Martin Compart


WILLIAM BOYD IST IAN FLEMING IN “SOLO” by Martin Compart
8. Oktober 2013, 3:56 nachmittags
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Bond ist der Alptraum aller Grünen:
Er ist macho, ein begeisterter und rücksichtsloser Nutzer von Verbrennungsmotoren, raucht wie ein Schlot, ermordet Arschlöcher, säuft wie ein Loch, lässt sich nicht von Phrasendreschern beeindrucken, isst was und wann er will und vögelt die schönsten Frauen (ohne auch nur an Vaterschaftsurlaub zu denken oder mit der Frau einen Selbstfindungskurs zu machen). Wäre er nicht so autoritätshörig und ein Helot (ursprünglicher) konservativ-nationaler Interessen, wäre er ein richtig guter Typ. Für James Bond, Geheimagent Ihrer Majestät 007, ist die ganze Welt eine Plattform der Strategiespiele, die sein Chef M für ihn aussucht.

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Rechtzeitig zum 60.Jubiläum des ersten 007-Romans, CASINO ROYALE, erscheint ein weiteres Bond-Abenteuer, das die Fans mit den bisherigen Sequels versöhnen könnte. Geschrieben wurde der neue Bond, Titel, SOLO, von dem etablierten und anerkannten Schriftsteller William Boyd, den die Kritik auch gerne in Zusammenhang mit Graham Greene bringt. Auf die Frage, warum Boyd Schriftsteller geworden sei, hat er eine vernünftige Antwort:

„I suspect that I saw a film which had a writer in it…. And as he got up from his typewriter, mixed himself a drink and stepped onto a balcony and looked out at Malibu beach or something, I thought: That is the life for me!”

Boyds Verbindung mit Fleming und Bond ist weit reichend: Sein Vater machte ihn in den 1960ern mit Flemings Büchern bekannt und er las sie seit seinem elften Lebensjahr alle und wurde zum lebenslangen Fan (sein Lieblings-Roman ist FROM RUSSIA WITH LOVE). Er schrieb mehrere Essays über Fleming und machte ihn zur Schlüsselfigur in seinem Spionageroman ANY HUMAN HEART (2002). Für drei Bond-Darsteller schrieb er Drehbücher, bzw. adaptiert er seine Romane: Sean Connery in A GOOD MAN IN AFRICA, Pierce Brosnan in MR.JOHNSON und Daniel Craig in THE TRENCH (bei dem Boyd auch Regie führte). Unabhängig von seiner Freundschaft zu Craig nennt er Daniel Day-Lewis als den heute bestmöglichen Bond-Darsteller. Worüber sich streiten lässt, da Day-Lewis inzwischen zu alt sein dürfte.

Jedenfalls erfüllte sich für den Fleming-Fan ein Lebenstraum. Das merkte man ihm bei der Präsentation an und bei der weitergehenden PR-Arbeit für SOLO (u.a. schrieb er ein fiktives Interview für den „Guardian“, in dem er bei einer Zeitreise als Journalist James Bond besucht und befragt). Trotzdem gibt es erstes Gejammer: So verkaufte Boyd in der ersten Woche „nur“ etwa 10.000 Exemplare, während Sebastian Faulks von seinem Bond-Roman DEVIL MAY CARE 2008, also im Jahr des100.Geburtstages von Fleming und mit dem dementsprechenden Rummel im Rücken, in der ersten Woche 44.000 Bücher verkauft hatte.

Insgesamt hält Boyd aber von den Filmen längst nicht soviel wie von Flemings Romanen. Tatsächlich ist der Film-Bond im Vergleich zum literarischen Bond in einem puerilen Paralleluniversum daheim.

