Machen wir uns nichts vor: Die deutsche Comic-Tradition ist erbärmlich. Natürlich gab es in den 1950ern und 60ern ein paar interessante deutsche Comic-Macher – allen voran Wäscher, der das serielle cliff-hanger-Erzählen romanischer Vorbilder nutzte und damit beeindruckte. Aber die Verlage versagten bis auf wenige Ausnahmen alle, wenn es darum ging eine echte Comic-Kultur aufzubauen. Bis in die 1970er behandelten sie die Comic-Leser wie grenzdebile Kinder, denen man das Taschengeld abnehmen wollte. Erst in den 1980ern änderte sich das durch die Einführung er längst überfälligen franko-belgischen Alben-Kultur. Leider waren aber auch die Comics museal geworden und taugten nicht mehr als Massenmedium. Von nun an galt es eine klar umrissene Zielgruppe abzumelken. Richtig große Erfolge jenseits von dem inzwischen unleserlichen ASTERIX brachten nur noch Mangas, die so etwas wie Nachwuchsleser für das Medium rekrutierten. Mit vermeintlichen high-brow-Themen, als Graphic Novels verscherbelt, die sich an ein vermeintlich intellektuelles Publikum wandten und es schon mal in die KULTURZEIT schafften, bestätigte man den Comic als Minderheitsmedium für Spezialisten. Also haben es die Verlage nicht ganz leicht. Manche Comics schaffen Auflagen für die mal der Fotokopierer erfunden wurde. Um Interesse zu wecken, veranstalten die Comic-herausgeber nun schon zum 3.Mal den Comic-Gratis-Tag: Am Samstag den 12.Mai.
Flip Kolek, der die Pressearbeit dafür macht, kündigt an:
“Comic-Event, bei dem im Comic- und Buchhandel speziell für den Tag
gedruckte Comic-Hefte (30 verschiedene, Auflage insgesamt 300.000 Stück) verschenkt. Die Bandbreite der Themen ist dabei so vielfältig wie der Comic-Marktselbst, von bekannten Kids-Stoffen wie Disney-Titeln und den SIMPSONS,
über Superhelden- und Abenteuer-Stoffen für Teens hin zu erwachsenen Themen
und Graphic-Novel-Stoffen. Ebenso groß ist die Bandbreite der teilnehmenden
Verlage, von Großverlagen wie Carlsen, Ehapa und Panini bis zum
Einmann-Independent-Labeln ist jeder Akteur der deutschen Comicszene vertreten. Ander Aktion nehmen über 180 Händler in Deutschland, Österreich und der
Schweiz teil, die neben dem eigentlichen Verschenken oftmals ein buntes
Rahmenprogramm mit Signierstunden, Ausstellungen, Lesungen, Konzerten, etc.
anbieten.![Schreiber&Leser-GCT-2012-Co[1]](https://martincompart.files.wordpress.com/2012/05/schreiberleser-gct-2012-co1.jpg?w=210&h=300)
Das Ziel des Gratis-Comic-Tags ist es, den Deutschen das Potential und die
Vielfalt des Mediums Comic, das hierzulande im Gegensatz zu anderen
Ländern wie Frankreich oft unterschätzt und belächelt wird, zu demonstrieren
und neue Gesichter in Comic- und Buchhandlungen zu locken. Comics sind schon
lange erwachsen, subversiv, intelligent und ambivalent, und es wird Zeit,
dass das auch die breite deutsche Öffentlichkeit entdeckt. An der Aktion
nehmen über 180 Händler in Deutschland, Österreich und der Schweiz teil,
die neben dem eigentlichen Verschenken oftmals ein buntes Rahmenprogramm
mit Signierstunden, Ausstellungen, Lesungen, Konzerten, etc. anbieten.
Hier findest du eine genaue Auflistung aller Titel, teilnehmender Verlage
und Locations:
http://www.gratiscomictag.de/”
Natürlich werde ich das schamlos ausnutzen und u.a. die Noir-period pieces COSA NOSTRA – DIE SCHWARZE HAND und FRÄULEIB RÜHR-MICH-NICHT-AN einsacken. Man wäre ja dämlich, wenn man diese Chance nicht wahrnimmt. Außerdem gibt es bestimmt Gelegenheiten mit Gleichgesinnten ein Bier zu zischen und über Superhelden abzuledern!
See you.
Einsortiert unter: Comics, Drehbuch, La Femme Nikita, TV, TV-Serien | Schlagwörter: comics, Drehbuchautoren, Human Target
Wenn man die ersten Folgen der neuen Action-Serie HUMAN TARGET gesehen hat, bestätigt sich, was andere US- und GB-Serien schon bewiesen haben: In Deutschland ist die Zeit stehen geblieben. Zumindest auf dem Lerchenberg und den Räumen deutscher Produktionsfirmen. Kein gegängelter deutscher Drehbuchautor hätte solche Lines, mythisch anmutende Charaktere, Plot-und Subplotwendungen auch nur im Ansatz hingekriegt. Deutsche Regisseure hätten aus dem US-Drehbuch mindestens einen Dreistünder machen MÜSSEN, da sie nie Timing gelernt haben. Und das deutsche Action-TV-Aushängeschild COBRA 11 wirkt im Vergleich mit HUMAN TARGET so antiquiert wie die Keystone Cops.
Perfekt nutzen die Macher die Möglichkeiten des nicht linearen Erzählens, wie es zuvor schon effektiv bei HUSTLE eingesetzt wurde (momentan scheinen die meisten Innovationen aus Großbritannien zu kommen – siehe auch SPOOKS oder LITTLE BRITAIN). Produziert wird sie in Vancouver (seit der gerade verstorbene Stephen J.Cannell die Stadt für WISEGUY entdeckte und sie beispielsweise Joel Surnow für LA FEMME NIKITA nutzte, gilt Vancouver dank günstiger Gewerkschaftsbedingungen als Mekka für Action-Serien). Und jede Folge hat tatsächlich den look eines Bruce Willis-Kinofilm. Action-Kino für Arme ist das nicht. Und die tollen Bücher sorgen dafür, dass alles was momentan in den verseuchten Cinemaxen vor einem debilen Publikum abgespielt wird, dagegen alt aussieht. Noch älter sehen natürlich deutsche Gähnserien aus. Klaus Bassiners Lerchenberger Geronten-Sokos verstehen sich natürlich nicht als Action-TV sondern als homöopathisches Sedativ. Aber der ganze Mist der unfähigen RTL-Tante Anke Schäferkordt stinkt jetzt wieder mächtig ab. Ob sogenannte „Eventfilme“, die scheinbar in einem Legoland gedreht werden, oder LASKO und die vielen vergessenen Flop-Serien, die US-Konzepte grottig kopierten, – so was kann man wohl nur noch für kleines Geld in deutsche Urlaubsgebiete an der
Schwarzmeerküste verscherbeln. Im Gegensatz dazu zeigt HUMAN TARGET, wie man Massen taugliches Action-Format macht ohne die Intelligenz zu beleidigen. Aber auch dieses Highlight wird Tante Anke nicht davon abhalten wieder los zu brausen zu neuerlichen, noch finsteren Tiefpunkten derber Unterhaltung. Immer SAT 1 und pro/ im Rückspiegel.
