Martin Compart


Ein Drehbuchautor besucht RTL-Redakteure by Martin Compart
19. August 2014, 4:44 nachmittags
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ERMITTLER EMPÖRT! by Martin Compart
26. Juli 2014, 5:54 nachmittags
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So betexteten die hirnentkernten “Journalisten” die gnadenvolle Nachricht, dass weniger TATORTE am Sonntagabend auf ihr sediertes Publikum abgefeuert würden.
Das ist die gute Nachricht.
Die schlechte ist, dass auf einem TATORT-Sendeplatz eine Folge der neuen “Krimi”-Serie über einen Ermittler aus der, ich fasse kaum diese historische Boardwalk Empire-Perspektive, Weimarer Republik platziert wird. Aber auch da gibt es eine gute Nachricht: Ausnahmsweise wird das nicht von Nico Hoffmann, dem Zeitgeschichts-Verweser des deutschen Volksempfängers produziert, sondern von den lediglich peinlichen X-Filmern (denen man nur ein X für ein O machen kann).
Freuen wir uns auf eine weitere Blamage des deutschen Fernsehens!
(aus dem Protokoll eines Einstellungsgespräches beim ZDF:
“Wann war der 2.Weltkrieg?”
“Nach dem ersten.”
“Da haben wir wohl einen neuen Guido Knopp gefunden.”)



DEUTSCHER TV-SERIENSCHROTT-die endlose Geschichte by Martin Compart
29. August 2013, 7:38 vormittags
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Jedes Jahr dasselbe Ritual: zu einer komplett sinnlosen Medienveranstaltung, wie etwa die Cologne Conference, werden von den verantwortlichen Wichtigtuern („Wir machen auch was über Internet und TV-Serien oder so.“) ein paar amerikanische Serienmacher der Spitzenklasse, also Angehörige einer weit überlegenen Spezies, eingeladen, damit sie den deutschen „Kollegen“ mal erzählen, wie man das so macht. Fernsehserien auf hohem Niveau, meine ich. Die deutschen „Kollegen“ hören erstaunt zu und beplappern dann wie aufgeregte Enten, was in Deutschland alles passieren müsste, damit man auch so was Schönes machen dürfe. Keiner von ihnen kommt natürlich auf den Gedanken, dass sie es nachgewiesen nicht nur nicht dürfen, sondern gar nicht können. Weder der debile Redakteur, der Subtext für eine Garagenband aus Birmingham hält, noch der ach so unterforderte Autor, der mehr How-to-write-Bücher sein eigen nennt als er moderne Klassiker der Kriminalliteratur gelesen hat. Und schon gar nicht die Produzenten und Regisseure, für die es vor BATMAN RETURNS kein Kino gab („PARALLAX VIEW war vor meiner Zeit – was ist denn das? Eine vergessene Star Trek-Folge?“).
Schlimm genug, dass sie kaum Ahnung von der komplexen Entwicklungsgeschichte der Fernsehserien haben, aber sie kenn auch weder Filme noch Bücher. Bei HBO dürften sie nicht mal das Klo schrubben.

Wer sowas (und natürlich noch viel mehr) nicht kennt, wird niemals etwas wie HOMELAND, SPOOKS, AMERICANS oder SANDBAGGERS auch nur im Ansatz entwickeln oder umsetzen können. Wer nicht weiß, wo etwas her kommt, wird auch nicht wissen, wo es hingehen könnte.

Und immer wieder die Endlosschleifen der Vorträge und Diskussionen mit den Themen: Sind wir wirklich so schlecht? Warum sind wir so schlecht? Schuld sind die Anderen. So schlecht sind wir auch nicht. Wir haben 5 Mio Zuschauer. Nächstes Jahr machen wir was ganz tolles. Aber übernächstes Jahr bestimmt.
Abends besaufen sich dann alle Teilnehmer auf Steuerkosten und steigern sich abwechselnd in Euphorie und Depression. Alle wissen tief in ihrem inneren: sie sind die unfähigsten Mediengestalter des Kontinents, deren Ideen und Durchsetzungsvermögen nicht mal fürs maghrebinische Frühstücksfernsehen reicht. Statt das Licht zu meiden, zeigen und plustern sie sich bei „Fachveranstaltungen“ und Messen in aller Öffentlichkeit.

