Martin Compart


007-ALTE NUMMER, NEUER BOND by Martin Compart

Dieses Jahr wird für Bond-Fans voraussichtlich ein gutes. Zum 50.Jubiläum der Filmserie kommt der neue Schocker mit Daniel Craig, SKYFALL, Ende des Jahres in die Kino. Und soeben ist die deutsche Übersetzung des neuen 007-Romans erschienen. Es ist der 23.Bondroman, der nicht von Ian Fleming geschrieben wurde – die Novelizations der Filme nicht mitgerechnet. Wie jeder neue Bond-Darsteller sorgt auch jeder neue Bond-Autor für heftige Kontroversen bei den 007-Fans. Die besseren sind Fleming nahe gekommen, keiner kam ihm gleich und niemand übertraf ihn.

RÜCKBLICK AUF DIE FLEMING-NACHFOLGER:

Das die Gelddruckmaschine Bond durch den Tod von Fleming nicht gestoppt werden durfte, war klar. Weitere Bond-Romane mussten folgen, den Erfolg der Filme begleiten. Als ersten neuen Autor erwählten die Fleming-Erben keinen geringeren als den angesehenen Romancier Kingsley Amis (LUCKY JIM). Der hatte sich bereits als Bond-Afficionado bewiesen mit der vorzüglichen Analyse THE JAMES BOND DOSSIER (noch immer eines der besten Bücher über Fleming und 007). Unter dem Pseudonym „Robert Markham“ veröffentlichte er 1968 mit COLONEL SUN ein überzeugendes Fleming-Pastiche. Danach lag das Unternehmen „neue Bond-Romane“ erstmal auf Eis. 1981 verpflichtete man den mäßigen Thriller-Autor John Gardner für weitere Bond-Abenteuer. Die ersten beiden Romane waren erfolgreich, schafften es auf die Bestsellerlisten. Dann war der Ofen aus, denn die Bond-Leser hatten keine lust, Gardners dümmliche Aktualisierungen ihrer Ikone weiter zu begleiten. Eine von Gardners dämlichsten Nummern war Bond einen Saab fahren zu lassen, eine auf Sicherheit ausgelegte Familienkutsche für den rücksichtslosen Sportwagenfahrer! Gardners insgesamt 14 Romane wiesen einen Haufen Ärgerlichkeiten auf und zeigten deutlich, dass der Autor wenig Ahnung vom Mythos (und von Stil) hatte. Zu allem Überfluss machte er Bond auch noch zum überzeugten Teetrinker! Fleming bemerkte fast in jedem Buch, wie sehr Bond dieses Getränk hasste. Fleming-Agent Janson-Smith ertinnert sich: „Gardner wollte, dass Bond zum Gustav-Mahler-Fan wird, weil Gardner Mahler-Fan war. Das habe ich abgelehnt. Zu Anfang verkauften sich seine Bücher wirklich gut, aber dann ging es bergab. Er war vielleicht zu lange dabei. Er wollte immer genauso viele Bücher schreiben wie Fleming…“
Peinlich wurde Gardner besonders dann, wenn er krampfhaft versuchte Flemings eigenwillig harten Szenenanreißer zu kopieren; das klingt dann eher nach Parodie (und die Bond-Parodien um Boysie Oakes, mit denen der Gute vor vielen Jahren mal ins Geschäft kam, waren schon schwer erträglich). Ein paar Stümpereien gefällig? Bitte sehr (aus SCORPIUS):

“Das Summen des Radioweckers schnitt wie das Messer eines Vandalen in den tiefen Kokon des Schlafes.”

“`Nein! Nein!Nein!`’Ja’, sagte Bond scharf und herrisch. ‘ Ja!Ja! Und Ja!’”

Gardner hatte kaum Ahnung von seinem Helden. Zwar hatte sich das im Laufe der Jahre da ein bisschen was getan, aber wirklich begriffen hatte Gardnerr weder die Figur noch deren Schöpfer. So lässt er den hundertprozentigen Briten etwa französische Anzüge tragen oder macht den von Kingsley Amis als Kulturbanausen richtig erkannten Bond plötzlich zum Jazz-Fan. Statt cooler Arroganz ist dem Gardner-Bond debiles Menscheln eigen. Und M, von Fleming als Inbegriff des effektiven emotionslosen Apparatschik charakterisiert, lässt er kaum motivierte Wutausbrüche hinlegen. Und “sein” Bond behauptet gar – und da bleibt wohl jedem Fleming-Kenner die Spucke weg -:”Mein Vorgesetzter ist von einem hübschen Gesicht und einer noch hübscheren Figur leicht herumzukriegen.“ John Gardner gehörte offensichtlich zu einem Komplott von SPECTRE um Bond endgültig auszuschalten. Immerhin verkauften sich seine Romane bei absteigender Tendenz fast fünf Millionen mal.

Etwas besser waren danach die Bond-Romane von Raymond Benson (von denen nur wenige ins Deutsche übersetzt wurden). Aber auch sie hatten nicht den Fleming-Touch (den Kingsley Amis heraufbeschwören konnte). Anders als in den Filmen funktionierte es nicht überzeugend, Bond in die Gegenwart zu transformieren und ihn peinlich dem Zeitgeist anzupassen. „Benson habe ich aufgrund seines Sachbuchs über Flemings Romane engagiert. Seine ersten Bücher hatten gute Strukturen und viele Textfehler, aber er lernte schnell. Flemings Erben mochten Bensons Bücher nicht. Auch die Verkäufe gingen rapide zurück.“ Sein letzter, THE MAN WITH THE RED TATTOO (in Deutschland nicht veröffentlicht) verkaufte in England lediglich 5000 Exemplare und in den Staaten 13.000. Seine sechs Romane hatten weltweit die schlappe Auflage von 600 000 Exemplaren. Flemings Bücher haben inzwischen lange die 100 Millionen überschritten.

Sebastian Faulks, der vorletzte Bond-Autor, hatte das wohl begriffen und schrieb ein period piece. DER TOD IST NUR DER ANFANG (Heyne) spielt 1967 und mobilisiert den Fleming Touch ganz ordentlich. Außerdem bringt der Roman spärlich aber witziges Zeitkolorit mit ein. Etwa Anspielungen auf die damalige Verhaftung der Rolling Stones wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.. Da regt sich dann M darüber auf, dass „seine“ TIMES für Gerechtigkeit gegenüber diesen langhaarigen Pop-Schurken plädiert. Genial fand ich, dass Faulks direkt an Flemings letzten Roman, THE MAN WITH THE GOLDEN GUN, anschließt und im Iran spielt. Trotzdem erreicht auch er den Meister nicht, der die Leser Adrenalin auf hohem Niveau ausstießen ließ (man lese nur die über mehrere Seiten laufende Szene mit dem giftigen Tausendfüssler in DR.NO! Im Film wurde daraus die läppische Vogelspinnen-Szene). Ian Flemings literarisches Genie ist in Deutschland bis heute weder entdeckt noch gewürdigt. Was nicht wirklich verwundert. Für das debile Feuilleton hätte ihn wahrscheinlich Diogenes veröffentlichen müssen. Denn ohne Diogenes wüssten diese Parakritiker heute noch nicht wer Chandler, Highsmith oder Ambler sind (obwohl diese lange zuvor in anderen Verlagen veröffentlicht wurden). Anthony Burgess zählte GOLDFINGER unter die 99 besten Romane des 20.Jahrhunderts. Aber wer ist schon Burgess? Ein Name, den weder Radisch, Dotn, Mangold, oder wie diese Bürokraten der Langeweile alle heißen, je gehört haben.

