Martin Compart


HITLER PERVERS- DER FALL GELI RAUBAL 2/ by Martin Compart
13. April 2011, 1:38 nachmittags
Einsortiert unter: Geli Raubal, Nazi, Politik & Geschichte | Schlagwörter:

DIE SELBSTMORDTHEORIE UND QUELLENLAGE

Eine andere Dysfunktionstheorie glaubt der Aussage eines Jugendfreundes, dass Hitlers Geschlechtsteil zumindest zum Teil von einer Ziege abgebissen worden war, als der junge Adolf zum Gaudi seiner Kumpane dem Tier ins Maul urinieren wollte.
Der sowjetische Arzt Dr.Faust Schkarawski veröffentlichte im Auftrag der Regierung (und des KGB) 1968 seine forensischen Bericht über die Autopsie der Leiche Hitlers, die man nach der Einnahme Berlins verbrannt aufgefunden hatte. Darin wurde behauptet, Hitler habe nur einen Hoden gehabt und man trat das los, was Alan Bullock das “one-ball-business” nannte. Psychohistoriker stürzten sich auf diese Behauptung, nahmen sie als Tatsache und entwickelten daraus die abstrusesten Erkenntnisse über das “Rätsel Hitler”. Meist wenig überzeugend versuchen die Psychohistoriker aus dieser Dysfunktionstheorie die Verbrechen Hitlers zu erklären. Gegen die Behauptung der Sowjets, sie mit Sicherheit propagandistische Zwecke zu erfüllen hatte (Herabsetzung Hitlers als Mann), sprach sich Dr.Gertrud Kurth aus. Sie arbeitete 1943 für Walter C.Langer bei der Erstellung des Hitler-Profils für den amerikanischen Geheimdienst OSS. Sie hatte seinerzeit zusammen mit Langer auch Dr.Bloch befragt, dem Hausarzt von Hitlers Eltern, der auch den jungen Adolf mehrfach untersucht hatte. Dr.Bloch gab zu Protokoll, daß er beim jungen Adolf Hitler keinerlei genitale Defekte festgestellt hatte und seine Geschlechtsmerkmale “völlig normal” gewesen seien. Hitlers Kriegsverletzung im 1.Weltkrieg lässt ebenfalls keine Schluss auf genitale Auswirkungen zu.

Hitlers Verbrechen aus sexuellen Perversionen oder genitalen Defekten zu erklären, wird von Ron Rosenbaum treffend erklärt: “Fast alle jene, die eine sexuelle Erklärung für Hitlers Psyche postulieren, enden schließlich bei der Behauptung, dass Hitler ohne seine nicht natürliche Sexualität nicht nur sexuell normal, sondern (so lautet die Implikation) auch moralisch normal gewesen, jedenfalls nicht zum Massenmord getrieben worden wäre. Es ist das schwache Echo von Wilhelm Reichs Überzeugung, dass die Ursprünge des Bösen in dem Unvermögen zu suchen sind, zu einer gesunden normalen orgastischen Entspannung zu kommen. Es ist das schwache Echo des romantischen Glaubens, dass die Befreiung von sexuellen Repressionen uns vom finsteren Mittelalter, den dunklen Trieben in uns, befreien würde.” Hier verkürzt Rosenbaum die Theorien Reichs, der auch gesellschaftshistorische Prozesse miteinbezogen hat. Was durchschimmert ist die Angst vor der Beschäftigung mit Hitlers Sexualität als Erklärungsmodell für seine Schreckenstaten. Die Angst, Hitler als abartige, uns “Normale” nichts angehende, perverse Bestie hinzustellen um damit die Diskussion über seine Person zu beenden. Dieses Erklärungsmodell ist genauso wenig akzeptabel wie die Modelle, die Hitlers Sexualität völlig außen vor lassen mit der Begründung, dass die Quellenlage zweifelhaft ist. Die Quellenlage ist in weiten Bereichen der Forschung über das 3.Reich zweifelhaft.


http://www.amazon.de/HITLER-PERVERS-RAUBAL-Sexskandale-ebook/dp/B0071PNS1A/ref=sr_1_5?s=books&ie=UTF8&qid=1335788508&sr=1-5



HITLER PERVERS-DER FALL GELI RAUBAL 1/ by Martin Compart
30. März 2011, 3:23 nachmittags
Einsortiert unter: Geli Raubal, Nazi, Politik & Geschichte | Schlagwörter: ,

DIE SELBSTMORDTHEORIE UND QUELLENLAGE

Obwohl die schlechte Quellenlage verschiedene Schlüsse und Theorien zulässt, haben sich die prägenden Historiker alle auf eine geeinigt: Hitlers Nichte Geli Raubal habe sich selbst das Leben genommen.
Trotz der unbefriedigenden Aktenlage der polizeilichen Untersuchung, hält die so genannte seriöse Journaille und die angesprochenen Historiker so genannter Standardwerke an dieser Haltung fest – komme was da wolle. Auch wenn die Aussagen ansonsten akzeptierter Quellen (z.Bsp. Putzi Hanfstaengel) andere Schlüsse zulassen. Bestimmte Quellen gelten ihnen eben nur da als seriös, wo die Aussagen mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmen. Ist das nicht der Fall, dann ist die Quelle eben genau da im Irrtum – obwohl die eine Aussage genauso wenig überprüfbar ist wie die andere. Woran liegt es nur, dass ernsthafte Historiker wie Joachim C.Fest, Ian Kershaw, John Toland, Allan Bullock und andere diese eine Möglichkeit gegenüber anderen, gleichwertigen Möglichkeiten so vehement verteidigen?
Ich weiß es nicht. Objektive Abwägung kann es kaum sein. Warum ist man so bedacht, dass man den größten Massenmörder des 2o.Jahrhunderts vom Verdacht des Mordes an seiner Nichte frei spricht? Vielleicht deshalb, weil man dann die sexuelle Komponente im Leben Hitlers stärker berücksichtigen müsste. Und über die ist bekanntlich die „Aktenlage“ ähnlich unsicher und ähnlich umstritten. Oft mit der unterschwelligen Aussage begleitet: Er war der schlimmste Verbrecher, aber homosexuell oder gar pervers war er nicht. Als wolle man ihm noch einen Trampelpfad zur Menschlichkeit (ähnlich wie seine vorgebliche Tierliebe) offen halten um das eigene Menschenbild und die eigenen anthropologischen Vorstellungen aufrecht zu erhalten.