Was deutsche Serienmacher nie begreifen werden…

Vor ein paar Tagen wurde der ZDF-Unterhaltungschef Himmler in der ZDF-Sendung „log in“ vorgeführt. Er stieß auf kritische Serien-Fans wie Kalkofe und Dietz (ein Blogger), die seine Unfähigkeit und Hilflosigkeit verdeutlichten, künftig Serien zu produzieren, die im internationalen Niveau auch nur mit Belgien (man denke an die brillante Crime-Serie VERMIST) mithalten können. Einmal mehr belegte der Mann vom Lerchenberg (unter Insidern seit Klaus Bassiners Zeiten als „Berg der Ahnungslosen“ bekannt) die alte These: „Wir wissen zwar wie es geht, aber wir können es nicht“; wobei inzwischen auch der erste Teil als Unwahrheit enttarnt ist. Bei der ARD, dem ZDF, SAT1- oder RTL-Gruppe gibt es wohl kaum jemand, der auch nur ahnt, „wie es geht“. Dass sie es nicht können, beweisen sie mit jeder Produktion aufs Neue. Die Veranstaltung ist noch in der ZDF-Mediathek zu bewundern:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1967160/Fehlt-dem-ZDF-der-Mut%253F#/beitrag/video/1967160/Fehlt-dem-ZDF-der-Mut%3F

Immer wieder erzählen überdurchschnittliche Autoren, mit welch gruseliger Inkompetenz sie es in den Sendern zu tun haben. Das zieht sich von unterster Redaktionsebene bis hin zum Programmchef oder Abteilungsleiter und gilt genauso für öffentlich-rechtliche Sender wie für kommerzielle. Diese sind kaum dazu in der Lage, Serien wie HOMELAND oder THE AMERICANS zu analysieren, wollen aber gerne auch „so was ähnliches“ machen. Noch unwahrscheinlicher ist es, dass sie ein solches Projekt in Drehbuchfassung ansatzweise zu beurteilen vermögen. In diesen Regionen paart sich mindere Intelligenz mit Bildungslosigkeit. Wobei die ästhetisch-historisch größten Blindgänger wohl von den staatlich geförderten Medien- und Filmschulen kommen. Deren Ausbildungspersonal dürfte in Mehrheit gerade mal dazu in der Lage sein, eine kritisch Karl May-Film-Retrospektive in Burkina Faso zu organisieren. Die ganze Ausbildung ist deshalb auch nichts als ein trauriger Katalog überkommener Schablonen, die man perpetuiert damit sie immer wieder in die untersten Erdschichten der Gesellschaft absickern. In diesen Film-und Fernsehklippschulen müssen die Studenten erst allen Schaden und Schwachsinn erleiden um ihn dann selber auszuüben.

Niemand hier bekäme auch nur eine dieser Szenen hin.

Die visuelle Erbärmlichkeit von TATORTs oder SOKOs zeigt, auf welchem Niveau auch Regisseure von diesen Institutionen ausgebildet werden. Künftige Redakteure lernen dort höchsten das kleine 1×1 einer überholten Dramaturgie aus Reclam-Heftchen und Syd Field-Postillen und scheitern bereits an der Analyse eines Howard Gordon oder David Chase.

