Martin Compart


INTERVIEW ZU LUCIFER CONNECTION by Martin Compart
28. August 2011, 9:16 vormittags
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Inner halb kurzer Zeit hat sich EVOLVER BOOKS in einer Marktnische etabliert: Mit Neo-Pulp-Fiction, die bewusst auf subversive Literatur jenseits der verklemmten Bildungsbürgerliteratur setzt. In seiner Konsequenz erinnert EVOLVER BOOKS an die legendäre britische Reihe ATTACK
Innerhalb kurzer Zeit hat s!BOOKS. Schon die Cover fallen aus dem heutigen Normbrei, indem sie die Ästhetik der Paperback Originals aufgreifen und modernisieren. Die Masterminds hinter dem Verlag sind Peter Hiess und Robert Draxler (siehe Interviews unter Kategorie EVOLVER), in einschlägigen und uneinschlägigen Kreisen wohlbekannt und berüchtigt. Sie nehmen keine Gefangenen. Angesichts der Veröffentlichung meines Romans DIE LUCIFER CONNECTION hat mich Peter Hiess interviewt; dieses Gespräch erscheint hier als Vorabdruck.

HIESS: Wir kennen uns nun schon ein paar Jahre persönlich. Den meisten Leuten bist du als Herausgeber und Kritiker ein Begriff. Wie kam es dazu, dass du Fiction schreibst?

COMPART: Das ging Anfang der 1990er mit Drehbüchern los. Ich hatte für das ZDF 1990 ein Doku-Drama über die Gründung des britischen Geheimdienstes gemacht und Blut geleckt. Die US-Serie WISEGUY (KAMPF GEGEN DIE MAFIA) zeigte mir, was alles in dem Medium möglich ist und dass TV-Crime-Serien ähnlich komplex wie Romane sein können. Heute, im Golden Age der TV-Serien – dank NIKITA, 24, DEXTER, BREAKING BAD, SPOOKS usw. – ist das ein alter Hut. Aber damals war das eine Innovation. Ich schrieb solche Sachen, gewann damit Preise, aber sie wurden nicht realisiert. Das deutsche Fernsehen bzw. seine Verantwortlichen, waren noch nicht reif dafür. Und angesichts solcher Heuler wie IM ANGESICHT DES VERBRECHENS von Dominik Graf bin ich im nachhinein dankbar dafür. Nicht auszudenken, wie SAT 1 meine teuer erworbene Serie DEEP COVER umgesetzt hätte.

HIESS: Aber wie kam es zum Roman? Alte Drehbücher verarbeitet?

COMPART: Oh nein! Fernsehen funktioniert ja völlig anders als Literatur – obwohl sich beide Medien wunderbar befruchten können. Auslöser war die Frage, ob ich einen Roman hinkriegen könnte, also über die ganze, lange Distanz komme. Die Drehbücher hatten mir da ein bisschen Selbstbewusstsein gegeben. Nicht viel, aber etwas. Ein Roman ist schließlich was anderes als Sachbuch oder Drehbuch– die Königsdisziplin. Weißt du selber.

HIESS: Und was war der Auslöser für den SODOM KONTRAKT?

COMPART: Zwei Dinge. 1. Meine Wut über die Dutroux-Affäre und dass mir niemand die Recherche für ein Sachbuch bezahlte. 2. Richard Bradford alias McGill, DER MANN MIT DEM KOFFER. Eine meiner Lieblingsserien. Ich überlegte: Was wäre wenn McGill heute lebte, Deutscher wäre und in die Dutroux-Geschichte schliddern würde? Und was wäre, wenn man eine Nymphomanin zur Mitheldin macht und ihr die Ehre lässt, also diese verklemmte Spießermoral weglässt? Das waren die Initialzündungen.

HIESS: Wieso hat es ca. zehn Jahre gedauert bis zum zweiten Roman?

COMPART: Angst und keine Zeit. SODOM zu schreiben war knallhart. Der härteste Schreiberjob meines Lebens. Wenn du einen Roman schreibst, kannst du daneben nichts oder sehr wenig anderes machen. Ich hatte einfach zuviel um die Ohren. Als dann die Taschenbuchausgabe von SODOM im Alexander Verlag rauskam und ich mich durch Lesungen usw. wieder damit beschäftigen musste, kam ich wieder auf den Trip. Wewerka (Verleger des Alexander Verlags) wollte einen zweiten Roman. Aber meine erste Fassung missfiel ihm und wir haben uns überworfen. Das war nicht gerade motivierend. Ich hatte keine Lust, weiter daran zu arbeiten und dann Klinken putzen zu gehen.