Das Großmaul Faulks übernahm sich mit einigen Äußerungen, die nicht alle glaubwürdig klangen. Sein Roman entspräche stilistisch zu 80 Prozent Ian Fleming. Er habe es weitgehend nach dessen Methode geschrieben: “In seinem Haus in Jamaika schrieb Fleming am Morgen 1000 Worte, dann ging er Schnorcheln, nahm einen Cocktail, Lunch auf der Terrasse, ging wieder Tauchen, schrieb weitere 1000 Worte am späten Nachmittag, dann mehr Martinis und bezaubernde Frauen. In meinem Haus in London habe ich diese Routine genau nachgemacht – allerdings ohne Cocktails, Lunch und Tauchen.” Sechs Wochen habe die Arbeit an DEVIL MAY CARE gedauert. Gelungen ist ihm immerhin der überzeugendste Bond seit Amis. Und es war mit 44 000 verkauften Exemplaren in der ersten Wochedas am schnellsten verkaufte Hardcover in der Geschichte von Penguin Books!

Janson-Smith hatte es nicht leicht in den letzten Jahren Flemings Werk international am Leben zu erhalten: „Ich denke nicht, dass Heyne in Deutschland der richtige Verlag für diese Bücher ist. Sie verkaufen sich seit Jahren schlecht. Auch in Frankreich ist das so, der Verleger Gallimard hat sie sogar aus dem Programm genommen. Man darf aber nicht vergessen, dass Bond immer noch ein sehr guter und sehr bekannter Name ist. Man sollte ihn nicht unterschätzen. Es ist erstaunlich, was Fleming erschaffen hat. Die Filme werden sowieso ewig weitergehen. Ich hoffe nur, dass die Geschichten besser werden. Ich habe den ersten deutschen Bond-Vertrag mit Ullstein auf der Frankfurter Buchmesse gemacht, in “Jimmys Bar” im Hotel “Hessischer Hof”. Danach gingen die Rechte an den Scherz-Verlag, weil Ullstein mit den Verkäufen nicht zufrieden war. Ich weiß noch, dass ein Herr Hausen nach James Bond gefragt hat, der die Bücher ins Armenische übersetzen lassen wollte, weil dort die Kinder danach gefragt hatten. Er hatte nicht viel Geld und sagte, dass die Sprache aussterbe und bot 50 Mark für jeweils drei Bücher. Ian war erfreut. Wir machten den Deal, und so erschienen die Bücher auf Armenisch. Ian sprach ja auch deutsch. Ich habe viele Verträge in Frankfurt geschlossen.“

CARTE BLANCHE

Tja, und nun also Jeffrey Deaver. Er ist seit Jahren einer der erfolgreichsten Thriller-Autoren der Welt und wurde anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Ian Fleming Steel Dagger Award gefragt, ob er einen Bond schreiben wolle. Deaver ist seit dem 8. Lebensjahr Bond-Fan und sagte zu. Deaver hat Millionen Thriller verkauft, eine beliebte Serienfigur(Lincoln Rhymes) erschaffen und eine Menge Fans, auch im deutschsprachigen Raum. Ich gehöre nicht dazu. Mir ist er zu geschwätzig. Wahrscheinlich bekam er “carte blanche” von den Fleming Erben, für mich wurde es eher zur “Lizenz zur Langeweile”.
Nach dem Experiment mit dem Literaten Faulks und der kurzen Rückkehr in die 1960er, durfte Deaver Bond nicht nur in die Gegenwart holen, sondern ihn komplett updaten. Ziel war es, einen zeitgenössischen Bond für das 21.Jahrhundert zu etablieren, auf dem weitere Romane aufbauen. Bei der Kinoversion hat das ja geklappt, in dem Daniel Craig den Superagenten etwas verprollte und damit dem jüngeren Publikum zugänglicher machte. Im Roman, der sich zwangsläufig an Alphabeten wendet, muss man andere Wege gehen.
Zum Plot will ich nicht zuviel erzählen. Bond hat fünf Tage um einen Anschlag mit dem schönen Code-Wort „Gehenna“ zu verhindern.. Also rast er von Serbien über England und Dubai bis Südafrika herum, trifft nette und böse Frauen, wird unterstützt von seinen alten Mitkämpfern Mathis und Leiter (der natürlich nicht seine Hand von einem Hai in LIVE AND LET DIE abgebissen bekam un den Bond nun während seiner Militärzeit kennen gelernt hat) und macht dabei – frei nach LITTLE BRITAIN – so Bondsachen. Der Schurke heißt Severan Hydt, hat nekrophile Neigungen, und steht ganz in der Tradition. Um Druck zu erzeugen, lässt Deaver den Roman in sechs Tagen spielen.

Deaver bediente sich natürlich bei den populären Fleming-Topoi, die Kingsley Amis im BOND DOSSIER aufgeschlüsselt hatte. Alles da, was den Bond-Fan erfreut: Ein ungewöhnlicher Schurke, die schönen Frauen, exotische (gut recherchierte) Schauplätze, gepflegte Gastronomie, technische Gadgets, Markenartikel, Autos und die Walther-Pistole. Aber Bond ist nun Afghanistan-Veteran, vermutet, dass seine Eltern von den Russen ermordet wurden. Zu allem Überfluss interessiert er sich auch noch für Formel 1. Ich hatte immer Probleme mit den Revampingversuchen des literarischen Bond (anders als mit den filmischen). Ähnlich wie bei Sherlock Holmes. Wo dies allerdings in der TV-Serie SHERLOCK überzeugend gelungen ist. Für mich sind sie Charaktere, die so intensiv ihre Epoche widerspiegeln, das immer ein schales Gefühl zurück bleibt wenn man sie zu modernisieren versucht. Am besten gelang das m.E. bei Bond noch Raymond Benson (und natürlich in den grandiosen Comic Strips von Jim Lawrence und Horak). Deavers Bond ist mir zu steril. Flemings Geschöpf war düsterer und stand ganz in der Tradition des byronschen Helden. Fleming konnte es sich erlauben, ihn auch unsympathisch zu zeigen. Deaver geht dieses Risiko nie ein. Würde man den Namen ändern, käme man nur selten auf den Gedanken, dass es sich um Bond handelt. Es fühlt sich falsch an.
Leider vergeigt Deaver auch gleich den Anfang des Romans, in dem Bond gegen einen Profi-Terroristen das Attentat auf einen Giftzug in Serbien verhindert. Es gelingt ihm nicht – und das ist bei Action-Szenen nun mal wichtig – ein Gefühl für den Raum zu vermitteln. Dadurch baut sich beim lesen der Suspense nur mangelhaft auf. Außerdem stimmt das Timing nicht .Im Film würde man sagen: der schlechte Schnitt hat die Szene ruiniert. Aber Raum- und Zeitgefühl zu vermitteln muss man um Suspense bei Actionszenen zu erzeugen, das ist im Buch nicht anders als im Film. Sense of location und Timing sind bei Fleming so perfekt, dass sie einem auch heute noch den Schweiß auf die Stirn treiben.
Deavers technische Recherchen sind beeindruckend: Er arbeitet überzeugend die aktuellen Technologien ein und lässt Bond sie nutzen. Ganz auf der Höhe ist CARTE BLANCHE ein zeitgemäßer Thriller. Wichtigstes Gadget ist ein „IQ-Phone“, voll gestopft mit Aps für die man morden würde.
Manchmal trifft Deaver den Ton ganz gut, aber dann haut er immer wieder so peinlich daneben, dass es der Sau graust. Etwa in Bond zugeschriebenen Äußerungen wie „Ich fühle mich fast wie Lehman Brothers“. Einmal verzichtet Bond sogar darauf einen Gegner zu töten und schießt ihn nur in den Arm. Häh? Diese Milde hat er wohl aus Afghanistan mitgebracht. Den Chauvinismus, den Kritiker Fleming zu Recht vorgeworfen haben, hat Deaver „seinem“ Bond ausgetrieben. Aber genau dieser Chauvinismus hat die Figur so überzeugend gemacht. Bond als politisch korrekter, für Gleichheit eintretender, nicht-sexistischer Nichtraucher funktioniert genauso wenig wie Philip Marlowe als glücklich verheirateter Millionärinengatte.

