Martin Compart


STAMMTISCHGEGRÖLE: KRIEGSVORBEREITUNGEN WERDEN WIEDER AKTUELL von Martin Compart

Blöd gelaufen. Ein Sprachführer für die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan mit persischen Militärfloskeln zeigt, dass geplant ist deutsche Soldaten bei einem Krieg gegen den Iran einzusetzen. Aufgeflogen ist es durch eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Inge Höger. Unten stehendes Video zeigt sehr schön wie sich Staatssekretär Christian Schmidt windet und sein Ton macht deutlich, daß sein Demokratieverständnis ähnlich klein wie sein Hirn ist.

Verlogen und ekelig. Der Iran liegt südlich von Afghanistan. Die deutschen Soldaten sind in Norden eingesetzt, wo niemand persisch spricht.

Zum Ausgleich noch einen verblödeten SPD-Hinterbänkler, der “die Region nicht bereist hat” und im Crash-Kurs von Scholl-Latour scheitert aber jederzeit für die Erhöhung seiner Diäten stimmen musste, da wir sonst nicht mehr die klügsten Köpfe für die Parlamente gewinnen können.

Lebenslauf eines der klügsten Köpfe Deutschlands. Das Volk dankt, dass so ein begehrter und qualifizierter Mann für die paar Pinunsen bis hin zur geistigen Erschöpfung unsere Bevölkerung vertrat:

Gert Weisskirchen verließ 1960 das Gymnasium Wiesloch mit der Mittleren Reife und besuchte anschließend bis 1962 die Höhere Handelsschule Heidelberg. Er legte dann die Kaufmannsgehilfenprüfung ab und leistete danach das kaufmännische Praktikum ab. Anschließend absolvierte er ein Studium an den Pädagogischen Hochschule (PH) in Heidelberg und Karlsruhe sowie ein Zusatzstudium der Fächer Erziehungswissenschaften, Politikwissenschaft und Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Von 1969 bis 1972 war Weisskirchen als Lehrer an der Realschule Eppingen und von 1972 bis 1975 als wissenschaftlicher Assistent an der PH Heidelberg tätig. Danach war er bis zu seiner Beurlaubung 1980 Professor für Sozialpädagogik an der Fachhochschule Wiesbaden. Seit 1995 ist er Honorarprofessor für angewandte Kulturwissenschaften an der Fachhochschule Potsdam.2009 kandidierte Weisskirchen nicht mehr für den Bundestag.
Jetzt genießt er wohl die Annehmlichkeiten seiner parlamentarischen Pension, die geringer ist als Wulffs Ehrensold. Ein Skandal! War doch so ein kluger Kopf aber auch…



STAMMTISCHGEGRÖLE: EIN NAVY SEAL SUCHT DIE WAHRHEIT von Martin Compart
23. Juli 2011, 3:03 nachmittags
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Typen wie Jesse Ventura wird unsere Schrebergarten-Politik wohl nie hervorbringen: Der 1951 geborene Jesse war Navy Seal und dann Profi Wrestler. !999 gingen ihm die etablierten Politiker so auf den Senkel, dass er als Gouverneur für Minnesota kandidierte – und siegte! Bis 2003 hatte er dieses Amt als parteiloser inne. Spätestens da bekam er mit, dass demokratisch nicht legitimierte Kräfte im verborgenen Strippen zogen, logen und mächtigen Interessen dienten. Heute macht er eine TV-Sendung über Verschwörungen. Er gehörte zu den intelligenten Naivlingen, die nicht wegsehen und nicht wahr haben wollen, dass die Benzinpreise durch Gott oder Zufall angeglichen werden. Und wenn es da schon heimliche und verbotene Absprachen –sprich: Konspirationen – gibt, dann vielleicht auch auf anderen Ebenen. Jesse begann zu recherchieren und entdeckt gar solche Unwahrscheinlichkeiten (jedenfalls für SPIEGEL-Leser), dass bereits unter Roosevelt die Presse gleich geschaltet war und genauso Nachrichten unterdrückt wie sie andere vollmundig verbreitet. So schreibt er in seinem Kapitel über die weitgehend unbekannt gebliebene Verschwörung gegen Roosevelt: „Überrascht es uns, dass FDR mit seinen Kaminfeuergesprächen begann, um direkt zum Volk zu sprechen und zwar über die Köpfe von Zeitungsbaronen wie Luce und Hearst hinweg?“

Nun hat der Heyne Verlag dankenswerter Weise seinen Bestseller DIE AMERIKANISCHE VERSCHWÖRUNG -9/11 UND ANDERE LÜGEN (mit Dick Russel; Heyne 60190, 380 Seiten, 8,99 Euro) auf Deutsch herausgebracht. Er hat die durchgehenden Verschwörungen von Lincoln bis 9/11 recherchiert und für unbedarfte spannend dargelegt (politisch aufgeklärtere Geister werden aber auch noch Details erfahren, die sie bisher vielleicht nicht kannten). Es ist sozusagen ein Schulbuch über amerikanische Geschichte, das Grundlagenwissen vermittelt. Und Jesse ist noch immer ein liebenswerter, naiver amerikanischer Junge: Er hofft tatsächlich, dass Präsident Obama einiges wieder gutmachen wird, was die Vorgänger angerichtet haben (vielleicht sollte er sein eigenes Buch genauer lesen um zu erfahren, wo die entscheidenden Kräfte sitzen).
Jenfalls – bei einigen Abstrichen – eine hervorragende Einstiegslektüre für Leute, die den deutschen Fernsehnachrichten und den verlogenen Debilenpostillen zu entwachsen drohen.





ARSCHLÖCHER DES 20.JAHRHUNDERTS: HENRY KISSINGER von Martin Compart
25. August 2010, 11:02 vormittags
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„Einem ist der Erfolg gewiss, wenn man den Mächtigen scchmeichelt“, schrieb Macchiavelli und gab damit Henry sein Lebensmotto.



