Martin Compart


NEUE TRUE-CRIME BÜCHER von Martin Compart
25. Oktober 2011, 10:13 vormittags
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Bücher über die Krays füllen zwei Regalbretter meiner Bibliothek – und ich besitze längst nicht alle. Es gibt kaum Unterweltfiguren, über die mehr Publikationen veröffentlicht wurden (ich selbst habe einen langen Aufsatz über meinen Besuch bei Reg Kray in 2000 LIGHTYEARS FROM HOME dazu gesellt). Jetzt also ein weiteres: NOTORIOUS – THE IMMORTAL LEGEND OF THE KRAY TWINS (Arrow Books, 2011) von John Pearson. Es ist Pearsons drittes Buch über die Zwillinge und wieder exzellent! Mit seinem ersten von 1972, THE PROFESSION OF VIOLENCE (nie out of print) trat er den Krays-Rummel erst so richtig los. Aber vieles konnte zu Lebzeiten verschiedener Personen, die mit den Krays verbunden waren, nicht geäußert werden. Außerdem sind erst in den letzten Jahren Akten zugänglich, die unter eine dreißig jährige Geheimhaltung fielen. Einer der Knallere in Pearsons neuestem Werk ist die minutiöse Aufarbeitung der Boothby Affäre: Lord Boothby war ein ungeheuer prominenter Politiker, der sich von Ron Kray mit Lustknaben versorgen ließ. Das konservative Gegenstück zu Labours Tom Driberg. Als diese Affäre ans Presselicht zu geraten drohte, griff kein Geringerer als der künftige Premier (der wegen Driberg und dem gerade bewältigten Profumo-Skandal um seine Wahl fürchtete) Harold Wilson ein und ließ die Sache unter den Teppich kehren. Pearson schreibt einen Polit-Thriller, der das britische Klassensystem in seiner ganzen Arroganz und seinem verachtenden Zynismus vorführt. Also ist mit den Krays auch der größte britische Polit-Skandal der 60er Jahre verknüpft. Wer bisher dachte, er wisse alles über die Zwillinge, wird eines besseren belehrt. Ganz klar eines der fünf besten und wichtigsten Bücher zum Thema.

Noch robuster und quantitativer in Sachen Mord als die Krays ging Richard Kuklinski zu Werk. Auch über ihn gibt es inzwischen mehrere Bücher (das erste von dem großartigen Anthony Bruno, der auch eine schmählich unterschätzte Romanserie über zwei FBI-Agenten geschrieben hat) und sogar einen Film: THE ICEMAN von Ariel Vromen. Er begann als Tierquäler, beging mit dreizehn Jahren seinen ersten Mord. Er wurde der effektivste Killer der Mafia und legte in 30 Jahren ca.150 Menschen um. Von 1986 bis zu seinem Tod 2006 saß er im Knast. Man vermutet, dass er dort umgebracht wurde weil er gegen den Mafioso Salvatore
Gravano aussagen wollte. Der inzwischen verstorbene Philip Carlo hat mit ICE MAN (Piper, 2011) das definitive Buch zu diesem Kotzmittel geschrieben. Ganz nebenbei ist es auch noch eine erschreckende Sozialgeschichte der USA. Es zeigt einmal mehr wie mies, klein und schmutzig diese Mafiosi sind, die – wie Banker – in einer Welt leben, deren einziger Wert die Gier ist. Da wichtige zeitgeschichtliche Literatur bei uns eine Seltenheit ist, muss man dem Piper-Verlag für diese Veröffentlichung danken und hoffen, dass sie im Windschatten des Films zusätzliche Käufer findet.

Der In Berlin lebende Amerikaner Mathew D. Rose ist bereits 1997 den Politikern unangenehm aufgefallen. In seinem Buch BERLIN-Hauptstadt von Filz und Korruption (Droemer Knaur) sezierte die Jauchegrube des damaligen regierenden Bürgermeisters Diepgen und seiner räudigen Gang. Auch sein neues Buch KORRUPT? Wie unsere Politiker und Parteien sich bereichern – und uns verkaufen (Heyne) ist eine lesenswerte Analyse des Ganglands BRD. Die Grundlage seiner Betrachtung lautet: „Die Zeit in der Politik eine gerechtere Umverteilung, also eine Verbesserung von Bildung, Gesundheit und Wohlstand der gesamten Gesellschaft anstrebte, ist in den Industrienationen lange vorbei. Dieser Wandel setzte in der Bundesrepublik im Jahr 1998 ausgerechnet mit der SPD-Grünen-Regierung ein.“ Da kann ich lediglich fragen: Wieso „ausgerechnet“ und nicht „folgerichtig“. Für Putins Gasableser Proll-Gert und dem Mann, der wie ein grunzender Affe klingt, Fischer, war dies das Projekt ihres Lebens. Aber anders als etwa Tony Blair haben sich diese beiden Schrebergarten-Ganoven nur mit Kleingeld abspeisen lassen. Gut, für Emporkömmlinge ist das sicherlich ein großer Batzen. Außerdem setzten diese Prozesse bereits unter Margaret Thatcher und dem Oggersheimer Saumagen ein, dem bis heute nicht der Prozess (zusammen mit Schäuble für die CDU-Spendenaffäre) gemacht wurde und der hoffentlich bald unter schlimmsten Schmerzen abkratzt; was ich als hilfloser Zornbürger selbstverständlich 90% allen Politikern in „diesem, unseren Lande“ wünsche. Nach der Lektüre von Roses Buch möchte man jedenfalls einmal mehr die Guillotine aufstellen und als Jakobiner über die Herrschenden richten.
Gucken wir mal, was Rose über ein paar Ganoven aus der Parasitenklasse erinnert: „GERHARD SCHRÖDER ….nach der Wahlniederlage, aber noch vor dem Ende seiner Amtszeit (vergab seine Regierung) einen Kredit mit staatlicher Bürgschaft von rund einer Million an die Nord-Stream AG, an welcher der russische Energiekonzern Gazprom mit 51 Prozent beteiligt ist… Am 22. November 2005 endete Schröders Amtszeit, und bereits im Dezember wurde er zum Verwaltungsratsvorsitzenden der Nord Stream AG ernannt…. Geschätztes Jahresgehalt 250.000 Euro.“ Carsten Maschmeyer kaufte Schröder die Rechte an seiner ebenso langweiligen wie schlecht geschriebene (lassen) Autobiographie für eine Million Euro ab. Wahrscheinlich als Gegenleistung für die steuerlich geförderte Privatrente, die lediglich Maschmeyers Konzern AWD nutzt. Für diesen OK-Verein arbeitet auch Bernd Rürup, der das Staatlich geförderte Rentenmodell mit seiner „Rürup-Kommission“ erarbeitete. Natürlich ist er SPD-Mitglied
WOLFGANG CLEMENT hat „sieben Aufsichtsratsposten inne“. Auch bei der RWE Power AG. „Auch auf die Zeitarbeitsbranche griff Clement zurück. Kaum ein halbes Jahr nach seinem Ausscheiden aus der Bundesregierung saß er im Aufsichtsrat der Firma DIS Deutscher Industrie Service AG (Jahresgesamtbezug rund 15.000 Euro; er kann´s halt nicht besser)… Als Bundesminister hatte Clement sich… zugunsten der Zeitarbeitsunternehmen eingesetzt.“ Ja, die Genossen haben in all den Jahren an Bedeutungslosigkeit nicht verloren.

Man könnte unendlich weiter auflisten (zum Thema sollte man auch noch Jürgen Roths vorzügliche DEUTSCHLAND AG (Eichborn) hinzuziehen, auf die ich an anderer Stelle hingewiesen habe). Nachteilig für Roses Buch wirkt sich das Fehlen eines Index aus.

Bei Heyne Hardcore, der einzigen innovativen Reihe der letzten Jahre, erschien der Bericht von Malcolm Beith EL CHAPO – Die Jagd auf Mexikos mächtigsten Drogenbaron. Selbst unsere weitgehend gleichgeschalteten Medien kommen nicht an gelegentlicher Berichterstattung über den Mafia-Staat Mexiko vorbei. Noch stärker als in Kolumbien sind Politik, Militär und Mafia hier miteinander vernetzt und bilden eine Symbiose. <minutiös beschreibt Beth den Aufstieg von Joaquin Guzman, El Chapo, zum mächtigsten Drogenbaron der westlichen Hemisphäre, die Dummheit der Nordamerikaner, den Zynismus ihrer Drogenpolitik und wie der südliche Nachbar über Jahrzehnte immer mehr in Armut und Verbrechen getrieben wird. Das Buch ist der genaueste und ausführlichste Einblick in die Welt der mexikanischen Drogenmafia und Kultur, den ich bisher kenne, voller unfreiwillig komischer Situationen.



BRIT-NOIR 12: DIE DARK SOAPS DES JAMES TUCKER von Martin Compart

Der 1929 geborene Waliser Allan James Tucker ist heute der große alte Mann der britischen Kriminalliteratur. Der Exjournalist schreibt unter verschiedenen Pseudonymen seit 1960 und zeichnet sich durch stilistische Originalität und einer beeindruckenden thematischen Spannbreite aus; sie reicht vom Noir-Roman über die police procedural (in höchst eigenwilliger Form) bis zum Spionageroman. In Erinnerung geblieben sind vielen Thriller-Fans vor allem seine Spionageromane aus den 1960ern und 1970ern, die er unter dem Pseudonym David Craig schrieb.

