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Der 1964 geborene Jonathan Lethem ist als Kind einer Hippie-Familie ein genauer Analytiker seiner Generation und darüber hinaus unter den US-Autoren der vielleicht beste Beobachter des neuen Jahrtausends. Sein erster Roman erschien 1994: DER KURZE SCHLAF war eine höchst amüsante Kombination aus Chandlerscher PI-Novel und SF. Lethem engagierte sich in der Occupy Wall Street-Bewegung und ist, wie sein Jugendidol Norman Mailer, ein politischer Autor ohne Scheu davor, eine kritische Meinung zu vertreten. Bei uns hat er ein festes Heim im Tropen Verlag gefunden, wo er jetzt neben dort gut behandelten Genre-Autoren wie Roger Smith und Joe Lansdale steht.
Lethem legt mit BEKENNTNISSE EINES TIEFSTAPLERS – MEMOIREN IN FRAGMENTEN (THE ECSTASY OF INFLUENCE) eine sowohl stilistisch wie analytisch brillante Esssay-Sammlung vor, wie man sie bei uns von keinem Belletristen erwarten kann. Es sind Essays zur Populärkultur. Ein Begriff, der Lethem nicht wirklich zusagt:
In einem kurzen Essay wendet er sich gegen diesen Terminus, da er mehr mit dem Ausdruck Alltagskultur anfangen kann, der „rege eher zum Nachdenken an, er lege Fragen und Differenzierungen nahe, statt Unterschiede zu überkleistern“. Leider ist die deutsche Ausgabe gekürzt. Ähnlich schlimmes muss man auch über die deutsche Veröffentlichung der Essays von Nick Tosches sagen.
Im Mittelteil dieser Essay-Sammlung haut Jonathan Letham mächtig aufs System ein und knöpft sich die impotenten Krämer vor, die Angst davor haben, durch moderne Technologien ihre parasitäre Position im Zwischenhandel zu verlieren:
„Die Welt ist ein Haus, das mit popkulturellen Produkten und Emblemen zugemüllt ist…Diese Dinge gehören mir genauso wenig wie Gehsteige und Wälder, doch ich lebe mit und in ihnen, und wenn ich eine Chance haben soll, als Künstler oder Bürger zu bestehen, muss es mir erlaubt sein, sie zu benennen…
Die Vorstellung, dass kulturelle Erzeugnisse Eigentum sind – geistiges Eigentum – soll rechtfertigen, dass Pfadfinderinnen für die Lieder, die sie am Lagerfeuer singen, Lizenzgebühren bezahlen… Thomas Jeffersons Vision (vom Urheberrecht) wurde über die Jahrhunderte von jenen unterwandert, die Kultur als einen Markt betrachten, aus dem alles, was irgendeinen Wert hat, notwendig auch einen Eigentümer haben muss…“ Lethem beschreibt die ekeligen Warnfilme der Musik- und Filmindustrie, die illegales downloaden kriminalisieren und mit dem Diebstahl von Autos oder Handtaschen gleichsetzen und kommt zum Schluss: „(Gestohlene) Autos und Handtaschen stehen ihren Besitzern nicht mehr zur Verfügung, die Aneignung von geistigem Eigentum dagegen lässt das Original unberührt.“ „Doch die Industrie des kulturellen Kapitals, die nicht vom schöpferischen Akt profitiert, sondern von seiner Verbreitung, betrachtet den Verkauf der Kultur als ein Spiel, bei dem sie nicht verlieren kann… Die raubgierige Erweiterung von Monopolrechten lief dem öffentlichen Interesse immer zuwider, ob nun Andrew Carnegie den Preis von Stahl kontrollierte oder Walt Disney die Geschicke der Maus.“ Fast schon naiv klingt die ideologische Begründung, derer sich die Parasiten wohl gerne bedienen: „In der in Theorie der freien Marktwirtschaft gilt jeder Eingriff, der die Umwandlung in Eigentum behindert, als paternalistisch, da er die Freiheit des Bürgers in seiner Neubestimmung als potentieller Unternehmer beschneidet.“
Wie wenig (oder besser: gar nicht) dieses nur verkürzt als Kapitalismus zu bezeichnende System der Allgemeinheit dient, macht er unmissverständlich klar:„Wir müssen deshalb mit äußerster Wachsamkeit die Übergriffe derjenigen verhindern, die unser gemeinschaftliches Erbe für ihre persönliche Bereicherung ausbeuten. Solche Übergriffe auf unsere natürlichen und kulturellen Ressourcen haben mit Unternehmergeist und Eigeninitiative nichts zu tun. Vielmehr sind sie Versuche, dem Volk etwas fortzunehmen, um es einigen wenigen zu übereignen.“
Superhelden begleiten ihn seit der Kindheit. Er hatte selbst den 70er Marvel-Helden OMEGA revitalisiert. Witzig und nachdenklich lässt er sich über die Kostümträger und diverse Verfilmungen aus. Etwa über SPIDERMAN: „Ebenso hat Parker etwas von einem masturbierenden Teenager, wenn er hinter verschlossenen Türen seine neue Fähigkeit ausprobiert, klebrige Spinnweben-Masse zu verschleudern.“
Er schreibt über Dylan (dieser Text ist schon jetzt ein Klassiker), Marlon Brando, Sex im Film, Norman Mailer und – sehr ausführlich – über Science Fiction, insbesondere Philip K.Dick und J.G.Ballard und viele andere kulturelle Topoi. Memoiren sind diese Essays nur insofern, dass sie die innere Entwicklung des Autors verfolgen. Das ist Analyse und Kritik der Popkultur, Lethem möge mir verzeihen, auf einem Niveau, von dem das deutsche Print-Feuilleton nur träumen kann. Für diese Spießbürger hat er auch ein paar warme Worte: „Die Vorstellung, dass die um ihren Status besorgten Wächter der hohen Literatur eine anerkannte Unterklasse (etwa die SF) benötigen, die sie verachten können, schien mir nie zu exotisch als Diagnose.“
Sein jüngster Roman, CHRONIC CITY, ist bei Tropen ebenfalls lieferbar und wird durch die vorherige Lektüre der Essays beim Leser fast wie eine praktische Demonstration seiner theoretischen Überlegungen. Es ist eine Art Bildungsroman für das 21.Jahrhundert und bestätigt Letham als einen der originellsten und intelligentesten Autoren der zeitgenössischen Weltliteratur.