Dr. Horror: ALTE FEINDBILDER BRAUCHT DAS LAND von Martin Compart
11. August 2010, 4:18 nachmittags
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Verstopfung oder Durchfall – das ist hier die Frage
Der Mensch, sagt der Psychotherapeut Georg Groddeck, sei ein Klosett auf zwei Beinen: “Die meisten Menschen leiden an Verstopfung und ihre Gedanken sind drei Viertel ihres Lebens auf dem Klosett.”
Allerorten wütet der Fäkalexhibitonismus. Bei manchen Leuten quillt die Scheiße förmlich aus dem Hirn: Shit im Kopf hat der Schweizer Schriftsteller Urs Widmer eine seiner Kurzgeschichten überschrieben.
Kein Wunder: Immer dann, wenn Kulturen ihren Zenit erreichen und so in eine Sackgasse des Niedergangs rollen, artikulieren sie sich anal.
Angeblich leiden 70 Prozent der Deutschen unter Verdauungsstörungen. George Grosz hielt Deutschland gar für das “Hauptquartier der Verstopfung”. Aber wenn dann was im Toilettenbecken landet, wird es fein säuberlich analysiert.
Besonders in Deutschland stellte sich nach eingehender Betrachtung heraus, dass Scheiße kotverschmiert und braun ist.
So wurde aus den Braunen in Deutschland sogar einmal eine ganze Bewegung. (Wiederholungsgefahr besteht, solange man das Leben als beschissen empfindet.)
Die Braunen empfanden die Schmach der Niederlage im Ersten Weltkrieg sprichwörtlich als ganz große Scheiße. Immer noch ratsam in diesem Zusammenhang ist der Griff zu Klaus Theweleits Männerphantasien von 1977: “Die Front ist identisch mit dem Schließmuskel, der es nicht mehr zurückhalten kann: der Krieg geht in die Hose; der bisher abgewehrte Feind bricht über den Soldaten herein und aus ihm heraus, als ‘entquellende Übermacht’. So ist der Zusammenbruch ein Vorgang am eigenen Körper, nach dem man beschmutzt dasteht. (Der Sprachgebrauch kennt diese Koppelung ebenfalls, wenn er das Nichtbestehen einer Prüfung und den Zwang zur Darmentleerung mit demselben Wort bezeichnet: Durchfall). [...] Was sich beim soldatischen Mann zuerst wieder aus dem Dreck erhebt, ist die saubere Gesinnung, das nationale Denken, sein Verantwortungsgefühl für ‘das Ganze’. Ein Mangel an dieser Gesinnung, Feigheit, scheint es überhaupt zu sein, der den ‘Durchfall’ erst möglich macht.”

Kot- und Untermenschen
Diese eklige “Woge von Kot” vermischte sich mit Blut und schwemmte herrliche Feindbilder ins Unterbewusstsein der künftigen Volksgenossen, die heute teilweise verdrängt sind:
“Nie wahrte der Untermensch Frieden, nie gab er Ruhe. Denn er brauchte das Halbdunkle, das Chaos.
Er scheute das Licht des kulturellen Fortschritts.
Er brauchte zur Selbsterhaltung den Sumpf, die Hölle, nicht aber die Sonne.” [Der Untermensch. Berlin 1935. Herausgegeben vom Reichsführer-SS]
Wie von Marx vermutet, hat sich das Kapital globalisiert und die Nationalstaaten der Pleite überantwortet. Es knirscht allerorten gewaltig. In Europa – von Griechenland, das die Deutschen mit dem Verkauf von Leopard-Panzern überschwemmt haben über Portugal, Spanien und Italien bis hin zu unseren Nachbarn weiter östlich. Amerika kann sich kaum mehr einen vernünftigen Krieg leisten und bittet die Verbündeten zur Kasse. In China, dem großen Hoffnungsträger, mag demnächst oder etwas später die Immobilienblase und was noch platzen. Und jetzt schlägt auch noch die Natur zurück, an der sich der Mensch “versündigt” hat. In Russland brennen die Wälder. Im Golf von Mexiko sprudelte monatelang das Öl. Im Himalaja schmelzen die Gletscher, was die Trinkwasserversorgung Asiens in Zukunft gefährdet. Kurz: wir stecken ganz schön in der Scheiße.

Westerwelle reicht nicht zur Feindfigur
Jetzt bräuchten wir wenigstens vernünftige Feindbilder, damit wir uns, dem globalen Kapital zuliebe, gegenseitig an die Gurgel gehen und abmurksen. Aber siehe da, die Feindbilder haben nicht mehr das furchteinflößende Format von früher. Die Haltbarkeit ist begrenzt. Saddam Hussein ist hingerichtet und steht nicht mehr zur Verfügung. Kim Jong Il ist allenfalls ein durchgedrehter Filmnarr, der schon mal einen Regisseur entführen lässt, damit er ihm einen schönen Film dreht. George W. Bush hat sich aus der Verantwortung gestohlen und die Beseitigung des von den Weißen angerichteten Scherbenhaufens einem Schwarzen überlassen. Jürgen W. Möllemann ist schon ein paar Jahre davor aus den Wolken in den Tod gesprungen. Sauerland dagegen, Duisburgs unglückseliger OB, heißt mit Vornamen zwar Adolf, verweigert aber den Freitod durch Harakiri, weil er ja kein echter Samurai ist. Guido Westerwelle übt immer noch im stillen Kämmerlein, damit er auch auf Englisch herbeten kann: You will not buy my Schneid.
Dieser Tage läuft in den Kinos ein neuer Actionfilm mit Angelina Jolie an: Salt. Es geht um die Unterwanderung Amerikas durch von den Russen umgedrehte Schläfer. Zitat aus dem Presseheft: “Es gibt zum Beispiel Verfechter der Theorie, dass zuerst die Sowjetunion und später Russland in den Achtziger- und Neunzigerjahren verdeckte Agenten als ganz normale Bürger in westliche Länder einschleusten, als Teil eines Netzwerks von Geheimagenten, die unter falschem Namen 15 oder 20 Jahre oder sogar länger ein ganz normales Leben führen. Nach ihrer Aktivierung sollten diese Schläfer dann den ‘Tag X’ orchestrieren, eine Kette von Sabotageakten und terroristischen Angriffen innerhalb der Vereinigten Staaten, die Auslöser für einen groß aufgezogenen Krieg mit Russland sein würden.”
Lee Harvey Oswald war laut Film Nummer eins.
Für ihn, sagt Salt-Regisseur Phillip Noyce, bestehe kein Zweifel, dass es Schläferagenten gibt: “Diese Praktik gehört von jeher zu den Grundlagen des Spionagegeschäfts.”
Aber wer nur ist der Drahtzieher?
Wer steckt hinter all der Scheiße?