Wenn das ZDF beschließt einen Großteil des aus deutschen Gebühren bestehenden Serienetats in Co-Produktionen mit ausländischen Produktionen zu stecken, kann man diese Verzweiflung sicherlich verstehen. Der Sender suggeriert damit:

- Wir sind nicht dazu in der Lage, selbst Qualitätsfernsehen herzustellen (die ausländischen Produktionen werden den Teufel tun und eine unbedarfte ZDF-Lemure inhaltlich mitreden lassen; das ZDF darf Geld geben und gelegentlich einen deutschen Schauspieler vorschlagen).

- Wir bewegen uns rechtlich auf dünnen Eis. Denn deutsche Steuer- und Gebührengelder werden nicht im Inland für eigenständige Produktionen verwendet, sondern um ausländische Firmen (mit) zu finanzieren. So schwächt man nicht nur geistig sondern auch materiell die einheimische Wirtschaft mit einer Etatvergabe, die (Staats-) vertragsrechtlich zumindest bedenklich, wenn nicht sogar ein eklatanter Verstoß, ist. Das sollte ein Autoren- oder Produzentenverband, der seinen Namen verdient, juristisch mal prüfen lassen. Aber das wagt man nicht, denn sonst könnte der dafür verantwortliche Querulant aus dem Spiel genommen werden. Genauso wenig wird ein Autor gegen einen Sender oder eine Produktion vor den Europäischen Gerichtshof ziehen um sich dort die Sittenwidrigkeit seiner Buy-out-Verträge bestätigen zu lassen. International lacht man nicht nur über unsere Serien-Produkte, sondern auch noch über die Autorenverträge. Und natürlich über die deutsche Feigheit.

Deutsche Serien lassen einen emotional völlig kalt. Dabei könnte man durchaus eine Art deutsches DEADWOOD (oder noch besser: etwas Originäres) machen, dass die Welt interessieren würde. Etwa das Freikorps im Baltikum oder die Ringvereine in Berlin.

Ein weiteres Problem bei den öffentlich-rechtlichen sind die politischen Parteien, die in oligarchischer Arroganz in „ihre“ Anstalten hinein regieren. Unterdurchschnittliche Politiker, wie sie heute in diesen Gremien sitzen, haben kein Interesse an überdurchschnittlichen Serien; sie haben zwangsläufig nicht einmal Interesse an überdurchschnittlichen Programmen. Deshalb halten sie sich auch unterdurchschnittliche Satrapen als Intendanten, die wiederum darauf achten, dass ihre Mäßigkeit nicht von übermäßig klugen oder engagierten Untergebenen konterkariert wird (anders ist letztlich eine Doris J.Heinze nicht erklärbar).

Kommen wir mal dazu, was sich in Deutschland so Produzent nennt – ein ähnlich anstrengender Lehrberuf wie Privatdetektiv, Heiratsschwindler oder Society-Experte. Wer nicht durch wie auch immer geartete Zuwendungen fest im Darm eines Redakteurs oder Programmchefs sitzt, hat es schwer und gehört meist zur Kategorie der Bluffer. Auf Abendveranstaltungen erkennt man sie daran, dass sie entweder fröhlicher oder devoter als ihre schmierigen, etablierten Konkurrenten sind. Im Stab einer Produktionsfirma spiegeln sich die Mitarbeiter der Sender wieder. Dies illustriert sich oft dadurch, dass beide Parteien regelmäßig ihre Laufburschen austauschen und so den Kreis derer übersichtlich halten, die schmatzend die Etat-Tröge auslecken. Was sie verbindet ist ein Übermaß an Unfähigkeit. In diese Inzestpools werden nur neue Leute eingespeist, die ihre Fähigkeit zur Korruption und ihr Ungenügen zum anspruchsvollen Programm nachweisen.