Es ist schon merkwürdig wie diese Historiker die offizielle Version der Nazis fortschreiben. Um Hitlers Alibi zu stützen, Geli Raubal habe noch gelebt als er nach Nürnberg aufbrach, verlassen sie sich ausschließlich auf die Aussagen von überzeugten Nazis, die diese Selbstmordtheorie behaupteten. Allen voran dient als Quelle die Autobiographie des Hitler-Fotografen Heinrich Hoffmann von 1955. Dieser Trunkenbold war bereits 1920 als Mitglied mit der Nummer 247 in die Partei eingetreten und seitdem ein enger Vertrauter Hitlers. Keiner dieser Historiker geht auch auf den Widerspruch in seiner Autobiographie ein. Unwidersprochen übernommen wird seine Beschreibung vom 17.September 1931 mit der persönlichen Verabschiedung von ihm, Hitler und Geli Raubal. Einbezogen werden die zwei Aussagen der Hausangestellten, dass Geli an diesem Tag noch lebend um 15.00 Uhr gesehen wurde. Auf die späteren Widersprüche gehen die Historiker nicht ein: Hoffmann schreibt über seine und Hitlers Rückkehr am Mittag des nächsten Tages, Geli sei bereits mindestens 24 Stunden tot gewesen beim Untersuchen der Leiche durch die Polizei um 11.00 Uhr vormittags. Weiterhin behauptet er, Gelis Mutter Angela sei bei seiner und Hitlers Ankunft anwesend gewesen. In Wirklichkeit war sie noch im Haus Wachenfeld. Während derartige Widersprüche zuhauf von den Historikern übergangen werden, wird jede noch so dürftige Aussage, die die Selbstmordtheorie stützt, als unanzweifelbare Quelle behauptet. Sie reagieren geradezu aggressiv, wenn diese von den Nazis selbst offiziell gemachte Selbstmordtheorie angezweifelt wird. Ganz ähnliche Reaktionen rufen Arbeiten hervor, die sich mit Hitlers Sexualität beschäftigen. Es scheint. als dürfe Hitler zwar der größte Verbrecher des 20.Jahrhunderts oder gar der gesamten Menschheitsgeschichte sein, aber auf keinen Fall einen persönlichen Mord begangen haben oder gar pervers gewesen zu sein. Ein Massenmörder: ja – aber persönlich sauber.

Winston Churchill, der zuerst begeistert von Hitler und den Nazis war und später verbat, dass in den Nürnberger Prozessen die okkulten Hintergründe des 3.Reichs aufgeklärt wurden, nannte Hitler “a monster of wickedness”. Das könnte sich auch auf die sexuellen Vorlieben des Führers bezogen haben.

Die Annahme, Geli Raubal habe Selbstmord begangen, steht im direkten Zusammenhang mit einer Dysfunktionstheorie, also eine Argumentationslinie, die das Böse in Hitler als nicht bewusst sondern in Folge einer Funktionsstörung zu erklären versucht. Zu diesen Dysfunktionstherorien gehört auch die Vermutung, Hitler habe Syphilis gehabt. Der Versuch Hitlers Psyche als Folge der Krankheit zu erklären, die so genannte Bazillus-Theorie, impliziert, dass das Böse nicht aus Hitlers Natur oder Bewusstsein kam, sondern Konsequenz einer Krankheit sei, die quasi von Außen eingedrungen ist. Es erscheint geradezu aberwitzig, dass ausgerechnet der führende Nazi-Jäger Simon Wiesenthal diesem Erklärungsmodell anhing. Wie Rosenbaum schreibt, war diese Theorie vor dem Krieg häufig Gegenstand von Spekulationen, geriet dann aber in Vergessenheit bis Wiesenthal sie in den achtziger Jahren wieder vorbrachte. Seitdem jagt er einem Phantom nach: nämlich einer jüdischen Hure, bei der sich Hitler in seinen Wiener Jahren angesteckt haben soll. Natürlich nicht einfach nur eine Hure, sondern eine jüdische Prostituierte. “Ihr Jüdischsein wird also für Wiesenthal zur Erklärung für den Ursprung von Hitlers Antisemitismus… Und die mental derangierenden Auswirkungen des Tertiärstadiums der Krankheit wird für ihn zur Quelle der geistesgestörten Virulenz von Hitlers Judenhass.” (Rosenbaum, S.56) Wiesenthal behauptete, er habe diese Geschichte erstmals von einem aus Österreich ausgewanderten Arzt gehört, der behauptete, einen anderen Arzt gekannt zu haben, dessen Vater Hitler wegen der Syphilis behandelt habe. Wahrlich, eine grandiose Beweislage! Für die Existenz einer jüdischen Hure gibt es nicht einmal eine Aussage dritter oder vierter. Zwar mußte Wiesenthal bei seiner Aufspürung von Nazi-Kriegsverbrechern den winzigsten und manchmal unwahrscheinlichsten Spuren nachgehen, aber bestimmt nie derartig vagen. Die Jagd nach der jüdischen Hure, die laut Rosenbaum, der Wiesenthal persönlich befragte, hat wohl etwas an Besessenheit grenzendes. Warum dieser erfolgreiche und in seiner Sache so verdienstvolle Mann diesem Phantom erlegen ist, soll hier nicht auszuleuchten versucht zu werden. Jedenfalls sieht Wiesenthal in Hitlers Krankheit die wahre Ursache für Gelis Tod. Er meint, Hitler habe sie mit Syphilis angesteckt und das Mädchen habe sich deshalb umgebracht.

http://www.amazon.de/gp/product/B0071PNS1A?ie=UTF8&tag=martcomp-21&linkCode=xm2&camp=1638&creativeASIN=B0071PNS1A
HITLER PERVERS: DER FALL GELI RAUBAL/SCHWULE SADISTEN-Ernst Röhm und die SA als eBook.