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Amsterdam erstickte in der Schwüle. Kein Hauch kam vom Meer. Schwitzende und lärmende Touristen krochen wie fette Käfer den Rembrandsplein rauf und runter oder schluckten Erfrischungsgetränke in den überteuerten Straßencafés um sich vor dem Dehydrieren zu bewahren. Gill ging neben Bart und betrachtete missgelaunt das Treiben. Das einst von Ted Allbeury als zivilisierteste Stadt der Welt bezeichnete Amsterdam war zu einer Konsumkloake verkommen, voll gestopft mit Kriminellen und Abschaum. Die Globalisierung der Gier und des Elends hatte auch vor dieser einstigen Schönheit nicht halt angehalten. Eine Metropole der Perversionen und die Hauptstadt der Toleranz und der Lebensfreude – nur nicht für die Opfer. Wer hier vom Wagen fiel, kroch durch die Gosse und fraß Kot bis ihn der Tod erlöste. Die Calvinisten hatten die Hölle längst privatisiert.
Die engen Seitenstrassen mit ihren aneinander gedrängten Häusern hatten ihren historischen Charme in den Fassaden bewahrt. Trotzdem wirkte die Stadt nie antiquiert. Sie hatte die umtriebige Energie kultureller und wirtschaftlicher Neugier. Im Zentrum mit den großen und kleinen Shopping-Tempeln drängelte sich niemand durchs Gewühl, der nicht einen Einkaufssack mit sich schleppte. Die Gesichter der Touristen strahlten begeistert über diese perfekte Verdinglichung der Existenz.
In der Verbrechensstatistik Europas hatte sich Amsterdam in den letzten Jahrzehnten auf Platz drei vorgearbeitet und behauptete sich recht gut als ökonomische Metropole. Nachdem die Amsterdamer Bosse Klaas Bruinsma und Willem Holleeder erschossen oder aus dem Verkehr gezogen worden waren, hatte sich die Schattenwirtschaft internationalisiert. Ganz vorne dabei waren serbische Killer und die unvermeidbaren Triaden, die schon in den 1970ern ihre Machtkämpfe ausgetragen und ihre Claims abgesteckt hatten.
Sie bogen in eine weniger belebte Seitenstraße ab und verließen den Trampelpfad des Tourismus. Gleich um die Ecke des Rembrandsplein mit seinen Cafés und Geschäften lag die Paardenstraat, zugemüllt und nach Pisse stinkend.
Bart war ein hagerer Bursche in einem zerknitterten Anzug. Er hatte ein angstvolles Lächeln, das nie stehen blieb und über sein Gesicht zuckte. Seine Höflichkeit war immer eine Spur zu eifrig und zeigte seine Unsicherheit. Der typische Laufbursche. Von allen gemocht und bis zu einem gewissen Punkt akzeptiert und ins Vertrauen gezogen. Einer der es nie bis hinter die Türen schafft, wo die wichtigen Leute sich ihren Mist ausdenken und planen.
„Wie sind Sie ins Milieu gekommen?“
Bart grinste unsicher und rieb sich das Ohrläppchen. „Sie werden es nicht glauben. Ich war Gefängniswärter. Für ein paar Gulden besorgte ich den Häftlingen, was sie gerade brauchten. Ich musste Geld verdienen. Meine Frau war schwer krank und konnte nicht mehr dazu verdienen. Aber wir hatten uns an einen gewissen Luxus gewöhnt. Naja, ich verdiente mir jedenfalls das Vertrauen von ein paar harten Jungs. Als ich aufflog, haben sie mich rausgeschmissen. Was kann ein gelernter Schließer aus dem Staatsdienst noch machen? Nicht mal eine Security-Firma wollte mich… Die hatten Angst, dass ich vielleicht einen Inside-Job machen könnte. Meine Frau verließ mich für den nächsten besten mit einer dicken Börse. Also rutschte ich ins Geschäft.“
„Spitzeldienste?“
„Oh, nein. Sie werden das auch nicht glauben, aber ich bin irgendwie doch eine ehrliche Haut. Deswegen werde ich auch akzeptiert. Denn für gefährliche Jobs fehlt mir der Mut. Die Bullen sind zwar an mich heran getreten, aber ich habe sie abblitzen lassen. Ich habe keine Nerven für ein Doppelspiel.“
„Ich kenne Jungs aus dem Milieu, die würden Pädophile oder Snuff-Händler töten.“
„Amsterdam ist anders. Bei uns Holländern geht es erst ums Geschäft und dann um die Moral. Wir sind echte Calvinisten. Und wir sind ja so tolerant. Niemand darf einem Individuum vorschreiben, wie er sexuell zu ticken hat. Nur deswegen konnte die Pädophilenszene in den achtziger Jahren hier zum Big Business werden.“
„Wieso gibt es da so starke Überschneidungen zur Snuff-Szene?“
„Leute, die gerne Kinder ficken, wollen überlegen sein, Macht ausüben. Vom ficken zum quälen ist es dann nur ein kleiner Schritt. Ein kleines Kind zu ficken ist schon Folter. Jemanden das Leben zu nehmen ist doch die höchste Form der Macht. Die sollen erzählen, was sie wollen. Das sind alles perverse Sadisten. Und die Brutalsten gehen nicht n ur ihren Neigungen nach. Sie machen ein Riesengeschäft daraus. Lassen sich für ihren Spaß bezahlen.“
.
