Einsortiert unter: China, James Bond, Krimis,die man gelesen haben sollte, Porträt, Trevanian | Schlagwörter: CIA, Ian Fleming, Japan
Asien war immer ein attraktiver Schauplatz für Thriller. Besonders die seriellen Geheimagenten der 1950er und 1960er Jahre hatten immer wieder Einsätzen in Fernost – angefangen bei James Bond (YOU ONLY LIVE TWICE) über Adam Halls Quiller (THE 9th DIRECTIVE) bis hin zu diversen Aufträgen für Jean Bruces´ OSS 117, Edward S. Aarons Sam Durrell oder Phillip Atlees Joe Gill. Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre entstand ein neues Interesse an asiatischen Schauplätzen, insbesondere Japan und China. Ängstlich mu7ssten die Europäer erkennen, dass der Pazifikraum für die verbündeten Amerikaner wirtschaftlich und geostrategischer wichtiger wurde als die Alte Welt. Die geradezu bedrohliche Wirtschaftsmacht Japan und der Aufstieg Chinas zur Weltmacht mussten Thriller-Autoren interessieren. 1977 machte John LeCarré in THE HONOURABLE SCHOOLBOY einen ersten Ausflug nach Hongkong, wo William Marshall bereits 1975 seine Yellowthread Street-Serie angesiedelt hatte. Adam Halls Quiller trieb sich in MANDARIN CYPHER (1975) ebenfalls in der Kronkolonie herum und untersuchte 1978 in SINKIANG EXECUTIVE das chinesische Atomtestgebiet bevor 1981 in PEKIN TARGET wieder ins Reich der Mitte eindrang. Selbst Roger L.Simons Privatdetektiv Moses Wine flog 1979 in PEKING DUCK nach China. Und Eric van Lustbader startete 1980 mit seinem ersten Nicholas Linnear-Thriller, THE NINJA, einen Trend für Japan-Thriller.
Nicht einer dieser großartigen Romane kann es mit SHIBUMI aufnehmen.
Als Trevanian diesen Roman, der umgehend wieder ein Welterfolg des Autors wurde, 1979 vorlegte, schien der Thriller neu definiert: Obwohl nur ein Drittel des Buches in Japan spielte, wurde die Kultur des Inselstaates seit Flemings YOU ONLY LIVE TWICE nie eindrucksvoller dargestellt.
Trevanian war das Pseudonym des amerikanischen Professors für Filmkunst Rodney William Whitaker (1931-2005). Der Korea-Kriegsveteran und Fulbright-Stipendiat unterrichtete u.a. in den 1960er uns 1970er Jahren an Universitäten in Nebraska und Texas. Er war in ärmlichen Verhältnissen in Albany aufgewachsen und sein letztes Buch, THE CRAZYLADIES OF PEARL STREET, 2005, gilt als autobiographischer Roman dieser Zeit. Während seiner Studienjahre In England lernte er bei einem Paris-Besuch seine Frau Diane Brandon kennen, mit der er vier Kinder hat. Sein Pseudonym „Trevanian“ (eines unter mehreren) verdankt er seiner Frau, die ein großer Fan des englischen Historikers und Romanciers G.M.Trevelyan ist. Er war vierzig Jahre alt und unterrichtete in Austin als sein erster Roman veröffentlicht wurde: THE EIGER SANCTION (IM AUFTRAG DES DRACHEN) schlug 1972 wie eine Bombe ein und verkaufte eine Million Exemplare. Gedacht als eine Art Parodie auf die Agentenromane à la Bond, war der Roman mehr als das. Nämlich ein gebildetes, und selbstironisch reflektierendes Stück Genreliteratur, das nicht nur als intellektuelles Spiel mit den Möglichkeiten des Spionageromans spielte, sondern auch ungeheuer spannend war und eine damals seltene Amoralität vorstellte. 1975 wurde der Roman von und mit Clint Eastwood verfilmt und gehört leider zu den schlechtesten Werken des Regisseurs Eastwood. 1973 griff Trevanian seinen Protagonisten, den Kunstsammler und Killer Jonathan Hemlock noch einmal auf für den ebenso erfolgreichen Thriller THE LOO SANCTION (DER EXPERTE). In dem Buch beschreibt der Autor einen überaus cleveren Kunstraub, der anschließend von Gangstern in Italien haarklein in die Realität überführt wurde. Damit war der Name Trevanian als Bestsellermarke etabliert. Seine Intelligenz und sein wunderbarer Stil sorgten dafür, dass man ihn als den einzigen Autor von Airportbestsellern bezeichnete, den man sowohl mit Zola, Ian Fleming, Edgar Allan Poe und Chaucer vergleichen konnte. Er war der Bestsellerautor der denkenden Menschen. Als drittes versuchte er etwas völlig anderes und war ebenfalls erfolgreich: Der Roman eines Cops und seiner Stadt Montreal, THE MAIN (EIN HERZSCHLAG BIS ZUR EWIGKEIT), 1976, gehört heute noch zu den besten Polizeiromanen, Police Procedurals oder Cop Novels, die je geschrieben wurden. Für diesen Roman schlüpfte er in die Gestalt eines Franco-kanadischen Autors und legte sich auch ein entsprechendes Pseudonym zu. Aus rechtlichen und verlagstechnischen Gründen musste er das Buch dann aber unter „Trevanian“ veröffentlichen.