Die Kunst bei solchen Action-Serien ist die Gradwanderung zwischen Leichtigkeit, Augen zwinkernder Selbstironie und Suspense gepaart mit der Glaubwürdigkeit von Hero-Comic-Charakteren, die in ihrem Kosmos vollkommen glaubwürdig agieren und in ihm dreidimensional wirken. HUMAN TARGET macht das perfekt. Ein absoluter Quantensprung seit dem MILLION DOLLAR MAN oder dem A-Team.
TARGET funktioniert auf allen Ebenen und spricht alle Bildungsschichten an. Ein Zeichen wahrer Industriekunst, also mehr als nur gutes Handwerk! Neben der Action ist die Interaktion zwischen den drei Hauptfiguren ein besonderer Reiz der Serie. Mark Valley drückte das ebenso kryptisch wie nett aus: “Wenn Chance ein ehemaliger Junkie oder Alkoholiker wäre, dann ist Winston eher sowas wie sein Helfer während Jackie sein Ex-Dealer ist.”
Die Serie beginnt klassisch in Episodenform. Ab der Folge SANCTUARY steigt sie intensiver in die Personen und ihre Hintergründe ein und baut behutsam ihre eigene Mythologie. Hinweise und Andeutungen werden geschickt in die einzelnen Folgen eingebaut, die beim großen Finale erst ihren Sinn bekommen. Da erfahren wir dann die “großen” Geheimnisse hinter dem Mann, der sich Christopher Chance nennt. Die Season endet mit einem cliffhanger, da man die Verlängerung durch FOX wohl in der Tasche hatte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es in der zweiten Staffel zu einem noch stärkeren Mix aus episodischen- und seriellem Erzählen kommt. Wie gut das funktionieren kann, haben bereits LA FEMME NIKITA oder X-FILES bewiesen. Aber wer weiß? Vielleicht bauen die Produzenten auch stärker auf das rein serielle Erzählen. Denn das hat momentan den größten Zuspruch des Publikums; abgesehen mal von police procedurals wie CSI. Mich würde es nicht wundern, wenn sich TARGET zur nächsten großen Kult-Serie entwickelt. Das Ende von 24 und dem J.J.Abrams-Zeugs hinterlassen ein Vakuum. Die erste Season ist dann nichts anderes als eine äußerst ausführliche Exposition.
Christopher Chance erblickte das Licht der Comic Book-Welt 1958 in GANG BUSTER No.61. Er wäre ein längst vergessener One Shot, hätten ihn micht Len Wein und Carmine Infantino 1972 neu belebt. In den frühen 1970ern diente er als Füllserie für Superman in der ACTION COMIC-Reihe. In der zweiten Hälfte des Jahrzehnt wechselte er als Füllmaterial zu Batman in DETECTIVE COMICS. Zu seinen Zeichnern zählten immerhin Stars wie Neal Adams und Howard Chaykin!
1990 wurde er für sieben Folgen auf den Bildschirm gezerrt, gespielt von Rick Springfield. Das Gute an der erfolglosen Serie war, dass sich DC wieder an Chance erinnerte und Pete Milligan ein neue Interpretation für Erwachsene ermöglichte. Mit den Zeichnern Edvin Biukovic, Cliff Chiang und Javier Pulido legte er für DCs VERTIGO-Line 1999 eine beeindruckende Mini-Serie und 2003 eine Graphic Novel vor; und von 2003 bis 2005 gab es dann eine monatliche Heftserie in 21 Comic Books. Markanter Unterschied zur neuen TV-Serie: In den Comics nimmt Chance die Identität des Klienten an, währen er im TV eher als HUMAN SHIELD agiert, Die TV-Serie wurde von Jonathan E.Steinberg entwickelt. Er hatte zuvor als Autor, story editor und Produzent an JERICHO gearbeitet; die Serie bezeichnet er als „very good boot camp“. Der Grund für den Konzeptwechsel des Comics ist eine medienspezifische Vorgabe: so kann man prominente Gaststars in jede Folge einbauen:
„ This was a property that had been in development both for TV and the movies for a while, and I think for good reason. It’s a very enticing idea – a guy who is always looking to or is willing to become you and get into the trouble that you made for yourself, and I think everybody had tried to figure out a way to make it work. It was pitched to me as something that Peter Johnson and
Warner Bros. were looking to do…It’s fun and allows you to play with identity in a cool way, but as soon as it becomes flesh and blood, it’s a strange credibility that is detrimental to the story. That was one of the earlier obstacles with us, how do we make it real? If there was a guy who did this job, how would he do it? He probably wouldn’t do it by putting on a rubber mask.
So I think that was the beginning of it. After that it became clear to us that we wanted to create an action hero that was like the action heroes that I grew up with, the Indiana Joneses. The John McClanes. It’s very hard to fall in love with Indiana Jones when he looks like somebody else every week.“
Nach der ersten Season mit 12 Folgen ist eine zweite mit über zwanzig Folgen in der Produktion. Obwohl die Zuschauerzahlen bei FOX eher mittelmäßig waren: Von Anfangs ca.10 Millionen sank sie auf 7,5 Millionen. Zum Glück für HUMAN TARGET hat Fox aber nicht mehr 24 am Start (endete mit der 8.Season) und braucht einen zumindest ähnlichen Ersatz im Genre. In der 2.Season bekommen die drei von der Rettungsstelle einen weiblichen Boss. Der neue Showrunner Matt Miller lüftete die Hintergründe: Die Milliardärin Ilsa, gespielt von Indira Varma (Rom, Torchwood) kauft die Agentur, die permanent in finanzielle Schwierigkeiten steckt und wird ihr Chef. Natürlich – wie es sich nach Genrekonventionen gehört – ist sie von Chance völlig unbeeindruckt und aus der Situation wird sicher Knistern und Spannung destiliert. Chi McBride alias Winston: “Wir sind wie eine dysfunktionale Familie. Wir streiten uns, aber wenn es darauf ankommt, halten wir zusammen.” Ein Konzept, dass seit Jahrzehnten funktioniert: Streitende Ritter, die von ihrer Burg zu einer Quest aufbrechen um das Böse zu bekämpfen. Matt Miller: “In der 2.Season legen wir Wert darauf, dass man neben der Haupthandlung auch in jeder Folge etwas neues über einen der Protagonisten erfährt.” Miller spielt einen hohen Ball wenn er HUMAN TARGET mit den Büchern von Elmore Leonard vergleicht: “Durchaus, was Witz, Charakterisierung und Stimmung angeht. Guerrero ist ein Typ, der direkt einem Leonard-Roman entstiegen sein könnte.” Man denkt auch daran, künftig Autoren des Comics für Drehbücher zu verpflichten.
