Gespeichert unter: Conspiracy, Drehbuch, Krimis, La Femme Nikita, Noir, Porträt, TV | Schlagworte: 24, Joel Surnow, Kiefer Sutherland, La Femme Nikita, Miami Vice, Noir, Peta Wilson
Surnow gilt als tödliche Waffe innerhalb des anspruchsvollen Thriller-Genres. Tony Jonas, der Präsident von Warner Bros.TV, sagt über ihn: „Ein überragendes Talent. Er hat die Fähigkeit sowohl Action wie auch Charaktere zu schreiben und gleichzeitig eine ganze Serie als Produzent zusammen zu halten. Diese ungewöhnliche Kombination und das hohe Niveau machen ihn zu einem der Grössten im Fernsehgeschäft.“
Geboren wurde er 1954 in Detroit in eine jüdische Familie. Väterlicherseits stammte sie aus Odessa, mütterlicherseits aus Litauen. „Ich wurde mit jüdischen Werten erzogen.“ Sein Vater war Handlungsreisender. Als er neun Jahre alt war zogen seine Eltern nach Los Angeles. In den 60er Jahren in Beverly Hills aufzuwachsen, machte ihm großen Spaß. Als Teenager ging Surnow mit der Tochter des Horrorregisseurs William Castle. Er studierte ein paar Semester in Berkeley bevor er 1976 zur UCLA Film School wechselte. Sofort begann er auch zu schreiben. Sein erstes Drehbuch hieß SMALL TIME, das „John Cassavetes verfilmen wollte, aber dann starb er lieber“. Ende der 70er Jahre entdeckte er das Fernsehen als Möglichkeit für sich: „Ich war nicht wirklich scharf aufs Fernsehen. In den 70ern herrschte so eine arrogante GHerablassung gegenüber diesem Medium. Die wirklich spannenden Sachen passierten im Kinofilm.“ Nachdem er ein Spec-Skript für CHEERS geschrieben hatte, kamen die ersten Jobs: er schrieb einige Folgen ST.ELSWHERE, dann holte ihn Steven Bochco ins Team der kurzlebigen Baseballserie BAY CITY BLUES. Bochco war von Surnow beeindruckt genug um ihn auch für HILL STREET BLUES schreiben zu lassen. 1984 schrieb er für die kurzlebige Serie LEGMEN. Dann erreichte ihn der Ruf des großen Michael Mann als Chefdramaturg zu MIAMI VICE zu kommen. „Ich wurde in der ersten Season Head Writer und schrieb fast alle Folgen. Es gab kein Autorenteam, da Michael alle rausschmiss.“ Bereits hier zeigte sich Surnows scharfsichtiger Blick auf das politische System. „Durch Michael lernte ich, wie wichtig Details sind. Er sagte, eine Serie könnte beeindruckender aussehen als ein Kinofilm.“ 1985 wechselte er als Autor und Executive Producer zu THE EQUALIZER. Dann war er erstmal fertig und ausgebrannt. Eine Scheidung und die nervenaufreibende Arbeit an den beiden Hit-Serien forderten ihren Preis. Er lehnte sogar Stephen J.Cannells Angebot ab, bei WISEGUY mitzumachen. Für einige Jahre schrieb er nichts, ließ sich aber mit carte blanche für die letzte Season der Soap Opera FALCON CREST ins Business zurücklocken. „Wir machten die beste nicht angeschaute Season der Fernsehgeschichte. Wir waren verrückter als TWIN PEAKS. Nicht so stilvoll oder künstlerisch, aber echt wild.“ Daraufhin folgte er Cannells erneuten Ruf und arbeitete zwei Jahre an THE COMMISH. Als nächstes folgte 1992 die kurzlebige TV-Version von BILL AND TED’S EXCELLENT ADVENTURE. Dann entwickelte die Cop-Serie 50 MINUTE MAN, die nicht produziert wurde. 1992 verließ er die Staaten und ging nach Europa. In England war er eine Season bei CONVINGTON CROSS im Team. „Die ganze Kraft, die ich durch MIAMI VICE und EQUALIZER gewonnen hatte, war verschwunden. Ich musste einen Schritt zurück gehen und mich quasi neu erfinden, neue motivieren.