you-only-live-twice-james-bond-ian-flemming-book-cover[1]Ausgehend von Bonds Nachruf in der Times, den Fleming in YOU ONLY LIVE TWICE veröffentlicht hatte, entschied Boyd, seinen Roman 1969 anzusiedeln, beginnend mir Bonds einsamen 45.Geburtstag. Konsequent legt ihn Boyd an den späten Bond an, der sich nach dem Tod von Tracy nicht mehr richtig erholt hat. Nach seiner Rache an Blofeld, die ihn durch YOU ONLY LIVE TWICE trug, und der Gehirnwäsche durch die Russen, hatte sich 007 bereits bei Fleming verändert.
Bei Boyd ist Bond nachdenklicher und empathischer geworden, scheint seine Schicksalsschläge bewältigt zu haben. Aber er ist immer noch die alte Kampfmaschine und der überzeugte Genießer körperlicher Freuden. Bond war nie, wie Kingsley Amis schon festgestellt hatte, der Womanizer zu dem ihn die Filme gemacht haben. Er hatte sich fast immer über den Sex hinaus für seine Partnerinnen interessiert und immer wieder versucht, eine funktionstüchtige Beziehung aufzubauen. Was bekanntlich für Geheimagenten noch schwieriger ist als für Monteure im internationalen Außendienst. Kritiker hatten Fleming noch zu dessen Lebenszeit vorgeworfen, der Bond aus ON HER MAJESTY´S SECRET SERVICE sei nicht mehr der Bond aus CASINO ROYALE ODER MOONRAKER. Treffend bemerkt. Der Vorwurf fällt letztlich auf diese Kritiker zurück, die der Entwicklung einer Thriller-Figur nicht folgen wollen oder können. Es sind dieselben Idioten, die zwischen U- und E-Kultur unterscheiden.

„I think there’s good writing and bad writing. I think you can very easily distinguish between good writing and bad writing with a simple test: Just look at the number of stereotypes employed. Stereotypes of plots, stereotypes of characters, stereotypes of language; the more stereotypes there are, the worse the book. That’s my touchstone for evaluation. So, if you write well – and it doesn’t mean you have to write in a stylish way, but if you write well, and your characters are real, and your plots are ingenious, then I don’t see the distinction between literary fiction and genre fiction. Raymond Chandler is a superb writer of novels, John le Care is a very important contemporary novelist, but he happens to write spy novels and Chandler wrote detective novels. I think that if the writing is good then the genre is irrelevant. Many, many so called “literary” novelists have written a spy novel, me included – I’ve written two – Ian McEwan has written two, John Banville has written a spy novel. Joseph Conrad wrote two, Graham Greene wrote several. There’s absolutely no reason why, if you think of yourself as a literary novelist, you shouldn’t venture into a genre – just write as well as you can.”

Nur ungebildete, bürgerliche Feuielletonisten schreien heute noch begeistert in die Welt hinaus, dass sie nach Jahrzehnten des ungelenken Bemühens, die für sie schwierige Schullektüre endlich verstehen (wie unlängst etwa Georg Büchner, der vom medialen Messdiener Mattussek im SPIEGEL vermeintlich verstanden wurde – was keinesfalls gegen Büchner spricht).

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Für Boyd, der 1969 erstmals nach England kam und in Ghana und Nigeria aufwuchs, war es ein besonders intensives Jahr:

„…the thing about 1969 that I remember, and I was seventeen in 1969, was that it was the first time I came to London. I grew up in Africa and ’69 was my summer in London. I remember watching the moon shot in a horrible flat in Pimlico, I remember the music, and I remember the fashions. So, it was great for me to go back to my seventeen-year-old self and imagine the world I was going to put Bond in. There was a lot going on in ’69. It was a very interesting period, and of course London was also at the height of it’s “Swinging London” coolness. We think of the 60s and London, but actually “Swinging London” didn’t really begin until ’65, ’66. So, to think of Bond in London in ’69 is very intriguing. I can remember it vividly… going back to 1969 is blissful. There’s not even security checks at the airport. You can smoke everywhere! So, it was fun to time travel.”