Dieser manchmal an Rassismus grenzender Chauvinismus spiegelte vortrefflich die Arroganz des untergehenden Empires und ist deswegen nicht nur mentalgeschichtlich hoch amüsant. Er schuf einen eigenen Kosmos, einen Themenpark, den man Testosteronland nennen könnte. Flemings Bond ist nicht der unbesiegbare Snob der meisten Filme. Er ist ein Mann mit einer Sozialisation und tiefen inneren und äußeren Wunden. Er hat manchmal Angst und Fleming beschreibt seine Furcht minutiös. Durch seine Kunst, einen dreidimensionalen Charakter zu schaffen wurde Bond erst zu dem Mythos, den der Film zum eindimensionalen Klischee herunter kürzte.
Die literarische Vorlage ist bedeutend vielschichtiger als die dem jeweiligen Zeitgeschmack angepassten Film-Bonds.
In DR .NO hat er sogar Angst um seinen Job, weil er am Ende von FROM RUSSIA WITH LOVE einen Kampf gegen eine ältere Frau verloren hat. In THUNDERBALL ist er körperlich so schlecht zurecht, dass M ihn zur Kur in einer Gesundheitsfarm schickt. Und der oft skrupellose Frauenheld verliebt sich manchmal so sehr , dass er dafür seinen Job gefährdet oder hinschmeissen will (Tracy, Domino, Vesper, Kissy).
Er ist Held und Anti-Held in einer Person (Fleming schrieb zeitgleich mit Autoren wie John Osborne und Kingsley Amis, die die „Angry young men“ in die britische Literatur brachten). Welchen Sinn macht es, dieser Figur alles zu nehmen, was sie charakterisiert? Weil man lediglich Bond lediglich als Markenmanagement verwendet. Die zweifelhafte Gleichung der Fleming-Erben, die den Rachen nicht voll genug kriegen lautet: Bestsellerautor Deaver+Brandname 007+update a la Bond-Filme=Welterfolg.

Deavers Bond ist blaß, ein Papp-Charakter dessen Emotionen aufgesetzt wirken. Ein Typ, der einen nicht wirklich interessiert – wie die Knatterchargen in Deavers überschätzten Thrillern.
Ein weiteres Manko: Das Buch ist zu lang – bisher der längste Bond-Roman überhaupt. Deaver labert zuviel herum, lässt Bond bei Verfolgungsjagden geradezu schwachsinnig über Kugelausstoß oder Entfernungen meditieren. Der britische Kritiker Ivan Radford bringt es auf den Punkt: „Wie ein Mathematiklehrer mit einer Kanone“.

Dem kann man ausweichen, indem man zur gekürzten Hörfassung greift. Das Hörbuch ist bei Random House Audio erschienen und 403 Minuten lang. Das richtige Bond-Feeling garantiert Sprecher Dietmar Wunder, der Daniel Craig synchronisiert. Und da ich ja für die billigsten Kalauer zu haben bin: Herr Wunder erzählt den Roman ganz wunderbar.

Was ist nun nach all dem Rumgemaule das Fazit? Sollte man den Roman lesen oder nicht? Ja, verdammt. Schließlich haben wir Bond-Fans auch MOONRAKER oder QUANTUM OF SOLACE angesehen. Und – „M“ sei meiner gnädig – John Gardner gelesen.



HÖRBÜCHER: DARKNESS-WETTLAUF MIT DER ZEIT by Martin Compart
17. August 2011, 8:37 vormittags
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DARKNESS-WETTLAUF MIT DER ZEIT
Von Douglas Prestonn & Lincoln Child
(Lübbe Audio, 6 CDs) ca. 10,99 Euro

Es gibt Autoren, die mag ich einfach nicht lesen, höre sie aber sehr gerne. Preston & Child sind ein Beispiel dafür. Als dicke Romane kann ich nichts mit ihnen anfangen: zu redundant, zu kalkuliert, stilistisch uninteressant, zu oft geradezu idiotische Plots. Eben zu trivial für den Seitenumfang, zu langweilig. Ihr Special Agent Pendergast ist meistens eine echte Nervensäge in seiner Mischung aus Holmes, Alan Quartermain und Professor Challenger (die Widergeburt des Wissenschaftsdetektiv mit einer gehörigen Prise Superagent).

Auf der anderen Seite spricht für die höchst erfolgreichen Thriller, wie gnadenlos sie populärkulturelle Topoi plündern (angefangen bei Sherlock Holmes und Rider Haggard) und wie sie das, häufig angereichert mit wissenschaftlichen Kenntnissen, durch den Fleischwolf drehen. Dann kommt in ihren besten Momenten eine spannende und originelle (Hör)Lektüre heraus. Preston & Child sind Meister der Cliffhanger-Serials und die Romane tolle Vorlagen für Hollywoods verkommenes Popcorn-Kino. Echte Pulppageturner.

Als Hörbücher für Autofahrten mag ich sie sehr. Da haben sie mir über so manchen Stau geholfen. Sie verlangen nicht zuviel Konzentration, packen einen aber hart genug um unbemerkte Kilometer zu fressen.

Ich kenne nicht alle Abenteuer, aber viele. Und eines ihrer Highlights ist für mich DARKNESS!
Eine geradezu aberwitzige (und originelle) Mischung aus Esoterik- und Techno-Thriller. Es beginnt damit, dass Pendergast und sein Mündel in einem tibetanischen Kloster Seelenfrieden suchen. Dann bittet sie der oberste Lama, etwas zurück zu bringen, dass dem Kloster gestohlen wurde und das Böse endgültig über die Welt bringen wird, da es Empathie vernichtet und den Egoismus bis zur Selbstzerstörung potenziert. Nein, keine Aktien oder Schäubles Mafia-Abkommen über Steuerhinterziehung mit der Schweiz. By the way: Schäuble wäre ein guter Bond-Schurke: Von Grund auf verbittert, dem das „Böse“ im Gesicht geschrieben steht. Als „diabolischer Rollstuhlfahrer“ wäre er auch was für Marvel.