Da sich inzwischen eine kritisches TV-Kritik auf dieses Thema eingeschossen hat, weht den Verantwortlichen ein schärferer Wind entgegen.

und:

FORTSETZUNG FOLGT

siehe auch:

http://martincompart.wordpress.com/2012/03/05/das-endlos-thema-deutscher-tv-serien-mist/

und:

http://martincompart.wordpress.com/2013/03/16/micky-maus-am-tatort-u-the-americans/



Micky Maus am TATORT u. THE AMERICANS by Martin Compart
16. März 2013, 1:58 nachmittags
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Nach Jahren der wohl verdienten Abstinenz, habe ich mir mal wieder einen TATORT angetan. Klar, ich wollt das peinliche Scheitern von Micky Maus als Bruce Willis auch sehen. Schließlich hatten 12 Mio. eines 80 Mio.-Volkes ebenfalls zugeschaut als Til Schweiger (hart wie ein Bahlsen Keks) zum Schwanzvergleich auflief. Die Micky-Maus-Synchronstimme nuschelte sich einmal mehr durch ein Schwachsinnsdrehbuch,das nie die Realität des Handlungshintergrundes mit der fiktionalen Geschichte spannend oder nur glaubhaft vernetzt. Eine langweilige Nummernrevue, aufgemotzt durch eine Action, die sich am US-Kino der 1980er Jahre zu orientieren versucht. Aber Schweiger (würde er sich doch nur seinen Namen zum Lebensmotto erheben) scheiterte nicht alleine. Dabei wurde er von einem grottigen Drehbuch voller erbärmlicher Dialoge (der Herrenwitz vom Schwanzvergleich durfte natürlich nicht fehlen und würde sogar von Fips Asmussen aus dem Programm geworfen) und einer Regie, die bei Schießereien nicht das geringste Gefühl für den Raum (und damit Bedrohlichkeit) entstehen ließ. Immer nach dem Grundsatz der deutschen TV-Serienmacher: “Wir wissen zwar wie es geht, aber wir können es nicht.”
Nur gut, das Leonardo da Vinci die Vorlauftaste erfunden hat.

Was heisst Parodie? Diese ultra brutalen Szenen sind rausgeschnitten worden, da man den TATORT sonst erst nach 23.00 Uhr hätte ausstrahlen dürfen.

Ein Intelleller erzählt worums geht.In Amerika gibt es auch keine Steuergelder für das Debilenfernsehen. Das wird logischer Weise durch die Werbung finanziert.

War das noch ein TATORT? Fragten verwirrte Postillenschmierer. Aber gewiss. Er hat sich nahtlos in das übliche Niveau eingefügt. Prekariatsfernsehen mit einem Budget, wie es nur die öffentlich-rechtlichen stemmen können.

Und dann wieder die Angelsachsen. Ein Schock nach dem nächsten. Dank ARTE (der wohl beste Seriensender im Free-TV) durfte man gerade INJUSTICE und THE HOUR bewundern. Im Internet hat man HOMELAND sehen können (wer will diese tolle Serie denn zerstückelt bei SAT 1 sehen?). Und jetzt nehmen die Amis den McCarthy-Knaller I WAS A COMMUNIST FOR THE FBI, drehen ihn um 180° und machen daraus eine der aufregendsten und intelligentesten Serien überhaupt. Die Prämisse hätte eine schöne deutsch-deutsche Problematik für eine originelle Eigenproduktion hergeben können. Aber die dumpfen Redakteure mit ihrem a-historischen Bewusstsein hätten das Potential sowieso nicht erkannt („Das ist doch eher was für Guido Knopp.“).

Aber ich will nicht lange rumlabern. Hier THE AMERICANS; in der Hoffnung, dass es bald die DVD-Box gibt.



