Martin Compart


LUCIFER CONNECTION UND DIIE SÖLDNER by Martin Compart

Chris Harderer (http://www.evolver.at/account/chris.haderer/ hat einen Film über mich und die Hintergründe von LUCIFER CONNECTION gemacht. Da ich mich selber audiovisuell nicht ertragen kann, habe ich nur Ausschnitte gesehen. Aber wer die Arbeiten von Chris kennt, weiß, wie gut der Mann ist. Eine Auswahl seiner Filme findet man unter http://www.youtube.com/user/chrishaderer
Das Spektrum ist äußerst beeindruckend!
Für alle, die mein Gestammel (und Versuche, die Meisterschaft auf der Luftgitarre zu erlangen) interessiert, hier sein Film:

http://www.youtube.com/watch?v=RYSGIvzYKVY

http://scottbradley.de/compart-und-die-soldner

Mein Dank gilt Chris und dem ganzen Team von EVOLVER.



ZUR E-BOOK-AUSGABE VON “LUCIFER CONNECTION” BEI EVOLVER BOOKS by Martin Compart

Nun sind sie endlich da: Die eBooks von Evolver! Lange hat man warten müssen, aber das Warten hat sich gelohnt! Andreas Winterer hat jedes aufgepeppt und für jede Plattform lesbar gemacht. Aber auch die von mir geschätzte eigenwillige Aufmachung der Bücher wurde beibehalten. Ich persönlich bevorzuge nach wie vor das gedruckte Buch, kann mich aber aber durchaus für die Vorteile des eBooks erwärmen (keine zusätzliche Büchertasche mehr, wenn man auf Reisen geht, keine Lesebrille, wenn der Satzspiegel zu klein ist). eBooks sind für mich eine tolle Ergänzung, die auch vergessene Autoren, für die ein sogen. Publikumsverlag keinen Markt mehr sieht (etwa Berkeley Mather, Duncan Kyle oder Desmond Bagley), lieferbar oder zugänglich machen können.
Zur Feier meiner eBook-Ausgabe von DIE LUCIFER CONNECTION an dieser Stelle mein neues Nachwort.

Andreas formatiert nicht nur, sondern füllt auch eBooks mit bestechenden Inhalten

EVOLVER BOOK-SHOP:http://www.evolver-books.at/

MEIN NACHWORT ZU LUCIFER CONNECTION

Es war sieben, acht Jahre her, als ich DEN SODOM KONTRAKT beendet hatte und ernsthaft mit dem Schreiben an DIE LUCIFER CONNECTION begann. Alles, was ich mühsam beim ersten Roman gelernt hatte, schien vergessen und musste neue erarbeitet werden – so erschien es mir zumindest anfangs. Dabei hatte ich direkt nach SODOM mit dem zweiten Gill-Roman begonnen (und das erste Kapitel fand dann auch Eingang in LUCIFER). Aber es kam immer etwas dazwischen und so kam es nicht wirklich zu einer ernsthaften Fortsetzung. Trotzdem waren diese „verschwendeten“ Jahre nützlich für das Buch, denn es entwickelte sich thematisch und ästhetisch in eine völlig andere Richtung, als ich zuvor geplant hatte. Aus meiner Sicht zumVorteil. http://www.amazon.de/gp/product/B006UJXY76/ref=pd_lpo_k2_dp_sr_3?pf_rd_p=330045107&pf_rd_s=lpo-top-stripe&pf_rd_t=201&pf_rd_i=3895811742&pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_r=0FJBHEDCPBNWK9J7SQR1

Lassen Sie mich ein wenig auf die Aspekte eingehen, die mich zu dem Roman motivierten: Anfang 2002 erfuhr ich aus der Presse zum ersten Mal von dem Torso des kleinen schwarzen Jungen, den man aus der Themse gefischt hatte und dem die Ermittler später den Namen „Adam“ geben sollten. Das löste vor allem in England eine weitgehende Untersuchung über Kult-Morde aus und führte zu dem, was man vulgär als „Scotland Yards Occult Squad“ betitelte. Insgesamt kam man zu der erschreckenden, aber nicht wirklich überraschenden Erkenntnis, dass es in Europa (und nicht nur unter Afrikanern) Ritualmorde gibt. Eine Klassifikation, die es in deutschen Kriminalstatistiken nicht gibt (und deshalb nicht existiert – aber dazu habe ich in Kapitel 19 genug aufgeführt). Meine Beschäftigung mit dem Fall Dutroux, der eher ein Fall Nihoul war, für SODOM KONTRAKT hatte mich zuvor mehrfach mit diesem Thema in Berührung gebracht. Wie im Roman zitiert (und durch Aktenlage belegt), gab es Berührungen zwischen satanischen Gruppen und Dutroux´s Gang. Außerdem gab es Zeugenaussagen, dass die von Nihoul zugeführten Kinder nicht nur bei Orgien abgeschlachtet wurden, sondern auch rituell missbraucht wurden – bis hin zum Tod.

„Ganz in der Nähe, in einem Vorort von Charleroi, hat die okkulte Sekte “Abrasax” ihr Hauptquartier. Die Fahnder hofften, dort eine heiße Spur in das Innere eines pädophilen Zirkels gefunden zu haben. Und wieder schien Dutroux im Spiel: Im Holzhaus eines seiner Komplizen, Bernard Weinstein, entdeckte die Polizei einen Brief, der den Empfänger “an das Geschenk für die hohe Priesterin” erinnerte. Angefügt war eine Art Bestellschein für 17 Personen weiblichen Geschlechts zwischen 2 und 20 Jahren, die für anale, orale und vaginale Sexualpraktiken gebraucht würden. Unterzeichnet hatte das Schreiben der Satanspriester “Anubis”.“ Aus: DER SPIEGEL 12/1997

Für mich entstanden überzeugende Schnittmengen zwischen der Pädophilenszene und westlichen Ritualmorden. Was nicht bedeutet, dass beide Szenen deckungsgleich sind; sie überschneiden sich an Rändern (ähnlich wie Snuff-Film-Produktionen). Meine Beschäftigung mit okkulten Kindertötungen in den schwarzafrikanischen ju-ju-Bräuchen zeigten diese Überschneidungen nicht. Jedenfalls nicht so deutlich erkennbar wie etwa in der westlichen Satanisten-Szene. Das war ein Aspekt, über den ich schreiben wollte. Bei den Recherchen zur deutschen Satanistenszene (abgesehen zu anzweifelbaren Quellen, die Bezüge zum Okkult-Milieu bereits im Kaiserreich herstellen) geriet mir ein ziemlich überzeugendes Buch in die Hände, das bereits 1979 (!) in der 3. Auflage war: Horst Knaut: Das Testament des Bösen, Kulte, Morde, Schwarze Messen – Heimliches und Unheimliches aus dem Untergrund. Was erst durch Dutroux in mein Bewusstsein gelangt war (und von mir zuvor als Spinnerei abgetan wurde), hatte offenbar ein lange und unheimliche Tradition. Der Journalist Knaut (u.a. arbeitete er für die ARD bei „Report“) war wohl der erste, der sich gezielt mit der Satanistenszene in der Bundesrepublik beschäftigte.

Ein neues Feld tat sich auf, dass extrem schwierig zu recherchieren war. Denn neben seriösen Informationen stößt man – ganz wie bei den so genannten Verschwörungstheorien – auf noch mehr Desinformationen, die als Nebelkerzen dienen. Ich entschloss mich dazu, die als seriös verifizierte Fakten als Grundlage zu nehmen und durch die Hypertrophierung des Bösewichts den Kern dieser Menschen verachtenden Ideologie heraus zu schälen. Und damit gelang auch die Verbindung zu den dunklen Seiten der schwarzafrikanischen Poro-Gesellschaften (die im Den Haager Prozess gegen Charles Taylor protokolliert wurden): Ob der ju-ju afrikanischer Warlords oder der Satanismus europäischer- und amerikanischer Weicheier – es geht beiden nur um Macht.

