Martin Compart


Neues eBook by Martin Compart
22. September 2013, 7:15 nachmittags
Filed under: Brit Noir, Die Krays, E-BOOKS | Schlagwörter: , ,

DIE KRAYS - Ein Gangster-Mythos

DIE KRAYS – Ein Gangster-Mythos

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Der Auszug der FDP aus dem Bundestag schließt die Lücke, die sie hinterlässt.



NEUE TRUE-CRIME BÜCHER by Martin Compart
25. Oktober 2011, 10:13 vormittags
Filed under: Bücher, Politik & Geschichte | Schlagwörter: , ,

Bücher über die Krays füllen zwei Regalbretter meiner Bibliothek – und ich besitze längst nicht alle. Es gibt kaum Unterweltfiguren, über die mehr Publikationen veröffentlicht wurden (ich selbst habe einen langen Aufsatz über meinen Besuch bei Reg Kray in 2000 LIGHTYEARS FROM HOME dazu gesellt). Jetzt also ein weiteres: NOTORIOUS – THE IMMORTAL LEGEND OF THE KRAY TWINS (Arrow Books, 2011) von John Pearson. Es ist Pearsons drittes Buch über die Zwillinge und wieder exzellent! Mit seinem ersten von 1972, THE PROFESSION OF VIOLENCE (nie out of print) trat er den Krays-Rummel erst so richtig los. Aber vieles konnte zu Lebzeiten verschiedener Personen, die mit den Krays verbunden waren, nicht geäußert werden. Außerdem sind erst in den letzten Jahren Akten zugänglich, die unter eine dreißig jährige Geheimhaltung fielen. Einer der Knallere in Pearsons neuestem Werk ist die minutiöse Aufarbeitung der Boothby Affäre: Lord Boothby war ein ungeheuer prominenter Politiker, der sich von Ron Kray mit Lustknaben versorgen ließ. Das konservative Gegenstück zu Labours Tom Driberg. Als diese Affäre ans Presselicht zu geraten drohte, griff kein Geringerer als der künftige Premier (der wegen Driberg und dem gerade bewältigten Profumo-Skandal um seine Wahl fürchtete) Harold Wilson ein und ließ die Sache unter den Teppich kehren. Pearson schreibt einen Polit-Thriller, der das britische Klassensystem in seiner ganzen Arroganz und seinem verachtenden Zynismus vorführt. Also ist mit den Krays auch der größte britische Polit-Skandal der 60er Jahre verknüpft. Wer bisher dachte, er wisse alles über die Zwillinge, wird eines besseren belehrt. Ganz klar eines der fünf besten und wichtigsten Bücher zum Thema.

Noch robuster und quantitativer in Sachen Mord als die Krays ging Richard Kuklinski zu Werk. Auch über ihn gibt es inzwischen mehrere Bücher (das erste von dem großartigen Anthony Bruno, der auch eine schmählich unterschätzte Romanserie über zwei FBI-Agenten geschrieben hat) und sogar einen Film: THE ICEMAN von Ariel Vromen. Er begann als Tierquäler, beging mit dreizehn Jahren seinen ersten Mord. Er wurde der effektivste Killer der Mafia und legte in 30 Jahren ca.150 Menschen um. Von 1986 bis zu seinem Tod 2006 saß er im Knast. Man vermutet, dass er dort umgebracht wurde weil er gegen den Mafioso Salvatore
Gravano aussagen wollte. Der inzwischen verstorbene Philip Carlo hat mit ICE MAN (Piper, 2011) das definitive Buch zu diesem Kotzmittel geschrieben. Ganz nebenbei ist es auch noch eine erschreckende Sozialgeschichte der USA. Es zeigt einmal mehr wie mies, klein und schmutzig diese Mafiosi sind, die – wie Banker – in einer Welt leben, deren einziger Wert die Gier ist. Da wichtige zeitgeschichtliche Literatur bei uns eine Seltenheit ist, muss man dem Piper-Verlag für diese Veröffentlichung danken und hoffen, dass sie im Windschatten des Films zusätzliche Käufer findet.

