliert und günstige Produktions- und Lagerkonditionen. Aber warum nicht das Ganze als Book On Demand?

PH: Hahahaha, durchkalkuliert ist gut! Wenn ich Kalkulationen sehe, rollen meine Augäpfel nach oben und ich gehe problemlos als Covermodell für die Zombie-Anthologie durch, das ist wie bei Verträgen oder Finanzamtsformularen. Wie gestern eine gute Bekannte gesagt hat: man strudelt, wie eine Ente auf dem Wasser. Man könnte auch sagen: Wir wurschteln uns durch und lernen jeden Tag dazu. Bei einem ersten Buch findet sich noch genug Platz zum Lagern. Und die Druckereipreise sind auf jeden Fall günstiger als ein Book on Demand …
RD: Dazu muss ich sagen, dass wir mit unserem Drucker unglaubliches Glück haben. Der Betrieb kommt uns in all diesen Fragen partnerschaftlich und preislich sehr entgegen und hat gemeinsam mit uns eine tolles Hybrid-Modell aus BoD und mittlerer Auflage entwickelt, mit dem es sich fein leben lässt.

Wird es auch Sekundärliteratur geben?

PH: Endlich kann ich einmal eine kurze Antwort geben: Nein, bis jetzt ist nix geplant. Aber für gute Ideen sind wir immer offen.
RD: Auch das zeichnet uns als Kleinverlag aus. Wir freuen uns über jedes Exposé, jedes Konzept und wir geben zu jeder eingereichten Idee Feedback – irgendwer hat sich irgendwo immerhin die Mühe gemacht, das auszuarbeiten. Und das honorieren wir schon allein deshalb, weil wir selber haargenau wissen, wie es ist, wenn ignorante Verlagsmenschen nicht einmal bereit sind, eine Retour-Mail zu schicken.
PH: Es gibt da zum Beispiel einen Krimiexperten, dessen Autorenporträts und Genreartikel ich sofort veröffentlichen würde, wenn mich wer fragt. Aber mich fragt ja keiner.

Wie sieht die bisherige Programmplanung aus?

PH: Zwei Zettel mit Ideen. Natürlich weiter Krimis und Phantastisches, aber auch Sammlungen der besten Kolumnen aus dem EVOLVER, aktualisierte Nachdrucke von Büchern, die ich bei anderen Verlagen veröffentlicht habe, ungewöhnliche Wanderführer, ein wichtiges Werk zur Popmusik-Geschichte. Und hoffentlich weitere Abenteuer von Kay Blanchard.
RD: Tja, für diese Abenteuer bin ich auch literarisch zuständig. Der Release von „The Nazi Island Mystery“ war der Auftakt zu einer (vorerst) auf vier Teile angelegten Serie. Und wenn ich neben Schriftsatz, Graphik, Webprogrammierung und Briefmarkenpicken noch Zeit finde, in die Tasten zu hauen, werden die Abenteuer der ungewöhnlichsten Agentin, die je für den britischen Geheimdienst gearbeitet hat, auch weitergehen. Der nächste Teil mit dem Titel „Pol Pot Polka“ soll 2011 erscheinen.
PH: Ich sehe schon, wir brauchen Lehrlinge, die uns die ganze Knochenarbeit abnehmen, sonst werden wir mieselsüchtige ältere Herren. Ich würde mir solche „filthy assistants“ wünschen, wie sie Spider Jerusalem hat.

Mir gefallen die beiden ersten Cover ausgesprochen gut. Ein paar Worte dazu?

PH: Gefallen mir auch, aber ich kann zu graphischen Themen notorisch wenig sagen – das überlasse ich dem Kollegen Draxler.
RD: Vielen Dank für die Blumen – wobei ich sagen muß, dass nur das Cover zu „The Nazi Island Mystery“ aus meiner graphischen Werkstatt kommt. Inspiriert haben mich vor allem die alten Ullstein-Krimis (die mit dem roten K) und natürlich auch die Titelbilder der Mr.-Dynamit-Bücher. Das waren wirklich grandiose Covers. Das hübsch-grausliche Titelmotiv zur Zombie-Anthologie, also der halbverweste Untote mit dem heraushängenden Auge, stammt aus der Feder des österreichischen Zeichners Jörg Vogeltanz. Über seine Inspirationsquellen weiß ich nicht so genau Bescheid, eins kann ich aber versichern: er selber schaut nicht so aus.



