Martin Compart


NEWS: Lucifer Connection
21. August 2009, 6:08
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http://www.evolver.at/stories/Martin_Compart_Lucifer_Connection_01_2009/

hat der Vorabdruck des Romans LUCIFER CONNECTION bei EVOLVER.AT begonnen. Die Illustrationen werden nachgeliefert.



NEWS+LUCIFER CONNECTION
6. August 2009, 5:38
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Da Evolver nicht in die Schuhe kommt (oder vielleicht doch Probleme mit meinem Roman hat), starte ich nächste Woche mit der Vorabveröffentlichung des ersten Teils von DIE LUCIFER CONNECTION. Aus Gründen des Jugendchutzes -hahaha, ja ich kenne das Netz! – werde ich aber einige Passagen kürzen, bzw. Zeilen auslassen. Ich möchte mir ja nicht vorwerfen lassen, durch exzessive Gewaltdarstellung Heranwachsende sittlich-ethisch zu desorientieren.

MC



DIE LUCIFER CONNECTION

Vor fast zehn Jahren hatte ich den SODOM KONTRAKT geschrieben um mir selber zu beweisen, dass ich über die lange Strecke eines Romans kommen könnte. In meiner Zeit als Herausgeber, Lektor oder Kritiker war mir nie der Gedanke gekommen, einen Roman zu schreiben, bzw. schreiben zu wollen. Es wurde eine gute und interessante Erfahrung. Als Kritiker richtete ich künftig milder. Die Qualen beim Schreiben der „langen Strecke“ ließen mich noch Jahre danach jedem mit Respekt begegnen, der einen ganzen Roman durchhalten konnte. Inzwischen hat sich das relativiert; ich erkenne seit der Romanerfahrung genauer, wer nur etwas runterschmiert ohne sich zu mühen oder wer sich gequält hat um leicht und lässig rüber zu kommen… Aber darum geht es hier eigentlich nicht. Ich hatte nicht vor, einen weiteren Roman zu schreiben (lediglich aus dem Hörspiel MONEYSHOT wollte ich einen kurzen Noir-Roman machen; er ist so gut wie fertig und eine Filmoption ist ebenfalls verkauft). Aber ich wurde von den unterschiedlichsten Leuten immer wieder angesprochen doch eine Fortsetzung zu schreiben. Dann brachte der ALEXANDER VERLAG die überarbeitete Taschenbuchausgabe heraus und ich wurde noch häufiger nach einer Fortsetzung befragt.

Der Sodom-Kontrakt

Sodom-Kontrakt bei amazon.de

Schließlich kam es zu einem Vertrag für einen weiteren Roman im Alexander Verlag. Ich überzog den Abgabetermin um zwei Monate, was dem Verleger Alexander Wewerka die Möglichkeit gab, von dem Vertrag zurück zu treten. Ihm gefiel das Manuskript nicht, obwohl er von Anfang an wusste, worum es geht ().

Nun habe ich also das fast fertig überarbeitete Manuskript und sitze vor dem nächsten Gill-Roman. Was machen? Zum Klinkenputzen bei Verlagen treibt mich nichts. Selbst, wenn es von einem Publikumsverlag angenommen wird, würde es etwa zwei Jahre dauern bis das Buch am Markt ist. Dazu bin ich zu ungeduldig. Aber schließlich gibt es neue Technologien, die man nutzen kann und immer schon ausprobieren wollte: das Book on Demand hatte mich schon seit den Anfängen fasziniert (ermöglicht es doch theoretisch die endlose Backlist!). Außerdem will ich endlich das Internet voll auskosten. Diese Kombination hat einen eigenen, ganz speziellen Reiz: Eine begrenzte Zeit den Roman in Fortsetzungen ins Internet stellen und dann (vielleicht nach dem ersten Teil?) das BoD anbieten. So wird also DIE LUCIFER CONNECTION als „Vorabdruck“ entweder in Evolver.At oder in diesem Blog erscheinen.