Der In Berlin lebende Amerikaner Mathew D. Rose ist bereits 1997 den Politikern unangenehm aufgefallen. In seinem Buch BERLIN-Hauptstadt von Filz und Korruption (Droemer Knaur) sezierte die Jauchegrube des damaligen regierenden Bürgermeisters Diepgen und seiner räudigen Gang. Auch sein neues Buch KORRUPT? Wie unsere Politiker und Parteien sich bereichern – und uns verkaufen (Heyne) ist eine lesenswerte Analyse des Ganglands BRD. Die Grundlage seiner Betrachtung lautet: „Die Zeit in der Politik eine gerechtere Umverteilung, also eine Verbesserung von Bildung, Gesundheit und Wohlstand der gesamten Gesellschaft anstrebte, ist in den Industrienationen lange vorbei. Dieser Wandel setzte in der Bundesrepublik im Jahr 1998 ausgerechnet mit der SPD-Grünen-Regierung ein.“ Da kann ich lediglich fragen: Wieso „ausgerechnet“ und nicht „folgerichtig“. Für Putins Gasableser Proll-Gert und dem Mann, der wie ein grunzender Affe klingt, Fischer, war dies das Projekt ihres Lebens. Aber anders als etwa Tony Blair haben sich diese beiden Schrebergarten-Ganoven nur mit Kleingeld abspeisen lassen. Gut, für Emporkömmlinge ist das sicherlich ein großer Batzen. Außerdem setzten diese Prozesse bereits unter Margaret Thatcher und dem Oggersheimer Saumagen ein, dem bis heute nicht der Prozess (zusammen mit Schäuble für die CDU-Spendenaffäre) gemacht wurde und der hoffentlich bald unter schlimmsten Schmerzen abkratzt; was ich als hilfloser Zornbürger selbstverständlich 90% allen Politikern in „diesem, unseren Lande“ wünsche. Nach der Lektüre von Roses Buch möchte man jedenfalls einmal mehr die Guillotine aufstellen und als Jakobiner über die Herrschenden richten.
Gucken wir mal, was Rose über ein paar Ganoven aus der Parasitenklasse erinnert: „GERHARD SCHRÖDER ….nach der Wahlniederlage, aber noch vor dem Ende seiner Amtszeit (vergab seine Regierung) einen Kredit mit staatlicher Bürgschaft von rund einer Million an die Nord-Stream AG, an welcher der russische Energiekonzern Gazprom mit 51 Prozent beteiligt ist… Am 22. November 2005 endete Schröders Amtszeit, und bereits im Dezember wurde er zum Verwaltungsratsvorsitzenden der Nord Stream AG ernannt…. Geschätztes Jahresgehalt 250.000 Euro.“ Carsten Maschmeyer kaufte Schröder die Rechte an seiner ebenso langweiligen wie schlecht geschriebene (lassen) Autobiographie für eine Million Euro ab. Wahrscheinlich als Gegenleistung für die steuerlich geförderte Privatrente, die lediglich Maschmeyers Konzern AWD nutzt. Für diesen OK-Verein arbeitet auch Bernd Rürup, der das Staatlich geförderte Rentenmodell mit seiner „Rürup-Kommission“ erarbeitete. Natürlich ist er SPD-Mitglied
WOLFGANG CLEMENT hat „sieben Aufsichtsratsposten inne“. Auch bei der RWE Power AG. „Auch auf die Zeitarbeitsbranche griff Clement zurück. Kaum ein halbes Jahr nach seinem Ausscheiden aus der Bundesregierung saß er im Aufsichtsrat der Firma DIS Deutscher Industrie Service AG (Jahresgesamtbezug rund 15.000 Euro; er kann´s halt nicht besser)… Als Bundesminister hatte Clement sich… zugunsten der Zeitarbeitsunternehmen eingesetzt.“ Ja, die Genossen haben in all den Jahren an Bedeutungslosigkeit nicht verloren.