NEUE HÖRBÜCHER: JOHN KATZENBACH: DER TÄTER by Martin Compart
26. März 2011, 11:48 vormittags
Einsortiert unter: Hörbücher, Krimis, Nazi, Rezensionen | Schlagwörter: , ,

Ich war seit seinem Debut, DAS MÖRDERISCHE PARADIES (1982) ein Fan von John Katzenbach (auch Philip Borsos Film mit Kurt Russell gefiel mir). Mein Liebling unter den frühen Romanen war der durchgeknallte Serienkillerroman THE TRAVELLER (neu als DER FOTOGRAF aufgelegt). Aber dann verlor ich ihn aus den Augen. Ein Grund dafür war natürlich der Umfang der Romane. Es gibt verdammt wenige Thriller, die einen Seitenumfang von 300 bis 500 Seiten rechtfertigen und in ihrer Redundanz den besten Plot zum Langweiler machen. Aber da die Verlage glauben, dünne Bücher schaffen´s nicht auf die Bestsellerliste, muss wohl der gutwilligste Autor seine Romane mit überflüssigen Szenen füllen. Auch da erfüllen die gekürzten Hörbücher eine positive Funktion, wenn sie bei den Vorlagen überflüssiges Fett absaugen. Jedenfalls empfand ich Katzenbach immer als einen der originelleren Türstopper-Autoren, der ein Geschick für ungewöhnliche Sujets (DAS TRIBUNAL) hat.
Jetzt habe ich ihn mit dem Hörbuch DER TÄTER wieder entdeckt. Es ist sicher nicht der große Knaller, aber eine ordentlich gebaute Geschichte über einen ehemaligen Nazi, der 1995 in Miami Überlebende des Holocaust umbringt. Argon hat bereits eine ganze Reihe von Katzenbach-Hörbüchern heraus gebracht, immer mit feinen Vorträgen von Simon Jäger, der einen mit seiner Interpretationskunst in die Stories reinsaugt. Leider gibt es in dieser Produktion einige akustische Schwankungen, die man in der Produktion nicht angeglichen hat. Nichts wirklich störendes, aber man muss gelegentlich die Lautstärke ein wenig korrigieren.
Katzenbach ist ein Profi und Argon liefert 426 Minuten gute Unterhaltung für das Ohr.

John Katzenbach: Der Täter (The Shadow Man, 1995). Gelesen von Simon Jäger, Argon Verlag, Berlin, 2010; ISBN 978-3-8398-1012-5.
http://www.argon-premium.de/shop/product_info.php?info=p913_Katzenbach–John–Der-T–ter.html&XTCsid=hgwnwnqb



DER BLUTIGE WEISSE BARON by Martin Compart
2. Dezember 2010, 3:54 nachmittags
Einsortiert unter: China, Nazi, Politik & Geschichte, Rezensionen, Ungern-Sternberg | Schlagwörter: ,

Es ist tatsächlich auf Deutsch erschienen: Das bisher beste Buch über Baron Ungern-Sternberg, eine der mysteriösesten Gestalten des 20.Jahrhunderts. Hervorragend übersetzt von Nora Natocza und Gerhard Falkner und exzellent lektoriert von Christian Döring (der einst aus DuMont einen ernsthaften Literaturverlag gemacht hatte und endlich den unerträglichen Michael Naumann als Herausgeber bei Eichborn ablöst)) liegt es jetzt in einer schönen Ausgabe der ANDEREN BIBLIOTHEK vor:

James Palmer
DER BLUTIGE WEISSE BARON
Eichborn 2010, 384 Seiten; 32, 00 Euro.

Baron Ungern-Sternberg, der blutige Baron oder auch der wahnsinnige Baron! Der weiße Khan und Eroberer der Mongolei. Ein Mann, der vor 90 Jahren
12 000 Kilometer östlich von Deutschland gehasst und getötet hat.
Wenn die Reitervölker Zentralasiens zur Eroberung aufbrachen, herrschte Angst und Entsetzen in Europa. Unter Dschinghis Khan und Tamerlan errichteten die Mongolen das größte Reich, dass die Welt je gesehen hatte. Aber einmal kam ein Weißer, ein Blutsäufer, der hinter Timur Lenk nur quantitativ zurück stand, und eroberte das Land der Söhne der großen Khane.

Bei uns ist er fast völlig in Vergessenheit geraten, bestenfalls eine Fußnote in Betrachtungen der Russischen Revolution und des Bürgerkriegs. Merkwürdig und geheimnisvoll und widersprüchlich: Tapfer und tollkühn in der Schlacht, unmenschlich grausam und despotisch überall dort, wo er unumstrittene Macht ausübte. Randalierender Trunkenbold und Asket. Dem russischen Adel ebenso zugetan wie den wilden nomadischen Reitervölkern. Baltendeutscher voller Stolz auf seine Vorfahren und überzeugter Eurasier. Der Baron war der erste, der im Zeichen der Swastika Judenpogrome durchführte. Ein Wahnsinniger, der mit einem Wahnsinnsplan die Sowjets stürzen wollte um in Russland wieder das Zarenreich zu errichten. Anhänger des russischen Imperiums und Handlanger der imperialen Interessen Japans.

Während des 3.Reiches genoss er eine gewisse Popularität. Das lag sicherlich auch an dem Bestseller von Ferdinand Ossendowski, TIERE, MENSCHEN, GÖTTER (lieferbar bei Fantasy Productions),
das als (umstrittener) Augenzeugenbericht über Ungerns Aktivitäten in der Mongolei gilt. Außerdem traf der verquaste Mystizismus den Zeitgeist und Himmlers Besessenheit von allem irrationalen. Die Nazis sahen in diesem eingefleischten Monarchisten einen Ordensritter und Vorläufer. Sein brutaler Antisemitismus, sein Antikommunismus und seine Verbundenheit mit dem japanischen Reich deckten sich mit ihren Haltungen. In dieser Zeit entstand das einzige deutsche Buch über Ungern-Sternberg: Bernt Krauthoffs Roman ICH BEFEHLE, der vor Spekulationen, Unwahrheiten und Nazismus nur so strotzt. Später wurde der blutige Baron vor allem von rechten Esoterikern wie Julius Evola wieder entdeckt. Populär war dieser schurkische Eroberer auch in Frankreich; dort wurden seit den 1970er Jahren einige Monographien veröffentlicht (Hugo Pratt ließ ihn in seinen Comich CORTO MALTESE IN SIBIRIEN mitspielen). In Russland ist er inzwischen eines der Idole von Neo-Monarchisten und Faschisten und Filme, TV-Serien und Bücher künden von seiner Ruchlosigkeit.