Eine Zeit des Umbruchs. In der „ein intelligenter Mann wie Bond die gesellschaftlichen Veränderungen wahrnimmt“. Es war auch die Zeit der Gräuel des Biafra-Krieges, die Boyd sicherlich besonders intensiv wahrgenommen hat. Perverser Weise waren sowohl Briten wie Sowjets auf Seiten Nigerias um ihre Öl-Interessen zu sichern. Ein anderer großer Thriller-Autor, Frederick Forsyth, war zur selben Zeit als junger Kriegskorrespondent in Biafra und verlor seinen Job, weil er Partei für die Sezessionisten ergriffen hatte (Freddies erstes Buch war ein Sachbuch über den Biafra-Krieg).2358903[1]

Boyd greift in SOLO auf diesen Ölkrieg zurück, dem wir den schönen Begriff „Biafra-Kind“ verdanken (Boyd führt dieses Bild im Roman auf und deprimiert nicht nur den Leser, sondern auch 007); ein Synonym für verhungernde Kinder, die bereits verreckt sind, wenn ihre Fototos in den Verursacherländern für heuchlerische Betroffenheit sorgen. Boyd verschlüsselt Nigeria und Biafra mit fiktiven Ländernamen (Zamzarin und Dahum), folgt aber weitgehend den damaligen Realitäten. Bond kommt genau in den Moment ins fiktive Biafra, als ich die Fronten 1969 festgefressen hatten. „Ich muss meine Romane zeitlich und örtlich genau verankern. Egal, ob sie im Wien von 1914 oder auf den Philippinen 1902 spielen.“ Das bringt einen interessanten, neuen Aspekt in die Bond-Saga: Bisher hatte man 007 nur in reinen Kommando-Unternehmen gesehen, Boyd zeigt ihn in heißen Kriegshandlungen. Sowohl in Afrika, wie auch in Erinnerungen im 2.Weltkrieg.

Wenn Bond zum Autohändler geht um den damals, ich erinnere mich noch gut an dieses Geschoss, hoch geschätzten Jensen Interceptor zu begutachten, vermittelt Boyd dieselbe naive Freude an außergewöhnlicher Konsumtechnologie, die auch Fleming so faszinierend vermitteln konnte: Die kindliche Unschuld einer vergangenen, unbewussten Zeit, das kindliche bestaunen der Geschenke unterm Weihnachtsbaum.

Manchmal glaubt man den Meister selbst aus dem Grab zu hören, so genau trifft Boyd den amüsanten und arroganten Stil Flemings: „Bond hatte sich von den anderen abgesondert und ließ das drohende Chaos eines kleinen Landes auf sich wirken, das nach einer flüchtigen Phase der Selbstbehauptung dem Untergang geweiht war.“

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Boyd war nicht daran interessiert, Bond zu modernisieren oder akzeptabler für ein politisch korrektes Publikum zu machen. „Er ist ein Mann seiner Epoche. Er raucht und trinkt und macht alles, was der klassische Bond gemacht hat.“ Vom Film-Bond ist er so weit entfernt wie die TAGESSCHAU von politischer Analyse. Allerdings verzichtet Boyd auch auf den antiquierten Chauvinismus und gelegentlichen Rassismus, den man bei Fleming findet und der ihn so leicht angreifbar machte (dabei sollte man berücksichtigen, dass Fleming ein Kind seiner Zeit und seiner sozialen Schicht war).
Kommen wir zum Fazit:
Hat mich der neue Bond so gepackt wie ein Roman von Ian Fleming?

Nein.

Aber was man mit 13 Jahren liest, hat nun mal eine andere Durchschlagskraft, wie etwas, das man mindestens tausende Thriller später gelesen hat. Boyds Bond-Roman ist der Beste seit Kingsley Amis´ COLONEL SUN. Ihn unterscheiden Welten von dem Quatsch eines John Gardner oder Jeffrey Deaver. Boyd hat mir für ein paar Stunden etwas von meiner Kindheit zurück gegeben – was kein Bond-film schafft.

Endlich wurde für den deutschen Markt auch wieder mal ein Thriller übersetzt, der nicht zum Gähnen langweilig ist (worauf sich ja viele Verlage spezialisieren) und sogar das fast verdorrte Pflänzchen „männlicher Leser“ mit einem fiktionalen Text erreichen könnte.

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William Boyd: SOLO. Berlin Verlag, 2013; 365 Seiten; 19,99 Euro.
Blendend übersetzt von Patricia Klobusiczky.