Und worum geht es?
Der Roman führt von Dortmund über Sierra Leone und London bis Wien. Es geht um Fälle von okkulten Menschenopfern, auf die ich durch einige Zeitungsausschnitte gestoßen bin (wie in SODOM werden auch in LUCIFER faktische Dokumente verarbeitet und dargestellt). Aber da ich nicht dasselbe Buch zweimal schreiben wollte, hat LUCIFER nicht die elliptische Erzählform von SODOM. Es ist eine gradlinige Ermittlung (der erste Teil ist fast ein Detektivroman), die im 2.Teil zur Quest (durch Sierra Leone) wird und im dritten zu einem Rachefeldzug. Recherchen sind wieder reichlich eingeflossen (Wewerka warf mir u.a. vor, das ich über mehrere Seiten die Geschichte der Glock-Pistole erzähle). Als Fan von Ian Fleming und Fredrick Forsyth möchte ich eben auch immer Fakten erzählen, die vielleicht nicht so leicht zugänglich sind und der intensive Recherchen vorausgehen (Reisen und Recherchen sind das Beste am Roman schreiben!). In LUCIFER habe ich mich intensiv mit westlichen Satanismus und schwarzafrikanischen Geheimgesellschaften (Poro Societies) beschäftigt, die bei den Bürgerkriegen in Sierra Leone und Liberia (beide von Charles Taylor angezettelt, der sich inzwischen in DenHaag komfortabel verantworten muss) eine Rolle spielten, die von unseren Medienkellnern kaum gewürdigt wurde.. Es ist ein ziemlich hartes Buch geworden. Und die Beschreibungen satanischer Rituale oder Taylors Riten (die in DenHaag belegt wurden), brachten mich an den Rand des Erträglichen (im Netz-Vorabdruck werde ich kürzen; genau wie bei Alexas Martyrium).

Die Protagonisten von SODOM KONTRAKT sind alle an Bord: Gill, Alexa, Karibik-Klaus und Cobra. Aber nach dem Ende von LUCIFER sind sie nicht mehr ganz dieselben und besonders Alexa hat einiges zu ertragen (was dann im dritten Roman, DIE GOMORRHA-DEPESCHE noch durchschlägt).

Martin Compart

Hier eine Szene aus dem 2.Teil von LUCIFER CONNECTION:

Über dem Getränkeregal hing ein rostiges Schild mit der Aufschrift: NO SMOKING OR WHORING IN THE OPS ROOM. Gill zündete sich eine Pall Mall an. Roelf bestellte ein Bier, Gill eine Cola. Sie setzten sich an einen wackeligen Tisch.
„Jetzt sind wir fast in der roten Zone. Noch ein paar Kilometer, dann setze ich sie ab.“
„Danke für alles.“
Roelf winkte ab. Ein Weißer betrat die Bar und Roelf und Gill musterten ihn. Er war einer dieser westlichen Geschöpfe voller Egoismus und Gier. Arrogant und angesoffen kam er hereingeschlendert, setzte sich ohne Aufforderung zu Gill und Roelf.
„Neue Buschpiraten. Ist ne ganze Weile her, dass sich Weiße hierhin verirrt haben. Die konzentrieren sich mehr auf Kono. Wegen der Diamanten. Hier gibt es nicht viel zu holen. Habe mir eure Karre mal etwas genauer angeschaut. Interessant. Hoch interessant. Warum habt ihr so viele Waffen?“
„Ich bin Pessimist“, sagte Gill unfreundlich.
„Mit ein bisschen Kohle kann man hier bestens zu recht kommen – wenn kein Krieg ist. Ein schönes Haus im Busch kostet mich jährlich 200 Dollar. Einen Matchstick – dass sind dünn gerollte Kokainzigaretten – kostet nicht mal nen Dollar. Eine Frau kriege ich für50. Eine echt starke Frau für 90. Gesund, kein Aids, große Titten und gehorsam. Die Familie kriegt die Knete und sie muss mir den Rest meines Lebens zu Diensten sein. Du kannst mit ihr machen, was du willst. Verprügeln, alles. Nur nicht in der Öffentlichkeit. Da sind sie empfindlich. Außerdem kannst du dir ja soviel Frauen zulegen, wie du willst. Sagen wir drei. Die eine besorgt es dir heute, die andere bläst dir morgen die Flöte und übermorgen knallst du die dritte von hinten, während du über Schüssel die Bundesliga guckst. Dabei freut sie sich, dass du so aufmerksam bist. Und wenn du richtig gut drauf bist, treibst du es mit allen gleichzeitig und hörst dabei Freddys Heimwehlieder. Gelegentlich nimmst du einen Schluck geschmuggelten Johnny Walker Black Label, siehst auf die Uhr und denkst daran, dass die Kollegen in Deutschland jetzt Mittagspause haben und zur Kantine schlurfen, wo sie einen Fraß in sich reinschaufeln, den hier kein Pavian beschnüffeln würde. Kapiert?“
„Interessantes Lebenskonzept“, sagte Gill.
„Ist ja noch lange nicht alles. Während du in deinem weißgekalkten Haus deinen Saft verspritzt, arbeiten Horden von großen, affenstarken Bimbos auf deinen für 10 Dollar gepachteten Feldern oder durchsieben Sumpfschlamm nach Diamanten. Warum sie das tun? Weil du der weiße Bwana bist und Travellerschecks hast. Jeder davon ist mehr wert, als sie in fünf Jahren verdienen. Wir sind hier nicht in einem Vorort von Düsseldorf. Frauen sind Leibeigene, Vieh, wilde Tiere. Die Leute hier sind ungebildete, gottlos Ignoranten, die ihrem Manitu danken, wenn sie dir für zehn Cent die Füße waschen dürfen. Du bist der Mastah, kapiert? Der Big Boss – und sie wollen das auch. Wenn du nicht auf Boss machst, sind sie nicht etwa glücklich. Nee, sie sind sauer, weil sie nichts von deiner Kohle abgreifen können. Ich rede nicht von einer höhern Lebenserwartung oder besseren Lebensbedingungen – das ist auf diesem Scheißkontinent sowieso nicht drin. Ich war schließlich lange genug beim Entwicklungsdienst.“
„Du bist schon ein ziemliches Arschloch.“ Gill kannte diesen ganzen Scheiß und konnte es nicht mehr hören. Mit ähnlichem Mist hatten ihm pädophile weiße Frührentner in Asien ein geschwollenes Ohr gequatscht.
„Weiß ich. Und der Gedanke, einen edlen Menschen wie dich vom Pfad der Tugend abzubringen, erfüllt mich geradezu mit unerträglichem Schmerz. Aber niemand zwingt sie dazu. Wenn ihre freiwillige Lebensweise deine menschlichen Vorstellungen von menschlicher Würde beleidigt, dann fahr doch nach Hause. In Deutschland geht es allen gut und alle sind gut drauf, stimmt´s? Sie hocken in elenden Mietskasernen in Wanne-Eickel und sehen sich die Fette am Mittag auf Flachbildschirmen an, die sie noch abstottern müssen – in sechzig Monatsraten zu neunundzwanzigneunundneunzig. Neben ihnen auf dem Sofa sitzt eine fette Frau, bei der man seit Jahren keinen mehr hoch kriegt und berechnet, wie das nach der Kündigung mit Hartz 4 funktionieren soll. Sie fahren nicht mehr mit dem Auto, weil eine Tankfüllung dreimal soviel kostet wie ein DVD-Player, den kleine Asiaten mit flinken Fingern aus Restmüll zusammengebastelt haben und der genau einen Tag nach dem Garantieende auseinander fliegt. Sie finden das toll, weil sie mit dieser Scheiße aufgewachsen sind. Dasselbe gilt für die Bimbos. Wäre so, als würdest du eine Katz fragen, ob sie nicht gerne Flügel hätte um herum zu fliegen. Du kannst hier keinen europäischen Vorposten errichten und Aldi-Läden aufmachen oder Mcdonalds aufmachen nur weil das die Art zu leben ist, die du kennst. Die können hier fast alle nicht lesen. Müssen sie auch nicht. Gibt zuviel zu tun für den großen, weißen Jäger. Die Leute sind zu sehr mit Diamanten waschen und Ficken beschäftigt. Mehr haben sie nicht drauf, wenn sie sich nicht gerade gegenseitig abmurksen oder Glieder absägen. Hier war mal so ein Arschloch, der wollte ein Buch über mich und mein schönes Leben schreiben. Dem habe ich gesagt: Dein beschissenes Notebook hat nicht genug Speicherplatz für alle Geschichten, die hier erlebt habe.“