STAMMTISCHGEGRÖLE: HURRA! Doris J. Heinze ist wieder da! by Martin Compart
18. Juli 2012, 5:12 nachmittags
Filed under: DEUTSCHER-TV-SCHROTT, Drehbuch, NEWS, Parasiten, Stammtischgegröle, TV | Schlagwörter: ,


Dass sie ihrer Karriere dem Aussehen verdankt, ist wohl das Einzige, was man der ehemaligen NDR Fernsehspielchefin Doris J. Heinze nicht vorwerfen kann. Sie hat lediglich, wie andere auch, ihre kriminelle Energie genutzt um sich in einer höchst korrupten Branche zu bereichern. Erste Erfahrungen in Film und Korruption dürfte sie als Geschäftsführerin des Filmbüro NW e. V. gesammelt haben.Erschwerend hinzu – und das verlangt ja nach einer Haftstrafe – kommen ihre ästhetischen Verbrechen. Durch den Minderwertigkeitskomplex des Emporkömmlings Heinze wurde die Burdagattin Fuhrtwängler zur TATORT-Kommissarin und tyrannisiert mit ihrer erbarmungslosen Ausdruckslosigkeit das Zuschauerprekariat. Gnadenlos hat sie jahrelang Gebühren- und Steuergelder geplündert um ihren eigenen Drehbuchmist und den ihres Ehemannes selbst zu bewilligen. Kann man ihr das übel nehmen? Der NDR zahlte ihr ja nur läppische 104.000 Euro im Jahr; also gerade mal das Existenzminimum.

Als der Betrug aufflog, kam sie nicht in Untersuchungshaft, sondern zog sich in ihr Eigenheim auf eine Nordseeinsel zurück. Frei nach dem Tegtmeier-Motto: „…möchte ich durch ein schönes Leben meine Verbrechen ungeschehen machen“. Vorbei die schöne Zeit, wo man, umringt von Parasitenschwärmen, die erbärmliche Existenz schön denken konnte. Statt die Gelegenheit wahr zu nehmen um ins Wasser zu gehen (sie hat ja eh schon das Charisma einer Wasserleiche), setzte sie sich hin und schrieb einen Kriminalroman, der wohl das Niveau ihrer für nicht debile Zuschauer unerträglichen Fernsehspiele fortsetzt. Der mir zum Glück völlig unbekannte Ellert & RichterVerlag stellt ihr Werk so vor:

„Auf der Insel Nordstrand ist noch alles in Ordnung. In der Welt aber brechen die Finanzkrise und der isländische Vulkan Eyjafjallajökull aus damit ist die Ruhe, die der Ex-Ermittler Karl Hieronymus Schröder eben noch auf der Insel genossen hat, dahin. Inspektor Doharty aus London ruft an und holt ihn zurück in die Welt der Verbrecherjagd. Er berichtet von krummen Bankgeschäften, der russischen Mafia und mehreren Toten. Ein indisches Software-Genie muss dringend aufgespürt werden, das wegen der Aschewolke des Vulkans auf dem Frankfurter Flughafen festsitzt. Während Schröder und Doharty ermitteln, gerät der Inder zwischen alle Fronten. Nicht nur seine Auftraggeber, große Banken in aller Welt, werden zunehmend nervös, auch die russische Mafia hat ihn schon ins Visier genommen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Ein packender Thriller, eine überzeugende Erzählerin. Doris Heinze hat einen weltläufigen Thriller verfasst. Kiew, London, Mombasa, New York, Mumbai und Nordstrand sind seine Schauplätze. Vor allem aber lebt Höhere Gewalt von seinen eigenwilligen Charakteren und der schnellen, spannungsgeladenen Handlung.“

Sofort weiß der Leser, dass er in schlechten Händen ist. Da hat Doris, ihr Hirn überschätzend und unter übermenschlicher Aktivierung ihrer Willenskraft, alle Airport-Thriller studiert, um eine schnelle Mark zu machen. Woher soll die Arme auch wissen, dass der Buchmarkt nicht wie ihr Gebühren gesteuerter NDR funktioniert? Wenn man erstmal anfängt Mist zu gucken, wird man irgendwann auch mal Mist schreiben. Also sind die Chancen nicht schlecht, das Elaborat an einen Fernsehsender zu verkaufen, wenn sich erstmal die Wogen geglättet haben. Wahrscheinlich wird das aber noch einige Monate dauern.