Bart deutete auf eine dunkle Bar in Haus Nr.15. „Aus der guten alten Zeit, den 1990ern, in denen Warwick Spinks und seine kriminellen Pädo-Freunde hier ihr Unwesen trieben, sind noch die beiden Treffs Festival Cafe und Music Box in Nr.9 übrig geblieben. Nach wie vor sind osteuropäische Knaben im Angebot und jugendliche Stricher aus ganz Europa lauern auf Freier. Die letzten Überbleibsel als Spinks und seine britischen Gesellen in den 1980ern hier eine pädophile Kolonie gründeten, die auch Snuff-Filme herstellte und vertrieb.“
„Ein netter Schaufensterbummel. Dieser Spinks war so was wie ein Pionier der Szene?“
„Könnte man sagen. In England hatte er Filialen, über die er die Videos vertrieb. Eine ganz üble Ratte. Ich hatte ungern mit ihm zu tun, aber…“
„Jajaja. Ich weiß schon: Das liebe Geld. Erzählen Sie mir was über ihn.“
„Spinks fuhr gerne in der Begleitung von Knaben aus seinen Klubs nach Berlin. Berlin war eine zentrale Anlaufstelle für Jugendliche aus Osteuropa. Außerdem war es die erste westliche Stadt, die von den Ostblock-Gangs nach dem Mauerfall unter Kontrolle gebracht wurde. Sie sollten dort die Minderjährigen überzeugen, dass auf sie in Amsterdam das Paradies wartet. Das Paradies bestand selbstverständlich aus Cash und Drogen. Für jeden neuen Rekruten bekam man einen Finderlohn. Als Spinks einem Schlepper nur in Kokain auszahlen wollte, wurde der sauer. Er packte Spinksam Kragen und knallte ihn gegen einen Automaten. Sofort griff Spinks Clubwächter ein, packte den Jungen und schmiss ihn durch das Fenster im 1.Stock auf die schmierige Spruitstraat, wo er mit einem gebrochenen Bein liegen blieb. Damals, so schätzte sogar die holländische Polizei, waren in Amsterdam etwa 250 Personen in die Herstellung von Kinderpornographie verwickelt. Die Verknüpfungen gingen bis Frankreich und Belgien…“
„Nihoul?“
„Ganz recht. Es gab enge Beziehungen zu Dutroux und den ganzen Klüngel um Nihoul. In diesen Kreisen endet nichts an Grenzen.“
„Und die Bullen haben gepennt, weil die Politiker nichts davon hören wollten.“
„Politiker gehören schließlich auch zu den Kunden. Besonders in Brüssel und London. Die holländische Polizei gehört zu den uneffektivsten der Welt. Nach Dutroux sind sie ein bisschen wacher geworden. Aber Sexualdelikte interessieren sie nicht. Besonders nicht, wenn es um osteuropäische Kinder geht, die sowieso keine Lobby haben. Sie sind für sie nichts anderes als das was sie sind: Dreck für die Strasse. Sie kümmern sich lieber um Einbrüche und Autodiebstähle. Denn da geht es schließlich um echte Werte. Ein Auto ist doch mehr wert als zehn vergewaltigte und aufgeschlitzte Zigeunerkinder. Auch können sie nicht einfach wie wir über jede Grenze um Geschäfte zu machen. Sie müssen erstmal im jeweiligen Land um Amtshilfe nachkommen. Die Politik hat da ganz klar Prioritäten gesetzt. Kampf gegen Rauschgift. Das hat Priorität und ist ein Milliardengeschäft an dem viele Arbeitsplätze hängen…“
„Ineffektiv und absolut sinnlos. Aber es sorgt für hohe Profitraten und hohe Endverbraucherpreise.“
„In unserer schönen perversen Welt hat das eben absoluten Vorrang und pumpt viel Geld rein. Was sind schon Menschenhandel und tote Kinder im vergleich zum bösen Marihuana?“
„Weiter mit Spinks.“
„Sein Haus war eine Honigfalle für Jungen, ausgestattet mit Spielautomaten, Videofilmen und jede Menge Alkohol und Drogen. Wer nicht mitmachte, wurde einfach vergewaltigt. Einige Jungen machte er heroinsüchtig. Ältere Männer kamen und gingen und benutzten die Minderjährigen für jede Perversion, die ihnen Freude bereitete.
Einmal kam ein 13jähriger zu Spinks und fragte ihn nach Haschisch. Der kleine Idiot. Spinks gab ihm Heroin. Später vermiete er ihn auf den einschlägigen Klappen.“
„Warum hauen die Jungs nicht ab, wenn sie können?“
„Wohin denn? Meistens sind es Ausreißer oder sie wurden verkauft. Dann sind sie süchtig und tun letztlich alles für Drogen.“
„Sie sterben früh.“
„So oder so. Ich habe leider ein paar Filme zu sehen bekommen, die es ja nicht gibt. In einem sah man einen zwölfjährigen Knaben vergewaltigt und mit Nadeln attackiert, bevor er von seinem Peiniger kastriert und anschließend mit dem Messer aufgeschlitzt wurde. Ein anderer war garantiert von Spinks selber gedreht. Es war an Bord seines Hausbootes. Ich habe ein paar Tassen wieder erkannt, die da rum standen. Der Ton hatte das Schlagen der Wellen gegen den Bootsrumpf registriert. Der Junge zuckte verzweifelt mit dem Kopf als er oral zu Tode vergewaltigt wurde. Über dem Klatschen des Wassers hörte man das verzweifelt Gurgeln des Jungen und das befriedigte Grunzen des Mannes.“
Gill stöhnte innerlich auf. Weder Polizei noch Politik waren wirklich gewillt, diesen Schweinestall auszumisten. Und wie man wusste, wurden die Opfer häufig selber zu Tätern. Das konnte sich über Generationen in die zu Zukunft fortsetzen. Dieses Leben formte diese Kinder, die dann später das leben formten.
„Was ist aus Spinks geworden?“
„Als ihm der Boden hier und in England zu heiß wurde, ging er nach Prag. Eine Menge Pädophiler sind damals nach Prag oder in andere osteuropäische Städte gegangen, weil sie im dortigen Chaos gut untertauchen konnten und weiterhin ihren Geschäften und Neigungen nachgehen konnten. Spinks organisierte Urlaubsreisen für Kinderficker. Ging jahrelang. Dann kam ihm ein englischer Journalist und die Leute von CEOP auf die Spur…“
„CEOP?“
„Child Exploitation and Online Protection Centre. Die Prager Polizei wollte ihn verhaften. Er bekam einen Wink und floh nach England, wo die Bullen ihn in Heathrow gleich hops nahmen. Nach fünfzehn Jahren! Der Kerl schaffte es, trotz internationalen Haftbefehl fünfzehn Jahre auf freien Fuß zu bleiben. Bis November 2012. Erstaunliche Leistung, oder?“
„Jedenfalls hat man ihn jetzt aus dem Verkehr gezogen.“
Bart blieb stehen und sah Gill verwundert an. „Nur um die achtzehn Monate seiner englischen Reststrafe abzusitzen. In Prag hätte ihn eine neue Anklage erwartet. Spinks wusste genau, warum er sich nach England absetzte.“
„Jeder Bankräuber wird härter bestraft als ein pädophiler Mörder. Aber ich bin nicht auf der Suche nach pädophilen Snuff-Killern, ich muss an den heran kommen, der die CD vertrieben oder vielleicht sogar gemacht hat, die Sie Concretes Mann besorgt haben.“
Sie setzten sich auf die Korbstühle eines Straßencafés. Bart bestellte einen jonge Genever, Gill ein Hero Cassis. „Bis vor ein paar Jahren hatte Spinks sein Hauptquartier in der Pinocchio Bar in Prag. Dort besuchte ihn häufig sein alter Freund, der Staatssekretär des Justizministeriums Joris Dennink. Dennink war der, der die ganze Szene in Holland geschützt hat und war sogar Thema eines US-Kongreßausschusses wegen Kindesmissbrauchs und Menschenhandels. Spinks war das Bindeglied zu Marc Dutroux. Er kümmerte sich um die Knaben und Dutroux um kleine Mädchen im Netzwerk.“
„Dennink wurde Ende 2012 in die Rente geschickt.“
„Aber es gibt noch immer reichlich Ärger. Es gibt Demonstrationen für seine Verhaftung und es tauchen immer neue Anschuldigungen und Beweise gegen ihn auf. Er hat tatsächlich seinen Dienstwagen benutzt, wenn er in Prag ins Pinocchio fuhr. Merkwürdigerweise ist Denninks Chauffeur, Mijnher Mosterd, 2004 plötzlich und unerwartet verstorben.“
„Erpressung?“
„Wohl nicht. Er konnte es nicht mehr ertragen, was Dennink so auf dem Rücksitz trieb und hat auch sonst eine Menge mitgekriegt. Vielleicht auch, wie Dennink dabei war, als Spinks 2003 einen Kinderporno drehte, bei dem der kleine Junge starb…“
„Ein weiterer Snuff-Film…“
„Der Junge wurde mit einem Dildo zu Tode penetriert.“
Gill bestellte sich nun einen doppelten Genever. Er schmeckte beschissen.