Die gelbe Gefahr
Wenn wir schon knietief oder noch tiefer drin stecken (in der Scheiße), wollen wir wenigstens klare Feindbilder haben. Und klar waren nur die alten Feindbilder. Das waren noch Archetypen. Gelegentlich restauriert ja das deutsche Fernsehen den Schrecken von damals, so dass einem beim Abendbrot ein wohliger Schauer über den Rücken kriecht: Einer wie Hitler ist heute, dank Guido Knopp & Co., in den Medien präsenter denn je. Bisweilen werden auch Filme mit Dracula, Frankenstein, dem Wolfsmenschen, der Mumie und Dr. Mabuse wiederholt.
Wo aber steckt der große Unbekannte, der geheime Drahtzieher, der die Geschicke der Welt in seinen Krallen hält? Das Vorbild von Darth Vader und dem Imperator der Sternenkriege. Wo nur – da Asien uns abstrakt das Fürchten lehrt – bleibt die Wiederkehr der personifizierten Gelben Gefahr, die heute mehr denn je um sich greift, von geheimen Schaltzentralen aus, die in Chinarestaurants versteckt sind? Boris Karloff, Henry Brandon und Christopher Lee haben “Ihn” auf der Leinwand verkörpert.
“Denke dir jemand: groß, schlank, tigerhaft, hochschultrig, mit einer Stirn wie Shakespeare und dem Gesicht des Satans mit einem fast glattrasierten Schädel und mandelförmigen, hypnotischen Augen von der Farbe des Katzengrüns. Gib ihm alle grausame Verschlagenheit der morgenländischen Rassen, aufgehäuft mit einem gigantischen Intellekt, gib ihm die ganzen Hilfsquellen früherer und heutiger Wissenschaft – denke dir dieses entsetzliche Wesen, und du hast ein geistiges Bild Dr. Fu-Mandschus – der gelben Gefahr, verkörpert in einem Menschen!”
Attila, Dschingis Khan, Boxeraufstand, Mao Zedong und großer Sprung nach vorn – diese herrliche Gestalt verkörpert alles in einem und ist der rechte Partner zum Hassen und Fürchten. Gegen ihn ist Osama bin Laden nur ein Waisenknabe…

Rolf Giesen
10. August 2010



EVOLVER BOOKS – Ein neuer Verlag von Martin Compart
8. Mai 2010, 3:03 nachmittags
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Innovationslos dümpeln die Großverlage vor sich hin (schenken uns aber neben dem schlimmsten Mist, der je Papier vergewaltigt hat, auch gelegentliche Highlights von der Spitze des Eisbergs). Das ist die Chance für kleine Verlage (die aber leider auch interessante Segmente nicht besetzen oder nutzen). Jetzt gibt es einen neuen Verlag, der zu den schönsten Hoffnungen verführt: EVOLVER BOOKS. Nicht von Ungefähr nach dem ältesten deutschsprachigen Internet-Magazin für Populärkultur benannt. Hinter dem Buchverlag stehen die beiden Männer, die auch das Magazin erfolgreich gemacht haben: PETER HIESS und ROBERT DRAXLER. Inhaltlich kann also nichts schief gehen. Trotzdem gilt für die Branche der unsterbliche Satz von BUCHMARKT-Erfinder Christian von Zittwitz: Wie macht man mit Büchern ein kleines Vermögen? Indem man vorher ein großes hatte.
Wie sind die Vorstellungen von Herrn Hiess und Herrn Draxler? Da musste ich doch mal nachfragen.

Wieso noch ein Verlag? Es gibt im deutschsprachigen Raum jetzt schon mehr Verlage als Buchhandlungen. Wieso also EVOLVER BOOKS?

PETER HIESS (PH): Da kann ich nur die Antwort geben, die wahrscheinlich jeder idealistische Kleinverleger geben würde: weil’s wichtig ist. Weil wir glauben, dass wir der Welt was zu sagen haben. Weil wir lieber Bücher in der Hand halten, als immer nur auf Bildschirme zu starren und uns auf moderne Weise die Augen zu ruinieren. Und bei mir spielt natürlich auch ein zutiefst egoistischer Grund mit: Ich wollte sowas immer schon machen – und seit ich bei anderen Verlagen veröffentlicht habe, noch viel mehr. Ich will wissen, wie das geht mit dem Bücherverlegen – und ob es bei uns funktioniert.
ROBERT DRAXLER (RD): Und vielleicht wollen wir ja gerade wegen dieser Inflation an Kleinverlagen zeigen, dass es auch anders geht, dass man das Interesse der Leser und -innen trotz täglicher Papierflut sehr wohl wecken und binden kann, wenn die Stoffe und die Aufmachung stimmen. Unser größter Vorteil ist, daß wir uns trauen, wovor andere zurückschrecken, daß wir nicht lange fackeln. Das haben wir uns selbst mit dem Release unseres ersten Paperbacks – „The Nazi Island Mystery“ – bewiesen. Der Roman ist trashig, phasenweise radikal-pornographisch und vor allem politisch total unkorrekt. Machen wir uns also nichts vor: Da wird es sicher auch Verrisse setzen. Aber wir führen unseren Guerillakampf eben konsequent mit allen zu Gebote stehenden Mitteln. Und notfalls werden wir auch Geiseln nehmen …

Welche Philosophie steckt dahinter? Gibt es vielleicht ein Vorbild im angelsächsischen Raum?

PH: Also, ehrlich gesagt, bei mir ist es immer noch die alte Fanzine/Eigenverlags-Philosophie, die mich schon vor 30 Jahren dazu trieb, Sachen selbst zu veröffentlichen, zu kopieren oder billig drucken zu lassen, den Vertrieb und die Korrespondenz selbst zu machen, die Kommunikation selbst zu kontrollieren. Dazwischen war der EVOLVER, bei dem wir das alles auf elektronische Weise ausprobiert haben. Und jetzt schließt sich der Kreis eben.
Vorbilder? Hmmm … das alte RE/SEARCH vielleicht. Und unter den neuen US-Verlagen beziehungsweise Buchreihen auf jeden Fall HARD CASE CRIME – nicht, weil wir jetzt auch auf Noir und Pulp machen wollten, aber wegen der genialen Idee, der durchgehaltenen Ästhetik, vom Cover bis zum Papier, und der zu 95 Prozent großartigen Bücher. Da kann man sich schon ein Beispiel nehmen.
R.D. Dem schließe ich mich als graphisch-technischer Teil des Unternehmens gleich einmal an. Unser Logo – das E mit dem signifikanten Punkt – betrachten wir als den neuen „Jolly Roger“ auf dem ewigen Ozean aus Papier, Zeichen und Zeilen. Und so wie schon die alten Freibeuter haben auch wir nichts zu verlieren.

Was hat der Verlag mit dem Ezine EVOLVER zu tun – falls er das hat?

RD: EVOLVER BOOKS darf man im derzeitigen Stadium durchaus als Tochterunternehmen der EVOLVER-Mutter betrachten. Aber so wie Töchter nun einmal sind, nabeln sie sich irgendwann einmal ab, werden selbständig und lassen sich von der Frau Mama nichts mehr anschaffen. So ähnlich ist das auch in unserem Fall. Nach einjähriger intensiver Vorbereitungsphase agieren wir jetzt völlig frei, haben unseren eigenen Plan, unsere eigene Disposition, die sich nur hin und wieder mit jener der EVOLVER-Redaktion deckt. Wenn wir ein Buch herausbringen, zum Beispiel. Dann kriegen wir von der „Mama“ natürlich das Cover – Blut ist halt doch dicker als Wasser.
PH: Das mit dem EVOLVER ist eine heikle Frage, wenn ich mir unsere alte Mutter heute so anschaue. Gehen wir’s also diplomatisch an: Die erste Gemeinsamkeit ist der Mitgründer, nämlich jeweils ich. Die zweite Gemeinsamkeit ist der Name, der sich ja in den vergangenen dreizehneinhalb Jahren einen guten Ruf verschafft hat, wenigstens fast bis zum Schluss. Die dritte Gemeinsamkeit ist der Herr Draxler alias r.evolver, der auch schon ewig beim EVOLVER dabei war, mit dem ich vor zehn Jahren schon Buchpläne wälzte und der genau jetzt bereit war und sich viel notwendiges Wissen erarbeitet hat, als ich beschloss, beim EVOLVER auszusteigen.

