Martin Compart


SPYTHRILLER: ZUR GESCHICHTE DES SPIONAGEROMANS 1/ von Martin Compart
14. November 2012, 2:23 nachmittags
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ALLGEMEINE VORBEMERKUGEN

Wie es die beiden Ex-Agenten Victor Marchetti und John D.Marks in ihrem von der CIA durch Gerichtsbeschluss
zensiertem Buch CIA(Deutsche Verlagsanstalt, 1974)) ausdrückten: “Ein großer Teil der Machtstellung der CIA hängt
von ihrer sorgfältigen Mythologisierung und Glorifizierung der Leistungen des geheimen Berufs ab… Wie die meisten Mythen
sind die Intrigen und Erfolge der CIA über die Jahre weg eher eingebildet als real gewesen. Was unglücklicherweise real ist, ist die Bereitschaft sowohl der Öffentlichkeit wie der Anhänger des Kults die Fiktion zu glauben, die das Nachrichtengeschäft tränkt.”(S.38)

Wäre man paranoid genug, könnte man hinter der Unmenge erfolgreicher Spionageromane, Polit-Thriller, Agentenfilme und Fernsehserien eine der großen propagandistischen Coups der psychologischen Kriegsführung durch die Geheimdienste sehen. Und der Großteil der
in diesem und letzten Jahrhundert veröffentlichten Spionageromane dienten in markant anti-aufklärerischer Manier tatsächlich nur der Verteufelung des Gegners und der Rechtfertigung bürokratischer Behörden, deren wirklichen Erfolge in keinem Verhältnis zu materiellen Aufwand und zum politischen Risiko stehen. Aber der Spionageroman und im weiteren Sinne der Polit-Thriller, kann natürlich mehr leisten als anti-aufklärerische Propaganda.
Er kann auch ein Instrument der Aufklärung sein, wie es die Werke von Graham Greene, Eric Ambler, Kent Harrington, Andy McNab, Ross Thomas und vieler anderer eindrucksvoll beweisen. Die Literatur, die die geheime Welt und ihr politisches Treiben beschreibt, spiegelt alle Spannungen wieder, die unsere Zeit politisch und wirtschaftlich bestimmten.

Literaturhistorisch steht am Anfang des Spionageromans keine Schlüsselfigur, wie etwa Edgar Allan Poe für den Detektivroman oder William Godwin für den Noir-Roman. Während man von der Spionage als vom “zweitältesten Gewerbe der Welt” spricht, muss man das multimediale Genre “spy story” als ein Kind des 19.Jahrhunderts ansehen, dass im 20.Jahrhundert zu voller Blüte heranreifte und immens erfolgreich wurde.

In der Literatur taucht die Spionage erstmals in dem chinesischen Klassiker über DIE KUNST DES KRIEGES(PING FA) von Sunzi ca. 510 v. Chr. auf. Die erste Fiktion, in der Spionage eine Rolle spielt, verdanken wir ebenfalls der chinesischen Kultur: im 13.Jahrhundert in dem historischen Roman SAN KUO von Lo Kuan- Chung. Als erster “richtiger westlicher” Spionageroman gilt allgemein James Fenimore Coopers THE SPY(1821).Allerdings nur, weil der Roman einen Spion in den Mittelpunkt der Handlung stellt; der Spionagetätigkeit wird von Cooper wenig Raum gewidmet.

Anschließend tauchen Elemente des Spionageromans und des Polit-Thrillers im Kontext vieler Feuilleton-Romane des 19.Jahrhunderts auf, aber erst zu Beginn des 20.Jahrhunderts formt sich das Genre zu einer eigenen, unverwechselbaren Gestalt. Die ersten britischen Spionageromanautoren – und damit die ersten “hauptberuflichen” Autoren von spy novels überhaupt – waren William LeQueux und E.P.Oppenheim. Bei aller Trivialität ihrerBücher muss man erkennen, dass sie Wegbereiter für John Buchan bis Ambler oder Tom Clancy (der besonders LeQueuxs „war prophecy novel“ aktualisierte) waren.

Jeder Spionageroman ist ein Polit-Thriller, aber nicht jeder Polit-Thriller ist ein Spionageroman.
Der Spionageroman als ein Nachfolger des Abenteuerromans ist sehr oft eine Mischform aus den verschiedenen Genres: zwar
handelt er primär über internationale Intrigen, benutzt aber Elemente des Abenteuer-, Detektiv-, Gangster- Liebes- und
Kriegsroman.