Der weltgeschichtliche Hintergrund, vor dem Ungern-Sternbergs Schicksal spielt, ist die russische Revolution, die aggressive Expansion des japanischen Kaiserreichs und das allgemeine Chaos des 1.Weltkriegs. Dahinter stand noch eine tiefgehende geschichtliche Umwälzung: der Zusammenbruch alter Systeme, wie Zarenreich und Manchu-Dynastie und der den Verlauf des 20.Jahrhunderts maßgeblich bestimmende Aufstieg neuer imperialistischer Reiche wie die Sowjetunion und Japan. Für Europäer etwas außer Sicht und wenig im Bewusstsein war dabei die geostrategisch zentrale Position der Mongolei mit ihrer riesigen Fläche und gerade mal zwei Millionen Einwohner, Begehrt wurde sie von Japan und Russland gleichermaßen. Die Sowjets trugen durch die Errichtung einer Republik und ihres ersten Satellitenstaaten den Erfolg davon. Ungern, der aus Berechnung für die japanischen Interessen eintrat, war die Bedeutung der Mongolei im Konflikt beider Imperien ebenso deutlich wie seinen Gegenspielern im Kreml.

Ungern-Sternbergs Herrschaft währte nicht lange dank zeitpolitischer Konstellationen. Aber noch heute wird in Jurten, an Lagerplätzen und in den hässlichen Plattenbauten Ulan Bators sein Name genannt. Immer mehr Mongolen sprechen von ihm voller ängstlicher Achtung als von dem weißen Kriegsgott. Mit der Rückkehr des von den Sowjets unterdrückten Lamaismus wächst auch Ungerns Popularität.

Der irische Polit-Thrillerautor hat 1989 einen tollen Roman veröffentlicht, in dem auch der wahnsinnige Baron eine entscheidende Rolle spielt: THE NINTH BUDDHA. Der Aufbau Verlag hat ihn dieses Jahr bei uns veröffentlicht. Wer einen richtig guten exotischen Abenteuer-Thriller sucht, ist mit diesem Period Piece bestens bedient:

“1921: Christopher Wylam, Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes, sucht nach seinem zehnjährigen Sohn, der gekidnappt wurde. Er verfolgt die blutige Spur von England über Indien bis in ein tibetisches Kloster. Dort trifft er auf seinen Gegenspieler, den Vertreter einer feindlichen Macht.
Ein furioser Thriller, der in die faszinierende Geschichte Tibets und der Mongolei führt.”



Dr. Horror:THILO SARRAZIN UND DAS EVA-HERMANN-GEN by Martin Compart
5. September 2010, 8:30 vormittags
Einsortiert unter: Conspiracy, Dr. Horror, Ekelige Politiker, Nazi, NEWS, Politik & Geschichte, Stammtischgegröle | Schlagwörter: , ,

Durch das Mediengetöse um Sarrazin kommt man kaum noch dazu BRITT zu sehen. Oder Kerner. Bevor Dr.Horror nächste Woche vor der deutschen Kultur wieder mal nach China entflieht, hier noch seine brillante Analyse zur durchdrehenden Nation:

“Das Leben ist bunt. Oft sind es die kleinen Dinge, die viel wichtiger als die großen erscheinen”, heißt es auf Eva Hermanns Homepage.
Die Welt kämpft mit den Folgen des Klimawandels, der Übervölkerung, Wassermangel, dem ökologischen Infarkt, einer trotz Ehrenworts der Bundesregierung und der Kanzlerin Merkel und trotz zeitweise voller Auftragsbücher beim Export immer noch nicht abgeschlossenen wirtschaftlichen Talfahrt, da beschäftigt die Nation, die nach zwei verlorenen Weltkriegen das Durchdrehen im großen Stil nicht verlernt hat und jetzt es sich lieber provinziell besorgt, keines der großen Menschheitsthemen und -dramen, sondern der kleine Fall Sarrazin. Aus Berlin haben sie ihn weggelobt, den ehemaligen Karrierebeamten und Finanzsenator, abgeschoben auf den Posten eines Bundesbankvorstandes, wo er angeblich nicht mehr viel Unheil anrichten konnte. Aber dieser Sarrazin ist nicht nur unberechenbar, er ist auch eitel und selbstherrlich und glaubt, durch seinen in die Bestsellerlisten katapultierten Weckruf Deutschland erwachen lassen zu müssen.
Das Volk, das die Thesen des mit Statistiken gespickten Schmökers, der eben so langweilig ist wie Sarrazin selbst, nicht kennt, jubelt ihm gerne zu. So einer spricht den Deutschen aus dem Herzen. Der mag keine Migranten und schon gar keine islamischen Terroristen, keine Sozialschmarotzer – und den Michel Friedman soll er “Arschloch” tituliert haben. Das hören Deutsche gern. Das wärmt das Herz im kalten Spätsommer. Trotzdem ist das alles wahrscheinlich kein Sturm im Wasserglas.

Dieser Thilo Sarrazin ist nämlich nur eine Charaktermaske, die just im rechten Augenblick all jene Thesen auftischt, die der Mehrheit schon immer auf der Zunge lagen, wäre sie nicht so schweigend. Während das Kapital global und, weil allem Anschein nach allmächtig, für den Nationalstaat und Otto Normalverbraucher sowieso nicht mehr fassbar ist, werden die einheimischen Staatsbankrotteure nervös, bekommen es mit der Angst und suchen nach Sündenböcken. Weil das aber nicht die Sache “feiner Leute” ist, muss das Frontschwein Sarrazin ran. Keine Ahnung, wer ihm den Befehl gegeben hat: eine nächtliche Stimme … die Vorsehung … göttliche Eingebung … Jedenfalls bekommt Sarrazin, wie alle Amokläufer, dafür nicht nur viel Publicity. Er geht bei seinem Amoklauf nicht mal drauf, sondern bekommt eine prima Abfindung und ganz gewiss einen anderen ruhigen Aufsichtsrats- oder Beraterposten.
Im Falle, dass sich Deutschlands wirtschaftliche Lage in Zukunft, wie zu erwarten, verschlechtern wird, stehen Muslime, Islamisten, Asylbewerber und Hartz-IV-Empfänger als Sozialschmarotzer zum Abschuss bereit. Auf sie darf sich jetzt der Volkszorn, von Sarrazin statistisch flankiert, entladen. Schon die Nazis wussten um den Wert von Sündenböcken und haben das System in Anlehnung an die christlichen Kirchen mit Pech und Schwefel perfektioniert. Pogrome mögen in Zukunft auch in Deutschland wieder Konjunktur haben.
Wahrscheinlich war der hässliche Deutsche Sarrazin gleich so berauscht von der weltweiten Aufmerksamkeit, den seine Thesen fanden, und fühlte sich dermaßen in seiner unerträglichen Eitelkeit bestätigt, dass er sich gleich noch als Spezialist in Sachen Gentheorie betätigte, was er hinterher als fatalen Blackout und Dummheit entschuldigte. Hat er damit unfreiwillig den genetischen Defekt der deutschen Generation Doof im Selbstexperiment bestätigt?