Die bösen, bösen Söldner (an anderer Stelle in dieser Buchversion, nämlich die Besprechung von Eeben Barlows Buch über Executive Outcomes, habe ich mich dazu hinreichend geäußert)! Der Einsatz in Sierra Leone gehörte sicherlich zu den wenigen positiven Nutzungen des Söldnerwesens. In der angeblich liberalen westlichen Presse findet man nur wenige objektive Darstellungen der Söldner-Aktivitäten der letzten Jahrzehnte. Die Berichte tendieren zu extremen Positionen: Rechte Publizisten loben mit meist rassistischen Untertönen Söldner-Einsätze als Kampf gegen den Weltkommunismus, der das Böse schlechthin bedeutete. Linksliberale Schreiber verdammen jede Söldneraktivität, zumeist zu recht, als Interessenvertretung ausbeuterischer Kräfte. Erste Zweifel am Absolutheitsanspruch beider konträrer Sichtweisen kamen mir durch die Recherche der Kongo-Kriege, insbesondere in den 1960ern. Die Kongo-Unruhen rückten die Söldner stärker als zuvor ins öffentliche Blickfeld. Konservative Berichterstatter zeichneten Söldner und belgische Paras als Retter der Zivilisten vor den unbeschreiblichen Gräueltaten der schrecklichen Simbas, die bereits damals die Jeunesse des Pierre Mulele als Kindersoldaten einsetzten. Linke Publizisten dokumentierten – ebenfalls zu recht – die Übergriffe von Söldnern, verherrlichten aber gleichzeitig die Simbas als Freiheitskämpfer. Ich habe im Laufe der Jahre einige Söldner kennen gelernt, Darunter reihenweise Schwachköpfe, die sich heute als Contractor der privaten Militärfirmen in Afghanistan, Irak, Kongo und anderswo verdingen. Diese privaten Militärfirmen haben kaum noch etwas mit dem ursprünglichen Söldnertum gemein, da sie gezielt für nationale Wirtschaftsinteressen gegründet wurden und von Anfang an vertraglich an diese gebunden sind. Der Söldner, der ursprünglich seine Arbeitskraft auf dem freien Markt an den höchstbietenden vermiete, hat in diesem Konstrukt keine echte Wahlfreiheit mehr.

Ich habe aber auch intelligente Zyniker getroffen, die sich mehr als einmal durch politische- und wirtschaftliche Interessen verheizt fühlten. Sogar Idealisten sprach ich, die als weiße Afrikaner glaubten, indirekt oder direkt für das Wohl ihres Kontinents gekämpft zu haben. Der Kampfpilot „Nellis“, den ich im Roman erwähne, flog schließlich unbezahlte Einsätze um die Bevölkerung von Freetown gegen die heran rückende RUF zu verteidigen. Durch die private military contractor sind die (vermeintlichen) Söldner mehr denn je in Verruf geraten. Ich wollte diese bekannte Tatsache nicht bestätigen, sondern die unpopuläre Realität erwähnen, dass es unter Söldnern auch verschmähte Helden gab und gibt. Die ganze Komplexität des Themas wird akribisch im Netz aufgearbeitet auf der Page http://www.kriegsreisende.de/
von Frank Westenfelder, dessen Buch EINE KLEINE GESCHICHTE DER SÖLDNER (Adatia Verlag, Sankt Augustin, 2011), das Beste im deutschsprachigen Raum ist.

Tierschutz lag mir immer am Herzen und ich verspürte von Kindheit an einen großen Hass auf Tierquäler. Da versagt bei mir jede zivilisatorische Kontrollinstanz im Über-Ich. Das Schreiben am Roman half mir, diese Wut ein wenig zu mildern, indem ich sie fiktional aufarbeitete. Kuching, die Katze, die bei und mit mir 18 Jahre gelebt hatte, zeigte gelegentliches Interesse an meiner Tipperei. Ihre Anwesenheit verdeutlichte mir permanent, dass man nicht genug tun kann um Tiere vor den Quälereien der Menschen zu schützen. Genauso wie hilflose Kinder. Kuching starb nach der letzten Fassung des Romans. Ich habe LUCIFER CONECTION ihr gewidmet, da das Buch ohne sie nicht entstanden wäre. Ideologien, die behaupten, Tiere hätten keine Seele, irren. Jeder, der mit Tieren lebt, weiß, dass sie nicht nur eine Seele haben, sondern sich durch einzigartige Individualität unterscheiden. Dutroux oder Nihoul sollen verrottete Seelen haben? Und Kuching nicht? Das ist ja lächerlicher als Ablassbriefe.

Ich wollte mit LUCIFER CONNECTION etwas ganz anderes schreiben als mit SODOM KONTRAKT. Letzterer wurde elliptisch erzählt, während LUCIFER der Form einer klassischen „Quest“ folgt. Ein zentrales Thema ist Freundschaft. Wie der große Philosoph Alain Delon richtig gesagt hat: „In der Freundschaft gibt es keine Enttäuschung, sondern nur Verrat.“ Gill und Karibik-Horst agieren, wie man sich wünscht, oder aus Melville-Filmen kennt, das Freunde reagieren. Pure Romantik? Sicher – aber vor realem Hintergrund. Lee Child, Simon Kernick oder Andy McNab haben in den letzten Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass man im Thriller wieder über heroische Protagonisten schreiben kann. Egal wie kaputt sie vielleicht im Kern sind, sie schlagen sich brutal mit der Machete ihren Pfad durch eine Welt im Niedergang. Ohne gesellschaftliche Illusionen kümmern sie sich fast nur um ihr direktes, persönliches Umfeld. Nahezu schon Biedermeier. Aber Biedermeier als Action-Film.

Der Prolog in seiner Brutalität hat bei einigen Lesern für Verwirrung gesorgt. Ein Kunde von Manfred Sarrazins Krimi-Buchhandlung „Alibi“ sagte mir, dass er deshalb seiner Frau die Lektüre untersagt hätte. Eine Bekannte wollte den Roman deshalb gar nicht lesen (der ansonsten auf Gills Ebene ja ganz harmlos anfängt). Wahrscheinlich hat dieser Prolog einige Leser verschreckt, gar von der Lektüre abgeschreckt. Mit Hinblick auf den Zustand der Welt würde ich gerne sagen, dass sich mein krankes Hirn das ausgedacht hat. Aber leider ist das nicht so. Ich bin bei meinen Recherchen über Charles Taylor und seine Schergen (googeln Sie mal General Butt naked) genau auf so eine Szene gestoßen und abe bis auf Taylor nur die anderen Beteiligten fiktionalisiert. Über Taylor und seinen rituellen Kannibalismus hat ein ehemaliger Gefolgsmann im Prozess gegen ihn am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ausgesagt. Naja, vielleicht hätte ich trotzdem mehr Leser gefunden, wenn ich ihnen beim reinblättern in Buch nicht gleich die Keule über den Schädel gehauen hätte. Trost ist mir die Aussage eines anderen Lesers, der den Roman für die beste fiktionale Darstellung der Verhältnisse in Schwarzafrika hält, die er bisher gelesen hat. Du natürlich Manni Sarrazins Aussage, es sei für ihn „das Buch des Jahres“ gewesen.

Ein anderes Thema ist Rache. Wie weit gehen manche Mensche um für sich oder Freunde Rache zu üben. Und was muss man als Preis dafür bezahlen? Gill bezahlt in meinen Augen einen sehr hohen Preis um seinee scheußliche Rache an Zaran durchzusetzen. Einen Preis, den ich persönlich nie zu bezahlen bereit wäre. Aber dies ist einer dieser viel und gern zitierten Fälle, in denen sich die literarische Figur vom Autor entfernt und ein Eigenleben beginnt, dem der Autor nur noch folgen kann um es aufzuschreiben. Momente, die man als Schreiber zugleich liebt und hasst: Liebt, weil die Figur vom Papier abgehoben hat und in einer virtuellen Welt real wird. Hasst, weil man als Autor die Kontrolle über den Stoff verliert.

Der dritte Gill ist in der Pipeline. Aber gesundheitliche Gründe haben bisher verhindert, dass ich eine notwendige Recherchereise angehen konnte (und dies wohl auf Anfang nächsten Jahres verschieben muss). Er schließt direkt ans Ende von LUCIFER an.

Ich hoffe, geschätzter Leser, ich habe Sie mit diesem Roman unterhalten, geschockt und wütend gemacht. Lieber wütend auf bestimmte Verhältnisse, als auf mich. Vielleicht hätte ich Ihnen ein paar brutale Tatsachen ersparen oder abmildern sollen. Aber wir sollten nicht vergessen, dass es da draußen Menschen gibt, die diese Tatsachen jeden Tag ausgeliefert sind.