Was unterscheidet euer Programm von den Programmen anderer Verlage?

PH: Nach einem Buch kann man noch nicht wirklich von Programm sprechen, nur von den paar wenigen relativ sicheren und aktuellen Vorhaben. Wir haben uns noch nicht auf eine Linie geeinigt, weil da noch viel zu viele aufregende Ideen um uns herumschwirren, als dass wir unseren Fokus schon einengen wollten. Anfangs wird EVOLVER BOOKS sich natürlich sehr an dem orientieren, was es in der EVOLVER-Geschichte gab – sowohl, was Autoren und Texte betrifft, als auch die dahinter stehende Philosophie: gut geschrieben, goschert und politisch unkorrekt. Dem Leser etwas bieten, von dem er profitiert und auf das man als Autor oder Herausgeber stolz sein kann – aber sich keinen Augenblick lang was von ihm bieten lassen. Ich fand ja schon traditionelle Leserbriefschreiber extrem lästig; was sich ein großer Teil dieser soziopathischen Kommentatoren und Forenteilnehmer aber im Internet leistet, dieses hirnlose Nörgeln, natürlich meist hinter dem Schleier der Anonymität, geht mir unglaublich auf die Nerven. Daher, ihr Gscheitlinge: Ab heute wird zurückgeschossen. Wir wollen als der Verlag bekannt werden, der mit jedem anhängt, wenn’s notwendig ist, ob real oder im Web 2.0.
Kennt man den Begriff „anhängen“ übrigens in Deutschland? Das ist so was wie „Wickel anfangen“, also: „streitert werden“. Hallo?! Versteht mich jemand?
R:D. Also, wenn Sie gestatten, werde ich das übersetzen. Was der Herr Hiess sagen will, ist: wir machen keine Gefangenen. Es gibt nicht den geringsten Kompromiss, in keiner Hinsicht, es wird auch nicht da und dort inhaltlich ein bisschen die Handbremse gezogen, um vielleicht einen bestimmten Personenkreis nicht zu kompromittieren. Genau hier liegt nämlich das Problem vieler kleiner Verlage: Statt die Chancen, die der unabhängige Status bietet, zu nützen, trauen sie sich nichts und haben genau deshalb kein scharfes Profil. Zu allem Übel sind sie auch noch irgendwo zwischen den Stühlen positioniert, weil sie versuchen, Stoffe, Sujets und Aufmachung der großen Verlage zu imitieren. Das Ergebnis ist natürlich weder aufregend noch sexy, sondern schreckt potentielle Leser schon ab, bevor sie noch die Druckerschwärze des Buches gerochen haben. Wir sagen schon von Anfang an: Wir sind klein, na und. Dafür schauen wir gut aus und haben scharfe Munition im Keller … die wir jetzt abfeuern. Und wer die Nase rümpft oder gar in Ohnmacht fällt, dem schenken wir ein Yoga-Buch aus der Wühlkiste.

Ein paar Worte zu den nächsten Büchern.

PH: Also, das definitiv nächste Buch, dessen Titel allerdings noch ein Arbeitstitel und dessen Cover noch nicht definitiv ist, ist unsere Zombie-Anthologie. Da haben wir uns ja was eingetreten – viel, viel Arbeit. Die Idee eines Literaturwettbewerbs im EVOLVER (als der noch funktioniert hat) kam uns Anfang 2009, dann haben wir die geneigte Leserschaft gebeten, Zombie-Stories einzuschicken und abgewartet. Und bald haben wir uns auch geschreckt, weil bis zum Einsendeschluss, also faktisch bis zur letzten Sekunde vor Mitternacht, sagenhafte 249 Beiträge bei uns eintrudelten. Wir hatten doch tatsächlich zehn Leute davon überzeugt, freiwillig als Juroren tätig zu werden … weil ja keiner damit gerechnet hat, dass das soviel wird. Um es kurz zu machen: Ein paar Juroren sind tatsächlich fertig geworden, ein paar andere sind nervlich fertig, zwei melden sich nicht mehr und sind vielleicht verstorben – und einer hat sich in eine Art Geisteskrankheit geflüchtet. Trotzdem wird es den Herausgebern der Anthologie, also Thomas Fröhlich und mir, in den kommenden Wochen gelingen, die Jury-Bewertungen auseinanderzudividieren, den oder die Sieger zu ermitteln und 20 bis 25 Beiträge für das Buch auszuwählen.
Was sich heuer dann noch ausgehen könnte, ist ein schmaler Ausstellungskatalog, über den wir noch nicht allzuviel verraten wollen und dürfen, der aber thematisch durchaus zu den ersten beiden Veröffentlichungen passt …
RD: Dem schließe ich mich an und dem ist auch nichts mehr hinzuzufügen …

Zombie-Romane oder Stories können doch eigentlich nur behavioristisch geschrieben sein. Oder geben sie auch Einblicke in ihr Innenleben?

RD: „Behavioristisch“ … was ist denn das für ein Wort? Himmel, muß man als Indie-Verleger jetzt auch am wissenschaftstheoretischen Parkett den Tanzschuh wetzen? Ich tät’ sagen: Unsere Zombies fressen, weil sie hungrig sind. Und wer weiß, vielleicht suchen sie ja auch – nachdem sie sich die Wampe vollgeschlagen haben – den Lokus auf, um dort ein paar grundsatzphilosophische Phrasen zu dreschen. Nachzulesen ist das alles jedenfalls im Herbst 2010. Man darf gespannt sein.
PH: Bei 249 Stories ist alles dabei. Und einige der Kurzgeschichten, von denen ich jetzt schon weiß, dass sie gute Chancen haben, betrachten definitiv das Innenleben der Zombies; aber nicht auf die blöde klischeehafte Art: “Na, hallo, was ist denn da los, ich bin plötzlich eiskalt und rieche so streng, die Finger fallen mir ab und ich will bitte lieber frisches Menschenfleisch statt Fischstäbchen?!“ Solche Einsendungen haben wir zwar auch haufenweise gekriegt, aber über die hüllen wir gnädig den Mantel des Schweigens. Trotzdem: Es sind gute und teilweise wirklich neue Ideen und Ansätze dabei – und keine Angst: Die Anthologie wird nicht zu literarisch sein, sondern ordentlich in Blut und Beuschel waten! Man weiß ja, was man dem Zombiefreund schuldig ist.

Das Problem, ich weiß es aus eigener Erfahrung, ist immer Vertrieb und Marketing. Wie geht ihr das an?