Der Hauptteil spielt auf dem größten Luxusliner der Welt, der natürlich in allerschlimmste Situationen gerät. Was Preston & Child da an Faktenwissen in den Plot integrieren, ist höchste Kunst und erinnert an Forsyths Tankerpassagen aus DEVIL´S ALTERNATIVE. Nett sind auch die Beobachtungen, in denen sie das Luxusleben auf den Decks gegen die Sklavenexistenz der Ausgebeuteten unter Deck beschreiben. Diese Katakomben der Unmenschlichkeit erscheinen genauso realistisch wie gruselig. Auch wenn das Ende nicht für jeden befriedigend ist, bleibt es im Rahmen der okkulten Prämisse schlüssig. Kein anderer Roman der Serie hat dieses Niveau bisher erreicht – auch nicht die gern gelobte Diogenes-Trilogie (von Schrott wie RITUAL, MANIAC oder FEVER ganz zu schweigen).

Dass Detlef Bierstedts Vortrag dem von ihm gewohnt hohem Niveau entspricht und die Spannung voran treibt, muss nicht mehr erwähnt werden. Kai Lüftners sorgfältige Bearbeitung erspart die schlimmsten retardierenden Momente – so mein Eindruck.

Wer DARKNESS im Urlaub am Strand hört, vergisst ins Wasser zu gehen (oder wird das feuchte Nass gar ängstlich meiden). Vorher jedenfalls gut eincremen; die Zeit fliegt!
Ich bin froh, diesen Blockbuster gehört zu haben!



DIE BESTEN DEUTSCHEN KRIMIS SCHREIBT EIN SCHOTTE: CRAIG RUSSELL by Martin Compart
18. Mai 2011, 12:33 nachmittags
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Schon der in zwei Kapitel geteilte Prolog von Craig Russells neuem Thriller TIEFENANGST treibt einem den Schweiß auf die Stirn: Eine Unterwasser-Szene, die einem in den Gliedern hängen bleibt und einer beklemmende Verfolgungsjagd durch die Hamburger Speicherstadt, die düsterer rüberkommt als die Docklands bei Sax Rohmer: „Sie standen reglos in der Mitte des Lagerhauses. Vier dunkle Silhouetten. Schatten. Geschlechtslos, alterslos. Sie hoben sich von dem milchigen Glühen des breiten Fensters ab. Zwei von ihnen hatten etwas Unförmiges vor den Augen. Nachtsichtbrillen. Keiner rührte sich. Als Meliha erschien, keine Spur einer Reaktion. Sie hatten seit zwei Stunden hier gestanden und darauf gewartet, dass Meliha aus ihrem Versteck kam. Auf diese Weise war es effektiver, ruhiger…“

Auch wieder als Hörbuch, gelesen vom großartigen David Nathan.

Und natürlich geht es neben Organisierter Kriminalität wieder um einen Serienkiller – und um Hamburg während einer Sturmflut.

Nach der eher enttäuschenden WALKÜRE (der Plot war geradezu hirnrissig) ist Russell wieder in Hochform. Umso ärgerlicher, dass er die Fabel-Serie zu beenden denkt. TIEFENANGST ist der sechste Roman der Serie. Sie gehören zu den aufregendsten Krimis, die in Deutschland spielen.

Es ist schon erschreckend und peinlich: Ein Schotte muss daher kommen und den Deutschen zeigen, wie man ihre Städte (Hamburg und Köln) so aufbereitet, dass sie international Thriller- und Noir tauglich aufglühen. Schlimmer noch: Russell führt vor, was den wenigsten deutschen Autoren gelingt: Wie man regionalem Kolorit mythische Dimensionen abgewinnt. „ Ich wollte meine britischen Leser an einem für sie neuen Ort führen. Ich kenne Deutschland schon sehr lange und mich nerven die Stereotypen in den britischen Medien. Das ist nicht das Deutschland, wie ich es kenne.“ Nein, das ist bei Craig Russell viel gruseliger. Craig Russell schreibt die besten deutschen Kriminalromane der Gegenwart, allerdings auf Englisch. „Bei uns (Britannien) kann man auch mit Krimis literarisch ehrgeizig sein. Ich glaube, dass ich mich dadurch freier fühle als deutsche Autoren.“

Seine Bücher wurden 23 Sprachen übersetzt.

Mit BLUTADLER startete er 2005 seine als Sextett angelegte Serie um den halb schottischen und halb ostfriesischen Kommissar Jan Fabel und sein Team. Eine der besten Ensemble-Serien seit langem, voller tragischer Verwicklungen und Veränderungen. Ein übler ukrainischer Gegenspieler beherrscht die Subplots: der Ex-Spetsnaz Witrenko, der die deutsche Unterwelt mit Gewalt unterwirft (man erinnere sich an die blutigen Schlachten zwischen Türken und Ukrainern um die Vorherrschaft in Hamburg, in der Tote lediglich Opfer des freien Wettbewerbs waren). Im ersten Roman eingeführt, zieht sich Witrenkos blutige Spur durch die weiteren. Für Witrenko unterscheidet sich nämlich Hamburg von Afghanistan nur landschaftlich. Im Mittelpunkt der bisherigen Romane steht immer ein Serienkiller. Natürlich ist man als Vielleser von diesen Kretins inzwischen überfüttert und genervt. Aber bei Russell nehme ich sie hin, weil er sie mit spannenden kulturgeschichtlichen Milieus verknüpft: Son of Sven aus BLUTADLER übt umstrittene Strafrituale der Wikinger aus, die in TERRA X sicherlich nie behandelt werden. „ „Ich wollte, dass der Böse in meinem Buch eine fast märchenhafte Gestalt ist. Er ist eine Figur der Angst. Und das ist meine Absicht: Ich möchte die Leute beängstigen.“ Neben der Noir-Atmosphäre und dem berührenden Ensemble sind es die genau recherchierten soziologischen oder kulturellen Hintergründe spezieller Themen, die die Stärke dieser Romane ausmachen. In WOLFSFÄHRTE geht es um die Gebrüder Grimm und ihre Horrormärchen, in BRANDMAL wird die Geschichte der RAF aufgearbeitet. Und in CARNEVAL um Kölner Jeckenkultur, Kannibalismus und Menschenhandel. Im letzteren Roman verschlägt es Fabel nach Köln, wo im jährlichen Ausflippen der Einheimischen der schlimmste Clown der Literatur seit Stephen Kings ES sein Unwesen treibt. Seine Thriller sind nichts für schwache Nerven und seine Tatbeschreibungen erschreckend. „Ich habe in einer Studie gelesen, dass es Frauen sind, die explizite Mordszenen wollen. Männer fürchten sich eher davor, Männer sind schwächer.“ Aber er scheut auch keine intellektuellen Diskurse in die Romane einzubauen: „Webers Hypothese lautete, dass nur die Staatsorgane, also die Polizei und die Armee, physische Gewalt anwenden sollten, sonst werde der Staat zerfallen und Anarchie herrschen. Timo hatte geplant, in seiner Dissertation auszuführen, dass ein solches Monopol, wie im Fall der Nationalsozialisten, ebenfalls schädlich für den Staat sein könnte.“

Die deutschen Ausgaben, erschienen bei Ehrenwirth in der Bastei-Lübbe-Gruppe, verdienen ein großes Lob: Sie sind liebevoll gestaltet, Satz und Druck sind vorbildlich. Hinzu kommen detaillierte Stadtpläne auf den Innendeckeln, die einem helfen, der Geographie der Handlung zu folgen (natürlich exzellent recherchiert) oder einen Überblick zu gewinnen. Die Übersetzungen des alten Cracks Bernd Rullkötter sind einfühlsam, treffend und lesen sich fast so rasant wie die Originale. Und Englisch ist nun mal „schneller“ als Deutsch. Nur die besten Übersetzer kriegen da den Drive hin. Rullkötter gehört zweifelsfrei dazu. Clever ist das Cover von CARNEVAL: Indem man das „N“ kyrillisch gesetzt hat, weiß der Fan, dass der Arsch Witrenko auch diesmal an Bord ist.