Als Noir-Autor schuf er 1974 auch einen Klassiker des Genres, der zum Kanon des Brit-Noir zählt: WHOSE LITTLE GIRL ARE YOU? (JILL UND DIE BOYS; Goldmann Krimi 4407). Die Geschichte um die entführte Tochter eines Kingpins und dessen ebenfalls entführte Freundin. Diese ist pikanter weise die Ex-Frau eines geschiedenen Ex-Kriminalbeamten und Alkoholikers, der sich mit der Londoner Unterwelt und dem neuen Gatten seiner Frau anlegt, wurde 1977 grandios von Michael Apted mit Stacy Keach, Stephen Boyd (als unvergesslicher Gangsterboss) und David Hemmings als THE SQUEEZE (DER AUS DER HÖLLE KAM)verfilmt. Die Adaption gehört zusammen mit GET CARTER und VILLAIN zu den drei großen britischen Noir-Filmen des Jahrzehnts und zu den Klassikern des Noir-Kinos überhaupt.

Natürlich hatte auch Craig/Tucker die Prozesse gegen die Krays-Zwillinge und die Südlondoner Richardson-Gang verfolgt. Spätestens nach dem großen Gerichtsverfahren gegen die Krays-Zwillinge und ihre “Firma”, die als Gangsterimperium das Eastend Londons und mehrere Klubs im Westend umspannte, wusste man, dass diese Autoren keine Spinner waren, sondern das Großbritannien über eine organisierte und funktionstüchtige Unterwelt verfügte. Was Al Capone für Autoren wie W.R.Burnett, Armitage Trail und den amerikanischen Gangsterroman war, sind die Krays für den britischen Noir-Roman: Seit den Romanen von Douglas Warner aus den frühen 60er Jahren beeinflusst ihr Mythos bis heute die Literatur.

Heute ist der Autor als „Bill James“ unterwegs und schreibt eine der literarisch beeindruckendsten Polizei-Serien. Im Vergleich mit seinen Harpur & Iles-Romanen wirken die Inspector Rebus Novels von Rankin wie das, was sie sind: langweiliger Schrott.

Sie spielen in einer namenlosen Stadt im südwestlichen England, die James alle Möglichkeiten gibt, seine bissig sarkastische Gesellschaftskritik auszudrücken. Alex Grant nannte die Bücher „machiavellistisch und bittersüß“. Er lässt sich viel Zeit, um die Gedankenwelt seiner Personen dem Leser mitzuteilen. Selbst der schlimmste Idiot bekommt genügend Raum um seine Logik scheinbare plausibel zu machen. Dabei diffamiert James nicht, sondern verschmilzt mit den Figuren. Es entsteht etwas, dass ich als „poetisches psychologisieren“ bezeichne. „Ich denke, ich betrachte die Gesellschaft und die Menschheit allgemein aus einem humorvollen Blickwinkel. Ich lese kaum Kriminalliteratur aus Angst, unbewusst etwas zu imitieren. Aber THE FRIENDS OF EDDIE COYLE von George V.Higgins war eine wichtige Erfahrung für mich. Er schaffte es, aus einer so widerwärtigen Figur wie einen Spitzel einen Sympathieträger zu machen. Es ist einer der besten Kriminalromane, der je geschrieben wurde. Hat mich sehr beeindruckt. Und ich schreibe auch häufig über Informanten, Spitzel und ihre Welt.“

Wie schon in den frühen David Craig-Romanen, nimmt die Familie oder besser das Familienleben der Protagonisten und Antagonisten einen wichtigen Platz in den unbedingt chronologisch zu lesenden Harpur & Iles-Romanen ein. Die große Zahl an Personen mit ihren persönlichen Entwicklungen, bzw. Fehlentwicklungen, machen die Serie zu einer modernen comédie humaine, die ohne Beispiel in der gesamten Kriminalliteratur ist. Das sich bisher kein deutscher Verlag konsequent an diese Meisterwerke herangetraut hat, sagt wieder alles über den erbärmlichen Zustand der hiesigen Buchkultur. Für James funktionieren Organisationen wie Polizei oder Gangstersyndikate wie Familien – und umgekehrt. Aus dieser Herangehensweise zieht er einen Thrill, der tiefe Einblicke in die Charaktere gibt und jede Figur individuell gestaltet.

Die Serie ist auch eine genaue Chronik der gesellschaftlichen Veränderungen in der englischen Gesellschaft seit dem von Thatcher begonnenen Roll back sozialer Errungenschaften. Es ist die Beschreibung einer zerbrochenen Gesellschaft mit nur noch rudimentärem Common sense, die moralisches Handeln lediglich von Besitzlosen einfordert.
„Ich schreibe über Organisierte Kriminalität und nicht über individuelle Mordfälle.“ Die Grenzen zwischen Ordnungskräften und Organisierter Kriminalität liegen fließend im Flussbett eines breiten Niemandslandes.

Ein immer wieder kehrendes Motiv ist die Undercoverarbeit von Polizisten. „Eine Obsession von mir. Wahrscheinlich der Einfluss der Spionagethriller. Die Situation ermöglicht eine Menge hochdramatische Ironie. Der Leser weiß mehr als die meisten Charaktere. Die Spannung, die daraus resultiert, die moralisch-ethische- und juristische Problematiken sind hervorragende Quellen für Geschichten.“ Stilistisch riskiert er immer wieder neues, wagt er sich an die unterschiedlichsten und abenteuerlichsten Strukturen.


Im LOLITA MAN setzt er zum Beispiel das Tagebuch eines Vergewaltiger und Mörders von Teenagern gegen die Tagebucheintragungen seines nächsten Opfers. Bei der Lektüre fallen jedem Vater einer pubertierenden Tochter die Kronen von den Zähnen bevor es zum Kolbenfresser im Oberstübchen kommt!
John Harvey, ein großer Fan von Tucker, nannte die erste Zeile seines Romans, ROSES,ROSES, eine der besten Eröffnungen in der gesamten Kriminalliteratur: „Als sie mit drei Messerstichen in den Bauch auf einem Bahnhofsparkplatz ermordet wurde, war Megan Harpur gerade auf dem Heimweg um ihrem Ehemann mitzuteilen, dass sie ihn für einen anderen verlassen würde.“
Seit 1985 legt James jedes Jahr einen neuen Band dieser Serie vor, schreibt aber als David Craig noch weitere Serienfiguren wie etwa die Abenteuer des schwarzen Waliser Geheimagenten Simon Aberlad.

Es gab bisher die BBC-Verfilmung eines Romans (PROTECTION) und mehrere sind optioniert. Aber die beste Umsetzung von James Kosmos, den er in fast 30 Büchern entwickelt hat, wäre eine seriell erzählende Fortsetzungsserie wie SOPRANOS (mit der sie mehr als Humor und Weltsicht gemeinsam haben könnte), eine echte „dark soap opera“.

Leider sind bei uns bisher nur drei Bände der Harpur & Iles-Serie erschienen (Band 10 als AUF ROSEN GEBETTET bei Ullstein und Band 14 und 15 als RIVALEN und TOTE SCHREIBEN NICHT bei Rotbuch) und der ansonsten gute Übersetzer Gerold Hens kannte nicht den Unterschied zwischen Pistole und Revolver. Ebenso wenig wie das Lektorat, was ein bisschen peinlich für die Ansprüche bei Rotbuch ist. Aber die Erfolglosigkeit von James in Deutschland (sonst wäre seine Veröffentlichung nicht eingestellt) hat wohl eher mit unanständigen Buchketten und mit bescheidenen Lesern zu tun.

HARPUR & ILES-SERIE:
1. You’d Better Believe It (1985)
2. The Lolita Man (1986)
3. Halo Parade (1987)
4. Protection (1988) aka Harpur and Iles
5. Come Clean (1989)
6. Take (1990)
7. Club (1991)
8. Astride a Grave (1991)
9. Gospel (1992)
10. Roses, Roses (1993)
11. In Good Hands (1994)
12. The Detective is Dead (1995)
13. Top Banana (1996)
14. Panicking Ralph (1997)
15. Lovely Mover (1998)
16. Eton Crop (1999)
17. Kill Me (2000)
18. Pay Days (2001)
19. Naked at the Window (2002)
20. The Girl with the Long Back (2003)
21. Easy Streets (2004)
22. Wolves of Memory (2005)
23. The Sixth Man and Other Stories (2006)
23. Girls (2006)
24. Pix (2007)
25. In the Absense of Iles (2008)
26. Hotbed (2009)
27. I Am Gold (2010)



BRIT-NOIR 11/ Villain von Martin Compart
13. September 2010, 2:57 nachmittags
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Mitte der 50er Jahre tauchte James Henry Stanley Barlow (1921-73) auf der kriminalliterarischen Bühne und wurde mit einer Handvoll bösartiger, schwarzer Romane zum Geheimtip. Die Kritik hasste (oder ignorierte) Barlow mit ebensolcher Vehemenz wie schon zuvor Chase. Sein großer Wurf war der 1968 erschienene Roman THE BURDEN OF PROOF.
In diesem Roman befasste sich Barlow auf ganz eigene Art mit den Krays-Mythos, indem er Ronnie Kray in der Figur des psychopathischen Gangsterboßes Vic Dakin ein Denkmal setzte (in der Verfilmung wurde er von einem umwerfenden Richard Burton gespielt). Nicht von ungefähr erschien der Roman in dem Jahr, als sich die Schlinge des Gesetzes um die Terrible Twins zuzog. Auch Barlow zeigt ein realistisches Bild der Londoner Unterwelt. Dem Sadisten Dakin gelingt es dank der herrschenden Korruption, genau wie den Krays, lange Zeit vom Gesetz unangetastet seine Terrorherrschaft über das Eastend auszuüben. Barlow wanderte kurz vor seinem Tod nach Tasmanien aus. Er gehört zu diesen mysteriösen Noir-Autoren, über die man kaum Informationen bekommt.