Der Polit-Thriller ist seit den 196oer Jahren ungebrochen eines der beliebtesten Sub-Genre der facettenreichen Kriminalliteratur.
Nicht zu Unrecht wird die Kriminalliteratur als die Literatur angesehen, die das Industrie- und Informationszeitalter am besten
widerspiegelt. Kriminalliteratur hat nämlich im Grunde nur ein Thema: Die Schwierigkeit des Menschen sich in Gesellschaften
großer Dichte zu organisieren und die Reaktion durch abweichendes Verhalten auf Ungerechtigkeitsordnungen. Während
andere kriminalliterarische Genre dieser Problematik innerhalb der jeweiligen gesellschaftlichen Organisationen nachgehen,
thematisiert der Polit-Thriller im Sub-Genre Spionageroman, wie unterschiedliche Gesellschafts- und multinationale Intressenformen konkurrieren und wie Apparate einer bestimmten Größenordnung eine von den ursprünglichen Zielen abweichende Eigendynamik entwickeln
können. Der zunehmenden Komplexität der Welt wird in keiner anderen Literatur mehr Rechnung getragen als im Polit-Thriller.

Die Kriminalliteratur im Allgemeinen und der Polit-Thriller im Besonderen sind im besten Sinne des Wortes populäre
Literatur. Ob in trivialer Form (Land,Cussler) oder in literarisch anerkannter (LeCarré, Ambler, Greene) – im Gegensatz zur bürgerlichen Hochliteratur wird der Polit-Thriller in hohen Auflagen verbreitet und gelesen. Es ist eine demokratische Literatur, die quer durch alle Schichten rezipiert wird. Die Form ist für alle Ideologien offen, wird aber in ihren besten Werken eher progressiv genutzt. Das
heißt: Sie warnt vor (welt-)gesellschaftlichen Fehlentwicklungen, enttarnt politische, wirtschaftliche Zusammenhänge und zeigt immer wieder eindrucksvoll, wohin unkontrollierter Egoismus von Machtträgern -ob von Organisationen oder Einzelpersonen- führt. Ambler nannte den Thriller mal die “letzte Zuflucht für Moralisten”.

Der Polit-Thriller kann sich mit jedem anderen Subgenre der Kriminalliteratur verbinden: sei es mit dem Privatdetektivroman, wenn er politische Korruptionsmechanismen beschreibt, mit dem Psycho-Thriller, der die Innenwelt von Machthabern auslotet oder sogar mit dem klassischenDetektivroman (“Call the Dead” von LeCarré), in dem die Frage nach dem Motiv des Täters politische Dimensionen haben
kann. Der Detektivroman, Privatdetektivroman, Psycho-Thriller, Polizeiroman usw. beschäftigt sich mit der Kriminalität des
Individuums in der Konkurrenzgesellschaft; der Spionageroman mit kriminellen Machenschaften zwischen konkurrierenden Systemen. Im Detektivroman wird der innenpolitische Kampf eines Systems geschildert, im Spionageroman der außenpolitische.

Wir leben in einer Zeit der bewusst wahrgenommenen Krisen. Polit-Thriller sind Krisenliteratur, Ausdruck und Reaktion auf reale Krisen. Das war er immer. Aber, wie sich zeigen wird,hat der Polit-Thriller mit den Mitteln der Fiktion oft die Realität mitbestimmt und beeinflusst, ja manchmal bewusst Realität manipuliert. Dem Einfallsreichtum der Autoren huldigen
die Geheimdienste bis heute, in dem sie sich von Spionageromanen anregen lassen, was sich dann wiederum in der
Fiktion spiegeln kann: In dem Film DIE DREI TAGE DES CONDOR, eine gelungene Verfilmung von James Gradys Klassiker SIX DAYS
OF A CONDOR, spielt Robert Redford einen CIA-Analytiker, der für den Geheimdienst Spionage- und Kriminalromane liest und in
einen teuflischen Komplott gerät. Bei keiner anderen Literaturgattung gibt es offensichtlich eine so intensive Wechselwirkung von Realität und Fiktion wie im Polit-Thriller.