„Zorn“ ist das erste Wort in der ILLIAS, mit der die europäische Literatur beginnt. Zorn war eine der Triebfedern, um diesen Roman zu schreiben.

Martin Compart, Oktober 2012.

http://www.amazon.de/Die-Lucifer-Connection-ebook/dp/B009Z34EA0/ref=ntt_at_ep_edition_2_6



NEWS: Artikel zu Evolver Books by Martin Compart
4. Januar 2012, 9:59 vormittags
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Im Berliner Magazin für Subkultur satt.org ist ein Artikel zur Ideologie von Evolver Books erschienen: http://www.satt.org/literatur/12_01_evolver.html
Man kann sich dort festlesen; u.a. intelligentes zu Jürgen Ploog!



LUCIFER CONNECTION – PRESSETEXT by Martin Compart
6. Oktober 2011, 4:41 nachmittags
Einsortiert unter: Dutroux, Evolver, LUCIFER CONNECTION, Noir, Söldner, thriller | Tags: , , ,

Eitelkeit und Rührung befällt einen Autor, wenn er von seinem Verlag den Pressetext zum eigenem Buch erhält. Es ist ja die erste Reaktion auf das gedruckte Buch und manchmal fühlt man sich als Autor vom eigenen Verlag nicht immer richtig verstanden. Und manchmal sind diese sogenannten “Waschzettel” nur die Verlängerung des Klappentextes. Im Falle von LUCIFER CONNECTION wurde ich von EVOLVER BOOKS extrem gut behandelt. Deshalb hier ein Auszug aus dem Pressetext mit Dank an Peter und Robi.

Peter Hiess, MC, Robert Draxler. Das enttarnende Foto danke ich Peter Hiess´ hinreissender Frau Heidelinde Moser

„Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr zur Hand geht.“
Papst Gregor der Große

Die Zeit des Regionalkrimis ist abgelaufen – auch wenn der deutsche Buchmarkt das noch nicht bemerkt hat. Mittlerweile hat ja jedes Kaff seinen Kriminalisten, jedes Dorf seine Detektei, jeder Weiler seine Wirtschaftspolizei. Und sie alle ermitteln in provinziellen Angelegenheiten, von Vergewaltigungen auf der Alm über den x-ten Serienmörder in einer abgelegenen Hinterwäldlergemeinde bis hin zu den üblichen „Niemals vergessen“-Relikten aus der Vergangenheit.

Martin Comparts Roman Die Lucifer-Connection – der zweite Thriller mit seinem Protagonisten Gill, einem Ex-Stasi-Agenten und -Söldner, der heute als privater Sicherheitsberater arbeitet – handelt zwar auch im deutschen Irgendwo, zwischen Dortmund und Witten, verlässt aber bald die vertrauten
heimatlichen Geflde. Das heißt, vertraut sind sie ja nur scheinbar, hinter der Kulisse der Gehirnwäschemedien und der aus Brüssel gesteuerten Wir-haben-ja-noch-sowas-wie-Demokratie.

Was die Hartz-IV-Idylle verbirgt, ist ein korruptes Land, ja, ein korrupter Kontinent, auf dem maföse Machenschaften längst zur Tagesordnung geworden sind, seit organisierte Kriminalität und
globalisierte Konzerne (zwei Bezeichnungen für dieselbe Sache) schamlos und ungehindert regieren.
In diesem Europa sieht man nicht nur gnädig über Finanzskandale hinweg, sondern lässt auch mörderische Kinderschänder wie die Bande um Marc Dutroux relativ ungeschoren davonkommen, weil zu viele Mächtige in die Affäre verwickelt sind.

Gill ist kein Moralist, aber so etwas macht ihn zornig – genau wie seinen Autor Martin Compart. Was mit der Entführung eines kleinen schwarzen Katers beginnt, bringt den Protagonisten auf die Spur einer international agierenden Satanistenbande, in der Angehörige höchster Kreise verkehren. Auch die Dortmunder Polizei ist hinter den Teufelsanbetern her, seit sie ein Massengrab voller getöteter schwarzer Kinder entdeckt hat. Die Spur der Opfer und der kriminellen Hintermänner führt Gill, seinen besten Freund „Karibik-Klaus“ und Kriminaldirektorin Alexa Bloch ins schwarze Herz Afrikas, zu völlig pervertierten Kindersoldaten und Kannibalen. Im Lauf der Handlung verschlägt es den Ermittler dann auch noch nach London, Wien und in eine Burgruine an der Donau, wo das blutige Treiben seinem Höhepunkt entgegenrast. Gill ist wütend, und er macht keine Gefangenen. Das wird auch den Leser freuen, weil schon die bloße Lektüre von Die Lucifer-Connection seinen Zorn gegen die herrschenden Verhältnisse, die Lügen und die Grausamkeiten weckt, weil die Bösen hier noch wirklich böse sind (wie im wirklichen Leben!) und die Guten, wie sich das für einen tiefschwarzen Noir-Roman gehört, zwar desillusioniert und vom Leben gezeichnet, aber doch mit einem fest verankerten Sinn für das Richtige ausgestattet.
So wünscht man sich einen modernen europäischen Thriller. Und plötzlich sehen all die Regionalkrimis noch ein bisschen altmodischer aus.

http://www.evolver-books.at/buchshop.php



INTERVIEW ZU LUCIFER CONNECTION by Martin Compart
28. August 2011, 9:16 vormittags
Einsortiert unter: Evolver, Interview, LUCIFER CONNECTION, Söldner | Tags:

Inner halb kurzer Zeit hat sich EVOLVER BOOKS in einer Marktnische etabliert: Mit Neo-Pulp-Fiction, die bewusst auf subversive Literatur jenseits der verklemmten Bildungsbürgerliteratur setzt. In seiner Konsequenz erinnert EVOLVER BOOKS an die legendäre britische Reihe ATTACK
Innerhalb kurzer Zeit hat s!BOOKS. Schon die Cover fallen aus dem heutigen Normbrei, indem sie die Ästhetik der Paperback Originals aufgreifen und modernisieren. Die Masterminds hinter dem Verlag sind Peter Hiess und Robert Draxler (siehe Interviews unter Kategorie EVOLVER), in einschlägigen und uneinschlägigen Kreisen wohlbekannt und berüchtigt. Sie nehmen keine Gefangenen. Angesichts der Veröffentlichung meines Romans DIE LUCIFER CONNECTION hat mich Peter Hiess interviewt; dieses Gespräch erscheint hier als Vorabdruck.

HIESS: Wir kennen uns nun schon ein paar Jahre persönlich. Den meisten Leuten bist du als Herausgeber und Kritiker ein Begriff. Wie kam es dazu, dass du Fiction schreibst?

COMPART: Das ging Anfang der 1990er mit Drehbüchern los. Ich hatte für das ZDF 1990 ein Doku-Drama über die Gründung des britischen Geheimdienstes gemacht und Blut geleckt. Die US-Serie WISEGUY (KAMPF GEGEN DIE MAFIA) zeigte mir, was alles in dem Medium möglich ist und dass TV-Crime-Serien ähnlich komplex wie Romane sein können. Heute, im Golden Age der TV-Serien – dank NIKITA, 24, DEXTER, BREAKING BAD, SPOOKS usw. – ist das ein alter Hut. Aber damals war das eine Innovation. Ich schrieb solche Sachen, gewann damit Preise, aber sie wurden nicht realisiert. Das deutsche Fernsehen bzw. seine Verantwortlichen, waren noch nicht reif dafür. Und angesichts solcher Heuler wie IM ANGESICHT DES VERBRECHENS von Dominik Graf bin ich im nachhinein dankbar dafür. Nicht auszudenken, wie SAT 1 meine teuer erworbene Serie DEEP COVER umgesetzt hätte.

HIESS: Aber wie kam es zum Roman? Alte Drehbücher verarbeitet?

COMPART: Oh nein! Fernsehen funktioniert ja völlig anders als Literatur – obwohl sich beide Medien wunderbar befruchten können. Auslöser war die Frage, ob ich einen Roman hinkriegen könnte, also über die ganze, lange Distanz komme. Die Drehbücher hatten mir da ein bisschen Selbstbewusstsein gegeben. Nicht viel, aber etwas. Ein Roman ist schließlich was anderes als Sachbuch oder Drehbuch– die Königsdisziplin. Weißt du selber.