Neben der guten Story-Struktur und dem perfekten Szenenaufbau gelingt es den Autoren mit den Schauspielern in der kürzesten Zeit alle Figuren individuell und zumeist auch originell zu charakterisieren. Das heißt: auch die Dialoge sind genau das Gegenteil vom sinnlosen Gestammel in deutschen Crime-Serien. Großartige Lines kriegt natürlich Mark Valley, die Christopher Chance als witzigen und ultracoolen Charakter unterstreichen:
Chance: Ich muss das brennende Flugzeug auf den Rücken legen um den Brandherd auszublasen.
Stewardess: Haben Sie so was schon gemacht?
Chance: Häufig In allen Möglichkeiten.
Stewardess: Wann und wo?
Chance: In einem Simulator.
Stewardess: Oh, nein.
Chance: Es war ein sehr guter Simulator.
Chance dreht das Flugzeug was zur Folge hat, dass die Instrumente nicht mehr funktionieren und er es nicht mehr kontrollieren kann.
Stewardess: Was bedeutet das?
Chance: Technisch gesehen: Das Flugzeug ist kaputt.
Man muss Mark Valley dabei sehen. Der Golfkriegveteran (des 2. Golfkriegs 1991; der 1.fand zwischen Irak und Iran statt) hat das Charisma um diese Comicfigur im allerbesten Sinn glaubwürdig rüber zu bringen. Wäre die Hauptrolle schlecht gecastet, hätte die Serie trotz guter Bücher riesige Probleme.
Das einzige Ärgernis ist, dass man HUMAN TARGET montags auf pro7 mit Werbeunterbrechungen sehen muss. Wer das nicht will, muss auf die Box warten oder sich im Internet die amerikanischen Folgen zusammen suchen.

Zu Gast auf einem Comic Con:
Einsortiert unter: Bücher, Politik & Geschichte, Porträt, Rolling Stones | Schlagwörter: comics, Rolling Stones
Dieser Auszug stammt aus meinem Buch 2000 LIGHT YEARS FROM HOME – Eine Zeitreise mit den Rolling Stones. Eine erste Fassung wurde 2004 im Verlag Robsie Richter veröffentlicht und ist vergriffen. Die überarbeitete Neuauflage ist Bestandteil meines Buches 2000 LIGHTYEARS FROM HOME – STONES,FAUSER & ANDERE VERBRECHEN. Essays zur populären Kultur.
1. DIE 60er JAHRE oder BEI ADOLF HÄTTE ES DAS NICHT GEGEBEN!
Wie war das noch mit den Fifties?
Mandolinen im Mondenschein, fette Wirtschaftsbosse im Daimler, die nur kurz innehielten, um ihre eigene Tüchtigkeit zu bewundern, Halbpension in Rimini, singende Seemannsschwuchteln, Conny packte Peters vollgewichste Badehose ein, Streifenpolizisten wie bewaffnete Briefträger, alte Nazis, die den Krieg nicht wirklich verloren hatten und für die ein Käseigel der Gipfel des Hedonismus war. Amoralische Spießer krochen aus den Bombenlöchern, um das Wirtschaftswunder zu erfinden. Hoffnung gab nur die atomare Bedrohung. Blue Jeans und Lederjacken waren Werkzeuge des Teufels, und Rock’n’ Roll war seine Musik. Das Land gehörte weiterhin den Kreaturen, die die Barbarei wissenschaftlich gemacht hatten. Die Bundesrepublik war nicht die Nachfolgerin der Weimarer, sondern der Friedhof des 3.Reichs, auf dem die Zombies tanzten.
In den Staaten hatte 1956 der Reverend John Carroll von der Erzdiözese Boston früh und weitsichtig erkannt, welche Gefahren von dieser Stimmungsmusik um Radkappen zu stehlen ausgeht: „Der Rock´n´Roll entflammt und erregt die Jugend wie Dschungeltrommeln, die Krieger zum Kampf aufrufen und vorbereiten. Ein falsches Wort, ein Missverständnis, und alles geht in Flammen auf. Die zweideutigen Texte dieser Musik sind Angelegenheit der Gerichte und der Polizei.“ Viele Bibel feste Amerikaner standen ihm zur Seite. Aufrechten Amerikaner wie Disc-Jockey Dick Whittingill vom Los Angeleser Sender KSFR (Ich wurde meine Sucht nach Junk-Musik los, indem ich KSFR zuhörte.) hinter sich: „Nein, ich werde WHITE CHRISTMAS von Elvis nicht spielen. Das wäre, als überreichte Tempest Storm meinen Kindern die Weihnachtsgeschenke.“ Man wurde in der Not als Jugendlicher nicht alleine gelassen. Man bekam wertvolle Tipps. Etwa in CONTACTS, der Zeitung des Catholic Youth Center: „Vernichte die Platten, die du besitzt, wenn sie heidnische Kultur und heidnische Lebensweise repräsentieren. Überprüfe vorher, welche Platten bei einer Hausparty oder einem Schulfest gespielt werden sollen… Rufe einen DJ an oder schreibe ihm, wenn er lausige Platten vorstellt. Schalte dein Radio aus oder suche eine andere Station, wenn du anzügliche Songtexte hörst.“ Aber irgendwie kriegten sie es nicht hin, dass Elvis annulliert wurde. Stattdessen löste sich der Respekt der Jugendlichen vor den Weltkriegsveteranen in der Säure des Rock´n´Roll auf. Im selben Jahr meinte Mitch Miller: „Es gibt keine Platte, die einem Kind mehr zufügen kann, als dessen Elternhaus schon getan hat.“ Was für ein dreckiger Roter!