4. 9. 2010
Rolf Giesen



Dr. Horror: ALTE FEINDBILDER BRAUCHT DAS LAND by Martin Compart
11. August 2010, 4:18 nachmittags
Einsortiert unter: China, Conspiracy, Dr. Horror, Film, Nazi, Paranoid, Politik & Geschichte, Stammtischgegröle | Schlagwörter:

Verstopfung oder Durchfall – das ist hier die Frage
Der Mensch, sagt der Psychotherapeut Georg Groddeck, sei ein Klosett auf zwei Beinen: “Die meisten Menschen leiden an Verstopfung und ihre Gedanken sind drei Viertel ihres Lebens auf dem Klosett.”
Allerorten wütet der Fäkalexhibitonismus. Bei manchen Leuten quillt die Scheiße förmlich aus dem Hirn: Shit im Kopf hat der Schweizer Schriftsteller Urs Widmer eine seiner Kurzgeschichten überschrieben.
Kein Wunder: Immer dann, wenn Kulturen ihren Zenit erreichen und so in eine Sackgasse des Niedergangs rollen, artikulieren sie sich anal.
Angeblich leiden 70 Prozent der Deutschen unter Verdauungsstörungen. George Grosz hielt Deutschland gar für das “Hauptquartier der Verstopfung”. Aber wenn dann was im Toilettenbecken landet, wird es fein säuberlich analysiert.
Besonders in Deutschland stellte sich nach eingehender Betrachtung heraus, dass Scheiße kotverschmiert und braun ist.
So wurde aus den Braunen in Deutschland sogar einmal eine ganze Bewegung. (Wiederholungsgefahr besteht, solange man das Leben als beschissen empfindet.)
Die Braunen empfanden die Schmach der Niederlage im Ersten Weltkrieg sprichwörtlich als ganz große Scheiße. Immer noch ratsam in diesem Zusammenhang ist der Griff zu Klaus Theweleits Männerphantasien von 1977: “Die Front ist identisch mit dem Schließmuskel, der es nicht mehr zurückhalten kann: der Krieg geht in die Hose; der bisher abgewehrte Feind bricht über den Soldaten herein und aus ihm heraus, als ‘entquellende Übermacht’. So ist der Zusammenbruch ein Vorgang am eigenen Körper, nach dem man beschmutzt dasteht. (Der Sprachgebrauch kennt diese Koppelung ebenfalls, wenn er das Nichtbestehen einer Prüfung und den Zwang zur Darmentleerung mit demselben Wort bezeichnet: Durchfall). [...] Was sich beim soldatischen Mann zuerst wieder aus dem Dreck erhebt, ist die saubere Gesinnung, das nationale Denken, sein Verantwortungsgefühl für ‘das Ganze’. Ein Mangel an dieser Gesinnung, Feigheit, scheint es überhaupt zu sein, der den ‘Durchfall’ erst möglich macht.”

Kot- und Untermenschen
Diese eklige “Woge von Kot” vermischte sich mit Blut und schwemmte herrliche Feindbilder ins Unterbewusstsein der künftigen Volksgenossen, die heute teilweise verdrängt sind:
“Nie wahrte der Untermensch Frieden, nie gab er Ruhe. Denn er brauchte das Halbdunkle, das Chaos.
Er scheute das Licht des kulturellen Fortschritts.
Er brauchte zur Selbsterhaltung den Sumpf, die Hölle, nicht aber die Sonne.” [Der Untermensch. Berlin 1935. Herausgegeben vom Reichsführer-SS]
Wie von Marx vermutet, hat sich das Kapital globalisiert und die Nationalstaaten der Pleite überantwortet. Es knirscht allerorten gewaltig. In Europa – von Griechenland, das die Deutschen mit dem Verkauf von Leopard-Panzern überschwemmt haben über Portugal, Spanien und Italien bis hin zu unseren Nachbarn weiter östlich. Amerika kann sich kaum mehr einen vernünftigen Krieg leisten und bittet die Verbündeten zur Kasse. In China, dem großen Hoffnungsträger, mag demnächst oder etwas später die Immobilienblase und was noch platzen. Und jetzt schlägt auch noch die Natur zurück, an der sich der Mensch “versündigt” hat. In Russland brennen die Wälder. Im Golf von Mexiko sprudelte monatelang das Öl. Im Himalaja schmelzen die Gletscher, was die Trinkwasserversorgung Asiens in Zukunft gefährdet. Kurz: wir stecken ganz schön in der Scheiße.