„Nach SHIBUMI gab es für mich keine Möglichkeit mehr, den Agententhriller weiter zu treiben. Ich hatte das Genre komplett ausgelotet und es gab keinen Punkt mehr, den ich noch erreichen konnte.“
Trevanian lehnte den üblichen Bestsellerzirkus kompromisslos ab. Er trat nie in Talk-Shows auf, ging nie auf Lesereise und gab höchst selten Interviews (das erste erst 1979 der „New York Times“ auf Flehen seines Verlages Crown zur Unterstützung des Marketings zu SHIBUMI. Seine zunehmende Verachtung für die USA (die in seinen Romanen spürbar ist) und die kapitalistische Konsumgesellschaft ließ ihn sein Heimatland verlassen. Mit seiner Familie zog er ins französische Baskenland, dem Wohnort von Nikolai Hel. Wie Hel war auch Whitaker ein begeisterter Bergsteiger und Höhlenforscher. Diese Aura des Schweigers und mysteriösen Schriftstellers förderte seinen Mythos. Ganz selten antwortete er auf Leserbriefe. In seinen letzten Lebensjahren stellt er eine Homepage ins Internet, die Fragen seiner kultischen Verehrer zum Teil beantwortete: http://www.trevanian.com. Seine Tochter Alexandra, ebenfalls Schriftstellerin, hat diese Page aktualisiert
Nach dem „psychologischen Horrorroman“ THE SUMMER OF KATYA (DER SOMMER MIT KATYA) wurde es still um ihn. Er schrieb weiterhin – auch unter Pseudonym – veröffentlichte aber nur ein paar Kurzgeschichten als Trevanian. Erst 1998 erschien ein neuer Roman. Diesmal ein historisch genauer Western: INCIDENT AT TWENTY-MILE. Das Buch konnte keinen großen Erfolg verbuchen, aber die weltweite fanatische Trevanian-Fan-Gemeinde (zu der sich auch der Autor dieser Zeilen zählt)jaulte auf vor Glück. Sein nächster Roman, STREET OF THE FOUR WINDS, über Pariser Künstler, die in die 1848er Revolution verwickelt waren, fand keinen Verleger (und wird mit anderen Werken wohl in den nächsten Jahren herausgegeben werden). Ein weiteres Armutszeugnis für die degenerierende Buchverlagsszene.
Für sich hatte der Autor eine bemerkenswerte Technik entwickelt: Trevanian überlegte zuerst, welche Art von Geschichte er erzählen wollte. Dann entwickelte er wie ein Method Actor den perfekten Autor, der diese Story schreiben könnte und versetzte sich in ihn herein.
Don Winslow, ebenfalls ein stilistisches Chamäleon, bekannte sich immer als großer SHIBUMI-Fan. Nach der ersten Lektüre lernte er sogar GO. Seine Kenntnisse des Orients, sein Wissen über Kampfsport und Militärgeschichte und seine stilistischen Fähigkeiten führten zu seiner „Berufung“ durch Trevanians Agenten und Familie. Es ist bemerkenswert, wie sicher er im Prequel mit dem Sujet zurecht kommt und wie gut er den Geist des Originals trifft. Was Trevanian-Fans befürchtet hätten, ist zum Glück nicht eingetreten; SATORI ist ein wunderbares Buch, dass Trevanians Vermächtnis würdigt und nicht befleckt. „Um dieses Buch schreiben zu können, musste ich nicht Trevanian werden – das wäre peinlich und dumm gewesen. Ich musste Nikolai Hel werden. Denn das hatte ich mit Trevanian gemeinsam. Solange ich die Welt mit Nikolais Augen sah, sah ich sie mit Trevanians Augen. Die Stimme, der Sound kam dann von selbst… Ich behaupte nicht, dass es leicht war. Trevanian hat eine ganz spezifische Welzsicht, die sich in Hel ausdrückt… Wenn ich nicht mehr weiter wusste, was häufig passierte, versuchte ich die Ziele von Hel durch seine Augen zu sehen. Wie reagierte er auf Herausforderungen? Was würde er für sich und sein angestrebtes Ziel Satori, Erleuchtung, zu erreichen daraus lernen? Die Aufgabe war ein großes Geschenk. Wenn man morgens weiß, dass man an einem Buch wie SATORI arbeiten wird, weiß man, dass man einen guten Tag hat.“ Winslow hat mit seinen eigenwilligen Romanen selbst tiefe Spuren im Noir- und Thriller-Genre hinterlassen. Spätestens seit seinem blendend recherchierten Drogenkrieg-Thriller POWER OF THE DOG (TAGE DER TOTEN; Suhrkamp) gehört er zu den Schwergewichtlern der Kriminalliteratur.
Durch SATORI erfahren wir ungeheuerliches: Kang Sheng, der Meister der Schatten, starb gar nicht 1975! Im Schatten Maos und der Viererbande war er einer der großen Strippenzieher; Begründer des chinesischen Geheimdienstes, Erfinder des Roten Buches, der Kulturrevolution und der Gulags. Wie Winslow heraus fand wurde er bereits 1951 von Nikolai Hel umgebracht! Also muss er anschließend durch einen Doppelgänger ersetzt worden sein. Die Geschichte muss einmal mehr neu geschrieben werden.