„Das geht weit hinauf, wie in Belgien. Die türkische Regierung hat mit Dennink regelmäßig die niederländische Regierung erpresst. Die türkische Polizei hat Dennink bei seinen Istanbulbesuchen mit Knaben versorgt. Zwei von ihnen wollen jetzt in Holland gegen Dennink prozessieren…“
„Warum erpresst? Was wollen denn die Türken von den Holländern?“
„Zum Beispiel die Verhaftungen von kurdischen Exilanten. Prominentestes Beispiel war der kurdische Geschäftsmann Baybasin, der auch gegen Dennink geklagt hat. Es gab eine menge parlamentarische Anfragen und Klagen gegen ihn. Aber alle wurden niedergeschlagen und unter den Teppich gekehrt. Dieses Netzwerk ist seit dreißig Jahren aktiv und könnte ohne Mittäterschaft von ganz oben in ganz Europa nicht existieren.“
„Das hat man seit Dutroux vermutet.“
„Von wem haben Sie den Porno für Concrete?“
„Von Elsie de Harpyie. Concretes Agent wollte etwas ausgefallenes, nicht den üblichen Kinder-Snuff. Die Harpyie kann alles besorgen, was irgendwo auf der Welt existiert. Für den richtigen Preis. Und Geld spielt bekanntlich für diese Leute keine Rolle.“ Bedauern und nicht Neid lag in Barts Stimme. „Ich habe ein paar Tausender rübergereicht und die DVD zwei Tage später abgeholt.“
„Ein paar Tausender?“
„Exklusive meiner Provision.“
„Wie komme ich an… Elsie ran. Können sie mich einführen?“
„Nicht, wenn Sie verbrannte Erde hinterlassen. Das könnte mich töten – oder schlimmer: aus dem Geschäft bringen.“
„Keine Sorge. Es geht nur darum, ein Geschäft zu machen“, log Gill.
„Geld. Mit Geld kann ich Sie überall reinbringen.“
„Was wäre ein betrag, der diese Harpyie zum zwitschern bringen würde?“
„Elsie ist gut im Geschäft… Aber er stammt aus kleinen Verhältnissen. Ab 50.000 würde die Gier ihn beherrschen. Darunter neigt er zur Vorsicht. Er macht schließlich selber so um die 100.000 in guten Monaten. Das nehme ich jedenfalls an. Ich führe nicht seine Bücher.“
Gill stand auf und ging ein paar Schritte vom Café weg. Er rief Jacqueline Keogh an um das Geld zu besorgen. Sie sagte ihm, er könne das Geld jederzeit bei der Rabo Bank-Filliale am Dam 16 abholen. Auch mehr als er jetzt brauchte. Geld war bekanntlich kein Problem.
Gill ging zu Bart zurück. „Sie bringen mich rein, dann können Sie verschwinden. Den Rest erledige ich alleine.“
aus: http://politikforen.net/archive/index.php/t-131442.html
HPF > Politische Foren > GG / Bürgerrechte / §§ / Recht und Gesetz > Polizist ermittelt über Pädosatanismus. Spurlos verschwunden.
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Vollständige Version anzeigen : Polizist ermittelt über Pädosatanismus. Spurlos verschwunden.
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Brutus
05.10.2012, 10:47
Stan Maillaud, ein in Frankreich vergleichsweise bekannter Ermittler in Sachen Pädosatanismus der Eliten, also Kinder sowohl vergewaltigen als sadistisch schlachten, ist seit wenigen Tagen spurlos verschwunden.
Die Leserkommentare bei Alain Soral fürchten um sein Leben, sie vermuten, es werde ihm möglicherweise gehen wie seinem Kollegen Christian Jambert, der ebenfalls über pädosatanistische Netzwerke ermittelte und 1997 mit zwei Kugeln im Kopf tot aufgefunden wurde. Natürlich Selbstmord, sagen die Behörden.
Beim Lesen der Web-Beiträge oder Abhören der Videos von Égalité et Reconciliation fällt auf, daß sowohl Alain Soral als die Kommentatoren in regelrecht stereotyper Prägung vom *Pädosatanismus der Eliten* sprechen.
Wer immer noch meint, solche Ansichten würden höchstens von Verschwörungsidioten vertreten, aber doch nicht von demokratisch-rationalen Bürgern, sollte die Vorkommnisse um Stan Maillaud endlich zum Anlaß nehmen, im Web oder anhand von Büchern Recherchen anzustellen.
Unter den Stichworten Sachsenumpf und Dönermorde wird er vieles finden, was sowohl bei deutschen als auch französischen Kriminalfällen eine wesentliche Rolle spielt.
Stan Maillaud:
http://www.egaliteetreconciliation.fr/Disparition-de-Stan-Maillaud-14180.html
Christian Jambert:
http://www.egaliteetreconciliation.fr/Qui-a-tue-le-Gendarme-Jambert-13276.html
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pw75
05.10.2012, 10:59
Die Leserkommentare bei Alain Soral fürchten um sein Leben, sie vermuten, es werde ihm möglicherweise gehen wie seinem Kollegen Christian Jambert, der ebenfalls über pädosatanistische Netzwerke ermittelte und 1997 mit zwei Kugeln im Kopf tot aufgefunden wurde. Natürlich Selbstmord, sagen die Behörden.
Selbstmord?! mit 2 Kugeln im Kopf?! :haha:
Christian Jambert:
http://www.egaliteetreconciliation.fr/Qui-a-tue-le-Gendarme-Jambert-13276.html
Als Büchsenmacher habe ich schon oft mit Schußwaffen-Suiziden technisch zu tun gehabt: Daß sich ein Selbstmörder aber 2 Schuß in den Brezel setzt, konnte ich bisher nicht bestätigen: wenn sich ein Selbstmörder in den Schädel schießt, verletzt er in der Regel das Stammhirn und dann kann man keinen zweiten Schuß abfeuern, weil das vegetative Nervensystem diesen Befehl nicht mehr übermitteln kann.