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Die vier Vorsitzenden der “Anti-Hedonismus-Liga” diskutieren nicht den Roman von Boyd und kommen zu einem vernichtenden Urteil über Ian Fleming.
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Von links nach rechts: Hugo Drax, Rosa Klebb, Buonapart Ignace Gallia und Irma Bunt.



BOND IS BACK! by Martin Compart
27. September 2013, 9:22 vormittags
Filed under: Ian Fleming, James Bond, Spythriller | Schlagwörter: , , , ,

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Deutscher Erstverkaufstag 1.10!

Nun ist er endlich da, der neue James Bond-Roman von William Boyd, der hoffentlich (aber da bin ich mir sicher) die Katastrophe von Jeffrey Deaver vergessen macht. Ich bin fast sicher, dass Boyd den besten Bond seit Kingsley Amis vorlegt. Naja, da gehört nicht viel zu, könnte man einwenden. Ganz ordentlich war noch der Bond-Roman von Sebastian Faulks. Aber letztlich fühlte auch der sich nicht „richtig“ an. Faulks verachtete Thriller letztlich, während Boyd keinen Unterschied zwischen Thriller und sogen. Literatur macht.
Vergleicht man die Herangehensweise von Faulks und Boyd, wird einem schnell klar, wieso Boyd der richtige Autor sein muss.

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FAULKS:
Für mich war es mehr eine Schreibübung. Ich habe die Bücher analysiert, versucht zu verstehen, wie sie gemacht sind – und dann habe ich selbst eins gemacht.

Literarisch kann man nicht besonders viel von Fleming lernen. Vielleicht, wie man Spaß hat am Schreiben.
Fleming hatte gesagt: Ich kann das in sechs Wochen raushauen. Also habe ich gesagt: Okay, ich kann das auch in sechs Wochen raushauen. Und das habe ich ja auch geschafft.

Er ist eine alberne Figur, das dürfen wir nicht vergessen. Ich sage Ihnen, was ich an Bond mag: Er ist einfallsreich. Na gut, es gibt etwas, das wir von ihm lernen können: In jedermanns Leben tauchen unerwartete und schwierige Situationen auf. Das Geheimnis guter Lebensführung besteht darin, dass man an diesen Situationen wächst und etwas in sich selbst findet, von dem man zuvor nichts ahnte. Das mag ich an Bond.

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BOYD:
I also knew a lot about Ian Fleming, who is a man who has always fascinated me.

Boyd said he had been a fan of the books more than the films since reading From Russia With Love as “an illicit thrill” after lights out at his boarding School

I re-read every Bond novel and Bond short story in chronological order before I started writing my own, and Fleming gives you a massive amount of information about Bond.

The thing is with the literary Bond, as opposed to the cinematic Bond, is that he’s a very complex character. I mean he is a cool, capable guy and he’s a very successful operative, but what makes him fascinating for readers is the darker side. He’s troubled, he makes mistakes, and I think that three-dimensional portrait of him you get in the novels explains why he’s not just some cardboard caricature spy, he’s a real living, breathing, interesting individual.”

Fleming’s genius, in a way. It wasn’t the fact that he managed to think of a dozen or so fascinating stories, it was that he created a character – like Sherlock Holmes, or Alice in Wonderland.

Having said that I was interested in the man, I wanted to make the novel very real… I couldn’t have written a fantastical, or silly, or gimmicky Bond novel. I had to write a really gritty, down-to-earth, realistic one.
I’m not too keen on the expression ‘Bond girl’ because I think Bond has relationships with women.

ÜBER DEN NEUEN BOND-ROMAN DEMNÄCHST MEHR. Erst mal habe ich das Vergnügen, Telefon und Internet abzuschalten, um mir die volle Dröhnung zu geben!



HÖRBUCH: LIEBESGRÜSSE AUS MOSKAU by Martin Compart
3. Juli 2013, 3:19 nachmittags
Filed under: Hörbücher, Ian Fleming, James Bond, Rezensionen | Schlagwörter: , , , ,

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Ian Fleming und Deutschland – ein übles Kapitel.