Ein Brüller: Am ersten Tag der Verhandlung gegen Sie las sie
in der Buchhandlung Liesegang in Husum aus ihrem Kriminalroman. Der Eintritt war frei. Viele weitere Lesungen hat ihr Verlag schon angedroht. Über die leider schlecht besuchte Erstausstrahlung berichtete immerhin das deutsche Literaturmagazin NR.1, BILD.de:

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“Hohes Gericht, wir sind nur die Opfer des Systems.”

Die schönsten Zitate aus der HAMBURGER MORGENPOST zum Verfahren:

“Die 63-Jährige kommt nun wegen schwerer Bestechlichkeit, schwerer Untreue und Betrugs vor das Landgericht. Sie ist nicht allein auf der Anklagebank: Auch ihr Ehemann und die Filmproduzentin müssen sich vor der Wirtschaftsstrafkammer verantworten. “Für alle Beteiligten hat es sich um risikofreie und einträgliche Geschäfte gehandelt – zulasten der Gebührenzahler”, sagt Möllers…

Den drei Angeklagten werden insgesamt 14 Straftaten aus den Jahren 2003 bis 2009 vorgeworfen – so lange funktionierte das “System Heinze” wie ein gut geschmiertes Uhrwerk: Die damalige NDR-Fernsehspielchefin lieferte der Produzentin der AllMedia, einer früheren Tochterfirma von Studio Hamburg, stets neue Drehbücher von “Niklas Becker” und “Marie Funder”, sicherte als Gegenleistung im Sender die Auftragsvergabe an die AllMedia. Höhepunkt an Dreistigkeit bei dieser Mauschelei: Heinze verkaufte das gleiche Drehbuch zweimal, mit nur leicht verändertem Titel. Nachdem sie für “Dienstage mit Marie” bereits Honorar bezogen hatte, drehte sie der Hamburger Produktionsfirma Network Movie “Dienstage mit Antoine” an – und schädigte die Firma um rund 25 000 Euro…

Sie habe keine Ahnung gehabt, wie ihr Vorgehen “juristisch bewertet werden würde”. Schließlich sei sie nicht die einzige ARD-Redakteurin gewesen, die unter Pseudonym Drehbücher bei dem Senderverbund untergebracht habe. Eine von ihr namentlich nicht genannte Kollegin vom Bayerischen Rundfunk, die nun in der Privatwirtschaft arbeite, sei ebenso verfahren.
Sie und ihr Mann hätten ihre Pseudonyme der Verwertungsgesellschaft VG Wort gemeldet…”

Das ist gut so. Denn dann bekommt sie von der VG Wort nochmal richtig Geld, wenn ihre Machwerke wiederholt werden. Und die wird der NDR und andere ARD-Anstalten sicherlich wiederholen. So sorgt dann Kommissarin Furtwrängler und der NDR dafür, dass die Verbrechen auch später noch belohnt werden. Aber vielleicht schreibt sie dann wenigstens keine weiteren Kriminalromane. Schließlich bringt die Ausschüttung durch VG Wort und das Wiederholungshonorar (Vertrag ist Vertrag) für ein einziges TV-Spiel das x-fache eines durchschnittlichen Buchvorschusses.

“Man kann nicht mehr tun, als sich zu entschuldigen.” Weise Worte einer vom Schicksal schwer gebeutelten Frau, die viele Apfelbäume beschneiden muss. Tja, wer Spott haben will, muss erstmal für Schaden sorgen.



WEISE WORTE by Martin Compart
4. Mai 2012, 11:09 nachmittags
Filed under: Drehbuch, TV, TV-Serien, Weise Worte | Schlagwörter: ,

“Wenn dir im deutschen Fernsehen jemand sagt: Mach mal so was wie ,Breaking Bad’, diese Serie über einen todkranken Chemielehrer, der Drogen verkauft, kommt am Ende ein heuschnupfenkranker Kommissar dabei raus”, sagt Ortun Ertener, einer der wenigen erfolgreichen und anspruchsvollen deutschen Drehbuchautoren, die auch was zu riskieren versuchen.