HIESS: Und was war der Auslöser für den SODOM KONTRAKT?

COMPART: Zwei Dinge. 1. Meine Wut über die Dutroux-Affäre und dass mir niemand die Recherche für ein Sachbuch bezahlte. 2. Richard Bradford alias McGill, DER MANN MIT DEM KOFFER. Eine meiner Lieblingsserien. Ich überlegte: Was wäre wenn McGill heute lebte, Deutscher wäre und in die Dutroux-Geschichte schliddern würde? Und was wäre, wenn man eine Nymphomanin zur Mitheldin macht und ihr die Ehre lässt, also diese verklemmte Spießermoral weglässt? Das waren die Initialzündungen.

HIESS: Wieso hat es ca. zehn Jahre gedauert bis zum zweiten Roman?

COMPART: Angst und keine Zeit. SODOM zu schreiben war knallhart. Der härteste Schreiberjob meines Lebens. Wenn du einen Roman schreibst, kannst du daneben nichts oder sehr wenig anderes machen. Ich hatte einfach zuviel um die Ohren. Als dann die Taschenbuchausgabe von SODOM im Alexander Verlag rauskam und ich mich durch Lesungen usw. wieder damit beschäftigen musste, kam ich wieder auf den Trip. Wewerka (Verleger des Alexander Verlags) wollte einen zweiten Roman. Aber meine erste Fassung missfiel ihm und wir haben uns überworfen. Das war nicht gerade motivierend. Ich hatte keine Lust, weiter daran zu arbeiten und dann Klinken putzen zu gehen.

HIESS: Was missfiel denn?

COMPART: Ich glaube, er hat das ganze Konzept nicht kapiert. Um mal nachzutreten: Der kennt sich im Genre nicht aus, kann nur das veröffentlichen, was schon mal woanders veröffentlicht wurde. Kein visionärer Verleger, obwohl er sich mit der Fauser-Ausgabe ein tolles Denkmal gesetzt hat. Ich glaube, der hat auch nur SODOM gemacht, weil ich mit Jörg befreundet war. Wir waren jedenfalls nicht miteinander kompatibel.

HIESS: Sowas gibt´s.

COMPART: Dann kamst du ins Spiel und hast mir angeboten, LUCIFER bei EVOLVER als „Vorabdruck“ zu machen. Das war mir natürlich lieber, als wenn ich es in meinem Blog gemacht hätte. Und dann haben du und Robi EVOLVER BOOKS gegründet und mir dafür ein Angebot gemacht. Und darüber bin ich froh, weil ich das Konzept liebe. Es kamen während des Vorabdrucks zwei Angebote von kleinen Verlagen an mich, aber die waren weniger überzeugend. Außerdem stand ich bei dir im Wort. Ich schätze einen Verleger, mit dem man per virtuellem Handschlag eine Abmachung treffen kann. Außer bei EVOLVER BOOKS hätte ich mir LUCIFER nur noch bei Heyne Hardcore vorstellen können. Im üblichen Mischmasch von Allgemeinen Reihen hätte ich mich sehr unwohl gefühlt. Mich haben sofort die Cover angemacht. Und mit jemanden wir Abdreas Winterer im selben Verlag – das hat schon was. Sowas wie die alten Ullstein- oder Heyne-Cover wollte ich immer für mich. Und jetzt habe ich es: Jörg Vogeltanz hat mir ein Robert McGinnis auf Speed-Cover gemacht.

http://www.evolver-books.at/buchshop.php

HIESS: Worum geht es in LUCIFER CONNECTION?

COMPART: Kurz gesagt: um die Internationale der Satanisten, Freundschaft und Rache.
Und es geht um Tierfänger, Söldner und Sierra Leone. Inspiration war meine Angst, dass auch meine Katze entführt werden könnte und im Versuchslabor oder als Rheumadecke endet.

HIESS: Mit den Protagonisten aus dem SODOM KONTRAKT.

COMPART: Ja. Aber der Roman ist anders gebaut. In SODOM habe ich elliptisch erzählt, in LUCIFER beschreibe ich eine lineare Quest mit dem übellaunigen allwissenden Erzähler. Es beginnt mit einer klassischen Ermittlung – soweit Gill überhaupt klassisch ermittelt – und wird dann zum Action-Thriller. Mir ging es noch mehr als in SODOM um Tempo. Ich wollte ausprobieren, wie man mit Geschwindigkeit arbeitet, wann man verzögert und wie …

HIESS: Und nichts ist politisch korrekt.

COMPART: Ich hoffe nicht.

HIESS: Wird es einen dritten Roman geben?

COMPART: Ist in Arbeit. Um Hammett zu zitieren: Es ist schön, einen neuen Roman zu haben, an dem ich nicht arbeite; der alte, an dem ich nicht gearbeitet habe, begann mich zu langweilen. Dank Schäuble habe ich Stoff. Der erste deutsche Minister der Mafia-Lobby. Mit seinem Schweizer Abkommen hat er dafür gesorgt, dass Steuerfahnder und Kripo nicht mehr der Spur des Geldes folgen dürfen. Damit ist Deutschland endgültig belgiesiert. Ich habe aber auch gehört, das Schäuble ein guter Mensch sein soll. Angeblich spendet er seine abgefahrenen Rollstuhlreifen afrikanischen Stämmen, damit sie sich Sandalen daraus machen können.


DER SODOM KONTRAKT als eBook bei:http://www.amazon.de/DER-SODOM-KONTRAKT-ebook/dp/B006UJXY76/ref=sr_1_6?ie=UTF8&qid=1325937554&sr=8-6



NOIR-FRAGEN AN R.EVOLVER by Martin Compart
10. August 2010, 4:49 nachmittags
Einsortiert unter: Bücher, Evolver, Fragebogen, Interview, Noir | Tags: , , ,

r.evolver ist Autor – sein Debüt “The Nazi Island Mystery” wurde als erster
deutschsprachiger Internet-Fortsetzungsroman überhaupt ab 1999 in der
Netzzeitschrift EVOLVER (http://www.evolver.at) veröffentlicht. Für den
EVOLVER kuratierte der Experte für historische Abseitiigkeiten auch das
legendäre “Trash-Museum”, das aus Mangel an öffentlichen Subventionen leider
geschlossen werden mußte.
“The Nazi Island Mystery” (Untertitel: “Ein Fall für Kay Blanchard”) lebt
jedoch weiter – als erstes Buch des neugegründeten Independent-Verlags
EVOLVER BOOKS (http://www.evolver-books.at), der den Pulp wieder in die
Fiction zurückbringen will. Fans der britischen Sex & Drugs &
Rock¹n’Roll-Superagentin Kay dürfen in den kommenden Jahren mit Sequels und
Prequels ihrer lasziv-brutalen Abenteuer rechnen.

r.evolvers Astralzwilling in der realen Welt heißt übrigens Robert Draxler.
Er ist gelernter Schauspieler, gewesener Rock´n´Roll-Musiker, fürsorglicher
Familienvater, geprüfter Lehrlingsausbildner, Mitgründer des Verlags EVOLVER
BOOKS und ein liebenwerter Mensch. Mehr kann man nicht verlangen.
- Peter Hiess

Es ist doch erstaunlich, was junge Menschen heute so alles können“, muss sich der junge Robert gesagt haben, als er den ersten deutschen Netzroman verfasste, der nun endlich auch in überarbeiteter Form in einer von Peter Hiess liebevoll edierten Ausgabe vorliegt. THE NAZI ISLAND MYSTERY ist ein gutes Gegengift, falls man versehentlich einen Skandinavier-Krimi in den Händen hatte. Wahrscheinlich das konsequenteste Stück Anarcho-Thriller in diesem Jahr. Als hätten sich Hunter S.Thompson, Carter Brown und William S.Burroughs ein Drehbuch für Roger Corman ausgedacht. Höchste Zeit, dem Urheber dieser Geschmacklosigkeiten den Bünnagelschen Fragenkatalog (das Noir-Äquivalent zum Proustschen) vorzulegen. Feuer frei für R.EVOLVER:

Berufungen neben dem Schreiben?
Mediendesigner, Rock ‘n’ Roll-Musiker, Verleger, Taxifahrer, Schauspieler …