VOM MEAT- ZUM MONEYSHOT- zur Geschichte des Pornos 9/ by Martin Compart
2. August 2009, 2:48 nachmittags
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Auf dem Höhepunkt des sogenannten Golden Age of Porn im Jahre 1978 produzierte man den USA etwa 100 Pornofilme mit einem durchschnittlichen Budget von 400.000 Dollar. 1996 wurden vergleichweise etwa 8000 Filme für den Videomarkt gedreht – und kaum einer hatte ein Budget von mehr als 10.000 Dollar. Eine neue technische Entwicklung beendete den großen Kinoporno, vergrößerte aber den Markt insgesamt gigantisch: Video. (Anmerkung der Redaktion: Paul Thomas Anderson setzte dieser Ära in “Boogie Nights” ein filmisches Denkmal.)

Nachdem Sony 1969 den ersten Videorecorder vorgestellt hatte, schrieb Peter Gruber, Produzent der Columbia Studios, in einem vorausschauenden Artikel: “Diese Technik wird einmal alles revolutionieren und einen neuen Markt fur Pornographie entwickeln. Man wird zu Hause seine eigenen Pornos drehen und vertreiben. Private Nacktfilme mit Darstellern aus der Nachbarschaft werden eine Tatsache sein.”
Videorecorder wurden ab 1975 auf den Markt gebracht, und die Pornographen reagierten umgehend. Bereits 1983 machten Pornos drei Viertel des Umsatzes an Videokassetten aus. Video erschloß neue Konsumschichten: Leute, die nie in einen Sexshop oder ein Pornokino gegangen wären, konnten nun in ihrer Videothek für wenig Geld unter einer großen Anzahl Pornos auswählen und die Filme in der Geborgenheit des eigenen Heims anschauen. 1981 gab es in den USA fast 1000 Kinos für Erwachsene, die 20 Prozent der gesamten Kinoeinnahmen umsetzten und wöchentlich 2,5 Millionen Tickets verkauften. Sechs Jahre später gab es weniger als 200. In derselben Zeit war der Videoverleih von Pornos auf 15 Millionen angestiegen und lag 1997 bei 600 Millionen – und das trotz der Repressionen durch die Regierungen Reagan und Bush …



Vom Meat- zum Moneyshot – zur Geschichte des Pornos 8/ by Martin Compart
31. Juli 2009, 6:35 nachmittags
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Es ist nicht ganz richtig, “Deep Throat” als ersten Porno-Spielfilm zu nennen: Der erste Porno mit einer Handlung, der in amerikanischen Kinos gezeigt wurde, war “Mona”, ein 59minütiger Film aus dem Jahre 1970, gedreht und produziert von Bill Osco und Howard Ziehm. Doch für “Mona” war die Zeit nicht reif.
“Deep Throat” kam hingegen zum richtigen Zeitpunkt nach der sexuellen Revolution der Hippies. Der Film löste einen Trend aus: relativ aufwendig gemachte Pornos mit einer Handlung, die in großen Kinos von Paaren angesehen werden konnten. Porno hatte die schmuddligen Abspielorte der Stags verlassen und war auf dem besten Weg zum Mainstream.
Diese Filme waren richtige Filme, gedreht auf Filmmaterial mit längeren Drehzeiten und von engagierten Regisseuren in Szene gesetzt. Für kurze Zeit sah es danach aus, als würden sich Porno- und Mainstream-Kino verbinden können und sowohl harten Sex als auch gute Geschichten kombinieren – etwa in “Eruption” (1977), der Porno-noir-Version von Billy Wilders und Raymond Chandlers “Double Indemnity” (“Frau ohne Gewissen”). Die Dreharbeiten auf Hawaii dauerten für das Genre unglaubliche drei Wochen.