Westerwelle reicht nicht zur Feindfigur
Jetzt bräuchten wir wenigstens vernünftige Feindbilder, damit wir uns, dem globalen Kapital zuliebe, gegenseitig an die Gurgel gehen und abmurksen. Aber siehe da, die Feindbilder haben nicht mehr das furchteinflößende Format von früher. Die Haltbarkeit ist begrenzt. Saddam Hussein ist hingerichtet und steht nicht mehr zur Verfügung. Kim Jong Il ist allenfalls ein durchgedrehter Filmnarr, der schon mal einen Regisseur entführen lässt, damit er ihm einen schönen Film dreht. George W. Bush hat sich aus der Verantwortung gestohlen und die Beseitigung des von den Weißen angerichteten Scherbenhaufens einem Schwarzen überlassen. Jürgen W. Möllemann ist schon ein paar Jahre davor aus den Wolken in den Tod gesprungen. Sauerland dagegen, Duisburgs unglückseliger OB, heißt mit Vornamen zwar Adolf, verweigert aber den Freitod durch Harakiri, weil er ja kein echter Samurai ist. Guido Westerwelle übt immer noch im stillen Kämmerlein, damit er auch auf Englisch herbeten kann: You will not buy my Schneid.
Dieser Tage läuft in den Kinos ein neuer Actionfilm mit Angelina Jolie an: Salt. Es geht um die Unterwanderung Amerikas durch von den Russen umgedrehte Schläfer. Zitat aus dem Presseheft: “Es gibt zum Beispiel Verfechter der Theorie, dass zuerst die Sowjetunion und später Russland in den Achtziger- und Neunzigerjahren verdeckte Agenten als ganz normale Bürger in westliche Länder einschleusten, als Teil eines Netzwerks von Geheimagenten, die unter falschem Namen 15 oder 20 Jahre oder sogar länger ein ganz normales Leben führen. Nach ihrer Aktivierung sollten diese Schläfer dann den ‘Tag X’ orchestrieren, eine Kette von Sabotageakten und terroristischen Angriffen innerhalb der Vereinigten Staaten, die Auslöser für einen groß aufgezogenen Krieg mit Russland sein würden.”
Lee Harvey Oswald war laut Film Nummer eins.
Für ihn, sagt Salt-Regisseur Phillip Noyce, bestehe kein Zweifel, dass es Schläferagenten gibt: “Diese Praktik gehört von jeher zu den Grundlagen des Spionagegeschäfts.”
Aber wer nur ist der Drahtzieher?
Wer steckt hinter all der Scheiße?

Die gelbe Gefahr
Wenn wir schon knietief oder noch tiefer drin stecken (in der Scheiße), wollen wir wenigstens klare Feindbilder haben. Und klar waren nur die alten Feindbilder. Das waren noch Archetypen. Gelegentlich restauriert ja das deutsche Fernsehen den Schrecken von damals, so dass einem beim Abendbrot ein wohliger Schauer über den Rücken kriecht: Einer wie Hitler ist heute, dank Guido Knopp & Co., in den Medien präsenter denn je. Bisweilen werden auch Filme mit Dracula, Frankenstein, dem Wolfsmenschen, der Mumie und Dr. Mabuse wiederholt.
Wo aber steckt der große Unbekannte, der geheime Drahtzieher, der die Geschicke der Welt in seinen Krallen hält? Das Vorbild von Darth Vader und dem Imperator der Sternenkriege. Wo nur – da Asien uns abstrakt das Fürchten lehrt – bleibt die Wiederkehr der personifizierten Gelben Gefahr, die heute mehr denn je um sich greift, von geheimen Schaltzentralen aus, die in Chinarestaurants versteckt sind? Boris Karloff, Henry Brandon und Christopher Lee haben “Ihn” auf der Leinwand verkörpert.
“Denke dir jemand: groß, schlank, tigerhaft, hochschultrig, mit einer Stirn wie Shakespeare und dem Gesicht des Satans mit einem fast glattrasierten Schädel und mandelförmigen, hypnotischen Augen von der Farbe des Katzengrüns. Gib ihm alle grausame Verschlagenheit der morgenländischen Rassen, aufgehäuft mit einem gigantischen Intellekt, gib ihm die ganzen Hilfsquellen früherer und heutiger Wissenschaft – denke dir dieses entsetzliche Wesen, und du hast ein geistiges Bild Dr. Fu-Mandschus – der gelben Gefahr, verkörpert in einem Menschen!”
Attila, Dschingis Khan, Boxeraufstand, Mao Zedong und großer Sprung nach vorn – diese herrliche Gestalt verkörpert alles in einem und ist der rechte Partner zum Hassen und Fürchten. Gegen ihn ist Osama bin Laden nur ein Waisenknabe…

Rolf Giesen
10. August 2010



PETER HIESS: VORWORT zu NAZY ISLAND MYSTERY 2/ by Martin Compart
31. Mai 2010, 12:11 nachmittags
Einsortiert unter: Crime Fiction, Evolver, Krimis, Nazi, Porno | Schlagwörter: ,

Auch die Feinde der Science-Fiction-Faschisten überwinden bei r.evolver locker alle hochkulturellen Geschmacksgrenzen. Sie sind nämlich keine Churchills und Roosevelts, sondern bolschewistische Werwölfe von einem fernen Planeten – oder auch Disco-Zombies aus dem All, die mit Rollschuhen und Lasterstrahlen das Ewiggestrige auch übermorgen noch auslöschen wollen. Und dann gibt es noch eine ganz besondere Gegnerin, die dem braunen Pack das Genick brechen wird; eine Frau, die im knappen Lederdreß daherkommt wie eine etwas übergewichtige Version von Emma Peel; eine Agentin des britischen Geheimdiensts, die mit Stilettos so perfekt umgehen kann wie mit ihrem tödlichen silbernen Stilett.
Sie heißt Kay Blanchard und ist die Heldin von Nazi Island Mystery. Sie ist launenhaft und wirft jede Droge ein, die sie in die Finger kriegen kann – weshalb sie auch kapitelweise halluziniert wie in einem Sixties-Streifen über die Wunder und Gefahren von LSD. Sie hat eine dreckige Phantasie, locker-lüsterne Finger und immer Lust auf Sex, ob mit Männern oder Frauen, Karate-Girls oder Gestaltwandlern, Mad Scientists oder Monstern. Und sie ist unglücklich in ihren Chef verliebt, wie sich das gehört.
Kay killt gern, oft und effizient. Natürlich immer im Auftrag des Guten, obwohl sie den manchmal vergißt, weil die Welt um sie herum so irrsinnig ist. Das gilt auch für die Verschwörung, die sie in ihrem Debütroman aufdeckt: Der Plot ist so ausgeklügelt verwirrend, daß man sich als Leser schon manchmal fragt, warum sich’s die Bösen nicht endlich einmal ein bißchen einfacher machen … aber genau das macht ja guten Pulp aus.
Jedenfalls, was ich eigentlich sagen wollte: So muß ein guter Krimi heutzutage aussehen. Und so sieht auch ein Buch aus, mit dem man eine neue Reihe eröffnet. Sonst läßt man’s lieber ganz bleiben.