“ Nebenher entwickelte er POINT MAN, die 1995 mit Jack Scalia als Syndication-Serie lief. Den Tiefpunkt seiner Karriere erreichte er 1993 mit dem David Hasselhoff und Thomas Gottschalk-Vehikel RING OF THE MUSKETEERS. Zu einem kleinen Kult entwickelte sich NOWHER MAN (1995), die er als Produzent überwachte. Hier nutzte er erstmals Verschwörungstheorien: Die Existenz des Fotografen Thomas Veil (Bruce Greenwood) wird offiziell ausradiert, wei er Zeuge einer geheimen Hinrichtung in einem Land der Dritten Welt wurde. Gegen alle staatlichen Kräfte versucht Veil seine Existenz zurückzubekommen. The Fugitive meets The Prisoner. Die erste Folge der Serie war UPNs zweithöchste Einschaltquote (nach STAR TREK:VOYAGER). Aber dann zogen sich die Zuschauer zurück, wohl weil die Serie keine erkennbare Struktur hatte. „Ehrlich gesagt glaube ich nicht, daß die Serie genug Substanz für 25 Folgen hatte. Wir machten ein paar Folgen a la PRISONER, dann ein paar nach THREE DAYS OF THE CONDOR usw. In den 25 Folgen machten wir vier oder fünf verschiedene Arten von Serien. Ich denke, es gibt einen Grund, weshalb mit PRISONER nach 17 Folgen aufgehört wurde. Sie hatten einfach keine Geschichten mehr um das Publikum an der Nase herumzuführen. Der Erfinder der Serie, Larry Hertzog, sah die Serie immer wie PRISONER. Er dachte, sie müsse nirgendwo enden oder hinführen. Er wollte Allegorien und meinte, sie bräuchte keine lineare Entwicklung. Am Ende war sie einfach zu begrenzt.“ Surnows „Tanzkarte“ kann sich sehen lassen. Es gibt kaum eine qualitativ hochwertige Crime-Serie seit den 80er Jahren, an der er nicht maßgeblich beteiligt war. 1996 konnte Surnow doch noch für WISEGUY arbeiten. Die Kult-Serie, die von 1987 bis 1990 auf CBS gelaufen war, sollte mit regelmäßigen TV-Movies auf ABC fortgesetzt werden. Surnow, der sehr stolz auf diesen Film ist, mußte zusehen, wie diese Pläne aber schnell wieder vom Tisch waren. Die Idioten von ABC hatten WISEGUY gegen eine einstündige Folge von SEINFELD und gegen den Megaerfolg E.R. plaziert. Trotz der Qualität wurde WISEGUY versenkt. Aber dann lachte ihm das Glück und er schuf sein Meisterwerk: LA FEMME NIKITA! „In gewisser Weise ist Nikita die weibliche Version von WISEGUY. In beiden Serien geht es um gequälte Menschen, die durch einen Führungsagenten in eine beklemmende, gefährliche Welt geschickt werden. Beide versuchen, ihren Frieden zu finden und gegen das System ihr eigenes Leben zurückzubekommen. Meine Helden sind keine wirklichen Helden.“
Ausgerechnet Deutschlands schlimmster Trash-Sender RTL 2 verfügte über die anspruchsvollste TV-Serie der letzten Jahre! Ein Schicksal schlimmer als der Tod. Dieser Sender macht es der nach AKTE X größten Kult-Serie der 90er Jahre natürlich nicht leicht: Immer wieder begann RTL 2 mit der Ausstrahlung, um dann mitten drin abzubrechen. Irgendwann wurde sie dann endgüätig begraben und als Hoffnung bleibt nur die Veröffentlichung auf DVD.
In den USA war die Serie die erfolgreichste Action-Show des Senders USA, der sie gegen den Willen der Fans nach der 5.Season killte. Sie ist auch ein Internet-Phänomen mit vielen Webpages. Als die Produktionsfirma Warner Brothers die Einstellung der Serie verkündete, rauschte es nur so im Internet. Eine „Unterschriftenaktion“ wurde organisiert, und hunderttausend Fans aus 5o Ländern beteiligten sich daran. Im September wurde die Einstellung rückgängig gemacht und eine kurze Fortsetzung der Serie über 2001 hinaus garantierte.
Ähnlich wichtig wie bei MIAMI VICE ist die Musik in NIKITA. Blaine Johnson, der dafür verantwortlich ist, nutzte junge Bands und Musiker aus der der Independent-Szene.
Mehr Fernsehserien wurden erfolgreich für das Kino adaptiert (AUF DER FLUCHT, MISSION IMPOSSIBLE, STAR TREK usw.) als umgekehrt. Funktioniert hatte das bisher nur bei zwei Comedys: MÄNNERWIRTSCHAFT und M.A.S.H. und einer Action-Serie: HIGHLANDER. NIKITA ist die erste crime-Serie, die nicht nur gelungen einen Film und sein Remake adaptiert, sondern diese auch noch übertrifft.