Lisa Film hat die TV-Rechte für eine Jan Fabel-Serie erworben und die erste gemächliche Adaption, WOLFSFÄHRTE, mit Langweiler Peter Lohmeyer in der Hauptrolle bereits ausgestrahlt. Lisa Maria Potthoff als Maria Klee torkelt geradezu stümperhaft durch die Handlung. Angesichts der Düsternis und Vielschichtigkeit des Brüder Grimm-Romans kann man die Verfilmung, bis auf den Opener, nur als schwach bezeichnen. Aber deutsche oder österreichische Crime-Serien haben bisher nie das Niveau von HBO- oder BBC-Produktionen erreicht und angesichts der Feigheit der Sender, egal ob öffentlich-rechtlich oder kommerziell, musste Lisa Film Fabel wohl fast auf Brunetti- oder Laurenti-Niveau glatt bügeln.
Geboren wurde Russell 1956 im schottischen Fife. Bevor er ab 1990 freier Autor wurde, belastete er seine Biographie mit einer ziemlich kruden beruflichen Mischung: Er war fast vier Jahre Polizist und in der Werbebranche. Beides immerhin Jobs für Zyniker. „Einen Roman zu plotten ist so ähnlich, wie eine PR-Strategie zu entwickeln. Meine Erfahrungen als Polizist mit dem Tod helfen mir, wenn ich einen Mord beschreibe. Ich habe Todesszenen gesehen, und die sind nun mal nicht angenehm. Ich hasse diese Agatha-Christie-Morde. Jemand bekommt einen Schlag auf den Kopf, es gibt fast kein Blut, alles ist sehr schnell vorbei. Mord ist unangenehm, und das musste ich schildern.“

Mit das verblüffendste an Russell ist sein lang bestehendes Interesse an der deutschen Sprache und an der – man fasst es kaum! – deutschen Nachkriegsgeschichte. Als ob Adenauer und Brandt größere populärkulturelle Qualität haben denn „the Blitzkrieg“ führende Sauerkrautfresser. „Schon als Kind habe ich mich gefragt, wenn ich diese alten Filme oder englischen Serien mit Nazis gesehen habe, ob die Deutschen wirklich so blöd sind wie sie unsere Medien bis heute gerne hinstellen.“ Gute Frage. Aber man weiß so wenig. Jedenfalls wühlte sich Craig richtig tief in alles Deutsche, weiß mehr über das Land als die meisten Politiker, spricht die Sprache fließend und verfügt über einen Wortschatz,. der für die Gäste einer deutschen Nachmittagstalkshow verwirrend und unverständlich sein muss. Regelmäßige Reisen durch die Republik und die Lektüre deutscher Printmedien halten ihn auf dem Laufenden. So werden in den Romanen auch gerne aktuelle Bezüge genommen: Vom Kannibalen von Rothenburg bis zum Hamburger U-Bahnschubser. In ihnen drückt sich ein Verständnis für das Land aus, dass den meisten deutschen Autoren völlig abgeht. Und er – wie schon gesagt – trotzt dem Provinziellen tatsächlich mythische Qualitäten ab. Was Nicolas Freeling und Janwillem Van de Wetering für Amsterdam gelang, erledigt Russell für Hamburg. Und da er kein Rechtsradikaler ist, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis wir ihm („Da draußen ist einer, der uns lieb hat.“) zu Tränen gerührt voller teutonischer Sentimentalität das Bundesverdienstkreuz an die Brust hängen. Hamburger Senat und Polizei sind schon voraus gegangen und haben ihn 2007 mit dem „Polizeistern“, was immer das sein mag, ausgezeichnet. Nicht zuletzt wohl wegen seiner bestechenden Darstellung realistischer Polizeiarbeit. Zu seinen bisherigen Auszeichnungen gehören auch Der Duncan Lawrie Golden Dagger (2007) der britischen Crime Writers Association, der französische Prix Polar und der CWA Dagger in the Library (2008).

Befragt zu den literarischen Einflüssen oder Vorbildern, nennt Russell als Gottvater natürlich Chandler an erster Stelle. „Ich möchte behaupten, dass meine Einflüsse von Außerhalb des Genres kommen. Von Heinrich Böll bis Mikhail Scholokhov. Ich bin ein Fan von Ross Macdonals Lew Archer-Krimis. Ich mag die Schweden Mankell und Sjöwall/Wahlöö und den Holländer van de Wetering.“ Und Lieblingsbücher und Lieblingsfilm? „ Fast unmöglich zu sagen, es gibt so viele Bücher, die ich aus unterschiedlichen Gründen liebe. Vielleicht 1984 von George Orwell; es hat mein politisches Bewusstsein geschärft, als ich als Teenager las. Und Wo warst du, Adam? von Heinrich Böll.
Wieder schwer zu sagen. Wahrscheinlich The Big Lebowski. Einer meiner Freunde ist der Dude.“

Craig Russell ist eine Vollkaskoversicherung für spannende, intelligente und düstere Unterhaltung. Über seine neue LENNOX-Serie demnächst hier bei Brit-Noir.



NEUE HÖRBÜCHER: JOHN KATZENBACH: DER TÄTER by Martin Compart
26. März 2011, 11:48 vormittags
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Ich war seit seinem Debut, DAS MÖRDERISCHE PARADIES (1982) ein Fan von John Katzenbach (auch Philip Borsos Film mit Kurt Russell gefiel mir). Mein Liebling unter den frühen Romanen war der durchgeknallte Serienkillerroman THE TRAVELLER (neu als DER FOTOGRAF aufgelegt). Aber dann verlor ich ihn aus den Augen. Ein Grund dafür war natürlich der Umfang der Romane. Es gibt verdammt wenige Thriller, die einen Seitenumfang von 300 bis 500 Seiten rechtfertigen und in ihrer Redundanz den besten Plot zum Langweiler machen. Aber da die Verlage glauben, dünne Bücher schaffen´s nicht auf die Bestsellerliste, muss wohl der gutwilligste Autor seine Romane mit überflüssigen Szenen füllen. Auch da erfüllen die gekürzten Hörbücher eine positive Funktion, wenn sie bei den Vorlagen überflüssiges Fett absaugen. Jedenfalls empfand ich Katzenbach immer als einen der originelleren Türstopper-Autoren, der ein Geschick für ungewöhnliche Sujets (DAS TRIBUNAL) hat.
Jetzt habe ich ihn mit dem Hörbuch DER TÄTER wieder entdeckt. Es ist sicher nicht der große Knaller, aber eine ordentlich gebaute Geschichte über einen ehemaligen Nazi, der 1995 in Miami Überlebende des Holocaust umbringt. Argon hat bereits eine ganze Reihe von Katzenbach-Hörbüchern heraus gebracht, immer mit feinen Vorträgen von Simon Jäger, der einen mit seiner Interpretationskunst in die Stories reinsaugt. Leider gibt es in dieser Produktion einige akustische Schwankungen, die man in der Produktion nicht angeglichen hat. Nichts wirklich störendes, aber man muss gelegentlich die Lautstärke ein wenig korrigieren.
Katzenbach ist ein Profi und Argon liefert 426 Minuten gute Unterhaltung für das Ohr.