PH: Vorsichtig. Erstens haben wir kein Geld. Zweitens verlassen wir uns auf Ezzes aus dem Bekanntenkreis, weil wir noch kaum Verlagserfahrung haben. Und drittens klammern wir uns so lang an die Wir-sind-unabhängig-Ideologie, bis uns irgendwer um viel Geld kaufen will. Beim Vertrieb machen wir – und ein unsichtbarer Dritter – alles selber, weil wir keine Lust haben, uns von einem „richtigen“ Vertrieb oder Grossisten bis zu 50 Prozent abluchsen zu lassen. Und Marketing? Wer mag schon Marketing-Menschen? Wir versuchen halt alles, was geht, übers Internet und spezialisierte Fan-Gemeinden.
R.D. Und abends überfallen wir dann noch ein paar Leute im Park. Irgendwie müssen wir das alles ja finanzieren.

Ich nehme an, Ihr habt das knallhart durchkalkuliert und günstige Produktions- und Lagerkonditionen. Aber warum nicht das Ganze als Book On Demand?

PH: Hahahaha, durchkalkuliert ist gut! Wenn ich Kalkulationen sehe, rollen meine Augäpfel nach oben und ich gehe problemlos als Covermodell für die Zombie-Anthologie durch, das ist wie bei Verträgen oder Finanzamtsformularen. Wie gestern eine gute Bekannte gesagt hat: man strudelt, wie eine Ente auf dem Wasser. Man könnte auch sagen: Wir wurschteln uns durch und lernen jeden Tag dazu. Bei einem ersten Buch findet sich noch genug Platz zum Lagern. Und die Druckereipreise sind auf jeden Fall günstiger als ein Book on Demand …
RD: Dazu muss ich sagen, dass wir mit unserem Drucker unglaubliches Glück haben. Der Betrieb kommt uns in all diesen Fragen partnerschaftlich und preislich sehr entgegen und hat gemeinsam mit uns eine tolles Hybrid-Modell aus BoD und mittlerer Auflage entwickelt, mit dem es sich fein leben lässt.

Wird es auch Sekundärliteratur geben?

PH: Endlich kann ich einmal eine kurze Antwort geben: Nein, bis jetzt ist nix geplant. Aber für gute Ideen sind wir immer offen.
RD: Auch das zeichnet uns als Kleinverlag aus. Wir freuen uns über jedes Exposé, jedes Konzept und wir geben zu jeder eingereichten Idee Feedback – irgendwer hat sich irgendwo immerhin die Mühe gemacht, das auszuarbeiten. Und das honorieren wir schon allein deshalb, weil wir selber haargenau wissen, wie es ist, wenn ignorante Verlagsmenschen nicht einmal bereit sind, eine Retour-Mail zu schicken.
PH: Es gibt da zum Beispiel einen Krimiexperten, dessen Autorenporträts und Genreartikel ich sofort veröffentlichen würde, wenn mich wer fragt. Aber mich fragt ja keiner.

Wie sieht die bisherige Programmplanung aus?

PH: Zwei Zettel mit Ideen. Natürlich weiter Krimis und Phantastisches, aber auch Sammlungen der besten Kolumnen aus dem EVOLVER, aktualisierte Nachdrucke von Büchern, die ich bei anderen Verlagen veröffentlicht habe, ungewöhnliche Wanderführer, ein wichtiges Werk zur Popmusik-Geschichte. Und hoffentlich weitere Abenteuer von Kay Blanchard.
RD: Tja, für diese Abenteuer bin ich auch literarisch zuständig. Der Release von „The Nazi Island Mystery“ war der Auftakt zu einer (vorerst) auf vier Teile angelegten Serie. Und wenn ich neben Schriftsatz, Graphik, Webprogrammierung und Briefmarkenpicken noch Zeit finde, in die Tasten zu hauen, werden die Abenteuer der ungewöhnlichsten Agentin, die je für den britischen Geheimdienst gearbeitet hat, auch weitergehen. Der nächste Teil mit dem Titel „Pol Pot Polka“ soll 2011 erscheinen.
PH: Ich sehe schon, wir brauchen Lehrlinge, die uns die ganze Knochenarbeit abnehmen, sonst werden wir mieselsüchtige ältere Herren. Ich würde mir solche „filthy assistants“ wünschen, wie sie Spider Jerusalem hat.

Mir gefallen die beiden ersten Cover ausgesprochen gut. Ein paar Worte dazu?

PH: Gefallen mir auch, aber ich kann zu graphischen Themen notorisch wenig sagen – das überlasse ich dem Kollegen Draxler.
RD: Vielen Dank für die Blumen – wobei ich sagen muß, dass nur das Cover zu „The Nazi Island Mystery“ aus meiner graphischen Werkstatt kommt. Inspiriert haben mich vor allem die alten Ullstein-Krimis (die mit dem roten K) und natürlich auch die Titelbilder der Mr.-Dynamit-Bücher. Das waren wirklich grandiose Covers. Das hübsch-grausliche Titelmotiv zur Zombie-Anthologie, also der halbverweste Untote mit dem heraushängenden Auge, stammt aus der Feder des österreichischen Zeichners Jörg Vogeltanz. Über seine Inspirationsquellen weiß ich nicht so genau Bescheid, eins kann ich aber versichern: er selber schaut nicht so aus.



PARANOIA 3 von Martin Compart

Das kommerzielle oder private Fernsehen hatte für die Heloten der Mächtigen drei Aufgaben:
1. Entscheidend zur Atomisierung der Gesellschaft beizutragen.
2. Die Verblödung der unteren Schichten und der Jugend zu bewerkstelligen.
3. Das kritische Potential des öffentlich-rechtlichen Rundfunkssystems weitgehend zu beseitigen.


Einer der widerwärtigsten Vollstreckungsgehilfe der Politik für die Niveausenkung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Nach über zwanzig Jahren privates Fernsehen, kann man in allen drei Punkten gelungenen Vollzug melden. Ein heute in Vergessenheit geratener Kanzler, Helmut Kohl, von seinen Freunden Birne genannt, kommt der große Verdienst zu, dies mit Vehemenz betrieben zu haben.

Zu Punkt 1: Früher hatte Fernsehen etwas Schichten übergreifend verbindendes. Wegen der geringen Programmauswahl hatten fast alle dasselbe gesehen und konnten darüber Kommunikation herstellen. Außerdem trug die geringe Programmauswahl dazu bei, vielfältige soziale Aktivitäten außerhalb der Fernsehzelle (früher Wohnzimmer) zu betreiben. Desweiteren mutete man den Zuschauern in den 60er Jahren zur besten Sendezeit anspruchsvolle Fernsehspiele oder Dokumentation zu, die dazu geeignet waren, ihren Horizont zu erweitern.