Die Serie verzichtete auf Happy-ends und die üblichen Konfliktlösungen innerhalb des gewohnten 45-Minuten-Schemas üblicher TV-Serien. NIKITA ist das Zynischste, was je als Serie über die Bildschirme flimmerte. Die in Toronto gedrehte Serie brachte es auf 96 Folgen in fünf Jahren und hat das Niveau nicht nur gehalten, sondern gesteigert. Immer wieder gab es Probleme mit der Produktionsfirma Warner Brothers, der das Buget mit 1 Million Dollar pro Folge ziemlich auf den Magen schlug (lächerlich, angesichts der weltweiten Verkäufe in über 50 Länder). Keine zu hohe Summe, bedenkt man den look und die ausgefeilte Ästhetik der Serie, die 180 Mitarbeiter beschäftigte.
Zur Handlung: Durch eine falsche Mordanklage wird die junge Frau Nikita zur Mitarbeit in einem Supergeheimdienst erpresst. Ihr Leben gehört ihr nicht länger, denn sollte sie die Mitarbeit verweigern, würde der Dienst sie ins Gefängnis oder auf den elekrischen Stuhl bringen. Die Prämisse ist bekannt: Es ist ja nichts ungewöhnliches, daß aus erfolgreichen Kinofilmen Fernsehserien gemacht werden (und umgekehrt). Luc Bessons stilisierter Thriller über ein junges, asoziales Mädchen, das von einer amoralischen Geheimorganisation zur Superkillerin konditioniert wird, wurde in den USA zuvor schon als Kinostreifen mit Bridget Fonda remaked. Auch eine Hongkong-Version gibt es.
In der ersten Staffel wird ausführlich gezeigt, wie die junge Frau durch die skrupellose Organisation psychisch neu konditioniert wird. Aber noch behält sie sich einen Rest Menschlichkeit. Das zwingt sie oft zum Schauspielern gegenüber ihren Vorgestzten. Atemberaubend wie Peta Wilson das spielt. Absolut glaubwürdig agiert sie in diesen Szenen als eine Schauspielerin, die einen Charakter spielt, der schauspielert. Nikita muß verbergen, daß sie nie wirklich so skrupellos werden will, wie man es von ihr erwartet. Die TV-Kritikerin Shelly Lyons verglich die Weltsicht der Serie mit Bertold Brecht, und Peta Wilsons Darstellung der Nikita brachte ihr die ehrenvolle Bezeichnung als „Emma Peel der 90er“
Sektion Eins nennt sich die Abteilung, die Nikita zur Mitarbeit presst. Sie ist nominell eine Anti-Terror-Organisation, und nur äußerst skrupellose Menschen nützen als Agenten. Jede Gefühlsrtegung wird als Schwäche verurteilt und bekämpft. Ohne mit der Wimper zu zucken läßt dieser Geheimdienst zu, daß unschuldige Bürger getötet werden, wenn es nur höheren Interessen dient. Zum Erhalt des Systems wird skrupellos gemordet oder ein gerade noch bekämpfter Giftgashändler ans Herz gedrückt („Solange er an beide Seiten verkauft, muß er sich keine Sorgen wegen seiner Geschäfte machen.“) und zum Verbündeten erklärt. Nikita ist der Schwachpunkt des Systems: Zwar eine ausgezeichnete Agentin, aber noch nich bar von Gefühlen und moralischen Skrupeln. Da muß sie noch viel lernen und so manche Gehirnwäsche über sich ergehen lassen. Nikitas „Ausbilder“ (und späterer Lover) Michael (Roy Dupuis) ist der einzige operative Agent mit Zugang zu Geheimwissen. Seine Vorgesetzten betrachten ihn mißtrauisch, fürchten, daß er sie eines Tages ersetzt. Die Beziehungen der einzelnen Agenten untereinander sind nicht statisch, sondern – auch ungewöhnlich für eine Serie – entwickeln sich, veränderten sich von Staffel zu Staffel. Aber auch Sektion Eins ist nicht autonom, sondern einer anderen mysteriösen Vereinigung untergeordnet. In der vierten Staffel stellte sich dann auch heraus, wer der wirkliche Chef von Sektion Eins ist: eine Neurochirurgin. Vieles erinnerte ein bißchen an die 60er-Jahre-Kultserie NIMMER 6 (PRISONER), bei der man die Nutznießer der Machtstrukturen ebenfalls nie personell festmachen konnte. Die zunehmende Dominanz des Staates über das Individuum spiegelt sich auch in Killer-Filmen wieder. Alain Delon (DER EISKALTE ENGEL) oder Charles BRONSON (KALTER HAUCH) waren in den 60er und 70er Jahren Freelancer, die auf eigenen Wunsch für staatliche Organisationen killten, auch Aufträge ablehnten oder sich anarchisch gegen die Auftraggeber wandten. Sie gehorchten nur sich selbst und unterwarfen sich keiner Organisation. Damit ist es längst vorbei. Die Mafia-Filme der letzten Jahrzehnte zeigten, daß beim hohen Niveau des Organisierten Verbrechens kein Platz mehr ist für Einzelgänger. So ergeht es jetzt auch den Killern, die nicht mehr auf eigene Rechnung ihre blutigen Dienste anbieten dürfen, sondern nur noch als Rädchen im Getriebe agieren, ohne Entscheidungsfreiheit oder genaues Wissen um die „wet jobs“, wie die Mordaufträge im Geheimdienstjargon genannt werden. Das Ende aller Romantik.