BIBLIOGRAPHIE:
Protagonists (1956)
One Half of the World (1957)
The Man with Good Intentions (1958)
The Patriots (1960)
Term of Trial (1961)
The Hour of Maximum Danger (1962)
This Side of the Sky (1964)
One Man in the World (1966)
The Love Chase (1967)
The Burden of Proof (1968)
aka Villain
Goodbye, England (1969)
Liner (1970)
Both Your Houses (1971)
In All Good Faith (1971)

Der Film, der ein Flop war und bei uns unter dem schönen Titel DIE ALLES ZUR SAU MACHEN lief, gehört zu den unterschätztesten und unbekanntesten britischen Noir-Filmen. Neben JACK RECHNET AB und DER AUS DER HÖLLE KAM ist er aber sicherlich der beste Brit-Noir-Film der 1970er – wenn nicht der Beste noch vor GET CARTER! In der Nebenrolle als Stricher Wölfi (dem Burtons ganzes Liebesinteresse gilt und der nur mit ihm Sex haben kann wenn er ihn zuvor prügelt) ist der junge Ian McShane zu sehen. Kein Wunder, dass ihn diese frühen Erfahrungen direkt nach DEADWOOD führten. Das Drehbuch schrieben die beiden Fernsehautoren Dick Clement und Ian LaFresnais zusammen mit dem amerikanischen Schauspieler Al Lettieri – unsterblich als Heavy in GETAWAY und MR.MAJESTIC!



GET LEWIS – Ted Lewis und Brit Noir 10/ von Martin Compart
2. September 2010, 1:02 nachmittags
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Anfang der 60er Jahre nahm die bürgerliche Öffentlichkeit stärker davon Notiz, dass es Gangster in London gab. Immer öfter tauchten Geschichten über die Krays-Zwillinge in den Zeitungen auf, die vom Eastend aufgebrochen waren, um auch im Nachtklubgeschäft des Westends Fuß zu fassen. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern (Sabinis, Jack Spot, Comer usw.), bemühten sich die Terrible Twins nämlich um Öffentlichkeitsarbeit. Der 1962 veröffentlichte Roman DEATH OF A BOGEY (TOD EINES GREIFERS; Heyne 1963) von Douglas Warner ist wohl der erste Kriminalroman, der den Krays-Mythos thematisiert. Die Informationen über die Krays-Gang, hier Lane-Bande genannt, die indirekt in den Roman einfließen, sind zwar aus heutigem Kenntnisstand naiv, scheinen aber nicht nur aus der Zeitungslektüre zu stammen. Gut beschrieben ist vor allem die Mauer des Schweigens im Eastend, die die Krays so lange schützte und deren Zerstörung erst ihre Festnahme ermöglichte. Douglas Warner war ein Pseudonym für Desmond Currie und Elizabeth Warner, die bis 1968 sechs harte Krimis über die Schattenseiten Londons veröffentlichten.
Einer wurde sogar verfilmt: DEATH OF A SNOUT, 1961, wurde von Ken Annakin als UNDERWORLD INFORMERS (auch: THE INFORMERS, THE SNOUT) 1963 für die Leinwand adaptiert.

Eine besondere Position kommt dem 1921 in Leeds geborenen Ex-Polizisten John William Wainwright(1921-95) zu. Gemeinhin gilt er seit seinem ersten Buch, das 1965 erschien, als ein herausragender Autor des britischen Polizeiromans. Im Gegensatz zu den police procedural-Autoren und seinem Lieblingsautor Ed McBain behandelt Wainwright in seinen Polizeiromanen immer nur einen einzigen Fall. Bemerkenswert ist auch die frühe Betonung des Organisierten Verbrechens. Seine Helden stehen in ihren Extremsituationen den schwarzen Thrillern näher als den durchschnittlichen Polizeiheroen. Beispielsweise scheut sich einer seiner Serienhelden, der ein Anhänger der Todesstrafe ist, nicht, einen jugendlichen Mörder sofort hinzurichten.Die Methoden der Polizei und die der Gangster sind bei Wainwright fast identisch. Er treibt die erstmals bei John Bingham auftauchende Negativdarstellung der britischen Polizei noch weiter. Das scheint angesichts der beruflichen Vergangenheit des Autors noch beängstigender. Seine überzeugendste Leistung im Schwarzen Roman war seine Tetralogie um den Ex-Polizisten Davis, der die Fronten wechselt. Stilistisch überzeugend zeigt Wainwright Intimes aus der Unterwelt und Charaktere, die der Leser so schnell nicht vergißt. Insgesat schrieb er 83 Romane, darunter eine Autobiographie über sein Leben als copper.



NEWS: TIERDIEBSTAHL UND ESSAYS ZUR POPULÄREN KULTUR von Martin Compart

Alexandra und ihre Mitkämpfer haben ein neues Forum gegründet, dass ich allen ans Herz lege, die Kriminalität gegen Tiere nicht unberührt lässt. Zwar ursprünglich für den süddeutschen Raum, deckt es jetzt jeden Postleitzahlenbereich ab:
www.pit.community4um.de/

Nun ist es endlich lieferbar: Mein erstes Book on Demand: 2000 LIGHTYEARS FROM HOME – Stones, Fauser und andere Verbrecher. Essays zur populären Kultur. Neben dem überarbeiteten Buch EINE ZEITREISE MIT DEN ROLLING STONES enthält es längere Aufsätze und Essays zu Jean-Pierre Melville, Jörg Fauser, Krays u. Chandler. Es hat 256 Seiten und kostet 16,90 Euro. Die zu machenden Erfahrungen werden mir sicherlich Erkenntnisse über diesen neuen Publikationsmarkt ermöglichen. Aber sicherlich ist es was völlig anderes, ob man ein special interest-Produkt anbietet, als in dieser Form einen Roman zu veröffentlichen.

Buch bei amazon.de

Buch bei BoD



GET LEWIS – Ted Lewis und Brit Noir 5/ von Martin Compart
23. April 2010, 3:39 nachmittags
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Toby sorgte für einen lukrativen Deal mit Michael Joseph: Fünf Jahre sollte Ted jährlich 4000 Pfund erhalten und dafür ein Buch pro Jahr bei seinem neuen Lektor Edmond Fisher abliefern. Mit Fisher kam Ted gut klar: Sie wurden Trinkkumpane und machten bei Teds Besuchen in London oft fürchterlich einen drauf.
Ted gab den Zeichentrickfilm jetzt endgültig auf. Er verkaufte das teure Haus und zog 1971 mit seiner Familie in ein Farmhaus in Suffolk, ganz in der Nähe von Toby.
Er schrieb seine Romane weiterhin mit der Hand in Schulhefte; manchmal zeichnete er erotische Cartoons an den Rand. Jo tippte die Seiten ab und wehe, wenn sie auch nur ein Komma änderte. Ted überarbeitete nichts, meinte, das würde die Spontanität zerstören. Wenn er arbeitete, schrieb er tausend Worte und mehr an einem Tag. Toby Eady hielt ihn für den geborenen Schriftsteller, ein Naturtalent, das man nicht lektorieren müsse. Tobys Enthusiasmus für seine Arbeit war genau, was Ted brauchte. Aber Ted war leider kein kontinuierlicher oder systematischer Arbeiter und lieferte seine Manuskripte erst in letzter Minute ab. Ohne ökonomischen Druck lief nicht viel. Genaugenommen war Ted ein fauler Hund, der elf Monate nichts tat und dann innerhalb von vier Wochen einen Roman runterschrieb. Anders konnte er nicht arbeiten. “Er brauchte diesen Druck”, bestätigte Toby. Wenn im Laufe des Jahres das Geld knapp wurde, schrieb und illustrierte er Geschichten für Frauenmagazine. Kaum zu glauben, aber der Autor des ultraharten JACK RECHNET AB war ein gern beschäftigter Autor für Frauengeschichten!
Für Michael Joseph schrieb er weiterhin Gangsterromane. In diesem Genre hatte er sich schließlich einen Namen gemacht. Durch Toby lernte er den Londoner Rechtsanwalt James Morton kennen. Zu seinen Klienten gehörten Unterweltgrößen wie die Richardsons und Mad Frankie Frazer. Mit denen lungerte Ted gerne in Mortons Büro herum, oder er ging mit ihnen in den einschlägigen Pubs saufen.
Ebenfalls durch Toby kam Ted Ende der 6oer Jahre an das Manuskript mit den Lebenserinnerungen von John McVicar, einem Gangster, dessen Flucht in England Legende war (später wurden die Erinnerungen mit Roger Daltrey verfilmt). Irgendwie hatte es McVicar geschafft, das Manuskript aus dem Gefängnis von Durham zu schmuggeln. Ted wollte unbedingt einiges daraus verwenden und machte einen Deal mit McVicars Frau Shirley. Er benutzte Szenen und Informationen für den Roman BILLY RAGS (1973), der einer seiner besten ist.
Aber mit keinem Buch gelang es ihm, an die Verkaufszahlen von JACK’S RETURN HOME anzuknüpfen. Eigentlich hatte er auch keine Lust, Jack zu revitalisieren, den er am Ende des Buches schliesslich tot zurückgelassen hatte. Aus wirtschaftlichen Erwägungen holte er den alten Jack wieder ins literarische Leben zurück. Warum sollte er nicht das tun, was Conan Doyle mit Holmes oder Ian Fleming mit Bond angestellt hatten? 1974 veröffentlichte er JACK CARTERS LAW, in dem Jack einen Verräter durch London jagt. 1977 folgte der ziemlich durchgeknallte JACK CARTER AND THE MAFIA PIGEON, der Jack nach Mallorca führt.
Alkohol war Teds größtes Problem. “Seitdem ich ihn kannte, trank er. Aber ich dachte nie, dass er ein Problem damit hatte. Ich war blind”, berichtete Jo. “Als wir in Essex lebten, sagte ich seinem Arzt, ich würde mir Sorgen um Teds Gesundheit machen. Der Arzt antwortete, das einzige worum ich mir Sorgen machen müsste, wäre Teds Sauferei. Ich verstand nichts. Ted war daheim nie betrunken. Aber er ging immer öfters nachmittags in den Pub und ließ mich mit den beiden Kleinen alleine.” Teds Freunde außerhalb des Berufslebens waren Arbeiter in den Pubs. Mit ihnen verstand er sich prächtig, mit ihnen zog er von Pub zu Pub und Rausch zu Rausch. “Es wurde schlimmer als wir nach Sussex zogen. Ich glaubte, es wäre der wirtschaftliche Druck, der auf ihm lastete. Unentwegt kamen Rechnungen, platzten Schecks, und er hatte die Verantwortung für eine Familie.” Die Rechnungen, die Ted in den Pubs machte, waren nicht von Pappe. “Schließlich kümmerte ich mich um das Finanzielle. Aber es nutzte nichts. Seine Trinkerei war zu einem echten Problem geworden.”