Zu Punkt 2: Nachdem man durch unterschiedliche Aktionen die Fortpflanzung Halbdebiler gefördert hat um ein gesellschaftliches Erpressungspotential zu erzeugen, werden diese durch permanenten Beschuss der Verblödungsindustrie zu solidaritätsunfähigen Amöben erzogen, die politische Zusammenhänge nicht durchschauen. Für den Nachwuchs dieser ersten Generation degenerierter Couch Potatoes stellt sich gesellschaftliche Relevanz und materielle Erfolgsmöglichkeiten nur in zwei Faktoren da: Kinder zeugen oder Sieg in einer Casting Show (der bisherige Höhepunkt massenmedialer Perfidie). Die nicht zu erreichenden gleiten in Kriminalität ab und erfüllen damit eine wichtige Aufgabe für den repressiven Staat.


Schulsystem und Medien arbeiten Hand in Hand um die große Aufgabe der Verblödung zu erfüllen.

Zu Punkt 3: Ohne Not begann sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen dem durch die privaten ausgelösten Quotenterror zu beugen. Statt qualitative Alternativen zu bieten, passte es sich dem Niveau an, unterbot es (Ich kann Kanzler) gelegentlich problemlos. Dies wäre so nicht möglich gewesen hätten die Parteien nicht direkt (durch Partei gebundene Heloten, die auf die jeweiligen Druckposten gehoben wurden) und indirekt (Rundfunkräte gesellschaftlich relevanter Gruppen, sprich Parteien) diese Macht. Ein weiterer Aspekt um die Bundesrepublik als korrupte Parteienkleptokratie zu identifizieren.

All dies gehört zur Strategie der Vernichtung der nivellierten Mittelstandsgesellschaft, also einem Gesellschaftsmodel, das ein zu starkes Auseinanderklaffen der Schichten oder Klassen verhindern wollte und Grundlage des Wirtschaftswunders war. Politisch durchgesetzt durch die Kanzlerdarsteller Kohl, Schröder und das Wesen, das jetzt rum spinnt.

Heute ist das Fernsehen weitgehend zur Bedeutungslosigkeit verkommen. Für anspruchsvolle Serien hat es lediglich die Funktion als Werbeträger für DVD-Boxen. Die Jugend des Prekariats wandert zu Computerspielen, Komasaufen und Internet ab (letztlich, und das ist wiederum Schichten verbindend, auch der Nachwuchs der Mittelschicht, soweit vorhanden).

Bis dann,
MC


Troubadour eines Kanzlers: Musikalischer Höhepunkt der Ära Proll Gert und gern gesehener Gast in der Fernsehunterhaltung.



STAMMTISCHGEGRÖLE 3/ von Martin Compart
16. Juni 2009, 3:15 nachmittags
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“Philip Marlowe und mich interessiert nicht, wer der nächste Präsident wird. Denn wir wissen: Es wird ein Politiker sein.“
Raymond Chandler

Franz Müntefering im ZDF-Interview am 24.7.2005: „Es gab einen ganz alten Spruch in der Sozialdemokratie: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Das traut man sich heute gar nicht mehr zu sagen. Aber das war sozialdemokratisches Denken.“

Da Politiker offensichtlich nichts arbeiten wofür sie gewählt werden (nämlich für das Gemeinwohl), sollten wir ihnen auch nichts mehr zu essen geben und auf Diät setzen. Ökonomisch sinnvoller wäre es sicherlich sie verhungern zu lassen. Schon aus ästhetischen Gründen. Wer erträgt noch ihre hässlichen Visagen und dümmliche Worthülsen in den Medien? Welchen Sinn macht es, diese Parasiten durchzufüttern, die nichts anderes beherrschen als eigene Vorteilsnahme. Gleich mit verschrotten sollte man Manager wie Ackermann und Konsorten.
Die reichsten Deutschen sind die Brüder Karl und Theo Albrecht mit einem geschätzten Vermögen von 60 Milliarden (!) Euro. Und jeden Tag kommt etwas dazu, dass sie von denen bekommen, die mit wenig Geld auskommen müssen und ihr Essen beim Grossisten Aldi besorgen. Darunter viele Arbeitslose, die zu Münteferings Entsetzen die Frechheit besitzen, trotzdem zu essen.

Wenn die Politik die Wirtschaft weder kontrollieren noch bestimmen kann – wofür brauchen wir dann Politiker? Sie sind zu Heloten der Wirtschaft verkommen. Bestes Beispiel ist der ehemalige Kanzlerdarsteller Proll Gert Schröder, der aus irgendwelchen geheimnisvollen Gründen einen lukrativen Posten bei der russischen Gasprom bekleidet. Als Kanzler hatte er zusammen mit Coyotengesicht Clemens dafür gesorgt, das neue Armutsrekorde in der Bundesrepublik zur Alltäglichkeit geworden sind.

Es ist vielleicht typisch für Kreaturen wie Schröder und Clement, die von ganz unten kommen, jeden Job schlecht gemacht haben und nur durch das deutsche Parteiensystem prosperieren, ihren unterbewussten Hass auf die nivellierte Mittelstandsgesellschaft darin ausleben, gesellschaftlichen Konsens zu zerstören (erinnert sich noch jemand an Bodo Hombach, jetzt Chef der WAZ-Gruppe? Oder an den selbst für Proll Gert nicht mehr tragbaren Verteidigungsminister Scharping mit seinen Honoraren – 140.000 Euro von der Hunzinger AG? Dieser nicht gediente Verteidigungsminister bekam durch den SPD-Klüngel den Job wahrscheinlich nur deshalb, weil er als einziger im Kabinett Fahrradketten von Panzerketten unterscheiden konnte).

Bei den anderen Parteien sieht es nicht besser aus. Weltweit stehen wir eh ziemlich dämlich da, indem wir uns einen Hermaphroditen als Kanzler leisten. Für diese Volksvertreter (Euphemismus für organisierte Kriminalität) ist Politik lediglich der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt. Und der ist so klein geworden, das wir es uns aus volkswirtschaftlichen Gründen nicht leisten können diese Vampire weiter an unseren Halsschlagadern zu verköstigen. Angesichts ihrer Leistungen steht ihnen nicht mal Hartz IV zu.
Wenn sie nur „ein Stück weit“ ehrlich wären, würden sie den Wahlkampf führen wie der Sheriff bei Raymond Chandler: „Wählt Sheriff Lavers – er ist zu alt zum arbeiten.“ Alt müsste man nur durch FAUL, FEIGE und GIERIG ersetzen.