In James Gradys Roman SIX DAYS OF THE CONDOR heißt es:
“Die Aufgabe des Departments 17 besteht darin, jeder Erwähnung von Spionage und verwandten Gebieten in der Literatur nachzugehen. Mit anderen Worten, das Department liest Spionagethriller und Kriminalromane. Die Grundideen und Handlungsabläufe tausender Kriminal- und Spionageromane sind in den Akten des Departments 17 sorgfältig aufgezeichnet und analysiert. Selbst so alte Autoren wie James Fenimore Cooper sind untersucht worden. Die meisten Bücher der Gesellschaft befinden sich im CIA-Hauptquartier in Langley, Virginia… Die Analytiker des Departments sind auf literarischem Gebiet ständig auf dem laufenden. Ihre Arbeit teilen sie untereinander durch gegenseitige Absprachen auf. Jeder Analytiker hat seine Fachgebiete, beziehungsweise seine speziellen Autoren. Als Ergänzung zu ihrer Arbeit, der Zusammenfassung von Handlungsabläufen und Methoden aller Bücher, erhalten die Analytiker täglich eine Reihe von besonders gereinigten Berichten aus Langley. Diese Berichte enthalten kurzgefaßte Beschreibungen von tatsächlichen Ereignissen, bei denen jedoch alle Namen fortgelassen sind und die genaue Einzelheiten auf das Nötigste beschränkt sind. Dichtung und Wahrheit werden verglichen, und wenn es größere Übereinstimmungen gibt, beginnt der Analytiker mit einer weiteren Untersuchung unter Zuhilfenahme eines detaillierten, aber immer noch gereinigten Berichts. Falls die Übereinstimmung immer noch deutlich feststellbar ist, werden die Informationen und die Berichte zur Überprüfung an eine höhere Abteilung des Departments weitergeleitet. Irgendwo wird dann die Entscheidung darüber gefällt, ob der Autor nur richtig geraten hat oder ob er mehr wusste, als er sollte. Im letzteren Fall hat der Autor entschieden Pech gehabt, denn dann wird ein Bericht an die Planungsabteilung geleitet, die irgendetwas unternimmt. Die Analytiker haben auch den Auftrag, Listen nützlicher Tips für Agenten zusammenzustellen. Diese Listen werden den Ausbildern der Planungsabteilung zur Verfügung gestellt, die ständig auf der Suche nach neuen Tricks sind.” 1)

In Thomas Powers Buch über den ehemaligen CIA-Chef Richard Helms heißt es: “Der erste CIA-Chef, Allen Dulles, hat Schriftsteller dieses Gewerbes sogar gefördert und manchmal sogar mit Material versorgt (zum Beispiel Helen McInnes), weil er glaubte, das werde das Verständnis der Öffentlichkeit für seine Behörde wecken, die ja ihre Erfolge nicht selbst bekannt geben durfte. Es gab jedoch einen Spionageroman, der Helms nicht gefiel. Das war Le Carrés DER SPION, DER AUS DER KÄLTE KAM, ein bitteres zynisches Buch über Gewalt, Verrat und geistige Erschöpfung…LeCarré untergrub das moralische Fundament des Nachrichtendienstes und den Glauben dieser Männer an den Wert ihrer Arbeit…”2)

Es waren auch amerikanische Spionageromanautoren wie Grady, Charles McCarry, Wilson McCarthy, Brian Garfield usw. die die Öffentlichkeit sensibilisierten und die Diskussion über die CIA, ihre Verbrechen, Methoden und mögliche Kontrolle mit in Gang brachte. In keinem anderen literarischen Genre ist die gegenseitige Befruchtung von Realität und Fiktion stärker.
Kein anderes Genre spiegelt die politische, soziale, wirtschaftliche und psychische Großwetterlage ähnlich intensiv wieder. Die Verknüpfungen von Realität und Fiktion sind fast schon Strukturelemente des Genre. Beeindruckend ist auch die große Anzahl von Autoren, die aus erster Hand Erfahrungen mit der Spionage gemacht haben und zum Teil in hohen Positionen geheimdienstliche Aktivitäten mitbestimmten: Ted Allbeury, Kenneth Benton, John Buchan, A.E.W.Mason, Compton Mackenzie, William LeQueux, Somerset Maugham, Graham Greene, Dennis Wheatley, Ian Fleming, Sidney Horler, Sir John Masterman, John LeCarré, Bernard Newman, Geoffrey Household, William Haggard u.a.