GET LEWIS – Ted Lewis und Brit Noir 4/ von Martin Compart

Ein Widerspruch trägt die ganze Geschichte: Als rationaler Profi versucht er irrationale Ziele durchzusetzen. Er will die Mörder seines Bruders finden und fertig machen. Dafür setzt er seinen Status und sein Leben aufs Spiel. Das erscheint umso irrationaler, weil er Frank seit Jahren nicht mehr gesehen hat und sie einander nicht mal mehr mochten. Immerhin hatte Jack sogar mit seiner Schwägerin geschlafen und die Vermeintliche Tochter Franks könnte sein Kind sein. Es ist diese Spannung in der Figur des Ich-Erzählers, die zusätzliche Dynamik verleiht und bedrohliche Düsternis über den Roman ausbreitet wie ein Leichentuch. Der friedliebende Frank wäre mit Jacks Rachefeldzug auch nicht einverstanden. Aber das interessiert ihn nicht: “Er war mein verdammter Bruder”. Das hat nichts mit Sam Spades Ehrenkodex im MALTESE FALCON zu tun. Frank erinnert ihn an eine Zeit, als er noch unschuldig war, bevor er Albert Swift traf, bevor er auf die schiefe Bahn geriet und sein darwinistisches Leben begann. Mit Frank hat man seine Zeit der Unschuld endgültig ausgelöscht, die letzte Verbindung vor der Vertreibung aus dem Paradies gekillt. Aber man kann ja alles überinterpretieren. Letztlich war es Jacks Welt, die seinen Bruder getötet hat. Und man kann sich leicht vorstellen, das Jack für die Fletchers dasselbe getan hätte, was Eric Paice für seinen Boss und die lokalen Geschäfte erledigen musste. Also doch eine weitere Kain und Abel-Geschichte?

Drei Monate brauchte er für den halben Roman, den er handschriftlich in Schulhefte schrieb. “Er schrieb den Roman aus kommerziellen Gründen. Wir glaubten, es würde ein Bestseller”, meinte Jo. Ted und Jo hatten inzwischen eine Tochter bekommen, Nancy. Auf dem Haus lagen Hypotheken, und sie brauchten dringend Geld. Die Enttäuschung war groß, als Hutchinson das Manuskript ablehnte. 1968 hatte er Toby Eady getroffen, der sein Agent werden sollte und vollkommen von Teds Romanfragment überzeugt war. Toby brachte das Manuskript zu Peter Day vom Verlag Michael Joseph. Day gab ein Gutachten in Auftrag, in dem stand, Lewis könne kein Englisch schreiben. Wahrscheinlich war der Gutachter mit Teds hard-boiled-Stil völlig überfordert und nur ziselierte schöngeistige Literatur gewöhnt. Ted, der keine Kritik einstecken konnte, war jedenfalls außer sich vor Wut. Day liess sich von dem Gutachten nicht beeindrucken und kaufte das Buch trotzdem. Bevor es 1970 veröffentlicht wurde, waren bereits die Filmrechte verkauft. Ted, ein Filmfan, war begeistert und wäre gerne stärker in die Filmarbeit involviert gewesen. Jo meinte, er hätte das Drehbuch sogar umsonst geschrieben, hätte man ihn nur gelassen. Er besuchte die Dreharbeiten in Newcastle und zog ein paar Aufträge für Drehbücher für die Fernsehserie Z-CARS an Land.
Buch und Film waren zwar erfolgreich, aber Ted verdiente nicht annähernd soviel, wie es heute mit einem derartigen Hit üblich ist. Für das amerikanische Remake HIT MAN (1972) von George Armitage mit Pam Grier bekam er nicht einen Penny.



GET LEWIS – Ted Lewis und Brit Noir 3/ von Martin Compart

Also schrieb er seinen Klassiker: JACK’S RETURN HOME. “Die Inspiration kam durch zwei Quellen: Chandlers Romane und die amerikanischen Noir-Filme der 40er- und 50er Jahre. Beides beeinflusste mich ungefähr zur selben Zeit. Ich war noch in der Grundschule, und meine Kumpels und ich verbrachten die meisten Abende in einem der zwei Kinos der Stadt. Das eine Kino zeigte vor allem britische Filme und amerikanischen Mainstream. Aber das andere zeigte B-Pictures, uraltes Zeug zum Teil, und in Doppelvorstellungen. Da gingen wir hin. Das war das Zeug, das man sich nicht ansehen sollte.”

Ted Lewis gelingt ein bedrückendes Portrait einer miesen Industriestadt (die fatal an heutige Städte im Ruhrgebiet erinnert) Ende der 60er Jahre. Der Hedonismus des rebellischen Jahrzehnts ist verweht, der Optimismus auf eine bessere Welt in der Endlichkeit des Wirtschaftswachstums versumpft. Dumpf vegetieren die Menschen dahin, zerbrochen vom Überlebenskrieg. Auf sie trifft H.P.Lovecrafts Satz zu: Weder leben die Bewohner, noch wissen sie zu leben in dem Haschisch industrieller Knechtschaft. Sie leben in einer urbanen Landschaft, ohne klare Wahrnehmung und ohne sichere Existenz. In schleichender Verwesung sitzen sie in den Pubs um das Ende aller Träume abzuwarten. Jack Carter ist eigentlich einer von ihnen, hatte sich aber rechtzeitig abgesetzt und kommt angeschlagen aber unbesiegt zurück in seine elende Heimatstadt. Er will seinen Bruder beerdigen, der Nichte ein besseres Leben ermöglichen und herausfinden, was wirklich hinter dem Tod des Bruders steckt. You can«t go home again, hatte Thomas Wolfe behauptet. So genannte Return-Romane sind inzwischen fast ein Subgenre, und auch in der Kriminalliteratur gibt es dafür eindrucksvolle Beispiele: Mickey Spillanes THE DEEP und THE ERRECTION SET oder etwa Kenneth Millars BLUE CITY (fast immer verbinden sie sich mit den Corruption-City-Geschichten in der Folge von Dashiell Hammetts RED HARVEST) Lewis Sprache packt den Leser von der ersten Seite an. Der szenisch-filmische Aufbau treibt die Handlung mit hohem Tempo voran. Die Settings wechseln von elenden Kitchen-Sink-Momenten zu harter Action oder gehobenen Unterweltmilieus. Der Angry Young Man als Hard-boiled-Autor, der John Osborne oder Alan Silitoe mit Hammett, Jim Thompson und John MacPartland kreuzt. Er ist kein väterlicher Reiseleiter durch diesen Alptraum, er schafft den Alptraum und steigert ihn bis zum bitteren Ende. Der wenig angenehme Jack Carter gewinnt unsere Sympathien, weil er geradezu archaisch auf Blutrache besteht. Zivilisatorische Schranken haben in seiner Welt wenig Bedeutung. Ted Lewis macht ihn zu einem in jeder Sekunde glaubhaften Charakter. Carter ist eine runde Figur, die einen aus den Seiten des Romans anspringt, kein Pappcharakter. Und der Leser mit seinen gebremsten Sympathien für diesen knallharten Gangster kann sich der Anteilnahme nicht entziehen, denn Carter ist ein ebenso intelligenter wie ironischer (jedenfalls manchmal) Erzähler. Nur weil er ein so brutaler Kerl ist, hat er überhaupt eine Chance. Und ernsthaft würde wohl kein Leser die versaute Arbeiterexistenz des Bruders der Gangsterexistenz Carters vorziehen. Carter ist kein üblicher Held – Gott bewahre! Er ist nicht stark genug um der Korruption zu widerstehen, aber stark genug um sich ein Stück davon zu erkämpfen. Er kennt die Codes der Unterwelt genauso wie die Rituale der Unterschicht. Carter ist kein Gentleman-Hero. Er ist der proletarische Facharbeiter des Verbrechens. Ein Profi, der, wie Richard Starks Parker, seinen Job gelernt hat und ihn selbstsicher ausübt. Ganz den Idealen der 60er Jahre verpflichtet, ordnet er sich keiner Authorität unter. Weder seinen direkten Vorgesetzten, den Fletchers, noch den regionalen Geschäftspartnern. Er hat keine Skrupel mit der Frau seines Bosses ins Bett zu steigen, will sie ihm sogar endgültig ausspannen. Loyalität hat Grenzen. Er ist nur ein Söldner, der seine Arbeitskraft verkauft. Das Gegenstück zum amerikanischen Revolvermann des Wilden Westens, der seine Fähigkeiten vermietet und die Mieter immer auch verachtet. Die Rückblenden, in denen er sich an Frank erinnert, sind knapp und eindringlich, verdeutlichen, das Carter zur ersten amerikanisierten Generation gehört (wie sein Autor). Die Jungen eiferten Cowboys nach, hörten Jazz und sahen amerikanische Filme. Ein Gewehr mit sich rumzuschleppen ist für sie der Inbegriff der Freiheit (und eines gelungenen Tages). Die Sozialisation durch amerikanische Gewaltkultur ging bei Jack bestens auf – den Bruder ließ sie als Versager zurück. Es ist eine amerikanische Form von Freiheit und Glück, denen die Carter-Jungs nachhingen. Das Glück des Brutaleren oder Cleveren. Was Lewis Roman ebenfalls bemerkenswert macht, ist die Darstellung des Einbruchs amerikanischer Verhältnisse in England (und Europa). Nicht nur Jugend und Subkulturen sind amerikanisiert, auch das organisierte Verbrechen ist es jetzt: Die Grenzen zwischen Kriminalität und legalen Geschäften sind verwischt. Legale und illegale Wirtschaft verschmelzen – ganz amerikanisch – in den Händen derselben Bosse, die die Stadt kontrollieren. Nicht umsonst erinnerte Jack die Stadt in seiner Jugend an eine amerikanische Boomtown. Fair play existiert in seiner Welt nicht. Im Umgang mit Frauen ist er genauso brutal wie bei Männern. Es macht ihm nichts aus, Frauen zu schlagen. Aber dahinter steckt nie sadistisches Vergnügen. Seine zielgerichtete Gewalt ist Mittel zum Zweck. Genauso wenig belastet es ihn, wenn ein tumber Verbündeter (Keith) seinetwegen in Not gerät (oder die Geliebte verstümmelt wird und damit keinen sexuellen Wert mehr für ihn hat).