Aber die Welle hielt nicht an: Der vielleicht beste Pornofilm des Jahrzehnts, “The Devil in Miss Jones” (1974) von Gerard Damiano, wurde ein Flop. Die Hauptdarstellerin Georgina Spelvin: “Der war zu anspruchsvoll. Die Leute kamen aus dem Kino und dachten: Ich bin reingegangen, um mir einen runterzuholen, nicht um nachzudenken.”
Die aficionados verklären mittlerweile nostalgisch die Pornos der 70er Jahre: Sie hätten echte Menschen gezeigt, die heißen Sex miteinander hatten. Danach hätte es nur chirurgisch aufgemotzte Superpüppchen gegeben, die heißen Sex vorspielten. Stars wie Ginger Lynn oder Samantha Strong, die wirklich Freude beim Dreh haben und das auch rüberbringen können, gelten als Ausnahmen. Die clevere Amerikanerin Ginger Lynn war übrigens die erste, die eine prozentuale Beteiligung am Verkauf ihrer Videos durchsetzte und die erste, die sich exklusiv an eine Produktionsfirma band. Sie hatte das Recht, Filme und Partner abzulehnen, bekam dafür mehr Geld und arbeitete weniger.

Zuvor hatte Marilyn Chambers für den Klassiker “Behind the Green Door”, den zweiterfolgreichsten Porno der Seventies, sagenhafte 25.000 Dollar und eine Beteiligung kassiert. Angeblich verdiente kein anderer Pornostar bis Jenna Jameson dank eines solchen Prozentvertrags mehr Geld.



Vom Meat- zum Moneyshot – zur Geschichte des Pornos 7/ by Martin Compart
25. Juli 2009, 6:33 vormittags
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Auch in den Staaten erfreute sich der Markt seit den Seventies eines vehementen Wachstums. Die 60er Jahre hatten auch hier die Moral liberalisiert und für freieren Umgang mit Sexualität gesorgt.
Die Mafia hatte seit der Depression nichts mehr mit Pornographie am Hut – damals war sie nur ein bescheidenes Geschäft gewesen, das auf lokaler Ebene und nicht einmal von allen Mafia-Familien abgefrühstückt worden war. Ende der Sechziger führte der New Yorker Anthony Peraino schließlich die Colombo-Famile ins Busineß ein: Es entwickelte sich zum größten Gewinnbringer seit dem Drogengeschäft. Peraino produzierte Stags und Loops für die Münzautomaten in den Times-Square-Shops.
Auch Reuben Sturman, der ein undurchsichtiges Imperium aufbaute, war mit der Mafia verbandelt. Und wie diese schon den Rock´n´ Roll durch Bestechung der Disc-Jockeys und das Aufstellen von Jukeboxes durchgesetzt hatte, machte sie Porno erst zum Multimillionengeschäft. Das begann mit einem genialen Handstreich, indem die Ehrenwerte Gesellschaft ihr Geld in den bekanntesten und erfolgreichsten Porno aller Zeiten steckte: “Deep Throat”. Danach war Porno nie mehr derselbe. “Deep Throat” war der Beginn des Pornofilms als Massenmedium, der erste spielfilmlange Porno mit einer durchgehenden Handlung.

Von Gerard Damiano in wenigen Tagen heruntergedreht, feierte der Film im Juni 1972 in einem richtigen New Yorker Kino Premiere. Gleichzeitig landesweit in 300 Kinos vorgeführt, schlug “Deep Throat” Hollywoods Blockbuster der Saison, “Cabaret” und “Shaft II”, um Längen. Innerhalb kürzester Zeit avancierte der Streifen zum Phänomen: Erstmals zeigte man einen Hardcore-Film landesweit – und Prominente wie Frank Sinatra, Warren Beatty und Truman Capote bekannten sich als Zuschauer.
Auf einmal war Porno Tagesgespräch und schick: Paare gingen gemeinsam in einen Porno, und niemand schämte sich, dabei gesehen zu werden. “Esquire” schrieb: “Wer ihn nicht gesehen hatte, galt irgendwie als rückständig.” Das Pornopublikum bestand nicht länger aus der Regenmantelbrigade.