Indem NIKITA unser System der „freien westlichen Demokratien“ als blutrünstig, amoralisch und profitgeil darstellt, übte die Serie Kulturkritik wie man sie seit MIAMI VICE oder WISEGUY (KAMPF GEGEN DIE MAFIA) nicht mehr gesehen hatte. Aber sie war nicht moralinsauer oder auf simple Antworten bedacht. Sie stellte eher Fragen und spielte durch, was an an zivilisatorischen Alternativen heute überhaupt noch möglich ist. Und sie zeigte den aktuellen Stand der Technik, zu der ansonsten nur Experten und Militärjournalisten Zugang haben (konsequenterweise linkt eine Nikita-Homepage mit allen wichtigen Herstellern von Kriegstechnik). Geschickt arbeiteten die Autoren aktuelle Bezüge ein: Von Kinderpornoringen über Proliferation bis zur Bombadierung von Botschaften. Natürlich immer mit mehr faktischen Hintergrundswissen als all’ die elenden deutschen Produktionen, die Kindesmißbrauch auf einer falschen psychologischen Ebene behandeln und die wirtschaftlichen und politischen Dimensionen verschweigen. Die Aussagen der Serie über politische Hintergründe waren allerdings nicht die, die der Zuschauer durch Zeitungen oder Fernsehnachrichten erhält (und die er längst nicht mehr glaubt). Diese Realitätsbezüge, die nach bester Verschwörungstradition funktionieren, gaben dem Zuschauer das beklemmende Gefühl, hinter die Zeitungsmeldungen in die wahre Weltpolitik zu blicken. Andere Motive und Interessen, als die öffentlich zugegebenen, stehen inzwischen bekannt, hinter so mancher militärischen Terroraktion. Die Serie suggerierte Einblick in die geheime Welt hinter den offiziellen Verlautbarungen. Die Agenten der Seektion Eins erscheinen wie Geister, die nichts mit den normalen Menschen zu tun haben. Sie gehören einer anderen Dimension unserer Realität an. Gerechtigkeit oder Gesetzmäßigkeit haben in dieser Welt keine Bedeutung. Eine zunehmende Erfahrung, die der Zuschauer auch in der Realität macht. NIKITA spiegelt einen zivilisatorischen Verfall, in der ein mafioser Staat und seine Zombie-Helfer rücksichtslos Interessen durchsetzen – auf Kosten des Gemeinguts, wenn es sein muß. Nikitas Menschlichkeit steht unter dauerhaftem Druck durch die Institutionen, denen sie hilflos ausgeliefert ist und völlige Kontrolle über ihre Existenz verlangen. Wenn sie in einer Folge hilflos aufschreit: „Euch gehört meine Seele nicht“, muß niemand aus der Sektion darauf antworten. Natürlich wollen sie ihre Seele.