GET LEWIS – Ted Lewis und Brit Noir 2/ von Martin Compart

Edward Lewis wurde am 15. Januar 1940 in Manchester geboren. Er wuchs als Einzelkind auf und sah seinen Vater zum ersten Mal mit sechs Jahren, als dieser aus dem Krieg heimkehrte. Nach der Rückkehr des Vaters zog die Familie nach Barton-On-Humber. Ted war ein ruhiges Kind, hatte aber ein schwieriges Verhältnis zu seinen Eltern. Er suchte ihre Anerkennung, schien aber keine zu bekommen. Jo White, Teds Exfrau, beklagte diesen Komplex noch nach Teds Tod. Wie gering Teds Fähigkeiten von seinen Eltern geschätzt wurden (und auch nie gefördert), illustriert eine Anekdote, die sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere zutrug: Bei der Premiere von GET CARTER fragte der Vater allen Ernstes Teds Agenten: “Wann fängt Ted an etwas Vernünftiges zu arbeiten?” Die Anerkennung, die ihm im Elternhaus versagt blieb, suchte der unglückliche Junge anderswo.
Teds Englischlehrer war der Schriftsteller Henry Treece, der die Talente erkannte und ihn ermutigte. So schrieb Ted erste Arbeiten für die Schülerzeitung. Aber auch Treece konnte die Zurückweisung durch die Eltern nicht kompensieren. Aber vielleicht das Leben auf der Strasse, in der Gemeinschaft jugendlicher Rabauken und in den schummerigen Pubs. Bereits mit vierzehn Jahren begann Ted zu trinken. Seine Exfrau interpretierte das als Rebellion gegen seinen Vater. Ted entwickelte seine Hyde-Seite, da man seine Dr.Jekyll-Begabung nur unzureichend würdigte.
Als Ted seinen Eltern offenbarte, er wolle auf die Kunsthochschule von Hull gehen, waren die natürlich sofort dagegen. Künstlerische Aktivitäten galten nichts im Hause Lewis. Brotlose Kunst für reiche Müßiggänger. Mühsam intervenierte Treece mit der ganzen Autorität als Lehrer und anerkannter Schriftsteller und setzte schließlich Teds Ambitionen bei den Eltern durch. Ted war Treece Zeit seines Lebens dankbar, blieb mit ihm befreundet und kümmerte sich nach dem Tod des väterlichen Freundes um dessen Witwe und Kinder.
Vier Jahre besuchte er die Kunsthochschule und ließ sich zu einem professionellen Illustrator und Zeichner ausbilden. Es scheint eine glückliche und wilde Zeit gewesen zu sein. Gemeinsam mit seinen Kumpels Brian Case (später Autor des Noir-Thrillers THE USERS) und Neville Smith (Autor von GUMSHOE) zog er durch die Pubs der Stadt, immer auf der Jagd nach Mädchen. Er spielte in einer Band Klavier (in der Helen Shapiros Bruder das Schlagzeug bearbeitete).
Neben Malerei und Musik faszinierte ihn das Schreiben immer mehr. 1965 erschien sein erstes Buch: ALL THE WAY HOME AND ALL THE NIGHT THROUGH. Eine stark persönlich geprägte Geschichte über eine Romanze an einer Kunsthochschule. Sein Lektor beim Verlag Hutchinson, Giles Gordon, erinnerte sich: “Ted war einer der unmöglichsten und arrogantesten Menschen, die mir je begegnet sind. Er war vollkommen davon überzeugt, er sei der beste Schriftsteller, der je auf Erden gewandelt ist.”
Vom Schreiben konnte er natürlich nicht leben. In dieser Zeit illustrierte er Kinderbücher, Pierre Boules Roman DIE BRÜCKE AM RIVER KWAI und arbeitete für eine Werbeagentur.
1966 heiratete er Jo Whittle. Und er konzentrierte sich als freiberuflicher Illustrator auf Zeichentrickfilme (u.a. malte er die Hintergründe für eine LONE RANGER-Fernsehserie). Er verdiente gut und kaufte ein Haus in Wicken Bonhunt in Essex. Ted wollte jetzt hauptsächlich schreiben, und Jo unterstützte ihn darin, indem sie als Sekretärin arbeitete. Wenn das Geld knapp wurde, nahm er einen Job beim Zeichentrickfilm an. So arbeitete er 1968 auch an YELLOW SUBMARINE mit.
Der Großmeister des Brit-Noir, Derek Raymond, erinnerte sich an Lewis: “Ich kannte Ted Lewis – nein, eigentlich saß ich nur neben ihm. Niemand, den ich kannte, kannte jemals Ted Lewis – es war unmöglich, ihn kennenzulernen, nicht mal oberflächlich. Ich traf ihn, weil mein erster Roman in derselben New Authors-Reihe bei Hutchinson erschien wie Teds erstes Buch. Und so war Lewis regelmäßig im selben Pub unter Hutchinsons Büro, im HORSE AND GROOM in der Great Portland Street, wie wir anderen (inklusive unseres Herausgebers Graham Nicol). Und aus denselben Gründen – nicht nur wegen der Biere, sondern um ein paar Pfund Vorschuss locker zu machen (keiner von uns hatte es leicht, und ich hatte dazu noch eine kostspielige Freundin). Aber Lewis saß ausnahmslos allein am anderen Ende der Bar, und ich sah ihn nie mit einem Mädchen. Gewöhnlich saß er nach vorn gebeugt, mit einer Haltung, die an ein Gebet erinnerte, den Kopf auf seine Arme gestützt. Keiner von uns konnte ihn kennenlernen, denn er war immer völlig betrunken. Er war blond, sah gut aus, hatte ein Gesicht, das ich mochte – und ich hätte nichts gegen eine längere Unterhaltung einzuwenden gehabt, besonders nicht, nachdem ich JACK’S RETURN HOME gelesen hatte. Sie kam nie zustande. Man konnte etwas zu ihm sagen, aber er antwortete nicht, und wenn man ihn ansah, hatte man den Eindruck, als offenbare sich einem der geheimnisvolle Anblick eines farbigen Glasfensters. Das war in den Sechzigern, vermute ich. Dann ging ich nach Spanien und Tanger und sah ihn nie wieder. Alles, was ich jetzt noch tun kann, ist, ihm meinen Respekt für seinen Mut zu zollen, der es ihm ermöglicht hat, so zu schreiben, wie er es tat, solange er es tat, den Horror draußen mit Begriffen seines eigenen inneren Horrors zu beschreiben, wenn nötig mit der Hilfe von Alkohol oder irgendeiner anderen Waffe, die es ihm ermöglichte, seine Sache durchzuziehen… Er ist ein Beispiel dafür, wie gefährlich das Schreiben sein kann, wenn man es ernsthaft betreibt, und Ted Lewis’ Werke beweisen, dass er nie vor irgendwas davongerannt ist.”
Ted war ein großer Fan von Raymond Chandler und der amerikanischen Hard-boiled-School. Weiterhin zählten Ed McBain, John O’Hara, Saul Bellow, James Thurber, Isaac Asimov, Graham Greene, Patrick Campbell und – natürlich! – Henry Treece zu seinen Lieblingsautoren. Aber es waren vor allem Chandler und die amerikanischen Tough-Guy-Autoren, die ihn inspirierten. Er fand nichts vergleichbar überzeugendes unter den britischen Autoren, obwohl es einige gab. Wenn auch nicht auf dem Level seiner Vorbilder. James Hadley Chase, die bereits erwähnten Jackson Budd, Gerald Kersh, David Craig, James Barlow, Jack Monmouth und andere hatten bereits finstere London-Novels vorgelegt und unbemerkt die eine und andere Gemme des britischen Noir-Romans geschrieben. Außerdem war der weltweite Erfolg dieser Literatur ein weiterer Grund für Ted, sich dem Genre zuzuwenden.