Dann begannen die Sixties: Der Rock’n’ Roll war nicht ganz tot, aber sauber kastriert. Legionen von Rickys, Johnnys und Frankies belagerten die Hit-Paraden und sangen saubere Lieder für saubere Teenager mit sauberen Tampons. Es war das Niemandsland zwischen Elvis und den Beatles, das Schwarze Loch der Pop-Musik (das in dieser Zeit eine Menge hervorragende Musik gemacht wurde, gehört nicht hierher). Die letzte Rebellion war gezähmt und die nächste noch nicht in Sicht, die 50er noch nicht zu Ende und die 60er noch nicht gestartet. Fröhlichkeit und Langeweile warfen bleiche Schatten. Picknicks, Autokinos, Milchbars, Dates, Kirmes, Telefonorgien. Keine Trendgurus, keine Rock-Lexika, keine Fachleute, die einem halfen, die Vergangenheit zu interpretieren, die Gegenwart zu reflektieren oder die Zukunft des Pop zu prognostizieren. Es gab nicht mal Pop-Radio. Der endlos lange cruel summer der Teenager. Politisches Vakuum. Das große Nichts…
“Rock’n'Roll erwischte England wie die Bombe von Hiroshima”, sagte Keith. Dann kamen die Beatles und Europas Teenager begannen durchzudrehen; 1963. 1964 kehrte der Rock in die USA zurück mit der großen British Invasion: Alle englischen Bands wurden von Bomber Harris in ein Flugzeug in die Staaten gesetzt und zerbombten die US-Hitparaden. Mit Gitarren wie Kalaschnikovs schossen die Brit-Bands den Frankies & Rickys die Eier weg. Die Kulturrevolution trat in die entscheidende Phase.
.All der Hass auf die Welt und ihren Nachwuchs ergoss sich nun über die Rolling Stones, die noch schmutziger als ein Stripklub waren. EVENING STANDARD vom 21.3.64: “Sie haben in der Musikszene Schreckliches angerichtet; sie haben sie an die acht Jahre zurückgeworfen. Als wir unsere Popsänger gerade soweit hatten, dass sie alle sauber, ordentlich und nett aussahen, da kamen die Stones daher und sahen aus wie Beatniks. Sie haben das Image der Popsänger der sechziger Jahre ruiniert.” Und zur ersten Australien-Tournee stellte der SYDNEY MORNING HERALD fest: “Ein unverhohlen sexueller Akt, auf den die keuschen Beatles unsere zarten Teenager nicht vorbereitet hatten.”
Die fett gewordenen Weltkriegsveteranen und Wirtschaftswunderspießer wussten genau, wie man mit solchen Burschen verfahren musste: Erst mit dem Schlauch abspritzen und dann erschießen. Liberalere Geister erwogen noch Arbeitsdienst oder ein paar Monate in einem gut geführten KZ. Sie hatten es aber auch verdammt schwer. Erst mal kam diese verdammte Anti-Babypille, die Frauen angstfreien Sex garantierte. „Die Pille verautomatisiert die Liebe und versaut die Moral.“ Unterstützt wurde diese Schweinerei noch durch die Mode. „Die Mini-Mode ist so aufreizend, dadurch kommen so viele Sexualverbrechen.“ Gut erzogene Frauen waren ebenfalls nicht begeistert und verstanden die Qualen ihrer rotgesichtigen Ehemänner: „Manche haben nur ein paar Fetzen dran, da kann man den ganzen Hintern sehen. Und da sollen die Männer nicht verrückt werden?“
Die Stones waren fast so schlimm wie Pille und Minirock („Denen verdanken wir das doch! Das ging los mit langen Haaren und Affenmusike.“).
Außerdem hörte, sah und las man, was bei den Konzerten dieser Beknackten (“Die nennen das Konzert!”) so abging:
“Die spastischen Bewegungen des Bruders, Märtyrers und Gottes auf der Bühne pflanzen sich wie eine Welle durch die Bankreihen des Saales fort. Immer zwingender wird der Rhythmus, immer hektischer werden die Bewegungen im Saal. Hier und da springen die Burschen auf, reißen sich die Hemden vom Körper; ihre stumpfen Augen lassen nicht erkennen, ob sie die Umwelt noch wahrnehmen, nur der Über-Rhythmus scheint sie noch voranzutreiben. Man hat das Gefühl, als ob man den Riten irgendeines obskuren Stammes von Wilden beiwohnt, dessen Kommunikationsmittel einem unbegreiflich bleiben. Ein erwachsener Mensch kann sich regelrecht fürchten. Zu recht forderten Würdenträger der römisch-katholischen Kirche den Boykott der `beleidigenden Musik’. In den Straßen geht der Veitstanz weiter. Erst kurz vor Mitternacht sind die letzten grölenden Gruppen verstreut.”
Jugendliche brüllten auf Stones-Konzerten wie Bauerntölpel, deren Gehänge sich im Stacheldraht verfangen haben.
Jetzt begann ich, was in der Familie hysterische Weinkrämpfe und Exekutionsdrohungen auslöste (“Du wirst von der Schule genommen und gehst zur Müllabfuhr.”), BRAVO zu lesen. Damals ein wirklich obszönes Blatt, das Marie Versini oder Elke Sommer im Bikini zeigte und schamlos über erste Zungenküsse berichtete (“Kriege ich jetzt ein Kind?”). Ich konnte mich gerade noch damit rausreden, dass ich den Pierre-Brice-Starschnitt sammelte und wegen Winnetou und Old Shatterhand dieses sittlich desorientierende Magazin in die Hand nähme. Mit einer Erinnerung von Pierre Brice über seine Zeit in Indochina im Kampf gegen die Viets konnte man sogar bei den männlichen Autoritäten milde Hoffnung erwecken (“Steht nicht nur Mist drin.”). DER LANDSER hatte eben keinen Winnetou-Starschnitt. Natürlich war die BRAVO längst auf die üblich anscheißerische und abwiegelnde Art auf den Zug aufgesprungen und berichtete – anfangs durchaus verdattert – über Jagger & Co: “Sie haben die längsten Haare und den härtesten Beat.” Gut waren immer die Prognosen: “Rolling Stones verspielen Weltkarriere. Bald will sie keiner mehr hören.” Über die KINKS textete BRAVO mal: “Für viele sind sie hinter BEATLES und ROLLING STONES schon die große Nummer Drei!” Aber der Abschuss war ein Interview mit Brian Jones in LUPO MODERN:
FRAGE: Wer sind die besten Sänger?
JONES: Ganz klar die Italiener. Denen liegt das Singen so im Blut wie uns Engländern das gute Benehmen.
Neben Berichten über Beat-Musik und wie der alte Pierre im Dschungel von Asien aufgeräumt hatte, gab es zum Glück in BRAVO noch genug anderen Mist, auf den man sich rausreden konnte: Jeden Tag übt Hugh O’Brian (Wyatt Earp) vor dem Spiegel das schnelle Ziehen. Da lernte man was fürs Leben.