Im Grunde ist NIKITAs Subtext ganz simpel: Es geht um einen Menschen, der gegen seine Bedürfnisse dazu gezwungen wird in einem System zu funktionieren, das keine Humanität mehr zulässt. Auf die Frage, ob er glaubt, daß eine ähnliche Organisation wie Sektion Eins tatsächlich existiert, antwortete Joel Surnow: „Mit Sicherheit. Aber ihr Design ist bestimmt nicht so gut wie unseres dank des Produktionsdesigners Rocco Matteo.“
Nach dem überraschenden und unrühmlichen Ende von NIKITA gelang Surnow mit 24 ein weiterer erfolgreicher innovativer Streich: In 24 Stunden Echtzeit werden politische Intrigen erzählt. Im Mittelpunkt steht der Agent Jack Bauer(Kiefer Sutherland) mit seinem Team aus der fiktiven Counter Terrorist Unit. In der 1.Staffel verhindert er einen Anschlag auf das Leben eines schwarzen Präsidentschaftskandidaten, während gleichzeitig seine Frau und Tochter entführt sind. In der 2.Staffel muss Jack Bauer einen atomaren Anschlag auf Los Angeles verhindern. Das klingt in der Zusammenfassung recht trivial, ist es aber in der detailierten Ausführung überhaupt nicht. Surnow zeigt einmal mehr, wie korrupt und verbrecherisch Regierungsinstitutionen arbeiten. Sein „Held“ Bauer schreckt nicht einmal vor Foltermethoden zurück um an Informationen zu kommen, die den atomaren Schlag verhindern könnten.
Surnow arbeitet bereits lange und intensiv mit Robert Cochran zusammen: „Ich halte ihn in einem Käfig gefangen. Spaß beiseite. Was für unsere Zusammenarbeit wichtiger als alles andere ist: Wir können uns in ein Zimmer setzen und eine Story nach der anderen runterhaun. Ich komme mit den Ideen und Robert schreibt alles nieder. So haben wir 96 Folgen von NIKITA gemacht, 44 von THE COMMISH, 22 Folgen FALCON CREST etc.“ Sie trafen sich erstmals 1988 als Surnow ausführender Produzent bei FALCON CREST war. Damals bot er Cochran dessen ersten Job als Dramaturg und Autor an. „Ich hatte eines seiner Skripte gelesen, und holte ihn sofort ins Autorenteam. Als ich ihn persönlich sah, mochte ich ihn auf Anhieb. Und balds war er wegen seines Talents der Star im Team.“ Cochran war früher Anwalt und kam als Autor für L.A.LAW ins Fernsehgeschäft. „Seit ich denken kann wollte ich schreiben. L.A.LAW war ein guter Einstieg. Die Serie zeigte, wie unsere Gesellschaft funktioniert, aber ich mochte sie nie wirklich.“ Surnow: „Bob und ich haben einen jüdisch-christlichen Hintergrund. Bob ist christlich erzogen, ich jüdisch. Wir füttern die Serie mit unserem Wertesystem. Unser Held hat denselben Hintergrund.“
Robert Cochran: „Als er mir die Idee zu 24 erzählte, hatte er weder Charaktere noch eine Story. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie das funktionieren sollte.“ Surnow:“Ich stimmte ihm zu. Aber es ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf und ich sagte ihm, daß wir weiter darüber nachdenken müssten. Wir waren wirklich nicht davon überzeugt, daß es funktionieren könnte bis die letzte Folge im Kasten war.“ Surnow und Cochran setzten sich drei Wochen zusammen um das Konzept auszuarbeiten. Wie bei NIKITA sind sämtliche Nebenfiguren inedividuelle und runde Charaktere. Surnow: „Als ich die Serie beschreiben musste, sagte ich: Es ist eine Thriller Soap Opera. Es geht um das Leben dieser Menschen im Kontext eines Thrillers.“
Fox bestellte erst nur 13 Folgen. Wäre sie gefloppt, hätte man das Finale vorziehen können (siehe das Showdown zwischen 12 und 13 Uhr). Surnow: „24 ist eine riskante Angelegenheit, denn die Serie ist von der Loyalität der Zuschauer abhängiger als Serien mit abgeschlossenen Episoden. Was wir von TWIN PEAKS gelernt hatten, war, daß man das Publikum nicht so lange belasten kann bis sie nur noch frustriert sind.“ Deshalb auch die vierlen Nebenkonflikte und „kleine Lösungen“, bzw. das Nutzen der Soap-Elemente. „Man braucht einen Teppich kleiner Spannungsmomente. Nur dank ihnen funktioniert auch die Show. Dagegen ist die Haupthandlung sogar zweitrangig. Wichtig ist es auch, parallel zu den Action-Szenarien persönliche Geschichten für die Charaktere zu entwickeln.“ Tatsächlich gelingt es Surnow (wie schon zuvor bei NIKITA), die Serie immer unter Dampf zu halten. Fox erwartete nicht viel von 24. „Ich glaube, sie waren sich am Anfang nicht mal sicher, ob sie überhaupt ausgestrahlt wird.“ Aber als die Verantwortlichen die Pilot-Folge sahen, flippten allle aus – bis hin zu Rupert Murdoch.