EASTENDBALLADE: DIE KRAYS von Martin Compart
13. März 2009, 8:33 vormittags
Einsortiert unter: Die Krays, Drehbuch, Interview, Politik & Geschichte, Porträt | Tags: , ,

Der komplette Text ist in meinem Essayband 2000 LIGHTYEARS FROM HOME zu finden.

Die Zimmer im New Barbican Hotel sind etwas kleiner als Mick Jaggers Schuhschrank. Was ein relativ modernes Hotel mitten in Finsbury zu suchen hat, versteht keiner. Bis auf einige Bürogebäude, verdreckte und düstere Straßen ist hier, nahe der Grenze zu Shoreditch, nichts. Der Nordosten Londons hinter Old Street ist weder richtig Eastend, noch Westend. Stattdessen, von beidem das langweiligste. Ein paar hundert Meter weiter, in der festungsartigen Anlage Braithwaite House, wurden die Zwillinge um 6.oo Uhr früh am 9.Mai 1968 von Inspector “Nipper” Read endgültig hochgenommen. Seitdem atmen sie gesiebt. Zwei Pubs, ein Fish & Ships-Laden und kaum Straßenbeleuchtung machen das Nachtleben zum Erlebnis. Es ist das östlichste Hotel, das ein deutsches Reisebüro buchen kann. Das Beste am ganzen Laden ist das exzellente Frühstück. Vielleicht denkt man das auch nur, weil man nach dem halbstündigen Platzanstehen so ausgehungert ist. Ich bin gerade dran, als ich zur Rezeption gerufen werde. Rita, Reggie Krays Kusine, ist am Telefon. “Ich hole dich in einer Stunde ab. Wir fahren zu Reg.” Zeit genug, um noch mal anzustehen.
Rita ist eine gutaussehende Blondine, ein bisschen wie Billie Whitelaw in früheren Jahren. Sie kennt Reggie solange sie denken kann und ist inzwischen seine Vertraute. Eine zentrale Figur im Krays-Clan, zu dem neben vielen Freunden auch ein inoffiziell adoptierter Sohn gehört. Die hübsche Frau hat die Härte, aber auch den Charme des Eastends. Mindestens alle 14 Tage besucht sie Reg oder Ronnie und kümmert sich um vieles, was nur von außerhalb des Gefängnisses zu regeln ist. Ihre einzige Bedingung: die Krays müssen sie aus jeder Pressegeschichte raushalten. Sie organisierte meinen Besuch. Ich hatte lediglich Vornamen und eine Telefonnummer. Ich konnte einen Tag im Hotelzimmer rumsitzen – was in London einer verschärften Haftstrafe nahe kommt – und auf den Rückruf warten. Alles hatte etwas von einem konspirativen Treff. Kein Zweifel, die Krays haben ihr Gefühl für Dramatik bewahrt. Bevor unser Zug nach Brighton geht, trinken wir einen Kaffee in Victoria Station. Es ist eine wirkliche Schande, wie sie die alten Traditionsbahnhöfe zu einer Mischung aus Hallenbad und MacDonalds-Filialen restauriert haben. Sonntags braucht der Zug länger. Wir unterhalten uns über Reggies eventuelle Begnadigung. “Als sie ihn vor zwei Jahren nach Lewes verlegt haben, war das ein gutes Zeichen. Lewes ist eines der angenehmeren Gefängnisse in England. Sie haben Reggie gesagt, er solle keine Wellen machen und sich ruhig verhalten. Aber Reggie lässt sich ja nichts sagen. Erst kam der Film, dann sein neues Buch und jetzt auch noch die Schallplatte, auf der Reggie feixend Geschichten aus der wilden Zeit erzählt. Die Krays sind wieder in aller Munde. Nichts, was sich für eine vorzeitige Freilassung auszahlt.” Rita traut mir noch nicht richtig über den Weg. “Reggie ist so leicht von Leuten auszunutzen.” Klar, dass beweist seine ganze Biographie. Zwei arme, kleine Eastendzwillinge, die im Schneesturm ihr letztes Hemd an Onkel Dagobert verschenken. Umsteigen in Brighton. Noch mal eine ätzende halbe Stunde. Der Bahnhof von Lewes liegt am Fuße eines Hügels, um den das Zentrum des Ortes gruppiert ist. Eines dieser netten, kleinen Provinzstädtchen mit einem Charme, wie ihn nur englische Provinzstädtchen haben. Und wie alles in England an einem Sonntag: tot. Die Krone des Hügels ist eine alte Festung, der Hauptwohnsitz von Reginald Kray. “Die schlimmste Zeit waren die 16 Jahre in Gartree und auf Isle of Whight. Sie haben versucht, ihn zu brechen. Das war das dümmste, was sie tun konnten. Sie gaben ihm etwas, gegen das er kämpfen konnte. Dabei hätten sie ihn leicht fertig machen können: mit Freundlichkeit”, sagt Rita. Ein gutes Wort, und schon schmelzen sie dahin, die schlimmen Zwillinge. Die Seitentür im schweren Holztor ist noch geschlossen. Einige junge Frauen warten darauf, ihre Burschen zu besuchen. Besuchszeit ist von 13.oo Uhr bis 15.15 Uhr. Jetzt ist es gleich zehn nach Eins. Endlose Minuten, wie sie nur Gefangene und Flüchtlinge kennen. Zu Reggies prominenteren Besuchern, die gelegentlich vorbeischauen, gehören Patty Kensit, Roger Daltrey, Diana Dors, Rick Wakeman, Cliff Richard und Debbie Harry. Morgen ist Daltreys Manager angesagt. Daltrey will schon einige Zeit einen Kray-Film drehen und besonders erfreulich war Peter Medaks Machwerk wirklich nicht. Reggie hat ihn sich nichtmal angesehen. Alter Mist von Gestern interessiert ihn nicht. “Ein Wahnsinn. Manche sitzen nur fünf Monate hier. Reggie sagt ihnen, dass sie sich gar nicht erst hinzusetzen brauchen.” Joe kommt. Joe war bei der BBC, hat Kinderfilme gemacht und arbeitet jetzt für die Pinewood Studios. Kein deutscher Fernsehsender würde es zulassen, dass Joe seine sensiblen Hallen betritt. Joe ist wie aus dem Ei gepellt, und golden glitzert es von Ringen und Kettchen. Er ist um die fünfzig und wirkt wie ein gepflegter Rausschmeißer. Unter seinem Maßanzug spielen harte Muskeln. Kein Knabe, dem man ungestraft das Bier verschüttet. Der richtige Mann für Kinderfilme. Der macht den lieben Kleinen schon klar, wie es im Leben läuft. Joe macht Konversation mit mir. Er kennt Hamburg und München, fragt mich nach seinen deutschen Kumpels. Ausnahmslos Puff- und Bumsbesitzer von der Reeperbahn und Spielhöllenchefs aus München. Als ich Joe mitteile, dass ich bedauerlicherweise keinen seiner Halbweltfreunde kenne, scheint er nicht sicher, ob ich wirklich aus Deutschland komme (inzwischen sitzt Joe auch im Knast. Nachdem Scotland Yard seine Filmproduktion unter die Lupe genommen hat, musste sie feststellen, dass Joe den Hauptumsatz nicht mit Käptn Blaubär macht, sondern mit weißen Pulver. Eine Zeitlang war Joe der Käptn Koks der Londoner Szene). Die magische Tür öffnet sich und wir gehen durch die laxen Sicherheitskontrollen. Schließlich eine Treppe hoch zum Aufenthaltsraum. Ein paar grobe Tische, Stühle und ein Getränke- und Snacktresen. Ich erkenne Reggie sofort. Er sieht viel jünger aus als auf den letzten Fotos von der Beerdigung seiner Mutter 1984. Kaum grau in den dunklen Haaren. Die Falten in dem jungenhaften Gesicht drücken mehr über seine Umgebung in den letzten 21 Jahren aus, als über sein Alter. Tiefe Lachfalten um Augen und Mund. Hält er das alles inzwischen für einen Betriebsausflug? Sicher nicht. Er ist wahrlich durch die Hölle gegangen und – trotz eines Selbstmordversuchs Anfang der 80er – irgendwie unbeschädigt geblieben. Ich brauch mir nichts vorzumachen: Das ist der härteste Knochen, der mir je genüber stand. Er lacht, winkt und umarmt Rita und Joe. Der Charme, dem sich auch sein kritischer Biograph John Pearson nicht entziehen konnte, funktioniert noch. Der fitteste Mann, den ich je gesehen habe. Seit 1969 trimmt er sich jeden Tag mehrere Stunden. Hat bis vor ein paar Jahren regelmäßig Knastmeisterschaften im Gewichtheben und anderes gewonnen. Außerdem gab er das Rauchen auf. Einer, der an die Zukunft denkt. Seine Bewegungen sind blitzschnell und völlig beherrscht. Der Junge würde Joe umhauen, bevor der überhaupt weiß was los ist. Und Joe weiß das. In einem seiner Bücher hat er geschrieben, dass er sich an elf Kiefer erinnert, die er gebrochen hat. Seine Spezialität war der “Cigarette punch”. Mit der Schnelligkeit und Präzision