Einsortiert unter: Conspiracy, Crime Fiction, Daniel Silva, James Bond, Krimis,die man gelesen haben sollte, Politik & Geschichte, Porträt, thriller | Schlagwörter: 007, CIA, Daniel Silva, Ian Fleming
Auf den ersten Blick wirkt er einfach nur harmlos und nett. Wie ein netter Kunstprofessor, der kein Wässerchen trüben kann. Einer, der seinen Eltern immer Freude und nie Probleme gemacht hat. Aber genauso wie sein Held Gabe Allon eine Doppelexistenz als Kunstrestaurator und Mossad-Killer führt, hat auch Daniel Silva eine andere, knallharte Seite.
„ Ja, 9-11 war gut für den Thriller. Ich habe damals von meinem Haus in der Nähe von Washington D.C. die Rauchwolke über dem Pentagon gesehen.“ Daniel Silva ist kein Zyniker, jedenfalls nicht komplett. Nach Eric Amblers bekanntem Statement, dass der Thriller die letzte Zuflucht für Moralisten sei, hat sich Silva das Genre ganz bewusst gewählt. „Ich konnte mir als Schriftsteller nie etwas anderes vorstellen, als Spionageromane, bzw. Thriller zu schreiben. Als Kind des kalten Krieges war ich immer an Militärgeschichte und Spionage interessiert.“ Inzwischen ist Silvas Panoptikum ein umfassendes politisches Zeitgemälde, das uns Opfer, Täter, Mitläufer, Rächer und die totalitären Strömungen der Gegenwart vermittelt.
Er hat das Talent eines Frederick Forsyth, reale Ereignisse detailliert zu recherchieren, spannend darzustellen und in eine rasante Thrillerhandlung umzusetzen. „Ich recherchiere, bis ich blind bin. Ich packe den Tank mit soviel Recherchematerial wie möglich voll. Aber dann übernimmt die Imagination und ich öffne eine geistige Tür um einen möglichst unterhaltsamen Roman daraus zu machen.“
Der Piper Verlag, der Silva im deutschsprachigen Raum veröffentlicht, setzt damit eine lange Tradition fort: Piper veröffentlichte bei uns den ersten Frederick Forsyth und war bis in die 1980er Jahre der Stammverlag von Ulf Miehe. Die Übersetzungen sind allesamt hervorragend. Was nicht wundert: Sein Übersetzer (bis einschließlich TERRORNETZ) ist der alt gediente Thriller-Crack Wulf Bergener, der sein Metier meisterlich beherrscht. Fast alle Bücher haben im Anhang Anmerkungen des Autors zu den zeitgeschichtlichen Hintergründen der Romane, die auch in den deutschen Ausgaben erhalten sind.
Rasanz ist eine der treffendsten Bezeichnungen für seine Romane: sie gehen höllisch ab und lassen den Leser nicht mehr aus den Klauen. Manchmal brauchen sie etwas Zeit um in Fahrt zu kommen. Als Ausgleich dafür bekommt man faszinierende Beschreibungen der Handlungsorte und Details über die geheime Welt. Seine sorgfältige Recherche und breite, nie langweilige, Darstellung von Techniken oder Prozessen erinnert ebenfalls an den Altmeister. Silva legt allerdings etwas mehr Wert auf die genaue Charakterisierung seiner Personen. „Ich sehe mich als ernsthafter Schriftsteller, der Thriller schreibt.“ Als ob es heutzutage noch viele ernstzunehmende Schriftsteller gäbe, die nicht Genreliteratur schreiben.

Wer den arabisch-israelischen Konflikt wirklich verstehen will, kommt an Silva nicht vorbei. In seinen Thrillern erfährt man mehr und vieles intensiver als in Sachbüchern. Einmal mehr gilt das Theorem vom Thriller als eine der letzten Bastionen der Aufklärung (die menschenverachtende Globalisierungsideologen und ihre politischen Handlanger am liebsten ungeschehen machen möchten). Silva zeigt die Paranoia eines Landes, das sich permanent im Kriegszustand befindet und welcher Wahnsinn daraus resultieren kann. Er zeigt auch die Machtkämpfe innerhalb des Systems, lässt aber keinen Zweifel an der Existenzberechtigung Israels. Genauso wenig, wie er einem Palästinenserstaat die Existenzberechtigung abspricht. Die Tragik des Dauerkonflikts schwingt schon im ersten Allon-Roman, DER AUFTRAGGEBER, mit: Protagonist und Antagonist agieren aus fast identischer, nachfühlbarer Motivationslage. Beide haben ihre Familie durch die Gegenseite verloren.
Geboren wurde Silva 1960 in Michigan, aufgewachsen ist er in Kalifornien. Nach dem Studium wurde er erst Reporter für UPI, dann Korrespondent für CNN. Dort wurde er schließlich Producer der Talk Shows. Sein altes Gewerbe sieht er heute zynisch, wenn er den Mossad-Chef sagen lässt: „Für ihn waren Nachrichtenmedien nur eine Quelle der Unterhaltung oder eine Waffe, die sich gegen seine Feinde einsetzen ließ.“ Für UPI arbeitet er bis Mitte der 1980er als Washingtonkorrespondent, danach wurde er Korrespondent für den Mittleren Osten mit Sitz in Kairo. Als er über den 1.Golf-Krieg berichtete, lernte er 1987 seine Frau Jane Gangel, Korrespondentin für NBCs Today Show, kennen. Sie heirateten im selben Jahr. 1994 erzählte er ihr von seinem großen Traum, Thrillerautor zu werden. Sie ermunterte ihn und Silva begann 1995 mit seinem ersten Roman. Es entstand der Weltkriegs II-Thriller THE UNLIKELY SPY (DOUBLE CROSS-FALSCHES SPIEL), der 1997 erschien und es auf die Bestsellerliste der New York Times brachte. Sie leben noch immer in Georgetown.