Für die Bond-Filme ist Deutschland der zweitwichtigste Markt.61908b58-c65c-45f4-a728-478f4ffe6c35[1]

Der Umgang mit den Romanen, ein Elend. Wenig inspiriert und gekürzt wurden die Erstausgaben durch den Scherz-Verlag veröffentlicht. Der Heyne Verlag versuchte in den 1990ern eine ungekürzte Ausgabe (obwohl er die neuen Bondromane von Raymond Benson nicht fortführte). Und jetzt versucht sich ein Comic—Verlag an den Originalen Flemings. Das hat auch etwas abstruses: von einem Comic Verlag hätte ich eher erwartet, dass er eine längst überfällige Gesamtausgabe der tollen Bond-Comic Strips angeht.

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Nun gibt es jedenfalls auch eine Audio-Book-Ausgabe von Flemings 007-Romanen bei Lübbe Audio. Alle in „bearbeiteter Fassung“ auf 4 CDs gekürzt und im Schnitt mit 290 Minuten. Vorgetragen werden die gekürzten Bücher tadellos von Oliver Siebeck.
2006 gab es bereits Hörbuchausgaben von vier Bond-Romanen bei Random House. Die waren geradezu katastrophal gekürzt (jeder Roman auf eine Lesung von Hannes Jaenicke auf unter zwei Stunden).

6a00e3981f1e398833014e8b34c60b970d-320wi[1]Man fragt sich, warum Lübbe Audio auf die ungekürzten deutschen Fassungen zugreift, wenn dann doch gerafft wird. Der für die Kürzungen verantwortliche Lektor streicht häufig weg, was den spezifischen Reiz und den Zeitgeist von Fleming ausmacht. So hat man wichtige Dialoge kleiner gemacht und natürlich die „politisch unkorrekten“ Passagen gestrichen. Etwa, wenn Bond am Anfang von LIEBESGRÜSSE über Homosexuelle und Intellektuelle herzieht (bis hin zu „Nicht alle Intellektuelle sind homosexuell.“). Dazu passt die kleine Anekdote über die einzige Kritik an LIEBESGRÜSSE. Der meinte damals, „Ian´s Russians appeared dull and two-dimensional“. Was nicht stimmt. Fleming erwiederte: “This is because Russians are dull people.”
Wenn man Dialoge auf die reine Handlungsinformation runterkürzt, nimmt man ihnen die Möglichkeit, die Personen, Situation oder Atmosphäre zu charakterisieren oder zu reflektieren. Gerade darin besteht aber auch ein Teil von Flemings Kunst. Dieses wegzulassen, reduziert ihn.
Zum Glück ist LIEBESGRÜSSE nicht so unglaublich dämlich zusammengefasst wie Dan Browns INFERNO. Aber Verständnisprobleme sind auch hier: Etwa der aus dem Kontext nicht mehr verständliche „Vorfall“ im Zigeunercamp. Dabei gibt es gerade bei den frühen Flemings einiges an peinlichen Romantizismen zu streichen, die keinerlei Auswirkungen auf Ideologie, Stil, Atmosphäre oder Handlung haben.

Mehr als ärgerlich, geradezu unverschämt und urheberrechtlich bedenklich, ist die Nichtnennung der literarischen Quelle (Cross Kult) und der Übersetzer. Diese übernehmen weitgehend und wörtlich bei LIEBESGRÜSSE Formulierungen der alten, gekürzten Scherz-Übersetzung von Mechthild Sandberg – die nicht schlecht ist. Bei einer „ergänzenden Übersetzung“ muss man sie aber auch angeben. Es ist geradezu sittenwidrig wie manche Audio-Verlage diese gesetzlichen Vorgaben negieren, bzw. den Grauraum neuer Medien ausnutzen. Denn diese Nichtnennung hat für die Übersetzer klare Nachteile (wenn sie diese nicht selber etwa der VG WORT mitteilen). Die Lübbe-Audio-Ausgaben der Bondromane übernehmen die Cover von Cross Kult, was aber ebenfalls nicht aus dem Impressum hervorgeht.