In der Penne tobte indes das vereinigte Lehrerkollegium gegen Beat-Musik (“Macht aggressiv, taub und verblödet.”) und Comics (“Machen aggressiv, blind und verblöden.”) – Stichwort Tornisterkontrolle. Samstags dann Bücherverbrennung, wo man einen Schwung edler Wäscher-Comics gegen ein pädagogisch wertvolles Jugendbuch eintauschen konnte. Zum Beispiel H.V.Pahlen: DER PAVIANEXPRESS mit den schönen Zeilen: Wenn der Neger erstmal das Morden anfängt, hört er so schnell nicht auf. Dann konnte man zusehen, wie ein Berg voller Comics (wo bekamen die die Hefte bloß immer her? Ich kannte keinen, der seine AKIMs abgegeben hätte) in Flammen aufging. Jeder Generation ihre Bücherverbrennung. Manchmal versuchte man sogar ein Himmelfahrtskommando, auf das Skorzeny oder Sepp Dietrich stolz gewesen wären: Man robbte sich an den Scheiterhaufen, um ein paar (fehlende) Hefte zu klauen. Erwischten sie einen, wurde man mitverbrannt.
Bevor der ganze 68er-Terror losbrach, hatten sich die Stones erstmal ihren Ritterschlag zum Bürgerschreck Nr.1 geholt: Sie wurden vor Gericht gestellt und mussten ein paar Tage in den Knast, weil man sie mit Dope erwischt hatte – Jagger, Richards und Jones. Die Nummer auf Keith Richards Landsitz mit dem mythischen Marsriegel. In jeder guten Stones-Biographie ausführlich nachzulesen. Man hatte die Party erst gesprengt, als sich die anwesenden Beatles verdrückt hatten. „Weißt du, das ist der Unterschied zwischen den Beatles und den Rolling Stones: Die Stones werden verhaftet, wenn die Beatles gegangen sind“, brachte es George Harrison auf den Punkt. Im Gefängnis von Brixton schrieb Jagger 2000 LIGHT YEARS FROM HOME. Kein Trost, aber immerhin war er hinter Gittern. Das ließ die Spießer frohlocken: “Dann ist der Spuk ja bald vorbei. Gibt es in England noch die Todesstrafe? Hoffentlich kriegen sie lebenslänglich.” Aber auch Verzweiflung: “Nicht nur diese Haare und diese scheußliche Musik, sie nehmen auch Drogen. Sie sind Vorbilder und hauen sich die Hucke voll mit Drogen! Kein Wunder, dass sie auf ihren Instrumenten nicht richtig spielen. Jetzt gehören sie aber wirklich eingesperrt. Nur zu ihrem Besten. Damit sie zur Vernunft kommen.” Mütter weinten um ihre Kinder, die in kurzer Zeit im Straßengraben enden würden (dann doch lieber zur Müllabfuhr). Verzweifelte Spießer entrollten in Berlin auf einer riesigen Anti-Studentenunruhen-Demonstration ein Plakat mit ihrem epochalen Statement: WIR WOLLEN UNSERE RUHE HABEN! Wie war es im Knast, Keith? “Mir sagt weder die Unterbringung noch die Mode auch nur im Geringsten zu. Ich mag etwas mehr Platz und eine separate Toilette; ich hasse es, wenn man mich aufweckt. Gefängnis bringt’s einfach nicht.”
Also ging wieder die Kontrolle los. Statt nach TIBOR oder NICK wurde nach Drogen gefahndet. “Was hast du da in der Tasche? Ach, nur Silberpapier vom Kaugummi. Zeig die Pupillen!” Die waren immer zu groß oder zu klein.
NEUE REVUE, BILD und QUICK bildeten die alte Generation zu Haschhunden und Experten für freie Liebe aus (Komische Gerüche im Kinderzimmer?).
’67 dann der nächste Raubzug durch das Wirtschaftswunderland. Wieder begleitet von großartigem Journalismus! ACHIMER KREISBLATT: “Die neueste, fast tragisch-komische Offenbarung der Rolling Stones auf die Frage, was sie nach dem Ende des Beat-Booms zu tun gedächten: `Wir werden alle wieder Diebe’.” BRAVO: “Den Rolling Stones kann keiner helfen. Ist ihre Zukunft im Qualm der Marihuana-Zigaretten aufgegangen?” WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU: “Sie sehen allesamt aus wie Frankensteins kleine Brüder. Es sind keine Jungen, denen Mütter ihre Töchter anvertrauen möchten. Ungeniert tragen sie ihre Wünsche vor: Let’s spend the night together.”
Und nun setzte sich auch noch die Langspielplatte durch. Keine Singles mehr, deren Schrecken nach vier Minuten erledigt war. Jetzt musste man eine ganze halbe Stunde oder länger das Gedröhn in verschiedenen Variationen hören. Der Erfolg der LP basierte in erster Linie darauf, dass man nicht mehr dauernd neue Platten auflegen musste, wenn man bekifft in der Ecke lag.
…
Einsortiert unter: Bücher, Evolver, Fragebogen, Interview, Noir | Schlagwörter: comics, Evolver, Fragebogen, Peter Hiess
r.evolver ist Autor – sein Debüt “The Nazi Island Mystery” wurde als erster
deutschsprachiger Internet-Fortsetzungsroman überhaupt ab 1999 in der
Netzzeitschrift EVOLVER (http://www.evolver.at) veröffentlicht. Für den
EVOLVER kuratierte der Experte für historische Abseitiigkeiten auch das
legendäre “Trash-Museum”, das aus Mangel an öffentlichen Subventionen leider
geschlossen werden mußte.
“The Nazi Island Mystery” (Untertitel: “Ein Fall für Kay Blanchard”) lebt
jedoch weiter – als erstes Buch des neugegründeten Independent-Verlags
EVOLVER BOOKS (http://www.evolver-books.at), der den Pulp wieder in die
Fiction zurückbringen will. Fans der britischen Sex & Drugs &
Rock¹n’Roll-Superagentin Kay dürfen in den kommenden Jahren mit Sequels und
Prequels ihrer lasziv-brutalen Abenteuer rechnen.
r.evolvers Astralzwilling in der realen Welt heißt übrigens Robert Draxler.
Er ist gelernter Schauspieler, gewesener Rock´n´Roll-Musiker, fürsorglicher
Familienvater, geprüfter Lehrlingsausbildner, Mitgründer des Verlags EVOLVER
BOOKS und ein liebenwerter Mensch. Mehr kann man nicht verlangen.