Ihre beiden Kinder, Lily und Nicholas, sind im Teenageralter und begleiten die Silvas oft auf Recherchereisen. „Wenn sie nach den Ferien dann den üblichen Aufsatz schreiben mussten: Was habe ich in den Sommerferien getan, schrieben sie mal; Ich habe meinem Vater dabei geholfen Orte zu finden, in denen man Leute umbringen kann.“
Er ist ein effizienter Thriller-Autor, der gleichzeitig Suspense aufbaut, das Tempo steigert, seinen Figuren Leben einhaucht und zeitgeschichtliche Vorgänge analysiert. Seine Nebenfiguren sind faszinierend, da sie die Eigenheiten ihres jeweiligen Kulturkreises widerspiegeln und nicht in Klischees erstarren. Souverän beherrscht er sein Material, spinnt geschickt Subplots um alles im Finale explodieren zu lassen. Manchmal spielt er mit dem Wissensvorsprung des Lesers gegenüber Allon – wie es Hitchcock so gerne hatte. Silva kennt jeden Trick seines Handwerks und wird immer besser, ohne je wirklich geschwächelt zu haben. Man merkt die harte Arbeit nicht, die er in seine Bücher steckt.
„Das Schreiben ist nach 13 Romanen nicht leichter geworden – eher im Gegenteil. Da ist keine Romantik dabei. Ich veröffentliche jedes Jahr ein Buch. Das bedeutet, sechs Monate Recherche und sechs Monate schreiben. Ich sitze jeden Morgen um Punkt sechs an meinem Schreibtisch. Sieben Tage die Woche. Ich setze mich selbst unter Druck. Wenn mir ein Leser sagt: Ihr letztes Buch war Ihr bisher bestes, heißt das für mich: Jetzt muss ich ein noch besseres schreiben.“ Ganz auf der Höhe der Zeit, nutzt er auch Katastrophenszenarios wie wir sie durch die US-Serie 24 kennen: Im TERRORNETZ zum Beispiel wird der Petersdom durch einen Terroranschlag fast in eine Ruine zerlegt. Die Plots sind so perfekt gebaut, alle Teile greifen ineinander, dass man genaueste Planung vermutet. Falsch: „Normalerweise mache ich nur für das erste Drittel eine Outline. Wenn ich es geschafft habe, dass die Geschichte auf dem Papier lebt, lasse ich die Figuren übernehmen. Das heißt: Sie müssen unter dem immensen Druck einer Situation Entscheidungen treffen. Die Bücher entwickeln sich immer anders, als ich geplant habe. Einmal habe ich eine komplette Outline für einen Roman gemacht. Das Endprodukt hatte mit dem Exposé kaum noch etwas zu tun.“
Einige Kritiker verglichen Silva mit John Le Carré. Das ist bedingt nachvollziehbar. In manchen Charakterisierungen der Nebenfiguren und Formulierungen erinnert er zuweilen an LeCarré. Aber Silva ist weniger elaboriert. Wo LeCarré durch seitenlanges selbstverliebtes Formulieren die Handlungen retardiert, herrscht bei Silva wohltuende Selbstdisziplin um den Ereignisverlauf voran zu treiben. Im Vergleich mit Silvas Spionageromanen sind deutsche- oder skandinavische Thriller ästhetisch und intellektuell so aufregend wie die monatlichen Sitzungen eines SPD-Ortsvereins.
Seinen Durchbruch hatte Silva 2000 mit DER AUFTRAGGEBER (THE KILL ARTIUST), dem ersten Band seiner Serie über den israelischen Agenten Gabriel Allon. „Das vermeintlich glamouröse Leben eines israelischen Geheimagenten bestand in Wahrheit aus nahezu rastlosem Reisen und stumpfsinniger Langeweile, nur gelegentlich unterbrochen von kurzen Phasen blanken Entsetzens. Gabriel Allon hatte mehr solche Phasen erlebt als die meisten Agenten.“
Gabriel Allon ist ein Killer des Mossad. Er hat deutsche Vorfahren; seine Großeltern stammten aus Berlin. Sie wurden in Auschwitz ermordet und nur seine Mutter überlebte. 1972 wurde er als junger Kunststudent vom Dienst rekrutiert um die Olympia-Attentäter zu verfolgen und zu töten. Nachdem er sechs Terroristen getötet hatte, „war Gabriel an den Schläfen ergraut und sein Gesicht um zwanzig Jahre gealtert“. Er gilt als einer der besten Restauratoren für klassische Kunstwerke. Ein perfektes Cover um sich an allen möglichen Orten herum zu treiben. Als Agent ist er gefangen in einer Parallelwelt der Verdammten. Die Serie beginnt mit einer Tragödie. Gleich am Anfang von THE KILL ARTIST (DER AUFTRAGGEBER) werden sein Sohn und seine Frau von einer Bombe zerfetzt. Seine Frau überlebt zwar, ist aber traumatisiert und leidet unter Amnesie. Danach ist Gabriel natürlich nicht mehr derselbe. Die Verwandlung zum byronschen Helden, die Kingsley Amis auch bei James Bond ausgemacht hat, ist abgeschlossen. Er unterliegt Stimmungsschwankungen, neigt zur Melancholie und ist ein überzeugter Misanthrop. Ein Mann mit Widersprüchen: als Restaurator ist er ein Heiler, als Killer ein Zerstörer. Er ist nicht nur intelligenter als 007, er ist auch in seinen Haltungen unabhängiger von Vorgesetzten oder staatlichen Doktrinen, im Gegensatz zu 007 neigt er zu Sentimentalitäten.