Man könnte unendlich weiter auflisten (zum Thema sollte man auch noch Jürgen Roths vorzügliche DEUTSCHLAND AG (Eichborn) hinzuziehen, auf die ich an anderer Stelle hingewiesen habe). Nachteilig für Roses Buch wirkt sich das Fehlen eines Index aus.

Bei Heyne Hardcore, der einzigen innovativen Reihe der letzten Jahre, erschien der Bericht von Malcolm Beith EL CHAPO – Die Jagd auf Mexikos mächtigsten Drogenbaron. Selbst unsere weitgehend gleichgeschalteten Medien kommen nicht an gelegentlicher Berichterstattung über den Mafia-Staat Mexiko vorbei. Noch stärker als in Kolumbien sind Politik, Militär und Mafia hier miteinander vernetzt und bilden eine Symbiose. <minutiös beschreibt Beth den Aufstieg von Joaquin Guzman, El Chapo, zum mächtigsten Drogenbaron der westlichen Hemisphäre, die Dummheit der Nordamerikaner, den Zynismus ihrer Drogenpolitik und wie der südliche Nachbar über Jahrzehnte immer mehr in Armut und Verbrechen getrieben wird. Das Buch ist der genaueste und ausführlichste Einblick in die Welt der mexikanischen Drogenmafia und Kultur, den ich bisher kenne, voller unfreiwillig komischer Situationen.



BRIT-NOIR 12: DIE DARK SOAPS DES JAMES TUCKER by Martin Compart
3. Oktober 2010, 3:57 nachmittags
Filed under: Bücher, Bill James, Brit Noir, Crime Fiction, Krimis,die man gelesen haben sollte, Noir | Schlagwörter: , , , , ,

Der 1929 geborene Waliser Allan James Tucker ist heute der große alte Mann der britischen Kriminalliteratur. Der Exjournalist schreibt unter verschiedenen Pseudonymen seit 1960 und zeichnet sich durch stilistische Originalität und einer beeindruckenden thematischen Spannbreite aus; sie reicht vom Noir-Roman über die police procedural (in höchst eigenwilliger Form) bis zum Spionageroman. In Erinnerung geblieben sind vielen Thriller-Fans vor allem seine Spionageromane aus den 1960ern und 1970ern, die er unter dem Pseudonym David Craig schrieb.

Als Noir-Autor schuf er 1974 auch einen Klassiker des Genres, der zum Kanon des Brit-Noir zählt: WHOSE LITTLE GIRL ARE YOU? (JILL UND DIE BOYS; Goldmann Krimi 4407). Die Geschichte um die entführte Tochter eines Kingpins und dessen ebenfalls entführte Freundin. Diese ist pikanter weise die Ex-Frau eines geschiedenen Ex-Kriminalbeamten und Alkoholikers, der sich mit der Londoner Unterwelt und dem neuen Gatten seiner Frau anlegt, wurde 1977 grandios von Michael Apted mit Stacy Keach, Stephen Boyd (als unvergesslicher Gangsterboss) und David Hemmings als THE SQUEEZE (DER AUS DER HÖLLE KAM)verfilmt. Die Adaption gehört zusammen mit GET CARTER und VILLAIN zu den drei großen britischen Noir-Filmen des Jahrzehnts und zu den Klassikern des Noir-Kinos überhaupt.

Natürlich hatte auch Craig/Tucker die Prozesse gegen die Krays-Zwillinge und die Südlondoner Richardson-Gang verfolgt. Spätestens nach dem großen Gerichtsverfahren gegen die Krays-Zwillinge und ihre “Firma”, die als Gangsterimperium das Eastend Londons und mehrere Klubs im Westend umspannte, wusste man, dass diese Autoren keine Spinner waren, sondern das Großbritannien über eine organisierte und funktionstüchtige Unterwelt verfügte. Was Al Capone für Autoren wie W.R.Burnett, Armitage Trail und den amerikanischen Gangsterroman war, sind die Krays für den britischen Noir-Roman: Seit den Romanen von Douglas Warner aus den frühen 60er Jahren beeinflusst ihr Mythos bis heute die Literatur.