- Peter Hiess
Es ist doch erstaunlich, was junge Menschen heute so alles können“, muss sich der junge Robert gesagt haben, als er den ersten deutschen Netzroman verfasste, der nun endlich auch in überarbeiteter Form in einer von Peter Hiess liebevoll edierten Ausgabe vorliegt. THE NAZI ISLAND MYSTERY ist ein gutes Gegengift, falls man versehentlich einen Skandinavier-Krimi in den Händen hatte. Wahrscheinlich das konsequenteste Stück Anarcho-Thriller in diesem Jahr. Als hätten sich Hunter S.Thompson, Carter Brown und William S.Burroughs ein Drehbuch für Roger Corman ausgedacht. Höchste Zeit, dem Urheber dieser Geschmacklosigkeiten den Bünnagelschen Fragenkatalog (das Noir-Äquivalent zum Proustschen) vorzulegen. Feuer frei für R.EVOLVER:

Berufungen neben dem Schreiben?
Mediendesigner, Rock ‘n’ Roll-Musiker, Verleger, Taxifahrer, Schauspieler …
Film in Deinem Geburtsjahr?
Jerry Cotton: Dynamit in grüner Seide
Was steht im Bücherschrank?
Sämtliche EC-Comic-Serien von “Vault of Horror” über “Weird Science” bis “Tales from the Crypt”, Fummeti Neri von Dylan Dog bis Diabolik, Hard-Case-Crime, Mr. Dynamit- und Modesty Blaise-Paperbacks, unzählige Ullstein-Taschenbücher mit dem roten “K”, Hardboiled-Autoren von Chandler bis Hammett, Spionage-Zeug von Ambler bis Carré …
Was war Deine Noir-Initiation (welcher Film, welches Buch)?
Cornell Woolrich: “Die Braut trug Schwarz”
Welches Noir-Klischee ist Dir das liebste?
Femme Fatale bläst kunstvoll-sinnlich Rauchringe in Luft und wirft dabei dem männlichen Helden einen Blick zu, als wäre er eine Mischung aus Clown und Straßenköter …
Ein paar Film noir-Favoriten?
“Die Narbenhand”, “Im Zeichen des Bösen”, “Rattennest”, “Fahrstuhl zum Schafott” …
Und abgesehen von Noirs?
“The Last Man on Earth”, “Dirty Harry” (I bis III), Hitchcocks “Psycho”, die TV-Serien “The Prisoner”, “Ufo – Weltraumkommando S.H.A.D.O.”, “The Avangers”, dann: “The German Wallace Wave”, nahezu alles von Mario Bava (vor allem “Terrore nello spazio”), die Hammer-Filme und ausgewählte Werke von: Russ Meyer, Sergio Corbucci, Don Siegel, Roger Corman, John Carpenter … und natürlich Ed Wood …
Welche Film- oder Romanfigur würdest Du mit eigenen Händen umbringen?
Lisbeth Salander, stellvertretend für alle vielschichtig-krisengebeutelten Charaktäre des nordischen Kriminalromans …
Noir-Fragen – Dein Leben als Film noir
1. Im fiktiven Film noir Deines Lebens – welche Rolle wäre es für Dich?
Keine Frage, die Rolle des glücklosen, zynischen Private Eyes, das sich plötzlich mit einem Fall konfrontiert sieht, der eine Nummer zu groß ist.
2. Und der Spitzname dazu?
“Revolver” natürlich
3. Welcher lebende (oder bereits abgetretene) Schriftsteller sollte das
Drehbuch dazu schreiben?
James Ellroy
4. Berühmtestes Zitat aus dem Streifen?
Klar hab ich Feuer – Moment, es steckt in der Hose …
5. Schwarzweiß- oder Farbfilm?
Technicolor Process No. 5, was sonst?
6. Wer liefert den Soundtrack zum Film?
Link Wray
7. Welche Femme fatale dürfte Dich in den Untergang führen?
Honor Blackman
8. In welchem Fluchtwagen wärst Du unterwegs?
Dodge Viper
9. Und mit welcher Bewaffnung?
Smith & Wesson .38
10. Buch für den Knast?
Die Bibel
11. Und am Ende: Welche Inschrift würde auf dem Grabstein stehen?
Er war gut … aber sie war fies.
„
Einsortiert unter: Bob Morane, Comics, Porträt, TV-Serien | Schlagwörter: bob morane, comics
Das weltweit ehrgeizigste Unternehmen hat der Epsilon Verlag gestartet, nämlich eine chronologische Gesamtausgabe. Verleger Mark O.Fischer stellte den Editionsplan auf:
![BOMG1[1]](http://martincompart.files.wordpress.com/2010/06/bomg11.jpg?w=228&h=300)
„Diese deutsche Gesamtausgabe wird die weltweit erste chronologische Gesamtausgabe aller von Vance und Coria gezeichneten Abenteuer von BOB MORANE! Und das komplett in 18 Bänden!