John Katzenbach: Der Täter (The Shadow Man, 1995). Gelesen von Simon Jäger, Argon Verlag, Berlin, 2010; ISBN 978-3-8398-1012-5.
http://www.argon-premium.de/shop/product_info.php?info=p913_Katzenbach–John–Der-T–ter.html&XTCsid=hgwnwnqb



JOSHUAS ERBEN: DANIEL SILVAS MOSSAD-SERIE 2/ by Martin Compart
7. Dezember 2010, 3:26 nachmittags
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Allons Hintergrund ermöglicht seinem Autor bildende Kunst in allen Aspekten abzuhandeln. Kunstraub ist ein Thema, dass ihn stark beschäftigt: „Jeden Tag wird irgendwo ein Kunstgegenstand geraubt. Und die meisten tauchen nie wieder auf. Höchstens ein Zehntel. Es gibt diese Tendenz, Kunstdiebstahl zu bagatellisieren. Dabei verschwinden jährlich Kunstwerke für vier bis sechs Milliarden Dollar! Nach INTERPOL steht Kunstdiebstahl auf Platz vier der lukrativsten Verbrechen. Hinter Drogen-, Waffenhandel und Geldwäsche.“

Entscheidend für seine Romane sind der Nahostkonflikt und der Kampf gegen den Terrorismus. In DER SCHLÄFER (PRINCE OF FEAR) liefert er darüber hinaus einen brillanten Abriss der Geschichte dieser scheinbar endlosen politischen Katastrophe. In THE KILL ARTIST war Gabriel Allon eine Art Bodyguard für Yasir Arafat während der Osloer Friedensverhandlung. „Es wurde in einer Zeit großer Hoffnungen geschrieben, PRINCE OF FEAR in einer Zeit des Terrors und der Verzweiflung. Es ist vielleicht so etwas wie ein Endpunkt. Ich habe mich sehr darum bemüht, beiden Seiten gegenüber gerecht zu sein. Ich wollte in einem Mikrokosmos das Leiden sowohl der Araber wie auch der Juden zeigen.“

Von der Kritik hoch gelobt sind Silvas Antagonisten. Seit John Buchan weiß man: je besser die Bösewichter, um so besser der Thriller. „Die Saudis zum Beispiel sind perfekte böse Buben für einen Thriller: Sie verfügen über unendliche ökonomische Mittel, können die ganze westliche Welt mit ihrem Öl erpressen, sind angebliche Verbündete und gleichzeitig ideologische und finanzielle Unterstützer des islamistischen Terrors.“ Nichts bleibt von diesem „Schlüsselkonflikt“ unberührt: „Der Iran wäre nicht dazu in der Lage, Atomwaffen zu entwickeln, wenn nicht insbesondere deutsche und Schweizer Firmen die Nukleartechnologie geliefert hätten. Die waren tief verstrickt in das Atomschmuggel-Netzwerk von A.Q.Kahn. Alles nur aus Geldgier.“ Europa und besonders Österreich und noch mehr die Schweiz kriegen bei Silva regelmäßig die Leviten gelesen. „ Bei den Recherchen zu DER ENGLÄNDER traf ich den Präsidenten einer Schweizer Bank, der mir sagte: Was Sie begreifen müssen, ist dass die Schweiz ein Unternehmen ist und wie eine Firma geführt wird… Die Schweiz kooperierte mit Hitler, weil es gut für das Geschäft war. Heute bestreitet sie jede Schuld, weil das Zugeben irgendwelcher Verstrickungen schlecht für das Geschäft ist. Ich denke, das Europa ein bisschen vom Kurs abgekommen ist. Der alte Kontinent hat ein demographisches Problem. In allen Ländern Westeuropas ist die Sterberate höher als die Geburtsrate. Gleichzeitig erhöht sich die Geburtenrate der muslimischen Bevölkerung rapide. Europa wird in naher Zukunft einige schwierige Entscheidungen treffen müssen. In Frankreich, Dänemark und Großbritannien ist dieser Prozess bereits im Gange. Ich hoffe, er wird friedlich verlaufen, aber sicher bin ich mir nicht.“ In THE SECRET SERVANT thematisiert Silva perspektivlose jugendliche Islamiten, die am Rande der westlichen Gesellschaften leben und durch ihre Frustrationen ein unerschöpfliches Reservoir an Nachwuchs für Extremisten und Terror-Organisationen sind.

Auch die Vergangenheit, die in die Gegenwart hinein wirkt, bietet Silva Themen. DER ZEUGE (A DEATH IN VIENNA) ist der Abschluss einer „nicht geplanten Trilogie“ über das Nichtaufarbeiten von Nazi-Verbrechen im Zusammenhang mit dem Holocaust. In DER ENGLÄNDER sind Kunstraub und die Kollaboration der Schweizer Banken der Hintergrund, in THE CONFESSOR (DIE LOGE) das Verhalten von Papst Pius XII. „Dass einige der schlimmsten Verbrechen der Geschichte nie gesühnt wurden treibt mich um. Ich wollte zumindest fiktional die Schuldigen bestrafen und Gabriel Allon war mein Instrument. Vielleicht war ich vor DER ZEUGE etwas naiv, aber mir war nicht wirklich klar, wie tief die Katholische Kirche darin verwickelt war, Nazi-Verbrechern zur Flucht zu verhelfen und Wien ist für mich ein natürlicher Handlungsort für flüchtige Nazis. Österreicher waren überproportional in der SS vertreten.“ Der Kalte Krieg veränderte und pervertierte alle Maßstäbe, die die Westalliierten zuvor behauptet hatten. In diesem Buch ist die fiktive Erinnerung von Allons Mutter, eine Überlebende von Auschwitz und des Todesmarsches von Birkenau, von erschreckender Kraft und Authentizität. „Dieses fiktionale Zeugnis war mit das Schwierigste, das ich je geschrieben habe. Ich hatte danach noch Monate Alpträume.“

DIE LOGE ist einer der besten Vatikan-Thriller. Silva sieht die Katholische Kirche als das was sie ist: Die langlebigste Bürokratie und machtpolitische Organisation Europas (die sich nicht nur die Mafia als strukturelles Vorbild gewählt hat) mit einer langen antisemitischen Tradition, geprägt von den brutalsten Machtkämpfen und Expansionsbestrebungen. Kein Nazi-Verbrecher wurde je von Pius XII exkommuniziert, dagegen aber 1949 weltweit alle Kommunisten. Er sprach sich gegen die Nürnberger Prozesse aus und – zumindest – tolerierte gleichzeitig die Rattenlinie als Fluchtorganisation für Nazi-Verbrecher. Im Roman will ein neuer Papst diese dunkle Vergangenheit der Kirche ans Licht bringen, sehr zum Unbehagen der fiktiven katholischen Geheimloge Crux Vera. Da muss dann ein jüdischer Geheimagent auch noch das Leben des christlichen Oberhirten retten. Mehr Aussöhnung kann man wirklich nicht verlangen.