des Berufsboxers schlug er auf die Kinnlade seines Gegenübers, wenn der sich gerade die angebotene Zigarette in den geöffneten Mund steckte. Englands größte lebende Legende neben den Rolling Stones. Die sind allerdings inzwischen so gefährlich wie Perry Como. Bei Reggie bin ich mir da nicht so sicher. Er umarmt mich wie einen alten Freund. Unser wöchentlicher Briefwechsel hat uns irgendwie zu Vertrauten gemacht. Wir setzen uns, und Reggie öffnet seine Aktenmappe. Lets talk business. Vorschläge für Fernsehdokumentationen, Vertriebsprobleme mit der Schallplatte, sein neues Buch mit den schönen Titel FAMOUS VILLAINS WE HAVE KNOWN ist fast fertig. Joe muss ein paar Sachen erklären, Rita nimmt Anweisungen entgegen, holt Kaffee und Snacks, die liegen bleiben werden. Wir Kerle hier sind einfach zu hart, um in einen Schokoladenriegel zu beißen. Das hätte sie wissen müssen! Er verteilt Zettel, auf die er für jeden in seiner unmöglichen Handschrift genau fixiert hat, was sie in nächster Zeit zu erledigen haben. Als ich seinen ersten Brief erhielt, wusste ich nicht mal wie rum ich ihn halten soll. Rita holt wieder Kaffee. Am Nebentisch steht eine junge Frau auf und flüstert etwas in Reggies Ohr. Er nickt und grinst. Sie bringt ihm einen Pappbecher. Fuselgestank steigt auf. Wenn eine Braut ihrem Freund Alkohol in den Knast schmuggelt, trinkt Mr.Kray selbstverständlich mit. Er ist der Guru, der ihnen klarmacht, dass sie ihre kleinkriminelle Laufbahn schleunigst aufgeben und lieber mit dem Computer umgehen lernen sollen. Er ist nicht mehr an Verbrechen interessiert. Er hat im Knast seinen Horizont erweitert und mit Büchern, Filmen, T-Shirts und dem ganzen Kray-Merchandising viel Geld verdient. “Selbst wenn ich wollte, ich hätte heute draußen keine Chance mehr, ein Racketeering aufzuziehen. Heute ist alles viel härter, und ich bin 57 Jahre alt. Die Welt ist anders als 1969.“ Den Straßenschläger möchte ich erst noch sehen, der Reggie Kray von den Füßen holt. Nein, Reggie steht jetzt auf andere Sachen. “Wenn ich rauskomme, mache ich erstmal einen langen Urlaub um wieder richtig fit zu werden.” Vielleicht will er einen Kontinent umgraben. “Und dann mache ich ein keep-fit-Video für über Sechzigjährige.” Ich sehe meine völlig verfetteten Onkel im Trainingsanzug vor der Sportschau sitzen. “Zusammen mit Jane Fonda.” Großes Gelächter. Zärtlich nimmt er Rita am Arm. “Come closer, dear. Feel comfortable.” Reggie hat es gern, wenn sich die Leute wohl fühlen. Das hat ihm schon in den Klubs Freude gemacht. Mit einem Glas in der Hand herumzuwandern und sehen, dass alle ihren Spaß haben. Und wer stört, bekommt was auf die Birne. “Du kannst es dir nicht vorstellen. Du hattest damals nur drei Wahlmöglichkeiten im Eastend: Berufsboxen, Berufsverbrechen oder in die Fabrik gehen. Kein intelligenter Junge träumt davon, in die Fabrik zu gehen, oder? Eher hätten wir uns die Kugel gegeben.” Joe hat seine Anweisungen bekommen, Reggie entlässt ihn. Immer noch der Boss und Joe steht auf und verabschiedet sich artig. Reggie kriegt Unmengen Post, meist von Unbekannten, darunter schlimmste Psychos. Reggie reicht mir einen Brief, den er gerade erhalten hat. Er ist von zwei britischen Soldaten vom Golf. Sie wünschen ihm alles Gute und loben sein Buch BORN FIGHTER. Er hätte recht mit seiner Aussage, dass nichts auf der Welt rechtfertigt, dass zwei Länder ihre jungen Männer in einen Krieg zum gegenseitigen Abschlachten aufeinander hetzen. Reggie diktiert Rita, zehn Bücher an die Soldaten im Golf zu schicken.“ Frag alles, was du fragen willst.” In den Büchern wurde immer deutlich, dass Ronnie der düstere Antreiber von Reggie war. So wie Günter Mittag als böser Geist von Erich Honecker galt. Etwas, gegen das sich Reggie immer wandte. “Ronnie war geradeaus. Er ging die Sachen direkt an, egal was. Auch seinen Mord. Der Unterschied zwischen ihm und mir ist: ich liebe die Intrige. Jede Sekunde, von der Planung bis zur Ausführung.” Kann er sich noch an den Moment erinnern, als er Jack the Hat das Messer ins Gesicht stach? “Es steht ganz klar vor mir. Als wäre es gerade geschehen.” Ich verkneife mir das voyeuristische Klischee à la was-fühlt-man-dabei. “In den Büchern wurde Jack the Hat immer runtergespielt. Man stellte ihn hin, als wäre er ein harmloser Drogentrottel gewesen. Er hat seine Freundin aus dem fahrenden Auto geworfen, und sie blieb gelähmt. Er war mit einer Schrotflinte hinter mir her. Das Miststück war verdammt gefährlich, völlig unberechenbar. Es ging um ihn oder mich. Hätte ich ihn nicht kalt gemacht, hätte er mich erwischt.” Rita bestätigt ihn: das Eastend zitterte vor dem durchgedrehten Glatzkopf. Rita meint, im Film wäre der Schauspieler von Jack als Einziger der realen Figur nahe gekommen. Bis heute ist seine Leiche nicht gefunden. Wann war der entscheidende Punkt, an dem alles aus dem Ruder lief? “Ich glaube, so um 1964. Da hätten wir innehalten sollen und alles überdenken. Statt sorglos einfach immer weiter zu machen, hätten wir einen Schritt zurückgehen müssen. Wir haben den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. Damals hätten wir noch legale Geschäftsleute werden können.” Der Tod seiner Frau Frances, 1967? Danach schien er mehr zu saufen und Ronnies wilden Aktionen blind zu folgen. Er selber wurde unberechenbar. “Nach Frances Tod interessierten mich die Dinge nicht mehr so sehr. Alles war nicht mehr so wichtig. Aber immerhin habe ich noch dafür gesorgt, dass wir zurück ins Eastend gingen und uns nicht mehr auf das Westend konzentrierten.” Was denkt er über die Verräter heute? Alles Leute, die es sich in der “Firma” der Krays jahrelang gut gehen ließen. “Ich denke nicht oft an Scotch Jack Dickson, Ronnie Hart oder Les Payne. Die denken wohl öfter an mich. Die haben mich für immer. Sie sitzen auch im Gefängnis. Ihr Kopf ist ihr Gefängnis. Natürlich tat es weh, dass gerade unser Cousin Ronnie Hart den Kronzeugen machte. Nach einem Selbstmordversuch lebt er jetzt mit neuer Identität in Australien. Aber er hat immer noch dasselbe Gehirn, denselben Kopf. Typisch für ihn, dass sein Selbstmord nicht geklappt hat. Er kann so weit weglaufen, wie er will. Sein Verrat wird ihn immer begleiten.” Und Nipper Read, der Mann, der sie in den Knast brachte? “Ich hab keinen Kontakt zu ihm. Warum auch? Dieser Teil meines Lebens ist vorbei. Der Mann machte seinen Job. Und er machte ihn gut. Ich glaube, er ist inzwischen pensioniert. Weiß nicht mal, ob er noch lebt.” Warum ging es schließlich schief? Sorglosigkeit, Überheblichkeit, Größenwahn, zu große Brutalität? “Von allem etwas. Es war meine Schuld. Ich war wie der Kapitän auf der Brücke. Ich trage die Verantwortung. Ich beklage mich nicht über mein Urteil. Das habe ich nie getan. Ich war der Kapitän, und das Schiff ist abgesoffen. Die anderen sind als Zeugen gegen uns – nicht alle – in die Rettungsboote gegangen. Ich hasse sie nicht dafür.” Ich habe keine Lust mehr, ein Interview abzuziehen. Wir unterhalten uns über das Eastend und seine besondere Schönheit, seine unvergleichliche Atmosphäre. Reggie hat ein Buch über den Eastendslang geschrieben. Als er Ronnie erzählte, er habe ein Exemplar an Ronald Reagen geschickt, fragte Ronnie: “Und wie hat’s ihm gefallen?” “Ronnie kann sehr komisch sein und merkt es nichtmal.“ Ab drei sieht Reggie immer wieder auf seine goldene Armbanduhr. Schließlich zieht er eine gestreifte Jacke über. “Sie wollen, dass wir das hier tragen. Aber meine Besucher fühlen sich unwohl, wenn ich die Streifenjacke anhabe.” Wir umarmen uns zum Abschied. “Du kommst wieder.”