Bis dann,
MC



PARANOID Nr.2 von Martin Compart

HIROHITOS GANGSTERBANDE UND DER GRÖSSTE SCHATZ DER WELT

Was das systematische Ausplündern von eroberten Ländern angeht, waren die Nazis Amateure im Vergleich zu den verbündeten Japanern. Die raubten wirklich alles und mit System: Von seltenen Dokumenten, wertvollen Kunstwerken bis hin zum letzten Goldzahn. Besonders auf Gold waren sie versessen. Um daran zu kommen gingen sie nicht nur militärisch vor, sondern setzten auch die eigenen Gangster, die Yakuza, ein. Die raubten die jeweiligen Unterwelten aus und versorgten China mit Drogen gegen cash. Unterstützt wurden Militär und Unterwelt von den ulra-nationalistischen Geheimbünden Schwarzer Drache und Schwarzer Ozean, die an dieser Stelle mal eine eigene Würdigung erfahren sollen.
Zur “Ehrenrettung” der Nazis muss man feststellen das die Japaner auch über mehr Erfahrung verfügten: Sie legten bereits 1895 los mit der Versklavung und Vergewaltigung Koreas, dessen nationale Identität sie fast auslöschten. Und Korea war Jahrhunderte eine Hochkultur; dagegen wirkte der ritualisierte Samurai-Staat wie ein Kiosk in Castrop Rauxel im Vergleich zur Tate Gallery.
An Massenmorden haben sich beide nichts genommen: Die Nazis ermordeten 6 Millionen Juden und 20 Millionen Russen; die Japaner 30 Millionen Malaien, Filipinos, Vietnamesen, Kambodschaner, Burmesen, Indonesier, darunter 23 Millionen Chinesen. Was das Erobern und Plündern angeht, waren die Japaner länger im Geschäft.
Über Land durch Korea und auf See bis zu den Philippinen lief die japanische Route um das Raubgut zu transportieren. Nachdem die Amerikaner den Seezugang nach Japan blockiert hatten, legten die Japaner auf den Philippinen ein Tunnel- und Höhlensystem an, das sie mit Gold voll stopften. Anschließend wurden die Eingänge gesprengt und die japanischen Arbeiter entweder mit in die Höhlen eingeschlossen oder mit Maschinengewehren niedergemäht. Schließlich sollten nur Angehörige der Oberschicht wissen dürfen, wo die Schätze lagern.
Durch die Folter an Major Kashi, des Fahrers von General Yamashita, erfuhr der berüchtigte Colonol Lansdale von dem japanischen Beuteschätzen. Zwischen 1945 und 1947 verschiffte er das Gold an 146 Bankkonten in 42 Länder. Codewort des Schatzes: Golden Lily. Inzwischen hatte General MacArthur, der feige Flüchtling von Luzon, ein heimliches Abkommen mit Kriegsverbrecher Nr.1, Kaiser Hirohito, getroffen. Kriegsverbrecher wurden auf sieben Todesurteile runtergekürzt und die Macht im neuen Japan an dieselben Kriegstreiber und Kriegsgewinnler zurück gegeben. Unter dem schönen demokratischen Deckmantel der Liberalen Partei, die nach einigen Metamorphosen ab 1955 satte 38 Jahre regierte (Ähnlichkeiten mit Italiens Christdemokraten und Andreotti sind natürlich rein zufällig). Jedenfalls war das ungefähr so, als hätte man Heinrich Himmler mit einer neuen Partei zum Bundeskanzler gemacht und Männer seines Vertrauens in die Ministerien bestellt. Ein Hauptgegenstand des Geheimabkommens, das mit dem Einverständnis des US-Präsidenten Truman geschlossen wurde, war Stillschweigen über das Raubgold zu bewahren und es beiden Strippenziehern zur Verfügung zu stellen. Bis heute finanziert die CIA schmutzige Operationen aus dem Blutgold. Unter anderem wurden in den 50er Jahren damit Wahlen in Griechenland und Italien gekauft. Auch die Japaner kamen nicht zu kurz: Hirohito und sein Verbrechersyndikat lebten als Milliardäre und finanzierten die großen (ehemaligen Kriegs-)Konzerne (wie Mitsubishi) und sorgten für den Amerika genehmen Nachkriegsaufstieg zur wirtschaftlichen Supermacht. Die Liberale Partei, Sammelbecken für Kriegsverbrecher, Yakuza und Nationalisten, regierte durch Amerikas Gnaden. Der Kriegsminister für Munition, Nobuske Kishi etwa, war von 1957 bis 1960 japanischer Premierminister. Ebenfalls nicht zu kurz kam der Emissär MacArthur: Sein erfolgloser Präsidentschaftswahlkampf wurde von den Liberalen mit dem Raubgold mitfinanziert (auch Richard Nixon durfte sich über Zuwendungen im Wahlkampf gegen Kennedy freuen).
Während des Krieges hatten die USA in den Massenmedien ein überaus hässliches Bild des Volkes von Nippon in allen Medien propagiert. Das änderte sich nach dem Geheimabkommen: Aus den brutalen Japanern, man denke nur an das Nanking-Massaker, wurden in einem Goebbels würdigen Propagandafeldzug eine friedliebende Nation mit Papa Hirohito (der nur schändlich von den hingerichteten Kriegsverbrechern benutzt oder getäuscht wurde – falls er überhaupt von irgendwas gewusst hatte) an der Spitze. Ein paar Jahre nach Kriegsende war nicht mehr zu übersehen, dass Japan reicher als vor dem Krieg war. Bis heute höhnen japanische Millionäre, dass sie den Krieg nicht verloren haben.
Im Gegensatz zu deutschen Entschädigungen (dank des unermüdlichen Kampfes des Schweizers Jean Ziegler, der mit seinem Angriff auf die Schweizer Banken alles in Bewegung brachte) für Juden und Zwangsarbeiter, lehnen die führenden Eliten der USA und Japans bis heute dieses Unterfangen ab. Egal ob es dabei um gequälte amerikanische Kriegsgefangene geht, chinesische Opfer bakteriologischer Kriegsführung oder zur Prostitution gezwungene Koreanerinnen. John Foster Dulles formulierte vorausschauend im Friedensvertrag von 1951, dass keine japanische Firma oder die japanische Regierung Kompensationszahlungen an Kriegsgefangene, zivile Opfer oder gepresste Arbeiter leisten müsse. Japanische Opfer haben im Gegensatz zu den Opfern der Deutschen keinen Einfluss und keine Lobby in Washington. Weder Japan noch die USA möchten das Raubgold, dessen jährliche Zinsen das Bruttosozialprodukt von ganz Schwarzafrika übersteigen, an die bestohlenen Länder zurück geben. Länder die nach dem Kriegsende größere ökonomische Probleme hatten und haben als das Reich der aufgehenden Sonne.