DER ZEUGE (A DEATH IN VIENNA) thematisiert auch die Anwerbung von Nazi-Verbrechern durch die CIA. Für Silva ein Ansatz um zu zeigen und zu warnen, was alles an Bush &Cos Krieg gegen den Terrorismus falsch läuft und wie dämlich die amerikanischen Strategien sind, die so wenig Erfolg haben, aber jede Menge Terroristennachwuchs und unschuldige Opfer fördern und fordern. Silva sieht den moralischen Bankrott der Amerikaner in deren rücksichtslosen Negieren der Menschenrechte und internationaler Regeln. Er ist fest davon überzeugt, dass man keinen Krieg gegen Terror gewinnen kann, wenn man ihn auf demselben Niveau führt wie der Feind. Dass er trotzdem nicht die Systemfrage stellt, ist die gewohnte Dummheit der amerikanischen Liberalen, die sich unverständlicher Weise als „Linke“ begreifen.

In MOSCOW RULES (DER MOSKAU-KOMPLOTT) knöpft sich Silva eines der größten neuen Reiche des Bösen genauer vor: das Russland Putins. Der Schurke ist ein Waffenhändler, der an Victor Bout erinnert, und natürlich über Beziehungen in höchste russische Kreise bis hin zu Putin verfügt.

„Im College habe ich Russische Geschichte und Außenpolitik der UdSSR studiert. Russland hat mich immer fasziniert. London ist heute eine Frontstadt im neuen kalten Krieg. Während MI5 nur die Islamiten im Auge hatte, haben sich über 300 000 Russen in London nieder gelassen: Milliardäre, Dissidenten und ein paar Hundert Geheimdienstler. Die Ermordung von Litvinenko 2006 durch Polonium 210 in London war so etwas wie die Wasserscheide. Natürlich will ich meine Leser in erster Linie unterhalten. Aber ich möchte auch, dass sie etwas verstehen: Wir müssen Russland im Auge behalten. Russland ist heute ein gesetzloser Staat. Nachdem die engagierte Journalistin Anna Polikovskaya ermordet wurde, sagte Putin: Sie sei nur eine Person von marginaler Bedeutung gewesen. Das erweckt doch wohl den Eindruck, dass der Kreml einen Jagdschein für kritische Journalisten ausgestellt hat. Seit 1992 wurden in Russland 47 Journalisten umgebracht . Damit steht das Land hinter Irak und Algerien auf Platz 3 (inzwischen wohl von Mexiko überholt. MC) der gefährlichsten Länder für Journalisten. Putin ist nichts anderes als ein neuer Zar, dessen Kritiker unter mysteriösen Umständen sterben.“ Mit einem deutschen Ex-Kanzler als Heloten, möchte man hinzufügen. Angesichts der Verträge, die Schröder in seiner Amtszeit mit Russland geschlossen hat, könnte man einen tollen Roman mit dem Thema „Russischer Maulwurf im Kanzlersessel schreiben. Wahrscheinlicher ist, dass Putin Schröders peinliche Gier erst dann richtig wecken konnte, als der kleine Mann aus Niedersachsen vom Gestank der Mächtigen und der großen weiten Welt geschnuppert hatte.

DAS MOSKAU-KOMPLOTT zeichnet ein so realistisches Bild von Moskau und Russland, dass man nur noch kotzen möchte. „Über Nacht sind wir von der Supermacht zum Sozialfall abgestürzt… Wir sind innerhalb eines Jahrzehnts von der Ideologie Lenins zur Ideologie Mussolinis getaumelt… Unsere Politiker sprechen von der Rückeroberung verlorener Reiche. Sie benutzen Öl und Gas um unsere Nachbarn zu tyrannisieren Sie haben die Opposition und die unabhängige Presse nahezu ausgeschaltet… Unseren Kindern bringt man bei, dass Amerika und die Juden nach der Weltherrschaft streben und Russlands Reichtum und Bodenschätze stehlen wollen“, erklärt die Journalistin Olga, eine fast nur durch Dialog großartig charakterisierte Figur im Buch.

Neben viel Ekel brachte Silva von seiner Recherche in Moskau eine nette Anekdote mit. Ihm war es gelungen, das KGB-Museum besuchen zu dürfen. Ein alter KGB-Oberst führte ihn zu einem Schrein, auf dem ein großes Buch mit Bildern und Lebensläufen aller Geheimdienstchefs lag. Sie blätterten gemeinsam das Buch durch und der alte KGB-Scherge sagte immer wieder: „Das ist soundso, er ist erschossen worden. Das ist soundso, der ist erschossen worden.“ Bei einem Bild hielt er inne und sagte: „Der war anders. Der ist vergiftet worden.“

BIBLIOGRAPHIE:
Double Cross – Falsches Spiel. Roman, Piper, München 2003, ISBN 3-492-26050-0
engl. Original: The Unlikely Spy, 1996.
Der Maler. Roman, Piper, München 1998, ISBN 3-492-03889-1
engl. Original: The Mark of the Assassin, 1998.
Der Botschafter. Roman, Piper, München 2000, ISBN 3-492-04182-5
engl. Original: The Marching Season 1999.
Der Auftraggeber. Roman, Piper, München 2001, ISBN 3-492-04183-3
engl. Original: The Kill Artist, 2000.
Der Engländer. Roman, Piper, München 2003, ISBN 3-492-04469-7
engl. Original: The English Assassin, 2002.
Die Loge. Thriller, Piper, München 2005, ISBN 3-492-04605-3
engl. Original: The Confessor, 2003.
Der Zeuge. Thriller, Piper, München 2006, ISBN 3-492-04695-9
engl. Original: A Death in Vienna, 2004.
Der Schläfer. Thriller, Piper, München 2007, ISBN 3-492-04876-5
engl. Original: Prince of Fire, 2005.
Das Terrornetz. Thriller, Piper, München 2008, ISBN 3-492-05069-7
engl. Original: The Messenger, 2006.
Das Moskau-Komplott Thriller, Pendo 2010, ISBN 978-3866122482
engl. Original: Moscow Rules, 2008.
Gotteskrieger Thriller, Piper, München 2011, ISBN 978-3492263580
engl. Original The Secret Servant, 2007.
The Defector, 2009.
The Rembrandt Affair, 2010.

In der Target-Reihe bei Audio Media gibt es DER AUFTRAGGEBER, DIE LOGE, DER ZEUGE, DER SCHLÄFER und DAS TERRORNETZ als Hörbücher. Jeweils 6 CDS mit ca. 450 Minuten Hördauer. Es sind gekürzte Fassungen, aber diese Bearbeitungen sind sehr feinfühlig und intelligent gemacht (man musste zum Beispiel Kapitel etwas anders anordnen um den Handlungsfluss zu erhalten. Gesprochen werden alle Hörbücher von Axel Wostry, der das wunderbar liest und den Hörer nicht aus den Klauen lässt. Völlig unverzichtbar für eine ermüdende Staufahrt, die mit diesen Hörbüchern völlig entschärft wird.



