Martin Compart


NOIR-FRAGEN AN GEORGE T.BASIER by Martin Compart
25. August 2010, 11:47 vormittags
Einsortiert unter: Andy McNab, Bücher, Crime Fiction, Fragebogen, Heftroman, Jim Thompson, Krimis, Noir, Porträt | Schlagwörter: , , , ,

Er gehört zu den wenigen deutschen Thriller-Autoren, die gegen den Strom schwimmen. Und das radikal und kompromisslos. Deswegen veröffentlicht er seine Bücher als Book on Demand, denn er hat keine Lust, sich von inkompetenten Lektoren kastrieren zu lassen. Und sein Erfolg beweist, dass man nicht unbedingt einen Publikumsverlag braucht um interessierte Leser jenseits frustrierter Mittelschichtshausfrauen zu finden. Vor dem Bünnagelschen Noir-Fragebogen also näheres zur Person:

„1969 in Wedel bei Hamburg geboren. Teilweise auf den Schiffen meines Vaters (Kapitän) aufgewachsen. Mutter ist als Köchin mitgefahren. Dadurch habe ich zum Beispiel als Jugendlicher in den frühen Achtzigern den Libanon von innen gesehen.
Nach dem Zivildienst habe ich erfolgreich zwei ingenieurwissenschaftliche Studiengänge in den Sand gesetzt. Finanziert habe ich das Vergnügen mit Jobs in der Alten- und Kinderpflege. Dann hat mir ein Professor geraten, es mal mit der Mathematik zu probieren. Was auch sehr gut gepasst hat. Nebenbei war ich längere Zeit in einer linksautonomen Gruppe aktiv und bin seit über zwanzig Jahren von einer massiven Sportsucht geplagt. Vier bis sechsmal in der Woche ins Fitnesscenter, drei mal Fahrradtraining, zwei mal Joggen, am Wochenende oft eine Mischung aus Wandern und Survivaltraining, oder Klettern und Fallschirmspringen. Gelegentliche Gewaltmärsche, wie etwa in vier Tagen von Hamburg nach Hannover (unter Umgehung von Straßen natürlich) oder ähnliche selbst auferlegte Prüfungen meiner Männlichkeit waren lange Zeit unumgänglich. Gewohnt habe ich immer in Hamburg. Viele Reisen führten mich aber in die Berge und in tropische Regionen, meist mit nur wenig mehr als Taschenmesser und BW-Poncho im Gepäck. Geführt hat mich diese permanente Suche nach meiner Männlichkeit aber nur in eine mittelgradige Depression und ins Schreiben. Vor drei Jahren bin ich mit meiner langjährigen Freundin, wir kennen und schätzen uns nun schon seit fast zwanzig Jahren, und heutigen Frau in die Nordheide aufs Land gezogen und suche nun meine Männlichkeit zwischen Windeln, Einkaufskörben und Herd. Sollte ich eine beschreibende Bezeichnung für mich selbst finden müssen, dann würde ich irgendwo zwischen recyceltem Punk und gescheitertem Mathematiker suchen.“

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„Das Buch ist, wie ein Leser in einer Amazon-Rezension ganz richtig vermutet, als Adaption von Frank Millers „The Hard Goodbye“ angelegt. Erreichen wollte ich eine Art Technothriller, ohne die oft scharfe Trennung zwischen Gut und Böse. Wobei das Gute in dem Subgenre ja zu allem Überfluss auch noch oft von staatlichen Stellen kommt z.B. Clancy. Dabei lag mir sowohl der technischer Realismus, als auch das Scheitern, als Gegengewicht zu Hollywood, sehr am Herzen. Bei der Gewaltdarstellung wollte ich vor allem Entsetzen und Eckel erregen. Alles andere kann meiner Meinung nach nur verharmlosen. Das Buch entstand in einem zweiwöchigen Schreibrausch fast ohne Schlaf.“

„Jägers Fall“:
Dieses Buch ist so etwas wie meine „Abrechnung“ mit dem Krimigenre im Allgemeinen. Ich denke, dichter werde ich dem „Standardkrimi“ wohl nie wieder kommen. Schon die Perspektive des üblichen Krimis, Kriminalität als Objekt polizeilicher Arbeit, empfinde ich als falsch, weil es für mich einfach nicht das Wesentliche der Kriminalität zeigt. Die Geschichte ist für mich so etwas wie eine Reise in die kranke Psyche eines Monsters. Etwa so wie ein Gespräch mit einem Fremden auf einer Party, bei dem man im Verlauf langsam merkt wie durchgeknallt der Typ neben einem ist, und wie wenig klar es ihm selber ist.