Zwei Kopfschüsse sind fast 100%ig Mord, selbst wenn sie aus der selben Waffe stammen…
Mit ballistischem Gruß,
KuK
Der Misthaufen, der sich belgisches Parlament nennt, hat zumindest einen harten Einzelkämpfer, der sich nicht einschüchtern lässt (also mehr als jedes deutsche Parlament).
Schaut euch Louis´ Debattednbeikträge in Youtube an, bevor auch er einem “tödlichen Unfall” hat oder verzweifelt Selbstmord begeht. Tapfere Aufklärer wie Laurent Louis haben bekanntlich in Belgien keine lange Lebenserwartung.
Einsortiert unter: Bücher, Interview, NEWS, Söldner | Tags: Frank Westenfelder, Söldner
Im Netzmagazin TELEPOLIS hat Dominik Irtenkauf ein interessantes Interview mit dem besten deutschen Kenner der Söldner-Thematik geführt.
http://www.heise.de/tp/artikel/38/38425/1.html
Dr.Frank Westenfelder ist seit Jahren auch international bekannt und anerkannt für seine Page http://kriegsreisende.de/
die wohl umfangreichste und beste Informationsquelle zum Thema Söldner in allen Aspekten. Außerdem hat der studierte Historiker 2011 im Adatia Verlag eines der besten Bücher über das Södnerwesen veröffentlicht.
Einsortiert unter: Andreas Winterer, Bücher, Conspiracy, Crime Fiction, Politik & Geschichte, Science Fiction | Tags: Daniel Estulin, Hunter S.Thompson. Buch-Tips, Michael Slade, Scott Bradley
Der eine oder andere wird über die Feiertage vielleicht keinen Abenteuerurlaub machen und zwischen den obligatorischen Besuchen auch den Volksempfänger meiden. Wer die Tage lieber lesend verbringt, soll hier ein par höchst subjektive Empfehlungen erhalten (oder letzte Geschenkideen).
Seit Jahren pflegt der Heyne-Verlag vorzüglich das Gesamtwerk des großen Hunter S.Thompson, der den politischen Niedergang der USA seit den 1960ern aktiv als Kandidat und als beobachtender Autor begleitet hat, Er war und ist die nachhallende Stimme der Revolte und schrieb so, wie Keith Richard (mit dem er befreundet war) Gitarre spielt. Jetzt gibt es dank Heyne einen 770-Seiten-Schinken, der alle Reportagen Hunters für den ROLLING STONE enthält. Dazwischen eingestreut sein Briefwechsel mit STONE-Gründer und Herausgeber Jann Wenner. Nachrichten aus einer anderen Zeit, deren schlimmsten Weichenstellungen bis heute fortwirken. Hunter war wirklich ein sehr, sehr wütender Mensch. Er ist wohl nie darüber hinweg gekommen, dass er anfangs auf Bill Clinton (…er hat Oralsex während der Arbeitszeit gesellschaftsfähig gemacht.“) hereingefallen ist.
Hunter S,Thompson
DIE ROLLING STONE JAHRE
Heyne; 770 Seiten; 24,99 €.

Nicht Jedes Buch, das aus dem viel geschmähten Kopp-Verlag kommt, taugt nicht. Der eitle Litauer Daniel Estulin hat für sein Buch SCHATTENMEISTER: “Wie Regierungen und deren Geheimdienste mit internationalen Drogendealern und Terroristen zusammenarbeiten” ordentlich herum geschnüffelt und zum Teil Fakten ausgebuddelt, die man vielleicht noch nicht kannte (wie IWF und die USA etwa Russland unter Jelzin ausgeplündert haben). Vieles Behauptungen erscheinen mir strittig und oft genug vergaloppiert sich der Autor. Aber einiges ist neu und verdammt interessant. Ein Buch für den fortgeschrittenen und in sich gefestigten „Verschwörungstheoretiker“, der bereits über genügend Wissen verfügt um Estulins Erkenntnis richtig zu bewerten. Denen wird das Buch eine Menge bieten. Leider sind Übersetzung und Lektorat nicht optimal.
Daniel Estulin
SCHATTENMEISTER
Kopp Verlag; 420 Seiten; 9,95 €.
Die neue Crime-Reihe des Festa Verlages beginnt mit einem Knaller:
Der Name Michael Slade beinhaltet seit 1984 mit das Aufregendste, das die kanadische Kriminalliteratur zu bieten hat: Mountie Noir. Der 1947 geborene Jurist und Historiker Jay Clarke legte damals mit Der Kopfgeldjäger den ersten Band seiner “Special X”-Serie vor. Dabei handelt es sich um eine Abteilung der RCMP, die sich mit Serienkillern und okkulten Verbrechen beschäftigt. Das klingt mittlerweile zwar so ausgelutscht wie ein alter Kaugummi von Elvis, war es damals aber nicht und ist es heute immer noch nicht. Dem Historiker Clarke gelingt es nämlich ebenso spannend vergessene Ereignisse der Geschichte (besonders der kanadischen) als Hintergründe einzuarbeiten, wie unglaublich bizarre Figuren und erschreckende Szenen zu beschreiben. Inzwischen haben sich einige Koautoren zu Clarke gesellt, die sich aber bestens in das Slade-Konzept einfügen. Und das heißt ganz einfach: Bei der Lektüre sollte man Beruhigungsmittel bereitlegen. Eine komplette Würdigung muss an anderer Stelle erfolgen.
Michael Slade
KOPFJÄGER
Festa Verlag; 528 Seiten; 13, 95€.
Und ich werde nicht müde, auf Andreas Winterers Scott Bradley zu verweisen, den Mann aus dem Dirty-Tricks-Departmrnt von Perry Rhodan!
Die Galaxis steht vor dem Abgrund … doch Weltraum-Commander Scott Bradley ist längst einen Schritt weiter. Als dickfelliger Söldner und trinkfester Haudrauf ist er vor allem für tödliche Einsätze zu haben. Dabei operiert er stets jenseits von Gut und Böse und befreit das Universum von Aliens, Blobs, Mutanten und politisch korrekten Gutmenschen. Eine lustbetonte Ein-Mann-Armee, die Imperatoren, Partisanen und schönen Damen gleichermaßen unter die Arme beziehungsweise in die Gedärme greift, KULTURPLATZ brachte es auf den Punkt: „ Auch für Dumpfbacken tauglich und knallvoll mit Schwachsinn. Perfekte Trash-Literatur. Was willst du mehr, Leser?