Heute ist der Autor als „Bill James“ unterwegs und schreibt eine der literarisch beeindruckendsten Polizei-Serien. Im Vergleich mit seinen Harpur & Iles-Romanen wirken die Inspector Rebus Novels von Rankin wie das, was sie sind: langweiliger Schrott.

Sie spielen in einer namenlosen Stadt im südwestlichen England, die James alle Möglichkeiten gibt, seine bissig sarkastische Gesellschaftskritik auszudrücken. Alex Grant nannte die Bücher „machiavellistisch und bittersüß“. Er lässt sich viel Zeit, um die Gedankenwelt seiner Personen dem Leser mitzuteilen. Selbst der schlimmste Idiot bekommt genügend Raum um seine Logik scheinbare plausibel zu machen. Dabei diffamiert James nicht, sondern verschmilzt mit den Figuren. Es entsteht etwas, dass ich als „poetisches psychologisieren“ bezeichne. „Ich denke, ich betrachte die Gesellschaft und die Menschheit allgemein aus einem humorvollen Blickwinkel. Ich lese kaum Kriminalliteratur aus Angst, unbewusst etwas zu imitieren. Aber THE FRIENDS OF EDDIE COYLE von George V.Higgins war eine wichtige Erfahrung für mich. Er schaffte es, aus einer so widerwärtigen Figur wie einen Spitzel einen Sympathieträger zu machen. Es ist einer der besten Kriminalromane, der je geschrieben wurde. Hat mich sehr beeindruckt. Und ich schreibe auch häufig über Informanten, Spitzel und ihre Welt.“

Wie schon in den frühen David Craig-Romanen, nimmt die Familie oder besser das Familienleben der Protagonisten und Antagonisten einen wichtigen Platz in den unbedingt chronologisch zu lesenden Harpur & Iles-Romanen ein. Die große Zahl an Personen mit ihren persönlichen Entwicklungen, bzw. Fehlentwicklungen, machen die Serie zu einer modernen comédie humaine, die ohne Beispiel in der gesamten Kriminalliteratur ist. Das sich bisher kein deutscher Verlag konsequent an diese Meisterwerke herangetraut hat, sagt wieder alles über den erbärmlichen Zustand der hiesigen Buchkultur. Für James funktionieren Organisationen wie Polizei oder Gangstersyndikate wie Familien – und umgekehrt. Aus dieser Herangehensweise zieht er einen Thrill, der tiefe Einblicke in die Charaktere gibt und jede Figur individuell gestaltet.

Die Serie ist auch eine genaue Chronik der gesellschaftlichen Veränderungen in der englischen Gesellschaft seit dem von Thatcher begonnenen Roll back sozialer Errungenschaften. Es ist die Beschreibung einer zerbrochenen Gesellschaft mit nur noch rudimentärem Common sense, die moralisches Handeln lediglich von Besitzlosen einfordert.
„Ich schreibe über Organisierte Kriminalität und nicht über individuelle Mordfälle.“ Die Grenzen zwischen Ordnungskräften und Organisierter Kriminalität liegen fließend im Flussbett eines breiten Niemandslandes.

Ein immer wieder kehrendes Motiv ist die Undercoverarbeit von Polizisten. „Eine Obsession von mir. Wahrscheinlich der Einfluss der Spionagethriller. Die Situation ermöglicht eine Menge hochdramatische Ironie. Der Leser weiß mehr als die meisten Charaktere. Die Spannung, die daraus resultiert, die moralisch-ethische- und juristische Problematiken sind hervorragende Quellen für Geschichten.“ Stilistisch riskiert er immer wieder neues, wagt er sich an die unterschiedlichsten und abenteuerlichsten Strukturen.