Statt der chaotischen Zusammenstellung der Intégral-Bände von Dargaud zu folgen, macht Epsilon Alben mit drei Abenteuern in einem Band, die sowohl die zeichnerische als auch die inhaltliche Chronologie berücksichtigen:
(D=Dargaud L=Lombard 13=13tes Album beim jeweiligen Verlag I=Integral)
1
D12- LES CONTREBANDIERS DE L’ATOME – I01
D06- LES FILS DU DRAGON – I02
D02- OPÉRATION CHEVALIER NOIR – I01![BMG2C[1]](http://martincompart.files.wordpress.com/2010/06/bmg2c11.jpg?w=221&h=300)
2
L20- LES OTAGES DE L’OMBRE JAUNE – I10
L33- LA REVANCHE DE L’OMBRE JAUNE – I15
L34- LE CHÂTIMENT DE L’OMBRE JAUNE – I15
3
D10- LA VILLE DE NULLE PART – I04
D09- L’ARCHIPEL DE LA TERREUR – I04
D07- LES YEUX DU BROUILLARD – I01
4
L09- OPÉRATION WOLF – I07
L10- COMMANDO ÉPOUVANTE – I09
L11- LES GUERRIERS DE L’OMBRE JAUNE – I10
5
D05- LES POUPÉES DE L’OMBRE JAUNE – I02
L03- LES SEPT CROIX DE PLOMB – I06
D13- GUÉRILLA À TUMBAGA – I06
6 ![BM3C[1]](http://martincompart.files.wordpress.com/2010/06/bm3c11.jpg?w=220&h=300)
L14- LES CHASSEURS DE DINOSAURES – I11
L13- LE PRÉSIDENT NE MOURRA PAS – I10
L12- SERVICE SECRET SOUCOUPES – I09
7
D11- L’ŒIL DU SAMOURAÏ – I04
L02- PANNE SÈCHE À SÉRADO – I06
L01- LES GÉANTS DE MU – I05
8
L18- LES FOURMIS DE L’OMBRE JAUNE – I11
L16- LA GUERRE DES BALEINES – I07
L17- LE RÉVEIL DU MAMANTU – I07
9
L05- LE TEMPLE DES DINOSAURES – I05
L04- LES SORTILÈGES DE L’OMBRE JAUNE – I03
L06- LES BULLES DE L’OMBRE JAUNE – I03
10 ![BM4C[1]](http://martincompart.files.wordpress.com/2010/06/bm4c1.jpg?w=225&h=300)
L15- UNE ROSE POUR L’OMBRE JAUNE – I11
L19- LE DRAGON DES FENSTONE – I08
L21- SNAKE – I16![BMG2Seite3[1]](http://martincompart.files.wordpress.com/2010/06/bmg2seite31.jpg?w=227&h=300)
11
D08- LA PRISONNIÈRE DE L’OMBRE JAUNE – I02
L07- L’EMPREINTE DU CRAPAUD – I05
L08- L’EMPEREUR DE MACAO – I03
12
L22- LE TIGRE DES LAGUNES – I08
L23- LE TEMPLE DES CROCODILES – I14
L24- LE MASQUE DE JADE – I15
13
L25- TROIS PETITS SINGES – I09
L26- LE JADE DE SÉOUL – I12
L27- LA CITÉ DES RÊVES – I08
14
L28- L’ARBRE DE L’EDEN – I13
L29- UN PARFUM D’YLANG-YLANG – I12
L30- ALIAS M.D.O. – I12
15
L31- L’ANNEAU DE SALOMON – I13
L32- LA VALLÉE DES BRONTOSAURES – I14
L35- YANG = YIN – I14
16
L36- LE PHARAON DE VENISE – I13
L37- L’OEIL DE L’IGUANODON – I16
L38- LES DÉSERTS D’AMAZONIE – I16
17
L39- LA PANTHÈRE DES HAUTS PLATEAUX
L40- L’EXTERMINATEUR
L41- LES LARMES DU SOLEIL
18
L42- LA GUERRE DU PACIFIQUE N’AURA PAS LIEU – Tome 1
L43- LA GUERRE DU PACIFIQUE N’AURA PAS LIEU – Tome 2
L44- LES BERGES DU TEMPS
Damit die Gesamtausgabe auch ihrem Namen verdient, folgen im Anschluss alle Abenteuer, die von Attanasio, Forton und Leclercq gezeichnet wurden. Alle Bände enthalten umfangreiches und exklusives Zusatzmaterial.“
Nun lässt sich sicherlich darüber argumentieren, ob dieses inhaltlich orientierte chronologische Konzept bei Morane nötig ist. Ich kenne nicht alle Comic-Abenteuer und kann nicht beurteilen, in wir weit es Rückbezüge gibt, die durch die Romanvorlagen bedingt sind. Fischer wird sich dabei schon etwas gedacht haben. Die ersten vier Bände sind bereits erschienen und schlichtweg wunderbar! Jeder Band hat umwerfendes Zusatzmaterial zu Henri Vernes, der Morane-Rezeption und natürlich zu den Zeichnern. Vielleicht sollte man bei den Übersetzungen, besonders der Materialien, noch etwas sorgfältiger lektorieren. Aber das ist dann auch schon alles, was ich als alter Miesmacher überhaupt bemäkeln kann. Kein Fan von Abenteuer- SF- oder Fantasy-Comics kommt an dieser nahezu perfekten Ausgabe vorbei. Sie setzt Maßstäbe.
SEHT EUCH DIE FIGUREN AN! Unglaublich, was da ein Fan tolles gebastelt hat.
Einsortiert unter: Bücher, Bob Morane, Comics, Porträt, Rezensionen | Schlagwörter: bob morane, comics, henri vernes
Und wie fing alles an?
1953 startete der in Ath geborene Autor und Weltenbummler Charles Dewisme unter dem Pseudonym Henri Vernes für den belgischen Verlag Marabout die Romanserie um den Journalisten und Weltenbummler. Morane ist eine Abenteurerfigur klassischen Zuschnitts, wie sie heute nicht mehr glaubwürdig wäre. Unbeschwert tobt er durch die Welt, immer auf der Suche nach Abenteuern und um in Bedrängnis geratenen Menschen zu helfen. Als typisches Kind der 5oer Jahre ist er außerstande, die 3.Welt als etwas anderes als einen Abenteuerspielplatz zu sehen oder politische Implikationen des endenden Kolonialismus wahrzunehmen. Mit kurzen Haaren und einem gequält humorvollen Freund – ein irischer Alkoholiker – steht er anfangs immer auf Seiten der Reaktion. Später griff Vernes vor allen Dingen Themen wie Umweltschutz engagiert auf. Besonders die Vernichtung des Regenwaldes und Wilderei treiben ihn und Bob zur Weißglut. Dem Bewußtseinsstand von Vernes widerspiegelnd, veränderten sich Moranes Ansichten und Positionen, aber natürlich nicht sein fanatischer Sinn für Gerechtigkeit.
Die Romanserie wurde sofort ein gigantischer Erfolg in der Franco-belgischen Welt: bisher wurden die über 200 Romane in 14 Sprachen übersetzt mit einer Verbreitung von 3o Millionen Exemplaren. Wie sehr der Mythos in der francobelgischen Pop-Kultur verwurzelt ist, zeigt sich auch darin, dass ihm 1982 die französische Punkband Indochine einen Song gewidmet hat.![indo45[1]](http://martincompart.files.wordpress.com/2010/06/indo451.gif?w=420)
1959 begann eine ebenso erfolgreiche Vermarktung des “letzten Abenteurers” im Comic; bis heute wurde die ebenso erfolgreiche Comicversion u.a. von folgenden Zeichnern gestaltet: Dino Attanasio, Gerald Forton, William Vance und Felicisimo Coria.
Der Erfolg der Romane veranlasste den französischen.Sender “Europe 1″ Anfang der 6oer Jahre zu einer TV-Serie, die auf den kurzen Romanen basierte. Mit Claude Titre fand man einen Schauspieler, der dem Äußeren von Vernes Helden entsprach und auch großen Spaß an physischer Aktion hatte. Die für damalige Verhältnisse recht aufwendig gestaltete Serie (obwohl man nicht viel Geld hatte und das auch heute wahr nimmt) wurde an exotischen Schauplätzen gedreht und ist ein Klassiker der französischen TV-Serien. Der naive Charme der frühen 60er Jahre mit allen bedenklichen politischen Tendenzen macht heute noch einen Teil ihres Reizes aus. Auch ein paar deutsche Schauspieler waren in einigen Folgen zu sehen: Helga Kruck Reinhard Kolldehoff und Katrin Schaake. Auf Amazon.fr bekommt man mit etwas Glück die beiden DVD-Boxen mit allen 26 Folgen! Im Grunde wären Wiederholungen plus einem Themenabend (im belgischen Fernsehen sah ich vor ein paar Jahren eine tolle zweistündige Show zur Würdigung von Vernes und seiner Schöpfung) ein tolles Projekt für den Sender Arte.