„Du solltest gelegentlich mal nach Deutschland fahren und dir deine Schrauben nachziehen lassen.“
Roelf hatte genervt und schweigend den Redeschwall über sich ergehen lassen, stand auf und murmelte zu Gill: „Ich geh mal ein paar Schritte und sehe mich um. Bin spätestens in zwanzig Minuten wieder hier.“
Günter brüllte nach einem weiteren Star-Bier. Als der griechische Wirt es ihm hinstellte, lallte er: „ Treib mal ein paar Frauen für mich und meinen Freund zusammen.“
„Wie viele?“
„So viele, wie in die Hölle passen. Treib sie zusammen. Ich übernehme die Transportkosten. Wenn es mit der Inflation so weit kommt, dass ich mir überlegen muss, wie viele Frauen ich mir pro Nacht leisten kann, wird es Zeit das Land zu verlassen.“
Ein Bettler hatte sich hereingeschlichen als der Wirt nicht aufmerksam war. Auf seinem Brett rollte er zu ihren Tisch und jammerte auf Krio nach ein paar Cents. „Bitte. Nur ein klein Geld. Zehn Cent.“
Günter beugte sich zu ihm. „Du glaubst wahrscheinlich, du hast es schwer, was? Okay, die Frau ist krank, die Beine sind ab, die Kinder haben nichts zu fressen. Erzähl mir mal was Neues. Wie würde es dir gefallen, in Herne zu leben? Manche dort haben nicht mal Premiere und müssen die Spiele in einem beschissenen Zusammenschnitt in der Sportschau sehen. Nix Premiere, nicht live dabei.“
„Mastah, ich versteh nicht Prääämier. Gib mir zehn Cent, bitte.“
„Genau. Du verstehst nichts. Du weißt gar nicht, wie gut du es hast.“
„Könnte es sein, dass du ein verdammter Spitzel der Wild Side Boys bist?“
„Ich und Spitzel? Du spinnst. Ich bin gelegentlich Geschäftsmann. Mann, in diesem Teil des Universums macht jeder mal Geschäfte mit jedem. Das gehört hier zur Folklore: Heute bist du mein Feind und drohst mir die Arme abzuhacken, morgen vielleicht mein Geschäftspartner. Klar, ich habe schon mal mit den Boys gedealt…“
Das Großmaul könnte ein ernstes Problem sein.Sicherlich meldete er der Gang jedes neue Gesicht in der Region, die sie als ihr Territorium ansahen. Auch für weniger als dreißig Silberlinge.
„Als Geschäftsmann muss man Prioritäten setzen. Meine erste Priorität ist die Farbe Weiß. Ich bin ein weißer Mann, du bist ein weißer Mann. Du hast genug Geld um eine kleine Armee auszurüsten. Dann hast du auch genug Geld für Humint?“
„Für was?“
Gill reichte dem Bettler einen Schein. Voller Lobeshymnen auf Gill rollte er zum Ausgang, von einem Fußtritt des Wirtes begleitet.
„Das ist ein Ausdruck, den die Geheimdienste benutzen. Humint meint Human Intelligence im Gegensatz zu Tecmint für Technic Intelligence. Also Infos durch menschliche Quellen im Gegensatz zu Infos aus technischen Quellen. Kapiert? Geheimdienstjargon. Erste Sahne.“
„Interessant. Du kennst dich aus, was?“
„Ich kenne so einiges. Kann man sagen. Ja, ich weiß, wo es lang geht. Also pass mal auf: Ich bin Humint für dich. Und dafür lässt du ´n bisschen was rüberwachsen. Alles klar?“
. ..“Und wenn ich gar keine Fragen habe? Was sollte ich von dir schon wissen wollen?“
„Wie wäre es mit Diamanten? Ist zwar nicht Kono, aber hier gibt es auch welche. Jeder ist scharf auf Steine, wenn er nach Leone geht. Kannste so aus den Löchern schaufeln. Nur mit den Händen. Ich kann dir ´n echt guten Preis machen… Vermitteln. Die Preise sind total sauber. Verkaufste in Antwerpen mit hundert Prozent Gewinn. Sowas von gutem Geschäft.“
„Danke. Die nimmt mir der Zoll sowieso weg. Außerdem verstehe ich nichts von dem Geschäft.“
„Musst du auch nicht. Dafür hast du ja mich. Ich zeige dir die Steine, du bezahlst den üblichen günstigen Preis. Halbe Preis hier, halber Preis in Antwerpen. Dir mach ich einen besonders günstigen Preis. Ich bringe sie über Monrovia raus und – voila – in einer Woche kriegste sie in Antwerpen aufs Zimmer geliefert.“
„Ich muss was mit meinem Gesicht machen. Vielleicht eine Schönheitsoperation.“
„Was? Wieso das denn? Bist doch ein schmucker Feger.“
„Offensichtlich sehe ich so blöde aus, dass du mir so ein Geschäft anbietest.“
„Quatsch. Was iss jetzt? Machen wir den Deal?“
„Eher verbringe ich den Rest meines Lebens in einem Tokio Hotel-Konzert.“
Roelf kam zurück und flüsterte Gill etwas ins Ohr. Günter starrte sie aus dummen Augen an.