HIESS: Was missfiel denn?

COMPART: Ich glaube, er hat das ganze Konzept nicht kapiert. Um mal nachzutreten: Der kennt sich im Genre nicht aus, kann nur das veröffentlichen, was schon mal woanders veröffentlicht wurde. Kein visionärer Verleger, obwohl er sich mit der Fauser-Ausgabe ein tolles Denkmal gesetzt hat. Ich glaube, der hat auch nur SODOM gemacht, weil ich mit Jörg befreundet war. Wir waren jedenfalls nicht miteinander kompatibel.

HIESS: Sowas gibt´s.

COMPART: Dann kamst du ins Spiel und hast mir angeboten, LUCIFER bei EVOLVER als „Vorabdruck“ zu machen. Das war mir natürlich lieber, als wenn ich es in meinem Blog gemacht hätte. Und dann haben du und Robi EVOLVER BOOKS gegründet und mir dafür ein Angebot gemacht. Und darüber bin ich froh, weil ich das Konzept liebe. Es kamen während des Vorabdrucks zwei Angebote von kleinen Verlagen an mich, aber die waren weniger überzeugend. Außerdem stand ich bei dir im Wort. Ich schätze einen Verleger, mit dem man per virtuellem Handschlag eine Abmachung treffen kann. Außer bei EVOLVER BOOKS hätte ich mir LUCIFER nur noch bei Heyne Hardcore vorstellen können. Im üblichen Mischmasch von Allgemeinen Reihen hätte ich mich sehr unwohl gefühlt. Mich haben sofort die Cover angemacht. Und mit jemanden wir Abdreas Winterer im selben Verlag – das hat schon was. Sowas wie die alten Ullstein- oder Heyne-Cover wollte ich immer für mich. Und jetzt habe ich es: Jörg Vogeltanz hat mir ein Robert McGinnis auf Speed-Cover gemacht.

http://www.evolver-books.at/buchshop.php

HIESS: Worum geht es in LUCIFER CONNECTION?

COMPART: Kurz gesagt: um die Internationale der Satanisten, Freundschaft und Rache.
Und es geht um Tierfänger, Söldner und Sierra Leone. Inspiration war meine Angst, dass auch meine Katze entführt werden könnte und im Versuchslabor oder als Rheumadecke endet.

HIESS: Mit den Protagonisten aus dem SODOM KONTRAKT.

COMPART: Ja. Aber der Roman ist anders gebaut. In SODOM habe ich elliptisch erzählt, in LUCIFER beschreibe ich eine lineare Quest mit dem übellaunigen allwissenden Erzähler. Es beginnt mit einer klassischen Ermittlung – soweit Gill überhaupt klassisch ermittelt – und wird dann zum Action-Thriller. Mir ging es noch mehr als in SODOM um Tempo. Ich wollte ausprobieren, wie man mit Geschwindigkeit arbeitet, wann man verzögert und wie …

HIESS: Und nichts ist politisch korrekt.

COMPART: Ich hoffe nicht.

HIESS: Wird es einen dritten Roman geben?

COMPART: Ist in Arbeit. Um Hammett zu zitieren: Es ist schön, einen neuen Roman zu haben, an dem ich nicht arbeite; der alte, an dem ich nicht gearbeitet habe, begann mich zu langweilen. Dank Schäuble habe ich Stoff. Der erste deutsche Minister der Mafia-Lobby. Mit seinem Schweizer Abkommen hat er dafür gesorgt, dass Steuerfahnder und Kripo nicht mehr der Spur des Geldes folgen dürfen. Damit ist Deutschland endgültig belgiesiert. Ich habe aber auch gehört, das Schäuble ein guter Mensch sein soll. Angeblich spendet er seine abgefahrenen Rollstuhlreifen afrikanischen Stämmen, damit sie sich Sandalen daraus machen können.