“Deep Throat” beförderte den Pornofilm ins Reich der Popkultur. Der für nur 22.000 Dollar gedrehte Streifen spielte mehr als 100 Millionen ein. Er gehört zu den Top-ten-Moneymakern der Filmgeschichte und spielt in derselben Liga wie “Star Wars” oder “Titanic”. Der weibliche Star Linda Lovelace wurde zur internationalen Berühmtheit und gerngesehener Gast in Talk-Shows. Der Begriff porn chique entstand, und deep throat wurde zu einem geflügelten Wort und feststehendem Ausdruck der Umgangssprache.

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Vom Meat- zum Moneyshot – zur Geschichte des Pornos 6/ by Martin Compart
23. Juli 2009, 6:58 vormittags
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Dänemark war das erste westliche Land, in dem Pornographie legalisiert wurde – und zwar bereits 1969! Dagegen dauerte es in Großbritannien bis 1999; es war das letzte europäische Land, das seine repressive Gesetzgebung aufhob. Die Liberalisierung in den skandinavischen Ländern machte Dänemark und Schweden geradezu zum Synonym für Porno. Von dort aus schmuggelten Geschäftsleute und selbsternannte Überzeugungstäter Filme und Magazine ins südliche Europa ein.
Zum Inbegriff des Euro-Pornos wurde Lasse Braun (hinter dem Pseudonym verbirgt sich der Italiener Albert Ferro): Nachdem er mit Hilfe des väterlichen Diplomatenpasses Magazine nach Italien gebracht hatte, begann er in den 60ern Filme zu drehen, die er über seine Stockholmer Firma Beta vertrieb. 1971 führte er gemeinsam mit dem amerikanischen Vertriebsmogul Reuben Sturman in Europa die Peep-Show-Kabinen (pay and spray) ein. Die wurden mit kurzen Filmen, sogenannten loops, munitioniert. Mitte der 70er Jahre produzierte Braun mit “Sensations” den teuersten europäischen Porno, der je gedreht wurde. Obwohl man zwei seiner Edelpornos sogar in Cannes vorführte, waren sie Flops.

Der Mißerfolg traf die Branche ins Mark, und sie stürzte sich fortan auf kostengünstige Produktionen. Erst in den Neunzigern stellten europäische Regisseure wie Joe D´Amato, Pierre Woodman und Luca Damiano wieder aufwendige Großproduktionen her.
Der zweite wichtige europäische Pornopionier war der Schwede Berthe Milton, der 1960 sein erstes Pornoheft herausgab: “Private”, das erste Porno-Mag in Farbe. Ende der 80er verkaufte jedes Heft 100.000 Exemplare, davon allein 40.000 in Deutschland – doppelt soviel wie die schärfsten Konkurrenten “Foxy Lady” und “Color Climax”. Aus dieser Urzelle des ehemaligen Tivoli-Managers entwickelte sich einer der größten Pornokonzerne der Welt, als 1990 sein gleichnamiger Sohn die Geschäfte übernahm und wuchtig in den Videomarkt einstieg. Die “Private”-Filme zeichnen sich durch exotische Drehorte und teure Produktion aus.

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Vom Meat- zum Moneyshot – zur Geschichte des Pornos 5/ by Martin Compart
21. Juli 2009, 11:41 vormittags
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Die meisten Stag-Filme wurden in den USA hergestellt, gefolgt von Frankreich, wo das Genre so verbreitet war, daß erst de Gaulle dagegen mit härtester Repression vorgehen ließ. In den 20er Jahren wurden in Frankreich mehr Filme als in den USA gedreht. Eine liberale Sexmoral und Gesetzgebung ermöglichten sogar, daß Produzenten wie Bernard Natan und Dominique ihre Pornos in Anzeigen in Blättern wie “Paris Plaisir” oder “La Vie” bewerben konnten. Später aber verbot der französische Kultusminister in den Seventies den Export französischer Pornofilme – aus Angst um das Image Frankreichs!