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1) aus: James Grady: Die sechs Tage des Condor. Fischer Taschenbuch Nr.1669, Frankfurt/M., 1975; Seite 11ff.
2) aus Thomas Powers: CIA. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1980; Seite 98f.

FORTSETZUNG FOLGT IM MAGAZIN EVOLVER



SPYTHRILLER: JOHN BUCHAN 2/ von Martin Compart
15. November 2011, 6:33 nachmittags
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1916 diente Buchan als Stabsoffizier im französischen Hauptquartier der englischen Armee. Während des Krieges lernte er den späteren Feldmarshall Edmund Ironside, Lord of Archangel, kennen, der im Krieg mit nachrichtendienstlichen Aufgaben in Rußland betreut war.Ironside war angeblich das Vorbild für Richard Hannay (seine Figur Sandy Arbuthnot, Kenner und Freund der arabischen Welt, basiert zweifellos auf dem begeisterten Buchan-Leser T.E.Lawrence und dessen arabische Abenteuer). Nachdem Lloyd George Prämierminister geworden war, holte man Buchan als Direktor ins Informationsministerium unter Lord Beavenbrook. Kurze Zeit später wurde er Chef des Nachrichtendienstes. Ereignisse dieser Zeit hat Buchan geheim gehalten und kein Biograph weiß nähere Einzelheiten über Buchans Treiben als Geheimdienstler. Nach dem Krieg verlief seine Karriere weiterhin erfolgreich. Es würde den Rahmen sprengen, wollte man alle gesellschaftlichen Stellungen und Auszeichnungen und seine vielfältigen literarischen Aktivitäten hier gebührend würdigen. 1924 bis 1930 war er Präsident der schottischen historischen Gesellschaft. Von 1927 bis 1935 war er konservativer Abgeordneter des Parlaments; 1933 wurde er für zwei Jahre Hochkommissar für die schottische Kirche. 1935 wurde er als Baron Tweedsmuir in den Adelsstand erhoben und bis zu seinem Tod am 11.Februar (einige Quellen nennen den 6.) 1940 war er Generalgouverneur von Kanada. In dieser Funktion unterschrieb er am 9. September 1939 die kanadische Kriegserklärung an Deutschland. Obwohl er ein überzeugter Tory war, setzte er sich für progressive Ideen ein: Er unterstützte die Suffragetten, stimmte für die Anerkennung der Sowjetunion und setzte sich nach dem Krieg für eine Amnestie der Kriegsdienstverweigerer ein.

1915 erschien mit THE 39 STEPS der Roman, der bis heute die entscheidenden Impulse für die romantische Richtung (im Gegensatz zur realistischen) des Spionageromans ausgab. Der Gentleman-Agent, der im Dienste seines Landes gegen eine feindliche Umgebung das bedrohliche Ungeheuer besiegt. Im ersten Roman ist Buchans Held Richard Hannay noch ein Zivilist, der zufällig in einen Komplott verwickelt wird. Wir wissen, daß Buchan großen Eindruck auf Hitchcock machte, der die 39 STUFEN 1935 verfilmte und immer davon träumte, eines Tages GREENMANTLE filmisch umzusetzen. Angesichts der geradezu schwachsinnigen Adaption der 39 STUFEN (von allen die schlechteste Umsetzung), muss man wohl dafür dankbar sein, dass es nicht dazu kam.

Buchan war der erste Spionageromanautor, der überzeugende Serienfiguren erfand und mit Richard Hannay und seinen immer wieder kehrenden Freunden einen eigenen kleinen Kosmos von Agenten schuf. Der Anfang der 39 STEPS erinnert an den Anfang eines anderen großen Abenteuerbuches eines ebenfalls großen schottischen Abenteuerromanciers, in dessen Tradition sich Buchan immer gesehen hat: an Robert Louis Stevenson “Schatzinsel”. Beide
Bücher beginnen damit, daß ein Sterbender die Szene betritt um dem Protagonisten eine geheimnisvolle Nachricht mitzuteilen, deren Entschlüsselung für den Handlungsverlauf von immenser Bedeutung ist.