ZUM 20.JUBILÄUM VON KAISERMÜHLEN BLUES by Martin Compart
28. April 2012, 4:03 nachmittags
Filed under: Drehbuch, Kaisermühlen Blues, TV, TV-Serien | Schlagwörter: , , ,

In den letzten fünf Wochen (März-April 2012) gelang es dem immer mehr in der Bedeutungslosigkeit versinkenden Sender 3SAT sein kaum noch vorhandenes Profil aufzuwerten. Schuld daran waren die Österreicher, die 10 Folgen (Folgen 44-54) der grandiosen TV-Serie KAISERMÜHLEN BLUES des Drehbuchgenies Ernst Hinterberger ausstrahlten. Wenn es eine deutschsprachige (jedenfalls teilweise) Kultserie gibt, die diese Bezeichnung auf hohem Niveau verdient, dann diese. Zuvor wurden die hinreißenden Wiener Milieustudien von Elizabeth T.Spita (etwa: “Am Würstelstand” mit so herzigen O-Tönen wie „Mir hätt´ der Hitler nichtmal als Maler gefallen.“) ausgestrahlt, die einen vortrefflich auf den audiovisuellen Höhepunkt der Woche (neben SPOOKS auf Fox-Serie) einstimmten. Satte 2 ¼ Stunden Unterhaltung vom Besten um das Wochenende fröhlich anzugehen, von keinerlei Werbung unterbrochen – ausgenommen, die dämlichen, auf ARTE schielenden, nutzlosen Zwischenspiele, die sich in ihrer ambitionierten Idiotie für einen GRIMME-Preis empfehlen.

KAISERMÜHLEN BLUES ist nur mit den weltbesten Serien zu vergleichen. In seiner schamlosen Nutzung und Vermischung unterschiedlichster Genres und ihrer Topoi, vom Sozialdrama über Soap bis zum police procedural, gar nur mit den allerbesten britischen Serien, die bekanntlich immer einen Tick besser sind als die besten US-Serien. Der bescheuerte Fachbegriff lautet Dramedy. Etwas schwach für einen kulturellen Höhepunkt einer degenerierenden Zivilisation.
Was bei Dietl und Süßkind (MONACO FRANZE, KIR ROYAL) als fernsehdramaturgisches deutsches Wunder von der Kritik ehrfurchtsvoll beklatscht wird, hat Hinterberger in seiner langen erfolgreichen Karriere zu Hauff besser rausgehaun – vom deutschen Feuilleton weniger wahrgenommen als ein Experimentalfilm aus Bukina Faso. Der noch immer in einer 44qm kleinen Wohnung in Wien lebende Hinterberger verbindet Joseph Roht und Oskar Maria Graf mit Steven Moffat. Inzwischen ist er 81 Jahre alt.

Der Ausgangspunkt der vielschichtigen Geschichten ist eine Gemeindebausiedlung in Kaisermühlen, einem Bezirksteil des 22. Wiener Gemeindebezirks Donaustadt. Hier leben die aberwitzigsten und unterschiedlichsten Charaktere, deren Schicksale, ausgehend vom gewöhnlichem, aufs originellste miteinander verwoben werden. Informieren lassen sich einige von ihnen gerne durch das Magazin „Die bunte Wahrheit“. Dieser Titel alleine schon ist ein Brüller. Hinterberger achtete eben aufs kleinste Detail, Neben dem realistisch-zynischen Blick auf die Gesellschaft, zeichnen die Figuren auch die sprachliche Kreativität der Wiener aus. Das führt zu Dialogen, die man an Wortwitz und Tiefgang mit MONTY PYTHON, TWO AND A HALF MEN oder COUPLING vergleichen kann – aber eben wienerisch. Neben Politikern; Beamten und anderen kleinbürgerlichen Abscheulichkeiten kriegen auch die Popen ihr Fett weg („Der Monsignore ist ein geweihter Herr!“) und vermitteln etwas Distanz zum christlichen Irrglauben, dass Schmerzen der Preis für alles Gute sei.