In DER AUFTRAGGEBER herrscht er seinen Chef an, der ihn mit Rachemotivation zurück in den Dienst manipulieren will: „Haben Sie nichts dazu gelernt? Wir haben dreizehn Mitglieder des Schwarzen Septembers liquidiert, aber das hat keinen unserer in München ermordeten Jungs wieder lebendig gemacht.“ Trotz seiner Fähigkeiten, die Allon ganz klar in die Tradition der Super Spys à la James Bond einreihen, hat er viel von einem Anti-Helden: Er leidet darunter in einer Welt gefangen zu sein, die er nicht gewählt hat und so nicht akzeptieren will. Es sind die tiefen Verletzungen des Jüdischen Volkes, die ihn immer wieder mobilisierbar machen um weiteres Leid von seinem Volk abzuwenden. Aber er ist weder Politiker noch debiler Propagandist und erkennt deshalb genau, dass auf arabischer Seite ähnlich tiefes Leid herrscht.
Allon ist die High-Tech-Version des wandernden Juden. Bei aller Liebe und Verantwortung für den Staat Israel bewahrt er seine persönliche Würde und Unabhängigkeit. Der Erfolg Allans traf Silva unvorbereitet: „Ich hätte nie erwartet, dass das Publikum einen Mossad-Agenten als Serienhelden akzeptiert. Ich hatte ihn auch nicht als Serienhelden geplant. Man musste mich dazu überreden. Gott sei Dank. Heute ist Gabriel eine echte Person. Er existiert für mich wirklich.“ Inzwischen gönnt sein Autor ihm etwas Glück: Im 7.Roman lässt er ihn wieder heiraten.
FORTSETZUNG FOLGT
Einsortiert unter: Bücher, Crime Fiction, Drehbuch, Film, Heftroman, James Bond, Krimis, Mister Dynamit, Politik & Geschichte | Schlagwörter: CIA, Drehbuchautoren, Golden Lily, Ian Fleming, James Bond
1962 kam mit “Dr. No” der erste Bond-Film in die Kinos und löste in der westlichen Welt das aus, was als “Bonditis” in die Kulturgeschichte eingehen sollte. Parallel zur Beatlemania erreichte der 007-Kult mit “Goldfinger” 1965 den Höhepunkt, und Sean Connery wurde wie ein Popstar gefeiert.
In Folge der Bond-Hysterie schossen Geheimagenten in großer Zahl in Film und Romanen wie Pilze aus dem Boden. Jeder wollte sich eine Scheibe vom Agenten-Kuchen abschneiden.
Auch in Deutschland wollte man von dieser Welle profitieren. Die Produzenten stürzten sich auf einheimische Groschenhefte und produzierten Serien über den FBI-Agenten Jerry Cotton und Guenters alte Erfindung Kommissar X.
Was lag also näher, als auch den deutschen James Bond zu verfilmen?
[Produzent Theo Werner und Regisseur Franz Josef Gottlieb schnappten sich die Rechte am ersten "Mister Dynamit"-Roman und drehten in Spanien den Film "Morgen küßt euch der Tod". Geplant war natürlich eine ganze Serie von Dynamit-Filmen. Als besonderen Trumpf verpflichtete man Lex Barker für die Hauptrolle. Der war dank der Karl-May-Verfilmungen damals auf dem Höhepunkt seiner Popularität. Auch die Nebenrollen wurden prominent besetzt - mit Siegfried Rauch, Joachim Fuchsberger und dem unvermeidbaren Ralf Wolter. An Qualität und Aufwand konnte der Film natürlich nicht mit Bond mithalten. An der deutschen Kinokasse war er trotzdem recht erfolgreich, aber es sollte keine weiteren Filme mehr geben. Lex Barker mußte nämlich seine Gage einklagen und hatte verständlicherweise keine Lust mehr auf eine weitere Zusammenarbeit.
Der Film ist so mies, daß die Cotton-Verfilmungen dagegen wie großes internationales Action-Kino wirken. Er wurde in keiner Weise den Romanen gerecht, und man hatte die Chance verspielt, eine erfolgreiche deutsche Filmserie zu etablieren.
FORTSETZUNG FOLGT
Einsortiert unter: Bücher, Conspiracy, Heftroman, James Bond, Krimis, Mister Dynamit, Politik & Geschichte, Porträt | Schlagwörter: 007, CIA, Ian Fleming, James Bond
Die “Mister Dynamit”-Geschichten spielen auf der ganzen Welt. Reisen war eine Leidenschaft des Autors. Mit seinem Porsche und seiner Frau Lotte fuhr er kreuz und quer durch Europa. Das kam natürlich auch den Romanen zugute, in die Guenter geschickt Lokalkolorit einbaute und den Lesern die große weite Welt vorführte. Auch vor dem Ostblock schreckte der geistige Vater des Sowjetschrecks Urban nicht zurück. Später beschrieb er eine Episode während einer Fahrt durch die Tschechoslowakei:
Weniger komisch war es auf der Fahrt nach Prag. Der Grenzer warnt uns: “Vorsicht. Die nehmen Sie wegen jeder kleinen Delle fest”
Prompt rast mir ein paar Kilometer weiter eine Krähe im Tiefflug gegen den Kotflügel. Kratzer, Blut und Federn. Natürlich hält uns in Prag die Polizei an.