Viele halten den zweiten Hannay-Roman GREENMANTLE, in dem sich Buchans Held als Spion durchs deutsche Reich und die Türkei schlägt um zu verhindern, daß die Deutschen durch das Anfachen eines Jihad den Kriegsschauplatz vergrößern, für einen noch besseren Roman. So gut und spannend dieser Roman auch ist, er hat nicht die Geschlossenheit der 39 STEPS. Erstaunlich ist jedenfalls, das Buchan als Ich-Erzähler Hannay die Deutschen nicht einfach verteufelt und dem Kaiser sogar soetwas wie Sympathie entgegen bringt. Trotz der Anerkennung “deutscher Tüchtigkeit” bleiben die Teutonen natürlich die Feinde die ein Lebensprinzip verkörpern, das einem Angelsachsen wenig lebenswert erscheint. Im Gegensatz zuseinen Vorgängern, wie LeQueux, oder den trivialen Nachfolgern à la Sapper und Horler, bemüht er sich aber um ein differenzierteres Bild. Reale Ereignisse und Personen spielen in seinen Romanen eine wichtige Rolle, denn sie sind Auslöser
für seine Plots die damals als realistisch empfunden wurden: In den 39 STUFEN geht es darum, daß die Deutschen versuchen, die britischen Marinepläne zu stehlen. GREENMANTLE gipfelt in der Darstellung einer realen Schlacht, der Kampf um Erzerum und erinnert auch an Gordons Verteidigungsschlacht um Khartoum. PRESTER JOHN basiert auf Bambatas Revolte in Natal und MR.STANDFAST reflektiert die britische Friedensbewegung und die Arbeiterkämpfe während des Krieges.

Robert Powell verkörperte Hannay auch in einer kurzlebigen TV-Serie.

Den ersten richtigen antisowjetischen Thriller der Spionageliteratur schrieb John Buchan mit seinem ersten Dickson Mc’Cunn-Roman, HUNTINGTOWER,1922, in dem der Held eine ruritanische Prinzessin vor Bolschewisten rettet. Ganz unverholen drückte
sich Buchans Liebe zur Monarchie im dritten und letzten Mc’Cunn-Roman, THE HOUSE OF THE FOUR WINDS(1935), aus. In dem ruritanischen Land Evallonia kämpfen die Helden gegen Kommunisten um einen Prinzen wieder auf den Thron seiner Vorfahren zu setzen. In seinem leider weniger bekannten Roman THE COURTS OF MORNING (1929), der in dem auf Chile basierenden fiktiven Land Olifa spielt, setzt er sich ernsthaft mit den faschistischen und korrupten südamerikanischen Diktaturen auseinander. In dem Thriller A PRINCE OF CAPTIVITY (1933) untersucht er die europäische Politik und den aufsteigenden
Faschismus; bemerkenswert auch, daß dieser Roman im Jahr von Hitlers Machtübernahme erschien.

Unübertroffen ist Buchan in seiner romantischen Darstellung- wenn man will: Verklärung – von allem, was britisch ist. Kaum ein anderer Autor kann Schönheit und Traditionen der Insel so schwärmerisch und mitreissend beschreiben. Dabei zeichnet ihn über seine klar umrissenen Feindvorstellungen auch eine typisch britische Toleranz aus, die man bei vielen seiner Zeitgenossen vergeblich sucht.

SPOOKS großartiger Adam Carter, alias Rupert Penny-Jones, in der bisher letzten Verfilmung:



SPYTHRILLER: JOHN BUCHAN 1/ von Martin Compart
3. November 2011, 4:53 nachmittags
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                           Buchans Büste von Thomas Clapperton, ca.1930.

John Buchans Held Hannay wird gerne als ein Vorfahre von Flemings James Bond bezeichnet. Was den Bekanntheitsgrad in seiner Zeit (sein wichtigster Roman, THE 39 STEPS, ist seit seinem Erscheinen 1915 bis heute nie vergriffen gewesen und wurde viermal verfilmt)angeht, stimmt der Vergleich auf England beschränkt. Auch war es Buchan, der den Action betonten Spionageroman kreierte. Darüber hinaus war er aber ein ungleich unfangreicher interessierter Mann als Ian Fleming, der viel stärker Zeitbezüge in seine Romane einarbeitete. Wären nicht seine oft aus heutiger Sicht phantastisch anmutenden Plots, seine grandiosen Schilderungen physischer Aktion (die viel seinem Landsmann Robert Louis Stevenson verdanken) und die romantischen Helden, allen voran Richard Hannay, wäre der Blick nicht verstellt auf seine Qualitäten, zeitgenössische Politik zu interpretieren und zu reflektieren.