Im LOLITA MAN setzt er zum Beispiel das Tagebuch eines Vergewaltiger und Mörders von Teenagern gegen die Tagebucheintragungen seines nächsten Opfers. Bei der Lektüre fallen jedem Vater einer pubertierenden Tochter die Kronen von den Zähnen bevor es zum Kolbenfresser im Oberstübchen kommt!
John Harvey, ein großer Fan von Tucker, nannte die erste Zeile seines Romans, ROSES,ROSES, eine der besten Eröffnungen in der gesamten Kriminalliteratur: „Als sie mit drei Messerstichen in den Bauch auf einem Bahnhofsparkplatz ermordet wurde, war Megan Harpur gerade auf dem Heimweg um ihrem Ehemann mitzuteilen, dass sie ihn für einen anderen verlassen würde.“
Seit 1985 legt James jedes Jahr einen neuen Band dieser Serie vor, schreibt aber als David Craig noch weitere Serienfiguren wie etwa die Abenteuer des schwarzen Waliser Geheimagenten Simon Aberlad.

Es gab bisher die BBC-Verfilmung eines Romans (PROTECTION) und mehrere sind optioniert. Aber die beste Umsetzung von James Kosmos, den er in fast 30 Büchern entwickelt hat, wäre eine seriell erzählende Fortsetzungsserie wie SOPRANOS (mit der sie mehr als Humor und Weltsicht gemeinsam haben könnte), eine echte „dark soap opera“.

Leider sind bei uns bisher nur drei Bände der Harpur & Iles-Serie erschienen (Band 10 als AUF ROSEN GEBETTET bei Ullstein und Band 14 und 15 als RIVALEN und TOTE SCHREIBEN NICHT bei Rotbuch) und der ansonsten gute Übersetzer Gerold Hens kannte nicht den Unterschied zwischen Pistole und Revolver. Ebenso wenig wie das Lektorat, was ein bisschen peinlich für die Ansprüche bei Rotbuch ist. Aber die Erfolglosigkeit von James in Deutschland (sonst wäre seine Veröffentlichung nicht eingestellt) hat wohl eher mit unanständigen Buchketten und mit bescheidenen Lesern zu tun.

HARPUR & ILES-SERIE:
1. You’d Better Believe It (1985)
2. The Lolita Man (1986)
3. Halo Parade (1987)
4. Protection (1988) aka Harpur and Iles
5. Come Clean (1989)
6. Take (1990)
7. Club (1991)
8. Astride a Grave (1991)
9. Gospel (1992)
10. Roses, Roses (1993)
11. In Good Hands (1994)
12. The Detective is Dead (1995)
13. Top Banana (1996)
14. Panicking Ralph (1997)
15. Lovely Mover (1998)
16. Eton Crop (1999)
17. Kill Me (2000)
18. Pay Days (2001)
19. Naked at the Window (2002)
20. The Girl with the Long Back (2003)
21. Easy Streets (2004)
22. Wolves of Memory (2005)
23. The Sixth Man and Other Stories (2006)
23. Girls (2006)
24. Pix (2007)
25. In the Absense of Iles (2008)
26. Hotbed (2009)
27. I Am Gold (2010)



BRIT-NOIR 11/ Villain by Martin Compart
13. September 2010, 2:57 nachmittags
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Mitte der 50er Jahre tauchte James Henry Stanley Barlow (1921-73) auf der kriminalliterarischen Bühne und wurde mit einer Handvoll bösartiger, schwarzer Romane zum Geheimtip. Die Kritik hasste (oder ignorierte) Barlow mit ebensolcher Vehemenz wie schon zuvor Chase. Sein großer Wurf war der 1968 erschienene Roman THE BURDEN OF PROOF.
In diesem Roman befasste sich Barlow auf ganz eigene Art mit den Krays-Mythos, indem er Ronnie Kray in der Figur des psychopathischen Gangsterboßes Vic Dakin ein Denkmal setzte (in der Verfilmung wurde er von einem umwerfenden Richard Burton gespielt). Nicht von ungefähr erschien der Roman in dem Jahr, als sich die Schlinge des Gesetzes um die Terrible Twins zuzog. Auch Barlow zeigt ein realistisches Bild der Londoner Unterwelt. Dem Sadisten Dakin gelingt es dank der herrschenden Korruption, genau wie den Krays, lange Zeit vom Gesetz unangetastet seine Terrorherrschaft über das Eastend auszuüben. Barlow wanderte kurz vor seinem Tod nach Tasmanien aus. Er gehört zu diesen mysteriösen Noir-Autoren, über die man kaum Informationen bekommt.