Ein paar Dialogbeispiele, die geistreicher sind als die kompletten RTL- und SAT1/PRO7-Ketten zusammen:

„Ein Zombie wird doch mal eine Mittagspause machen können“, sagt der immer berückende Herbert Fux als angestellter Maskenträger der Geisterbahn, und zu seinem geschassten Vorgänger:“Ich bin eben universeller einsetzbarer als du.“

„Je älter du wirst, umso ähnlicher wirst du deinem Vater, der so jung hat sterben müssen.“

„Herr Polizist, helfen Sie mir!“
„Und wer hilft mir?“

„Was feiern´s denn?“
„Dass´deppert´s san, das feiern´s.“

„Das alles Schlechte zu uns kommen muss. Nachts schaust du dir <pornofilme an und tagsüber tus´t deine abwegigen Phantasien in die Tat umsetzen.“

„Lass es. Sonst bist du noch an einer Schicksalstragödie schuld.“
“Aber gerade die Schicksalstragödien hab´ ich doch so gern.“

„Amtshandeln muss man können!“

Die dargestellten menschlichen Schwächen, interpretiert durch Wiener Kreatürlichkeit, sind so beeindruckend und tiefsinnig und mit leichter Hand dargestellt, dass ihnen eine geradezu charmante Unbefangenheit anhaftet. Jeder deutsche Durchschnittsregisseur kann u.a. an der Serie lernen wie man Schauspieler inszeniert und timing macht. KAISERMÜHLEN BLUES ist noch lustiger als der andere 3SAT-Knaller: Wettlesen für Ingeborg Bachmann in Klagenfurth; nur optisch, stilistisch und inhaltlich auf weit höherem Niveau. Naja, die Produktionsfirma MR-Film hatte natürlich auch mehr Geld vom ORF bekommen.Unnötig noch zu sagen, dass Regiie (Harald Sicheritz, Erhard Riedlsperger, Reinhard Schwabenitzky), Produktion und die göttlichen Schauspieler zum Besten gehören, was das Medium hergibt.
„Als Hinterberger 1999 den Kaisermühlen-Blues beenden wollte, fragte der ORF nach einem Drehbuch für eine Spin-Off-Serie. Hinterberger und Regisseur Harald Sicheritz entschieden sich für die Figur des Trautmann und produzierten im Jahr 2000 einen 90-minütigen Krimi mit dem Titel Wer heikel ist bleibt übrig. Eigentlich hätte dies ein österreichischer Beitrag zur Krimi-Reihe Tatort werden sollen, aufgrund des in Deutschland angeblich unverständlichen Dialekts wurde dies aber kurz vor der Erstausstrahlung aus dem Programm gestrichen.“(Wikipedia), Typisch für die ARD-Trottel. Als ob man das Genuschel der Micky Maus-Synchronstimme Til Schweiger verstehen könnte, der uns als nächster TATORT-Kommissar angedroht wird. Der kann vielleicht eine Million Prekariats-Trottel in nach Gammelfleisch stinkende Cinedome locken, aber nicht einen zivilisierten Menschen vor den Bildschirm.


Die Serie lief von 1992 bis 1999, brachte es in 7 Staffeln auf 64+7 Sonderfolgen, die es in einer 17 DVDs umfassenden Box gibt, auf diekein wahrer TV-Serien-Afficionado verzichten kann. Ich habe sie gerade bestellt, da ich mich nicht auf das schwankende Niveau von 3SAT verlassen mag.




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