Minutiös aufgedeckt wurde der ganze Dreck von den renommierten Historikern Sterling und Peggy Seagrave in ihrem Buch GOLD WARRIORS (selbstverständlich gibt es keine deutsche Ausgabe). Kein Thriller ist aufregender als die hier aufgeführten Fakten. Sie stießen während der Recherche zu ihrem Buch THE YAMATO DYNASTY auf die Vorgänge. Interessierten bieten sie außerdem über ihre Homepage http://www.bowstring.net zwei CDs an, die auf über 900 Megabytes Tausende Dokumente, und Zeugeninterviews gespeichert haben. Aufklärer, Verzeihung: ich meine selbstverständlich Verschwörungstheoretiker, leben gefährlich: „We have been threatened with murder before. When we published THE SSONG DYNASTY we were warned by a senior CIA official that a hit team was beeing assembled in Taiwan zo come murder us. We vanished for a year to an island. While we were gone, a Taiwan hit team arrived in San Francisco and shot dead the Chinese-American journalist Henry Liu… Many people told us this book was historically important and must be published – then warned us that if it were published, we would be murdered. An Australian economist who read it said: I hope they let you live. He did not have to explain who they were… If we are murdered, readers will have no difficulty figuring out who they are.”

Sterling & Peggy Seagrave:
GOLD WARRIORS
London u.New York: Verso, 2005.



PARANOID Nr.1 von Martin Compart
9. März 2009, 8:03 nachmittags
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Die Kolumne für unverbesserliche Verschwörungstheoretiker

Nur ungebildete Idioten oder nicht minder speichelleckerischen Medienkellner schreien heute noch entsetzt „Verschwörungstheorie“, wenn sie auf Fakten stoßen, die ihr lämmerhaftes Weltbild erschüttern. Deshalb mal ein kleiner Überblick über einige interessante Bücher der letzten Jahre (an dieser Stelle wird nicht dem ekeligen feuilletonistischen Geschreie nach kurzlebigen und unwichtigen Aktualitätenkram gehuldigt).
“Männer desselben Berufs schließen sich nie zusammen, es sei denn, um sich gegen die Allgemeinheit zu verschwören”, schrieb nicht etwa ein als Verschwörungstheoretiker diffamierter Autor eines Buches zum 11.9. oder des Irak-Krieges, sondern der Begründer der Klassischen Nationalökonomie Adam Smith (1723-1790). Und um Verschwörungen zu vertuschen, beziehungsweise genehme Wahrheiten zu verbreiten, bedarf es heutzutage der Medien. Der genauso viel gescholtene wie verkaufte Mathias Bröckers, der mit Andreas Hauß sein Werk FAKTEN, FÄLSCHUNGEN UND DIE UNTERDRÜCKTEN BEWEISE DES 11.9. (Zweitausendeins; mit Dokumentarfilm auf CD) vorgelegt hat, weiß auch dazu Bedenkenswertes zu berichten: “Anfang der 80er Jahre verfügten rund 400 Unternehmen über die Zeitungen, Radio- und TV-Sender der USA, heute sind es noch neun Konzerne, die den gesamten Medienoutput kontrollieren. Gerade beginnt in den USA die Debatte darüber, wie schmählich die Medien seit dem 11.9. versagt haben, indem sie kritiklos und ungeprüft das nachfaselten, was ihnen vom Weißen Haus und Ölmagnaten vorgelallt wurde. In Deutschland war dies nicht anders, wie Christian C. Walther in DER ZENSIERTE TAG (Heyne Verlag) belegt. Ohne Not unterdrückten die Heloten der Mächtigen jede unbequeme Wahrheit. Walther trägt alles ganz nett zusammen, aber leider auf eine eitle und schlecht geschriebene Weise, die manchen unnötigen Angriffspunkt bietet. Spannend erzählt ist dagegen DER BUSH-CLAN (C.Bertelsmann) von Kitty Kelly, die – trotz massiver Repressionen – mit tausend Menschen für ihr Buch gesprochen hat, die reichlich Unerfreuliches über diese Familie zu berichten haben. Kelly zeigt das bestürzende Bild einer Dynastie von mittelmäßigen, habgierigen und skrupellosen Machtmenschen. Eine Familie, bei der Drogenmissbrauch, Ehebruch, Vorteilsnahme im Amt, Ämterpatronage und illegale Geschäfte selbstverständlich sind. Man erfährt einiges, was man so noch nicht gelesen hat: ” ‚Sie wissen doch, was sie in Florida während der Stimmennachzählung vom Wahlkampf 2000 gemacht haben’, antwortete er und schilderte mir dann ausführlich den so genannten “Brooks Brothers Riot” von republikanischen Parteiaktivisten. Diese Männer stürmten die Räume des Wahlprüfungsausschusses, was dazu beitrug, dass die Stimmauszählung in Miami abgebrochen wurde. Um seine Behauptung zu beweisen, schickte der Mann mir Unterlagen, aus denen hervorgeht, dass viele Randalierer von Bushs Nachzählkomitee bezahlt worden waren.” Und wer sind die Gruppierungen, die hinter Bush und seiner Mafia stehen? Der Geschichtsprofessor Theodore Roszak von der Berkeley University nennt in seiner sozio-politischen Betrachtung ALARMSTUFE ROT-AMERIKAS WILDWEST-KAPITALISMUS BEDROHT DIE WELT (Riemann Verlag) Gruppierungen: Die Corporados, Wirtschaftsmagnaten, deren Gier keine Grenzen kennt, Killer-Ceos, die sich jenseits aller Gesetze wähnen und dem Sozialdarwinismus huldigen, die Triumphalisten, die ihr Heil in der militärischen Aufrüstung suchen und nicht zuletzt die religiösen Fundamentalisten, die eine christliche Weltordnung herbeibomben wollen – wenn es denn sein muss.
Eines der wichtigsten Sachbücher der letzten Jahrzehnte dürfte die längst überfällige deutsche Ausgabe von Alfred McCoys DIE CIA UND DAS HEROIN – WELTPOLITIK DURCH DROGENHANDEL (Zweitausendeins) sein. Es ist das Lebenswerk des Amerikaners, der seit 1970 die Geschichte des Drogenhandels recherchiert. Sein Buch wurde zuletzt 2003 auf den neuesten Stand gebracht und ist schlichtweg das Standardwerk, das man gelesen haben muss. McCoy beschreibt minutiös, wie skrupellos die Kolonialmächte Drogenhandel betrieben, mal legal mal illegal, je nach Profitinteresse. Besonders die Drogenkriege der Amerikaner nehmen einen breiten Raum ein. Daneben erfährt man interessante Details: Die Zahl der verbotenen Drogen erhöhte sich bis 1995 auf 245; 1931 waren es erst 17 gewesen. Ende der 90er Jahre war der globale Drogenhandel nach Angaben der UNO eine 400-Milliarden-Dollar-Industrie mit 180 Millionen Konsumenten mit acht Prozent am Welthandel – vor Textil-, Stahl- oder Autoindustrie.

P.S.: Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass die wirtschaftliche (weil auf Steuergeldern beruhend) Existenz von Gerhard Schröder (Ex-Kanzlerdarsteller), Joschka Fischer (Angriffskriegsbefürworter), Rudolf Scharping (dito) Bodo Hombach und Wolfgang Clement zerstört gehört.




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