Buchan schuf mit 39 STEPS nicht nur den Klassiker der romantischen Agenten-Thriller.  Thematisch gewann er fast mit jedem seiner Thriller  neue Themen und Topoi des Genres hinzu: In MR.STANDFAST(1919) etwa, setzt er sich mit der psychologischen Kriegsführung und Unterwanderungstaktiken auseinander, die ein Land von innen bedrohen können. Viel gefährlicher als der Kampf an der Front oder die Jagd auf Saboteure erscheinen ihm feindlichen Demagogen, die durch Zerrüttung des inneren Friedens im eigenen Land für Unruhe sorgen. Für Buchan, der sich in diesem Buch von einem Milnerschen hardliner zum liberalen Konservativen wandelte, geschieht das durch ein geschicktes Manipulieren der sozialen Gegensätze, die im Bürgerkrieg enden könnten.

John Buchan, erster Baron Tweedsmuir von Elsfield wurde am 26. August 1875 in Perth, Peebles-shire in Schottland als ältester Sohn eines presbyterianischen Pfarrers geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Kirkcaldy, Fife (wo auch der Anfang von PRESTER JOHN spielt) und im Tweed Tal an der schottischen Grenze. Es blieben seine Lieblingslandschaften, die auch immer wieder in seinen Büchern geschildert wurden. 1888 ging die Familie nach Glasgow. Er besuchte die Glasgower Universität und anschließend das Bresnose College in Oxford, wo er klassische Philologie und Jura studierte. Schon während des Studiums kündete sich eine glanzvolle Karriere des Hochbegabten an: gerade zwanzig Jahre alt erschien sein erstes Buch und 1897 und 1898 gewann er zwei wichtigeUniversitätspreise, den Stanhope Essay Prize und den Newdigate Prize. Noch während des  Studiums veröffentlichte er zwei Romane, eine Sammlung Gedichte und Kurzgeschichten und eineEssaysammlung. Das führte zu einer Eintragung im “Who’s Who” noch bevor er einen akademischen Grad errungen hatte.  1899 schloss er sein Studium ab. 1901 wurde er als Anwalt zugelassen, ging aber noch im selben Jahr als Sekretär zu Lord Milner, dem Hochkommissar für Südafrika. Er wurde nach Kapstadt geschickt und kümmerte sich um die Kriegsgefangenenlager in denen furchtbare Zustände für eine ungewöhnlich hohe Sterberate sorgten. Dem kämpferischen Humanisten Buchan gelang es durch Reformen und bessere Behandlung diese Verhältnisse zu ändern. Um dieser Zeit, in der er zum inneren Kreis der “bright young men” im Londoner Polit-Establishment zählte, wurde sein politisches Bewusstsein nachhaltig geprägt und seine Liebe zu Südafrika vertieft (reaktionäre Bemerkungen über Schwarze, die sich in seinen Thrillern finden, lassen ihn als überzeugten Imperialisten seiner Zeit und als Anhänger der Apartheid erscheinen).

1903 trat er in den Verlag Nelson ein, wo er es bis zum Direktor brachte. Bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs entstanden fast zwanzig Bücher, darunter Gedichte, Geschichtswerke und erste Biographien.

Sein erster Thriller, THE HALF-HEARTED, war bereits 1900 erschienen. In diesem Buch verhindert sein Held Lewis eine Invasion Indiens durch die Russen. 1910 veröffentlichte er mit PRESTER JOHN einen Roman, der schon auf die späteren Hannay-Romane vorausweist und Buchans Ansichten über Afrika illustriert: Ein junger Engländer verhindert einen Aufstand der Schwarzen, der durch einen diabolischen, “ungewöhnlich intelligenten Neger” angezettelt wurde. Trotz seiner imperialistischen Ideale, zeichnet den Roman ein gewisses Verständnis der südafrikanischen Situation aus. Erstmals in einem Polit-Thriller (der hier ganz klar in der Tradition der school boy adventure novel steht) taucht auch die Parole “Afrika den Afrikanern” auf. Noch  heute ist das Buch ein überzeugendes Zeitdokument.

1907 heiratete er Susan Charlotte Grosvenor, mit der er drei Söhne und eine Tochter hatte.

Anfang des Krieges war er Direktor des Reuter-Pressedienstes in London. Unter dem Eindruck des beginnenden Weltkrieges entstand Buchans bekanntestes und in der Geschichte des Spionageromans eine Schlüsselposition einnehmendes Werk: THE 39 STEPS.




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