BIBLIOGRAPHIE:
Protagonists (1956)
One Half of the World (1957)
The Man with Good Intentions (1958)
The Patriots (1960)
Term of Trial (1961)
The Hour of Maximum Danger (1962)
This Side of the Sky (1964)
One Man in the World (1966)
The Love Chase (1967)
The Burden of Proof (1968)
aka Villain
Goodbye, England (1969)
Liner (1970)
Both Your Houses (1971)
In All Good Faith (1971)

Der Film, der ein Flop war und bei uns unter dem schönen Titel DIE ALLES ZUR SAU MACHEN lief, gehört zu den unterschätztesten und unbekanntesten britischen Noir-Filmen. Neben JACK RECHNET AB und DER AUS DER HÖLLE KAM ist er aber sicherlich der beste Brit-Noir-Film der 1970er – wenn nicht der Beste noch vor GET CARTER! In der Nebenrolle als Stricher Wölfi (dem Burtons ganzes Liebesinteresse gilt und der nur mit ihm Sex haben kann wenn er ihn zuvor prügelt) ist der junge Ian McShane zu sehen. Kein Wunder, dass ihn diese frühen Erfahrungen direkt nach DEADWOOD führten. Das Drehbuch schrieben die beiden Fernsehautoren Dick Clement und Ian LaFresnais zusammen mit dem amerikanischen Schauspieler Al Lettieri – unsterblich als Heavy in GETAWAY und MR.MAJESTIC!



GET LEWIS – Ted Lewis und Brit Noir 10/ by Martin Compart
2. September 2010, 1:02 nachmittags
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Anfang der 60er Jahre nahm die bürgerliche Öffentlichkeit stärker davon Notiz, dass es Gangster in London gab. Immer öfter tauchten Geschichten über die Krays-Zwillinge in den Zeitungen auf, die vom Eastend aufgebrochen waren, um auch im Nachtklubgeschäft des Westends Fuß zu fassen. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern (Sabinis, Jack Spot, Comer usw.), bemühten sich die Terrible Twins nämlich um Öffentlichkeitsarbeit. Der 1962 veröffentlichte Roman DEATH OF A BOGEY (TOD EINES GREIFERS; Heyne 1963) von Douglas Warner ist wohl der erste Kriminalroman, der den Krays-Mythos thematisiert. Die Informationen über die Krays-Gang, hier Lane-Bande genannt, die indirekt in den Roman einfließen, sind zwar aus heutigem Kenntnisstand naiv, scheinen aber nicht nur aus der Zeitungslektüre zu stammen. Gut beschrieben ist vor allem die Mauer des Schweigens im Eastend, die die Krays so lange schützte und deren Zerstörung erst ihre Festnahme ermöglichte. Douglas Warner war ein Pseudonym für Desmond Currie und Elizabeth Warner, die bis 1968 sechs harte Krimis über die Schattenseiten Londons veröffentlichten.
Einer wurde sogar verfilmt: DEATH OF A SNOUT, 1961, wurde von Ken Annakin als UNDERWORLD INFORMERS (auch: THE INFORMERS, THE SNOUT) 1963 für die Leinwand adaptiert.