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Das Buch ist ganz anders als „Der Killer und die Hure“ entstanden. Ich habe Flussdiagramme für die Handlung gezeichnet und über längere Zeit hinweg Szene für Szene konstruiert. Erreichen wollte ich dabei auch eine gewisse „Künstlichkeit“, wie in einem Musikstück, deshalb auch Jägers „Refrain“. Überhaupt lasse ich mich gerne von Musik inspirieren. Am liebsten hätte ich noch eine Gebrauchsanweisung für den Leser vorweg gestellt: „Bitte wie ein Mann lesen! Also langsam, mit etwas schleppender Stimme und viel Atempausen.“ Ich glaube anders kann Jäger gar nicht richtig wirken.Man kann „Jägers Fall“ auch als eine Art Fortsetzung von „Der Killer und die Hure“ lesen. Obwohl ich finde, dass die beiden Bücher fast zu unterschiedlich sind. Darüber hinaus hatte ich bei beiden Büchern das Ziel, Leseerwartungen zu enttäuschen. Also den Helden scheitern zu lassen und den Kommissar mit dem Serienkiller zu verschmelzen. Müsste ich mir eine gemeinsame Überschrift, über alles was ich bisher geschrieben habe und alles was noch geplant ist suchen, würde ich sicher Männerwelten wählen.

NOIR-FRAGEN:
Name?
George T. Basier (was natürlich schon gelogen ist, keine Sau heißt wirklich so)

Berufungen neben dem Schreiben?
Familie, Wandern, Filme, Lesen, möglichst oft das Leben genießen (und das kann vieles heißen, von dem Glas Rotwein bis zum Sprung aus einem fliegenden Flugzeug).

Film in Deinem Geburtsjahr?
Ein Fressen für die Geier (Ein Film, den ich immer wieder gerne sehe).

Was steht im Bücherschrank?
Gustav Hasford (Eine Ausgabe von „Höllenfeuer“ mit Charlie Sheen und Tom Berenger auf dem Cover! Das meint man wohl mit Ignoranz!), Cormac McCarthy, Andrew Vachss, Jim Thompson, James Lee Burke, Robert B. Parker, Joe R. Lansdale, James Sallis, Daniel Woodrell, Andy McNab… und viele Fachbücher zu diversen Themen (von Konfliktforschung über Reisebeschreibungen bis hin zu Mathematik)

Was war Deine Noir-Initiation (welcher Film, welches Buch)?
Ich glaube, so etwas hatte ich nie.

Welches Noir-Klischee ist Dir das liebste?
Das Harter-Mann-Schöne-Frau-Ding.

Ein paar Film noir-Favoriten?
Sin City – ihr könnt mich schlagen, aber gibt es etwas Plakativeres, etwas, wo der Kontrastregler weiter aufgedreht wurde?

Und abgesehen von Noirs?
Brazil, Naked Lunch, Harold and Maude, Barton Fink, Buffalo 66, Secretary, Fight Club, Dark Star, Tremors, Falling Down, Alien, Heat, Blade Runner, Die Brücken am Fluss, Hinter dem Horizont…das ist fast grenzenlos, ichglaube, es gibt für jede Stimmung einen Film, der mir gefällt.

Welche Film- oder Romanfigur würdest Du mit eigenen Händen umbringen?
Ein paar meiner Figuren zum Beispiel. Alleine dafür, dass sie in meinem Kopf herum geistern.

Internet?
Was mich gerade interessiert.

Noir-Fragen – Dein Leben als Film noir

1. Im fiktiven Film noir Deines Lebens – welche Rolle wäre es für Dich?
Das Omega-Männchen, das plötzlich durchdreht und alles kurz und klein haut.

2. Und der Spitzname dazu?
Butschi.

3. Welcher lebende (oder bereits abgetretene) Schriftsteller sollte das Drehbuch dazu schreiben?
Frank Miller (vielleicht in Koproduktion mit Andy McNab).

4. Berühmtestes Zitat aus dem Streifen? (Beispiel: Scarface = The World
Is Yours, White Heat = Made It Ma, Top Of The World)
„Meinst du mich? Redest du mit mir?” Natürlich in Anlehnung an Taxi Driver.

5. Schwarzweiß- oder Farbfilm?
Postkartographie in brillanten Farben. So brillant, dass jede Hautunreinheit auf meiner fettigen Stirn sichtbar wird.

6. Wer liefert den Soundtrack zum Film?
Rummelsnuff.

7. Welche Femme fatale dürfte Dich in den Untergang führen?
Die freundliche Kassiererin von Aldi, die mich fast an das Gute imMenschen glauben lässt, mich dann aber verarscht.

8. In welchem Fluchtwagen wärst Du unterwegs?
Geplant wäre ein Lada Niva, aber wahrscheinlich würde es ein uralter Fiat 500 werden, mit etwas Pech sogar in Lila, ich kenn mich doch!

9. Und mit welcher Bewaffnung?
Alles was in die klapperige Karre rein geht: HK MP7, HK416, FN Minimi, Glock 19.

10. Buch für den Knast?
Die Nackten und die Toten, damit ich weiß, wie gut es mir geht.

11. Und am Ende: Welche Inschrift würde auf dem Grabstein stehen?
Ich fürchte: „Er hatte Schuhgröße 42!“:


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