Ein berühmter deutscher Stag-Film war “Am Abend” (1910): Nachdem ein Mann durch ein Schlüsselloch beobachtet hat, wie eine Frau masturbiert, betritt er das Zimmer und treibt es mit ihr vaginal, oral und anal. Im Chaos nach dem Ersten Weltkrieg blühte in der Weimarer Republik jede Form von Pornographie. 1920 verabschiedete der Reichstag einen Zensurparagraphen für die Filmindustrie, der diese Freizügigkeit einschränkte. Aber erst 1926 wurde jede Form von Pornographie verboten.
Den Höhepunkte der Anti-Sexualität erlebte Deutschland 1933 mit der Machtergreifung der Nazis. Sie vernichteten das Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld in Berlin und damit auch die größte systematische Sammlung deutscher Pornographie. Einen Monat vor dem Überfall durch die SA hatte Hirschfeld mehrere Kisten mit wissenschaftlichem Material und Pornographie nach Argentinien verschickt. Von dort aus gelangte es später unter Umwegen zum Kinsey-Institut, wo es heute noch eingesehen werden kann.

Viele Stags kamen aus Lateinamerika, wo die Staatsmacht weniger präsent war. Vor allem in Tijuana und Havanna wurden üble Filme hergestellt, in denen Frauenhaß sowie die Verachtung der katholischen Kirche ihren Ausdruck fanden. Verstärkt wurden in Lateinamerika auch sodomistische Filme (Bestiality) hergestellt. Heute gilt vor allem Mexiko als großer Lieferant für Snuff-Filme (Filme, in denen reale Morde gezeigt werden; aber Snuff ist ein Thema für sich – und hat nichts mit “normaler” Pornographie zu tun).
Während der Depression in den 30er Jahren wurden die Produktion und der Vertrieb integraler Bestandteil der Untergrundwirtschaft, die von den bekannten Gangsterbossen der jeweiligen Regionen kontrolliert wurde. Erst in den Fünfzigern, als sich die 16-mm-Schmalfilmtechnik durchsetzte, fanden Pornofilme Einlaß in die privaten Haushalte der Mittelschicht.

Die gesamte Geschichte des Pornofilms kann man unter dem Aspekt betrachten, daß technische Entwicklungen und ihre Nutzung durch die Pornographen zunehmend darauf abzielten, im privaten Bereich konsumierbar zu werden. Der vorläufige Endpunkt ist dank dem Internet erreicht, das dem Konsumenten sogar den Gang in die Videothek erspart.

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Vom Meat- zum Moneyshot – zur Geschichte des Pornos 4/ by Martin Compart
21. Juli 2009, 9:54 vormittags
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Die Darsteller waren Amateure. Oft trugen sie Masken, um nicht identifiziert zu werden, falls der Film in die Hände der Ordnungskräfte geraten sollte. Rekrutiert wurden sie aus den unteren Schichten: Immigranten, Arbeitslose, Prostituierte und Zuhälter. Zur unfreiwilligen (?) Komik trug bei, daß die männlichen Darsteller neben Masken auch gerne ihre Socken anbehielten. Der maskierte Mann in schwarzen Socken wurde geradezu zum Symbol der Stag-Filme. Nur wenige Darsteller traten unter demselben Pseudonym – falls es überhaupt Credits gab – in mehreren Filmen auf; das heutige Star-System des Pornos existierte bei den Stags nicht. Eine der wenigen bekannten Aktricen, die einen bestimmten Charakter über mehrere Filme “entwickelten”, war eine Dame namens Blondie Blondell.

Anfang der Fünfziger drehte eine gewisse Juanita Slushes in einem Motel in Tennessee einen Stag und schrieb Pornogeschichte. Dafür gab sich die 16jährige den Namen Candy Barr, der Film hieß “Smart Aleck”. Beide wurden zur Legende. Candy war wohl der einzige Star, den der Stag-Film je hervorgebracht hat, und “Smart Aleck” gilt als der berühmteste und beste Film des Genres. Das lag allerdings nicht etwa an einer ungewöhnlichen Handlung, sondern am Appeal von Candy, die ungewöhnlich erotisch rüberkam. Sie hat noch heute ihre Hardcore-Fans.