“Vor einer Stunde ist ein Kind überfahren worden.” Sie entdecken meinen Schaden und halten mich für überführt.
“Seit wann haben tschechische Kinder Federn?” fragt Lotte.
Beleidigt durchsuchen sie das Auto und finden dummerweise einen Roman von mir. Titel “In Moskau ist es aus mit dir”. Jetzt halten sie uns für Terroristen. Aber sie haben auch eine Zeitung gefunden. Auf der Filmseite zwei Photos, das von mir und dem russischen Staatschef und Generalsekretär der KPDSU Josef Stalin, der in Wirklichkeit der Schauspieler Alexander Allerson ist.
“Sie kennen den?”
“Josi ist ein Freund von uns”, behauptet Lotte.
“Wo fahren Sie hin?” Lotte verweist auf das Kennzeichen. Es hat M wie München. Sie verwechseln M mit Moskau.
“Angenehme Reise, gnädige Frau.”![523[1] 523[1]](http://martincompart.files.wordpress.com/2009/08/5231.jpg?w=420)
Wenn er nicht gerade durch die Welt reiste oder schrieb, bastelte Guenter gern an Oldtimern oder einem der zehn Porsches, die er in seinem Leben gefahren hat. Oder er las Sachbücher und Zeitschriften, immer auf der Suche nach Material für den monatlichen Roman.
In den 70er Jahren wurde die Unterhaltungsliteratur von der linken Ideologiekritik in Folge von Adorno gerne als Trivialliteratur diffamiert und als verdummend und systemstabilisierend enttarnt. Besonders der Agenten-Thriller galt als kriegslüstern, chauvinistisch und antisozialistisch.
Natürlich ist da was dran.
Guenter, geprägt von Krieg und Wiederaufbau, war ein Produkt seiner Zeit. Er war kein Sympathisant der Sowjets oder des Sozialismus. Aber er war auch Zyniker und Realist, der den Westen nicht glorifizierte und Schwachpunkte ansprach. Immer wieder beschrieb er, wie machtgeile Politiker den BND instrumentalisierten. Für Politiker hatte er generell nicht viel übrig:
“Wissen Sie, diese Politiker sind es nicht gewohnt, Verantwortung zu übernehmen, für sich, für das, was sie sagen und was sie tun.”
Auch die kleingeistige Konkurrenz der westlichen Geheimdienste und anderer Behörden wurde immer wieder thematisiert:
“Du weißt, wie das ist. Keiner verrät seine Tricks. Sie sind alle erfolgsgeil, eifersüchtig darauf bedacht, daß die anderen erst mal ihre Fehler machen. Daran hapert es im System”, sagte Urban. “Zu wenig Kooperation.”
Selbst die trivialsten Helden können Entwicklungen durchmachen: Bond war nach dem Tod seiner Frau Tracy nicht mehr derselbe, sondern ein gebrochener Mann. Auch Bob Urban veränderte sich:
Natürlich wandelt sich die Figur im Laufe der Zeit. Am Anfang war Bob Urban rechts gegen links, gut gegen böse. Meinetwegen ein kalter Krieger. Inzwischen findet er die Sowjetunion ansprechbar. Ökologische oder militärische Probleme machen, wie man weiß, nicht an Staatsgrenzen halt. Ich kenne zwar die Kritik: Machwerke, kriegstreiberisch, Ächtung von Minderheiten usw. Wenn aber jemand in jedem zweiten Roman einen heißen Krieg verhindert, dann ist es Bob Urban. Tatsächlich ist Urban Humanist.
Über das Schreiben sagte Guenter einmal:
“Beinahe alles, was du schreibst, besteht aus Versatzstücken, Gemeinplätzen, die zu einem Mosaik aus Klischees zusammengesetzt sind. Daß das keiner merkt, ist die Kunst. Fleiß überwindet so gut wie alles. Sogar Mangel an Talent.”
In seiner Schriftstellerlaufbahn verbrauchte Guenter zehn Schreibmaschinen.
FORTSETZUNG FOLGT
Einsortiert unter: Bücher, Crime Fiction, Film, Heftroman, James Bond, Mister Dynamit, Politik & Geschichte | Schlagwörter: 007, C.H.Guenter, CIA, Heftroman, Ian Fleming, James Bond, Mister Dynamit
Als James Bond 1953 das Licht der Welt erblickte, ahnte nicht einmal sein Erfinder Ian Fleming die Folgen. Sein Geheimagent mit der Lizenz zum Töten sollte zur Ikone des Kalten Krieges werden. Agentenromane und -filme entwickelten sich in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu einer eigenen Industrie: Der Geheimagent galt als Archetypus der Angestelltengesellschaft, dessen Pflichterfüllung durch ein hedonistisches Leben belohnt wurde.
Parallel zum Welterfolg Bonds entstand eine Unzahl von Epigonen, die sich – am großen Vorbild ausgerichtet – unter vollem Körpereinsatz durch unzählige Filme und Romane prügelten und liebten.
Literaturhistorisch steht am Anfang des Spionageromans keine Schlüsselfigur, wie etwa Edgar Allan Poe beim Detektivroman. Während man von der Spionage als vom “zweitältesten Gewerbe der Welt” spricht, muß man das multimediale Genre spy story als ein Kind des ausgehenden 19. Jahrhunderts ansehen, das im 20. Jahrhundert zu voller Blüte heranreifte und immensen Erfolg verbuchte.