Film in Deinem Geburtsjahr?
Jerry Cotton: Dynamit in grüner Seide

Was steht im Bücherschrank?
Sämtliche EC-Comic-Serien von “Vault of Horror” über “Weird Science” bis “Tales from the Crypt”, Fummeti Neri von Dylan Dog bis Diabolik, Hard-Case-Crime, Mr. Dynamit- und Modesty Blaise-Paperbacks, unzählige Ullstein-Taschenbücher mit dem roten “K”, Hardboiled-Autoren von Chandler bis Hammett, Spionage-Zeug von Ambler bis Carré …

Was war Deine Noir-Initiation (welcher Film, welches Buch)?
Cornell Woolrich: “Die Braut trug Schwarz”

Welches Noir-Klischee ist Dir das liebste?
Femme Fatale bläst kunstvoll-sinnlich Rauchringe in Luft und wirft dabei dem männlichen Helden einen Blick zu, als wäre er eine Mischung aus Clown und Straßenköter …

Ein paar Film noir-Favoriten?
“Die Narbenhand”, “Im Zeichen des Bösen”, “Rattennest”, “Fahrstuhl zum Schafott” …

Und abgesehen von Noirs?
“The Last Man on Earth”, “Dirty Harry” (I bis III), Hitchcocks “Psycho”, die TV-Serien “The Prisoner”, “Ufo – Weltraumkommando S.H.A.D.O.”, “The Avangers”, dann: “The German Wallace Wave”, nahezu alles von Mario Bava (vor allem “Terrore nello spazio”), die Hammer-Filme und ausgewählte Werke von: Russ Meyer, Sergio Corbucci, Don Siegel, Roger Corman, John Carpenter … und natürlich Ed Wood …

Welche Film- oder Romanfigur würdest Du mit eigenen Händen umbringen?
Lisbeth Salander, stellvertretend für alle vielschichtig-krisengebeutelten Charaktäre des nordischen Kriminalromans …

Noir-Fragen – Dein Leben als Film noir

1. Im fiktiven Film noir Deines Lebens – welche Rolle wäre es für Dich?
Keine Frage, die Rolle des glücklosen, zynischen Private Eyes, das sich plötzlich mit einem Fall konfrontiert sieht, der eine Nummer zu groß ist.

2. Und der Spitzname dazu?
“Revolver” natürlich

3. Welcher lebende (oder bereits abgetretene) Schriftsteller sollte das
Drehbuch dazu schreiben?
James Ellroy

4. Berühmtestes Zitat aus dem Streifen?
Klar hab ich Feuer – Moment, es steckt in der Hose …

5. Schwarzweiß- oder Farbfilm?
Technicolor Process No. 5, was sonst?

6. Wer liefert den Soundtrack zum Film?
Link Wray

7. Welche Femme fatale dürfte Dich in den Untergang führen?
Honor Blackman

8. In welchem Fluchtwagen wärst Du unterwegs?
Dodge Viper

9. Und mit welcher Bewaffnung?
Smith & Wesson .38

10. Buch für den Knast?
Die Bibel

11. Und am Ende: Welche Inschrift würde auf dem Grabstein stehen?
Er war gut … aber sie war fies.



PETER HIESS: VORWORT zu NAZY ISLAND MYSTERY 2/ by Martin Compart
31. Mai 2010, 12:11 nachmittags
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Auch die Feinde der Science-Fiction-Faschisten überwinden bei r.evolver locker alle hochkulturellen Geschmacksgrenzen. Sie sind nämlich keine Churchills und Roosevelts, sondern bolschewistische Werwölfe von einem fernen Planeten – oder auch Disco-Zombies aus dem All, die mit Rollschuhen und Lasterstrahlen das Ewiggestrige auch übermorgen noch auslöschen wollen. Und dann gibt es noch eine ganz besondere Gegnerin, die dem braunen Pack das Genick brechen wird; eine Frau, die im knappen Lederdreß daherkommt wie eine etwas übergewichtige Version von Emma Peel; eine Agentin des britischen Geheimdiensts, die mit Stilettos so perfekt umgehen kann wie mit ihrem tödlichen silbernen Stilett.
Sie heißt Kay Blanchard und ist die Heldin von Nazi Island Mystery. Sie ist launenhaft und wirft jede Droge ein, die sie in die Finger kriegen kann – weshalb sie auch kapitelweise halluziniert wie in einem Sixties-Streifen über die Wunder und Gefahren von LSD. Sie hat eine dreckige Phantasie, locker-lüsterne Finger und immer Lust auf Sex, ob mit Männern oder Frauen, Karate-Girls oder Gestaltwandlern, Mad Scientists oder Monstern. Und sie ist unglücklich in ihren Chef verliebt, wie sich das gehört.
Kay killt gern, oft und effizient. Natürlich immer im Auftrag des Guten, obwohl sie den manchmal vergißt, weil die Welt um sie herum so irrsinnig ist. Das gilt auch für die Verschwörung, die sie in ihrem Debütroman aufdeckt: Der Plot ist so ausgeklügelt verwirrend, daß man sich als Leser schon manchmal fragt, warum sich’s die Bösen nicht endlich einmal ein bißchen einfacher machen … aber genau das macht ja guten Pulp aus.
Jedenfalls, was ich eigentlich sagen wollte: So muß ein guter Krimi heutzutage aussehen. Und so sieht auch ein Buch aus, mit dem man eine neue Reihe eröffnet. Sonst läßt man’s lieber ganz bleiben.

P. S.: In The Nazi Island Mystery kommen übrigens weder Tiger noch Terroristen vor. Aber in den Titel dieses Vorworts paßten sie viel zu gut, um ganz auf sie zu verzichten …



PETER HIESS: Vorwort zu NAZI ISLAND MYSTERY 1/ by Martin Compart
27. Mai 2010, 9:03 vormittags
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Ich habe das große Vergnügen, in meinem Blog Peter Hiess´ Vorwort zu NAZI ISLAND MYSTERY in mehreren Teilen zu veröffentlichen. Wer danach nicht Lust auf erfrischenden Schmutz & Schund hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Neben erfreulichen Bemerkungen zur zeitgenössischen Kriminalliteratur erfährt der Leser im Interview im Anhang des Romans auch eine Menge zur Entwicklungsgeschichte der Okkupation des Internets durch deutschsprachige Pop-Pioniere . In unserer Ära reduzierter Erwartungen kann ein retrospektiver Blick zur Ursachenerkenntnis führen.