DER SODOM KONTRAKT als eBook bei:http://www.amazon.de/DER-SODOM-KONTRAKT-ebook/dp/B006UJXY76/ref=sr_1_6?ie=UTF8&qid=1325937554&sr=8-6



HÖRBÜCHER: DARKNESS-WETTLAUF MIT DER ZEIT by Martin Compart
17. August 2011, 8:37 vormittags
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DARKNESS-WETTLAUF MIT DER ZEIT
Von Douglas Prestonn & Lincoln Child
(Lübbe Audio, 6 CDs) ca. 10,99 Euro

Es gibt Autoren, die mag ich einfach nicht lesen, höre sie aber sehr gerne. Preston & Child sind ein Beispiel dafür. Als dicke Romane kann ich nichts mit ihnen anfangen: zu redundant, zu kalkuliert, stilistisch uninteressant, zu oft geradezu idiotische Plots. Eben zu trivial für den Seitenumfang, zu langweilig. Ihr Special Agent Pendergast ist meistens eine echte Nervensäge in seiner Mischung aus Holmes, Alan Quartermain und Professor Challenger (die Widergeburt des Wissenschaftsdetektiv mit einer gehörigen Prise Superagent).

Auf der anderen Seite spricht für die höchst erfolgreichen Thriller, wie gnadenlos sie populärkulturelle Topoi plündern (angefangen bei Sherlock Holmes und Rider Haggard) und wie sie das, häufig angereichert mit wissenschaftlichen Kenntnissen, durch den Fleischwolf drehen. Dann kommt in ihren besten Momenten eine spannende und originelle (Hör)Lektüre heraus. Preston & Child sind Meister der Cliffhanger-Serials und die Romane tolle Vorlagen für Hollywoods verkommenes Popcorn-Kino. Echte Pulppageturner.

Als Hörbücher für Autofahrten mag ich sie sehr. Da haben sie mir über so manchen Stau geholfen. Sie verlangen nicht zuviel Konzentration, packen einen aber hart genug um unbemerkte Kilometer zu fressen.

Ich kenne nicht alle Abenteuer, aber viele. Und eines ihrer Highlights ist für mich DARKNESS!
Eine geradezu aberwitzige (und originelle) Mischung aus Esoterik- und Techno-Thriller. Es beginnt damit, dass Pendergast und sein Mündel in einem tibetanischen Kloster Seelenfrieden suchen. Dann bittet sie der oberste Lama, etwas zurück zu bringen, dass dem Kloster gestohlen wurde und das Böse endgültig über die Welt bringen wird, da es Empathie vernichtet und den Egoismus bis zur Selbstzerstörung potenziert. Nein, keine Aktien oder Schäubles Mafia-Abkommen über Steuerhinterziehung mit der Schweiz. By the way: Schäuble wäre ein guter Bond-Schurke: Von Grund auf verbittert, dem das „Böse“ im Gesicht geschrieben steht. Als „diabolischer Rollstuhlfahrer“ wäre er auch was für Marvel.

Der Hauptteil spielt auf dem größten Luxusliner der Welt, der natürlich in allerschlimmste Situationen gerät. Was Preston & Child da an Faktenwissen in den Plot integrieren, ist höchste Kunst und erinnert an Forsyths Tankerpassagen aus DEVIL´S ALTERNATIVE. Nett sind auch die Beobachtungen, in denen sie das Luxusleben auf den Decks gegen die Sklavenexistenz der Ausgebeuteten unter Deck beschreiben. Diese Katakomben der Unmenschlichkeit erscheinen genauso realistisch wie gruselig. Auch wenn das Ende nicht für jeden befriedigend ist, bleibt es im Rahmen der okkulten Prämisse schlüssig. Kein anderer Roman der Serie hat dieses Niveau bisher erreicht – auch nicht die gern gelobte Diogenes-Trilogie (von Schrott wie RITUAL, MANIAC oder FEVER ganz zu schweigen).

Dass Detlef Bierstedts Vortrag dem von ihm gewohnt hohem Niveau entspricht und die Spannung voran treibt, muss nicht mehr erwähnt werden. Kai Lüftners sorgfältige Bearbeitung erspart die schlimmsten retardierenden Momente – so mein Eindruck.

Wer DARKNESS im Urlaub am Strand hört, vergisst ins Wasser zu gehen (oder wird das feuchte Nass gar ängstlich meiden). Vorher jedenfalls gut eincremen; die Zeit fliegt!
Ich bin froh, diesen Blockbuster gehört zu haben!




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