Bereits in der Bibel wird fleißig spioniert, wenn beispielsweise Kundschafter nach Jericho geschickt werden. In der Literatur wiederum taucht die Spionage erstmals im chinesischen Klassiker “Die Kunst des Krieges” (“Ping Fa”) von Sunzi ca. 510 v. Chr. auf. Die erste Fiktion, in der Spionage eine Rolle spielt, verdanken wir ebenfalls der chinesischen Kultur – dem historischen Roman “San Kuo” aus dem 13. Jahrhundert, verfaßt von Lo Kuan-Chung. Als erster “richtiger” Spionageroman gilt allgemein James Fenimore Coopers “The Spy” (1821), allerdings nur, weil der Roman einen Spion in den Mittelpunkt der Handlung stellt; der Spionagetätigkeit wird von Cooper nur wenig Raum gewidmet. Anschließend tauchen Elemente des Spionageromans und des Polit-Thrillers im Kontext vieler Romane des 19. Jahrhunderts auf, doch erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts formt sich das Genre zu einer eigenen, unverwechselbaren Gestalt.
Die ersten britischen Spionageroman-Autoren und damit die ersten “hauptberuflichen” Schreiber von spy novels überhaupt waren William Le Queux und E. P. Oppenheim. Bei aller Trivialität ihrer Bücher muß man feststellen, daß es ohne ihre Pionierarbeit wohl weder einen John Buchan noch einen Eric Ambler gegeben hätte. Und schon gar keinen 007 …
Buchans Held Hannay bezeichnet man gern als Vorfahren von Flemings Bond. Sein berühmtester und wichtigster Roman, “The 39 Steps”, ist seit seinem Erscheinen 1915 bis heute nie vergriffen gewesen und wurde dreimal verfilmt, unter anderem auch von Alfred Hitchcock.
Es war Buchan, der den modernen Agentenroman kreierte, in dem die physische Aktion betont wird: Phantastische Plots, überlebensgroße Schurken und wilde Verfolgungsjagden sind die atemberaubende Quintessenz seiner Hannay-Romane, die Buchans Landsmann Robert Louis Stevenson einiges verdanken.
In den 30er Jahren zeichneten Autoren wie Somerset Maugham und Eric Ambler ein realistisches Bild der Welt der Agenten und Spione. Ihre Schule, die man im Gegensatz zum “romantischen Spionageroman” als “realistisch” bezeichnet, setzte sich mit Autoren wie Ross Thomas oder John le Carré fort.
Aber es waren die romantischen spy novels Buchans, Sappers oder von Dornford Yates, die Ian Fleming inspirierten und James Bond zu einem Welterfolg machten, dem andere nacheiferten.
Die Franzosen schickten OSS 117, Malko (“SAS”) und eine Vielzahl anderer Spione an die Front. Die Amerikaner setzten Matt Helm, Joe Gall und Sam Durell ein. Und die Engländer hatten natürlich 007 und eine ganze Legion gefährlicher Secret-Service-Leute wie Charles Hood, Boysie Oakes, Modesty Blaise oder George Smiley.
Und wen hatten wir? Wer beschützte die Westdeutschen in der Fiktion vor KGB-Killern, verrückten Wissenschaftlern und Schurken, die die Welt beherrschen wollten?
Dafür war Bob Urban alias Mister Dynamit zuständig. Seine Lizenz zum Töten – oder, wie John Le Carré über Bond sagte, eher die Lizenz zum schlechten Benehmen – erhielt er vor 45 Jahren durch den Autor Karl-Heinz Günther, der als C. H. Guenter im Pabel-Verlag bis 1992 mehr als 300 Einsätze hatte. Seit 1965 kam jeden Monat ein Taschenbuch mit dem deutschen James Bond heraus. Daneben erschienen noch Nachdrucke und Sondereditionen. Mitte der 80er Jahre hatten die Romane monatlich Auflagen zwischen 120.000 und 200.000 Exemplaren.
Der Autor selbst ist einer der Mystery-Men der deutschen Nachkriegsliteratur. Nur ein einziges Interview ist überliefert; das führte Helmut Ziegler 1987 für die Zeitschrift “Wiener”. Alle anderen Daten verdanken wir Guenters Freund und letztem Verleger Josef Preyer, der eine Reihe von “Mister Dynamit”- und “Kommissar X”-Romanen im Oerindur-Verlag herausgegeben hat. Es sind schön gestaltete Bücher, die ganz den Geist des Sujets atmen, mit Zusatzmaterial zu Autor und Werk – eine vorbildliche Aufarbeitung populärkultureller Mythen!
FORTSETZUNG FOLGT
Einsortiert unter: Conspiracy, Paranoid, Politik & Geschichte, Rezensionen | Schlagwörter: CIA
Die Kolumne für unverbesserliche Verschwörungstheoretiker
Nur ungebildete Idioten oder nicht minder speichelleckerischen Medienkellner schreien heute noch entsetzt „Verschwörungstheorie“, wenn sie auf Fakten stoßen, die ihr lämmerhaftes Weltbild erschüttern. Deshalb mal ein kleiner Überblick über einige interessante Bücher der letzten Jahre (an dieser Stelle wird nicht dem ekeligen feuilletonistischen Geschreie nach kurzlebigen und unwichtigen Aktualitätenkram gehuldigt).