Tief durchatmen und …. waaa-aaa-aaa!!! Der Untertitel ist Programm. Der totale Overkill an Blödheiten, Anspielungen und … Blödheiten. Auf jeder Seite des freundlich handlichen Büchleins finden sich mindestens ein halbes Dutzend … Blödheiten. Andreas Winterer hat in das Büchlein doppelt mehr Unfug hineingepackt als Mel Brooks in Spaceballs untergebracht hat. Und das will was heißen. Hut ab und Kratzfuß, lieber Andreas Winterer“
Wie könnte man auch ein Buch nicht bewundern, in dem so kunstvolle wie intelligente Sätze stehen (mein Lieblingssatz) wie: “Der Kobalt-Torpedo zischte vorbei, schrammte die Heckflosse und verlor sich dann in der Ferne des Alls (wo er dann Lichtjahre später aus Versehen eine hochstehende und gottesfürchtige Zivilisation auslöschen würde: die Supernova hatte jedoch auch ihr Gutes, da sie auf einer fernen Welt drei Typen aus dem Morgenland den Weg wies, was zahllose weitere Kriege, Folterungen und Steuern nach sich zog, aber das ist eine andere Geschichte).”
Andreas Winterer:
SCOTT BRADLEY
Evolver Books; 213 Seiten; 14 €.
Jetzt als eBook bei Kindle als kostenloser Download.
Besser ist aber ein “richtiges Buch”, dass man sich von Andreas signieren lassen kann (der Verlag macht da garantiert mit)!
Zsolnay hat uns jetzt lang genug mit den Pastiches von Donald Westlake über den altersschwachen Parker gelangweilt. Jetzt bringt der Verlag den neuen schottischen Noir-Star Tony Black. Sein zweiter Gus Dury-Roman beginnt damit, dass Gus einen Hund rettet, der von einer jugendlichen Gang gequält wird. Und dann stolpert der härteste Alkoholiker Edinburghs auch bald über eine Leiche. Der zuständige Bulle, der Durys Ex heiraten will, verpasst ihm erstmal eine Abreibung und macht ihn zum Verdächtigen. Alles noch harmlos, denn dann geht es erst richtig los und der großartige Autor schleift den Leser am Schlafittchen durch die Hinterhöfe der Hölle. “At the start of Gutted, he’s caught up in another brutal city killing and he suspects it’s not going to be long before he’s put in the frame. Add to that the fact that he’s inherited a pub – which is like putting a pyromaniac in charge of a fireworks factory – and it’s clear to see things have gone from bad to worse for the poor bloke.” Dummerweise wird Black gerne als „neuer Ian Rankin“ bezeichnet. Quatsch. Er ist anders und viel besser. „ Inside the crime genre I like Jim Thompson and David Goodis, and contemporary writers like Ken Bruen and Martyn Waites. I’m a huge Irvine Welsh fan“
Tony Black
GELYNCHT
Zsolnay Verlag; 382 Sewiten; 19,90€.
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Nun ist es doch passiert: Die Kölner Krimi-Buchhandlung ALIBI (eine der beiden ältesten in Deutschland) schließt die Pforten zu fiktionalen Höllenqualen. Und damit wird eine legendäre Institution zu Grabe getragen.
22 Jahre gab es ALIBI in Köln an verschiedenen Standorten. An zweien gehörte ALIBI zu den schönsten Buchhandlungen der Stadt und hob sich wohltuend von atmosphärelosen Großbaustellen wie THALIA oder MAYERSCHE ab.
Für die Atmosphäre war ein Mann zuständig: Manfred Sarrazin (vom Schicksal gestraft mit dem Bruder Theo). Manni gehört zu den umfangreichsten Kennern der Kriminalliteratur; wahrscheinlich kennt er von uns allen die meisten Titel. Denn er muss sich jeden Scheiß reinziehen, der gerade en vogue ist und von irgendwelchen Krimilemuren verlangt wird. Kein Subgenre, in dem Manni sich nicht auskennt. Unter vielen anderen verdanke ich ihm die Entdeckung von Stephen Hunter (was ich aber nie zugeben werde). In Köln läuft kein Crime-Afficionado rum, der ihm nicht mindestens einen Lieblingsautor verdankt.
Als er 1990 in der Engelbertstrasse 11 das erste ALIBI aufmachte, war er in einer ähnlichen Situation wie ein katholischer Missionar des 19.Jahrhunderts im Kongo. Er brachte das Wort. Anders als Missionare verkaufte er aber keine spinnerten Normen, sondern Ratio und Aufklärung (Denn der Krimi ist in seinen guten Werken nicht nur Kind sondern auch aktueller Vertreter der Aufklärung). Echte Kernerarbeit, die nur einer mit stählernen Nerven durchsteht. Und große Unterstützung durch die Kölner Medien bekam er dabei (bis auf den WDR ) nicht. Er musste den Job alleine erledigen – wie Charles Bronson oder Alain Delon.
Und Manni ließ es krachen: Er überzeugte die Buchhalter Kölner Kultur zur Mitfinanzierung von Lesungen der Elite der internationalen Kriminalliteratur: Ross Thomas, Lee Child, James Ellroy, George V.Higgins – um nur einige, wenige zu nennen. Alle waren in Köln und Manni hatte immer die Finger im Spiel.
Seit einigen Jahren macht er bei WDR5 alle zwei Monate bei der „telefonischen Mordsberatung“ mit. Und er ist der einzige Grund, sich dieses Krimistadl anzuhören, das sich ansonsten nur durch abstoßenden Frohsinn auszeichnet.
Das zehnjährige bestehen feierte ALIBI in der Ehrenstrasse. Zwar war dort das zweitschönste ALIBI, aber auch eine Gegend mit fürchterlichen Läden und elender Laufkundschaft, die eher darauf abzielt, ihre Wildschweinkörper in modisch-geschmacklose Outfits pressen zu lassen. ALIBI wirkte dort weite Trails lang wie Fort Apache in der Bronx. Die schönste ALIBI-Version war übrigens die auf dem Ring. Aber vielleicht meine ich das auch nur, weil Manni dort sein umfangreichstes Antiquariat hatte und mir zu fairen Preisen Paperback Originals überließ, nach denen ich ewig gefahndet hatte.
Neben der halbverblödeten Laufkundschaft („Der Herr Mankell schreibt so menschlich tief, nicht?“) lungerten im ALIBI zum Glück auch immer gute Freaks und vorlaute Stammkunden herum. Das sorgte dafür, dass die Kaffeemaschine nicht still stand, wir Stammtischkapazitäten uns über Manchette die Köpfe heiß redeten und jeden Zufallskäufer zu vergraulen drohten. Aber irgendwie wuselte Manni dazwischen hin und her um das Niveau einer Joy Fleming-Leserin auf die nächste Evolutionsstufe zu heben. Dort sind so manche Freundschaften und einige Stammtische begründet worden. Aber auch Loser wie Peer Steinbrück haben Mannis Regale besudelt und eingekauft.