Terror, Trips & tote Tiger
von Peter Hiess

Haben Sie in letzter Zeit einen Krimi gelesen? Na grüß Gott …
Es muß ja nicht einmal einer von diesen skandinavischen Kriminalromanen sein, die aus unerfindlichen Gründen immer noch angesagt sind – diese unwahrscheinlich öden Berichte aus der Psyche des Nordmenschen, in der noch dazu die gesamte Umgebung des Ermittlers, ob urban oder ländlich, bis in die kleinste Einzelheit beschrieben wird. Und auch keine Donna Leon, deren behäbiger Commissario Brunetti nur mehr ein Held für alternde Grüne und Sozialdemokraten ist, die zum Sterben in die Toskana gehen.
Es genügt schon der durchschnittliche europäische Kriminalroman, der sich gern als Literatur verkleidet und unseres angeblichen Alltags annimmt, zumindest so, wie das AutorIn ihn sieht. Besagter Alltag hat aber im Regelfall leider gar nichts mit der potentiell spannenden Korruption und endlosen Perversion der Mächtigen in Brüssel zu tun, auch nicht mit echter Wirtschaftskriminalität, der Ostmafia oder der von oben verordneten Hilflosigkeit der Polizei – und schon gar nicht mit dem realen Kleinkrieg in den Städten unseres alten Kontinents, der mit Gewalt zu einem neuen umgeformt werden soll.
Nein, nein, das wäre ja alles politisch unkorrekt, käme nie in den Genuß einer staatlichen Förderung und würde vom Feuilleton bestenfalls ignoriert werden. Da befaßt man sich als hoffnungsvoller Kriminalautor doch lieber mit dem, was man aus dem Fernsehen kennt. Soll heißen: In jedem Heuschober werden Kinder geschändet und traumatisiert, in großbürgerlichen Villen mißhandelt immer irgendeiner Frauen und traumatisiert sie noch schwerer, sogar die Serienkiller haben alle ihr Psycho-Packerl zu tragen – und hinter jedem Strauch lauert irgendein alter Nazi, oder auch ein neuer, oder gar eine ultrarechte Verschwörung, die unbedingt das zwölfjährige Reich wieder zurückbringen will.
Und das, meine Damen und Herren, war schon am Anfang ein bißchen öd, wird aber in der x-ten Wiederholung mehr als langweilig.
Die Amerikaner haben es da viel leichter: sie müssen sich nicht ewig mit demselben winzigen Ausschnitt der Geschichte herumschlagen, sondern dürfen sich im Krimi mehr erlauben. Deshalb kommen aus den USA – neben Schema-F-Schnitzeljagden à la Dan Brown – auch realistische Großstadtschilderungen, packende Agententhriller, großartige Serien über einsame Ex-Militärpolizisten und exzentrische FBI-Agenten, herrlich ungute Geschichten aus dem Hinterland und ebenso schnell wie glaubwürdig geschriebene Romane über versoffene Privatdetektive, knallharte Bullen und romantische kleine Gauner.
Warum das so ist? Weil man sich in den Vereinigten Staaten nicht für seine Pulp-Vergangenheit geniert – im Gegensatz zu unsereinem, der durch allerlei „Schmutz & Schund“-Kampagnen und die abfällige massenmediale Betrachtung der „Trivialliteratur“ geschädigt ist. Die Amis sind mit Comics und absurden Fernsehserien aufgewachsen. Sie haben billige Taschenbücher verschlungen, auf deren Cover immer ein harter Hund mit Hut und Pistole sowie eine leichtbekleidete Femme fatale zu sehen sein mußten. Und wenn in ihrer Popkultur Nazis vorkamen, dann nur in der Hogan’s Heroes-Variante: böse und doch irgendwie saublöde Deutsche in schwarzen Uniformen, die dauernd „Jawoll, mein Führer!“ oder „Schneller, Shveinhundt“ sagen und bei ihren Welteroberungsplänen gern mit verrückten Wissenschaftlern zusammenarbeiten. Wie im wirklichen Leben halt …
Genauso geht es auch in r.evolvers Roman The Nazi Island Mystery zu. Natürlich gibt’s darin jede Menge Nazis, das kündigt ja schon der Titel an, und die haben – zehn Minuten in der Zukunft – auch ihr Viertes Reich, aber das ist eigentlich nicht mehr als eine Dauerwerbe-Show mit blutigen „pseudohistorischen“ Spektakeln, Doppelgängern längst verstorbener Prominenter und schmierigen Typen, die sich am liebsten zu noch schmierigeren Exploitation-Pornos selbst befriedigen. Hitlerland, sozusagen; ein direkter Abkömmling unserer gegenwärtigen Entertainment-Industrie, das überzogenste Reality-TV seit Caligula. Daß diese üblen Charaktere auf ihrer streng geheimen Insel was besonders Hinterhältiges aushecken, ist klar und gehört auch in so einen Roman; daß die Leiterin des dort ansässigen Labors eindeutig nach dem Muster der legendären Ilsa (She Wolf of the SS) geschnitten ist, freut wiederum den Fan trashiger Spezialitäten.



EVOLVER BOOKS – Ein neuer Verlag by Martin Compart
8. Mai 2010, 3:03 nachmittags
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Innovationslos dümpeln die Großverlage vor sich hin (schenken uns aber neben dem schlimmsten Mist, der je Papier vergewaltigt hat, auch gelegentliche Highlights von der Spitze des Eisbergs). Das ist die Chance für kleine Verlage (die aber leider auch interessante Segmente nicht besetzen oder nutzen). Jetzt gibt es einen neuen Verlag, der zu den schönsten Hoffnungen verführt: EVOLVER BOOKS. Nicht von Ungefähr nach dem ältesten deutschsprachigen Internet-Magazin für Populärkultur benannt. Hinter dem Buchverlag stehen die beiden Männer, die auch das Magazin erfolgreich gemacht haben: PETER HIESS und ROBERT DRAXLER. Inhaltlich kann also nichts schief gehen. Trotzdem gilt für die Branche der unsterbliche Satz von BUCHMARKT-Erfinder Christian von Zittwitz: Wie macht man mit Büchern ein kleines Vermögen? Indem man vorher ein großes hatte.
Wie sind die Vorstellungen von Herrn Hiess und Herrn Draxler? Da musste ich doch mal nachfragen.

Wieso noch ein Verlag? Es gibt im deutschsprachigen Raum jetzt schon mehr Verlage als Buchhandlungen. Wieso also EVOLVER BOOKS?

PETER HIESS (PH): Da kann ich nur die Antwort geben, die wahrscheinlich jeder idealistische Kleinverleger geben würde: weil’s wichtig ist. Weil wir glauben, dass wir der Welt was zu sagen haben. Weil wir lieber Bücher in der Hand halten, als immer nur auf Bildschirme zu starren und uns auf moderne Weise die Augen zu ruinieren. Und bei mir spielt natürlich auch ein zutiefst egoistischer Grund mit: Ich wollte sowas immer schon machen – und seit ich bei anderen Verlagen veröffentlicht habe, noch viel mehr. Ich will wissen, wie das geht mit dem Bücherverlegen – und ob es bei uns funktioniert.
ROBERT DRAXLER (RD): Und vielleicht wollen wir ja gerade wegen dieser Inflation an Kleinverlagen zeigen, dass es auch anders geht, dass man das Interesse der Leser und -innen trotz täglicher Papierflut sehr wohl wecken und binden kann, wenn die Stoffe und die Aufmachung stimmen. Unser größter Vorteil ist, daß wir uns trauen, wovor andere zurückschrecken, daß wir nicht lange fackeln. Das haben wir uns selbst mit dem Release unseres ersten Paperbacks – „The Nazi Island Mystery“ – bewiesen. Der Roman ist trashig, phasenweise radikal-pornographisch und vor allem politisch total unkorrekt. Machen wir uns also nichts vor: Da wird es sicher auch Verrisse setzen. Aber wir führen unseren Guerillakampf eben konsequent mit allen zu Gebote stehenden Mitteln. Und notfalls werden wir auch Geiseln nehmen …

Welche Philosophie steckt dahinter? Gibt es vielleicht ein Vorbild im angelsächsischen Raum?

PH: Also, ehrlich gesagt, bei mir ist es immer noch die alte Fanzine/Eigenverlags-Philosophie, die mich schon vor 30 Jahren dazu trieb, Sachen selbst zu veröffentlichen, zu kopieren oder billig drucken zu lassen, den Vertrieb und die Korrespondenz selbst zu machen, die Kommunikation selbst zu kontrollieren. Dazwischen war der EVOLVER, bei dem wir das alles auf elektronische Weise ausprobiert haben. Und jetzt schließt sich der Kreis eben.
Vorbilder? Hmmm … das alte RE/SEARCH vielleicht. Und unter den neuen US-Verlagen beziehungsweise Buchreihen auf jeden Fall HARD CASE CRIME – nicht, weil wir jetzt auch auf Noir und Pulp machen wollten, aber wegen der genialen Idee, der durchgehaltenen Ästhetik, vom Cover bis zum Papier, und der zu 95 Prozent großartigen Bücher. Da kann man sich schon ein Beispiel nehmen.
R.D. Dem schließe ich mich als graphisch-technischer Teil des Unternehmens gleich einmal an. Unser Logo – das E mit dem signifikanten Punkt – betrachten wir als den neuen „Jolly Roger“ auf dem ewigen Ozean aus Papier, Zeichen und Zeilen. Und so wie schon die alten Freibeuter haben auch wir nichts zu verlieren.

Was hat der Verlag mit dem Ezine EVOLVER zu tun – falls er das hat?