Eine besondere Position kommt dem 1921 in Leeds geborenen Ex-Polizisten John William Wainwright(1921-95) zu. Gemeinhin gilt er seit seinem ersten Buch, das 1965 erschien, als ein herausragender Autor des britischen Polizeiromans. Im Gegensatz zu den police procedural-Autoren und seinem Lieblingsautor Ed McBain behandelt Wainwright in seinen Polizeiromanen immer nur einen einzigen Fall. Bemerkenswert ist auch die frühe Betonung des Organisierten Verbrechens. Seine Helden stehen in ihren Extremsituationen den schwarzen Thrillern näher als den durchschnittlichen Polizeiheroen. Beispielsweise scheut sich einer seiner Serienhelden, der ein Anhänger der Todesstrafe ist, nicht, einen jugendlichen Mörder sofort hinzurichten.Die Methoden der Polizei und die der Gangster sind bei Wainwright fast identisch. Er treibt die erstmals bei John Bingham auftauchende Negativdarstellung der britischen Polizei noch weiter. Das scheint angesichts der beruflichen Vergangenheit des Autors noch beängstigender. Seine überzeugendste Leistung im Schwarzen Roman war seine Tetralogie um den Ex-Polizisten Davis, der die Fronten wechselt. Stilistisch überzeugend zeigt Wainwright Intimes aus der Unterwelt und Charaktere, die der Leser so schnell nicht vergißt. Insgesat schrieb er 83 Romane, darunter eine Autobiographie über sein Leben als copper.



NEWS: TIERDIEBSTAHL UND ESSAYS ZUR POPULÄREN KULTUR by Martin Compart

Alexandra und ihre Mitkämpfer haben ein neues Forum gegründet, dass ich allen ans Herz lege, die Kriminalität gegen Tiere nicht unberührt lässt. Zwar ursprünglich für den süddeutschen Raum, deckt es jetzt jeden Postleitzahlenbereich ab:
www.pit.community4um.de/

Nun ist es endlich lieferbar: Mein erstes Book on Demand: 2000 LIGHTYEARS FROM HOME – Stones, Fauser und andere Verbrecher. Essays zur populären Kultur. Neben dem überarbeiteten Buch EINE ZEITREISE MIT DEN ROLLING STONES enthält es längere Aufsätze und Essays zu Jean-Pierre Melville, Jörg Fauser, Krays u. Chandler. Es hat 256 Seiten und kostet 16,90 Euro. Die zu machenden Erfahrungen werden mir sicherlich Erkenntnisse über diesen neuen Publikationsmarkt ermöglichen. Aber sicherlich ist es was völlig anderes, ob man ein special interest-Produkt anbietet, als in dieser Form einen Roman zu veröffentlichen.

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GET LEWIS – Ted Lewis und Brit Noir 5/ by Martin Compart
23. April 2010, 3:39 nachmittags
Filed under: Bücher, Brit Noir, Crime Fiction, Die Krays, Film, Krimis, Noir, Porträt, Ted Lewis | Schlagwörter: , , , , ,