Es wäre natürlich ungerecht zu unterschlagen, dass Mannis Partner großen Anteil an Erfolg und Mythos von ALIBI hatten; Vor allem seine Frau Barbara hielt ihrem genialischen Ehemann den Rücken frei. Und Michael Möhrke sorgte dafür, dass die betriebswirtschaftliche Komponente nicht unter der Begeisterung platt gedrückt wurde.
Aber der Star bei ALIBI war Manfred Sarrazin.
Manni, ich vermisse Deinen Laden jetzt schon und wünsche Dir nur das Allerbeste. Vor allem vermisse ich, wie wir uns dort oft gefetzt haben, da Du ja nie kapieren wolltest, dass ich alles besser weiß. Auch meinen Vorschlag, dass man ALIBI nicht ohne polizeiliches Führungszeugnis und einen von mir ausgestellten Geschmacksnachweis betreten dürfe, hast Du schmählich abgelehnt. Und Du hast auch mittags nie abgesperrt, um mit mir in Ruhe eine Flasche Whisky zu trinken.
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Na, da haben wir es mal wieder: Auf allen Kanälen wurde gestern im Fernsehen sensationsgeil über die vorzeitige Entlassung der Dutroux-Gattin und ihre Übersiedlung in ein Kloster berichtet. Kein Wort über die Dimensionen der “Affäre”, kein Wort über Nihoul als Mittelsmann zu höchsten politischen und wirtschaftlichen Kreisen. Kein Wort über die (mindestens) 27 ermordeten Zeugen. Statt dessen wurde Dutroux auf sechs Opfer runter reduziert, die er wohl als “verwirrter Einzeltäter” nur mit der Gattin für seine perversen Neigungen mißbrauchte. Und von denen wurden ja auch noch zwei gerettet! Da versteht der deutsche Volksempfänger doch kaum, warum -O-Ton: – “die Wunde in der belgischen Bevölkerung so tief sitzt und noch nicht verheilt ist”. Ach ja, es gab damals Ermittlungspannen. Und eine geradezu revolutionäre Justizreform: Nicht mehr der Innenminister entscheidet über vorzeitige Entlassungen von verurteilten Häftlingen, sondern Richter. Dann ist wohl alles geklärt. Dutroux soll es ganz gut gehen; er wird immer fetter im Knast. Aber wer die gute belgische Küche und das wunderbare belgische Bier kennt, wird das verstehen. Vielleicht sollte man eine Petition initiieren, damit der arme Kerl etwas mehr Bewegung bekommt, bevor er einen tödlichen Unfall erleidet (wenn er nächstes Jahr seinen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung stellt).
Aber wir wollen ja nicht noch zu Verschwörungshysterikern werden! Ein paar Kinderschänder gibt es nun mal in jeder freien Gesellschaft. Wer dahinter mehr vermutet, glaubt wahrscheinlich auch, dass der Irak-Krieg bewusst auf einer Lüge aufgebaut war.

www.amazon.de/DER-SODOM-KONTRAKT-ebook/dp/B006UJXY76/ref=ntt_at_ep_dpt_9
Immer wieder sehenswert:
http://www.youtube.com/watch?v=yKc6-TqBfk4&feature=relmfu
http://www.youtube.com/watch?v=FWsK3YpT-Ss
http://www.youtube.com/watch?v=NHoGrV5xrEg
http://www.youtube.com/watch?v=aaX8Hi1nKV0&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=cS_5xlunEEI&feature=related
„Meine Arme sind so lang wie die Donau“.
Im Prozess wurde er lediglich für die Mitgliedschaft in einer Bande bestraft. Die Geschworenen befanden Nihoul mit einer Mehrheit von sieben zu fünf Stimmen für schuldig. Da dies nach belgischem Recht nicht ausreicht, wurde die Justiz beigezogen und Nihoul für unschuldig erklärt. (berichtet das deutsche Wikipedia im spärlichen Artikel über den verdienten Bestsellerautor, der in seinem Buch alle Missverständnisse zu seiner Person gerade rückt).
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Programmhinweis
Radio
WDR 5, 12.07.2012, 10.05 – 11.00 Uhr
Neugier genügt – Literarische Auslese
Themenspecial 50 Jahre Rolling Stones: In der Pause prügelten wir uns regelmäßig mit den Beatles-Fans Eine Jugend mit den Rolling Stones
Von Martin Compart
„Diese fünf Visagen hatten für mich dieselbe Symbolkraft wie Marilyn über dem U-Bahnschacht oder Bogart mit der Zigarette. Nichts in der Welt wollte ich lieber besitzen als die Platte mit den entscheidenden Eröffnungsworten: „Kids are different today, I hear every mother say“.
Der Eintritt in eine andere Dimension. Diese Platte hatten meine Jungs für mich gemacht, damit ich diese betonharten Zeiten durchstehen konnte. Die Stones standen mir bei im Elend dieser von Geisteskranken beherrschten Welt“, so beschreibt Martin Compart, Autor, Lektor, Kritiker, geboren 1954 in Witten an der Ruhr sein Verhältnis als Jugendlicher zu den Rolling Stones. Die große Zeit der Stones fiel in seine Pubertät, die Auflehnung gegen das Elternhaus, die Aufarbeitung der Nazizeit und die 68er Bewegung. Und die Band traf den richtigen Ton, allerdings nicht aller. „In den großen Pausen trafen sich Stones- und Beatles-Fans, um sich gegenseitig auf die Fresse zu hauen. Da trafen unversöhnliche Weltanschauungen aufeinander – mit Musik hatte das nichts zu tun: Die Stones wollten nicht die Hand von irgendjemand halten.“ Die Rolling Stones als radikales Lebensgefühl, Erinnerungen an eine versunkene Zeit.
Sprecher: Hans Peter Hallwachs
Redaktion: Thomas Hauschild
PS: WOW! Der grosse Hans Peter Hallwachs liest Texte aus meinem Buch über die Stones! Seit er Steve Gardiner gesprochen hat, bin ich besenharter Fan von ihm und sehe mir seinetwegen sogar schon mal eine ZDF-Vorabendkrimiserienfolge an. Und zumindest einen Stones-Bezug gibt es auch: Er gab sein Filmdebut in Volker Schlöndorffs MORD UND TOTSCHLAG an der Seite von Anita Pallenberg; die Filmmusik war von Brian Jones.