Übrigens hatte es bereits 1960 einen Morane-Kinofilm gegeben: DER SPION MIT DEN 100 Gesichtern mit Jacques Santi als Morane. Einer der großen verlorenen Filme, denn er wurde nur einmal gezeigt: am 8.Januar 1961 im Scala Kino in Brüssel. Ein Brand in der Produktionsgesellschaft Belgavidéo vernichtete die – man glaubt es kaum – EINZIGE Kopie des Films. Seit 2001 tauchren immer wieder Meldungen über einen großen 30Millionen teuren Morane-Film auf, der von Christoph Gans (Pakt der Wölfe) in Burma gedreht werden sollte. Inzwischen ist wohl sicher, dass auch dieses Morane-Filmprojekt nicht zustande kommt.
1988 gewann eine kanadische Zeichentrickserie, die auch bei uns auf RTL zu sehen war, eine neue Generation für Morane, was sich hoffentlich auch auf den Absatz der Comic-Ausgabe auswirkt.
Henri Vernes
Einsortiert unter: Bob Morane, Comics, Rezensionen, TV-Serien | Schlagwörter: bob morane, comics, henri vernes
http://www.epsilongrafix.de/shop_artikel.php3
Wir haben NICHTS, was auch nur annähernd an den francobelgischen Pop-Mythos Bob Morane heran
reicht. Wie armselig ist doch der larmoyante Karl May mit seinen ebenso langweiligen wie dicken Büchern im Vergleich zu den kurzen Pulps von Henri Vernes, die man auf einem Sitz runterziehen kann.
Meine Erste Begegnung mit diesem unvergesslichen Helden der Kindheit hatte ich Mitte der 60er Jahre, als das WDR-Werbefernsehen in seinem Intermezzo-Programm die Fernsehserie mit Claude Titre und Billy Kearns ausstrahlte.
Garantierte Bubenspannung bis an den Rand des Herzinfarkts! Einmal in der Woche konnte man 25 Minuten lang die Geheimnisse und Mysterien der unbekanntesten Flecken auf diesem Planeten kennen lernen. Zusammen mit Bob, der meistens in die wüstesten Abenteuer geriet, weil er zufällig in eine junge Dame rannte, die tief in der Patsche steckte. Durch die Beweisführung meines holländischen Brieffreundes, den ich besuchte und durch den ich damals schon seltene Paradiese wie Comic-Läden kennen lernte, wurde mir klar, dass ich mit der TV-Serie nur den Bruchteil eines ganzen Universums entdeckt hatte. Da stand ich auf einmal in einer großen Maastrichter Buchhandlung vor einem endlosen Regal mit Bob Morane-Romanen und darunter waren auch noch Kästen mit Bob-Morane-Comic-Alben. Außerdem war in einer Illustrierten seiner Mutter jede Woche eine Seite Fortsetzungscomic. Einmal mehr wurde mir unser unzureichendes Schulsystem deutlich, in dem Flämisch nicht gelehrt wurde. Aber selbst ist der Mann und Robbedoes, Buck Danny, Jerry Spring, Jan Kordaat, Kuifje und Pep motivierten mich zum freiwilligen Sprachstudium.
Und dann geschah ein Wunder! 1965 brachte der Ensslin-Verlag Henri Vernes Romane als kleine Hardcover auf Deutsch heraus! Zwei Jahre lang veröffentlichte Ensslin in jedem Frühjahr drei Romane, im Herbst sechs!.Immer aufeinmal. Jeden Band für satte 3,95 DM! Das stellte die Taschengeldlogistik vor ziemliche Probleme, da ich selbstverständlich die drei oder sechs Titel SOFORT UMGEHEND KOMPLETT AM ERSTVERKAUFSTAG haben musste. Buchhandlung Lehmkuhl ließ ich nicht mal Zeit, die Bücher ins Fenster zu räumen. In den Sommerferien in Como sparte ich mein tägliches Eisgeld. Da kam was zusammen und direkt nach der Rückkehr (wir kamen tief in der Nacht mit dem Auto aus dem Urlaub) zählte ich das Geld auf den Pfennig genau ab und verfluchte die Umsatzfeindlichen Ladenöffnungszeiten der alten Bundesrepublik.
Nach 19 Titeln stellte Ensslin die Veröffentlichung ein. Wahrscheinlich konnten sie von mir nicht leben. Eine der grausamsten Entscheidung in der Geschichte der deutschen Buchkultur. Ein Schaden, der bis heute nicht kompensiert werden konnte. Antiquarisch findet man sie zum Glück noch für moderate Preise:
Die 19 Romane im Ensslin & Laiblin Verlag, Reutlingen, erschienen in jeweiliger Erstauflage von 15000 Exemplaren.
1 1965 Der Schwarze Pfeil / Le démon solitaire
2 1965 Der Schmuck des Maharadschas / Les joyaux du maharajah
3 1965 Im Tal der Brontosaurier / La vallée des
brontosaures
4 1965 Im Zeichen des goldenen Drachen / Le club des longs couteaux
5 1965 Der Tempel der Krokodile / Le temple des crocodiles
6 1965 Der Piratenschatz / L’héritage du flibustier
7 1965 Das Testament des Grafen Alfieri / Echec à la Main Noire
8 1965 Die Göttin mit den grünen Augen / Le tigre des lagunes
9 1965 Der Wüstenprinz / La cité des sables
10 1966 Die indische Drossel / La voix du mainate
11 1966 Der Berg der Götter / Les semeurs de foudre

12 1966 Orly, 12Uhr 30 / Mission à Orly
13 1966 Das Höllenfahrzeug / Le camion infernal
14 1966 Die Blüte des Schlafs / La fleur du sommeil
15 1966 Der Drache der Grafen Fenstone / Le dragon des Fenstone
16 1966 Die Perlenkette / La rivière de perles
17 1967 Die versunkene Galeere / La galère engloutie
18 1967 Die Haifischlagune / Le lagon aux requins
19 1967 Der Teufel von Labrador / Le diable du Labrador

![BM3C[1]](http://martincompart.files.wordpress.com/2010/06/bm3c1.jpg?w=420)
![BMG2C[1]](http://martincompart.files.wordpress.com/2010/06/bmg2c1.jpg?w=420)