RD: EVOLVER BOOKS darf man im derzeitigen Stadium durchaus als Tochterunternehmen der EVOLVER-Mutter betrachten. Aber so wie Töchter nun einmal sind, nabeln sie sich irgendwann einmal ab, werden selbständig und lassen sich von der Frau Mama nichts mehr anschaffen. So ähnlich ist das auch in unserem Fall. Nach einjähriger intensiver Vorbereitungsphase agieren wir jetzt völlig frei, haben unseren eigenen Plan, unsere eigene Disposition, die sich nur hin und wieder mit jener der EVOLVER-Redaktion deckt. Wenn wir ein Buch herausbringen, zum Beispiel. Dann kriegen wir von der „Mama“ natürlich das Cover – Blut ist halt doch dicker als Wasser.
PH: Das mit dem EVOLVER ist eine heikle Frage, wenn ich mir unsere alte Mutter heute so anschaue. Gehen wir’s also diplomatisch an: Die erste Gemeinsamkeit ist der Mitgründer, nämlich jeweils ich. Die zweite Gemeinsamkeit ist der Name, der sich ja in den vergangenen dreizehneinhalb Jahren einen guten Ruf verschafft hat, wenigstens fast bis zum Schluss. Die dritte Gemeinsamkeit ist der Herr Draxler alias r.evolver, der auch schon ewig beim EVOLVER dabei war, mit dem ich vor zehn Jahren schon Buchpläne wälzte und der genau jetzt bereit war und sich viel notwendiges Wissen erarbeitet hat, als ich beschloss, beim EVOLVER auszusteigen.

Was unterscheidet euer Programm von den Programmen anderer Verlage?

PH: Nach einem Buch kann man noch nicht wirklich von Programm sprechen, nur von den paar wenigen relativ sicheren und aktuellen Vorhaben. Wir haben uns noch nicht auf eine Linie geeinigt, weil da noch viel zu viele aufregende Ideen um uns herumschwirren, als dass wir unseren Fokus schon einengen wollten. Anfangs wird EVOLVER BOOKS sich natürlich sehr an dem orientieren, was es in der EVOLVER-Geschichte gab – sowohl, was Autoren und Texte betrifft, als auch die dahinter stehende Philosophie: gut geschrieben, goschert und politisch unkorrekt. Dem Leser etwas bieten, von dem er profitiert und auf das man als Autor oder Herausgeber stolz sein kann – aber sich keinen Augenblick lang was von ihm bieten lassen. Ich fand ja schon traditionelle Leserbriefschreiber extrem lästig; was sich ein großer Teil dieser soziopathischen Kommentatoren und Forenteilnehmer aber im Internet leistet, dieses hirnlose Nörgeln, natürlich meist hinter dem Schleier der Anonymität, geht mir unglaublich auf die Nerven. Daher, ihr Gscheitlinge: Ab heute wird zurückgeschossen. Wir wollen als der Verlag bekannt werden, der mit jedem anhängt, wenn’s notwendig ist, ob real oder im Web 2.0.
Kennt man den Begriff „anhängen“ übrigens in Deutschland? Das ist so was wie „Wickel anfangen“, also: „streitert werden“. Hallo?! Versteht mich jemand?
R:D. Also, wenn Sie gestatten, werde ich das übersetzen. Was der Herr Hiess sagen will, ist: wir machen keine Gefangenen. Es gibt nicht den geringsten Kompromiss, in keiner Hinsicht, es wird auch nicht da und dort inhaltlich ein bisschen die Handbremse gezogen, um vielleicht einen bestimmten Personenkreis nicht zu kompromittieren. Genau hier liegt nämlich das Problem vieler kleiner Verlage: Statt die Chancen, die der unabhängige Status bietet, zu nützen, trauen sie sich nichts und haben genau deshalb kein scharfes Profil. Zu allem Übel sind sie auch noch irgendwo zwischen den Stühlen positioniert, weil sie versuchen, Stoffe, Sujets und Aufmachung der großen Verlage zu imitieren. Das Ergebnis ist natürlich weder aufregend noch sexy, sondern schreckt potentielle Leser schon ab, bevor sie noch die Druckerschwärze des Buches gerochen haben. Wir sagen schon von Anfang an: Wir sind klein, na und. Dafür schauen wir gut aus und haben scharfe Munition im Keller … die wir jetzt abfeuern. Und wer die Nase rümpft oder gar in Ohnmacht fällt, dem schenken wir ein Yoga-Buch aus der Wühlkiste.

Ein paar Worte zu den nächsten Büchern.

PH: Also, das definitiv nächste Buch, dessen Titel allerdings noch ein Arbeitstitel und dessen Cover noch nicht definitiv ist, ist unsere Zombie-Anthologie. Da haben wir uns ja was eingetreten – viel, viel Arbeit. Die Idee eines Literaturwettbewerbs im EVOLVER (als der noch funktioniert hat) kam uns Anfang 2009, dann haben wir die geneigte Leserschaft gebeten, Zombie-Stories einzuschicken und abgewartet. Und bald haben wir uns auch geschreckt, weil bis zum Einsendeschluss, also faktisch bis zur letzten Sekunde vor Mitternacht, sagenhafte 249 Beiträge bei uns eintrudelten. Wir hatten doch tatsächlich zehn Leute davon überzeugt, freiwillig als Juroren tätig zu werden … weil ja keiner damit gerechnet hat, dass das soviel wird. Um es kurz zu machen: Ein paar Juroren sind tatsächlich fertig geworden, ein paar andere sind nervlich fertig, zwei melden sich nicht mehr und sind vielleicht verstorben – und einer hat sich in eine Art Geisteskrankheit geflüchtet. Trotzdem wird es den Herausgebern der Anthologie, also Thomas Fröhlich und mir, in den kommenden Wochen gelingen, die Jury-Bewertungen auseinanderzudividieren, den oder die Sieger zu ermitteln und 20 bis 25 Beiträge für das Buch auszuwählen.
Was sich heuer dann noch ausgehen könnte, ist ein schmaler Ausstellungskatalog, über den wir noch nicht allzuviel verraten wollen und dürfen, der aber thematisch durchaus zu den ersten beiden Veröffentlichungen passt …
RD: Dem schließe ich mich an und dem ist auch nichts mehr hinzuzufügen …

Zombie-Romane oder Stories können doch eigentlich nur behavioristisch geschrieben sein. Oder geben sie auch Einblicke in ihr Innenleben?

RD: „Behavioristisch“ … was ist denn das für ein Wort? Himmel, muß man als Indie-Verleger jetzt auch am wissenschaftstheoretischen Parkett den Tanzschuh wetzen? Ich tät’ sagen: Unsere Zombies fressen, weil sie hungrig sind. Und wer weiß, vielleicht suchen sie ja auch – nachdem sie sich die Wampe vollgeschlagen haben – den Lokus auf, um dort ein paar grundsatzphilosophische Phrasen zu dreschen. Nachzulesen ist das alles jedenfalls im Herbst 2010. Man darf gespannt sein.
PH: Bei 249 Stories ist alles dabei. Und einige der Kurzgeschichten, von denen ich jetzt schon weiß, dass sie gute Chancen haben, betrachten definitiv das Innenleben der Zombies; aber nicht auf die blöde klischeehafte Art: “Na, hallo, was ist denn da los, ich bin plötzlich eiskalt und rieche so streng, die Finger fallen mir ab und ich will bitte lieber frisches Menschenfleisch statt Fischstäbchen?!“ Solche Einsendungen haben wir zwar auch haufenweise gekriegt, aber über die hüllen wir gnädig den Mantel des Schweigens. Trotzdem: Es sind gute und teilweise wirklich neue Ideen und Ansätze dabei – und keine Angst: Die Anthologie wird nicht zu literarisch sein, sondern ordentlich in Blut und Beuschel waten! Man weiß ja, was man dem Zombiefreund schuldig ist.

Das Problem, ich weiß es aus eigener Erfahrung, ist immer Vertrieb und Marketing. Wie geht ihr das an?

PH: Vorsichtig. Erstens haben wir kein Geld. Zweitens verlassen wir uns auf Ezzes aus dem Bekanntenkreis, weil wir noch kaum Verlagserfahrung haben. Und drittens klammern wir uns so lang an die Wir-sind-unabhängig-Ideologie, bis uns irgendwer um viel Geld kaufen will. Beim Vertrieb machen wir – und ein unsichtbarer Dritter – alles selber, weil wir keine Lust haben, uns von einem „richtigen“ Vertrieb oder Grossisten bis zu 50 Prozent abluchsen zu lassen. Und Marketing? Wer mag schon Marketing-Menschen? Wir versuchen halt alles, was geht, übers Internet und spezialisierte Fan-Gemeinden.
R.D. Und abends überfallen wir dann noch ein paar Leute im Park. Irgendwie müssen wir das alles ja finanzieren.

Ich nehme an, Ihr habt das knallhart durchkalkuliert und günstige Produktions- und Lagerkonditionen. Aber warum nicht das Ganze als Book On Demand?