Toby sorgte für einen lukrativen Deal mit Michael Joseph: Fünf Jahre sollte Ted jährlich 4000 Pfund erhalten und dafür ein Buch pro Jahr bei seinem neuen Lektor Edmond Fisher abliefern. Mit Fisher kam Ted gut klar: Sie wurden Trinkkumpane und machten bei Teds Besuchen in London oft fürchterlich einen drauf.
Ted gab den Zeichentrickfilm jetzt endgültig auf. Er verkaufte das teure Haus und zog 1971 mit seiner Familie in ein Farmhaus in Suffolk, ganz in der Nähe von Toby.
Er schrieb seine Romane weiterhin mit der Hand in Schulhefte; manchmal zeichnete er erotische Cartoons an den Rand. Jo tippte die Seiten ab und wehe, wenn sie auch nur ein Komma änderte. Ted überarbeitete nichts, meinte, das würde die Spontanität zerstören. Wenn er arbeitete, schrieb er tausend Worte und mehr an einem Tag. Toby Eady hielt ihn für den geborenen Schriftsteller, ein Naturtalent, das man nicht lektorieren müsse. Tobys Enthusiasmus für seine Arbeit war genau, was Ted brauchte. Aber Ted war leider kein kontinuierlicher oder systematischer Arbeiter und lieferte seine Manuskripte erst in letzter Minute ab. Ohne ökonomischen Druck lief nicht viel. Genaugenommen war Ted ein fauler Hund, der elf Monate nichts tat und dann innerhalb von vier Wochen einen Roman runterschrieb. Anders konnte er nicht arbeiten. “Er brauchte diesen Druck”, bestätigte Toby. Wenn im Laufe des Jahres das Geld knapp wurde, schrieb und illustrierte er Geschichten für Frauenmagazine. Kaum zu glauben, aber der Autor des ultraharten JACK RECHNET AB war ein gern beschäftigter Autor für Frauengeschichten!
Für Michael Joseph schrieb er weiterhin Gangsterromane. In diesem Genre hatte er sich schließlich einen Namen gemacht. Durch Toby lernte er den Londoner Rechtsanwalt James Morton kennen. Zu seinen Klienten gehörten Unterweltgrößen wie die Richardsons und Mad Frankie Frazer. Mit denen lungerte Ted gerne in Mortons Büro herum, oder er ging mit ihnen in den einschlägigen Pubs saufen.
Ebenfalls durch Toby kam Ted Ende der 6oer Jahre an das Manuskript mit den Lebenserinnerungen von John McVicar, einem Gangster, dessen Flucht in England Legende war (später wurden die Erinnerungen mit Roger Daltrey verfilmt). Irgendwie hatte es McVicar geschafft, das Manuskript aus dem Gefängnis von Durham zu schmuggeln. Ted wollte unbedingt einiges daraus verwenden und machte einen Deal mit McVicars Frau Shirley. Er benutzte Szenen und Informationen für den Roman BILLY RAGS (1973), der einer seiner besten ist.
Aber mit keinem Buch gelang es ihm, an die Verkaufszahlen von JACK’S RETURN HOME anzuknüpfen. Eigentlich hatte er auch keine Lust, Jack zu revitalisieren, den er am Ende des Buches schliesslich tot zurückgelassen hatte. Aus wirtschaftlichen Erwägungen holte er den alten Jack wieder ins literarische Leben zurück. Warum sollte er nicht das tun, was Conan Doyle mit Holmes oder Ian Fleming mit Bond angestellt hatten? 1974 veröffentlichte er JACK CARTERS LAW, in dem Jack einen Verräter durch London jagt. 1977 folgte der ziemlich durchgeknallte JACK CARTER AND THE MAFIA PIGEON, der Jack nach Mallorca führt.
Alkohol war Teds größtes Problem. “Seitdem ich ihn kannte, trank er. Aber ich dachte nie, dass er ein Problem damit hatte. Ich war blind”, berichtete Jo. “Als wir in Essex lebten, sagte ich seinem Arzt, ich würde mir Sorgen um Teds Gesundheit machen. Der Arzt antwortete, das einzige worum ich mir Sorgen machen müsste, wäre Teds Sauferei. Ich verstand nichts. Ted war daheim nie betrunken. Aber er ging immer öfters nachmittags in den Pub und ließ mich mit den beiden Kleinen alleine.” Teds Freunde außerhalb des Berufslebens waren Arbeiter in den Pubs. Mit ihnen verstand er sich prächtig, mit ihnen zog er von Pub zu Pub und Rausch zu Rausch. “Es wurde schlimmer als wir nach Sussex zogen. Ich glaubte, es wäre der wirtschaftliche Druck, der auf ihm lastete. Unentwegt kamen Rechnungen, platzten Schecks, und er hatte die Verantwortung für eine Familie.” Die Rechnungen, die Ted in den Pubs machte, waren nicht von Pappe. “Schließlich kümmerte ich mich um das Finanzielle. Aber es nutzte nichts. Seine Trinkerei war zu einem echten Problem geworden.”




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