Die erste Folge kostete vier Millionen Dollar, jede weitere 1,5 Millionen. In der zweiten Staffel standen pro Folge 2,2 Millionen Dollar zur Vefügung. Zwei Folgen werden hintereinander in 15 Drehtagen abgedreht. Kiefer Sutherland als Hauptdarsteller ist pro Staffel acht Monate am Drehort. Fünf Tage die Woche und bis zu 14 Stunden am Tag.
Eine Serie in Echtzeit verlangt ganz besondere Aufmerksamkeit: So hat ein Produktionsassistent die Aufgabe nur darauf zu achten, daß alle Uhren, die in der Serie zu sehen sind, die genaue Handlungszeit anzeigen. Zur Echtzeitdramaturgie von 24 meldete Elfriede Jelinek: „24 ist wie permanentes Vögeln, ohne je zum Orgasmus zu kommen.“ Bisherige Serien in Echtzeit, etwa MURDER ONE, waren zumindest beim Publikum gescheitert. Surnow hat erkannt, daß man für ein derartiges Format eine spezielle Ästhetik entwickeln muss. „In einer Serie, die in Echtzeit spielt, gibt es eine Menge Telefonate. Und Telefonate im Fernsehen sind verdammt langweilig. Deswegen machten Regisseur Steven Hopkins und Cutter Dave Thompson den Vorschlag Split-Screen einzusetzen. Das gefiel uns so gut, daß wir jeden Akt mit einer Split-Screen begannen und beendeten.“ Seit Norman Jewisons innovativen Einsatz der Splt Screen in der THOMAS CROWN AFFAIR wurde diese Technik nie wieder so effektiv genutzt. Allerdings nutzte man sie in der 2.Staffel schon weniger.
Die Drehbücher werden immer für einen Arc von sechs Folgen geschrieben. Keiner der Schauspieler weiß, ob er das Ende der Season erreichen wird. Aber alle mußten Fünfjahresverträge abschließen. Robert Cochran: “ Die Leute fragen oft, ob wir die ganze Season im Voraus planen bevor wir die Drehbücher schreiben. Unmöglich! Das wäre viel zu kompliziert. Wir teilen eine Season in Arcs von sechs oder acht Folgen, die wir durchkonzipieren. Es ist eine Hochselakt. Wir haben eine Grundidee, wohin wir wollen. Aber 24 Folgen sind eine Menge. Deshalb sind die Nebenfiguren und Nebenhandlungen so wichtig.“ Nicht die genau gezeichneten Charaktere treiben die Serie voran, sondern die Story. „Wir lieben es, uns selbst zu überraschen, denn dann haben wir eine bessere Chance, dass uns das auch beim Publikum gelingt.“
Cochran: „Die Zeiten haben sich dramatisch geändert. Und dieses Gefühl hat jeder. Ich glaube, 24, ALIAS und THE AGENCY kamen ungefähr zur selben Zeit raus, wei allen klar ist, daß die Welt kleiner geworden ist und Amerika nicht länger ein sicherer Ort. Alle diese Serien waren bereits ein Jahr vor dem 11.September in der Entwicklung.“ Gute Fernsehserie antizipieren die Realität.
Die Handlung der ersten Staffel beginnt Dienstags um null Uhr. Die der zweiten eineinhalb Jahre später samstags um acht Uhr morgens. Surnow wollte das längere Tageslicht im Herbst nutzen und im Winter die Nachtszenen drehen.
Einem Kritiker fiel auf: Die Guten haben in der Serie einen Apple Macintosh Computer, die Bösen einen PC. Natürlich sind in Regierung, Verwaltung oder Polizeiapparat reichlich Böse vertreten. Da ist sich Surnow treu geblieben. Ein Interviewer fragte ihn, ob er je daran gedacht hat, Unterstützung durch Geheimdienste oder andere Institutionen der Regierung zu verlangen. Darauf Surnow zynisch: „Die Regierung war tatsächlich sehr cooperativ. Wir haben sie nie um etwas gebeten, und sie hat uns nie etwas gegeben. Sie nahm lediglich die Steuern von unseren Honorarchecks, so cooperativ war die Regierung.“
Surnow ist zum zweiten Mal verheiratet und hat fünf Kinder im Alter zwischen acht und einundzwanzig Jahren