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Ich habe mir mal den 5.Bond, LIEBESGRÜSSE AUS MOSKAU, angehört, zu Lebzeiten von Fleming sein erfolgreichster Roman. Vielen Fans gilt er als bester Bond-Roman, vielleicht, weil er weniger phantastische Momente enthält. Fleming ist hier ganz klar auf dem Höhepunkt seiner bemerkenswerten literarischen Kunst (und bleibt es auch bis MANN MIT DEM GOLDENEN COLT; wobei ich persönlich auch die ersten vier Bonds außerordentlich schätze). Aber jeder seiner Bond-Romane ist, trotz aller von Kingsley Amis heraus gearbeiteten Formellastigkeit, anders und originell. Absolut souverän beherrscht er sein Material und setzt es stilistisch beeindruckender um als 90% seiner Epigonen. Besonders für die Atmosphäre seiner Handlungsorte – hier besonders eindrucksvoll die geschilderte Zugfahrt mit dem Orientexpress – besaß Fleming eine Sensibilität wie die besten Schriftsteller. Nicht von Ungefähr gehörte der überaus kritische Raymond Chandler zu seinen größten Fans. Das Ende des Romans spiegelt übrigens Sherlock Holmes und die Reichenbachfälle wieder und löste damals bei den Bond-Fans ähnliche Besorgnis aus wie zuvor bei den Fans von Sherlock Holmes.

Der Bond-Fan kann mit diesen Audio-Ausgaben leben, aber glücklich machen sie nicht. Um die Originale (und verschiedenste englische Hörspiel- oder Hörbuchfassungen) kommt man eb en nicht herum.

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Leider hat es Cross Cult versäumt, auf die Penguin-Ausgaben mit den stärkeren Covers und den interessanten Vor-und Nachworten zuzugreifen (u.a.von Charlieg Higson, Michael Dibdin, Jeffrey Deaver).

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AUFGEPASST, TIERSCHÜTZER! by Martin Compart
10. Mai 2013, 9:06 vormittags
Filed under: ORGANISIERTE KRIMINALITÄT, Parasiten, Tierschutz | Schlagwörter: ,

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Die Sodomisten und Tierquäler fahren gerade wieder eine Offensive um engagierte Tierschützer mundtot zu machen. Ihr Trick: Sie bedienen sich Maulwürfe, um an Interna zu gelangen, die nicht veröffentlicht werden sollten, zum Beispiel schwarze Listen (auf denen diese Dreckstypen identifiziert und benannt werden). Der Maulwurf sorgt dafür, dass diese Listen im Netz veröffentlicht werden. Dann kann der Sodomist nämlich klagen (Datenschutz, Verleumdung usw.). Ein Tierschützer sieht sich bereits von einer Klagewelle überrollt (ca.50 Sodomisten und Tierquäler haben sich offenbar vereint um ihn fertig zu machen, was leicht den Tatbestand einer – lacht nicht – „Verschwörung“ erfüllt und als solches gerichtet werden kann. Knotenpunkt scheint eine Staatsanwaltschaft in Ostdeutschland zu sein. Falls einer von Euch betroffen ist/wird: Sofort Gegenklage erheben. Wir arbeiten an der Möglichkeit eines Unterstützerfonds. LASST EUCH VON DIESEN LUMPEN NICHT BEEINDRUCKEN!
Am Ende kriegen wir sie alle.

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NEWS: 007, JUBILÄUM und SKYFALL by Martin Compart
26. Oktober 2012, 7:14 vormittags
Filed under: Ian Fleming, James Bond | Schlagwörter: , ,

Neues und älteres zu JAMES BOND von mir findet man natürlich in diesem Blog und auf:

http://jungle-world.com/artikel/2012/43/46478.html

www.evolver.at/stories/James_Bond_online_2012/



NEWS by Martin Compart
14. Juni 2012, 9:20 vormittags
Filed under: NEWS, Politik & Geschichte, Spythriller, thriller | Schlagwörter: , , , ,