P. S.: In The Nazi Island Mystery kommen übrigens weder Tiger noch Terroristen vor. Aber in den Titel dieses Vorworts paßten sie viel zu gut, um ganz auf sie zu verzichten …



PETER HIESS: Vorwort zu NAZI ISLAND MYSTERY 1/ by Martin Compart
27. Mai 2010, 9:03 vormittags
Einsortiert unter: Bücher, Crime Fiction, Evolver, Krimis, Nazi | Schlagwörter: , ,

Ich habe das große Vergnügen, in meinem Blog Peter Hiess´ Vorwort zu NAZI ISLAND MYSTERY in mehreren Teilen zu veröffentlichen. Wer danach nicht Lust auf erfrischenden Schmutz & Schund hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Neben erfreulichen Bemerkungen zur zeitgenössischen Kriminalliteratur erfährt der Leser im Interview im Anhang des Romans auch eine Menge zur Entwicklungsgeschichte der Okkupation des Internets durch deutschsprachige Pop-Pioniere . In unserer Ära reduzierter Erwartungen kann ein retrospektiver Blick zur Ursachenerkenntnis führen.

Terror, Trips & tote Tiger
von Peter Hiess

Haben Sie in letzter Zeit einen Krimi gelesen? Na grüß Gott …
Es muß ja nicht einmal einer von diesen skandinavischen Kriminalromanen sein, die aus unerfindlichen Gründen immer noch angesagt sind – diese unwahrscheinlich öden Berichte aus der Psyche des Nordmenschen, in der noch dazu die gesamte Umgebung des Ermittlers, ob urban oder ländlich, bis in die kleinste Einzelheit beschrieben wird. Und auch keine Donna Leon, deren behäbiger Commissario Brunetti nur mehr ein Held für alternde Grüne und Sozialdemokraten ist, die zum Sterben in die Toskana gehen.
Es genügt schon der durchschnittliche europäische Kriminalroman, der sich gern als Literatur verkleidet und unseres angeblichen Alltags annimmt, zumindest so, wie das AutorIn ihn sieht. Besagter Alltag hat aber im Regelfall leider gar nichts mit der potentiell spannenden Korruption und endlosen Perversion der Mächtigen in Brüssel zu tun, auch nicht mit echter Wirtschaftskriminalität, der Ostmafia oder der von oben verordneten Hilflosigkeit der Polizei – und schon gar nicht mit dem realen Kleinkrieg in den Städten unseres alten Kontinents, der mit Gewalt zu einem neuen umgeformt werden soll.
Nein, nein, das wäre ja alles politisch unkorrekt, käme nie in den Genuß einer staatlichen Förderung und würde vom Feuilleton bestenfalls ignoriert werden. Da befaßt man sich als hoffnungsvoller Kriminalautor doch lieber mit dem, was man aus dem Fernsehen kennt. Soll heißen: In jedem Heuschober werden Kinder geschändet und traumatisiert, in großbürgerlichen Villen mißhandelt immer irgendeiner Frauen und traumatisiert sie noch schwerer, sogar die Serienkiller haben alle ihr Psycho-Packerl zu tragen – und hinter jedem Strauch lauert irgendein alter Nazi, oder auch ein neuer, oder gar eine ultrarechte Verschwörung, die unbedingt das zwölfjährige Reich wieder zurückbringen will.
Und das, meine Damen und Herren, war schon am Anfang ein bißchen öd, wird aber in der x-ten Wiederholung mehr als langweilig.
Die Amerikaner haben es da viel leichter: sie müssen sich nicht ewig mit demselben winzigen Ausschnitt der Geschichte herumschlagen, sondern dürfen sich im Krimi mehr erlauben. Deshalb kommen aus den USA – neben Schema-F-Schnitzeljagden à la Dan Brown – auch realistische Großstadtschilderungen, packende Agententhriller, großartige Serien über einsame Ex-Militärpolizisten und exzentrische FBI-Agenten, herrlich ungute Geschichten aus dem Hinterland und ebenso schnell wie glaubwürdig geschriebene Romane über versoffene Privatdetektive, knallharte Bullen und romantische kleine Gauner.
Warum das so ist? Weil man sich in den Vereinigten Staaten nicht für seine Pulp-Vergangenheit geniert – im Gegensatz zu unsereinem, der durch allerlei „Schmutz & Schund“-Kampagnen und die abfällige massenmediale Betrachtung der „Trivialliteratur“ geschädigt ist. Die Amis sind mit Comics und absurden Fernsehserien aufgewachsen. Sie haben billige Taschenbücher verschlungen, auf deren Cover immer ein harter Hund mit Hut und Pistole sowie eine leichtbekleidete Femme fatale zu sehen sein mußten. Und wenn in ihrer Popkultur Nazis vorkamen, dann nur in der Hogan’s Heroes-Variante: böse und doch irgendwie saublöde Deutsche in schwarzen Uniformen, die dauernd „Jawoll, mein Führer!“ oder „Schneller, Shveinhundt“ sagen und bei ihren Welteroberungsplänen gern mit verrückten Wissenschaftlern zusammenarbeiten. Wie im wirklichen Leben halt …
Genauso geht es auch in r.evolvers Roman The Nazi Island Mystery zu. Natürlich gibt’s darin jede Menge Nazis, das kündigt ja schon der Titel an, und die haben – zehn Minuten in der Zukunft – auch ihr Viertes Reich, aber das ist eigentlich nicht mehr als eine Dauerwerbe-Show mit blutigen „pseudohistorischen“ Spektakeln, Doppelgängern längst verstorbener Prominenter und schmierigen Typen, die sich am liebsten zu noch schmierigeren Exploitation-Pornos selbst befriedigen. Hitlerland, sozusagen; ein direkter Abkömmling unserer gegenwärtigen Entertainment-Industrie, das überzogenste Reality-TV seit Caligula. Daß diese üblen Charaktere auf ihrer streng geheimen Insel was besonders Hinterhältiges aushecken, ist klar und gehört auch in so einen Roman; daß die Leiterin des dort ansässigen Labors eindeutig nach dem Muster der legendären Ilsa (She Wolf of the SS) geschnitten ist, freut wiederum den Fan trashiger Spezialitäten.