PH: Hahahaha, durchkalkuliert ist gut! Wenn ich Kalkulationen sehe, rollen meine Augäpfel nach oben und ich gehe problemlos als Covermodell für die Zombie-Anthologie durch, das ist wie bei Verträgen oder Finanzamtsformularen. Wie gestern eine gute Bekannte gesagt hat: man strudelt, wie eine Ente auf dem Wasser. Man könnte auch sagen: Wir wurschteln uns durch und lernen jeden Tag dazu. Bei einem ersten Buch findet sich noch genug Platz zum Lagern. Und die Druckereipreise sind auf jeden Fall günstiger als ein Book on Demand …
RD: Dazu muss ich sagen, dass wir mit unserem Drucker unglaubliches Glück haben. Der Betrieb kommt uns in all diesen Fragen partnerschaftlich und preislich sehr entgegen und hat gemeinsam mit uns eine tolles Hybrid-Modell aus BoD und mittlerer Auflage entwickelt, mit dem es sich fein leben lässt.

Wird es auch Sekundärliteratur geben?

PH: Endlich kann ich einmal eine kurze Antwort geben: Nein, bis jetzt ist nix geplant. Aber für gute Ideen sind wir immer offen.
RD: Auch das zeichnet uns als Kleinverlag aus. Wir freuen uns über jedes Exposé, jedes Konzept und wir geben zu jeder eingereichten Idee Feedback – irgendwer hat sich irgendwo immerhin die Mühe gemacht, das auszuarbeiten. Und das honorieren wir schon allein deshalb, weil wir selber haargenau wissen, wie es ist, wenn ignorante Verlagsmenschen nicht einmal bereit sind, eine Retour-Mail zu schicken.
PH: Es gibt da zum Beispiel einen Krimiexperten, dessen Autorenporträts und Genreartikel ich sofort veröffentlichen würde, wenn mich wer fragt. Aber mich fragt ja keiner.

Wie sieht die bisherige Programmplanung aus?

PH: Zwei Zettel mit Ideen. Natürlich weiter Krimis und Phantastisches, aber auch Sammlungen der besten Kolumnen aus dem EVOLVER, aktualisierte Nachdrucke von Büchern, die ich bei anderen Verlagen veröffentlicht habe, ungewöhnliche Wanderführer, ein wichtiges Werk zur Popmusik-Geschichte. Und hoffentlich weitere Abenteuer von Kay Blanchard.
RD: Tja, für diese Abenteuer bin ich auch literarisch zuständig. Der Release von „The Nazi Island Mystery“ war der Auftakt zu einer (vorerst) auf vier Teile angelegten Serie. Und wenn ich neben Schriftsatz, Graphik, Webprogrammierung und Briefmarkenpicken noch Zeit finde, in die Tasten zu hauen, werden die Abenteuer der ungewöhnlichsten Agentin, die je für den britischen Geheimdienst gearbeitet hat, auch weitergehen. Der nächste Teil mit dem Titel „Pol Pot Polka“ soll 2011 erscheinen.
PH: Ich sehe schon, wir brauchen Lehrlinge, die uns die ganze Knochenarbeit abnehmen, sonst werden wir mieselsüchtige ältere Herren. Ich würde mir solche „filthy assistants“ wünschen, wie sie Spider Jerusalem hat.

Mir gefallen die beiden ersten Cover ausgesprochen gut. Ein paar Worte dazu?

PH: Gefallen mir auch, aber ich kann zu graphischen Themen notorisch wenig sagen – das überlasse ich dem Kollegen Draxler.
RD: Vielen Dank für die Blumen – wobei ich sagen muß, dass nur das Cover zu „The Nazi Island Mystery“ aus meiner graphischen Werkstatt kommt. Inspiriert haben mich vor allem die alten Ullstein-Krimis (die mit dem roten K) und natürlich auch die Titelbilder der Mr.-Dynamit-Bücher. Das waren wirklich grandiose Covers. Das hübsch-grausliche Titelmotiv zur Zombie-Anthologie, also der halbverweste Untote mit dem heraushängenden Auge, stammt aus der Feder des österreichischen Zeichners Jörg Vogeltanz. Über seine Inspirationsquellen weiß ich nicht so genau Bescheid, eins kann ich aber versichern: er selber schaut nicht so aus.



NOIR-FRAGEN AN PETER HIESS by Martin Compart
2. Mai 2009, 9:25 vormittags
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Peter Hiess dürfte vielen auch als Dr.Trash bekannt sein. Als solcher gilt er als bedeutendster Hypochonder der Gegenwart.

Peter Hiess; Journalist, Autor und Übersetzer; Lektor, Lehrender und Lernender; Redakteur und Korrektor („I could have been a contender.“)
Zu seinen Büchern zählen:
Der Kokainkrieg Die Kolumbien-Miami-Connection (1989), Die Mordschwestern. Österreichische Mörderinnen von Peter Hiess und Christian Lunzer (Broschiert – 1992)Kurt Ostbahn, Peep-Show oder Das Geheimnis der toten Tänzerin (2000) von Günter Brödl und Peter Hiess,Kurt Ostbahn, Peepshow(2002) mit Günter Brödl , Mord-Express (2000, True Crime) mit Christian LunzerDie zarte Hand des Todes (2002, True Crime) mit Christian Lunzer, Kurt Ostbahn: Sad’s vuasichtig und losst’s eich nix gfoin! (2004) mit Lukas Beck

01
Photo – Copyright: Eva Kern

Berufungen neben dem Schreiben?
EVOLVER (http://www.evolver.at)

Film in Deinem Geburtsjahr?
„Anatomy of a Murder“

Was steht im Bücherschrank?
Viel zuviel. Genreliteratur fast aller Art. Bei den Krimis: 40er-Jahre-Pulp-Reprints, James Ellroy, Joe Lansdale, Hard-Case-Crime-Reihe usw. usf. Und der beste Noir der jüngeren Vergangenheit: die Comic-Serie „100 Bullets“

Was war Deine Noir-Initiation (welcher Film, welches Buch)?
„Gilda“

Welches Noir-Klischee ist Dir das liebste?
Wenn der verkaterte Detektiv morgens erwacht – und beschreibt, wie sich das Elend in seinem Kopf anfühlt.

Ein paar Film noir-Favoriten?
„Night of the Hunter“, „Der Tod kennt keine Wiederkehr“, „L. A. Confidential“, „Blade Runner“

Und abgesehen von Noirs?
Cronenberg (das Gesamtwerk), David Fincher (fast das gesamte Werk), „Natural Born Killers“, die „Alien“-Filme, Kinski-Italowestern, die TV-Serie „The Shield“, „Requiem For A Dream“

Welche Film- oder Romanfigur würdest Du mit eigenen Händen umbringen?
alle aus Tarantino- oder Coen-Brothers-Filmen

Noir-Fragen – Dein Leben als Film noir

1. Im fiktiven Film noir Deines Lebens – welche Rolle wäre es für Dich?
Der multitoxikomane Junkie-Arzt auf Abwegen; der Typ, der davon lebt, Gangster zusammenzuflicken – und einmal selbst einen großen Coup landen möchte. Oder wenigstens mit einem großen Knall abtreten.

2. Und der Spitzname dazu?
Dr. Trash (what else?)

3. Welcher lebende (oder bereits abgetretene) Schriftsteller sollte das Drehbuch dazu schreiben?
Hunter S. Thompson

4. Berühmtestes Zitat aus dem Streifen? (Beispiel: Scarface = The World Is Yours, White Heat = Made It Ma, Top Of The World)
„Doc – ich hab’ geglaubt, die Spritze ist für mich …“

5. Schwarzweiß- oder Farbfilm?
In Glorious Bloody Colour!!!

6. Wer liefert den Soundtrack zum Film?
Eddie Harris („Bad Luck Is All I Have“)

7. Welche Femme fatale dürfte Dich in den Untergang führen?
Rita Hayworth, Krankenschwester

8. In welchem Fluchtwagen wärst Du unterwegs?
Taxi

9. Und mit welcher Bewaffnung?
Dynamit um den Körper geschnallt, tödliche Bakterien, Giftgaskapseln – jedenfalls Massenvernichtungswaffen

10. Buch für den Knast?
John Kennedy Toole – Ignaz oder Die Verschwörung der Idioten.

11. Und am Ende: Welche Inschrift würde auf dem Grabstein stehen?
He was a dead man … all his life.




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