PPS: Wir sehen uns am 12.7. im Marquee-Club, denn da spielen die Stones auf den Tag genau ihr 50jähriges Jubiläum.
PPS: Und deshalb hier ein paar Auszüge aus dem Buch:
“Rock’n'Roll erwischte England wie die Bombe von Hiroshima”, sagte Keith. Dann kamen die Beatles und Europas Teenager begannen durchzudrehen; 1963. 1964 kehrte der Rock in die USA zurück mit der großen British Invasion: Alle englischen Bands wurden von Bomber Harris in ein Flugzeug in die Staaten gesetzt und zerbombten die US-Hitparaden. Mit Gitarren wie Kalaschnikovs schossen die Brit-Bands den Frankies & Rickys die Eier weg. Die Kulturrevolution trat in die entscheidende Phase.
Es muss so ’64 gewesen sein, als mir erstmals die Basslinien von Bill Wyman die Magengedärme aufwühlten und Technicolour in mein Leben brachte… Wenige Tage später sollte ich erfahren, was mich so angemacht hatte: Wir waren auf einem dieser unerträglichen Verwandtschaftssonntagsbesuche bei einem Onkel, und mein älterer Cousin besaß dank seiner noch älteren Schwester einige dieser neuen Lärmplatten mit langhaarigen Affen auf der Hülle, die bei Erwachsenen nicht allzu gut anzukommen schienen. Die sagten einem auch klipp und klar, was das war: Es war Negermusik aus dem Dschungel, gespielt von ungewaschenen Langhaarigen, die nur Vergewaltigung, Totschlag, die Abschaffung der Zivilisation und die Vorbereitung der kommunistischen Weltherrschaft im Sinn hatten. Diese Kerle waren gegen geregelte Arbeit, ordentliches Familienleben, Zebrastreifen, den Goldenen Schuss (Lou van Burg – nicht das Frankfurter Bahnhofsklo), den Blauen Bock, Turmfrisuren, VW-Käfer, Wirtschaftswunder und saubere Gesinnung, erklärten die Alten rot angelaufen mit Geifer vor dem Maul. Die wollten alles kaputt machen. Sie waren das Schlimmste, was es gab. Genauso schlimm wie Fidel Castro und Mao und schlimmer als Hitler oder der 2.Weltkrieg, den man leider verloren hatte. Im Grunde verkörperten sie das, wogegen die Alten heroisch gekämpft hatten: die Dominanz des Untermenschentum. Nur Untermenschen konnten derartigen Krach machen. Verjudete Negermusik.
…
All der Hass auf die Welt und ihren Nachwuchs ergoss sich nun über die Rolling Stones, die noch schmutziger als ein Stripklub waren. EVENING STANDARD vom 21.3.64: “Sie haben in der Musikszene Schreckliches angerichtet; sie haben sie an die acht Jahre zurückgeworfen. Als wir unsere Popsänger gerade soweit hatten, dass sie alle sauber, ordentlich und nett aussahen, da kamen die Stones daher und sahen aus wie Beatniks. Sie haben das Image der Popsänger der sechziger Jahre ruiniert.” Und zur ersten Australien-Tournee stellte der SYDNEY MORNING HERALD fest: “Ein unverhohlen sexueller Akt, auf den die keuschen Beatles unsere zarten Teenager nicht vorbereitet hatten.”
Die fett gewordenen Weltkriegsveteranen und Wirtschaftswunderspießer wussten genau, wie man mit solchen Burschen verfahren musste: Erst mit dem Schlauch abspritzen und dann erschießen. Liberalere Geister erwogen noch Arbeitsdienst oder ein paar Monate in einem gut geführten KZ. Sie hatten es aber auch verdammt schwer. Erst mal kam diese verdammte Anti-Babypille, die Frauen angstfreien Sex garantierte. „Die Pille verautomatisiert die Liebe und versaut die Moral.“ …
Der erste wirklich große deutsche Hit der Stones war natürlich das Zerlegen der Berliner Waldbühne – hinreichend bekannt. Sentimentalität kommt auf, wenn man den Bericht des Axel-Springer-Heloten Matthias Walden darüber liest (in DER MONAT 11/65)…
…
Keine Negermusik auf deutschen Wellen war das grimmige Prinzip der öffentlich-rechtlichen Sender. Wahrscheinlich wären die Ätherwellen kotzend zusammengebrochen. Lediglich Radio Luxemburg und AFN ermöglichten uns einen Blick in die angelsächsischen Hitparaden. Und wenn man die laut aufdrehte, stand garantiert ein tobender SS-Mann im Zimmer, weil man unerlaubt den Feindsender hörte: “Mach die Urwaldmusik aus. Davon wird man krank.” Rock-Musik war verboten! Aber natürlich fand die Musik immer einen Weg zu den wahren Glaubensbrüdern.
…
Aber der Abschuss war ein Interview mit Brian Jones in LUPO MODERN:
FRAGE: Wer sind die besten Sänger?
JONES: Ganz klar die Italiener. Denen liegt das Singen so im Blut wie uns Engländern das gute Benehmen.
Neben Berichten über Beat-Musik und wie der alte Pierre im Dschungel von Asien aufgeräumt hatte, gab es zum Glück in BRAVO noch genug anderen Mist, auf den man sich rausreden konnte: Jeden Tag übt Hugh O’Brian (Wyatt Earp) vor dem Spiegel das schnelle Ziehen. Da lernte man was fürs Leben.
Eines der besten und stärksten Argumente der Alten in der BRD lautete: GEH DOCH RÜBER, WENN ES DIR HIER NICHT PASST. Gemeint war natürlich die DDR, wo alle am Hungertuch nagten, in Neo-KZs vegetierten und mit der Kalaschnikow zwischen den Zähnen hinter der Mauer lauerten, um die freie westliche Wohlstandsgesellschaft zu überrennen. “Wenn ich das schon höre: Das System ist schuld! Geh doch rüber, wenn es dir hier nicht passt! Ja, ja: Manipulation! Alle sind manipuliert. Dann geh doch rüber. Der Iwan wird dir schon zeigen, was System ist. Dir und deinem Adorno. Die Rolling Stones kannste gleich mitnehmen.” Im tiefsten Herzen ahnten sie, dass es drüben besser war. Sie wussten nur nicht, wo drüben ist.
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Meine ersten E-Books sind erschienen und bei Amazon im Kindle-Shop verfügbar. Es handelt sich um das lange vergriffene Buch über die Rolling Stones (überarbeitete Fassung) und den ersten Gill-Roman DER SODOM KONTRAKT.
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2000 LIGHTYEARS FROM HOME – Eine Zeitreise mit den Rolling Stones unter:

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