“Männer desselben Berufs schließen sich nie zusammen, es sei denn, um sich gegen die Allgemeinheit zu verschwören”, schrieb nicht etwa ein als Verschwörungstheoretiker diffamierter Autor eines Buches zum 11.9. oder des Irak-Krieges, sondern der Begründer der Klassischen Nationalökonomie Adam Smith (1723-1790). Und um Verschwörungen zu vertuschen, beziehungsweise genehme Wahrheiten zu verbreiten, bedarf es heutzutage der Medien. Der genauso viel gescholtene wie verkaufte Mathias Bröckers, der mit Andreas Hauß sein Werk FAKTEN, FÄLSCHUNGEN UND DIE UNTERDRÜCKTEN BEWEISE DES 11.9. (Zweitausendeins; mit Dokumentarfilm auf CD) vorgelegt hat, weiß auch dazu Bedenkenswertes zu berichten: “Anfang der 80er Jahre verfügten rund 400 Unternehmen über die Zeitungen, Radio- und TV-Sender der USA, heute sind es noch neun Konzerne, die den gesamten Medienoutput kontrollieren. Gerade beginnt in den USA die Debatte darüber, wie schmählich die Medien seit dem 11.9. versagt haben, indem sie kritiklos und ungeprüft das nachfaselten, was ihnen vom Weißen Haus und Ölmagnaten vorgelallt wurde. In Deutschland war dies nicht anders, wie Christian C. Walther in DER ZENSIERTE TAG (Heyne Verlag) belegt. Ohne Not unterdrückten die Heloten der Mächtigen jede unbequeme Wahrheit. Walther trägt alles ganz nett zusammen, aber leider auf eine eitle und schlecht geschriebene Weise, die manchen unnötigen Angriffspunkt bietet. Spannend erzählt ist dagegen DER BUSH-CLAN (C.Bertelsmann) von Kitty Kelly, die – trotz massiver Repressionen – mit tausend Menschen für ihr Buch gesprochen hat, die reichlich Unerfreuliches über diese Familie zu berichten haben. Kelly zeigt das bestürzende Bild einer Dynastie von mittelmäßigen, habgierigen und skrupellosen Machtmenschen. Eine Familie, bei der Drogenmissbrauch, Ehebruch, Vorteilsnahme im Amt, Ämterpatronage und illegale Geschäfte selbstverständlich sind. Man erfährt einiges, was man so noch nicht gelesen hat: ” ‚Sie wissen doch, was sie in Florida während der Stimmennachzählung vom Wahlkampf 2000 gemacht haben’, antwortete er und schilderte mir dann ausführlich den so genannten “Brooks Brothers Riot” von republikanischen Parteiaktivisten. Diese Männer stürmten die Räume des Wahlprüfungsausschusses, was dazu beitrug, dass die Stimmauszählung in Miami abgebrochen wurde. Um seine Behauptung zu beweisen, schickte der Mann mir Unterlagen, aus denen hervorgeht, dass viele Randalierer von Bushs Nachzählkomitee bezahlt worden waren.” Und wer sind die Gruppierungen, die hinter Bush und seiner Mafia stehen? Der Geschichtsprofessor Theodore Roszak von der Berkeley University nennt in seiner sozio-politischen Betrachtung ALARMSTUFE ROT-AMERIKAS WILDWEST-KAPITALISMUS BEDROHT DIE WELT (Riemann Verlag) Gruppierungen: Die Corporados, Wirtschaftsmagnaten, deren Gier keine Grenzen kennt, Killer-Ceos, die sich jenseits aller Gesetze wähnen und dem Sozialdarwinismus huldigen, die Triumphalisten, die ihr Heil in der militärischen Aufrüstung suchen und nicht zuletzt die religiösen Fundamentalisten, die eine christliche Weltordnung herbeibomben wollen – wenn es denn sein muss.
Eines der wichtigsten Sachbücher der letzten Jahrzehnte dürfte die längst überfällige deutsche Ausgabe von Alfred McCoys DIE CIA UND DAS HEROIN – WELTPOLITIK DURCH DROGENHANDEL (Zweitausendeins) sein. Es ist das Lebenswerk des Amerikaners, der seit 1970 die Geschichte des Drogenhandels recherchiert. Sein Buch wurde zuletzt 2003 auf den neuesten Stand gebracht und ist schlichtweg das Standardwerk, das man gelesen haben muss. McCoy beschreibt minutiös, wie skrupellos die Kolonialmächte Drogenhandel betrieben, mal legal mal illegal, je nach Profitinteresse. Besonders die Drogenkriege der Amerikaner nehmen einen breiten Raum ein. Daneben erfährt man interessante Details: Die Zahl der verbotenen Drogen erhöhte sich bis 1995 auf 245; 1931 waren es erst 17 gewesen. Ende der 90er Jahre war der globale Drogenhandel nach Angaben der UNO eine 400-Milliarden-Dollar-Industrie mit 180 Millionen Konsumenten mit acht Prozent am Welthandel – vor Textil-, Stahl- oder Autoindustrie.
P.S.: Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass die wirtschaftliche (weil auf Steuergeldern beruhend) Existenz von Gerhard Schröder (Ex-Kanzlerdarsteller), Joschka Fischer (Angriffskriegsbefürworter), Rudolf Scharping (dito) Bodo Hombach und Wolfgang Clement zerstört gehört.



![New Pic 001[2] New Pic 001[2]](http://martincompart.files.wordpress.com/2009/10/new-pic-0012.jpg?w=420)