Durch Zufall (ich war mal wieder auf der Suche nach neuen Informationen über ein paar Lieblingsautoren) entdeckte ich im Netzmagazin Cultmag eine bisher siebenteilige Serie von Alf Mayer, die ein Portrait von Stephen Hunter als Ausgangspunkt nimmt. Die Serie ist so gut, dass ich sie meinen Lesern, unbedingt empfehlen muss (ist auch etwas für Sie, Herr Westenfelder!)
In seinem Portrait über den ebenso umstrittenen wie grandiosen Thriller-Autor Stephen Hunter integrierte Alf Mayer eine Kulturgeschichte des Scharfschützen und seiner Spuren in Literatur und Film, die zum faszinierendsten gehört, dass ich zum Thema gelesen habe. Auch wenn mir die Analyse und Darstellung von Hunters Romanen in einigen Aspekten etwas zu kurz kommen, besticht Mayer durch seine immense Bildung in Kriegsgeschichte, Film und Thriller. Seine entwicklungsgeschichtliche Darstellung der „Sniper-Kultur“ beinhaltet moralische Fragestellungen und eine daraus resultierende Mentalitätsgeschichte. Neben Hunter behandelt er eine ganze Reihe von Thriller-Autoren, die ebenfalls dieses Sujet beackert haben. Und wohl jeder Film zum Thema wird akribisch durchgekaut.
Selten ist die Auseinandersetzung mit dem Thriller und seine gesellschaftspolitischen- und medialen Hintergründe bei uns auf so hohem Niveau.

Diesen Link herunter scrollen, dann kann man die Serie chronologisch aufrufen:http://culturmag.de/rubriken/buecher/alf-mayers-blutige-ernte-stephen-hunter-teil-vii/48372

P.S.: Da verzeihe ich Herrn Mayer sogar, dass er nicht dazu in der Lage ist, das Raffinement des Stils (Höhepunkt ist m.E. DER AFGHANE) von Frederick Forsyth zu erkennen.



WILLIAM BOYD SCHREIBT DEN NÄCHSTEN 007-ROMAN by Martin Compart
12. April 2012, 10:26 vormittags
Filed under: Ian Fleming, James Bond, Spythriller | Schlagwörter: , , ,

Rechtzeitig zum nächsten Bond Jubiläum 2013 – diesmal “60 Jahre CASINO ROYALE” – gibt es den nächsten Roman. Nun ist William Boyd dran, der sich mit exotischen Abenteuergeschichten und auch Agentenromanen einen gewissen Ruf erschrieben hat. Bei uns wurde er von Ulrich Wickert als “neuer Graham Greene” etikettiert. Das darf man ihm nicht vorwerfen; einer Quasselstrippe wie Wickert, der einfach nicht die Tinte halten kann, ist schwer zu entkommen. Boyd ist natürlich bekennender Bond-Fan und hat Ian Fleming bereits in seinem Roman ANY HUMAN HEART (2002) als Rekrutierer der Hauptperson für den britischen Geheimdienst auftreten lassen. Sein Lieblings-Bond ist FROM RUSSIA WITH LOVE. Der Titel steht noch nicht fest, aber die beste Nachricht überhaupt: Es wird ein klassischer Bond, der 1969 spielt. Vielleicht knüpft er an Sebastian Faulks DEVIL MAY CARE an. Boyd: “Ich sagte sofort zu. Diese Chance bekommt man nur einmal.”

Eine weise Wahl, nachdem der Amerikaner Jeffrey Deaver (siehe in diesem Blog) in CARTE BLANCHE Bond unglaubwürdig in die Gegenwart transponiert hatte und 007 zu einem politisch korrekten harmlosen Thriller-Männchen umgestaltete. Die Strafe folgte: In der ersten Woche verkaufte Deaver nur ein Drittel von Faulks Roman; weltweit bisher “nur” 160 000 Exemplare.

Die Idee der Fleming-Erben neue Bond-Romane von namenhaften Autoren schreiben zu lassen, ist interessant und spannend. Für anspruchsvolle Fans jedenfalls aufregender als wenn Hacks wie John Gardner oder Raymond Benson die Figur über viele Bücher fortschreiben.

P.S.: Der renomierte Comic Verlag CROSS CULT plant eine ungekürzte deutsche Gesamtausgabe der 14 Bond-Bücher von Fleming.




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