NEUE HÖRBÜCHER by Martin Compart
24. März 2009, 3:24 vormittags
Einsortiert unter: Bücher, Edward Boyd, Hörbücher, Krimis, Noir, Raymond Chandler, Rezensionen | Schlagwörter: ,

OLIVER ROHRBECK liest SHUTTER ISLAND von DENNIS LEHANE (Lübbe Audio, 6 CDs)

Das Gute zuerst: Rohrbecks Vortrag ist eine beeindruckende schauspielerische Leistung. Ihm gelingt es fast jede Figur in einem unterschiedlichen Ton zu treffen. Ein Grund, weshalb ich dem Hörbuch bis zum Ende gefolgt bin. Den Roman hätte ich spätestens nach 100 Seiten in die Tonne gehaun. Denn mit Dennis Lehane ist einer der größten Langweiler der zeitgenössischen amerikanischen Kriminalliteratur am Werk! Und er schafft es tatsächlich mit jedem Buch öder zu werden. Erst schrieb er eine Serie um ein Private-Eye-Paar, voll von Beziehungsproblemen, die eine Amelie Fried vor Verzückung glühen lassen. Dann hatte er mit dem Schnarchroman MYSTIC RIVER (von Clint Eastwood ebenso langweilig verfilmt) sowas wie seinen Durchbruch. Wie bei MYSTIC RIVER jaulen unbelesene Feuilletonisten von einem Meisterwerk. Wahrscheinlich haben sie bis auf ein paar Skandinavier und Trutschenkrimis nichts gelesen. Uninteressante Charaktere auf einer Insel, verquaster Psychomist, ein bißchen Neo-Gothic, CIA-Artischocke-Anspielungen, so dümpelt es dahin bis zum hirnrissigen Schluss. Nie wieder Lehane! Das ist Verschwendung von Restlebenszeit.

Der lange Abschied

Der lange Abschied

DER LANGE ABSCHIED von Raymond Chandler. Gelesen von Gert Heidenreich.13 CDs; 39,90 Euro. Diogenes Verlag.

Lang´ ist´s her, da bin ich gerne nachts mit dem Auto sinnlos durch Holland und Deutschland rum gefahren um dabei Bruce Springsteen zu hören, dem vielleicht größten Poeten nächtlicher Geschwindigkeitsübertretungen. Das war großer Spaß und große Freiheit. Man brauchte nicht mehr Geld als für eine erschwingliche Tankfüllung und ein paar Kaffees in Raststätten mit dem Charme eines Güterbahnhofs. War schon irgendwie prägend.
Lange hatte ich kein ähnliches Hörerlebnis. Heidenreichs Lesung von Chandlers Klassiker hat mir diese Empfindungen wieder geschenkt. Die Melancholie des Textes passt ganz wunderbar zu nächtlichen Autofahrten und sei jedem empfohlen, der längere Strecken beabsichtigt (vielleicht mit dem Auto bis Kapstadt). 956 Minuten Chandler at his best. Die inzwischen durchgesehene Diogenes-Übersetzung holpert gelegentlich, ist aber durchwegs gelungen. Ich lese den langen Abschied alle paar Jahre. Und er ist jedes Mal neu und ergreifend. Heidenreichs Vortrag ist großartig, packt einen und reißt mit.

HARD CASE CRIME bei Argon Hörbuch. Immer 4 CDs für je 16,95 Euro.

Crack

Crack

Alle gelesen von Reiner Schöne! Und das ist auch verdammt gut so. Denn Reiner Schönes kraftvolle, manchmal humorvolle, Vorträge geben den Dingern den echten Kick. Immer genau den Ton der Sujets treffend. Mit das Beste, was er seit HAIR gemacht hat. Ohne ihm zu Nahe treten zu wollen, behaupte ich mal: Die beste Stimme für große Pulp-Literatur.
Bisher erschienen:
Mickey Spillane: Das Ende der Straße
Richard Aleas: Tod einer Stripperin
Donald E.Westlake: Mafiatod
Lawrence Block: Abzocker
Allan Guthrie: Abschied ohne Küsse
Ken Bruen & Jason Starr: Flop

EDWARD BOYD
Was ich wirklich nicht begreife: Warum bringen der SWF und der WDR nicht die Hörspielserien von Edward Boyd auf Kauf-CDs heraus). Der Schotte Boyd war und ist für das Kriminalhörspiel das, was Raymond Chandler für die Hard-boiled-Novel ist. Also nichts weniger als unerreichte Klasse und von einer Sprachgewalt, von der durchschnittliche Autoren nur träumen können. Und ohne Old Ray zu nahe treten zu wollen: Boyds Plots sind meistens besser, aber genauso eigenwillig. Um einen kurzen Überblick zu geben, um welche Hörspiele es sich handelt (sie werden mehr oder weniger regelmäßig in den ARD-Anstalten wiederholt:

DIE STEVE GARDINER TRILOGIE:

Die Figur des Steve Gardiner war ursprünglich die Hauptperson in Boyds Fernsehserie THE ODD MAN (1962-63).

1969 Fünf Finger machen eine Hand (40, 45, 42 und 38 Minuten)

1970 Die schwarze Kerze (57, 57 und 59 Minuten)

1973 Schwarz wird stets gemalt der Teufel (52, 48 und 47 Minuten)

UND:

1971 Kein Mann steigt zweimal in denselben Fluss (52, 54 und 54 Minuten) Davon gibt es eine Romanfassung, DER SCHWARZE ENGEL, die als Goldmann-Krimi antiquarisch für ein paar Cents zu kaufen ist.

1975 Dachse im Eulenlicht (34, 36 und 39 Minuten) 1982 gab es bei der BBC einen Dreiteiler, der auf der Hörspelserie basierte.

1986 Bullivants Match oder Brachvogel im Herbst (50, 49 und 53 Minuten)

1989 Spanische Schlösser (44, 49 und 52 Minuten)

Edward Boyd (1916-1989) war Theater-, Radio-, und TV-Autor. Er schuf die Serien THE CORRIDOR PEOPLE und die wunderbare PI-Serie THE VIEW FROM DANIEL PIKE, arbeitete an zahlreichen Serien wie Z-Cars mit. Aus THE ODD MAN gingen zwei spin-offs hervor: Die Serien IT´S COLD OUTSIDE und MR.Rose. 1967 schrieb er das Drehbuch zu Peter Hyams Klassiker ROBBERY mit Stanley Baker.
Aber sein größter und bleibendster Eindruck sind seine Hörfunkserien, die schlichtweg zu den Höhepunkten des gesamten Genres Kriminalliteratur zählen. Wie jedes gute Kunstwerk kann man sie wieder und wieder hören, wird in ihrer Dichte immer wieder etwas Neues finden. Eine Reproduktion in Spitzenqualität auf CD ist überfällig. Die deutsche Dramaturgie und Regie (Heiner Schmidt) ist perfekt. Absolut ein Höhepunkt deutscher Hörspielkunst, wie man sie heute nie oder selten zu Ohren bekommt. Wenn ich eine Boyd-Phase habe (in regelmäßigen Abständen), höre (im wahrsten Sinne des Wortes ich erst auf, wenn die Ohren bluten.

Eine detailierte Betrachtung von Boyds Hörspielen unter:

http://filme-hoerspiele.de/Edward.Boyd/EDWARD.BOYD.KRIMIS.htm




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