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Vom Meat- zum Moneyshot – zur Geschichte des Pornos 3/ by Martin Compart
21. Juli 2009, 9:01 vormittags
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Am Anfang des Pornofilms stehen die sogenannten Stag-Filme: kurze Stummfilme, primitiv gedreht, die mit wenig Handlungsvorwand sexuelle Akte auf die Leinwand brachten. Die ersten Stag-Filme wurden ab dem frühen 20. Jahrhundert in “Nickelodeons” auf Rummelplätzen oder in Rotlichtbezirken gezeigt (Eintritt: einen Nickel). 1910 gab es in den USA um die 10.000 dieser Kleinstkinos. Zu ihrem Betrieb brauchte man nicht mehr als einen Projektor, eine Leinwand und ein paar Stühle.
Der erste offiziell gezeigte Stag-Streifen soll aus dem Jahre 1896 stammen. Die große Zeit des frühen Pornofilms waren die Jahre von 1920 bis Ende der 60er. In den fünf Jahrzehnten seiner Blüte blieben die Filme statisch – es waren ausschließlich Stummfilme in Schwarzweiß, meist mit maskierten Darstellern. Lediglich an Frisuren und Kleidung läßt sich erkennen, aus welchem Jahrzehnt sie stammen. Der Stag-Historiker Dr. Joseph Slad fand heraus, daß vor 1965 nur fünf Filme mit Ton gedreht worden waren (jeweils einer 1938, 1942, 1951 und zwei 1949) und nur vier in Farbe (1948, 1952, 1956 und 1959). Dokumentiert wurden in den USA bis 1970 etwa 2000 Stag- und Pornofilme. Wie sehr sich die Situation seitdem verändert hat, zeigt die statistische Tatsache, daß allein im Jahr 2000 rund 8000 Pornos produziert wurden.
Ein üblicher Stag war ein 16-mm-Schwarzweißfilm, der im wahrsten Sinne des Wortes nur bewegte Bilder zeigte. In den 20er Jahren wurden die Streifen auf 35-mm-Nitrat-Film gedreht, was ihre Lebensdauer begrenzte. Der erste “offiziell” registrierte amerikanische Stag-Film, “A Free Ride”, stammte von 1915. Genaue Daten über diese frühen Pornos, die im illegalen Untergrund gedreht und vertrieben wurden, sind naturgemäß kaum zu ermitteln. Die Filme hatten keine Credits der Mitwirkenden, und die Produktionsfirmen gaben sich wechselnde Phantasienamen ohne Adressenangaben.

Stag-Filme waren durchschnittlich zehn Minuten lang. Vertrieben wurden sie durch herumreisende Vorführer, die Filme und Projektor im Gepäck hatten. Gezeigt wurden sie in den Hinterzimmern von Bars, Klubs, in Provinzkinos mit geschlossener Gesellschaft oder in Privathäusern von “Freundeskreisen”; jedenfalls nur an Orten für Eingeweihte, die Geheimhaltung garantierten und damit dem Zugriff der Ordnungshüter möglichst entzogen waren.
Wie das ablief? Der reisende Vorführer kam in die Stadt, in der die vorbereitete Klientel ihn sehnsüchtig erwartete, zeigte seine Filme in verrauchten Höhlen (daher auch die gelegentliche Bezeichnung dieser Filme als “Smokers”), wurde bar bezahlt und war am nächsten Tag wieder verschwunden. Die zehnminütigen Filme waren genauso lang wie eine Spule. (Eine einzelne Filmrolle ließ sich naturgemäß besser verstecken als viele). Nur in Bordellen konnte man Stags regelmäßig ansehen, da sie die Kundschaft anheizen sollten. Die Filme benutzten immer dieselben Handlungsmuster, die man auf fünf Plots reduzieren kann:

1. Eine Frau alleine zu Hause beginnt zu masturbieren. Dann kommt ein Mann dazu, und sie vögeln.
2. Ein Farmgirl sieht Tieren beim Geschlechtsakt zu, wird erregt, trifft auf den Bauern oder einen Handlungsreisenden und … ja, was wohl?
3. Ein Arzt untersucht eine Frau – und ab geht die Post.
4. Ein Einbrecher findet eine Frau im Bett vor und vergewaltigt sie. Oder umgekehrt.
5. Eine sonnenbadende Frau wird erwischt und verführt.