PARANOIA 3 by Martin Compart
23. Juni 2009, 8:31 vormittags
Einsortiert unter: Conspiracy, Paranoid, Politik & Geschichte, TV | Schlagwörter: , , , ,

Das kommerzielle oder private Fernsehen hatte für die Heloten der Mächtigen drei Aufgaben:
1. Entscheidend zur Atomisierung der Gesellschaft beizutragen.
2. Die Verblödung der unteren Schichten und der Jugend zu bewerkstelligen.
3. Das kritische Potential des öffentlich-rechtlichen Rundfunkssystems weitgehend zu beseitigen.


Einer der widerwärtigsten Vollstreckungsgehilfe der Politik für die Niveausenkung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Nach über zwanzig Jahren privates Fernsehen, kann man in allen drei Punkten gelungenen Vollzug melden. Ein heute in Vergessenheit geratener Kanzler, Helmut Kohl, von seinen Freunden Birne genannt, kommt der große Verdienst zu, dies mit Vehemenz betrieben zu haben.

Zu Punkt 1: Früher hatte Fernsehen etwas Schichten übergreifend verbindendes. Wegen der geringen Programmauswahl hatten fast alle dasselbe gesehen und konnten darüber Kommunikation herstellen. Außerdem trug die geringe Programmauswahl dazu bei, vielfältige soziale Aktivitäten außerhalb der Fernsehzelle (früher Wohnzimmer) zu betreiben. Desweiteren mutete man den Zuschauern in den 60er Jahren zur besten Sendezeit anspruchsvolle Fernsehspiele oder Dokumentation zu, die dazu geeignet waren, ihren Horizont zu erweitern.

Zu Punkt 2: Nachdem man durch unterschiedliche Aktionen die Fortpflanzung Halbdebiler gefördert hat um ein gesellschaftliches Erpressungspotential zu erzeugen, werden diese durch permanenten Beschuss der Verblödungsindustrie zu solidaritätsunfähigen Amöben erzogen, die politische Zusammenhänge nicht durchschauen. Für den Nachwuchs dieser ersten Generation degenerierter Couch Potatoes stellt sich gesellschaftliche Relevanz und materielle Erfolgsmöglichkeiten nur in zwei Faktoren da: Kinder zeugen oder Sieg in einer Casting Show (der bisherige Höhepunkt massenmedialer Perfidie). Die nicht zu erreichenden gleiten in Kriminalität ab und erfüllen damit eine wichtige Aufgabe für den repressiven Staat.


Schulsystem und Medien arbeiten Hand in Hand um die große Aufgabe der Verblödung zu erfüllen.

Zu Punkt 3: Ohne Not begann sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen dem durch die privaten ausgelösten Quotenterror zu beugen. Statt qualitative Alternativen zu bieten, passte es sich dem Niveau an, unterbot es (Ich kann Kanzler) gelegentlich problemlos. Dies wäre so nicht möglich gewesen hätten die Parteien nicht direkt (durch Partei gebundene Heloten, die auf die jeweiligen Druckposten gehoben wurden) und indirekt (Rundfunkräte gesellschaftlich relevanter Gruppen, sprich Parteien) diese Macht. Ein weiterer Aspekt um die Bundesrepublik als korrupte Parteienkleptokratie zu identifizieren.

All dies gehört zur Strategie der Vernichtung der nivellierten Mittelstandsgesellschaft, also einem Gesellschaftsmodel, das ein zu starkes Auseinanderklaffen der Schichten oder Klassen verhindern wollte und Grundlage des Wirtschaftswunders war. Politisch durchgesetzt durch die Kanzlerdarsteller Kohl, Schröder und das Wesen, das jetzt rum spinnt.

Heute ist das Fernsehen weitgehend zur Bedeutungslosigkeit verkommen. Für anspruchsvolle Serien hat es lediglich die Funktion als Werbeträger für DVD-Boxen. Die Jugend des Prekariats wandert zu Computerspielen, Komasaufen und Internet ab (letztlich, und das ist wiederum Schichten verbindend, auch der Nachwuchs der Mittelschicht, soweit vorhanden).

Bis dann,
MC


Troubadour eines Kanzlers: Musikalischer Höhepunkt der Ära Proll Gert und gern gesehener Gast in der Fernsehunterhaltung.



SCHWULE SADISTEN: Ernst Röhm und die SA 8.Teil von Martin Compart by Martin Compart
23. April 2009, 11:02 vormittags
Einsortiert unter: Nazi, Politik & Geschichte, SA | Schlagwörter: , , , , , , ,

FUSSNOTEN

1 Max Gallo: Die nacht der langen Messer, S.18
2 Longerich, S.18
3 Hamann, S.214
4 Machtan S.133
5 Höhne: Mordsache, S.80
6 Symposion 179 a.b.
7 Machtan, S.132
8 Shirer, S.118
9 Jones, S.135
10 Waite, S.193
11 Heiden, S.295
12 Waite, S.209
13 Bronnen: Protokoll, S.213
14 Bronnen: Protokoll, S.214
15 Bernhard Sauer: Gerhard Roßbach, S.8
16 Bronnen: Protokoll, S.219
17 S.71
18 Höhne, S.69
19 Bullock, S.135
20 Gallo, S.71
21 Igra, S.73
22 Heiden: Der Fuehrer, S.746
23 Gallo, S.51
24 Höhne: Mordsache, S.160
Longerich, S.176
Longerich, S.172
S.253
Hoegner, S.355f
Höhne: Mordsache, S.161f.
Höhne: Mordsache, S.283
Höhne: SS, S.82
32 Gallo S.69
Hans-Günter Richard: Hitler u. seine Hintermänner. Neue Fakten zur Frühgeschichte der NSDAP, München 1991, S.384
Zitate und Informationen nach Rosenbaum, S.152ff.
Zitat nach Machtan, S.213
Fest; Staatsstreich, S.54f.
Zeugenvernehmung von Graf Moulin-Eckart am 23.3.1948 am Amtsgericht Neuburg/Donau, Akte Kuchler-Prozeß; GT 01.02.
Zitat nach Machtan, S.246f.
Machtan, S.238
Hans-Günter Richardi u. Klaus Schumann: Geheimakte Gerlich/Bell, München, 1993; S.214ff.
Hoegner: Die verratene Republik, München 1958, S.255
Zitat nach Machtan, S.241
Theweleit 2, S.332f.

http://www.amazon.de/HITLER-PERVERS-RAUBAL-Sexskandale-ebook/dp/B0071PNS1A/ref=sr_1_5?s=books&ie=UTF8&qid=1335788508&sr=1-5




Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.