Die Commercial Street macht ihren Namen alle Ehre.
Sie führt Mitten ins Gewühl von Whitechapel und ist eine der großen Lebensadern des Eastend. Ein altes Manufakturgebäude hinter dem anderen. Hier schlägt das Herz der englischen Bekleidungsindustrie, heute fest in der Hand von Indern, Pakistani und einigen schwerreichen britischen Moguln. An einer Bushaltestelle balanciert eine Farbige eine Waschmitteltrommel freihändig auf dem Kopf. Die alten vier- bis sechsgeschossigen Häuser mit ihren ungepflegten Fassaden beherbergen Hunderte von Textilfirmen. Dazwischen mal ein ungehöriger Neubau, auch verlassene Fabrikgebäude mit eingeschlagenen Fenstern. An den mit Paketen und Papp-Containern voll gestopften Bürgersteigen werden riesige LKWs be- und entladen. Die Straße ist ein einziges Textillager. Hunderte Ausgänge führen auf unübersichtliche Hinterhöfe und in kleine dunkle Gassen. Die Gegend ist nicht kontrollierbar. Ein Alptraum für jede deutsche Behörde, deren Beamte man hier ihre Strafzeit nehmen lassen sollte. Für Krimiautoren der harten Schule so etwas wie Disneyland. Ein düsteres Labyrinth, in dem der hässliche Kapitalist der Minotaurus ist. Rechts war die schmale, wenig einladende Duval Street, die leider einem Gebäudekomplex weichen musste. Früher hieß sie Dorset Street, und Detektivsergeant Leeson schrieb 1934 in seinen Memoiren LOST LONDON: “Es bleibt offen, ob die Dorset Street oder der Ratcliffe Highway die Ehre für sich in Anspruch nehmen konnte, die schlimmste Verbrecherstraße Londons zu sein. So mancher Konstabler, der einen fliehenden Verbrecher verfolgte, gab die Jagd auf, wenn sich der Missetäter in den Schutz der Dorset Street begab.”

In der schmalen Passage Miller’s Court,kurz bevor die Duval Street in die Crispin Street mündete, metzelte Jack the Ripper Mary Jane Kelly nieder. Die alte Kneipe Ten Bells steht noch an der Commercial Street. Hier nahm die arme Mary Kelly ihren letzten Gin, bevor sie dem Ripper begegnete. Die Gegend von Commercial Road bis Brick Lane im Osten und Whitechapel Road im Süden heißt Spitalfields. Noch bis zur Jahrhundertwende der schlimmste Slum der Welt, Ort furchtbarster Armut und schrecklichster Verbrechen. Als Charles Booth 1889 seine berühmte Armutskarte von London entwarf, zeichnete er Spitalfields schwarz, um es als “sehr arm, unterste Schicht, lasterhaft, halbverbrecherisch” zu bezeichnen. Wenn man heute die Gegend nachts durchwandert, scheint man immer noch, kaum überdeckt, den Geruch von Armut und üblen Lastern zu riechen. Als wäre Spitalfields wirklich ein verfluchter Ort. Tagsüber ist das etwas anderes. Eher, als würde man in der Kulisse eines Gangsterfilms herumwandern. Das eifrige Treiben der Textilfirmen beim Beladen der Laster hat irgendwas Illegales. Wie das Schnapsverschieben während der Prohibition.
Hergestellt werden sowohl teure Modefähnchen für die Boutiquen Europas, wie billigste No-Name- Produkte, zusammengeschustert von kleinen Firmen, die Tausende von Asiaten in schmutzigen Löchern für kargen Lohn schuften lassen. Der Einstieg ins Krays-County.
Die Winthop Street liegt hinter der Whitechapel Road. Unvorstellbar. Hier lebt niemand. Die einzige Bewegung geht von einem Bagger aus, der einen Schrottplatz umpflügt. Selbst Hausbesetzer machen einen großen Bogen um diese Ecke. Hier gibt es genug Abrissarbeiten für die nächste Generation. Früher hieß diese Gasse Buck’s Row und war eine der gemeinsten Hinterstraßen von Whitechapel. In ihr lag das berüchtigte Barbers Pferdeschlachthaus, und am 31.August 1888 fand man hier die Leiche von Mary Ann Nichols, Jack the Rippers erstes Opfer.

Zwischen Bethnal Green Road und Whitechapel Road breitet sich das ganze Spektrum des östlichen Londons aus: heruntergekommene Straßen neben gerade frisch renovierten. Und gegenüber von düsteren, in die Bahndämme gegrabenen Autowerkstätten hat ein völlig durchgeknallter Architekt eine Zeile mit modernen Einfamilienhäusern hingesetzt, die in deutschen Vororten normalerweise unweit von Einkaufszentren zu finden sind. In der nicht ganz so düsteren Cheshire Street, über die noch Pferdewagen jagen, entsteht ein riesiger, moderner Bürobau. Nichts passt hier zusammen und alles zusammen ist ein harmonisches Ganzes. In einem der Häuser hat George Cornell 1962 angeblich den Gangster Ginger Marks erschossen. Jedenfalls hat er das mal Ronnie erzählt, und Ginger Marks wurde auch nie wieder gesehen. Man steht davor und kann nicht einmal das Dezennium erkennen, in dem diese Straßen entstanden. Kein Problem, hier einen Film über Jahrhundertwende oder einen Gangsterfilm aus den 3oer- oder 50er Jahren zu drehen.
Kurz vor der Ecke zur Tapp-Streit hat man den Randstreifen mit Parkuhren bestückt. Vielleicht wurden sie vom Jugendamt als Trainingsgerät für die Streetfighter aufgestellt. Bevor es ans Renovieren geht, hat man jedenfalls schon mal die künftigen Parkplätze geregelt. Wie sagte mir Gavin Lyall? “Überall nur Stückwerk. Da wird ein bisschen was gebaut und dort ein bisschen was renoviert. Aber es gibt keinen umfassenden Sanierungsplan.” Gut so, mir gefällts. Wenn jemals deutsche Stadtplaner aufs Eastend losgelassen werden, sollten die Londoner gleich hinter Moorgate Pallisaden errichten. Endlich bin ich in der Tapp Street. Der legendäre Lion-Pub steht noch. Unverändert, direkt vor einer Bahnunterführung. Das war einer der großen Treffpunkte der Firma. In ihm verkehrten die Zwillinge seit frühester Jugend hingegangen. Am 9.März 1966 fuhr Ronnie in Begleitung der beiden Schotten Ian Barrie und John Dickson kurz nach acht von hier aus zum Blind Beggar, erschoss George Cornell und kam zurück, um zum gemütlichen Teil des Abends überzugehen. Reggie hatte mit ein paar anderen Firmenmitgliedern gesoffen, ohne zu ahnen, was Brüderchen eben erledigen ging. Der Lion ist noch immer ein typischer Pub für die Anwohner. Ein kleiner Laden, der sich in den letzten Jahrzehnten nicht sehr verändert haben dürfte. An den Wänden Tapeten mit schwarzen Palmenblättern auf gelben Hintergrund. Ein altersschwacher Schäferhund sieht voller Milde und Weisheit den Stammgästen zu. Der Tresen scheint neu, irgendein Hartplastik das an Marmor erinnern soll. Ungewöhnlich, aber nicht störend. Genau die richtige Höhe. Was für Profis – nicht irgendwelcher neumodischer Firlefanz. Der alte Wirt gibt mir mein Ruddles Best Bitter und kümmert sich um die beiden Stammgäste an der rechten Seite des hufeisenförmigen Schanktisches. An der linken Seite streitet sich ein Inder mit seiner englischen Freundin und gießt Gin Tonic in sich rein. Reggies Lieblingsgetränk. Typischer 6oer Drink. Darf man heute eigentlich nur noch auf Borneo trinken, an einem wirklich schwülen Sommerabend. Oder wenn man als Inder krach mit seiner englischen Freundin hat. Furchtbares Gesöff, sollte aus ästhetischen Gründen längst verboten sein. Dazu jault Johnny Cash ununterbrochen frühe Songs über Bahnarbeiter, Landstreicher und wie es immer die Besten als erste erwischt. Das Ruddles kommt gut. Ich kann mich unschwer zwanzig Jahre zurückversetzen. Arbeiter am Tresen, die sich hier von Job und Familie erholen. Lachen, Billardspiele und der Zigarettenqualm hängt so tief, dass man kaum noch die Pints erkennen kann. Dann kommen Reg & Ron mit ihren Jungs durch die Schwingtüren. Großes Hallo. Zwei aus der Nachbarschaft, die es zu etwas gebracht haben. Die weder Familie noch ihre alten Freunde verleugnen und den arroganten Westendern die Kohle aus der Tasche ziehen. Gangster? Bei mir ist nichts zu holen. Harte Jungs, aber okay. Lokalrunden, und für ein paar zugeschüttete Stunden existiert nichts anderes im Universum. Jack London nannte die Kneipen die Klubs des kleinen Mannes. Wo sollte das mehr Berechtigung haben als in London, wo die vornehmen Westendklubs Jahresbeiträge kassieren, die für die Gäste des Lion einem Jahresverdienst gleichkommen.

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