Was der Moneyshot (die Ejakulation außerhalb der Frau) für den heutigen Porno ist, war der Meatshot für den Stag-Film: die extreme Nahaufnahme der Penetration. Da man die Kamera nicht bewegen konnte, machte man aus der Not eine Tugend: Man positionierte sie so, daß sich der Zuschauer in der Rolle eines heimlichen Voyeurs wähnte. Viele Filme vermitteln so den prickelnden Eindruck, als würde man Verbotenes durch ein Schlüsselloch betrachten.
Linda Williams stellte in ihrem Buch “Hardcore” fest: “So kam die Frage der sexuellen Befriedigung von Mann und Frau in diesen Filmen niemals vor: einen Penis in eine Körperöffnung einzuführen, galt automatisch als befriedigend für beide.”



Vom Meat- zum Moneyshot – zur Geschichte des Pornos 2/ by Martin Compart
20. Juli 2009, 10:48 vormittags
Einsortiert unter: Bücher, Film, Interview, Politik & Geschichte, Porno | Schlagwörter:

Porno hat sich in den letzten Jahrzehnten zum Big Business gemausert – es existiert kaum ein Land, in dem es die Produkte nicht zu kaufen gibt. In den westlich orientierten Ländern werden Pornos ganz legal angeboten. So unterschiedliche Leute wie “Hustler”-Herausgeber Larry Flynt und der Schriftsteller Salman Rushdie führen die Legalität von Pornographie als Indiz für eine freie Gesellschaft an. Dagegen wettern vehement die Pornogegner, eine merkwürdige Allianz aus religiösen Fundamentalisten (christliche wie islamische Hardliner lehnen jede Form von Pornographie radikal ab) und ewiggestrigen Feministinnen. Die einen behaupten, Gott habe uns die Sexualität lediglich zur Fortpflanzung in der Ehe geschenkt, die anderen, daß Frauen durch Pornographie erniedrigt würden. (Was ist denn mit der erniedrigenden Darstellung der Männer als immer geile blöde Rammler?)

Meist behaupten diese Gruppen auch einen Zusammenhang zwischen Pornos und Sexualverbrechen. Empirisch konnte das nie nachgewiesen werden. Japan zum Beispiel ist berüchtigt für den massenhaften Konsum extremer Gewaltpornographie. Japan ist aber auch das Land mit der weltweit geringsten Rate an Sexualdelikten. In Asiens größtem Pornomarkt – vielleicht sogar dem größten der Welt – werden jährlich circa 10.000 Filme hergestellt, die etwa acht Milliarden Euro Umsatz machen.
Durch das Internet erlebte die Verbreitung von Pornographie einen enormen Schub. Nun kommen auch Menschen aus Ländern mit strengstem Pornographieverbot mit ein paar Mausklicks an die gefragte Ware, da das Netz massenhaft kostenlose Pornographie bietet. Laut Google wird täglich 68 Millionen Mal der Begriff “porn” in die Suchmaschine eingegeben.
Der dänische Kriminologe Berl Kutchinsky datierte den Beginn der modernen Pornographie auf die 50er Jahre des 17. Jahrhunderts. In diesem Jahrzehnt erschienen drei Bücher, auf die er die meisten bis heute gültigen Topoi des Genres zurückführt: “La Puttana Errante”, “L´Ecole Des Filles” und “Satya”. In ihnen finden sich lesbische Szenen, Sodomie, Gruppensex, Flagellation und Sadomasochismus neben den üblichen Beschreibungen aller erdenklichen Stellungen. Amoralität, Wollüstigkeit und stereotype Charakterisierungen runden das Bild ab.
Erst seitdem die Bilder laufen lernten, läßt sich ein stetiger Anstieg an pornographischen Material feststellen; zuvor war Porno noch ein Privileg der oberen Schichten. Die Entwicklung der Massenmedien sorgte für eine Demokratisierung. Bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ging diese zwar nur langsam, aber kontinuierlich vor sich; danach – durch Liberalisierung der Gesetze und die Einführung neuer Technologien – überschlug sich die Entwicklung, um heute einen nie gekannten Verbreitungsgrad zu erreichen.

FORTSETZUNG FOLGT




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